51. Ghana: Gedichtband als eBuch

Der bekannte ghanaische Autor und Performance poet Nii Ayikwei Parkes hat ein billiges eBuch herausgegeben, „This is Not a Love Poem“. Es ist für $0.50 auf seiner Website http://thought.niiparkes.com/2010/12/free-e-book-this-is-not-love-poem.html erhältlich.

Nii Ayikwei Parkes schreibt Gedichte und Prosa für Kinder und Erwachsene. Mit dem niedrigen Preis reagiert er auf die hohen, für Durchschnittsafrikaner nicht bezahlbaren Preise für seine in Großbritannien veröffentlichten Bücher und CDs. / modernghana.com

50. Top of the poets

The Independent books of the year:
Stephen Knight’s list of top poetry collections. (The Independent)

The Guardian’s Year in Poetry:
Nicholas Wroe’s roundup of 2010’s notable collections. (The Guardian)

„I get lots of books of poetry in the mail…“
Dan Chiasson on eleven 2010 collections „that made it through the mail, out of their envelopes, and all the way into my mind, where they’ve set up shop.“ (The New Yorker)

49. Farbworte

All ihre lyrisch-kühnen Farbworte – vom „blauen Klavier“ bis zur „rotbäckigen Schule“ – brachte sie nun in ihre Bilder, verlieh einem Mann ein blaues, dem nächsten ein rotes und dem dritten ein goldenes Gewand. Ihre im Profil gezeichneten Köpfe sind ein typisches Merkmal der altägyptischen Kunst. Und ähnlich stilisiert, mit Pagenkopf, trat sie selbst auf. So verspricht Lasker-Schülers künstlerisches Werk eine grandiose Entdeckung mit bisher unbekannten Facetten. / Christian Huther, Südkurier

Bis 9. Januar: Jüdisches Museum, Frankfurt/Main; Di bis So 10-17 Uhr, Mi 10-20 Uhr

 

48. Geographie Transwalpurgiens

… fort und hinein in den neuen und nunmehr vierten ganz und gar eigenständigen Lyrikband des in Halle lebenden Dichters, Erzählers und Essayisten, der kürzlich 60 Jahre alt wurde. Ein Buch, das zutreffend und unprätentiös den Titel „Mitteldeutsche Gedichte“ trägt, denn um Mitteldeutschland geht es diesem Autor doch immer, wo er auf „Braunkohlenbaumwipfelpfaden zwischen keltischem Knacklaut und Gnadenstern Luther“ (Mitteldeutsches Triptychon für Uwe Pfeifer) wandelt. Insgesamt 75 – bis auf vier – sämtlich neue Gedichte bietet der Band in fünf Kapiteln, die von der vom Brocken aus entfalteten „Geographie Transwalpurgiens“ hin zu Novalis ins Mansfeld, zur Nonne Gertrud nach Helfta, zum Anatomen Meckel in Halle und in die Gegenwart führen „Fern von Zen & GPS“. / Christian Eger, Naumburger Tageblatt

Wilhelm Bartsch: Mitteldeutsche Gedichte, Mitteldeutscher Verlag, 163 Seiten, 16 Euro

47. Kulturkämpfer

Warum tust du mit Anglizismen zum Niedergang der deutschen Sprache beitragen?

Sonntag, 12.12., 17:33 im deutschen Fernsehen

(Geistige Gummibärchen)

46. Der junge Enzensberger

Seine Lyrik, obwohl artistisch-artifiziell im Stil der Zeit, war von unerhörter politischer Schärfe. Sie agitierte nicht, sie analysierte. Von einer überraschenden Metapher erhoffte sie sich mehr als von eindringlicher Belehrung und lieferte das bis heute überzeugendste Beispiel, wie politische Lyrik nach Brecht aussehen konnte. / Georg M. Oswald, Die Welt

45. Runge, Leisten, Haufs, Fels

Sammelrezension von Nico Bleutge, Stuttgarter Zeitung 10.12.:

Am besten ist Doris Runge, wenn sie mit ihrer anschaulichen Sprache ganze Welten erstehen lässt. Dann können die Wörter tatsächlich „schmuggelware“ sein: „fischschwänzige / seltsame promenadenmischungen / im friesennerz“.

Doris Runge: was da auftaucht. Gedichte. DVA, München. 89 Seiten, 14,99 Euro.

Christoph Leisten vermag es, philosophische Ideen in seine Verse zu holen, ohne doch lehrhaft zu sein. Auch die vielen Bilder von Reisen stellen ihr Wissen kaum aus, sondern öffnen Auge und Ohr für Landschaften und die Schichtungen der Kultur.

Christoph Leisten: bis zur schwerelosigkeit. Gedichte. Rimbaud Verlag, Aachen. 64 Seiten, 15 Euro

Ein skeptischer Kammerton durchzieht Rolf Haufs‚ Gedichte von jeher. Umso überraschender scheint es, dass sich der Lyriker diesmal den Erfahrungen seiner Kindheit zuwendet. Es sind die Nachwehen des Zweiten Weltkriegs und der Gründerjahre, die vor den Augen des Lesers sichtbar werden.

Rolf Haufs: Tanzstunde auf See. Gedichte. Hanser Verlag, München. 96 S., 14,90 Euro.

Es ist ein Schreiben, das sich an den Beatniks orientiert, das sich an Songs entzünden kann oder am Jargon der Straße. Wenn es Ludwig Fels dabei gelingt, nicht nur einfach seine Seelenergüsse in Zeilenform zu bringen, wird für Momente jenes „tickende Herz“ spürbar, von dem er immer wieder singt.

Ludwig Fels: Egal wo das Ende der Welt liegt. Gedichte. Verlag Jung und Jung, Salzburg. 150 Seiten, 15 Euro.

 

 

44. Neue „Oktavhefte“

Zu seinem 80. Geburtstag hat der Berliner Verleger Klaus Wagenbach sowohl seine Leser als auch sich selbst beschenkt. Wie es sich gehört mit Büchern, die er immer schon einmal lesen wollte.

In blassblauer Broschur legt er Gedichtbände von Johannes Bobrowski, Christa Reinig und Kurt Bartsch vor. Diese schmalen und schlicht gestalteten „Oktavhefte“ erinnern an die ersten Publikationen des 1965 in West-Berlin gegründeten Verlags Klaus Wagenbach. …

Christa Reinig (1926-2008) blieb 1964 in der Bundesrepublik, nachdem sie bereits im Jahr 1951 wegen nonkonformistischer Haltung in der DDR mit Publikationsverbot belegt wurde. „bitte herrschaften verzeiht / solche unanständigkeit“, heißt es in der „Ballade vom blutigen Bomme“, die Reinig bekannt machte. In der Auswahl „Feuergefährlich“ dominieren Texte, die in strengen lyrischen Formen geschrieben sind. Christa Reinig wurde scheinbar alles zum Gedicht: der Pirat, Robinson, das Ahornblatt, der Turm. Sie war aber auch eine politische Autorin, wie die mehrdeutige letzte Strophe von „Der heitere Misanthrop“ zeigt: „Irgendwo inWashington / steht ein rotes Telefon. / Könnt ich doch den Draht zerschneiden / Und mich an den Folgen weiden.“ …

Kurt Bartsch hatte seine Gedichtauswahl „Tango Berlin“ noch selbst kompiliert, konnte aber, da im Januar 2010 verstorben, deren Erscheinen nicht mehr erleben. Seine Texte sind überaus anregend und könnten auch junge Menschen den nicht eben einfachen Weg zur Lyrik ebnen. Die Parallele zu Bobrowski sind Bartschs schöne lyrische Porträts: auf Jakob Lenz, Heinrich von Kleist, Rosa Luxemburg und Jakob van Hoddis etwa. / Kai Agthe, Thüringische Landeszeitung

Johannes Bobrowski: Nachbarschaft; Christa Reinig: Feuergefährlich; Kurt Bartsch: Tango Berlin, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin, jeweils 77 S. und 8 Euro

 

43. Bizarre Szenerien

Er baut seine Strophen nach klassischer Art und braucht keine durch Zeilenbrüche erzeugten Effekte. Ohne Kapiteleinteilung und Mottos beschreibt der Dichter wie aus einem Guss eine bizarre Szenerie, die mitunter den Gemälden des Hieronymus Bosch gleicht – obwohl Überschriften auf andere Maler verweisen: „Caspar David Friedrich“ und „Picasso“. Die Romantik Friedrichs unterwandert er durch die Begegnung mit einem Zigaretten liebenden Gorilla. Bei Picasso komponiert er Bildelemente und Figuren zu einem kurios respektlosen Potpourri, das mit einer trefflichen Pointe endet. Fast jedes Gedicht irritiert und überrascht den Leser durch in Bildern benannte und weitergedachte Analysen der virtuell durchgepixelten Gesellschaft. / Dorothea von Törne, Die Welt

Günter Herburger: Ein Loch in der Landschaft. A1 Verlag, München. 104 Seiten, 18,80 Euro

42. THOMAS KUNST im Fauser

11. Dezember

Thomas Kunst stellt nach seiner Rückkehr aus Venedig sein neues Buch erstmals in Leipzig vor.

 

Fauser Wirtschaft
Lützner Str. 100, Leipzig
0341 / 47 82 860
joerg@fauser-leipzig.de


41. Luriker

Fehlen mir die Worte, fehl ich mir selber, und komme ich nicht zu Wort, komme ich nicht zu mir selber. Nur wenn ich nur nach meinen Worten beurteilt werde, werde ich überhaupt beurteilt, und ganz beim Wort genommen, werde ich wahrgenommen. Denn ich bin Wort. Der so spricht, ist der 1963 in Egnach geborene und heute zwischen Zürich und Romanshorn pendelnde Christian Uetz, der zu den kühnsten Sprachakrobaten im deutschen Sprachraum gehört. Wer erlebt hat, wie Uetz mit seinen Texten auftritt und sie in atemberaubenden Wortkaskaden dem Publikum gleichsam in den Schlund wirft (etwa bei der Verleihung des Thurgauer Kulturpreises), wird die Performance so schnell nicht vergessen. …

«Ich bin nicht Lyriker, sondern Luriker», sagt Christian Uetz über sich selber. «Und weil Luren Huren sind, Huren sich immer anpreisen und ich meine Gedichte anpreise, bin ich ein Luriker.» So lurt Uetz über die Liebe, den Wahn, das Denken, das Reden, den Sinn der Sprache. Den Stoff holt sich der Dichter aus dem Alltag, aus Gesprächen im Bus oder mit Bekannten. Aber da ist auch die Lyrik, aus der Uetz schöpft: Gottfried Benn, Paul Celan, Ernst Jandl, Thomas Kling und andere Vertreter der hermetischen und der experimentellen Lyrik. / Mario Andreotti, Thurgauer Zeitung 10.12.

40. Dichter-Casting in Abu Dhabi

Dem besten Dichter winkt bei dieser Show ein Gewinn in Höhe von einer Million Dirham (205 000 Euro). Die Gedichte müssen in klassischem Arabisch verfasst und vorgetragen werden. Das ist bei der ebenfalls sehr beliebten zweiten Lyrikshow des emiratischen Senders anders – die Teilnehmer von «Dichter für Millionen» tragen ihre Verse im Dialekt vor. In den beiden Shows, die seit drei Jahren ausgestrahlt werden, hat noch nie eine Frau gewonnen. / Borkener Zeitung

39. Exakt und detailverliebt

Macht die Reduktion Altmann zu einem „altmodischen“ Dichter? Nein, tut sie nicht, und sein Verzicht auf Experimente und Anglizismen stört mich nicht, vielmehr erfreue ich mich an dem, was seine Kunst zu einem Großteil ausmacht: Die Wiedergabe einer subjektiven Realität in Einzelbildern und Einzelheiten, aus denen er ein Ganzes zu formen vermag. Altmann transkribiert eine Momentaufnahme, ist dabei exakt und detailverliebt, gibt wieder und eröffnet Räume, hat aber gleichzeitig genug Vertrauen in seine Leserschaft, um sie nicht über die Schwelle schubsen zu müssen. / Stefan Heuer, Titel

Andreas Altmann: Das zweite Meer. Gedichte.
Poetenladen 2010. 96 Seiten. 15,80 Euro.

38. Bild und Gedicht

An die Seite ihrer Bilder hat die Künstlerin Christiane «Moni.K» Wilbers-Gonell jetzt selbst verfasste Texte gestellt. In ihrem Atelier im alten Ortskern von Heldenbergen zeigte sie eine Auswahl ihrer Bilder zum Thema «Lust und Liebe» – ergänzt und vertieft durch Texte und Gedichte. «Ich mag es, wenn Gemaltes und Lyrisches zusammentreffen», sagt Wilbers-Gonell. Erst danach habe sie das Gefühl, das Bild sei vollständig.

«Wenn Bilder Worte reden, lassen sie ihre Gedanken frei», sagt sie. Während sich ihre Bilder auf der Leinwand nach und nach entwickelten, «beginnen meine Gedanken zu fließen», erklärt die Künstlerin. Nach Fertigstellung des Bildes schreibe sie das Gedicht dazu. / Frankfurter Neue Presse 10.12.

 

37. Buchkalender des Hausacher Dichters José Oliver

Jeder Monat wird in einem Foto im Bild vorgestellt, das Oliver ausgesucht und als Inspiration für ein Gedicht benutzt hat. Wie das Jahr mit jedem Monat wächst, nimmt auch die Zeilenzahl dieser Gedichte immer jeweils um eine Zeile zu. Der befreundete Übersetzer François Mathieu (Hermann Hesse und Oliver unter anderem) hat die Gedichte ins Französische übertragen, so dass Zweisprachigkeit, auch so ein Thema des alemannischen Andalusiers Oliver, ebenfalls angesprochen ist. / Badische Zeitung 10.12.