69. Rimbaud als Kaufmann

Vor zwanzig Jahren war Mircea Dinescu der berühmteste lebende rumänische Dichter, innerhalb und außerhalb der Landesgrenzen. Im Frühjahr 1989 hatte er der französischen Tageszeitung Liberation ein Interview gegeben, in dem er unverhohlen mit dem heimischen Regime abrechnete, was ihm postwendend Hausarrest eintrug. Mit seinem Aufruf zum Hungerstreik vom November 1989 stieß er bei seinen Schriftstellerkollegen zwar auf taube Ohren. Doch schließlich war er es, der am 22. Dezember `89, in selbstgestricktem Pullover auf den Fernsehschirmen der Nation erschien. Die Finger zum V-Zeichen erhoben, verkündete er den Sieg der Revolution, wobei seine Zahnlücke zum Vorschein kam, die nur das äußerliche Merkmal der Originalität dieses Dichters, wortgewaltigen Pamphletisten, temperamentvollen Redners, Volkstribunen, Epikureers und großen Jungen Mircea Dinescu ist. Über Nacht war er zum Helden der Nation geworden. …

Und nun geschieht das Eigenartige. Der Held der Nation verstummt als Dichter, und wird, wie weiland Rimbaud, dem er bereits 1984 einen Gedichtbandtitel gewidmet hatte (Rimbaud als Kaufmann) selbst zum Händler. Allerdings heißen Dinescus Waffen: Publizistik und Satire. Er gründet die erfolgreiche Wochenzeitung Academia Catavencu. Es folgt das Hochglanzmagazin Plai cu Boi (etwa: Land mit Ochsen), das nicht nur bereits im Titel auf den Playboy anspielt, sondern neben Essays zu aktuellen und historischen Themen, obszöne Karikaturen und Nacktfotos enthält. Das Konzept des listigen Spötters Dinescu lautet, er wolle die Rumänen so arm, natürlich und nackt zeigen, wie sie eben seien. Bald zieht Dinescu seine Anteile aus dem Satiremagazin Academia Catavencuzurück, um den alten Getreidehafen Port Cetate im Dreiländereck Serbien-Bulgarien-Rumänien am Donauufer zu kaufen und eine Stiftung ins Leben zu rufen, die es bildenden Künstlern gestattet, in den sanierten Hafengebäuden zu arbeiten. / Jan Koneffke, Getidan

68. Romantisch bedeutungslos

Politlyrik:

Zu dieser Bundesregierung passt, dass der Einheitsbericht am letzten Sitzungstag in der letzten Sitzungswoche vor Weihnachten abgefruehstueckt wird. Das ist das stille Eingestaendnis, sich laengst vom Aufbau Ost verabschiedet zu haben. Und wer ihr Maerchenbuch aufschlaegt, findet dort romantische Lyrik von einzigartiger Bedeutungslosigkeit. / SPD Bundestagsfraktion

67. Nackt

13 britische Dichter (männlich) ließen sich von Fotografinnen für einen Charitykalender nackt fotografieren, meldet die Presse. Okay, die 2 präsentierten Fotos zeigen nicht viel, aber da die Namen der Dichter drunterstehen, könnte man ihre Gedichte googeln.

Mehr im Guardian

Hier der Dichter Walt Whitman – nackt und mit Bart

66. Dichter zurückpfeifen

Die Bharatiya Janata Party (BJP) [eine rechtskonservative hindunationalistische Partei] im Bundesstaat Karnataka scheint nach Zensur zu schreien. Der Minister für Kultur und die Landessprache Kannada Govind Karjol sagte jetzt, Dichter sollten nicht das Recht haben, Politiker zu kritisieren. „Das Politikerbashing durch Literaten [„litterateurs“ steht im englischen Text] hat jedes Maß überschritten. Wir müssen sie zurückpfeifen. Sie tragen Gedichte vor und äußern abschätzige Kommentare gegen Gesetzgeber und Minister. Wir alle über Parteigrenzen hinweg sollten uns dessen  bewußt sein und etwas unternehmen.“

Aber weit gefehlt! Ein Politiker der JD(S)-Partei sagte: „Nur weil ihnen die Regierung Stipendien gibt, sollten sie uns loben? Man darf die Meinungsfreiheit nicht unterdrücken. Das ist das falsche Signal. Die Schriftsteller hüten unser Gewissen.“  / India Today

65. Ko what?

Erinnert man daran, dass der grosse Ko Un seit Jahren schon auf der Long- und Shortlist des Nobelpreiskomitees steht, so provoziert man in der Regel Erstaunen, wenn nicht gleich die launige Rückfrage: «Ko what?» Deutschsprachige Verlage, die auf koreanische Literatur spezialisiert sind (vor allem Pendragon und die Edition Peperkorn) oder sie zumindest immer wieder im Programm haben (Wallstein, DTV, Suhrkamp, Iudicium), laufen keine Gefahr, Bestseller zu lancieren. Die Subvention durch zumeist koreanische Sponsoren ist unabdingbar. Und die Verständnisschwellen sind weiterhin hoch. Deswegen ist es verdienstlich, dass der Iudicium-Verlag jetzt eine einführende Darstellung der koreanischen Literatur des 20. Jahrhunderts vorlegt, die informativ ist, die Orientierung durch ein Register erleichtert und aus der kaum überschaubaren koreanischen Lyrik zahlreiche Beispiele bietet. / NZZ 13.12.

Lee Namho et al.: Koreanische Literatur des 20. Jahrhunderts. Übersetzt von Jung Youngsun und Herbert Jaumann. Iudicium-Verlag, München 2011. 155 S., Fr. 25.90.

64. Wie eine Neonröhre

In seinen Versen macht der junge mazedonische Dichter eine Atmosphäre des Übergangs und des nicht Umgrenzten spürbar. Das Ich fühlt sich hier «wie ein Traum, ein Zwischengeschoss», wahlweise auch «wie eine Neonröhre, die in einem leeren / Hausflur flackert». / NZZ 13.12.

Nikola Madzirov: Versetzter Stein. Gedichte. Aus dem Mazedonischen von Alexander Sitzmann. Verlag Carl Hanser, München 2011. 64 S. Fr. 21.90.

63. Keine Visionen

Visionen böten allerdings auch keine Antwort, wie der Fall des jahrzehntelang vor allem in Europa hoch bewunderten Ernesto Cardenal zeigt, der – im Grund ein Pablo-Neruda-Epigone – hier ein brüderliches Basis-Christentum predigte und daheim auf der Insel Solentiname seinen eigenen Clan räuberisch schalten und walten liess, derweil er jetzt Ortega des «Verrats» und Machtmissbrauchs zeiht und auf ein unbeflecktes «Vorbild» hinweist – Fidel Castro. / Marko Martin, NZZ 8.12.

62. Büchlein ohne Schwanz

Einer der grössten literarischen Küsser, die die Sprache je hervorgebracht hat, scheint jedoch weitgehend in Vergessenheit geraten zu sein. Als Dichter, Maler und Bildhauer verkörperte er das Renaissance-Ideal eines uomo universale und sorgte mit einem Gedichtzyklus für einen Klassiker der erotischen Literatur des 16. Jahrhunderts: Johannes Secundus. In diesem Jahr wird sein 500. Geburtstag gefeiert. …

Jede Erschütterung des Ichs zeichnet er auf, wechselt gemäss der Anzahl der Gedichte neunzehn Mal kunstvoll das Metrum. Dadurch lädt er seine Verse mit ungeheurer Lebendigkeit auf, die modern anmutet – und unverhofft für Aktualität sorgt. In einem der Gedichte erklärt Secundus seine «Basia» kurzerhand zu Keuschgebieten: Nur ums Küssen gehe es ihm, also verschwindet, ihr Unanständigen, ruft er seinem Publikum zu und preist einen Atemzug weiter die Sittsamkeit seiner Geliebten, «die ganz sicher ein Büchlein ohne Schwanz lieber will als einen Dichter ohne Schwanz». So leicht ist der Voyeurismus des Publikums enttarnt. Darauf verstand sich schon Catull, Secundus steht dem Römer in nichts nach. / Christoph W. Bauer, NZZ

61. Eher Gedicht als Roman

In der zweiten Ausgabe des Ballett-Magazins der Rheinoper sagt Martin Schläpfer einen Satz, der den Zugang zum zeitgenössischen Tanz ebnet: „Für mich ist der Tanz – übertragen verstanden – eher Gedicht als Prosa, gehört nicht zum Genre Roman.“ Beim Ballettabend b.07, der am Mittwoch Duisburg-Premiere hatte, standen drei ganz unterschiedliche „Gedichte“ auf dem Programm. / Anne Horstmeier, Der Westen

60. Verdi-Literaturpreis für Saskia Fischer

Die Berliner Autorin Saskia Fischer wird mit dem Verdi-Literaturpreis Berlin-Brandenburg 2011 ausgezeichnet. Sie erhält den Preis für ihren Lyrikband ‚Scharmützelwetter‘, wie die Gewerkschaft mitteilte. ‚In ihren Gedichten verbinden sich Wirklichkeitsnähe und sprachkünstlerisches Können zu seltener Qualität‘, lautete das Urteil der Jury. Die Verleihung soll im April 2012 stattfinden. Fischer wurde 1971 in Schlema geboren und lebt seit 2006 in Berlin.

Der ver.di Literaturpreis wird seit 2004 von der Gewerkschaft ver.di für ein veröffentlichtes Werk der Sparte Lyrik, Prosa oder Kinder- und Jugendbuch verliehen. Die Sparten wechseln jedes Jahr. Der Preis ist Autorinnen und Autoren aus Berlin und Brandenburg vorbehalten und mit 5.000 Euro dotiert. Über die Vergabe entscheidet eine Expertenjury.

2005 (als offenbar die Lyrik dran war) wurde kein Preis vergeben, entweder war das Lyrikjahr in Berlin und Brandenburg zu mager oder die Kasse grad leer. 2008 wurden dafür gleich 2 preiswürdige Autoren ermittelt, die sich die 5 Mille aber teilen mußten: Eva Strittmatter und Richard Pietraß. Der Link zur Zusammensetzung der Jury geht leider ins Leere.

 

59. Ausgezeichnet

Susanne Eules erhält heute Abend in Köln den Selma Meerbaum-Eisinger Literaturpreis 2011 „Poesie der Lebensfuge. Schreiben in (ab) gebrochener Welt“ in der Synagoge zu Köln.

(Gefunden bei Fixpoetry, wo ein Gedicht der Autorin Gedicht des Tages ist)

58. Mehr als ein gutes Dutzend. Lyrik 2011 (6)

Anthologie ∙ Einzeltitel ∙ Essayband ∙ Zeitschrift

Wird morgen fortgesetzt und abgeschlossen. Nachträge der Leser sind durchaus erwünscht und erbeten und können hier als Kommentar eingetragen werden.  Bedenken Sie bitte, daß weder Theo Breuer noch ich 1. alles kaufen, 2. alles lesen und 3. wie Computer alles unter dem richtigen Buchstaben abspeichern können. Bei Googleabfragen können Sie testen, daß die von Theo initiierte und uns zur Verfügung gestellte Liste schon jetzt das Auffinden präziser Information sehr verbessert.

(Ergänzungen bitte unter dem jeweiligen Buchstaben eintragen. Die ergänzten Titel werden in die Liste übernommen, in den Kommentaren können Sie nachlesen, was unserm geballten Sachverstand entgangen war, M.G.)

  1. Isaac Schreyer · Der Tag des Einsamen. Gedichte und Nachdichtungen. Nachwort von Armin Eidherr (Bukowiner Literaturlandschaft Bd. 60). 1 Abb., 172 Seiten, gebunden, Aachen, Rimbaud Verlag 2011.
  2. Saza Schröder · Ach Kindheit du schreckliche Süße, 32 Seiten, handfadengeheftet, kartoniert, Künstler­buch, Bleisatz, edition footura black, Itzehoe 2011.
  3. Franz Schuh: Der Krückenkaktus. Erinnerungen an die Liebe, die Kunst und den Tod. Verlag Paul Zsolnay, Wien 2011. 255 S.
  4. Katharina Schultens, gierstabil, 80 S., Klappbroschur, luxbooks, Wiesbaden 2011.
  5. Iris Schürmann-Mock [Hrsg.]: O schöner, grüner Wald. Ein Lesespaziergang. Hildesheim: Gerstenberg 2011. 159 S. : Ill. ; 24 cm.
  6. Ursula Schütt: Gehen muß ich auf dem Faden Zeit. Taschenbuch: 100 Seiten. Verlag: d/m/z Druckmedienzentrum Gotha 2011.
  7. Friederike Schwab: schwebeblätter. Gedichte. 110 Seiten. edition art science, St. Wolfgang. Reihe: Lyrik der Gegenwart, Band 13.
  8. Daniela Seel: ich kann diese stelle nicht wiederfinden. kookbooks, Berlin 2011. 64 S.
  9. Giorgos Seferis · LOGBUCH III, zweisprachige Ausgabe, aus dem Neugriechischen von Evti­chios Vam­vas, 117 Seiten, Broschur mit handgedrucktem Typo-Umschlag, Waldgut Verlag, CH-Frauenfeld 2011.
  10. Faruk Šehić · Abzeichen aus Fleisch. Bosnisch / Deutsch, übersetzt von Hana Stojić. 160 Seiten, Broschur, fadengeheftet, Wien, Edition Korrespondenzen 2011.
  11. Shin Dal Ja ∙ Morgendämmerung. Gedichte (mit einigen koreanischen Originaltexten). Werkauswahl (1989–2007). Aus dem Koreanischen und mit einem Nachwort von Sophia Tjonghi Seo. Herausgegeben und Umschlaggestaltung von Juana Burghardt. 169 Seiten, broschiert, Edition Delta, Stuttgart 2011.
  12. Volker Sielaff · Selbstporträt mit Zwerg, 101 Seiten, Klappenbroschur, luxbooks, Wiesbaden 2011.
  13. Rajvinder Singh: WÖRTERWEHEN. Trierer Gedichte – Rajvinder Singh – Gedichte, Liz Crossley – Zeichnungen. Broschur im Format 21 x14,5 cm, 80 Seiten, 16 Abb., Berlin: Aphaia Januar 2011. Aus der Reihe Texte und Bilder.
  14. Gerd Sonntag ∙ Giovanni Santi malt eine Fliege, Nachwort von Ulrich Koch, 38 Seiten, ge­heftete Bro­schur, Silver Horse Edition, Marklkofen 2011.
  15. Thomas Spaniel · die irren kurse einer sterbenden fliege. Gedichte. 96 Seiten, Hardcover mit Schutzumschlag, Potsdam, udo degener verlag 2011.
  16. Michael Speier (Hg.): Berlin, du bist die Stadt. Gedichte. Reclam. 170 Seiten.
  17. Alberto Spunzberg ∙ Die Piatock-Akademie – La Academia de Piatock. Gedichte, zweisprachig. Aus dem argentinischen Spanisch von Juana und Tobias Burghardt. Umschlaggestaltung von Juana Burghardt. Mit einem Nachwort von Tobias Burghardt. 187 Seiten, broschiert, Edition Delta, Stuttgart 2011.
  18. Christel und Armin Steigenberger (Hg.) · außer.dem, 18. Ausgabe, mit Gedichten von Ann-Andreas Alt­mann, Kathrin Ast, Ernesto Castillo, Caroline Hartge, Birgit Kreipe, Lars Reyer u.a., 51 Seiten, geheftete Broschur, München 2011.
  19. Lutz Steinbrück: Blickdicht. Gedichte. Verlagshaus J.Frank, Berlin 2011. 76 S.
  20. Mile Stojić: Cherubs Schwert: Gedichte und Essays. Aus dem Kroatischen von Cornelia Marks. Leipziger Literaturverlag. 230 Seiten.
  21. Dieter Straub – Gedichte, Peter M. Gotthardt – Kompositionen: Delphische Paiane – Fünf Lieder nach Gedichten von Dieter Straub für Bariton und Klavier. 
Notenband im Format 29 x 21 cm, 28 Seiten, Berlin: Aphaia 2011. Aus der Reihe: Sonderausgaben.
  22. Brigitte Struzyk ∙ alles offen, mit einem Vorwort von Peter Wawerzinek und Bildern von Elke Ehninger, 117 Seiten, Broschur, fixpoetry.Verlag, Hamburg 2011.
  23. Jesper Svenbro · Echo an Sappho, zweisprachige Ausgabe, aus dem Schwedischen von Lukas Dettwiler, mit Beiträgen von Conrad Steinmann und Beat Brechbühl, CD mit musikalischen Nachschöpfungen von Conrad Steinmann zu Texten von Sappho und Alkaios, 83 Seiten, Bro­schur mit handgedrucktem Typo-Umschlag, Waldgut Verlag, CH-Frauenfeld 2011.
  24. Tammen, Johann P. (Hg.): die horen. Bei betagten Schiffen. Islands „Atomdichter“.  56. Jg., Nr. 242, 2011. 424 S. Gedichte von Stefán Hörður Grímsson, Jón Óskar, Einar Bragi, Hannes Sigfússon, Sigfús Daðasson, Steinn Steinarr, Jón úr Vör, Jóhannes úr Kötlum, Arnfriður Jónatansdottir, Elías Mar, Jónas E. Svafár, Thor Vilhjálmsson, Vilborg Dagbjartsdóttir, Matthías Johannessen, Baldur Óskarsson, Þorsteinn frá Hamri, Jóhann Hjálmarsson, Nína Björg Árnadóttir, Sigurður Pálsson, Steinunn Sigurðardóttir. Der Kampf um die Moderne. Stimmen – Gegenstimmen – Positionen. Gespräche mit Steinn Steinarr, Hannes Sigfússon. Zeitgenössische isländische Rezensionen. Nachrufe. Erinnerungen von heute. Glossar.
  25. Veno Taufer: Wasserlinge. Gedichte. Übersetzung: Daniela Kocmut, Herausgeber: Michael Braun. 48 Seiten, Format: 14 x 22 cm, Das Wunderhorn 2011.
  26. Hans Thill (Hrsg.) ∙ Meine schlichten Reisen. Gedichte aus Belgien. Dreisprachige Ausgabe: niederländisch–französisch–deutsch. Dirk van Bastelaere, Eric Brogniet, Karel Logist, Els Moors, Erik Spinoy, Liliane Wouters übersetzt von Gerhard Falkner, Zsuzsanna Gahse, Norbert Lange, Michael Speier, Ulrike Almut Sandig, Hans Thill nach Interlinearversionen von Beate Thill und Stefan Wieczorek. Gebunden, bibliophile Ausgabe mit Lesebändchen. Heidelberg, Verlag Das Wunderhorn 2011.
  27. Walter Thümler: Ist jemand da. Gedichte. Leipziger Literaturverlag. 144 Seiten.
  28. Su Tiqqun: Im Geröll des Auges. Broschur, 28 S. Schock Edition, EdK/Distillery, Berlin 2011.
  29. Toegye ∙ Als der Hahn im Dorf am Fluß krähte, hing der Mond noch im Dachgesims. Gedichte 1515–1570. Herausgegeben und mit einer Zeichnung von Juana Burghardt. Deutsche Fassungen von Tobias und Juana Burghardt auf der Grundlage der Vorarbeit von Doo-Hwan und Regine Choi. Mit einem Nachwort von Tobias Burghardt. 125 Seiten, broschiert, Edition Delta, Stuttgart 2011.
  30. Boško Tomašević: Früchte der Heimsuchung. Gedichte. Aus dem Serbischen von Helmut Weinberger. Leipziger Literaturverlag. 180 Seiten.
  31. Boško Tomašević:  Mitlesebuch 103 – Boško Tomašević, Berlin-Gedichte. Michael Blümel – Zeichnungen. Broschur im Format: 24 x 15 cm, 24 Seiten, fadengeheftet. 1. Auflage: 50 Exemplare, im Druckvermerk vom Autor signiert, Berlin: Aphaia, März 2011.
  32. Boško Tomašević • Allerneueste Vergeblichkeit, aus dem Serbischen übertragen von Helmut Weinberger, Nachwort von Walter Methlagl, 171 Seiten, Broschur, Pop Verlag, Ludwigsburg 2011.
  33. Þorsteinn frá Hamri: Jarðarteikn – Erdzeichen. Gedichte. Ausgewählt und aus dem Isländischen übersetzt von Gert Kreutzer. (Fäkätä 14). 36 S. Germersheim: Queich Verlag 2011.
  34. Tomas Tranströmer: Poesiealbum 298.  Hg. u. ausgew. von Richard Pietraß, Grafik Isaac Grünewald, Nachdichtung Hanns Grössel und Richard Pietraß. 32 S. Märkischer Verlag Wilhelmshorst 2011.
  35. Matthias Traxler: You’re welcome. kookbooks, Berlin 2011.
  36. Verica Tričković: Als rettete mich das Wort. Gedichte teils deutsch, teils serbisch. Leipziger Literaturverlag. 120 Seiten.
  37. Charlotte Ueckert ∙ Dein Haar ist mein Nest, Vorwort von Peter Engel, 34 Seiten, Broschur, fix­poetry.Verlag, Ham­burg 2011.
  38. Nepumuk Ullmann: Von der Überwindung der Eiszeit in den Gefühlen. fhl Verlag Leipzig 2011, 170 Seiten.
  39. Sandra Uschtrin (Hg.) ∙ Federwelt. Zeitschrift für Autorinnen und Autoren, 91. Ausgabe, Lyrik-Re­daktion And­reas Noga, Gedichte von Friedrich von Hagedorn ∙ Katharina Lanfranconi ∙ Ingrid Miller ∙ Irmhild Oberthür ∙ Klaus Roth ∙ Walle Sayer u.a., 58 Seiten, geheftete Broschur, Uschtrin Verlag, München 2011.
  40. Günter Vallaster (Hg.) · Paragramme. Ein Sammelband, 156 Seiten, Broschur, Gedichte von Thomas Hav­lik · Christine Huber · Peter Huckauf · Gerhard Jascke · Ilse Kilic · Richard Kostela­netz · Axel Kutsch · Gerhard Rühm · Fritz Widhalm u.v.a., edition ch, Wien 2011.
  41. Verein Literaturgruppe Perspektive (Hg.) · perspektive. Hefte für zeitgenössische Literatur, Ausgabe 67/68: Aufstandsbeschreibungen, Gedichte von Dominic Angeloch · Ralf G. Landmesser · Rebekka Olbrich · Kai Pohl · Clemens Schittko u.a., 238 Seiten, Broschur, Graz 2011.
  42. Mikael Vogel: Massenhaft Tiere. Gedichte. Verlagshaus J. Frank, Berlin 2011. 100 S.
  43. Florian Voß: Datenströme. Datenschatten. Staub. Gedichte. Verlagshaus J. Frank, Berlin 2011. 80 S.
  44. Achim Wagner ∙ Flugschau, 67 Seiten, Hardcover, [SIC] – Literaturverlag, Aachen ∙ Zürich 2011.
  45. Friedrich Wilhelm Wagner: Jungfraun platzen männertoll. hochroth Verlag 2011.
  46. Friedrich Wilhelm Wagner: Irrenhaus. hochroth Verlag 2011.
  47. Friedrich Wilhelm Wagner · Jungfraun platzen männertoll / Irrenhaus (edition grillenfänger 18). 38 Seiten, Broschüre, Klammerheftung, Potsdam, udo degener verlag 2011.
  48. Jan Wagner · Die Sandale des Propheten. Beiläufige Prosa, 240 Seiten, Hardcover mit Schutzum­schlag, Ber­lin Verlag, Berlin 2011.
  49. Jan Wagner: Poesiealbum 295. Hg. u. ausgewählt von Richard Pietraß, Grafik Werner Friedrichs. 32 S. Märkischer Verlag Wilhelmshorst 2011.
  50. Immanuel Weißglas · Der Nobiskrug. Gedichte. Nachwort von Bernhard Albers (Bukowiner Literaturlandschaft Bd. 55; Lyrik-Taschenbuch Nr. 72). 80 Seiten, broschiert, Aachen, Rimbaud Verlag 2011.
  51. Ralf S. Werder: Bruchland. Broschur, 28 S. Schock Edition, EdK/Distillery, Berlin 2011.
  52. Walt Whitman · Liebesgedichte / Love Poems. Englisch / deutsch. Ausgewählt und übertragen von Frank Schablewski. Vorwort von Johannes Urzidil. Nachwort von Jürgen Brôcan. 128 Seiten, fadengeh. Klappenbroschur, Aachen, Rimbaud Verlag 2011.
  53. Ron Winkler (Hg.): Schneegedichte. Schöffling & Co., Frankfurt am Main 2011.

57. Wolkenhändler

Neu bei Lyrikwiki (neben ersten Beiträgen aus den Bibliographieaufgaben unserer Grundkurse, aus über 160 vergebenen Aufgaben, siehe Papenfuß, siehe Literaturzeitschriften, deutsche) der Artikel einer Studentin über eine Figur des Kieler Dichters Klavki (dieselbe, Christiane, hatte schon über eine Figur bei Ann Cotten geschrieben). Vielleicht eine Anregung für künftige Beiträge zu unserer unordentlichen Lyrikenzyklopädie.

56. Gedichte aus Mozart’s Land

Am 30. November wurde das Buch „Gedichte aus Mozart’s Land“, eine Auswahl Österreichischer Lyrik in vietnamesischer Sprache, herausgegeben vom Germanisten Ngo Quang Phuc, der unter dem Künstlernamen Quang Chien schreibt, im Büchercafé des Hanoier Kulturzentrums „Ost West“ der Öffentlichkeit vorgestellt.

In dem Band, der mit Unterstützung des Außenministeriums und des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur zustande kam, sind Werke der folgenden österreichischen LyrikerInnen vertreten: Nikolaus Lenau, Rainer Maria Rilke, Ingeborg Bachmann, Erich Fried, Franz Kießling, Ilse Brem, Elisabeth Schawerda, Karl Lubomirski, Peter Turrini, Ernst Jandl und Christian Ide Hintze. Von den Autoren haben zwei einen besonderen Bezug zu Vietnam: Erich Fried durch seine Gedichte über den Vietnamkrieg und Christian Ide Hintze durch seine Lehrtätigkeit an der Dichterschule Nguyen Du in Hanoi Anfang der 90er Jahre. / Österreich Journal

55. In heutigen Zeitschriften

Wenn man sich in heutigen Zeitschriften nach den ästhe­tischen Erben der historischen Avant­garde­bewe­gungen umsehen will, muss man eine Lupe zu Hilfe nehmen. Denn viele Innova­tions­bemü­hungen der soge­nannten jungen Schrift­stel­ler­generation nehmen sich aus wie matte Stil­übungen lite­rarischer Prakti­kanten. In der typo­grafisch zwar ein­falls­reichen, textuell eher substanz­armen Zeit­schrift für „junge Literatur“ „BELLA triste“, die soeben mit dem Förder­preis der Kurt-Wolff-Stif­tung aus­gezeichnet worden ist, weht – im Hinblick auf avantgar­dis­tische Konzepte – bestenfalls ein laues Lüftchen. Neugierig machen in Heft 31 immerhin die Gedichte von Jan Skudlarek, dessen lite­rarische Referenz­figuren aus der aller­jüngsten Gegen­wart stammen, wird hier doch in markanter Signal­gebung ein „rainald­goetz­gesicht“ aufgerufen.

Sehr viel mehr Abenteuer des Ästheti­schen ermöglicht das neue Heft, die Nummer 57 der Leipziger Literaturzeitschrift EDIT. Hier findet man aufregende Es­says junger ameri­kanischer Autoren, etwa von Wayne Koesten­baum über „Hei­deg­gers Geliebte“, ein Text, der sich spiele­risch-asso­ziativ durch die deutsche Philo­sophie schlän­gelt. Zu den bemer­kens­werten Funden in EDIT gehören auch Ana­gramme und Über­schrei­bungen eines Gedichts von Carl Friedrich Claus, des visionären expe­rimen­tellen Künstlers und Grapho­manen, der seine Texte syste­matisch in faszi­nierende Schrift­bilder verwandelte. Hier treibt sich auch der sprach­ver­rückteste Dichter der jungen Generation herum, der aus dem Saarland stammende und in Berlin lebende Konstantin Ames, der in wort­akro­batischer Ver­gnügung einige Stilmasken aufsetzt und sprach­reflexiv dekon­struierte „Weltwaisen“ zum Besten gibt. „Vor stil­faschisten : barrikaden er­richten“, postuliert da beispiels­weise ein Text, der verschie­dene Dichter­gesten parodiert und am Ende in ironi­scher Verkeh­rung fordert: „Den jungdichtern ist komplexi­täts­reduk­tion zu wünschen = 1. brandrede an die stol­terfoht­epigonen“. Diese Produk­tions­anweisung, Gedichte zu er­mäßigten herme­neutischen Konditionen zu schreiben, wird jedoch sehr wahr­schein­lich von Konstantin Ames nie befolgt werden. / Michael Braun, Poetenladen

BELLA triste, H. 31
Neustädter Markt 3-4, 31134 Hildesheim. 106 Seiten, 5,35 Euro.

Edit Nr. 57
Gerichtsweg 28, 04103 Leipzig. 130 Seiten, 5 Euro.