poetenladen.de hat eine Stele für den am 31.8. verstorbenen gabunischen Lyriker Magang-Ma-Mbuju Wisi veröffentlicht (s. Nachricht #69 vom vergangenen September).
Gibt es bestimmte Menschen, die Lyrik besonders mögen?
Thomas Anz: «Tendenziell sind es Leute, die etwas introvertiert sind. Sie suchen in der Lyrik ein Wiedererkennen eigener Probleme, die dort sehr dicht bearbeitet werden. Oder sie wollen eine Zeitstimmung wiedererkennen. Es ist eher ein Lesertypus, der nicht pragmatisch und realistisch ist, sondern nachdenklich und für Schönes aufgeschlossen. Andererseits gilt Lyrik einem breiten Publikum immer noch als die Literatur, die am meisten Literatur ist. Das merkt man daran, dass unglaublich viele Leute Gedichte schreiben, auch wenn diese oft ganz furchtbar schlecht sind.»
/ Der Marburger Literaturwissenschaftler Thomas Anz im Gespräch mit Doreen Fiedler, news.de / dpa
Im Fernsehen bei einem bekannten Moderator das Opfer eines Justizirrtums. Ein Lehrer wird von einer neuen Kollegin, die er erst zweimal kurz sprach und die ihn, nach einem Streit im Lehrerzimmer, in dem sie etwa 5 Minuten allein waren, beschuldigt, sie anal vergewaltigt zu haben. Er wird zu 5 Jahren Haft verurteilt und muß sie auch absitzen. Erst danach findet er einen Anwalt, der von seiner Unschuld überzeugt ist und erreicht, nach weiteren 5 Jahren, einen freilich arg verspäteten Freispruch, wegen erwiesener Unschuld.
Das Gericht, in erster Instanz, fragte sich nicht, wie, unter den Umständen, Analverkehr in weniger als 5 Minuten mit einer Frau, die sich wehrt, an einem nicht abgeschlossenen öffentlichen Ort möglich ist. Es störte sich auch nicht daran, daß die Frau 15 Minuten später in einem anderen Gebäude ganz normal Unterricht abhielt, wissen Sie zu welchem Thema? Das lyrische Ich, man denke, sagt das Fernsehn.
Der schottische Dichter John Burnside gewinnt den mit £10,000 dotierten Forward Prize für den Band „Black Cat Bone“. Der Felix Dennis Prize für den besten Debütband geht an Rachael Boast für „Sidereal“ (£5,000). Dem im Januar verstorbenen Dichter R F Langley wurde der Preis für das beste Einzelgedicht für „To a Nightingale“ zugesprochen. Die Preisträger wurden zum Vorabend des „National Poetry Day“ der Briten verkündet.
Vorsitzender der Jury war Andrew Motion.
Auf der Shortlist für den besten Gedichtband standen:
/ BBC
Links
die heute zur Lyrikzeitung führten (Auswahl):
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| tomas tranströmer gedichte deutsch | 20 |
| lyrikzeitung | 17 |
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| gedichte thomas tranströmer | 3 |
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Der Welt-Autor (schönes Wort) und hauptberufliche Modernefresser Tilman Krause schimpft:
Mutlos und kraftlos, ein Fall für Lyrik-Fexe
Die Würdigung Tomas Tranströmers ist eine schwache Entscheidung, denn er verkörpert jene klassische Moderne, die seit einem halben Jahrhundert etabliert ist.
Wie aufschlußreich seine Gleichsetzung „Lyrik“ = „Klassische Moderne“. Dann will ich unbedingt für beides sein!
Wessen Ignoranz ist größer: Reich-Ranickis, der behauptet, den Namen nie gehört zu haben, oder Krauses, der also etwa dies für „Klassische Moderne“ hält:
Im März ’79
Überdrüssig aller, die mit Wörtern, Wörtern, aber keiner Sprache daherkommen,
fuhr ich zu der schneebedeckten Insel.
Das Wilde hat keine Wörter.
Die ungeschriebenen Seiten breiten sich nach allen Richtungen aus.
Ich stoße auf Spuren von Rehhufen im Schnee.
Sprache, aber keine Wörter.
(Deutsch von Hans Grössel)
Aus: Tomas Tranströmer: Der Mond und die Eiszeit. Gedichte. München und Zürich: Piper 1992, S. 85.
Der und Reich-Ranicki passen freilich besser DAHIN (obwohl MRR Koeppen protegierte, während sich Krause auch als Koeppenfresser betätigt)
Hier das Gedicht auf Englisch
Der Band bietet, dem Titel entsprechend, leicht und licht anmutende, auf eine unaufdringliche Art auch artistische, Gedichte. Die Schwere und Materialität, die in ihnen eingeschlossen ist, hat dank Wagners Sprach- und Formkunst etwas Sublimes und Durchlässiges, so daß man das Buch eher dem französischen als dem deutschen Geist zuschlagen möchte.
Achim Wagner, 1967 geboren, lebt in Köln und Istanbul. Es wäre schön, demnächst von ihm ‘türkische’ Gedichte, Prosaminiaturen und Nachdichtungen lesen zu dürfen. / mottz, Monnier Beach
Achim Wagner, flugschau / Gedichte / 72 Seiten, gebunden, mit 4 Illustrationen von Felix Beckheuer / [SIC]-Literaturverlag, Aachen & Zürich 2011 / 16,00 Euro
Am schnellsten war Facebook (13:01), dann die New York Times (News Alert 13:18):
The 2011 Nobel Prize in literature was awarded Thursday to Tomas Transtromer, a Swedish poet whose surrealistic works about the mysteries of the human mind won him acclaim as one of the most important Scandinavian writers since World War II.
The Swedish Academy said it recognized the 80-year-old poet „because, through his condensed, translucent images, he gives us fresh access to reality.“
In 1990, Transtromer suffered a stroke, which left him half-paralyzed and unable to speak, but he continued to write and published a collection of poems — „The Great Enigma“ — in 2004.
Die offizielle Seite
Mehr: taz (Daniela Seel) [„vor allem in Berlin“] / Die Zeit (Alexander Gumz) / Badische Zeitung (Michael Braun) / Kölner Stadtanzeiger hier und hier /
Obwohl Dietmar Dath ein extrem produktiver Autor von Romanen und Artikeln ist, ist das in der Connewitzer Verlagsbuchhandlung erschienene Buch Gott ruft zurück sein erster Gedichtband. Dietmar Dath und der Heavy Metal, die Science-Fiction, der Marxismus der Gegenwart, die ästhetische Verteidigung drastischer Kunst: ja! Aber Dath und die Lyrik? Ungewöhnlich. …
Gott ruft zurück ist kein gereimtes lyrisches Sahnehäubchen auf Daths schriftstellerischem Schaffen. Es bricht mit kommunikativen Erwartungen, stellt sie klug in Frage. Darin nutzt der Text auf überraschende Weise das Potential von Gedichten – seltsame kommunikative Situationen produzieren können – das man ihnen eventuell im Jahr 2011 nicht mehr selbstverständlich zugetraut hätte. / Christopher Strunz, Die Zeit
Die Jüngerinnen, die Jünger der Sappho sind aber schon generell beklagenswerte Geschöpfe: Man entsinnt sich ihrer wie lästiger Plagen. Die gesangliche Wurzel der Sprachen, das Bannen der Welt durch die Magie der Wörter, ist nicht bloß in Verruf geraten. Die ausübenden Dichterinnen und Dichter genießen das Prestige von Hufschmieden oder Ledergerbern. …
Mit der Erosion der Lyrik – verstanden als ein Medium, das für viele verbindlich Bedeutung erzeugt – bemächtigte sich so etwas wie ein lyrischer Pillenknick der Stockholmer Preisliste. Nach Brodsky besann man sich des wunderbaren Derek Walcott (1992): Der karibische Poet passte famos in das überfällige Aufkeimen postkolonialer Diskurse. Der Ire Seamus Heaney (1995) gab noch einmal einen Begriff von der betörenden Widerständigkeit seines auf Verse versessenen Heimatlandes. 1996 folgte die zurückgezogen lebende Krakauerin Wislawa Szymborska: eine Poetin des Alltagslebens, in deren hauchfeinen Sprachgespinsten der Schock des 20. Jahrhunderts nachzittert.
Danach: Stille. Kein Gedicht mehr, nirgends. / Ronald Pohl, Der Standard
Am 24.9. feierten ägyptische Dichter den World Poetry Movement Day mit Lesungen überall in Kairo. Wie üblich blieben die Besucherzahlen klein. Man fragt sich: warum haben die Leute aufgehört, Lyrik zu lesen, und kann die ägyptische Revolution ihr das Publikum wiederbringen?
4 ägyptische Dichter sagen ihre Meinung bei al-Masry al-Youm.
Ibrahim Dawood sagt: „Es macht mich froh, wenn der Leser sich anstrengt, um Kenntnis zu erlangen, statt die typischen Arbeiten zu lesen, die ihn mit einfachen Antworten abspeisen. Dichter, die es darauf anlegen, den Lesern zu gefallen, schaden der Lyrik.“ Sallem Al-Shahbany erwartet, daß die Revolution zu mehr Experimenten in der Lyrik führt.
Weitere Beiträge von Amin Haddad und Ashraf Youssef.
Über die Autoren wird gesagt: Ibrahim Dawood gehört zu den prominentesten free-verse-Autoren, Amin Haddad gehört ebenfalls zur Generation der 80er Jahre und verwendet Umgangssprache. Seine Gedichte seien meist politisch, einfach und doch tief, und er trägt sie gern zur Laute vor. Ashraf Youssef schreibt freie Verse in modernem Standard-Arabisch. Er experimentiert gern mit der Sprache und baut Sufisentenzen in seine Gedichte ein. Sallem Al-Shahbany schreibt in Umgangssprache mit ägyptischem Dialekt und orientiert sich an Folklore und Kinderliedern. / Ola El-Saket
Heute erhält der in Köln lebende Schriftsteller in Erfurt den Thüringer Literaturpreis – in jener Stadt, mit der er biografisch und literarisch eng verbunden ist.
Der 78-jährige Lyriker, Erzähler und Hörspielautor wird für sein Lebenswerk geehrt. Vergeben wird die mit 8000 Euro dotierte Auszeichnung vom Thüringer Kulturministerium, der Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen und dem Thüringer Literaturrat. / Jens Kirsten, Thüringische Landeszeitung
Preisverleihung: 5.10., 17 Uhr, Haus Dacheröden Erfurt, Anger 37
Der katalanische Dichter Salvador Iborra wurde am Sonnabend in Barcelona von zwei Fahrraddieben ermordet. Er wurde 33 Jahre alt. Iborra veröffentlichte 3 Gedichtbände und bereitete das Erscheinen seines ersten Romans vor. / actualitte
Dienstag, 11. Oktober · 19:30 – 22:30
Dixon place
161A Chrystie St
New York, NY
Economies: Uljana Wolf and Erica Kaufman
Belladonna* Collaborative’s 2011-2012 season calls to attention the material life of the artist, as person, who, in addition to being creator/conspirator to a body of work, possesses a physical body, and real financial, medical and social needs. Our second event of the season focuses on economies and features readings by Uljana Wolf and Erica Kaufman. We will also be re-introducing the ’short open mike‘ — a space for poets to sign up on the spot and give a brief, 1 – 3 minute reading. We welcome you to bring a short work that addresses ‚material lives‘ to the event, and will accommodate 15 minutes of open reading.
7:30pm
The German poet and translator Uljana Wolf published two books of poetry, kochanie ich habe brot gekauft and falsche freunde (both kookbooks, Berlin), as well as “BOX OFFICE” (an essay on the prose poem). false friends, an English selection translated by Susan Bernofsky, appeared from Ugly Duckling Presse 2011. Her poems appeared in journals and anthologies such as New European Poetry (Graywolf, 2008), Dichten No. 10: 16 New German Poets (Burning Deck, 2008), jubilat, Chicago Review, Harper’s Magazine. She translates numerous poets into German, among them Matthea Harvey, Christian Hawkey, Erín Moure, and Cole Swensen, and was the co-editor of the Jahrbuch der Lyrik 2009.
Erica Kaufman is the author of censory impulse (Factory School 2009) as well as several chapbooks, most recently selections from INSTANT CLASSIC (Least Weasel 2011). More poems from this recent project, INSTANT CLASSIC, can be found online in Little Red Leaves and Elective Affinities. Recent prose can be found in The Poetry Project Newsletter and Rain Taxi. Kaufman is currently pursuing a Ph.D. at the CUNY Graduate Center in Composition & Rhetoric, and teaches at Baruch College and Bard College’s Institute for Writing & Thinking and Institute for Language & Thinking.
Neue Literatur mit Donata Rigg, Sandra Trojan und Peter Weber
Donnerstag, 13. Oktober · 20:00 – 23:00
Kvartira 62
Mit Donata Rigg, Sandra Trojan und Peter Weber bringt KOOKread am 13.10. wieder sehr gute Prosa und Lyrik ins Kvartira nach Kreuzberg. Diesmal auch aus der Schweiz.
Im schönen Kvartira Nr. 62, einer russische Kneipe im Kreuzberger Wrangelkiez, keine zwei Minuten zu Fuß vom U-Bahnhof Schlesisches Tor. Feine Lesungen von jungen und jüngsten Autor/innen. Mischungen und Entdeckungen, Raum für Getränke und Gespräche.
Über Sandra Trojan schreibt Frank Milautzcki:
„Sie kann es einfach. Sie hat es drauf. Sie schreibt Lyrik, die von der ersten bis zur letzten Seite fesselt, weil sie so neu und frisch auftischt, ungewöhnliche Interieurs geheimnisvoll zur Genussreife treibt. […] Spannend ist das. Hier geschieht so viel. Und die Feinheit der Strukturen ist nicht nur außergewöhnlich, sondern auch schön.“ (Frank Milautzcki, Fixpoetry)
Mechthild von Magdeburg – Je tiefer ich sinke, je süsser ich trinke
Montag, 17. Oktober · 20:00 – 22:00
Lyrikkabinett
Amalienstr. 83a
München
Je tiefer ich sinke, je süsser ich trinke
Ein Abend für Mechthild von Magdeburg
Mit Mechthild Rausch und Monika Rinck
ist zum Glück nicht Hannover. Aber die positiven Erzählungen, die man mit Düsseldorf verbindet, sind bei weitem nicht stark genug, um als dominierende Mythen zu wirken. Weder Heinrich Heine noch die berühmten Künstler, die hier arbeiten, konnten einen Ruf erzeugen, der handfest genug wäre, um Bosheiten abprallen zu lassen. Womöglich hat Düsseldorf doch einen Mythos. Aber keinen, den die Düsseldorfer gern weitererzählen. Der bedeutende deutsche Lyriker Reiner Kunze legt die Spur. Er hat 1964 ein kurzes Gedicht zu Düsseldorf geschrieben, ein Gedicht, das es in die große und maßgebliche Sammlung deutscher Gedichte, den „Großen Conrady“ geschafft hat. Es heißt: „Düsseldorfer Impromptu“ und beginnt mit den zwei Versen „der himmel zieht die Erde an/ wie geld geld“. / Gert Kaiser, Rheinische Post
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