33. Zeichnungen von Else Lasker-Schüler

Weit unbekannter als die Gedichte von Else Lasker-Schüler sind ihre Zeichnungen. Die Kunsthistorikerin Ricarda Dick legt jetzt – nach jahrelanger Arbeit – ein Werkverzeichnis dieser Zeichnungen vor und präsentiert sie in einer Ausstellung im Jüdischen Museum in Frankfurt.

Gespräch mit Ricarda Dick beim DLR

Hören Sie das vollständige Gespräch mit Ricarda Dick mindestens bis zum 7. Februar 2011 als mp3-Audio.

32. Meine Anthologie: Narren

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Juden und Heiden hinaus! so duldet der christliche Schwärmer.
Crist und Heide verflucht! murmelt ein jüdischer Bart.
Mit den Cristen an Spies und mit den Juden ins Feuer!
Singet ein türckisches Kind Christen und Juden zum Spott.
Welcher ist der klügste? Entscheide! Aber sind diese
Narren in deinem Pallast, Gottheit, so geh ich vorbey.

Goethe: Venezianische Epigramme. [Nachgelassene Epigramme]. In: Karl Eibl (Hg.): Gedichte 1756-1799. Darmstadt 1998, S. 467

31. Alemannendichter, Hebelwirkung

Der große Alemannendichter Hebel wäre dieses Jahr 250 Jahre alt geworden und dies nahm der Kulturring Wutöschingen zum Anlass, das Stück „Hebelwirkung“ zusätzlich ins Programm aufzunehmen. / Südkurier

30. Hand des Dichters

Oft ist es auch die Hand des Dichters, die einen sinnlichen Kontakt mit den Dingen herstellt und die orientierenden Zeichen entwirft, die es für einige Augenblicke ermöglichen, mit der Welt in Berührung zu kommen: „Eine Hand winkt flattert flackert / eine Stille blickt mich / mit forschenden Augen an // diese dunkel gekleidete Stille / ist mir Geliebte / und Abendkühle zugleich“.

Die Hand ist seit jeher das zentrale poetische Wahrnehmungsinstrument, das Werner Lutz zur Erkundung der Welt einsetzt. In seinem jüngstem Band „Kussnester“ (Waldgut Verlag) spricht er vom „Glücksgefühl der Hand“, das nicht nur erlaubt, „Linien zu ziehen durch den Morgen“, sondern ans Herz der Dinge rührt. Damit nimmt Lutz eine Maxime Paul Celans auf: „Nur wahre Hände schreiben wahre Gedichte.“ Während Celan bald nach der Niederschrift dieses Satzes seine Gedichte in verzweifelte Negativität trieb, beharrte Lutz von Beginn seiner künstlerischen Arbeit an auf der sinnlichen Energie des poetischen Hand-Werks. Es ist mittlerweile schon über ein halbes Jahrhundert her, seit er von den berühmten Dichterkollegen Hans Bender und Rainer Brambach entdeckt wurde. Man mokierte sich damals über den „störrischen Kerl“, weil er sich zunächst gegen die Veröffentlichung seiner Gedichte wehrte. Es dauerte bis zum Jahr 1979, bis im Suhrkamp Verlag Lutz´ Debütbuch „Ich brauche dieses Leben“ erscheinen konnte. Die Wahrnehmungsgeduld und die Sehnsucht nach einer innigen Verbindung zu den Dingen hat er sich bis heute bewahrt. „Fast klösterlich“, nennt Lutz sein Schreib- und Malerleben in seiner kleinen Basler Dachwohnung, „nur die Kutte fehlt.“ Was indes nicht fehlt, ist die kontemplative Innigkeit, mit der sich dieser Meister der Stille den Naturstoffen widmet – und sich schliesslich in die Lüfte erhebt: „Es fliegt sich leichter / mit leeren Händen“. / Michael Braun, Basler Zeitung 3.9.

29. American Life in Poetry: Column 285

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

In our busy times, the briefest pause to express a little interest in the natural world is praiseworthy. Most of us spend our time thinking about other people, and scarcely any time thinking about other creatures. I recently co-edited an anthology of poems about birds, and we looked through lots of books and magazines, but here is a fine poem we missed, by Tara Bray, who lives in Richmond, Virginia.

Once

I climbed the roll of hay to watch the heron
in the pond. He waded a few steps out,
then back, thrusting his beak under water,
pulling it up empty, but only once.
Later I walked the roads for miles, certain
he’d be there when I returned. How is it for him,
day after day, his brittle legs rising
from warm green scum, his graceful neck curled,
damp in the bright heat? It’s a dull world.
Every day, the same roads, the sky,
the dust, the barn caving into itself,
the tin roof twisted and scattered in the yard.
Again, the bank covered with oxeye daisy
that turns to spiderwort, to chicory,
and at last to goldenrod. Each year, the birds—
thick in the air and darting in wild numbers—
grow quiet, the grasses thin, the light leaves
earlier each day. The heron stood
stone-still on my spot when I returned.
And then, his wings burst open, lifting the steel-
blue rhythm of his body into flight.
I touched the warm hay. Hoping for a trace
of his wild smell, I cupped my hands over
my face: nothing but the heat of fields
and skin. It wasn’t long before the world
began to breathe the beat of ordinary hours,
stretching out again beneath the sky.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2006 by Tara Bray, and reprinted from her most recent book of poems, Mistaken for Song, Persea Books, Inc., 2009, by permission of the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

28. Luise Hensel

Luise Hensel (1798 bis 1876), eine Pfarrerstochter aus Linum, war die Schwester des Hofmalers Wilhelm Hensel und Schwägerin von Fanny Hensel, der Schwester von Felix Mendelssohn-Bartholdy. Im Hause ihres Bruders lernte sie in den literarischen Zirkeln romantische Dichter wie Brentano und Fouqué kennen. Verehrt und geliebt wurde sie unter anderem von dem Dichter Clemens Brentano, dem Komponisten Ludwig Berger und von Wilhelm Müller, der die Gedichte zu Schuberts-Vertonungen „Die schöne Müllerin“ und „Die Winterreise“ geliefert hatte. Sie lebte als Lehrerin und Erzieherin in mehreren Haushalten und schrieb Gedichte. Das berühmteste darunter ist das Gedicht in sechs Strophen: „Müde bin ich, geh zur Ruh, schließe beide Augen zu“, das Luise Hensel schon 1817 mit 19 Jahren geschrieben hatte. / Märkische Allgemeine

27. Mulan

Zhang Ziyi („Die Geisha“) spielt in „Mulan“ die Hauptrolle. Im Mittelpunkt steht die legendäre Hua Mulan, die sich als Mann ausgibt, um der chinesischen Armee beitreten zu können. Zum ersten Mal wurde ihre Geschichte in einem Gedicht* aus dem sechsten Jahrhundert nach Christus niedergeschrieben. / pro7.de

*) Ballad of Mulan (5th century)

26. Dresden: Spannende Stimmen

In den Dresdner Neuesten Nachrichten ein Bericht von Michael Ernst über die Veranstaltungen zum Dresdner Lyrikpreis:

Die vielen Einsendungen bestätigen einerseits den Stellenwert, den dieser aller zwei Jahre im Rahmen der Bardinale ausgetragene Wettbewerb inzwischen besitzt. Andererseits verlangt er der Vorjury ein immenses Lesepensum ab. Bis zu zehn Texte dürfen die Bewerber jeweils vorlegen, für genau zehn Teilnehmer der Endrunde müssen sich die Fachleute dann entscheiden. Das könnten also immer noch einhundert Gedichte sein, die da zu hören und zu bewerten wären. Wegen der Absage eines Autors lasen am Sonnabend Vormittag „nur“ neun Dichterinnen und Dichter im Erich-Kästner-Museum. Marie Stastná war in der zuvor ausgelosten Reihenfolge gleich als Zweite dran und hat sich mit ihren poetischen Texten um Träume, Ängste, Familie und Liebe der Jury derart eingeprägt, dass sie die anderen acht Lesenden glatt ausstach. Dabei waren etwa dank Iva Kurilová und Ondrej Buddeus mindestens zwei weitere sehr spannende Stimmen aus Tschechien mit von der Partie.

Die 1982 geborene Kurilová überzeugte mit schmerzlich trefflichen Bildern in ihren prägnant kurzen Texten, der zwei Jahre jüngere Prager Buddeus bestach gar durch teils zweisprachigen Vortrag seiner Innerliches mit Welthaltigkeit verbindenden Arbeiten, mit denen er das Anliegen des Wettbewerbs in besonderer Weise erfüllte. Ansonsten waren die deutschen und tschechischen Originale beim Rezitieren in der jeweils anderen Landessprache mitzulesen. Gut gestaltete Vortragskunst gelangen auch dem Saarländer Konstantin Ames, der gegenwärtig am Leipziger Literaturinstitut studiert und in seinen mitunter experimentell lautmalerischen Versen deutliche Zeitbezüge verpackt hat, sowie dem aus Oberbayern stammenden Frank Ruf, der einen bezwingenden Zyklus von Voodoo-Gedichten vortrug.

25. Mitmachen!

Ulf Stolterfoht schreibt aus Argentinien:

lieber michael,

dieser kommentar gehört zur werbeanzeige der brentano-gesellschaft: ich finde, wir sollten da ALLE, alle mitmachen!

wer hätte nicht davon geträumt, einmal bei august v. goethe zu publizieren! ich bewerbe mich jedenfalls, muß nur noch ein bißchen zurechtschneiden auf die erlaubten zwanzig zeilen! könntest du nicht alle deine leser auffordern, das auch zu tun? das wäre doch ein herrliches projekt – auch erkenntnistheoretisch!

ganz herzliche grüße aus argentinien – wo deine zeitung kultstatus genießt unter den deutschsprachigen,

dein ulf

Danke, Gruß zurück! Viel Glück bei August Cornelia Clemens von Goethe-Brentano. Wird aber sicher hart, die nehmen nicht jeden.

Herzlich

Michael

Vgl. auch L&Poe 2009 Jul #10. Meere frei

24. Helga M. Novaks Gesammelte Gedichte

Sie ist eine Klassikerin zu Lebzeiten. Ihre direkten, saloppen Verse haben die unnachahmliche Aura des Authentischen. Helga M. Novak, deren ungezähmte lyrische Frauenfiguren bis zuletzt den „Klumpen Hoffnung“ hinter sich herschleppen, wird am 8. September 75 Jahre alt. Seit 1997 hat sie keine neuen Gedichte mehr veröffentlicht. Ihre Moritaten, Sonette, Porträts, Episoden und lakonischen Klartexte sprechen von großer Not und von einem freien und harten Leben abseits der gesellschaftlichen Norm. Wo die Gedichte von archaischer ursprünglicher Liebe wissen und von weiblicher Sinnenfreude, hat Silke Scheuermann sie in vier Kapitel gebündelt und obendrein ein geheimnisumwittertes episch-balladeskes Zwischenstück über eine abhängige Hassliebe; den „Paten“-Zyklus, eingeschmuggelt. / Dorothea von Törne, Die Welt

Novak, Helga M.: Solange noch Liebesbriefe eintreffen. Gesammelte Gedichte
Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 1999, ISBN 389561114x, gebunden, 810 Seiten, 24,54 EUR

23. Biermann spricht

Und Volker Braun bewundert er. Der ist für ihn als Dichter so rabiat und mutig wie Majakowski und so ängstlich wie Anna Seghers, weil auch er seine stalinistischen Genossen fürchtete. Einmal trifft Biermann ihn am Alexanderplatz. Da ist er schon verboten. Aber Braun umarmt ihn. Fragt: Wolf, wie geht’s? Und: Hast du schon mein neues Buch gelesen? Da hab ich ein Gedicht für dich geschrieben. Biermann sagt: Volker, das find ich aber nett. Und Braun schlägt gleich die Seite 20 auf mit dem Gedicht „Schauspiel“ und liest in seinem sächselnden Tonfall von „grell erleuchteten Szenen“ und dem „Auftritt der Massen“, und dann kommt die Zeile: „Nur das Banjo darf noch nicht spielen.“ Und was hat das mit mir zu tun?, fragt Biermann am Ende. Ja, hast du das nicht bemerkt? Das Banjo spielt noch nicht! Um das Wort „Gitarre“ habe er schwer gekämpft. Wochenlang. Aber nicht durchgekriegt.

Ach, da lobt der Biermann sich doch die große Helga M. Novak mit ihren klaren, urkomischen und todernsten Gedichten. „Einem Funktionär ins Poesiealbum“ endet mit der Frage einer Arbeiterin: „Wem gehört eigentlich das Volkseigentum?“ So was, sagt Biermann, dichtete sie in den Fünfzigern, als wir noch am Schnuller hingen. Und dann erzählt er von Wolfgang Hilbig, dem Dichter der DDR, den er erst jetzt, mit 73 Jahren entdeckt hat, diesen wunderbaren Proleten. Wir sind ja beide Arbeiterkinder, sagt er, aber ganz verschieden. Sein Vater erfriert in Stalingrad. Meiner verbrennt in Auschwitz. Ich habe Glück und kann studieren. Er sitzt im Heizungskeller, schaufelt Kohle und schreibt das Gedicht „Abwesenheit“. „Wie lange noch wird unsere Abwesenheit geduldet?“ Allein für diese Zeile, sagt Biermann, muss man sich doch hinknien. / Birgit Lahann, Cicero

22. Wolfsblätterwald

Montag, 6. September 2010, 19:30 Uhr, Eintritt 5,- •
Wolfsblätterwald
Eva Wal liest Prosa und Lyrik

Immer wieder finden sich im Programm der Lettrétage Projekte, die im Grenzbereich von Literatur, Kunst und Performance angesiedelt sind. Hinter dem Titel Wolfsblätterwald verbergen sich Lyrik und Prosastücke der vielseitigen Autorin, Künstlerin und Performerin Eva Wal. Ihre Texte haben unterschiedlichste Erscheinungsformen: Mal bildet eine Lyrik-Performance, mal ein Videogedicht, dann wieder ein Prosatext in Verbindung mit Musik und Soundcollage die sinnlich erlebbare poetische Außenfläche.

In Eva Wals Prosatexten geht es um Beziehung und Beziehungslosigkeit von Innen- und Außenwelten. Die Erzählerin zeigt ihr Ausgeliefertsein, Zustände von Ohnmacht, Verzweiflung und Paranoia wie eine offene Wunde. Die Ursachen dieser Zustände bleiben unklar, vielmehr geht es um die Macht der Erinnerung und im Kern um seelische Zustände jenseits von Schrecken und Schönheit.

Eva Wals Lyrik zeigt sich in enger Abfolge von Bildern ohne Konventionen. Ihre Metaphorik zeichnet Gefühlsbeschreibungen hin zu Seelenzuständen, die in tiefer Menschlichkeit über die Metaphern hinauswachsen. So erkennt der Mensch seine Existenz oft mit dem Blick auf Vanitas-Motive. Viele Zeilen verweisen auf die Gleichzeitigkeit von Moment und Ewigkeit, Tod und Leben, Liebe und Nichtliebe, nicht als Gegensätze, sondern zusammengehörend. Eva Wal bleibt dicht am Menschen, seiner Umwelt, zugleich dicht an Naturbeschreibungen, ihrem Werkzeug zum Ergründen der Seele. Claudia Heib

Eva Wal, geboren 1966 in Hamburg, aufgewachsen am Bodensee. Seit 1996 regelmäßige Ausstellungtätigkeit, Klang- und Rauminstallationen, Video, Film, Performances, Lesungen und Konzerte im In- und Ausland (England, Frankreich, Polen, Russland, Ecuador). 2006 Erfindung der Planetenmaschine als Instrument, um Wort, Bild und Klang in einem komplexen, physisch erfahrbaren System zu verschmelzen.2008 Stipendium im Künstlerdorf Schöppingen, 2009 Gaststipendium der Stadt Salzburg, ebenfalls 2009 mit dem Gedichtband Marmorsee die erste Buchveröffentlichung.

21. Dresdner Lyrikpreis an Marie Šťastná

Jayne-Ann Igel blogt beim Freitag ein Foto und diese Notiz:

Das Foto habe ich aus dem fahrenden Wagen aufgenommen, Richtung City, auf dem Weg zur Verleihung des Dresdner Lyrikpreises – nein, ich habe ihn nicht bekommen, als Mitglied der Vorjury – der Marie Šťastná, einer tschechischen und im deutschsprachigen Raum noch kaum bekannten Dichterin, verliehen wurde. Texte auf deutsch gibt es derzeit nur in einem Sonderheft der Literaturzeitschrift Signum zu lesen.

Nachrichten gibt es noch nicht, das Dresdner Literaturbüro reicht nur bis 2008. Ich kenne nur die Nachrichten aus Leserkommentaren von Jayne und von Wan Tan:

Gewonnen hat übrigens Marie Šťastná aus der Tschechischen Republik

Hier Info über die Lesung und Lesermeinungen

Vgl. auch L&Poe 2010 Aug #85. Dresdner Lyrikpreis (Kommentare!)

20. Tuvia Rübner

Das Schicksal hat den israelischen Lyriker Tuvia Rübner nicht geschont. Er hat überlebt, er schreibt, er trotzt dem Tod

schreibt  Marko Martin in der Welt:

Und ließe sich nicht als literarische Erfolgsgeschichte feiern, wie sich ein gerade noch Davongekommener eine neue Sprache anverwandelte (nicht: eroberte), so dass er bis heute, u. a. ausgezeichnet mit dem Darmstädter Paul Celan- und dem einheimischen Israel-Preis, zuerst in hebräisch schreibt und dann die Gedichte ins Deutsche übersetzt, bei Besuchen in Europa mit den befreundeten Kollegen Dürrenmatt (dem in Bezug auf Israel so sympathisierend Hellsichtigen), Karl Jaspers oder Christoph Meckel aber stets in seiner Muttersprache diskutierte?

Der biblische Ort, das geistig-historische Umfeld, die großen Namen und kleinen Anekdoten, das Jahrhundert der Hoffnungen und Katastrophen. Mitten drin aber ein Einzelner, ein Dichter, der am Abend seines Lebens sein „Selbstbildnis“ beschreibt: „Doch zurück zum Gesicht: der Mund, leicht nach unten gebogen./ Mürrisch? Verschlossen?/ Immerhin frei vom blödsinnigen Lächeln Eines/ der fleht um den Überrest auf dem Teller.“

Tuvia Rübner: Spätes Lob der Schönheit. Rimbaud, Aachen. 72 S., 18 Euro.


19. Weltschöpfung ins Leere

Uralte Mythen und jüngste Geschichte treffen sich im Bericht vom Massaker. Ohne Pathos, ohne Larmoyanz entsagt Meckel klapprig gewordenen Utopien und zählt die Höllen gegenwärtigen Weltzustandes auf. Er entwirft Räume, in denen das Licht immer seltener scheint und Landschaften, in denen der „Fürst der Finsternis“ regiert. In freien Rhythmen imaginiert er eine „Weltschöpfung“, die ins Leere trudelt. In kunstvoll arrangierten Szenen, in denen Könige ohne Land kommen und gehen, Wiedergänger, Strauchdiebe, Mörder, Narren, reitende Boten ohne Auftrag agieren, kehrt eine Figur immer wieder: ein „Er“, der Gefühle vermeidet und keine Spuren hinterlässt. / Dorothea von Törne, Die Welt

Christoph Meckel: Gottgewimmer. Gedichte.
Hanser 2010. 79 S.ISBN-13: 9783446235618 ISBN-10: 3446235612