Von Lyrik und Prosa zu Visueller Poesie, Songs, Hörclips und Performances
* WORKSHOP FÜR AUTORINNEN *
Referentinnen:
Das Literaturbüro Ruhr e.V., die Autorinnenvereinigung e.V. und das Frauenkulturbüro NRW laden interessierte Autorinnen zur Teilnahme an der Veranstaltung „Poetische Experimente“ am 16. Oktober 2010 (11 bis 20 Uhr) in die Kulturfabrik Heeder, Krefeld ein.
Die Veranstaltung richtet sich an Autorinnen, die neue Programme für öffentliche Auftritte entwickeln, Marketingstrategien umsetzen und Genregrenzen überschreiten möchten.
Die Referentinnen beginnen jeweils mit einem Impulsvortrag, und in den anschließenden Werkstätten treffen die teilnehmenden Autorinnen auf ihren „literarischen Coach“.
SA. 16. Oktober 2010
Kulturfabrik Heeder
Virchowstr. 130, 47805 Krefeld
EINTRITT FREI
Programm:
Zwischendrin gibt es immer wieder Zeit für Diskussionen und Erfahrungsaustausch mit den Referentinnen.
Ab 18.00 Uhr – Öffentliche Veranstaltung:
„POETISCHE EXPERIMENTE“
Im „Sprachlaboratorium“ auf der Probebühne der „Kulisse“ lassen die Autorinnen ihrer Fantasie freien Lauf. Die Referentinnen und einige Teilnehmerinnen lesen, improvisieren und spielen.
Sonett 66 „Tyr’d with all these for restfull death I cry“, Shakespeares verzweifelter Aufschrei der Welterkenntnis, wurde unter anderem übersetzt von Wolf Biermann, Volker Braun, Paul Celan, Lion Feuchtwanger, Stefan George, Stephan Hermlin, Karl Kraus, Gustav Landauer, Florens Christian Rang, Herbert Rosendorfer, Johannes Schlaf, Douglas Sirk, Ulrich Sonnemann, Dorothea Tieck und Günter Zehm. Ulrich Erckenbrecht hat hunderte Übersetzungen zusammengetragen und an die 200 davon in einem kleinen Band vorgelegt. Eine Fundgrube fürs vergleichende Lesen. / FR 23.9.
Ulrich Erckenbrecht: Shakespeares Sonette. MuriVerlag, Kassel 2010, 330 Seiten, 10 Euro.
Der hervorragend kommentierte Briefwechsel erinnert an die in Vergessenheit geratende Gewalt des Kommunismus. Bis ins kleinste Detail glaubte die Partei alles regeln zu müssen, alles regeln zu können. Pasternak durfte nicht veröffentlichen, wurde aber gleichzeitig gedrängt, die Leistungen der Ölarbeiter in Baku zu verherrlichen. Es ging der Partei nicht allein darum, den selbstständigen Köpfen das Leben zu verunmöglichen. Sie sollten nachgeben. Sie sollten ihre Empfindungen, ihre Einsichten verraten und sich der Partei unterwerfen. Und froh sollten sie sein, dass man sie nicht umbrachte im Paradies, das der Kommunismus werden sollte. / Frankfurter Rundschau 19.9.
Boris Pasternak/ Kurt Wolff: Briefwechsel. Hrsg. v. Evgenij u. Elena Pasternak unter Mitarbeit v. Fedor Poljakov. Verlag Peter Lang, 206 S., 24,80 Euro.
Man lässt sich leicht täuschen von diesen Gedichten, lässt sich verleiten, nur das Lichte zu sehen: ‚Spätes Lob der Schönheit‘ heißt der neue Gedichtband des 1924 geborenen, 1941 nach Palästina entkommenen Tuvia Rübner, und ‚Spätes Lob der Schönheit‘ ist auch der Titel eines der zentralen Gedichte dieses Bandes: ‚Was, in meinem Alter?‘ wundert sich hier das lyrische Ich, als es an einem Gemälde von Mark Rothko erst vorbeigeht, dann aber, geheimnisvoll angezogen, immer wieder zu ihm zurückkehrt, zu seinem Ultramarin wie überhaupt zu des Malers ‚Farben von vierzig Geschlechtern‘: ‚wie das Laub im Abendwind/ rauschen die Stimmen/ fast lautlos/ und sagen dieses und jenes/und alle die Farben erglühen/ Abtönungen des Roten, des Gelben/des Braunen, des Blauen, des Orangen/und Grünen – /welch Lobgesang dem Dasein‘. …
In Pressburg geboren – ‚dieser Henkerstadt mit dem heimeligen Gesicht/an der die Erinnerungen hängen wie schmierige Fetzen‘ – überlebte Rübner als einziger seiner Familie den Holocaust. Im Kibbuz arbeitete er erst als Schafhirte, wurde dann Bibliothekar, Lehrer und schließlich Professor für Literaturwissenschaft in Haifa. Seine Gedichte schreibt Rübner seit über fünfzig Jahren auf Hebräisch, übersetzt sie dann aber selbst ins Deutsche.
Dieses Deutsch nun ist von ungewöhnlicher Leichtigkeit, von einer Leichtigkeit, die das Alter möglicherweise mit sich bringt. Sie zeugt vor allem aber von einer großer sprachlicher Souveränität: Der Tradition durchaus eingedenk, schreibt Rübner frei und unbeschwert und scheinbar nur für sich. / Tobias Lehmkuhl, SZ 30.9.
TUVIA RÜBNER: Spätes Lob der Schönheit. Rimbaud Verlag, Aachen 2010. 76 Seiten, 18 Euro.
Kleinlaut ist bloß das erste Wort. „Neulich“, beginnt das Gedicht von Friedrich Rückert, „deutschten auf Deutsch vier deutsche Deutschlinge deutschend, sich überdeutschend am Deutsch, welcher der Deutscheste sei“. 1819 hat Rückert diese Zeilen geschrieben. Sie haben an Aktualität nicht eingebüßt. Folglich finden sie unbestritten Platz auf Seite 383 im „Echtermeyer“. Bald 175 Jahre, ein gutes Alter, hat diese Gedicht-Sammlung erreicht. Sie hat in lyrischen Zirkeln Kult-Status und wird von der Wissenschaft als maßgebend geschätzt. Nun ist im Jubiläumsjahr die 20. Ausgabe dieser kanonischen, gleichwohl subjektiven Auswahl deutschsprachiger Gedichte erschienen. 850 Gedichte aus 12 Jahrhunderten von A wie Achim von Arnim bis Z wie Ulrich Zieger… / Hans-Peter Schreijäg, Schwarzwälder Bote
Diese Anthologie leistet, was man sich von jeder Sammlung literarischer Texte wünscht: Mit jeder gelesenen Seite wird deutlicher, wie bemerkenswert die portugiesische Literatur des 20. Jahrhunderts ist. Die von der Übersetzerin Gaby Wurster getroffene Auswahl der Texte zeugt von ebensolchem Augenmaß wie die Komposition derselben in vorliegendem Band. Am Anfang steht ein Ausschnitt aus dem »Buch der Unruhe« von Fernando Pessoa und am Ende das Gedicht »Lissabon mit seinen Häusern« des spät entdeckten portugiesischen Klassikers. Zwischen dieser Klammer finden sich zahllose interessante Autoren, die repräsentativ für die zeitgenössische portugiesische Dichtung stehen. / Kai Agthe, ND 29.9.
Lissabon. Eine literarische Einladung. Hrsg. von Gaby Wurster. Verlag Klaus Wagenbach. 139 S., geb., 15,90 €.
Mohammad Reza Shajarian may be the most famous singer in all of Iran.
He’s also Iran’s most famous protest singer — even though, strictly speaking, his music doesn’t directly protest the government at all. …
„Iranian literature is primarily poetry,“ explains Milani. „And Shajarian is a master of this literature and knows exactly what lines from which poems could be used at what moment in history. He says if you follow my songs, you can almost write the history of the last 40 years.“
As a recent example, Milani points to a song that Shajarian recorded after the regime began its crackdown last year.
„He sang this song [„Language of Fire“] from a poet that was kind of a Perry Como of Iranian poetry,“ says Milani. „If there were Hallmark cards [in Iran], his poetry would likely be a candidate to be on those Hallmark cards. And he picked one of this guy’s songs and rendered it into a virtual manifesto of that peaceful, democratic movement.“ / npr.org
Der Text des Liedes „Zaban-e Atash“ („The Language of Fire“) stammt von dem Dichter Fereydoun Moshiri (1926 – 2000) und lautet auf Englisch (Netzfund):
Lay down your gun, As I hate this very abnormal shedding of blood. The gun in your hand speaks the language of fire and iron, But I, before this fiendish tool, Have nothing but, the language of the heart, The heart full to the brim with love for you, Who are in love with the enemy. The language of fire and iron is the game of fury and bloodshed. It is the language of Genghis Khan. Come, sit down, talk, hear. Perhaps the light of humanity will get through to your heart, too.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
I’ve spent my seventy years on The Great Plains and have lived all that time amidst vivid and touching stories about the settlement of our area, lots of them much like this one, about a long ago courtship and marriage, offered to us in a poem by James Doyle, who lives in Colorado.
Love Story
The kitchen door opens onto dirt
and the second half of the country
all the way to the Pacific. Rusted
prairie trains out of the tall weeds
elbow the last century aside, rumble
from every direction towards Chicago.
My great-grandfather, who would be
150 years old today, put on his one
tall hat and took the big trip
to Omaha for my great-grandma
with the family ring on his vest
and winter wheat lying wait in seed.
He gave her all the miles he had
and she gave him the future I walk
around in every day. The mountains
were too far west to count so they
doubled back over the land and century
and the real weather kept coming from them.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2009 by James Doyle, whose most recent book of poetry is Bending Under the Yellow Police Tapes, Steel Toe Books, 2007. Poem reprinted from the Nimrod International Journal, Vol. 53, no. 1, Fall/Winter 2009, by permission of James Doyle and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
„Du schickst mir deine Gedichte, ich schicke dir meine“, beginnt das Gedicht „Die Verschwörung“ des amerikanischen Dichters Robert Creeley. Mit diesen Zeilen hat die Wahl-Eislinger Dichterin und Herausgeberin ihren neuen Lyrikband überschrieben. Seit 20 Jahren bestehen in Eislingen die zweisprachigen Lyriklesungen. Vorgestellt wird zeitgenössische Lyrik aus verschiedenen Ländern. Im Original vorgetragen von Muttersprachlern und in der deutschen Übersetzung.
Der jetzt veröffentlichte Lyrikband, für den Tina Stroheker die Herausgeberschaft übernommen hat, fasst einen Teil der zweisprachigen Lyrikabende zu einem bezaubernden, hochkarätigen Stück Literatur zusammen. …
So waren auf der Bühne im Odeon polnische, amerikanische, türkische, niederländische, spanische, arabische, tschechische, schwedische, russische, finnische und isländische Gedichte im Original gelesen von Muttersprachlern und in der deutschen Übersetzung / Südwest Presse
Ein Akkordeon-Stück der in Bremen lehrenden Koreanerin Younghi Pagh-Paan war von einem Gedicht von H.C. Artmann inspiriert, das so rätselhaft schön anmutet, wie der gesamte Abend in der Lutherkirche war. Denn in dem Gedicht stehen Zeilen wie „Mein Herz ist die stumme Frage eines Bogens aus Elfenbein“. / Georg Pepl, HNA
Respektlos behandeln sie edle wie banale Fundstücke (etwa aus dem Marbacher Literaturarchiv: «der Holocaust – das erfolgreichste Thema der Literatur des 20. Jahrhunderts»), verwandeln Mörike und klopfen an den Hölderlinturm. Bisweilen klingen die poetischen Gebilde wie eine verwandte Fremdsprache. Die Essenz dieser um die Leerstelle des Gesagten und Geschriebenen kreisenden Kompositionen findet sich in dem wunderbaren Gedicht «Cage»: «but / in the beginning / was the and / the was with / and the / was». So wird auch die «stille», wenn man sie oft genug wiederholt, zu einem schlichten «st». / NZZ 25.9.
Tobias Amslinger / Léonce W. Lupette: Einzimmerspringbrunnenbuch. Verlag Luxbooks, Wiesbaden 2009. 75 S., € 18.50.
Kann ein Mann wie Gottfried Benn, der mit dem Faschismus sympathisierte, überhaupt ein guter Lyriker sein? Solveig Keller, Düsseldorf
Reich-Ranicki: Leider ja. Ich wiederhole: L e i d e r ja.
/ Sonntagsfrage, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung 3.7.
Der Oberstabsarzt saß gern im Pilsner Urquell: Eine ungedruckte „Bierode“ Gottfried Benns von 1935 zeigt den Dichter in Trinklaune, wenn auch nicht unbedingt in Höchstform. Für die Forschung ist das Dokument trotzdem von Interesse.
Von Alexander Košenina, FAZ 25.9. (mit Text + Faksimile)
– Der Artikel zeigt ein bißchen das Dilemma der deutschen Ästhetik, die vom Sockel nicht lassen will. Daß auch der stärkste Dichter schwächere Momente hat, geschenkt. Aber hierzulande verursachen „Ausrutscher“ unserer Großen regelmäßig Eiertänze. „Bier taugt einfach nicht für Oden“, dekretiert der Autor, als hätte sich mit Brecht (der ein Sonett mit dem Titel „Kuh beim Fressen“ schrieb) nicht einiges geändert und als hätte nicht vor 60 Jahren der chilenische Dichter Pablo Neruda seine „Elementaren Oden“ veröffentlicht, darin eine auf die Zwiebel, eine auf die Seeaalsuppe. Komisch auch diese Passage:
Es fällt aber doch schwer, diese über siebenundvierzig Zeilen ausgebreitete schwülstige Rede für nichts als Ironie zu halten. Zumindest sprachlich und metaphorisch bebt hier etwas nach, das noch nicht vollständig bewältigt und verarbeitet ist. Der Abgesang des Gedichtes schließt an den harmlos launigen Eingang an und wiederholt einige Braumarken aus Hannover. Zum Schluss heißt es: „von Bier zu Bier / die große Linie der Menschwerdung / Hallelujah, Pröstchen!“ Texte wie dieser, mit einem im gesamten OEuvre Benns nicht wiederkehrenden Vokabular, waren zum Glück nicht für den Druck bestimmt.
[„Hoffentlich ist es Ironie! zum Glück nicht für den Druck bestimmt!“]
Die Augen der Stockholmer Kulturszene richten sich in diesen Tagen auf Göteborg. Das kommt nicht oft vor, mindestens aber einmal im Jahr – immer dann, wenn sich in Göteborg die schwedische Verlagsbranche zur Buchmesse versammelt. Bei der diesjährigen Messe … steht das Thema Afrika im Mittelpunkt. Mehr als siebzig afrikanische Schriftsteller reisen zu dem Ereignis nach Westschweden, einer der Stargäste ist die südafrikanische Nobelpreisträgerin Nadine Gordimer. Die Messe ist auch Anlass, um wieder ausführlich über den Fall Dawit Isaak zu sprechen. Der Autor wird seit neun Jahren in Eritrea wegen regimekritischer Äußerungen gefangen gehalten. Da Isaak auch die schwedische Staatsbürgerschaft besitzt, hat der Fall in Schweden große Aufmerksamkeit bekommen. Pünktlich zur Buchmesse erscheint nun der Sammelband ‚Hoffnung‘, mit Theaterstücken und Gedichten von Dawit Issak. / Süddeutsche 18.9. S.
Einer der Literatur-Zyklen umfasst die 22 Tuschzeichnungen Willi Sittes aus dem Jahre 1950 zu Wladimir Majakowskis Gedicht „Die auf Sitzungen Versessenen“ (1920). Sie ermöglichen dem Betrachter Einblicke in Sittes experimentelle künstlerische Phase Ende der 40er Jahre, als er versuchte, seinen akademischen Malstil aufzubrechen. …
Der zwischen 1966 und 1968 entstandene, 14 Blätter umfassende Zyklus zu Ovids „ars amatoria“ dagegen wendet sich bereits zwei von Willi Sittes Hauptthemen zu, dem Akt und dem Liebespaar, und markiert zugleich die Anfänge seiner druckgrafischen Arbeiten – der Leipziger Drucker Horst Arloth führte hier die Abzüge aus.
Der Liebeskunst gilt auch der dritte Zyklus, sechs Zinkografien aus dem Jahre 1983 zu dem Gedicht „Hochzeitsscherz“ (nach Anleitung des Lateinischen aus dem Johannes Secundus) von Johann Christian Günther (1695-1723). / Ostthüringer Zeitung
Neueste Kommentare