Am Samstag, dem 7. November 2009, fand in Sistig, dem im Nationalpark Eifel gelegenen malerischen Wahlheimatdorf des Essayisten, Lyrikers und Edition-YE-Herausgebers Theo Breuer eine lange Nacht der Lyrik statt, die von den zahlreich erschienenen, aus nah und fern angereisten Gästen im beinahe bis auf den letzten Platz besetzten kleinen, aber herausragend bestückten privaten Kunstmuseum Krüger mit Begeisterung aufgenommen wurde.
Während des knapp dreistündigen Programms, eingeteilt in zwei „Kapitel“ von jeweils vier bzw. fünf Sequenzen, die der Lautenspieler Hans-Peter Peil mit stilvoll vorgetragenen Musikstücken der Renaissance kongenial zu einer Einheit verband, bei dem die unterschiedlichsten Temperamente und Tonarten deutscher Dichtkunst exemplarisch vorgestellt wurden, führte Theo Breuer anhand 50 ausgewählter Gedichte von Walther von der Vogelweide (im mittelhochdeutschen Original vorgetragen) über Johann Wolfgang Goethe, Friedrich Hölderlin, Annette von Droste-Hülshoff, Georg Trakl („Grodek“), Jakob van Hoddis, Else Lasker-Schüler, Gottfried Benn („Was schlimm ist“), Paul Celan, Rolf Dieter Brinkmann, Thomas Kling („Inhalator“), Axel Kutsch („Feier des Wortes“, „Wegbeschreibung“), Markus Peters („altenheim 2060“) u.v.a. kenntnisreich, unterhaltsam und phasenweise zu Herzen gehend, zumeist nah beim Publikum stehend, frei und entspannt sprechend durch die abwechslungsreiche Geschichte der deutschen Lyrik…
Kurze Gastauftritte hatten der beispielsweise im Poetenladen vertretene Berliner Autor und Filmemacher Rainer Komers, der die Präsentation seiner Gedichte u.a. in die Schilderung einer nach Alaska führenden Reise einbettete, sowie der im Westerwald lebende Lyriker Andreas Noga, der mit einer hochamüsanten, lakonisch-verschmitzt vorgetragenen Gedichtmontage für Lachsalven sorgte. / Matthias Hagedorn, Süddeutsche 8.11.
Naz, Shafiq: Lyrikkalender 2010. Alhambra Publishing, B-Bertem 2009.
In der F.A.Z.-Hörprobe bisher: Brecht, Artmann, Ausländer, Benn, Hesse, Sachs und nun Bernhard. „Kurios“? Nunja. Jedenfalls hörenswert.
Über hundert der wichtigsten deutschen Dichterinnen und Dichter aus den letzten hundert Jahren werden in der Edition „Lyrikstimmen“ in Originalaufnahmen zusammengeführt und von ihren Verfassern, je nach Temperament, vorgetragen, abgelesen, aufgesagt, hingesemmelt und geschrien. Für die F.A.Z.-Hörprobe haben wir einige kuriose Beispiele ausgewählt.
Bei den Recherchen für diese Edition ergab sich in den Archiven ein unerwarteter Fund: Zwei Vorträge von Thomas Bernhard aus dem Jahr 1960 beim ORF. Es sind offenbar nicht nur die einzigen Lyrikaufnahmen des Autors, sondern es handelt sich bei „Bibelszenen“ und „Geflüster“ auch um bisher unveröffentlichte Bernhard-Texte. Auch die Rezitation selbst mag überraschen. Sie ist recht konventionell, im traditionellen Burgtheater-Sound gehalten.
„Lyrik gegen das Vergessen“ – Gedichte und Lieder aus Ghettos und Konzentrationslagern“. Diesen Titel trägt eine CD, die gestern im Rahmen einer Matinee im Kulturzentrum ehemalige Bezalel Synagoge vorgestellt wurde. Die bewegenden Texte ehemaliger Häftlinge las Schauspielerin Ursula Illert vor, sie wurde (wie auch auf der CD) auf dem Cello von Anka Hirsch mit selbst komponierten Stücken begleitet. …
Bei einer Reise nach Polen erfährt der Germanistikstudent Michael Moll in Gesprächen mit ehemaligen Zwangsarbeitern oder KZ-Insassen von den Gedichten, die in den Lagern der Nationalsozialisten entstanden waren. Der Student aus Deutschland wollte etwas gegen das Vergessen tun. Er sammelte rund 350 lyrische Dokumente und veröffentlichte sie 1983 als Magisterarbeit an der Uni Münster. 1991 erschienen die Gedichte in Buchform, und im Januar diesen Jahres schließlich nahmen Ursula Illert und Anka Hirsch mit Unterstützung der Chambré-Stiftung ihre CD auf. / Kreis-Anzeiger 9.11.
Christian Filips liest
Pier Paolo Pasolini:
Dunckler Enthusiasmo
Am Dienstag den 10. November, 20.00 Uhr
Im Haus des Buches, Gerichtsweg 28, 04107 Leipzig
Worin liegt der Antrieb zum Schreiben?
Ist die Renaissance des politischen Gedichts seine Reform?
Ist Ketzertum eine Grundeinstellung?
Dass Kunst zuallererst der Verschönerung der Welt diene, schreibt Nietzsche. Und er meint damit wohl, zumindest sollte er das meinen, dass es einen Punkt gibt, an dem ein ästhetisches Engagement in politisches umschlägt, umschlagen muss.
Das Paradies wäre die Identität von Gutem und Schönem.
Pasolinis Texte sind von der Sehnsucht nach dem Paradies durchdrungen und gerade deshalb politische Texte.
Edit-Redakteur Jan Kuhlbrodt unterhält sich mit Christian Filips und Konstantin Ames über Pasolini, Dialekt und Dialektik, Kunst und Politik. Filips und Ames werden lesen.
Vier Autoren aus der Region laden unter dem Motto „Novemberstreifen“ am 22. November (Sonntag) um 18 Uhr in der Burg Lüdinghausen ihre Zuhörer zu literarischen Streifzügen durch ihre eigenen Werke ein, heißt es in einer Pressemitteilung des veranstaltenden Kulturforums KAKTuS.
Die gebürtige Schwedin Bodil Edmar-Kerstin schreibt seit ihrem 16. Lebensjahr Gedichte, die sie unter anderem in den Sammelbänden „Mit meinen Worten“ und in „Literamus“ (Trier) veröffentlicht hat. Zuletzt las sie im März dieses Jahres im Olfonium in Olfen. Sie nahm an zahlreichen und Kunstseminaren sowie an Gemeinschaftsausstellungen in Senden und Recklinghausen teil. Bodil Edmar-Kerstin ist Mitbegründerin der Kulturinitiative Senden. Ihr Gedicht „Novemberstreifen“ gibt dem ganzen Literaturabend den Namen. …
Der vierte im literarischen Kleeblatt ist Jochen Rademacher-Beckmann. Schon als Student hat er mit Lyrik-Aktionen zum Beispiel durch Plakatierung einer ganzen langen Allee in Bonn mit Lyrik und aphoristischen Provokationen auf Randgebiete aufmerksam gemacht. In seinen Texten trifft man immer wieder auf den Versuch, über sich selbst zu lachen. Ironie und Satire liegen ihm sehr am Herzen und selbst bei psychischen Tiefgängen kann er sich ein Augenzwinkern nur selten verkneifen. Jochen Rademacher-Beckmann veröffentlicht seine Werke regelmäßig in der Literaturzeitschrift „Literamus“ aus Trier.
Als Ergänzung, Verdeutlichung und Zugang mit anderen Sinnen dürfen sich die Zuhörer auf zwei Tänzerinnen freuen. Sandra Reekers und Monika Rudelbach aus Bochum werden mit Masken- und Musikperformance dem Abend einen besonderen Rahmen geben. / Münsterländische Volkszeitung
Die letzten Telefongespräche mit Karin Hempel-Soos zeugten von nachlassender Kraft – körperlicher Kraft, nicht Willenskraft. Auch angesichts des Todes war diese Frau nicht gewillt, den Dingen einfach so ihren Lauf zu lassen. Sie wünschte sich eine Beerdigung in aller Stille. Und: „Keine Reden. Keine Lügen. Champagner.“ …
Natürlich war die Beisetzung am Freitag auf dem Poppelsdorfer Friedhof eine öffentliche Angelegenheit. Würdevoll, aber nicht ganz still. Beethovens 7. Sinfonie war unter anderem zu hören, Maria Callas („Casta Diva“) und Literarisches von Karin Hempel-Soos.
Der Text „Hören Sie endlich auf zu verwildern“ spiegelte die Lyrik und die Persönlichkeit der unsentimentalen, gleichzeitig hochsensiblen Autorin. Das kleine Rahmenprogramm hätte ihr gefallen.
Unter den zahlreichen Trauergästen waren langjährige Wegbegleiter, führende Köpfe aus Kultur, Wirtschaft und Politik. Eine große Koalition ministerialer Größen – gegenwärtiger und vergangener – war zur Beerdigung der am 23. Oktober gestorbenen Karin Hempel-Soos gekommen: Peer Steinbrück, Franz Müntefering, Ulla Schmidt und Norbert Röttgen. …
Peer Steinbrück und Thomas Franke lasen Gedichte von Karin Hempel-Soos.
Das Lakonische, mitunter provozierend Freche ihrer Poesie arbeitete Steinbrück mit dem ihm eigenen trockenen Witz perfekt heraus. Liebe und Sexualität, Eros und Tod, Familienleben, Männer und Frauen in der Politik – die Themenvielfalt der Lyrik von Karin Hempel-Soos war groß. Sie besaß die Empfindsamkeit der Dichterin und das (politische) Temperament der Kabarettistin, wenn es darauf ankam, blickte sie mit unerbittlichem Scharfblick auf die Welt. / Dietmar Kanthak, General-Anzeiger 7.11.
Michael Krüger, Chef des Hanser Verlags, fragt: „Warum traut man jeder noch so langweiligen Prosa mehr zu als einem Gedicht, das oft in zehn kurzen Zeilen für eine Sekunde den Himmel aufreißt?“
Er fragt: „Ist unsere Welt so prosaisch geworden, so auf die Aussage fixiert, dass der hohe Ton, auf den die Poesie gestimmt ist, wie eine Zumutung wirkt?“
Krüger ist Mitherausgeber einer Bibliothek für die Ohren, in der Lyrik mehr denn je die Stimme ihrer Dichter hat: 122 Autorinnen und Autoren aus 100 Jahren lesen eigene (insgesamt 420) Gedichte vor.
Über die Dichterstimmen:
Unauffällig liest Bernhard. Paul Celan singt fast. Karl Kraus singt wirklich („Das Lied von der Presse“). Ingeborg Bachmann haucht. Hermann Hesse vibriert. Anton Wildgans bebt. Franz Werfel nimmt sich wichtiger als Kurt Schwitters. Benn ist sehr berlinerisch, Friederike Mayröcker und Elfriede Gerstl haben Wien im Zungenschlag. / Kurier 8.11.
Das Leipziger Festival Textenet.de ermöglicht es nicht nur einem breiten Publikum, einige seiner Lieblinge wieder zu sehen, nicht nur können Literaten und Literaturinteressierte auf neue Entwicklungen und unbekannte Szenen aufmerksam werden, nein man kann sich auch selbst öffentlich beteiligen. Zwischen dem 20. und 24. 11. findet sich dafür jeden Tag eine andere Möglichkeit. Im Anschluss an die Veranstaltung „Bild und Bildner – Texte zur bildenden Kunst“ am Freitag, dem 20. 11., in der Galerie Koenitz (Dittrichring 16) wird das Podium geöffnet. Wer in Gedicht oder Notat den Grenzbereich von Literatur und bildender Kunst in den Blick nimmt, ist aufgerufen sich unter gzl-kontakt@web.de bei der Gesellschaft für zeitgenössische Lyrik anzumelden, um seine Arbeiten dort zu präsentieren.
Diese Gesellschaft gibt auch das „Poesiealbum neu“ heraus, möchte zum Thema des Abends auch ein Heft herausgeben und ist noch für neue Beiträger offen.
Am Sonnabend dem 21. 11. um 21.00 Uhr findet in der Werkstatt für Kunstprojekte (Karl Heine Straße 46-48) das „lauter niemand labor“ erstmals in Leipzig statt. Diese offene Textwerkstatt findet in Zusammenarbeit mit der Zeitschrift „lauter niemand“ seit Jahren in Berlin statt. Wer sich traut bis zu drei Gedichte oder einen Prosatext von maximal zehn Minuten Länge öffentlich zur Diskussion zu stellen, findet hier kompetente Ansprechpartner. Es wird darum gebeten, die vorzustellenden Texte in einigen Kopien mitzubringen
Wer diese Herausforderung (noch) scheut, dem bietet sich die Möglichkeit am Sonntag dem 22. ab 20.00 Uhr im FHL Club in der Eichendorffstraße 14 die Möglichkeit für zehn Minuten ans Mikro zu treten. Der Moderator ist freundlich und für die Lesenden gibt es Freibier. Kurzentschlossene melden sich einfach am Beginn des Abends beim Moderator.
Den Reigen beschließt „Der Durstige Pegasus – die älteste Lesebühne Europas“ mit Volly Tanner und Gästen am Montag 23.11. um 20.00 Uhr in der Moritzbastei. Hier sollte man sich unter Volly.tanner@gmx.de voranmelden.
Weitere Informationen unter http://www.textenet.de
geben und nehmen
das martinsfeuer erhitzt uns
noch als wir zurückkehren
dir ist so mild
dass du dich ausziehst
mir unter die haut gehst
die ich mit dir teile
wir haben keine eile
sind uns mantel und schwert
güte und gabe
Andreas Noga
Nach ihrem furiosen Debüt mit „kochanie ich habe brot gekauft“, jenem Lyrikband, der ihr vor drei Jahren den Peter-Huchel-Preis einbrachte, setzt die 1979 geborene Uljana Wolf ihre ebenso behutsame wie entschieden genaue Wortarbeit fort. Sie zieht den Leser in eine amüsante Sinnsuche zwischen Worten, Begriffen und deren Bedeutungen. Der akustische Wortwandel vom Deutschen zum Englischen und zurück ist ebenso detailversessen wie witzig. Er baut auf ein Phänomen, das Sprachwissenschaftler „falsche Freunde“ nennen. Was sich in beiden Sprachen orthographisch oder phonetisch ähnelt, hat meistens nichts miteinander zu tun. Die aus den vermeintlichen Ähnlichkeiten resultierenden Trugschlüsse und Irritationen macht sich Uljana Wolf im Hauptkapitel „DICHTionary“ zu Nutze. Mit ihnen beginnt ihre Reise durch Worträume bis zu den Quellen. Das Wörtlichnehmen von Redewendungen, mündliche Rede überhaupt, durchzieht ihre Verse: als Anrede, Aufforderungsgestus, Ausruf oder Dialog. /Dorothea von Törne, Die Welt 7.11.
Uljana Wolf
Falsche Freunde.
Kookbooks, Idstein und Berlin. 85 S., 19,90 Euro.
Außerdem in der Sammelrezension:
Valzyna Mort
Tränenfabrik.
A. d. Weißruss. v. Katharina Narbutovic. Suhrkamp. Frankfurt/M. 96 S., 10 Euro.
Arielle Greenberg
Stadt aus Papier.
Aus dem Engl.von Ron Winkler. Christian Lux, Wiesbaden. 124 S., 18,50 Euro.
Endlich wieder eine unverwechselbare Stimme aus Italien! Nach Eugenio Montale, Giuseppe Ungaretti und Umberto Saba, dem Dreigestirn der klassischen italienischen Moderne, kam – außer Pier Paolo Pasolini – lange Zeit nichts Aufregendes, so schien es. Derweil schickte sich Patrizia Cavalli, geboren 1974 in Umbrien an, ihre Gedanken in rhythmischen Wohlklängen kundzutun. Die Edition Akzente bietet eine beeindruckende Werkschau ihrer fünf Gedichtbände, ergänzt durch ein Vorwort des Übersetzers Piero Salabè und ein Nachwort des Philosophen Giorgio Agamben. Die Römerin Patrizia Cavalli schlüpft elegant und ironisch in die Rolle der zerstreuten Müßiggängerin. Ihr lesend folgen heißt: Zwischen Licht, Wolken, Himmel und Glanz flanieren und plötzlich einen Betrug, eine Täuschung wahrnehmen oder einen alltäglichen „Fettgestank“. Bei allen eingestreuten Übeln wie Gesundheit als Krankheit erklingt eine traumhaft gelassene Melodie der Sinne: „ungebunden, frei umherschwirrend, einsam und grenzenlos“. Wären nicht die geschickt platzierten Enjambements, die das Ich mitten im Tagtraum über „Stacheldraht der moralischen Viertel“ stolpern lassen oder über den blechernen Lärm der Welt, der Leser wähnte sich freischwebend im Strom der hellen Vokale, Assonanzen, Reime und gleitenden Übergänge. / Dorothea von Törne, Die Welt 7.11.
Patrizia Cavalli
Diese schönen Tage.
Aus dem Italienischen von Piero Salabé. Hanser, München. 154 S., 14,90 Euro.
Grußwort vom G&GN-Institut BERLIN New Cologne 6.11.2009 / Auch die Berliner Mauer „macht weiter“ (Zitat Brinkmann), nämlich in den seelischen Käfigen aller Betreiber unserer „schönen neuen“ Welt (Zitat Huxley), denn das sind wir: jeder einzelne Bürger tagein tagaus… Davon handelt ein neues Gedicht von Tom de Toys, das den Auftakt bildet zu seinem mehrteiligen Mauerfall-Beitrag auf myspace & youtube: 2 Dokumentationsvideos (Mauerweg an der Lohmühlenbrücke & Mauerteile in Jülich), 2 brandneue Poetryclips („b…OM…b“ sowie der Titel dieser Pressemeldung als Anspielung auf Christa Wolfs Buch „Kein Ort. Nirgends“ von 1979), der Videovortrag seines programmatischen Politgedichts aus den 90ern „LANGEWEILE“ (Live-Mitschnitt vom 6.10.09 auf der Wiener Poemie-Tour) und diverse andere CLips, die indirekt auf das Thema abzielen, wie z.B. ein Musikvideo für einen Soundtrack, den De Toys mit dem ersten Technoprogramm „Rebirth“ 2003 selbst komponierte, um den damaligen Vortrag seines Gedichts „OZ(O/E)N“ in seinen abendfüllenden „Poemie-Shows“ zu untermalen (1989 fand die erste Loveparade im noch geteilten Berlin statt).
Alle Mauerfall-Beiträge von Tom de Toys präsentiert in seinem myspace-Blog:
http://blogs.myspace.com/index.cfm?fuseaction=blog.view&friendId=482406116&blogId=517146219
Die youtube-Playlist mit jenen Videos zum Thema, die max. 10 Minuten dauern:
http://www.youtube.com/view_play_list?p=BCA4E059F815FAF7
Lesbar im G&GN-Institutsarchiv: „EXTASE STATT ELITE“
(= KURZFORM VON „LANGEWEILE“ vom 28./29.10.1994 + 4.12.1997)
http://www.wulle.de/GGN/TomToys/extasestattelite.html
Und für die Lyrikzeitung gleich hier zum Ansehen, Hören & Lesen die 3 Hauptclips & das neue Politgedicht:
Doku über BERLINER MAUERTEILE in Jülich (vom 1.11.09):
Doku über die LOHMÜHLENBRÜCKE (vom 18.10.09):
URL = http://vids.myspace.com/index.cfm?fuseaction=vids.individual&videoid=64312539
Schauplatz einer Schlüsselszene der beiden Engel in Wim Wenders berühmtem Spielfilm „DER HIMMEL ÜBER BERLIN“ von 1987. In der 13-minütigen Doku sieht man 1 Minute lang (von 11:20 bis 12:20) den kleinen Pflastersteinpfad in der Straße, der jetzt als symbolische Mauer den Wanderweg quer durch die Stadt kennzeichnet…
Poetryclip für „KEIN WORT. NIRGENDS (GUTE NACHT EUROPAXXL)“ (vom 2.11.09):
Tom de Toys, 2.11.2009
KEIN WORT. NIRGENDS
(GUTE NACHT EUROPAXXL)
(…weil) diese viel zu normalen leute
in ihren allzu normalen wohnungen
mit ihren ziemlich normalen beschäftigungen
bis an ihr reichlich normales lebensende
sind nicht ganz so normal (sind)
wie die politiker meinen
sie tun zwar so aber sind jederzeit abrufbar
wenn es drauf ankommt und
es kann jederzeit losgehen
und dann wird es ernst in ihrem normalen leben
und alles wird kurzerhand umgekrempelt
bevor es in anderen bahnen normal weiterläuft
mit ein paar neuen gesichtern an ihrer spitze
ein paar neuen geschichten zum einschlafen
ein paar neuen gesetzen zum debattieren
ein paar neuen freunden zum feiern und
kindern die jederzeit abrufbar werden
falls es schon wieder soweit sein sollte
daß alle ein klitzekleines bißßchen
zu sehr normal tun
obwohl keiner es ernst meint
dann spielen die kinder ganz plötzlich
ein neues spiel
mit ganz seltsamen regeln
die keiner mehr nachvollzieht
wenn die jahrhunderte erstmal ins land ziehen
und jeder sich sehnlichst
die alte gewohnte normalität wünscht
die gestern so gut funktionierte (weil…)
© 2009 by Trademark POEMIE, G&GN-Institut Berlin-Neukölln
(in: „LOCHiSMUß LEiCHTGEMACHT“, G&GN-Verlag 2010)
28.11.09, 21 Uhr
Sophiensäle, Virchowsaal
Mit A.L. Kennedy (GB) und Terézia Mora (Deutschland), Robin Robertson (GB) und Jan Wagner (Deutschland)
Ein literarisches Experiment: Zwei deutschsprachige Schriftsteller reagieren auf die Texte britischer Autoren. Jan Wagner schreibt ausgewählte Gedichte von Robin Robertson fort, Terézia Mora verwandelt einen Text von A.L. Kennedy in etwas Neues.
So wird erfahrbar, wie Literatur im Dialog verfährt, wie spielerisch und vielschichtig zugleich Autoren mit der Sprache, den kulturellen Hintergründen und Schreibstilen ihrer Kollegen umgehen. In engem Austausch nehmen sie sich deren Werke an und entwickeln daraus etwas Eigenes.
A. L. Kennedy (*1965 in Schottland) gehört zu den meistbeachteten Autorinnen in Großbritannien. Sie arbeitet als Autorin, Filmemacherin, Dramatikerin und Comedian. Kennedy hat für ihre Short-Story-Sammlungen und Romane u.a. den Somerset-Maugham-Award und 2007 den Costa Book of the Year Award erhalten. Im Herbst ist ihr neuer Erzählband „Was wird“ bei Wagenbach auf Deutsch erschienen.
Terézia Mora (*1971 in Ungarn) ist Schriftstellerin, Drehbuchautorin und Übersetzerin aus dem Ungarischen. Für ihren Roman „Alle Tage“ (Luchterhand 2004) erhielt sie u.a. den Förderpreis zum Kunstpreis der Akademie der Künste (Berlin) und den Preis der Leipziger Buchmesse. 2009 erscheint ihr neuer Roman „Der einzige Mann auf dem Kontinent“ bei Luchterhand.
Robin Robertson (*1955 in Schottland) hat bislang drei Gedichtbände veröffentlicht, für die er u.a. den Aldeburgh Poetry Festival Prize, den E.M. Forster Award der American Academy of Arts and Letters (2004) und den Forward Poetry Prize (2006) erhielt. 2008 erschien seine Übersetzung von Euripides’ ‚Medea’ ins Englische bei Vintage Books.
Jan Wagner (*1971 in Deutschland) ist einer der anerkanntesten Dichter seiner Generation. Für seine drei Gedichtbände erhielt er u.a. den Anna-Seghers-Preis (2004), den Ernst-Meister-Preis (2005) und den ersten Arno-Reinfrank-Literaturpreis (2006). Er übersetzt englischsprachige Lyrik – neben Charles Simic, James Tate und Matthew Sweeney u.a. auch Robin Robertson.
Eine Veranstaltung des Texttonlabels KOOK mit freundlicher Unterstützung durch den British Council
Lorcas Angehörige – sechs Neffen und Nichten – hatten sich bis zuletzt dagegen gewehrt. Auch wenn sie nun den Grabungen „aus Respekt vor dem Willen anderer“ zustimmen, sähen sie es am liebsten, wenn das Massengrab nicht geöffnet würde. Die sechs weigern sich, bei einer Identifizierung behilflich zu sein und verlangen, dass die nichtidentifizierten Toten dort bleiben, wo sie sind. Das Gelände müsse zum Friedhof und damit zur Gedenkstätte erklärt werden.
Emilio Silva, dessen Vereinigung zur Wiedererlangung des Historischen Gedenkens die Öffnung des Grabes fordert, kann die Familie Lorca nicht verstehen. Der Staat müsse handeln, so sehe es das Gesetz vor. Alle Verschwundenen müssten ausgegraben und identifiziert werden.
Silva hat mit den sterblichen Überresten des Dichters Großes vor. „Federico García Lorca verdient ein Staatsbegräbnis, stellvertretend für alle Verschwundenen der Franco-Diktatur“, erklärt er. Um zu verhindern, dass andere über die sterblichen Überreste des Dichters entscheiden, hat die Familie angekündigt, sich das Recht auf Identifizierung und damit die Verfügungsgewalt über Lorcas Leichnam vorzubehalten. / REINER WANDLER, taz 6.11.
WELT ONLINE: In Ihrem Buch „Dojczland“ (deutsch bei Suhrkamp) schreiben Sie aber, Sie hätten die DDR gemocht. Wofür?
Stasiuk: Ich mag die DDR wirklich. Weil sie eine Übergangszone ist, eine Pufferzone zwischen der germanischen und der slawischen Welt. Die Ortsnamen östlich von Berlin – nirgendwo haben sich Slawentum und Germanentum so harmonisch verbunden wie in diesen Namen. Ich mag die DDR, weil sie an Polen erinnert, vielleicht sogar an Russland. Wenn man östlich von Berlin Eisenbahn fährt, steigen solche Typen ein, vor allem unter den Jungen, wie ich sie aus meiner früheren LPG kenne. Die Globalisierung legt sich hier auf wunderbare Weise über Postkommunismus und Provinzialität. Das ist viel interessanter und wirklicher, als die Menschen in Westdeutschland zu betrachten. Die sind einfach langweilig. Sie erinnern an Entwürfe aus der Designer- und Kosmetikwelt. Sie gleichen Schaufensterpuppen. Auch die polnische städtische Mittelklasse nähert sich diesem globalen Fernseh-Outfit immer mehr an.
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