Immer nur das Herz, in der Lyrik, klagt ein Anonymus im „Kreis-Anzeiger“ (die Homepage bietet zur Auswahl: Wetteraukreis, Vogelsbergkreis).
Doch wie ist es um die anderen Organe bestellt? Wer schrieb jemals eine Hymne auf Leber, Nieren, Nase und Ohren? Wann ist jemals etwas für Magen und Darm gedichtet worden? Und die Geschlechtsorgane, deren Gebrauch uns so große Freude bereiten, wo findet sich ihre entsprechende Bedeutung in der Lyrik? Die Augen, die uns diese Welt in ihrer ganzen Farbpracht erleben lassen, müssen sich ständig die Schmähung des französischen Dichters Antoine de Saint-Exupéry gefallen lassen, der behauptete: „Man sieht nur mit dem Herzen gut.“ Womit wir wieder beim Herzen wären.
Der Frau oder dem Mann kann geholfen werden. Freilich dominiert die Herzschmerzlyrik unseren Kanon. Beschweren Sie sich bei Anthologisten, Lehrplanmachern und anderen Kanonisten. Denn es gibt alles – man muß es nur suchen. Selbst an vielleicht unvermuteter Stelle. Bei Paul Celan treffen sich zwei der von Anonymus/Anonyma vermißten Teile:
Mein Aug steigt hinab zum Geschlecht der Geliebten:
wir sehen uns an,
wir sagen uns Dunkles,
wir lieben einander wie Mohn und Gedächtnis…
(Corona)
Es gibt Walt Whitman, der den perfekten elektrischen Körper von Männern und Frauen besingt. Alle dem Auge sichtbaren, der Hand tastbaren Körperteile besingt, und am Schluß sagt:
O ich sage, das sind nicht die Teile des Körpers und Gedichte des Körpers allein, sondern der Seele,
o ich sage jetzt, diese sind die Seele.
Es gibt den Chilenen Pablo Neruda, der in seinen „Elementaren Oden“ die Seeaalsuppe ebenso besingt wie: blaue Blume, Artischocke, Walt Whitman, Atom oder die nackte Schöne. Man kann bei den Tschechen nachlesen, zum Beispiel František Halas, der schreibt ein Herbstgedicht, das alles „Herbstliche“ an „ihr“ aufzählt: Ihr Kleid war herbstlich, und so weiter über Haar, Auge, Mund, Brust, Träumen, Nabel, Schoß, Lächeln… Und eine Hymne auf die alten Frauen, die nacheinander Augen, Hände, Haar, Schöße der alten Frauen besingt, jeweils in mehreren bildreichen Strophen, eine Hymne!
Man kann bei der amerikanischen Beats suchen, oder bei den alten Franzosen. Die erfanden im 16. Jahrhundert eine eigene Gedichtgattung: Blasons, Gedichte, die summarisch und detailliert Eigenschaften bestimmter Gegenstände aufzählen. Alle Art Gegenstände, körperliche wie geistige, aufs Detail kommt es an. Nicht zuletzt der menschliche Körper. Lothar Klünner hat 1981 eine Sammlung von „Blasons auf den weiblichen Körper“ übersetzt und herausgegeben in dem wunderbaren Henssel Verlag (den es wohl auch nicht mehr gibt). Dort finden sich Gedichte von zehn Dichtern auf (Auswahl): Stirn, Ohr, Braue, Nase, Fingernagel, Brüstchen, Möschen, Popo… in jeweils langen detailreichen Gedichten.
(Zusatztip: Googlen Sie mal „Oden an die Hoden“)
Freitag, 20. November 2009 um 19:30 Uhr
Werkstatt für Kunstprojekte
Jens Paul Wollenberg und Uta Pilling – „Ein Bericht für eine Akademie“
Jens Paul Wollenberg liest „Ein Bericht für eine Akademie“ von Franz Kafka, Musik: Uta Pilling
Freitag, 20. November 2009 um 20:00 Uhr
Galerie Koenitz:
Bild und Bildner – Texte zur bildenden Kunst
Texte zur Bildenden Kunst mit Interessierten aus Bildender Kunst und Literatur: u.a. Rosemarie Fret, Jutta Pillat und Ralph Grüneberger, Musik: Martin Höpfner
Freitag, 20. November 2009 um 21:00 Uhr
Galerie A und V:
Ronald M. Schernikau – Abend
Mit Tobias Amslinger und Hannes Becker
Samstag, 21. November 2009 um 16:00 Uhr
Werkstatt für Kunstprojekte:
Verlagspräsentation der Leipziger Belletristik-Verlage
Mit Verlag Faber & Faber, Plöttner Verlag – für den Verlag lesen: Reinhard Bernhof & Thomas Kunst, Poetenladen – für den Verlag lesen: Katharina Bendixen & Johanna Schwedes, Leipziger Literaturverlag – für den Verlag lesen: Viktor Kalinke & Carsten Zimmermann, Connewitzer Verlagsbuchhandlung, Passage Verlag, Mitteldeutscher Verlag – für den Verlag liest Jörg Jacob, PaperOne – für den Verlag treten auf: Volly Tanner & Wolfgang Flür (vom Schlagzeuger der Gruppe „Kraftwerk“ zum Schriftsteller), Zeitschrift EDIT, Carpe Plumbum, Poesiealbum neu, Buchverlag für die Frau – für den Verlag liest: Christel Foerster, edition vulcanus – für den Verlag lesen: Maren Uhlig & Elmar Schenkel, Edition TP, Ausgabe 1 – für den Verlag lesen Marcel Rabe & Thomas Jez
In der Weltwoche #47 eine Würdigung des grossen Dichters und Malers Joachim Ringelnatz zum 75. Todestag von Wiglaf Droste:
Als Vierzehnjähriger las ich erstmals eine Auswahl seiner Gedichte, war gleich hingerissen und lernte im Laufe der nächsten Jahre nicht wenige von ihnen auswendig – nicht für die Schule oder zu sonst einem Pflichtzweck, sondern ganz freiwillig und mit Freuden. Oh, war das schön, wie die Liebe sprach:
Ein männlicher Briefmark erlebte / Was Schönes, bevor er klebte. / Er war von einer Prinzessin beleckt. / Da war die Liebe in ihm erweckt.
Er wollte sie wiederküssen, / Da hat er verreisen müssen. / So liebte er sie vergebens. / Das ist die Tragik des Lebens!
Das war komisch, das war rührend, das hatte den Mut zur tragischen Grösse genauso wie zur Ironie. Und es war wirkungsvoll: Wenn man es als Junge einem Mädchen aufsagte, wurde man von ihr anders angesehen – weniger beeindruckt als vielmehr berührt. Ganz leicht waren die Worte und ihr Klang, aber keineswegs flüchtig. Das hallte nach; und Mädchen, die sich lieber von Mopedfahrerburschen mit ihren am Lenker befestigten Fuchsschwänzen eine Impression von Männlichkeit vorsimulieren liessen, konnten einem sowieso egal sein. Das stimmte leider nicht ganz, denn einige von ihnen waren äusserst reizvoll, aber die würden ja früher oder später merken, dass wahre Männlichkeit poetisch ist. Und wenn sie es doch nicht begriffen, war man eben Teil dieser aufregenden Tragik des Lebens, die Ringelnatz so kunstvoll besang.
Folgendes typisch britische Gedicht finde ich in einem Newsletter. Typisch britisch nicht wegen der darin angewandten Rassenstereotype, sondern wegen des britischen Humors (wiewohl ich weiß, daß auch Briten bierernst und bärbeißig-patriotisch sein können, davon ein andermal). Die „nordische Rasse“ reicht hier quasi bis ans Mittelmeer (zwischendurch die Ösis streifend) – also die Mittelmächte aus WWI.
Talking (and Singing) of the Nordic Man
I
Behold, my child, the Nordic man,
And be as like him, as you can;
His legs are long, his mind is slow,
His hair is lank and made of tow.
II
And here we have the Alpine Race:
Oh! What a broad and foolish face!
His skin is of a dirty yellow.
He is a most unpleasant fellow.
III
The most degraded of them all
Mediterranean we call.
His hair is crisp, and even curls,
And he is saucy with the girls.
Hilaire Belloc wurde 1870 bei Versailles von einem französischen Vater und einer englischen Mutter geboren – hauptsächlich sicher von letzterer. Vielleicht hat er deshalb seine Kindheit in England verbracht, wo er eingebürgert wurde und 1953 starb (zwischendurch redigierte er eine patriotische = antideutsche Zeitschrift und schrieb 100 Bücher).
Hier noch eine Strophe aus einem feinen Weihnachtslied, in dem das französische Wort für das Fest auf die englische „hell“ reimt, wenn man es nur oft genug, viermal reicht schon, wiederholt:
‚May all good fellows that here agree
Drink Audit Ale in heaven with me,
And may all my enemies go to hell!
Noel! Noel! Noel! Noel!
May all my enemies go to hell!
Noel! Noel!‘
Meine Anthologie: Be-sinnlich
Taoufik Ben Brik, tunesischer Journalist und Regimekritiker, der am Vorabend der Wiederwahl von Präsident Ben Ali vor vier Wochen unter dem Vorwurf aggressiven Verhaltens verhaftet wurde (er spricht von einer Polizeiprovokation), steht am 19.11. vor Gericht. Rue89 veröffentlicht ein im Gefängnis geschriebenes Gedicht. Hier die ersten zwei Strophen (Rohübersetzung aus dem Französischen):
Herr Richter,
hat der Beschuldigte Rederecht?
Wie denn, wenn Sie mich unterbrechen
ein Nein oder Ja verlangend…
Das Recht, sage ich Ihnen, Euer Ehren,
für uns anderen Araber,
die wir Liebhaber der Präliminarien sind
vor jeder Antwort!
Jetzt hören Sie mir zu…
Der Markt, der Hauptplatz, der Bauch der Stadt
sind angefüllt mit diesem Schrei:
Es gibt kein Recht in meinem Land;
das Recht ist von uns gegangen,
zurück in den Schoß des Herrn,
der macht daß nichts von Dauer ist,
sei es erhaben oder tyrannisch.
Am 10. Dezember wird Herta Müller in Stockholm mit dem Literaturnobelpreis 2009 ausgezeichnet. Wenige Tage nach ihrer Rückkehr wird sie im Haus der Berliner Festspiele von ihren Freunden, Weggefährten und Lesern mit einem abendfüllenden Programm – an dem sich die Preisträgerin auch selbst beteiligt – in einer öffentlichen Veranstaltung geehrt und gefeiert.
Ein Fest für Herta Müller
ausgerichtet von ihren Freunden
am Freitag, dem 18. Dezember 2009 um 20.00 Uhr im
Haus der Berliner Festspiele, Schaperstraße 24, 10179 Berlin
Musik, Laudatio, Lesung und Performance mit Herta Müller, Michael Krüger, Joachim Sartorius, Ulrich Matthes, Aydar Gainullin, Andrei Plesu – und Überraschungsgästen
Eintritt 10,- € (erm. 6,- €). Karten unter: http://www.berlinerfestspiele.de. Info: (030) 25489-100
Veranstaltet von: Berliner Festspiele, internationales literaturfestival berlin, Literaturhaus Berlin, Literarisches Colloquium Berlin, Literaturwerkstatt Berlin, Literaturforum im Brechthaus, Stiftung Preußische Seehandlung, Robert Bosch Stiftung und Carl Hanser Verlag.
Peter Borjans-Heuser, Jahrgang 1948, „erlernte die Dichtkunst auf / großer Fahrt mit seinem Motorsegler quer / durch Europas Gewässer. Das Schiff war / löchrig wie ein Schweizer Käse. / Nur die Dichtkunst hielt ihn über Wasser. / So wurde er Dichter, sein Schiff leider nicht.“ So stellt sich der pensionierte Duisburger Schuldirektor selbst vor – kurz und knapp, und selbstironisch poetisch.
Um die Lyrik von der „Anklagebank“ zu holen, konzentriert er sich in seinem Plädoyer zunächst auf eine Sorte, die ihm selbst besonders sympathisch ist und auch beim weitläufigeren Publikum noch einen relativ guten Ruf genießt: das Gebrauchsgedicht. Die Lyrik also für den Hausgebrauch, den Lebensalltag. Gebrauchsgedichte sind der Kindervers und der Festtagsreim, der Schlagertext und der Gedenkspruch, die Lyrik in der Sprache der Reklame und von öffentlichen Bedürfnisanstalten. Wobei die Übergänge zwischen hoch entwickelter Dichtkunst und allgemeinem Reimgestammel durchaus fließend sein können. / Kultur-Szene
Christophe Fricker zählt zu den großen Hoffnungen der jungen, deutschsprachigen Lyrik, sagt die Zeit, die mit ihm ein Gespräch über den Sinn von Reisen und die schwindende Bedeutung der Lyrik führte. (Ich würde das Komma nach „jungen“ für falsch oder wenigstens überflüssig halten, aber die neuen Regeln, ich will sie ja nicht wissen):
Christophe Frickers Gedichtband Das schöne Auge des Betrachters (2008) wurde kürzlich mit dem Hermann Hesse Förderpreis 2009 bedacht. Der 1978 in Wiesbaden geborene Autor und Übersetzer hat nun sein Prosadebüt veröffentlicht: Larkin Terminal. Von fremden Ländern und Menschen (2009) versammelt ein Dutzend ebenso tiefsinniger wie erfrischender literarischer Reportagen. Für eine von ihnen erhielt der leidenschaftliche Reisende Fricker, der zurzeit als Germanist an der Duke University in Durham, North Carolina, tätig ist, den Merkur-Essaypreis 2007.
ZEIT ONLINE: Ihr Reportagenbuch umfasst auch Porträts von Dichtern, die Sie besucht haben. Spüren diese Leute ihre schwindende Bedeutung in der Welt?
Fricker: Lyriker beklagen sich gern darüber, dass ihnen das Publikum abhanden kommt. Sie tun dabei so, als hätten sich nicht viele von ihnen selbst vor langer Zeit vom Publikum abgewandt. Viele Gedichte sind einfach nicht besonders interessant und gefallen sich in ihrer Sterilität. Schwindende Bedeutung von Dichtern hängt oft mit schwindender Bedeutsamkeit von Gedichten zusammen.
ZEIT ONLINE: Sie sind ein Vertreter jener Dichterschule, die für die Rückkehr des metrisch regulierten Verses eintritt.
Fricker: Die Dichter, die ich vorstelle, wenden sich gegen den Trend, den ich eben, etwas überspitzt, angesprochen habe. Sie schreiben eine Lyrik, die Eleganz und Verständlichkeit mit gedanklicher Tiefe und sorgfältiger Beobachtung verbindet. Philosophische Meditationen, zynische Alltagskommentare, verspielte Liebesgedichte und kritische Naturbetrachtungen feiern die Fülle der Welt und der Sprache. Dick Davis, Timothy Steele, Joshua Mehigan, Tom Nolan, Edgar Bowers und viele andere Dichter sowie natürlich ihre Leser sind Menschen, denen Lyrik etwas sagt und denen Lyrik dabei hilft, mit der Welt in Einklang zu kommen.
Vgl. L&Poe
2009 Feb #94. Nicht köchelnde Rezensenten
2009 Apr #70. Anziehung
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Lots of contemporary poems are anecdotal, a brief narration of some event, and what can make them rise above anecdote is when they manage to convey significance, often as the poem closes. Here is an example of one like that, by Marie Sheppard Williams, who lives in Minneapolis.
Everybody
I stood at a bus corner
one afternoon, waiting
for the #2. An old
guy stood waiting too.
I stared at him. He
caught my stare, grinned,
gap-toothed. Will you
sign my coat? he said.
Held out a pen. He wore
a dirty canvas coat that
had signatures all over
it, hundreds, maybe
thousands.
I’m trying
to get everybody, he
said.
I signed. On a
little space on a pocket.
Sometimes I remember:
I am one of everybody.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2006 by Marie Sheppard Williams. Reprinted from the California Review, Volume 32, no. 4, by permission of Marie Sheppard Williams and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Lowell’s and Bishop’s collected letters.
By Michael Hofmann
Poetry Media Service
Words in Air: The Complete Correspondence between Elizabeth Bishop and Robert Lowell. Edited by Thomas Travisano with Saskia Hamilton. Farrar, Straus and Giroux. $45.00.
This is such a formidably and dramatically and lingeringly wonderful book, it is hard to know where to begin. Well, begin in the manner of the physical geographer and the embarrassed statistician and the value-for-money merchant, with quantity, though that’s absolutely the wrong place. Here, then, are 459 letters, 300 of them not previously published, exchanged over 30 years, between 1947 when the two great poets of late-20th-century America first met—Robert Lowell just 30, Elizabeth Bishop 36, each with one trade book and one round of prizes under their belts—and 1977 when Lowell predeceased his friend by two years; covering, all told, some 900 pages, from Bishop end-papers—one hand-scrawled, one typed—to Lowell end-papers—one in his laborious, also not greatly legible child-print (“I know I’m myself beyond self-help; and at least you can spell”), one typed. The apparatus of footnotes, chronology, and compendious glossary of names—take a bow, Thomas Travisano and Saskia Hamilton—is modest, helpful, and accurate. At this point in our post-epistolary (no joke), post-literary, almost post-alphabetical decline, we would probably receive any collection of letters with a feeling of stupefied wistfulness and a sigh of valediction, but Words in Air is way beyond generic. It feels like a necessary and a culminating book, especially for Bishop. To read, it is completely engrossing, to the extent that I feel I have been trekking through it on foot for months, and I don’t know where else I’ve been. “Why, page 351,” I would say. “Letter 229; March 1, 1961. Where did you think?”
But what is it like? How, in fact, do you read it? “I am underlining like Queen Victoria,” Bishop remarks at one stage. How do you filter, assimilate, crunch it down to the space of a review? Its 800 pages of letters—every one of them bearing my ambiguous slashes of delight, interest, controversy, revelation—still left me with eight sheets full of page numbers of my own. It’s like starting with a city, and ending up with a phone book—hardly useful as a redaction. Really, I might as well have held a pencil to the margin and kept it there, for bulk reread.
It’s an epistolary novel—if not a full-blown romance, then at least, at moments, an amitié amoureuse. It’s a variation on Gabriel Garcia Marquez’s Love in the Time of Cholera. Or it’s an Entwicklungsroman in later life, both parties already poets but perhaps more importantly still on the way to becoming poets (echoing the title of David Kalstone’s study), as perhaps one only ever and always is becoming a poet. It’s an ideally balanced, ideally complex account of a friendship, a race, a decades-long conspiracy, a dance (say, a tango?). It’s a cocktail of infernal modesty and angelic pride. It’s a further episode in Bishop’s increasingly sweeping posthumous triumph over her more obvious, more ambitious, more square-toed friend. It’s a rat-a-tat-tat ping-pong rally, an artillery exchange, a story told in fireworks, a trapeze show. One can read it for gifts sent up and down the Atlantic, from Lowell’s traditional Northeast seaboard to Bishop’s serendipitously-arrived-at Brazil, where she mostly lived from 1951 on, having arrived on a freighter for a short visit; for projects completed, adapted, revised, abandoned, published, and responded to; for blurbs solicited, struggled with, and delivered to greater or lesser satisfaction; for houses bought and done up and left; for other partners encountered and set down; for visits and time together passionately contrived, put off, and subsequently held up to memory or guiltily swept under the carpet; for gossip and the perennial trade in reputations; for a startlingly unabashed revelation of mutual career aid (“we may be a terrible pair of log-rollers, I don’t know,” writes Bishop in 1965, having asked Lowell for a blurb for Questions of Travel after he had asked her for one for Life Studies ); for loyalty and demurral, independent thinking and prudent silence, insistent generosity and occasional self-seeking; a longing to submit to the other’s perceived discipline and a desire to offer unconditional admiration; for personal, professional, and public events. One can read it for movements of place, for gaps in time, and discrepancies and disharmonies in feeling or balance; for the dismayed Bishop’s agonized criticism of aspects of two of Lowell’s books, the rather coarse free translations in Imitations of 1961 and the use of private letters from his second wife, Elizabeth Hardwick, in The Dolphin of 1973; for various other crises and cruxes: their heady, teasy-flirty mutual discovery of 1947, Bishop’s difficult visit to a near-manic Lowell in Maine in 1957, Lowell’s visit to Brazil and another manic episode in 1962, the death by suicide of Bishop’s companion Lota de Macedo Soares in 1967, Bishop’s uneasy return to Boston (to fill in for Lowell’s absence, if you please), and Lowell’s ultimate shuttling between wives and countries of the late ’70s. It’s social history, comedy of manners, American dissidence, the search for a style. It’s not least a gender myth more astute about men and women than that of Atalanta and Hippolytus (in any case, I always think Atalanta, like Bishop, should have won—she should have been provided with the apples, and Hippolytus, the ambitious, distractable male, goofed off in their pursuit, rather than the other way round). He is her anchor, she his kite.
Excerpted from “The Linebacker and the Dervish,” originally published in the January 2009 issue of Poetry magazine. Michael Hofmann’s most recent collection of poetry, Selected Poems (April 2009), was published by Farrar, Straus and Giroux. He is currently working on translations of Gottfried Benn. Distributed by the Poetry Foundation at http://www.poetryfoundation.org.
© 2009 by Michael Hofmann. All rights reserved.
Er gilt als Pionier der fränkischen Mundartdichtung und zählt zu den meistgespielten Theaterautoren der Gegenwart: Heute feiert der fränkische Poet Fitzgerald Kusz seinen 65. Geburtstag. Auf einem Empfang des Ars-Vivendi-Verlags zu diesem Anlass sprach Donaukurier-Mitarbeiter Walter Buckl mit dem Autor:
Bedauern Sie es nicht, wenn Sie mit Ihrer Mundart-Lyrik Ihre eigene Breitenwirkung einschränken, die Rezeption reduzieren?
Kusz: Lyrik hat nie Breitenwirkung! Und wenn ich mir die Verkaufszahlen der Gedichtbände meiner hochdeutschen Kollegen anschaue, dann stehen meine Lyrik-Bände daneben gar nicht schlecht da!
Je länger Sie Lyrik schreiben, desto kürzer wurden Sie in der Form; inzwischen gehören Haikus zu Ihrer Lieblingsgattung. Warum diese Knappheit?
Kusz: Wir leben in einer Informationsgesellschaft und werden täglich mit Sprache bombardiert – da setze ich den Minimalismus dagegen. Japanische Haikus haben durchaus Bezüge zum fränkischen „Soocherer“. Meine Gedichte sind eher eine Zwischenform zwischen Haiku und Aphorismus; es ist einfach reizvoll, in drei Zeilen, die auf einen „Flash“ zulaufen, eine ganze Welt zu entdecken. Dann wird man wie „vom Blitz der Erkenntnis“ getroffen.
In L&Poe:
2001 Jul # Franken-Blues
2002 Okt # Gefühlswelt des Dichters
2007 Nov #126. Ich bin dein Nest du bist mein Fest
2007 Dez #33. Breuers Schneisen im LiteratUrwald
2008 Jan #86. «Fest der Liebespoesie»
2008 Jan #114. Leitnern
2008 Okt #64. Die Alten, die Jungen und „Das Gedicht“
2009 Jan #57. Blues & Kusz
2009 Mrz #31. „Mundart und Lyrik“
2009 Aug #082. Erlangen – zwischen Lyrik und Lyrics
In diesem Herbst nun wollten 13 Autorinnen und Autoren, vornehmlich Lyriker, eine Verbindung zwischen dem baltischen Vilnius und dem slawischen Minsk schaffen. Von deutschsprachiger Seite nahmen Ilma Rakusa (die soeben den Schweizer Buchpreis gewonnen hat) und Marcel Beyer teil. Der Danziger Lyriker Tadeusz Dąbrowski, 2008 mit dem Hubert-Burda-Preis für osteuropäische Lyrik ausgezeichnet, war besonders gespannt auf Minsk: Er hatte die Stadt zu Sowjetzeiten als Neunjähriger erlebt, bei einem Gastspiel der Balletttruppe seiner Mutter.
Litauen, Polen, Weißrussland: Einst gehörten die drei Regionen zusammen, waren zwei Jahrhunderte lang Bestandteil des stolzen polnisch-litauischen Großreichs. 1795 machte die dritte polnische Teilung der Adelsrepublik, der „Rzeczpospolita“, ein Ende. Adam Mickiewicz, der Schöpfer des polnischen Nationalepos „Pan Tadeusz“, wurde 1798 in Litauen geboren, das er stets als seine Heimat empfand.
Heute gibt sich die Stadt voller prächtiger Barockkirchen bemüht westlich. Neben italienischen Edelboutiquen bieten gebeugte Mütterchen ihre Blumen und Pilze feil. Am Rathaus prangt in Stein gemeißelt eine Versicherung von George W. Bush: „Jeder, der sich Litauen zum Feind wählt, macht sich damit auch die USA zum Feind.“ / Katrin Hillgruber, FR 16.11.
„Wir erleben heute in der Luckenwalder Kunsthalle eine Premiere. Wir hatten hier neben Ausstellungen schon die verschiedensten Musikstücke und Filmpräsentationen. Aber es ist das erste Mal, dass wir Ihnen Lyrik bieten“, sagte Kuratorin Kasia Kaminska. Sie freute sich, mit Gerhard Rühm einen großen Dichter der deutschen Sprache in Luckenwalde begrüßen zu können. Der Lyrik-Nachmittag war eine Begleitveranstaltung zur aktuellen Ausstellung „Skulpturen“ von Rolf Lieberknecht. „Wenn man von Gerhard Rühm spricht, kommt man auf die Zeit um 1946 in Wien – als sich eine Gruppe junger Leute, bestehend aus Musikern und Dichtern, traf, die etwas Neues ausprobieren wollten“, erzählt die Kuratorin. …
Er selbst überrascht das Publikum mit Reimen, Lautgedichten, Atemgedichten und sogar einem Zahlengedicht. Bei diesem Gedicht mit dem Titel „Zwölf“ wird der Versuch gestartet, die Zahl Zwölf zu erreichen. Immer wieder liest Rühm im fröhlichen Spiel mit dem Rhythmus die Zahlen von Eins bis Elf – mal als Zahlenfolge, mal einzeln, mal rückwärts. Bis als Höhepunkt die Zahl Zwölf endlich genannt wird. „Es ist ein optimistisches Gedicht. Man erreicht doch das, was man will – jedenfalls im Allgemeinen“, so Rühm. / Margrit Hahn, Märkische Allgemeine
“Auf weiches Entfernen zu”
Gedichte
Lesung von Angelika Janz
am Sonntag, den 22.November 11 Uhr zum Poesiefrühstück
auf der Burg Klempenow
Kontakt
KULTUR-TRANSIT-96 e.V.
17089 Breest OT Klempenow
Lageplan: http://www.burg-klempenow.de
Burg-Büro Telefon 03965-211331
und Angelika Janz
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