Aus der Sendung „Willkommen Österreich“, #168, Teil 1/3, ab min 9:
Matura-Reisen wirbt mit „Wodka rund um die Uhr“, Gegenfrage des Moderators Dirk Stermann (gebürtiger Düsseldorfer, Wahlwiener), womit Matura [Austriazismus für Abitur] denn sonst werben solle: „Komm mit uns in die Türkei; wir bilden einen geilen Lyrikzirkel […] Da kommt doch kein Schwein!“*
*) Nicht gesagt; kommt auf die Konditionen an. Ah, viele sind schon da und ich flieg auch schonmal los, Quartier machen. Aber mit der Konkurrenz! (L&Poe berichtet)
Wodka und Lyrik?
Ein Verbrecher wird erschossen, der andere regiert, schenk ma no an Wodka ei, de Welt is kompliziert.
(Georg Ringsgwandl)
nur fliegen & vögeln ist schöner Wodka Wodka matj rodnaja: sang der, Zigarettenverkäufer vom Arbat
(Manfred Jendryschik)
Vgl. auch: Richard Leising: 1 wodka stolitschnaja („Arbeitsessen“); Sarah Kirsch: Wodka trinken; Mascha Kaléko: Wie wäre es mit einem Borschtsch?; Peter Rühmkorf: Variationen auf ein Thema von Friedrich Gottlieb Klopstock; Wolf Biermann: Ballade auf den Dichter Francois Villon; Levy Newman: THE THREE CHERRY SISTERS KARAMAZOV; Clark Coolidge, The Crystal Text; Yusef Komunyakaa: You and I Are Disappearing; Judith Cordary: Inertia; Czesław Miłosz: A Confession; Adam Mickiewicz: Twardowskis Frau; als wir noch trampten soffen wir nur wodka (Volkslied); u.v.m. – wird ein lustiger Zitkel, wer kommt mit?
Geistige Gänseblümchen: Ist eine gelegentliche Kolumne zur Poesie des Medienspeak
Das läßt sich die Lokalpresse und lassen sich ihre Leser nicht ausreden:
„Es gibt wirklich sehr wenig Gedichte.“ Und noch weniger Menschen, die sie schreiben oder lesen. / op.online
In Italien gehört Dantes Literatur zur Pflichtlektüre. Jedoch ist dies für viele italienische Jugendliche oft alles andere als ein Vergnügen, denn die alte Sprache ist nicht gerade leicht verständlich. Über drei Schuljahre müssen italienische Schüler sich die Werke von Dante zu Gemüte führen und interpretieren. / Schwäbische Post
Am 31.1. starb die Malerin und Autorin Dorothea Tanning, Witwe des Dadaisten und Surrealisten Max Ernst (1891-1976), in New York im Alter von 101 Jahren. L&Poe berichtete:
Die 91jährige surrealistische Künstlerin Dorothea Tanning malt nicht mehr, lesen wir in der New York Times (24.3.02*).
Instead, she writes poetry on her new Macintosh, on which she is also learning to use the Internet. Her poems have appeared in The New Republic, The Boston Review and Poetry. Last summer, she published a memoir, „Between Lives.“
[Über den Surrealismus:] „There’s enough of greatness in there that there will always be something rewarding for someone who likes to look at beautiful things and wonderful paintings. Surrealism is a piece of history, and it has stained the consciousness of everyone.“
Hier gibt es einen Text der Autorin (Fortune Cookies, in: Boston Review Dec. 2001/Jan. 2002).
April 2001:
Ein Tip für betuchte Lyrikfreunde findet sich in der Welt am Sonntag vom 22.4.01: Eine Kölner Galerie bietet eine Aquatintaradierung von Max Ernst an, 1975 als Illustration zu dem Gedichtband „Oiseaux en péril“ (Vögel in Gefahr) seiner vierten Ehefrau Dorothea Tanning geschaffen. Preis schlappe 7800,00 DM. Dorothea Tanning, geboren 1910 in Galesburg, Ill., ist eine lebende Legende der surrealistischen Kunst. Ihr Werk umfaßt neben Malerei und Graphik auch Skulpturen, Bücher und poetische Texte.
Nachrufe: Riviera Côte d´Azur Zeitung / kunstmarkt.de
Die Bremer Kultur hat ein Problem, aber sie redet nicht darüber. Will sie es nicht wahrhaben? Oder gehört die hiesige Öffentlichkeit schon zu jener erstarrten kulturellen „Stockmasse“, die hör- und urteilsunfähig geworden ist, wie Preisträgerin Marlene Streeruwitz ihrem Auditorium am 26. Januar in der oberen Rathaushalle vorgehalten hat?
Der Bremer Literaturpreis, früher ein kulturelles Glanzlicht, droht in völlige Bedeutungslosigkeit zu versinken. Ein Kommentar von Nordwestradio-Redakteur Harro Zimmermann. / Radio Bremen
Sie hätte sich vielleicht das Glück gewünscht, ein ereignisloses Leben zu führen. Nämlich Gedichte zu schreiben, einen kleinen Ruhm zu genießen, Krakau möglichst selten zu verlassen. Doch Wisława Szymborska erhielt 1996 den Literatur-Nobelpreis, das änderte alles. Das hob sie aus ihren polnischen Dichterkollegen heraus, erhob sie auch über jene Ehrungen, die sie bereits erfahren hatte, etwa den Goethe- und den Herder-Preis.
Also ist sie nach Stockholm gefahren und hat die erwartete Dankrede gehalten. Man sagt, es sei die kürzeste seit langem gewesen. Gewiss die am wenigsten eitle. Sie sagte, der Satz „ich weiß nicht“ sei ihr lieb und teuer. Sie rühmte den Prediger Salomo und sein Klagelied über die Eitelkeit allen menschlichen Strebens. Szymborska stiftete das Preisgeld für soziale Zwecke: Sie zog sich in ihre Stille zurück und hat weiter geschrieben. Wenige, doch großartige Gedichte. / Harald Hartung, FAZ
Eines ihrer späten Gedicht beginnt so: „Eigentlich könnte jedes Gedicht / ,Augenblick‘ heißen. // Eine Phrase genügt / in Präsens, / im Perfekt und sogar im Futur; // es genügt, dass irgendetwas / von Wörtern getragenes / raschelt, aufblitzt, / vorbeifließt / oder die vermeintliche Unveränderlichkeit bewahrt, / aber mit beweglichen Schatten.“
In Versen wie diesen bestätigte sie ihren Ruf, ihre Poesie sei mit den Gedanken im Bunde. Aber dieser Ruf erfasst nur die Seite ihres Werks, in der es scheinbar durchsichtig ist: „Sag ich das Wort Zukunft, / ist seine erste Silbe bereits Vergangenheit. // Sag ich das Wort Stille, / vernichte ich sie. // Sag ich das Wort Nichts, / schaffe ich etwas, das in keinem Nichtsein Raum hat.“
Die andere Seite aber ist situativ und bildlich, statt logisch und begrifflich. Hier verdichtet sich die Paradoxie der Zeit im hochmodernen riskanten Augenblick, in der Schrecksekunde der plötzlichen Katastrophe, des Unfalls. So ist es im Gedicht über die Kindergräber („Winzige Unfolgsamkeiten, / eine davon tödlich. // Die lustige Jagd nach dem Ball auf der Fahrbahn. / Glückliches Gleiten über das brüchige Eis“).
Wegen dieser Fähigkeit, Schrecksekunden zu bewahren, verdanken wir Wislawa Szymborska bleibende Nachbilder der modernen Einheit von Augenblick und Attentat. In „Die große Zahl“ (1976) gab es das Gedicht „Der Terrorist, er schaut zu“, das Verrinnen der Minuten vor dem Zeitpunkt der Zündung einer Bombe in einer Bar. Und in „Der Augenblick“ (2002) gingen unter dem Titel „Fotografie vom 11. September“ die Menschen, die aus den Türmen sprangen und dabei fotografiert wurden, in das Gedicht ein: „Nur zwei Dinge kann ich für sie tun – / diesen Flug beschreiben / und den letzten Satz nicht hinzufügen.“ / Lothar Müller, Süddeutsche Zeitung
Mehr: Renate Schmidtgall, DLF / Marta Kijowska, NZZ / ND / DLR /
Timothy Donnelly aus Brooklyn, N.Y., ist der Gewinner des diesjährigen Kingsley Tufts Poetry Award, mit einer Preissumme von $100,000 einer der höchstdotierten Lyrikpreise der USA. Ausgezeichnet wird er für das Buch „The Cloud Corporation“.
Katherine Larson aus Tucson, Ariz., bekommt den mit $10,000 dotierten Kate Tufts Discovery Award für ihren Gedichtband „Radial Symmetry“. Dieser Preis zeichnet jährlich einen vielversprechenden Debütband aus. / usnews 1.2.
In der Reihe luxbooks.americana erschienen: Die neue Sicht der Dinge, 2008. – Die scheinen einen Draht zu haben, bzw. ein Händchen: Nach D. A. Powell und Matthea Harvey der dritte Autor aus dem Verlag, der diesen Preis erhält, nachdem eine deutsche Ausgabe bei luxbooks erschien. Gratulation an Autor und Verlag!
Helga M. Novak, 77, wird mit dem Drostepreis der Stadt Meersburg (6000 Euro) ausgezeichnet.
Die Schriftstellerin zählt zu den bedeutenden deutschsprachigen Autorinnen. Sie hat die deutschsprachige Literatur in den vergangenen fünfzig Jahren mit einer eigenen unverwechselbaren Stimme mitgeprägt. (…) Der Förderpreis (4000 Euro) geht an Ulrike Almut Sandig (32). Die aus Sachsen stammende Autorin schrieb Gedichte, Hörspiele und Erzählungen, sie lebt in Leipzig und Berlin. Der Droste-Preis wird alle drei Jahre vergeben. Die Übergabe findet am 20. Mai in Meersburg statt. / Südkurier
WARSAW, Poland (AP) — Poland’s 1996 Nobel Prize-winning poet Wislawa Szymborska, whose simple words and playful verse plucked threads of irony and empathy out of life, has died. She was 88.
Szymborska, a heavy smoker, died in her sleep of lung cancer Wednesday evening at her home in the southern city of Krakow, her personal secretary Michal Rusinek said. / New York Times
Als einer der ersten reagierte der polnische Außenminister Radoslaw Sikorski. ‚Ein unersetzlicher Verlust für die polnische Kultur‘, twitterte er. / Süddeutsche Zeitung
Im Jahr 1948 legte sie den Behörden ihren ersten Gedichtband vor, der nie erschien. Erst der zweite Gedichtband Dlatego zyjemi [żyjemy] (Deshalb leben wir) fand die behördliche Zustimmung und wurde veröffentlicht. Zuletzt erschienen ihre Liebesgedichte in deutscher Übersetzung bei Suhrkamp.
„Ihr Denken ist sehr kompliziert, ihre Sprache sehr einfach“, sagte ihr langjähriger Übersetzer Karl Dedecius über Szymborska. Sie galt als Schöpferin einer eigenen poetischen Sprache. Die Lyrikerin veröffentlichte zahlreiche Gedichtbände und wirkte auch als Übersetzerin von Poesie, unter anderem aus dem Französischen. Ihr Gedicht Love at first sight * inspirierte den polnischen Regisseur Kristof Kriezlowski [richtig Krzysztof Kieślowski] zu seinem Film Drei Farben[:] Rot. / Die Zeit
* hier polnisch (Miłość od pierwszego wejrzenia)
Szymborska in der Lyrikzeitung / in meiner Anthologie
Tiere in Gedichten sind ein leidiges und herrliches Thema. Ich denke nicht an Rilkes Panther! Sondern an Gedichte, in denen Tiere selbst sehen, fühlen, sprechen. Nie werde ich vergessen, wie sehr mich Ted Hughes‘ Crow, ein Zyklus von fast 90 Gedichten, innerlich sprachlos ließ vor Aufregung, Staunen und Freude. Die Gedichte fassen das Leben Crows; sie erleuchten, was es heißt, ein Wesen vom Schlag „Krähe“ zu sein.
Oder als ich das Kuhgedicht von Les Murray in Rotterdam hörte. Es nahm mich mit / riss mich hin, wie der australische Dichter das Wortperspektivzoom zunächst in dem schlichten Wort „me“ handhabte, um zum Ende Blick, Kuh und Leben nach oben, geradezu physisch fühlbar über das Dach des Theaters hinaus zu ziehen. Noch nie hatte ich das Wort „sky“ so körperlich begriffen, nie Wolken ohne jede Metapher so verwandelt gesehen.
Tiersprache 1
The Cows on Killing Day
(Les Murray: New Collected Poems, 2002)
All me are standing on feed. The sky is shining.
All me have just been milked. Teats all tingling still
from that dry toothless sucking by the chilly mouths
that gasp loudly in in in, and never breathe out.
(…)
/ Ulrike Draesner, fixpoetry.com
Mittwoch, 8. Februar 2012, 19.30 Uhr
Pharmacy of Words
Morten Søndergaard präsentiert sein neues poetologisches Experiment
Mittwoch, 15. Februar 2012, 19.30 Uhr
Gedichtgespräch: Marlies Schmidl / Boris Schapiro
Marlies Schmidl und Boris Schapiro lesen und diskutieren
Mittwoch, 22. Februar 2012, 19.30 Uhr
Neue Übersetzungen amerikanischer Lyrik
Christine Pfammatter, Norbert Lange, Mathias Traxler und Tobias Amslinger stellen neue Übersetzungen von James Laughlin und Charles Bernstein vor
Der Lyriker und Kritiker Steffen Jacobs gibt eine kleine Einführung in das Dichten.
Junge Menschen lieben Pop, auf Poesie können sie verzichten. Das beklagen Kulturpessimisten: Gaga statt Goethe. Doch spätestens seit dem Siegeszug der Slam Poetry ist dieses düstere Szenario nicht zu halten. Die Dichtung ist (wieder) in der Popkultur angekommen.
Wie sieht es aber mit dem Schreiben selbst aus? Lyrik gilt zu Recht als hohe Kunst der Literatur. Ob man diese hohe Kunst lernen kann – und wenn ja, wie das funktioniert – fragen wir den Lyriker und Kritiker Steffen Jacobs. Er sagt: „Der Reim ist die Tiefkühltruhe der Lyrik.“ / DLR
01. Februar 2012, 20 Uhr (und nicht wie auf der Homepage 2011)
Im Saal des Deutschen Literaturinstituts
Eintritt frei
Ulf Stolterfoht über den Abend: „Gegeben wird ein bunter Strauß von Ludwig Wittgenstein-Gedichten, also Gedichten von mir, in denen Wittgenstein auftaucht.“
Moderation: Michael Lentz
Ulf Stolterfoht, geboren 1963 in Stuttgart, lebt als Lyriker und Übersetzer in Berlin. Zuletzt erschienen „ammengespräche“, Holderbank: roughbooks 2010 und die Übersetzung der Gedichte von Tom Raworth „Logbuch“, Heidelberg: Wunderhorn 2011. Gastprofessor am DLL 2008/09; Poetik-Dozentur Hildesheim 2009. Mitglied der Lyrikknappschaft Schöneberg und des Artrock-Kollektivs „Das Weibchen“. Im Internet betreibt er das „System BRUETERICH“.
Im Standard: Sammler Karlheinz Essl vor Anselm Kiefers „Nur mit Wind mit Zeit und mit Klang“ aus dem Jahr 2011, nach einem Gedicht von Ingeborg Bachmann.
Vom 2.-4- Februar findet in Ha Long (Vietnam) das erste Lyrikfestival Asien-Pazifik statt. Dichter aus 27 Ländern „und Territorien“ werden daran teilnehmen. Am 4.2. gibt es dann im Hanoier Literaturtempel den 10. Tag der Poesie, teilte der Schriftsteller Nguyen Quang Thieu mit. / vietnamplus
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