81. Gegen die Konformität der Wahrnehmung

Die Frage ist für den Iraner Khalfani, der in Deutschland lebt, von besonderer Relevanz: „Der Dichter fängt an Gedichte zu schreiben / wenn er schweigen muss“. In Deutschland, dem Land der Dichter und Denker, in dem die Dichter zwar schreiben dürfen aber nicht gelesen werden, herrscht lyrische Grabesstille. In Iran, wo die Dichter geknebelt und mit Berufsverboten belegt aber gelesen und gehört werden, ist das Schweigen unendlich laut: „Der laute Dichter / versteckt sich dann / hinter seinem Schweigen“. …

Khalfanis Verse kommen trotz ihrer Schwermut sehr leichtfüßig daher – wie der Vogel, der sie symbolisch durchfliegt und der bisweilen an jenes wundervolle Gedicht von Forough Farrochsad erinnert, das den Blick aus den Gitterstäben des Gefängnisses beschreibt. Bei Khalfani ist das Gefängnis die Konformität der Wahrnehmung, die er aufzubrechen versucht mit einer enorm starken Symbolik in einer ruhigen und nachdenklichen Sprache. / Gerrit Wustmann, cineastentreff.de

Salem Khalfani: Nachtschwimmer (Gedichte, Sujet Verlag 2010)

80. Meine Anthologie 64: Scott Mignola, have a private talk with a live naked girl

64 (2001) 

Scott Mignola

have a private talk with a live naked girl

You know, when I was
a little boy
my father told me
that girls in your
situation
naked girls who sit
in booths and
talk for a dollar
these girls had these jobs
because they ran out of
clean clothes
and they ran out of
quarters to do laundry with
so this is where they
ended up
in booths like these
talking to people
like me
and don’t tell me if
it’s true or not
because I like it
I like the story
I like to believe it.

You’re prettier than I
imagined you’d be
kind of vulnerable
kind of desperate
a butterfly behind glass
with a pin through
her heart.


In the words of Scott Mignola: Poems come sporadically, sometimes years apart. At present life centers around raising two little ‚uns in a crowded San Francisco apartment with a view of roses and a neighbor’s bewildering attempts at a vineyard. Between jobs writing about sharks, toilet brushes and whatever else pays the bills, I hammer out seemingly unpublishable novels.
Reach him at DogBoy@gumballpoetry.com

Gumball Poetry Magazine

 

Scott Mignola

private gespräche mit nackten girls aus deiner umgebung

Weißt du, als ich
ein kleiner junge war
erzählte mir mein vater
daß mädchen in deiner
lage
nackte mädchen die
in kabinen sitzen und
für einen dollar reden
diese mädchen hatten diese jobs
weil ihnen die
sauberen klamotten ausgegangen waren
und weil ihnen der
vierteldollar für die wäsche ausgegangen war
und deshalb
endeten sie hier
in kabinen wie diesen
reden mit leuten
wie mir
und ich frag dich nicht ob
das stimmt oder nicht
denn mir gefällt es
mir gefällt die geschichte
ich glaube sie gern.

Du bist schöner als ich
mir vorgestellt hatte
irgendwie verletzlich
irgendwie verzweifelt
ein schmetterling hinter glas
mit einer nadel mitten
durchs herz.


Am 4.7.2001 – Independence Day – im Newsletter des Gumball Poetry Magazine gefunden

deutsch von Michael Gratz



79. Meine Anthologie 63: Reinhard P. Gruber, Jetzt werde ich die Welt beschreiben

63 (2001)

Jetzt werde ich die Welt beschreiben

 

DAS MEER

Soweit so blau

DIE LANDSTRASSE

Die Landstrasse hat der Mensch gemacht,
scheidet also aus.

DIE STADT

Die Stadt hat ein Stadttor und das Dorf nicht.
Hätte das Dorf ein Dorftor, wäre auch das Dorf eine Stadt.
Es ist keine Natur in der Stadt.

DER STRAND

Der Strand ist eine äußere Begrenzung des Wassers.
Hier unterscheidet man
den Meeresstrand und den Flußstrand.
Der Strand ist der Rand, auf dem der Mensch strandet.
Man kann ihn auch zum Baden verwenden.
Dann aber heißt es gut abtrocknen, sonst kommt der Strandsand
über die Haut ins Haus!
Der Sand hat im Haus nichts verloren,
hier regiert der Staub.

DER GLETSCHER

Sehr kaltes Wasser wird steif.
Aber dann kommt die Sonne und der Gletscher bricht
pritschelnd zusammen.
Alle Klimaforscher werden einfach weggeschwemmt und
landen im Meer.
Das ist die Bestimmung.

DER HAGEL

Hagel ist ebenfalls Eis, aber in der Luft.
Die Schwerkraft zwingt ihn zu Boden,
wo schon das Gemüse und der Wein auf ihn warten.
Danach schaut alles anders aus, und zwar nachhaltig.
Wenn es hagelt, spielt der Bauer Lotterie und
die Hagelversicherung muß alles zahlen.
Oder sie schleicht sich,
und dann schauts schlecht aus.

manuskripte 150/ 2000 S. 59-61

78. Lyrik aus Israel

Um die Maus aus ihrem Loch zu locken, bellt die Katze. Sie täuscht ihre Beute. Ronny Someck folgert: In Israel kann man nur überleben, wenn man auch arabisch spricht. Zweisprachigkeit bedeutet für den 1951 in Bagdad geborenen Lyriker auch, mit Musikern und bildenden Künstlern gemeinsame Projekte zu realisieren. /

/ Sigrid Brinkmann, DLR

 

 

77. Lyrisches Flussbett

So ist es nur konsequent, dass sie ihr neues Buch ganz einem Fluss gewidmet hat. Wobei sie die reale Donau mit ihren Wirbeln, Fischen und dem Donaugold ‚tief unten / im Flussgrund‘ in eine eigene gedanklich-sprachliche Welt verwandelt. Der Sog der Sprache wird in Quadraten gebannt, die aus zehn Versen zu je zehn Silben bestehen. Zehn Quadrate ergeben bei Zsuzsanna Gahse einen Würfel. Als hätte sie der Sprache ein lyrisches Flussbett geschaffen, einen Kanal vielleicht oder wenigstens eine leichte Regulierung. Doch trotz dieser strengen Form läuft die Rede assoziativ, mäandernd geradezu, voran. ‚Sekundenideen, die im Kopf / herumschwirren‘, sind der innere Antrieb. So ist das Flusssystem zugleich ein Nervensystem. / NICO BLEUTGE, SZ 16.12.

ZSUZSANNA GAHSE: Donauwürfel. Edition Korrespondenzen, Wien 2010. 141 Seiten, 18,50 Euro.

 

76. als säsze man im Zug und die Landschaft flöge vorbei

Jacques Derrida tritt dem Dichter und geliebten Lebenspartner Ernst Jandl an die Seite, mit dem Friederike Mayröcker in dem fünf Jahre nach seinem Tod erschienenen Prosabuch ‚Und ich schüttelte einen Liebling‘ (2005). Jandl geistert auch durch dieses Buch; an ihn, der unter dem Namen Ely auftritt, ist die letzte ausgeschriebene Fußnote adressiert: ‚ich bin die geprügelte Seele eines Hundes, sage ich zu IHM, die Stunden die Wochen die Jahre seien so rasch vergangen als säsze man im Zug und die Landschaft flöge vorbei und das Ende der reise sei nahe‘. /  LOTHAR MÜLLER, SZ 15.12.

FRIEDERIKE MAYRÖCKER: ich bin in der Anstalt. Fusznoten zu einem nichtgeschriebenen Werk. Suhrkamp Verlag, Berlin 2010. 190 Seiten, 19,80 Euro.

 

75. Lyrik Live im Gorki-Studio

HARDCOVER STUDIO

Binnenreim auf der Bühne, Metapher in der Maske, Alliteration im Atrium: Der Berlin Verlag feiert den 10. Geburtstag der Lyrik-Reihe mit einem Lyrik-Parcours. Jan Wagner, Björn Kuhligk, Ron Winkler, Elke Schmitter und viele andere Autoren nehmen uns mit auf eine Probebohrung in den Himmel bis zur Oberfl äche der Erde und zurück. Eine Premiere in zweifacher Hinsicht – der Berlin Verlag gestaltet seine erste Veranstaltung und damit den ersten Lyrik-Abend im Gorki Studio.

Projektleitung Cordula Brucker, Kristin Voigtländer, Video Viera Kucera, Anna Bergemann

 

Sa 05.02.2011 20:15 Uhr Studio

Do 24.02.2011 19:30 Uhr Studio

 

74. komm in den technopark

Die Erkennungszeichen des Epochenbruchs ruft der 1963 in Gera geborene Lutz Seiler in seinem neuen Gedichtband herauf, in distanzierenden Anspielungen auf Stefan George, Hugo von Hofmannsthal und Inger Christensen. Das Zeitgedicht ‚das neue reich‘, mit dem Seiler seine poetische Geschichtswanderung eröffnet, stellt der artistischen Esoterik und Seher-Pose in Georges Gedichtsammlung ‚Das Neue Reich‘ (1928) das Deutschland unserer Tage entgegen, das auf unrühmlichem braunem Geschichtssockel steht. Die Dementis ‚kein labyrinth & keine chandoshysterien‘ gelten der bloßen Relativität des menschlichen Weltverständnisses in Inger Christensens Versepos ‚Det‘ (1969) und der Sprachkrise, die Hugo von Hofmannsthal seinen Lord Chandos in dem berühmten Brief ausrufen ließ, den er in seinem Namen zu Beginn des 20. Jahrhunderts verfasste.

Den Versuch Stefan Georges, mit einer Erneuerung der Naturpoesie das Rad der Zeit zurückzudrehen und die Menschheit des Jahres 1897 ‚in den totgesagten Park‘ einer herbstlich späten Rosen- und Rankenwelt einzuladen, konterkariert Seiler mit dem Hinweis auf die unumstößliche Realität des ‚technikparks‘ mit seinem komfortablen ‚fischgrätenestrich‘, in dem wir zusehends bequemer und mobiler leben. Seiler entlehnt einen guten Teil seiner Bildsprache diesem ‚technopark‘, den ‚göttern des öl‘, der Welt von Garagen, Motoren, Schrauben, Bowdenzügen, Vergasernadeln. / SIBYLLE CRAMER, SZ 13.12.

LUTZ SEILER: im felderlatein. Gedichte. Suhrkamp Verlag. Berlin 2010. 102 Seiten, 14,90 Euro.

 

73. Tucholskys letzte Fahrt

Kurt Tucholsky starb am 21. Dezember 1935 in Göteborg an einer Überdosis Tabletten. „Letzte Fahrt“ schrieb er 1922. FR-online.de erinnert mit den Versen über seinen Todestag an den politischen Schriftsteller.

An meinem Todestag – ich werd ihn nicht erleben –
da soll es mittags Rote Grütze geben,
mit einer fetten, weißen Sahneschicht …

72. Rückrufaktion

Das Neuste aus der Lyrik-Blogosphäre:

Rückrufaktion!

cantusfirmus | 21. Dezember 2010 at 00:39 | URL: http://wp.me/pTABA-sg

Der Autor Ulf Stolterfoht ruft sein Gedicht „fachsprachen XXXIII – die bregenzer kontamination (7)“ zurück in die Vertragsbuchhandlungen! Grund: In den Zeilen 7/8 liegt ein kapitaler Hund begraben! Statt „wenn lyrik – dann innung!“ muß es selbstverständlich heißen „wenn lyrik – dann knappschaft!“ Autor und Verlag entschuldigen sich und versichern, daß den Lesern dadurch keine Mehrkosten entstehen.

71. American Life in Poetry: Column 300

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

This is our 300th column, and we thank you for continuing to support us. I realized a while back that there have been over 850 moons that have gone through their phases since I arrived on the earth, and I haven’t taken the time to look at nearly enough of them. Here Molly Fisk, a California poet, gives us one of those many moons that you and I may have failed to observe.

Hunter’s Moon

Early December, dusk, and the sky
slips down the rungs of its blue ladder
into indigo. A late-quarter moon hangs
in the air above the ridge like a broken plate
and shines on us all, on the new deputy
almost asleep in his four-by-four,
lulled by the crackling song of the dispatcher,
on the bartender, slowly wiping a glass
and racking it, one eye checking the game.
It shines down on the fox’s red and grey life,
as he stills, a shadow beside someone’s gate,
listening to winter. Its pale gaze caresses
the lovers, curled together under a quilt,
dreaming alone, and shines on the scattered
ashes of terrible fires, on the owl’s black flight,
on the whelks, on the murmuring kelp,
on the whale that washed up six weeks ago
at the base of the dunes, and it shines
on the backhoe that buried her.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2000 by Molly Fisk, whose most recent book of poetry is The More Difficult Beauty, Hip Pocket Press, 2010. Poem reprinted from The Place That Inhabits Us, Sixteen Rivers Press, 2010, by permission of Molly Fisk and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

70. Die Dichterin Ai

So ließ sie sich gern nennen: „the Poet Ai“. Sie stammte aus Texas und gab sich vor dem Gesetz den Namen Ai, was auf Japanisch „Liebe“ heißt. In der Zeitschrift Cimarron lese ich, daß sie im März diesen Jahres gestorben ist. Aus dem Nachruf von Dagoberto Gilb:

I love writers because I worship words and lines of them. Writers are far more important to me than presidents, premiers, comandantes, colonels or generals, kings, queens, super hottie movie stars or underwear models, rockers, directors, ballplayers (excluding track!), even touched by God, evangelical rightwing TV commentators—this is how fringie dangerous I am. Most of the writers I praise are no more than names, mantra-like syllables, on indefinably meaningful books. Or were. For a good half of my adult life—when I was officially allowed to be a member—I have been privileged to meet a few. Some I’ve come to know even.

So many are boring. I don’t mean boring as lifestyle, as in which store decor in their home, the pro- or anti-fashion of their hair or the hip-hop quotient of their slang, not even as in a measure of distance on any form of pedometer. What matters to me…hard to describe. A glint of eye, as faintly seen as a distant star, on an otherwise dismissed object in a busy room? A distraction of speech either too fast or too slow? The will to risk with no acted out rebellion in it? A mute, even embarrassed awareness of the mystery being alive is, or the contrary, an inability to fathom anyone unconscious of its thrill or terror? The storytellers and poets who are any of the above are not bores. Yet most, lots, who have the titlewriter or poet seem no more haunted by daemons than a geologist. They make such good choices in careers, mates, clever plots and touching images, that even their parents sound just right. Hard for those of us raised with dysfunction to bitch about those without it. Could be it’s me and I should stick to watching sitcoms. Whatever, I don’t hang much. I’ve never done much to appear on the society page of the living writer.

(…)

What I’d read of her work was raw, fearless, driven, smart, good. She wrote unnostalgically about the poor and the outcaste, openly about sex and violence but without cliché or stereotypes or in a simplistic binary politic—so that her poetry was not only about holy victims or folkloric heroes, nothing that made her people better than your people, only about inside each and every. Her work even seems to question whether cultural or racial identity can continue to exist, even as her most riveting characters were black. Cruelty was a stunning collection, as was The Killing Floor. When she won the National Book Award for Vice, it was like, It’s about time.

 

Im Netz frei zugänglich außer dem Nachruf ein ihr gewidmetes Gedicht von Marilyn Chin, darin die Zeile: „I wipe off my kohl eye shadow and plum lip gloss“.

69. Lichtfest

Die dunkelste Zeit des Jahrs mit ein paar Lichtpünktchen illuminieren. Gregor Koalls Lyrikmail beschert 4 Tage vor Weihnacht einen Sommerabend, oder mehrere:

Sommerabende, ihr lauen,
Bettet mich auf eure Kissen,
Laßt in Fernen, dunkelblauen,
Meiner Träume Wimpel hissen.

(…) (Klabund)

Michael Braun beschwört im DLF-Lyrikkalender (für 7 Tage, reicht also nicht ganz über Weihnachten, aber nächstes Jahr kann man es kaufen, wird ja wieder dunkel) mit Volker Braun – ist doch egal, wo das Licht herkommt – den Augenschein:

Ich sehe wieder klar, und beide Augen lügen
Mir eine schöne Welt. Ich laß mich gern betrügen
Und blicke gerne durch in Kluft und Gruft hinein.
Wenn mich auch sonst nichts freut, ich lob den Augenschein.

(Volker Braun, Auf die schönen Possen. Suhrkamp Verlag, Berlin 2005.)

 

Die italienische Lyrikerin Alda Merini, die im vorigen Jahr starb, wurde von Pasolini „die Göre aus Mailand“ genannt. You tube-Nutzer poesianuda präsentiert ihre Verse hautfarben:

Paura dei tuoi occhi,
di quel vertice puro
entro cui batte il pensiero,
paura del tuo sguardo
nascosto velluto d’algebra
col quale mi percorri,
paura delle tue mani
calamite leggere
che chiedono linfa,
paura dei tuoi ginocchi
che premono il mio grembo
e poi ancora paura
sempre sempre paura,
finchè il mare sommerge
questa mia debole carne
e giaccio sfinita
su te che diventi spiaggia
e io che divento onda
che tu percuoti e percuoti
con il tuo remo d’Amore.

POESIA NUDA, Video poesia, paura dei tuoi occhi, Omaggio ad Alda Merini, MINIREC 13 Agosto 2009
Von: poesianuda | 11. September 2009  | 2.761 Aufrufe
http://www.poesianuda.com ……. Rerecord 2009, Video poesia tratta dalla raccolta audio „POESIA NUDA, Omaggio ad Alda Merini“, Con questa nuova versione abbiamo voluto dare nuovo vigore ed emozionalità a questo esperimento di arti congiunte e miscelate, forti dell’esperienza trascorsa con il precedente video….la voce e soprattutto il pianoforte hanno riempito i silenzi con suoni ed espressioni dell’anima.

Hier mehr Texte von Alda Merini und anderen italienischen Lyrikern wie Ungaretti, Zanzotto oder Montale.

68. »Bild«!

Gemeinsam mit dem notorischen »Verein Deutsche Sprache« hast Du eine »große Bild-Aktion« gestartet, um »die deutsche Sprache endlich im Grundgesetz zu verankern«, und aus diesem Anlaß Bundestagspräsident Lammert 46317 Unterstützerunterschriften übergeben.

Wenn das, Bild, mal nicht nach hinten losgeht! Am Ende wirst Du noch als verfassungsfeindlich eingestuft.

Unterschreibt dafür gerne:
Titanic

– Derweil verkündet die Uni Greifswald stolz, daß ihre Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät einen Preis jenes Vereins DS erhielt, weil sie sich asterixtapfer gegen den von Obama persönlich oktroyierten „Bachelor“ wehren und am gutendeutschen Wirtschaftskaufmann festhalten:

„Es ist beschämend, wie rückgratlos und gegen besseres Wissen Tausende anderer deutscher Hochschullehrer die bewährten Humboldtschen Ideale zugunsten einer niveaulosen Zwangsamerikanisierung unserer Universitätslandschaft verraten haben. Den Kollegen in Greifswald, die wie Asterix und Obelix standhaft geblieben sind, gebührt höchste Anerkennung und Respekt“, so Krämer.

Und da wir dabei sind: Udo Lindenberg wird wohl angesichts der vielen Knete auch nicht merken, in welche Gesellschaft er sich da begibt:

Der mit 30.000 Euro dotierte Jacob-Grimm-Preis Deutsche Sprache geht 2010 an den Musiker Udo Lindenberg. Die Eberhard-Schöck Stiftung und der Verein Deutsche Sprache e.V., die diesen Preis vergeben, honorieren damit Lindenbergs Verdienste um die deutschsprachige Popmusik.

Nunja, der Lyriker* Rolf Hochhuth hat ihn auch.

*) Wie sagt man das Germanisch? Barde? Ist zwar Keltisch, aber das sind Asterix und Obelix doch auch, die scheinen sie ja zu akzeptieren.

67. „drahnsdorf, uckro, waldrehna und prösen“

Die Landschaftsgedichte Altmanns sind zwar verortet, aber genaue topografische Angaben finden sich selten. Das ist ein an Joseph von Eichendorff erinnerndes poetisches Verfahren.

Auch der Spätromantiker hat seine Gedichte gern im Ungefähren schweben lassen, um so mehr Deutungsspielraum zu bieten. Andererseits finden wir im Abschnitt „das jahr an der küste“ allein drei Texte, die dem Darß gewidmet sind. Aus einem Grund, der im Gedicht „an der küste“ nachgereicht wird: „so nah wie am meer // sind mir worte an keinem anderen ort, hast du gesagt.“ Und schon im ersten Kapitel – „tiere in bahnsteignähe“ – in dem die Überschriften aus Substantivierungen bestehen -, erfahren wir, dass „das gerufene“ ein Gedicht auf die Niederlausitz ist: „drahnsdorf, uckro, waldrehna und prösen werden // die orte gerufen.“ / Kai Agthe, Thüringische Landeszeitung

Andreas Altmann: Das zweite Meer. Gedichte. poetenladen, Leipzig, 93 S., 15.80 Euro