Was der 1966 in der Lausitz geborene und heute in Dresden lebende Volker Sielaff in neun Kapiteln an sinnesöffnenden Gedichten, luziden Selbstbeobachtungen und Wahrnehmungsemphasen zusammengetragen hat, ist von überwältigender Intensität. Das Gedicht „Rollfeld“ spricht von der „Leere in ihrem höchsten Zustand“, der Leere als einem „Rollfeld, für Luft“. Ein anderes Gedicht evoziert die Windbewegung in bestimmten Bäumen – das „Ulmensausen“ gebiert hier den Wunsch des Subjekts, selbst „dem Wind anheimzufallen“. Eine Intensität des Schauens, die eine mystische Stille und Leere mit dem Hingegebensein an die Phänomene verbindet, trägt sehr viele Gedichte dieses Bandes – beglückende Epiphanien, die viel von Kindheit sprechen und von der Möglichkeit, die Welt anzuschauen wie zum ersten Mal. / Michael Braun, Tagesspiegel
Volker Sielaff: Selbstporträt mit Zwerg. Gedichte.
Luxbooks, Wiesbaden 2011. 120 Seiten, 22 €.
„Zeitgenössische Liebesgedichte“ waren das Thema beim 18. Literaturwettbewerb der Akademie Graz. Mit seinem Gedicht „Alles oszilliert“ konnte ihn Marcus Pöttler gewinnen. Dabei verwies er Christian Teissl und Reinhard Lechner auf die Plätze. Für Pöttler war das Thema eine große Herausforderung: „Ich habe mich zuvor noch nie auf dieses Terrain gewagt. Das Gedicht sehe ich somit als eine Art ,Ode an die Liebe‘.“ / Kleine Zeitung
Der aus Simbabwe kommende, derzeit in Berlin lebende Lyriker Chirikure Chirikure stellt am Sonntag in der Bettendorffschen Galerie Gauangelloch in einer Poetry Performance seinen im Heidelberger Verlag Wunderhorn erschienenen Gedichtband „Aussicht auf eigene Schatten“ vor. Der 1962 Geborene zählt zu den namhaften Dichtern Afrikas und wurde als Initiator einer Slam-Poetry-Reihe in Simbabwes Hauptstadt Harare bekannt. / morgenweb
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Все все деревья пиф
Все все каменья пиф
Вся вся природа пуф
Все все девицы пиф
Все все мужчины пиф
Вся вся женитьба пуф
Все все славяне пиф
Все все евреи пиф
Вся вся Россия пуф
Источник: Ковырок
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Alle alle Bäume piff
alle alle Steine paff
die ganze ganze Natur ist puff
Alle alle Mädchen piff
alle alle Männer paff
die ganze ganze Ehe ist puff
Alle alle Slaven piff
alle alle Juden paff
das ganze ganze Rußland ist puff
Deutsch von Peter Urban, in: Daniil Charms: Die Wanne des Archimedes. Gedichte. Wien: Edition Korrespondenzen, 2006, S. 37.
(Nicht bei Nitzberg)
Bei Wikipedia eine andere Originalfassung und Übersetzung
Daniil Charms
An Marina
Wohin Marina richtest du den Blick
Den listigen in diesem Augenblick?
Wozu lockst du mit kindlicher Grimasse
Mich fort vom Tisch damit ich lasse
Die Bücher Bücher sein, Papier und Feder
Und trinke deine junge nasse …
Und mit der Hand die Brust dir halte.
Deutsch von Peter Urban, in: Daniil Charms: Die Wanne des Archimedes. Gedichte. Wien: Edition Korrespondenzen, 2006, S. 133 .
An Marina
Du blickst in mädchenhafter Laune
Und blinzelst so verführerisch.
Es will dein lockendes Geraune,
dass ich verlasse meinen Tisch
und vor dir auf die Knie sinke,
vergessend Feder und Papier,
und deine jungen Säfte trinke
und deine junge Brust massier.
<1935>
Deutsch von Alexander Nitzberg, in: Daniil Charms: Sieben Zehntel eines Kopfs. Gedichte. Berlin: Verlag Galiani 2010, S. 181.
Марине
Куда Марина взор лукавый
Ты направляешь в этот миг?
Зачем девической забавой
Меня зовешь уйти от книг,
Оставить стол, перо, бумагу
И в ноги пасть перед тобой.
И пить твою младую влагу
И грудь поддерживать рукой.
<1935>
Ханс Даниил
(Im Original: Und trinken deine junge Feuchte, wobei влага, Feuchtigkeit, Nässe, an die Wörter влагать, hineinlegen, hineintun, und влагалище, Scheide, anklingt)
Wozu! Wozu den sitzt er hier
Wozu den sitzt er doch
Ich möchte einen Mädchen hier
Mit einem feuchten Loch.
<1932>
So im Original Deutsch, in: Daniil Charms: Sieben Zehntel eines Kopfs. Gedichte. Berlin: Verlag Galiani 2010, S. 186. – 1931/32 war er zum ersten Mal in Haft.
Über seine zweite Verhaftung, die er nicht überlebte, schreibt Wikipedia:
Aber nicht nur die wirtschaftliche Situation war bedrohlich, auch sein soziales Gefüge änderte sich radikal: am 3. Juli Verhaftung von Nikolai Oleinikow, der am 24. November 1937 erschossen wurde; Verbannung von Oleinikows Frau; der verantwortliche Redakteur des Joschs starb im Lager, die Redaktionssekretärin des Kinderbuchverlags verbrachte 17 Jahre im Lager; am 6. August weitere Verhaftungen von Mitarbeitern des Kinderbuchverlags, von denen manche ermordet wurden wie der Physiker Matwei Bronstein; am 28. August Verhaftung der Familie von Charms’ erster Frau: Ester kam 1938 im Lager um, ihre vier Geschwister wurden zu 10 Jahren Lager verurteilt; am 5. September Zerschlagung von Marschaks Redaktion und Flucht von Marschak; am 14. September Verhaftung des ehemaligen Redaktionssekretärs des Joschs.[49]
Am 23. Oktober 1937 schrieb Charms in sein Tagebuch:
„Mein Gott, ich habe nurmehr eine einzige Bitte an Dich: vernichte mich, zerschlage mich endgültig, stoße mich in die Hölle, laß mich nicht auf halbem Wege stehen, sondern nimm von mir die Hoffnung und vernichte mich schnell, in Ewigkeit.“[50]“
Und eine Woche später: „Mich interessiert nur der ‚Quatsch‘, was keinerlei praktischen Sinn hat. Mich interessiert das Leben nur in seiner unsinnigen Erscheinung.[51]
Zwei Monate nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion wurde Charms am 23. August 1941 zum zweiten Mal verhaftet. Dieses Mal wurde ihm die Verbreitung defätistischer Propaganda vorgeworfen.[52] Im rechtsmedizinischen Gutachten vom gleichen Tag heißt es: „Er ist orientierungsfähig. Er hat fixe Ideen, die Wahrnehmung ist gemindert. Er gibt absonderliche Vorstellungen von sich.“[53] Diagnostiziert wird „Psychose (Schizophrenie?)“.[54] In weiteren Vernehmungen bestritt Charms, Verbrechen gegenüber der Sowjetunion ausgeübt zu haben. Am 2. September wurde er in die benachbarte Gefängnispsychiatrie überstellt und dort am 10. September erneut für geisteskrank erklärt. Dieser Befund stützt sich auf das Gutachten vom Herbst 1939, als Charms eine Schizophrenie simulierte, um vom Dienst im Sowjetisch-Finnischen Krieg befreit zu werden. Damit hätte Charms entlassen werden müssen, am 26. November 1941 belastete ihn jedoch eine NKWD-Agentin schwer. Die Anklage am 7. Dezember lautete:
„Aufgrund des Resultats der gerichtspsychiatrischen Untersuchung vom 10.IX.1941 wird der Angeklagte Juvačëv-Charms in der ihm zur Last gelegten Schuld für geisteskrank und unzurechnungsfähig erklärt. [… Er] hat sich bis zu seiner völligen Genesung in eine psychiatrische Heilanstalt zur Zwangsheilung zu begeben.[55]“
Mitte Dezember erfolgte die Einweisung Charms’ in die psychiatrische Anstalt des Leningrader Gefängnisses Kresty. Seine Ehefrau konnte ihn aus Unkenntnis seines Aufenthalts erst im Februar 1942 besuchen. Bei der Anmeldung erhielt sie die Auskunft: „Gestorben am zweiten Februar.“[56] Die mutmaßliche Todesursache während der Leningrader Blockade ist Unterernährung. Sterbe- und Bestattungsort sind unbekannt.
Die Enzyklopädie Krugoswet schreibt: starb im Gefängnis an Entkräftung.
Für einen Exzentriker, einen Happening-Künstler muss die Zeit kurz nach der Revolution eine gute Zeit gewesen sein. Nie wieder gab es an Newa oder Moskwa eine so wilde avantgardistische Szene. Das surreale, groteske Umfeld hat die Szene geformt (und später vernichtet). Da gab es Elegiker und Akmeisten, Symbolisten und Claristen, es gab Futuristen (wie Wladimir Majakowski) und Zentrifugisten (wie Boris Pasternak). Charms hatte ab 1926 eine eigene Gruppe, OBERIU, die »Vereinigung für reale Kunst«. Auf der Bühne, als Rezitator, war Charms ein doppelter Magier, mit Zaubertricks, mit Worten, er bannte die Zuhörer. Verse wurden Bühnenobjekte, auf Klang und Effekt getrimmt, Charms deklamierte und parodierte mit Wonne; Gedichte, postulierte er, müssten so geschrieben sein, dass, »wenn man sie gegen ein Fenster schmeißt, das Glas springt«.
Den Behörden war das unheimlich. OBERIU wurde 1930 verboten, Charms durfte kaum etwas publizieren – nur zwei Gedichte für Erwachsene sowie Geschichten und Verse für Kinder. Zu Lebzeiten ungedruckt blieb ein wucherndes Werk, in dem die Gattungsgrenzen verschwimmen. Ein Werk, handschriftlich, in Notizbüchern. Wenige Male versuchte Charms, Texte zu bündeln (handschriftlich, in einem Heft), prosaisch, lyrisch, theatralisch, bunt gemischt, es blieb beim Versuch. Erst Jahrzehnte nach seinem Tod erreichte das Oeuvre die Öffentlichkeit. Ab 1978 sollte in der Sowjetunion eine Werkausgabe erscheinen; staatlicher Druck beendete das tollkühne Unternehmen. Ab 1997 erschien in Russland eine Gesamtedition. / Uwe Stolzmann, ND 3.12.
Daniil Charms: Werke. Herausgegeben von Vladimir Glozer und Alexander Nitzberg. Verlag Galiani Berlin. Band 1: Trinken Sie Essig, meine Herren! Prosa. Übers. Beate Rausch. 269 S., geb., 24,95 €; Band 2: Sieben Zehntel eines Kopfs. Gedichte. Übers. Alexander Nitzberg. 311 S., geb., 24,95 €; Band 3: Wir hauen die Natur entzwei. Theaterstücke. Übers. Alexander Nitzberg. 343 S., geb., 24,99 €; Band 4: Du siehst mich am Fenster. Autobiographisches. Übers. Beate Rausch. 249 S., geb., 24,99 €.
Marina Durnowo: Mein Leben mit Daniil Charms. Zusammengestellt von Vladimir Glozer. Galiani 151 S., geb., 16,95 €.
Der Dichter Ulrich Zieger ist ein Liebhaber der Abgeschiedenheit: Sein Lebensweg ist dechiffrierbar als schrittweiser Rückzug in das kontemplative „Gehäus“, das seinem jüngsten Band den Titel gegeben hat. Als er vor zwei Jahrzehnten unter den nervösen Dichtern der „Prenzlauer Berg-Connection“ (Adolf Endler) auftauchte, war spürbar, dass hier eine poetische Stimme von großer Intensität sprach, ein Nachfahre Rimbauds. „Ich bin wahrlich süchtig geworden nach dieser Art des Schweigens“, schrieb Uwe Kolbe über seinen Kollegen, „es geht eine Kraft aus von ihm, die von Gedicht zu Gedicht aufbrandender, zwingender wird.“
Aus dem überreizten Berlin, wo er in die Netzwerke der doppelbödigen Ostberliner Literatur-Dissidenten involviert war, zog sich der Einzelgänger 1989 nach Südfrankreich zurück. Zuvor hatte er sich als Mitherausgeber der Independent-Magazine „Schaden“ und „Verwendung“ betätigt. Zu dieser Zeit entwickelte er seinen luziden Surrealismus, der die Gegenstände seiner Poesie aus den Koordinaten der Alltagsvernunft befreit und in wundersame Schwebezustände versetzt. / Michael Braun, Badische Zeitung
Ulrich Zieger: Aufwartungen im Gehäus. Edition Rugerup, Berlin/Hörby 2011. 140 Seiten, 17,90 Euro.
Fünfzig Jahre nach Walter Höllerers Veröffentlichung der Anthologie „Junge Amerikanische Lyrik“ präsentiert der wissenschaftliche Leiter des Literaturarchivs, Michael Peter Hehl, am 6. Dezember (20 Uhr) bislang ungehobene Schätze von Beat-Autoren wie Allen Ginsberg, Jack Kerouac, Robert Creeley und Lawrence Ferlinghetti aus dem hauseigenen Archiv.
(…)
Wie kam Walter Höllerer zu dieser US-Connection?
Hehl: Höllerer war ja seit 1954 als Herausgeber der „Akzente“ – also einer der wichtigsten deutschsprachigen Literaturzeitschriften – stets an Neuem interessiert. Er wollte hierzulande auch amerikanische Literatur bekanntmachen und dabei den Horizont über Hemingway hinaus erweitern. Und so fiel sein Blick auf die Beat-Generation, also jene jungen Leute, die gerade dabei waren, den US-Literaturbetrieb auf den Kopf zu stellen. In Deutschland kannte man die zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht. 1958 schließt Höllerer Bekanntschaft mit Gregory Corso, der damals gemeinsam mit Allen Ginsberg und Peter Orlovsky in Paris lebte. Höllerer fährt also nach Paris und man beschließt, eine gemeinsame Anthologie herauszubringen, die dann schließlich zwei Jahre später auch – zweisprachig übrigens! – beim Hanser-Verlag erscheint. Medienhistorisch interessant ist auch, dass dieses Bändchen damals mit Schallplatte erschien – ganz einfach deswegen, um auch die klangliche Dimension dieser Lyrik vermitteln zu können.
Interview von Peter Geiger, Oberpfalznetz
Der chilenische Dichter Nicanor Parra, bekannt als Vater der „Antipoesie“, erhält den Cervantespreis, den „Nobelpreis der spanischsprachigen Literatur“, teilte am Mittwoch der spanische Kulturminister Angeles Gonzalez-Sinde mit.
Der 97jährige habe ein ganz der Poesie gewidmetes Leben geführt, betonte die Vorsitzende der Jury Margarita Salas. Der seit 1975 vergebene Preis ist mit 125.000 € dotiert und wird am 23.4. überreicht, dem Todestag des Schriftstellers Miguel de Cervantes (1616). Der Preis wird jedes Jahr verliehen, im allgemeinen abwechselnd an einen spanischen und lateinamerikanischen Autor. Unter den bisherigen Preisträgern sind Ana Maria Matute (Spanien), Jorge Luis Borges (Argentinien), Mario Vargas Llosa (Peru) und die Mexikaner Carlos Fuentes und Octavio Paz. / AFP
„Die Welt wird dann wissen, dass Guttenberg auch Gedichte schreibt“, lese ich im unvermeidlichen Artikel im Spiegel zu zu Guttenberg und seinem Buch. Ob Intertextualität in seiner Poetik eine Rolle spielt, steht nicht drin.
Bangs neuere Gedichte folgen einem Abc-Muster („C steht für Cher, „E ist Evident“), wie man es in Grundschulfibeln, die Schülern das Alphabet beibringen, finden mag. Das wirkt ganz so, als müsse auch die Lyrikerin sich nach der Verlusterfahrung erst ihrer Mittel wieder neu versichern und die eigene Sprache buchstabieren lernen. In „N wie Nimmermehr“ erprobt sie sich dazu im Nachgang des berühmten „Raben“-Gedichts von E. A. Poe, das ebenfalls vom Verlust eines geliebten Menschen handelt und daher eine Elegie ist. Zwar lässt sich daraus, wie es scheint, nun kaum mehr Trost gewinnen – „Der Rabe ist jetzt ausgestopft/ In der Form eines erstklassigen / Taxidermischen Augenblicks“ -, doch auch die bewusste Abwendung von Vorgängern und deren Hinterlassenschaft ist eine Form des Dialogs mit ihnen.
Bang hat seit 1997 nicht weniger als sechs Gedichtbände veröffentlicht. Nicht alles davon, so zeigt diese zweisprachige Auswahl in Barbara Thimms Übersetzung, ist gleichermaßen überzeugend. Insbesondere die Gedicht-Folge von 2004, die sich auf zeitgenössische Kunstwerke von Sigmar Polke und anderen bezieht, wirkt durch die erzählerische Ausmalung der Bilder streckenweise banal. Dagegen bieten die frühen Texte bereits eindrucksvolle Auseinandersetzungen mit Tod und Sterben. In „Autopsie“, vielleicht dem stärksten Text der Sammlung, werden dem Anblick einer Leiche Momente von intimer Intensität abgewonnen: «Wie nackt die Seele – demaskiert, entadert,/ausgeweidet. Wie weich das Fleisch/im Tod. Jemand ist gekommen,/ um den Staub abzuwaschen. Maulbeerflecke./ Bleibende Male an verborgnen Orten“ Wer Gottfried Benns Morgue-Gedichte im Ohr hat, kann über solche Lyrismen nur staunen.
Die schön illustrierte Lyrik-Reihe „Luxbooks Americana“ beweist auch mit ihrem achtzehnten Band (dessen Cover-Bild allerdings etwas zu plakativ geraten ist), dass es sich lohnt, den zeitgenössischen Vergegenwärtigungen poetischer Tradition in neuer Sprachform nachzugehen. / TOBIAS DÖRING, FAZ 23.11.
[ob ein Plakat „plakativ“, ein Comic komisch oder ein Lyrismus „lyrisch“ (lyristisch? lyrismisch?) ist, mag als Geschmackssache durchgehen. Staunen ist dagegen immer gut. M.G.]
Mary Jo Bang:
Eskapaden. Gedichte. Zweisprachige Ausgabe. Aus dem Amerikanischen von Barbara Thimm.
Luxbooks, Wiesbaden 2011. 220 Seiten, 22 €.
München powert? Erst das Literaturfest (mit einem Füßlein in der Lyrikdiskussion), dann der Lyrikpreis und nun das:
„Das Literarische Quartett“ lebt als Lyrik-Veranstaltung auf. Besprochen werden drei interessante Neuerscheinungen und der Klassiker Heiner Müller: So heftig wie bei ihm geht es in heutigen Gedichten nicht mal zu, wenn bei Tisch die Geliebte tot umkippt. …
John Burnside ist einer der Dichter, die am Mittwoch in München vorgestellt werden, wenn dort ein altbekanntes Format unter leicht veränderten Titel auflebt. „Das lyrische Quartett“ heißt es – und wird es auch nicht im Fernsehen übertragen, so sind die Teilnehmer von ähnlichem Gewicht wie einst die Runde um Marcel Reich-Ranicki: Heinrich Detering, Wissenschaftler, Kritiker und als Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung verantwortlich für die höchste bundesdeutsche Literaturauszeichnung, den Büchner-Preis. Die „SZ“-Autorin Kristina Maidt-Zinke, der Schriftsteller und Kritiker Harald Hartung, und, diesmal als Gast dabei, Joachim Sartorius, elder statesmen des West-Berliner Kulturlebens.
Dabei stellt sich heraus, daß die Dichter verschieden sind:
Zander unterscheidet sich deutlich von Müller. Noch viel verschiedener sind, gerade weil sie zum Teil ähnliche Themen behandeln, Judith Zander und Christian Lehnert.
/ Sebastian Hammelehle, Spiegel
Schüler der Unter- und Oberstufe haben sich gemeinsam mit Paul Celans Gedicht “Todesfuge“ beschäftigt: Für diese Unterrichtsidee ist das Heinrich-Schliemann-Gymnasium in Fürth bei der Verleihung des Deutschen Lehrerpreises in Berlin mit einer Sonderauszeichnung bedacht worden. Sechstklässler und kurz vor dem Abitur stehende Jugendliche arbeiteten in dem klassenübergreifenden Projekt zusammen, wie der Deutsche Philologenverband am Mittwoch in Berlin mitteilte. Dabei sei ein “einzigartiges Lernklima“ entstanden, die Schüler der unterschiedlichen Altersklassen hätten enorm von einander profitiert. / tz
Österreichs einzige Lyrik AG beendet ihre Serie in Sachen Reisetagebuchlyrik. „Watt“, der vierte Teil der Tetralogie von Till Mairhofer und Klaus Wieser, wurde soeben fertiggestellt. …
Was aber ist „Watt“? Was ein lyrisches Reisetagebuch? Mairhofer, der in Steyr beheimatete Schriftsteller, und sein Bad Haller Kompagnon Wieser begaben sich bis vor kurzem regelmäßig auf Literaturreisen. „Angefangen hat es, da waren wir 48 oder 49 Jahre alt“, erzählt Mairhofer. Irland stand damals auf dem Programm. Mit einem Ein-Mann-Zelt seien die beiden unterwegs gewesen. Dabei entstanden Gedichte, die in kleinen selbstgemachten Heften Eingang fanden. Die Titel: jeweils ein Wort aus vier Buchstaben – „Eire“ das erste, dann „Cres“ und „Löss“, nun „Watt“. / Oberösterreichische Nachrichten
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