Anthologie ∙ Einzeltitel ∙ Essayband ∙ Zeitschrift
Wird in den nächsten 5 Tagen in alphabetischer Folge ergänzt. Nachträge der Leser sind durchaus erwünscht und erbeten und können hier als Kommentar eingetragen werden. (Bitte erst unter dem jeweiligen Buchstaben eintragen, hier also nur C – Ha. – Die ergänzten Titel werden in die Liste übernommen, in den Kommentaren können Sie nachlesen, was unserm geballten Sachverstand entgangen war, M.G.)
Das 6. Karlsruher Literaturforum tagt auch in diesem Jahr wieder im Prinz Max Palais und hat am 16. Dezember interessante Autoren eingeladen, darunter Silke Scheuermann, Stan Lafleur, Nadja Küchenmeister, Matthias Göritz, Nora Gomringer, Claudia Gabler und Matthias Kehle. / Berliner Literaturkritik
Er war einer der grossen, zornigen Virtuosen der deutschen Sprache. Doch in letzter Zeit wurde er zu wenig und fast nur noch in Österreich wahrgenommen, was auch daran lag, dass er im vergangenen Jahrzehnt bloss noch zwei schmale neue Bücher veröffentlicht hatte. Werner Kofler, geboren 1947 in Villach, gestorben vorgestern in Wien nach langer peinigender Krankheit, hat mehr als zwanzig Bände publiziert. Seine Parabel als funkelnder und letztlich glückloser Literaturkomet ist auch in der Geschichte seines Verleger-Wechsels zu sehen: fünf Bände bei Wagenbach, fünf bei Rowohlt, dann nur noch Bücher bei kleinen und immer kleineren Verlagen in Österreich, teilweise Neuauflagen aus besseren Zeiten. Dabei hatte der geniale Polemiker einst nicht nur sehr viel und ganz Ungeniertes zu sagen, er schrieb es auch bis zuletzt in einer Prosa von unerhörter Musikalität und Schrittfestigkeit. / Franz Haas, NZZ
Der Verleger Michael Krüger befragt von Joachim Dicks:
„Es ist ein winziges Werk von allerhöchster Konzentration“, sagt der Verleger Michael Krüger im Gespräch auf NDR Kultur über die Arbeit seines Freundes Tomas Tranströmer, der diesjährige Literaturnobelpreisträger. Oder anders ausgedrückt: „Jedes Gedicht sticht.“ Nur so lässt sich erklären, wie ein Autor mit gerade einmal 350 Gedichten und etwa 80 Seiten autobiografischer Prosa mit dem weltweit bedeutendsten Literaturpreis ausgezeichnet wird. / NDR
Im Winter 2007 unternahm der Ludwigsburger Kulturwissenschafter Thomas Knubben eine Wanderung von Nürtingen nach Bordeaux: auf den Spuren Hölderlins, der seinerseits im Dezember 1801 aufgebrochen war und während acht Wochen westwärts wanderte, um eine Hofmeisterstelle in der Stadt am Atlantik anzutreten. Wie die Jakobspilger erhoffte sich Thomas Knubben von seiner «Winterreise» eine Erleuchtung, ist doch Hölderlins Reise vom Geheimnis umwittert. Denn nach kurzer Zeit hat der Dichter Bordeaux wieder verlassen und ist im Juni 1802 völlig zerrüttet in der Heimat eingetroffen. Was hatte ihn derart aus der Bahn geworfen, dass sein Anblick die Freunde erschreckte? …
Als Glanzlichter stellen sich die kulturgeschichtlichen Essays innerhalb des Textes heraus. Was Thomas Knubben über den politisch bedingten Wandel der Hölderlin-Rezeption anführt, etwa die Vereinnahmung seines Werks durch die Nazi-Ideologie und die neue Sicht, wie sie der französische Germanist Pierre Bertaux entworfen hat, liest sich spannend. Und ebenso fesselt er mit seinen Ausführungen zu Bordeaux‘ reicher Kaufmannschaft, zu der auch Hölderlins Arbeitgeber, der Weinhändler und hamburgische Konsul Daniel Christoph Meyer, gehörte. Prägnant stellt er die Rolle der Stadt im Sklaven- und Kolonialhandel während des ausgehenden Ancien Régime heraus und skizziert die konfessionelle Situation. Bordeaux‘ merkantile Erfolge scheinen auf dem Zusammenspiel zwischen deutschen protestantischen Kaufleuten und französischen Hugenotten, die in dieser Stadt eine Zuflucht fanden, zu gründen; sie ergäben ein Paradebeispiel für Max Webers Thesen. / Beatrice Eichmann-Leutenegger, NZZ 8.12.
Viele Gedichte sind zum ersten Mal ins Deutsche übersetzt worden. Im Nachwort zu seiner Übersetzung bemängelt Nitzberg «das Fehlen von Metrum und Reim» in den vorangehenden Übertragungen. Vor allem reibt er sich an Peter Urban. Dieser kleinkarierte Hickhack soll den Leser aber nicht stören. Die Übersetzungen von Nitzberg (Gedichte) und Beate Rausch (Prosa) lesen sich jedenfalls sehr gut. Sie gewähren den Blick auf ein Leben und Werk, das imprägniert ist vom Leiden unter einer totalitären Herrschaft. Wie ein Nachtwandler, angstvoll träumend und zugleich hellsichtig, ist Charms durch den Albtraum des Grossen Terrors gegangen. Die Wahrheit der Sowjetunion ist wohl nirgendwo so klar, rücksichtslos und illusionslos beschrieben worden wie im Werk von Charms. / Claus-Ulrich Bielefeld, Tages-Anzeiger
Daniil Charms: Werke in 4 Bänden. Hrsg. von Vladimir Glozer und Alexander Nitzberg. Galiani, Berlin 2011. Pro Band ca. 36 Fr. Marina Durnowo: Mein Leben mit Daniil Charms. Aus dem Russischen von Andreas Tretner. Galiani, Berlin 2011. 156 S., ca. 25 Fr.
… titelt der Focus. Klingt nach Hölderlin: „Und ihre Vaterlandsgesänge lähmen die Knie den Ehrelosen“. Aber ganz so schlimm ist es wohl nicht. (Wenn auch bös genug. Lupenreine Demokratie ist nicht jedermanns Sache.) Es handelt sich um keinen Putinschen Vaterlandsgesang, sondern „nur“ um ein Lobgedicht auf Putin:
Die russische Oppositionspartei Jabloko hat sich über Telefonterror durch ein Gedicht an Regierungschef Wladimir Putin in Dauerschleife beklagt. Die Hotline sei praktisch lahmgelegt worden, teilte Jabloko am Donnerstag in Moskau mit. „Putin ist unser Leben“, „Ohne Putin hat das Leben keine Bedeutung“ oder „Putin liebt Dich“ trug demnach eine Frauenstimme bei jedem Anruf vor. Ein Rückruf auf die angezeigte Telefonnummer sei nicht möglich gewesen. Die liberale Partei beteiligt sich an den kremlkritischen Protesten gegen Fälschungen bei der Parlamentswahl vom 4. Dezember.
Die im Libanon geborene und in Paris lebende Dichterin Vénus Khoury-Ghata erhielt am 6.12. den Prix Goncourt für Lyrik – Adrien Bertrand für ihr Gesamtwerk. Außer rund 20 Romanen veröffentlichte sie auch neun Gedichtbände. Sie erhielt bereits zahlreiche andere Auszeichnungen, darunter den Grand prix de poésie der Académie française (2009) und den Grand prix Guillevic de poésie de Saint-Malo (2010).
Seit 1903 vergibt die Akademie jährlich den Prix Goncourt an einen Romanautor. 1985 wurde ein spezieller Preis für Lyrik zu Ehren des Schriftstellers Adrien Bertrand (Goncourt 1914) hinzugefügt. (Warum nach Bertrand, der natürlich für einen Roman ausgezeichnet wurde, und nicht nach einem der großen Lyriker, ist Außenstehenden nicht leicht einsichtig. Vielleicht, weil die wichtigsten Namen bereits vergeben waren?)
Klickt man bei Wikipedias Prix Goncourt-Eintrag auf den Namen Bertrands, erhält man die Mitteilung, dieser Eintrag existiere nicht. was aber nur für die deutsche Version gilt. Es gibt sehr wohl einen (knappen) französischen und auch einen englischen, die erreicht man aber nur durch einen Trick (z.B. bei Goncourt auf Französisch klicken und dann dort anklicken oder suchen).
Übrigens haben ja auch die vielen Millionen deutschen Mallorcabesucher bisher nicht ausgereicht, um dem „Inseldichter“ einen deutschen Eintrag zu sichern. Der hat einfach zu viele Minuspunkte: Dichter, katalanisch schreibend und auch noch aus Afrika. D’Efak gibt es auf Spanisch und Katalanisch.
Am Montag, den 12. Dezember um 21.12 Uhr:
Schock Edition
Pre-Release der im Januar 2012 erscheinenden 3. Folge
mit Gerd Adloff, Florian Günther, Katrin Heinau, Bertram Reinecke und Silka Teichert feat. Anna Rheinsberg.
Das Schock, des -es, plur. die -e. Eigentlich, so wohl ein Haufe, als auch eine Menge; eine im Hochdeutschen veraltete Bedeutung, außer daß man noch im gemeinen Leben eine beträchtliche unbestimmte Menge zuweilen ein Schock zu nennen pflegt. Im Schwed. ist Skock und im Isländ. Skockr noch eine Menge mehrerer Dinge, und das Engl. Shock bedeutet einen Haufen Garben. In einigen oberd. Gegenden wird ein Schober und Feimen noch jetzt ein Schoch genannt, und da hat man auch das Zeitwort schochen und schöcheln in solche Schoche oder Haufen setzen. Bey dem Hornegk ist geschockt gehäuft, häufig. Ohne Zweifel gehöret hierher auch die bey den Jägern mancher Gegenden übliche Bedeutung, wo ein dicker Strauch ein Schock genannt wird.
Eintritt frei!
Ein Skandal bahnt sich an: nach Alice Oswald tritt auch John Kinsella von der Shortlist des T.S. Eliot-Preises zurück mit der gleichen Begründung.
Er dankt Alice Oswald, daß sie ihn auf dieses Sponsoring aufmerksam gemacht hat. Zwar bedauere er, daß die preisstiftende Poetry Book Society durch den Rückzug staatlicher Subventionen in diese Lage gekommen sei. Aber die Geschäfte von Aurum paßten nicht zu seiner persönlichen Politik und Ethik. Er als Antikapitalist könne nicht anders entscheiden. Schließlich seien Hedge Fonds „das spitze Ende des Kapitalismus“.
Gegen den Rückzug des Arts Council aus der Finanzierung des T.S.Eliot-Preises hatten über 100 Lyriker protestiert, darunter Carol Ann Duffy und Simon Armitage.
Bericht im Guardian, 7.12. Mehr: New York Observer
Die Lyrikerin Alice Oswald, die bereits 2002 für ihren Band „Dart“ mit dem prestigeträchtigen TS Eliot-Preis ausgezeichnet wurde, zog sich aus Protest gegen das Sponsoring von der 10 Titel umfassenden Shortlist des diesjährigen Preises zurück. Die Investmentgesellschaft Aurum, die Hedge Fonds verwaltet, hat einen dreijährigen Sponsoringdeal mit der Poetry Book Society abgeschlossen. Die Finanzierung steht im Zusammenhang mit der Streichung staatlicher Zuschüsse.
Oswald, die mit ihrem Band „Memorial“ nominiert war, sagte, ihrer Meinung nach solle Poesie solche Institutionen in Frage stellen und nicht stützen.
Der 1953 von T.S. Eliot begründete Preis soll den besten Gedichtband eines Jahres auszeichnen. Die Preissumme beträgt 15.000 Pound. Im vorigen Jahr gewann der Nobelpreisträger Derek Walcott. Die verbliebenen Titel der Liste:
Die Jury, der in diesem Jahr Gillian Clarke, Stephen Knight und Dennis O’Driscoll angehören, wählt den Preisträger. Die Mitteilung erfolgt am 15. Januar.
/ Florence Waters, Telegraph
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