113. 9. Lyrikfestival Basel 27.-29. Januar 2012

Vom 27. bis zum 29. Januar findet im Literaturhaus Basel das 9. Internationale Lyrikfestival statt. Mit dabei sind Jacqueline Aerne, Antoine Emaz, Nora Gomringer, Greis, Durs Grünbein, Barbara Köhler, Norbert Lange, Klaus Merz, Fabio Pusterla, Astrid Schleinitz, Robert Schindel, Leta Semadeni, Günter Baby Sommer und Mathilde Vischer.

112. Kindersache

„Ein Fischge, Fisch, ein Fefefefefischgerippe, lag auf der auf, lag auf der Klippe“ so beginnt das Gedicht „Kleines Gedicht für große Stotterer“ von Kurt Schwitters (1887 – 1948). Während ihrer Projektwoche haben die vierten Klassen der Albert-Liebmann-Schule sich mit diesem und anderen Werken von Schwitters beschäftigt. … Begleitet von Künstlern und Kulturpädagogen erkennen die Kinder, dass Kunst weder Zauberei und noch alleinige Sache von Experten ist. / halleforum.de

111. Dichterschwemme

„Es gibt 20000 Autoren in Deutschland, davon 3000 Lyriker, wir haben eine Schwemme“, spricht Buhl von der großen Konkurrenz und dem Anspruch an sich selbst, sich abzugrenzen von der Masse. / Augsburger Allgemeine

110. Australische Lyrik seit 1788

Dieser delphinblaue Band ist ein Meilenstein und ein wunderbarer Türstopper (? „doorstop“) mit seinen 1090 Seiten. Eine australische Anthologie von unerwarteter Reichweite und Dichte – es ist ein Wunder für eine so junge und bis vor kurzem so bevölkerungsarme Nation. Sie reicht bis zur Zeit der ersten Flotte zurück. (…)

Manchen Gedichten sollte man sich wie meditativen Erfahrungen nähern, wie oft bei Judith Wright. Ihre stillen und doch manchmal eindringlichen Rhythmen vermitteln ein Gefühl für das australische Land, das zugleich persönlich und tiefvertraut wirkt. Dann Seiten von „Banjo“ Paterson mit seinen eher körperlichen Rhythmen… Es gibt auch Lieder der Aboriginals (einige mit Übersetzung, einige nicht) und anonyme Kolonialgedichte.

Es gibt auch „konkrete“ oder visuelle Gedichte, bei denen die Muster der getippten Wörter genau so wichtig oder wichtiger sein können als die Wörter selber. Merkwürdigerweise fehlen diese Gedichte in dem sonst ausgezeichneten Penguin Book of Modern Australian Poetry. / John Clare, Sydney Morning Herald 27.1.

AUSTRALIAN POETRY SINCE 1788
Edited by Geoffrey Lehmann and Robert Gray
UNSW Press, $69.95

109. Ich

Andere gingen ins Exil, wo sie sich meist mehr schlecht als recht durchschlugen. Dafür steht zum Beispiel Albert Ehrenstein („Er hat wunderbar expressionistische Gedichte verfasst“), der in den USA auf Almosen von Freunden angewiesen war. Nach dem Krieg kehrte er wie so viele mit einem Koffer voller Manuskripte nach Deutschland zurück, um festzustellen, dass niemand ihn mehr kannte und an seiner Literatur interessiert war. Ehrenstein ging wieder in die USA zurück und starb dort völlig verarmt. / Im badischen Ettenheim sprach Gerd Berghofer über die von den Nazis vertriebenen Autoren, Badische Zeitung

Ehrenstein ist einer der 3 „Steine“ (neben Lichtenstein und Wolfenstein) der Menschheitsdämmerung, von dem mir Verse („Wochen, Wochen sprach ich kein Wort; / Ich lebe einsam, verdorrt.“ – „Wie bin ich vorgespannt / Dem Kohlenwagen meiner Trauer!“) seit der glühenden Erstlektüre im Gedächtnis hängen. Nach der Anthologie stieß ich auf den schon 1967 im Ostberliner Aufbau-Verlag erschienenen Auswahlband „Stimme über Barbaropa“ in deren Variante einer „Weißen Lyrikreihe“, die anders als die von Volk und Welt nicht der Weltlyrik, sondern der deutschen Lyrik des damals anhängigen Jahrhundertanfangs gewidmet war, Lasker-Schüler, Herrmann-Neiße, Heym fallen mir ein, Benn durften sie wohl nicht, der erschien erst viel später beim Konkurrenzunternehmen. 1987 bescherte mir ein amerikanisch-deutsch-deutscher Glücksfall eine Auswahl der Exilbriefe in der Reihe „Vergessene Autoren der Moderne“ – die amerikanische Germanistikstudentin Patricia Simpson schrieb nach einem Besuch in Greifswald einen Bittbrief an Karl Riha, und der ließ mir fortan die legendäre Reihe „Vergessene Autoren der Moderne“ via Uniadresse schicken (erst in den 90er Jahren konnte ich auch mal eine Rechnung bezahlen). 1996 erschien in der nun von von Marcel Beyer mitherausgegebenen Reihe eine Ehrenstein-Textcollage von Werner Herbst und Gerhard Jaschke.

In der Werkausgabe des Klaus Boer Verlages gibt es neben 2 Bänden Lyrik auch 2 mit Übersetzungen chinesischer Literatur, je einer für Lyrik und Prosa. 500 Seiten übersetzte Lyrik aus China aus dem antiken Schi-King und von klassischen Dichtern wie Li Bai (Li Tai-Po), Tu Fu oder Po-Chü-i. 1933 befand sich der Band „Das gelbe Lied“ im Druck, als die Nationalsozialisten an die Macht gehievt wurden. Nur 17 Exemplare konnten gedruckt werden, dann wurde der Druck gestoppt und das Buch mit den deutschen Fassungen der chinesischen Klassiker verboten. Nach 1945 suchte Ehrenstein einen deutschen Verlag dafür, aber keiner war interessiert. Jörg Drews gelang es 1969/70, einen Zyklus von 15 bis dahin nicht veröffentlichten Nachdichtungen im Jerusalemer Nachlaß zu finden, wohin zahlreiche deutsche Manuskripte und Autoren quasi ausgelagert wurden mangels Bedarf, wenn man es so sagen darf. Drews veröffentlichte die 1970 und 1984 in der Friedenauer Presse: „Ich bin der unnütze Dichter, verloren in kranker Welt. Nachdichtungen aus dem Chinesischen von Albert Ehrenstein“. Die Titelzeile stammt von Tu Fu (Du Fu), das Gedicht „Ich“ schreibt sich beim Wiederlesen in meine Anthologie.

Du Fu

Ich

Ich bin der Stromer zwischen den großen Strömen,  
Ich bin der Irrwanderer der Sehnsucht,
Ich bin der unnütze Dichter, einsam, verloren in kranker Welt,
Ich bin ferne der Heimat die einzige Wolke am blauen Himmel,
Ich bin allein der Mond die lange Nacht,
Ich bin der Fremde, der zu sterben heim will,
Ich bin ein Greis, aber ich gehe wie die Sonne unter,
Ich bin der Jahrhundertbaum, angefallen vom Endsturm, mein Herz ist wilder als Herbst,
Ich bin das alte Pferd, seit ältesten Zeiten rührten euch alte Pferde,
Sie habt ihr weiter gefüttert – nicht mich.

Ich bin der unnütze Dichter, verloren in kranker Welt. Nachdichtungen aus dem Chinesischen von Albert Ehrenstein. Berlin: Friedenauer Presse 1984, 2. Aufl., S. 13.

In der Werkausgabe, Band 3/1 u.d.T.: Wär ich ein altes Pferd. Albert Ehrenstein: Werke. Band 3/1. Chinesische Dichtungen. Lyrik. Boer 1995, S. 456.

Textvarianten:

V. 2: Irrwanderer vor
V. 3: in wilder Welt,
V. 4: Heimat,
V. 6 steht als V. 3 in der Fassung: Ich bin der Fremde, der endlich heim will,
V. 8: härter als Herbst,
V. 10 länger und auf 2 bzw. wegen Zeilenumbruchs 3 Verse verteilt: Ich bin das alte Pferd! Ein altes Lied: dies sei das sechste Lied, oh/ wieherte ich müd – / Seit den ältesten Zeiten rührten euch Herren der Erde alte Pferde,
V. 11: gefüttert: nicht mich!

Verblüffend, wie die chinesischen Verse im Ton Ehrensteins eigenen Gedichten gleichen, ob Menschheitsdämmerung, ob Exil.

108. Lichtenburg

„Lichtenburg, dein Name lügt. Deine turmbewehrten Flanken scheuchen Lichtgedanken … Lichtenburg! Solang ich lebe, denk ich an deine Gitterstäbe.“ So heißt es in dem Gedicht „Lichtenburg“. Geschrieben hat es Hermann Müller, der von den Nationalsozialisten 1933 als einer der ersten in das Prettiner KZ gesteckt wurde.  / DETLEF MAYER, Mitteldeutsche Zeitung 27.1.

107. Weisses Sanskrit

Eine grazile Brücke zwischen Natur und Transzendenz spannt auch Ron Winkler, Herausgeber dieses Bandes, in seinem eigenen Beitrag. In der ersten Zeile sieht er den Schnee als «kalte fraktale Grammatik», am Ende wird er zum «schleichenden Konstruktivismus eines weissen Sanskrits auf den Dingen». Die sorgfältige Auswahl aus Werken von anerkannten Lyrikern wird ergänzt von der noch wenig bekannten, aber beeindruckenden Birgit Kreipe und ihrem Schlussgedicht «Schneekönigin». / Astrid Kaminski, Tages-Anzeiger 27.1.

106. „Lebend schon“

Schwieriges Deutschland. Deutschland Today schreibt über die deutsche Dichterin Else Lasker-Schüler:

Schon zu Lebzeiten publizierte sie in verschiedenen Zeitschriften und illustrierten Bänden.

Deutschland yesterday war da weniger nachlässig. Ihr Gedichtband „Mein blaues Klavier“ erschien 1943 in Jerusalem.

Mein blaues Klavier

 

Ich habe zu Hause ein blaues Klavier
Und kenne doch keine Note.

Es steht im Dunkel der Kellertür,
Seitdem die Welt verrohte.

Es spielten Sternenhände vier
– Die Mondfrau sang im Boote –
Nun tanzen die Ratten im Geklirr. 

Zerbrochen ist die Klaviatür…
Ich beweine die blaue Tote.

Ach liebe Engel öffnet mir
– Ich aß vom bitteren Brote –
Mir lebend schon die Himmelstür –
Auch wider dem Verbote.

105. Burns-Party in Schweinfurt

Robert Burns wird in Schottland fast kultisch verehrt. So weit ist es in Schweinfurt noch nicht. Man kennt den „Schiller“ Schottlands aber schon recht gut, was wiederum mit der heuer 50 Jahre alten Partnerschaft mit der schottischen Stadt Motherwell zu tun hat. Zur Wiederbelebung der etwas eingeschlafenen Liaison gründeten sich 1999 und 2000 in beiden Ländern Partnerschaftsvereine. Die Schweinfurter Schotten feiern seitdem auch den Geburtstag von Burns am 25. Januar.  / Mainpost

104. Ansage

„Und auch Lyrik werde es immer geben, sagt Hückstädt, `das ist nicht verhandelbar´“.

Hauke Hückstädt (Literaturhaus Frankfurt) in der FAZ v. 26.1., Seite 32

103. Annes Kastanie

Jene Kastanie, die bis zu einem Sturm im Jahr 2010 im Hinterhof der Prinzengracht in Amsterdam stand und dem jüdischen Mädchen in ihrem Versteck vor den Nazi-Schergen ein Lichtblick war. Der niederländische Dichter Jos Versteegen hat in drei Gedichten die Zwiesprache von Anne mit der Kastanie ausgedrückt, ein viertes Gedicht ist dem Sturz des Baumes gewidmet. Der Markdorfer Komponist Johannes Eckmann hat diese Gedichte vertont. / Stefanie Lorenz, Schwäbische Post 26.1.

102. BELLA immer noch

Rätselhaft, ja, mysteriös erscheinen die Gedicht-Übermalungen von Christian Hawkey, bei denen mit Tipp-Ex Sonette von Elizabeth Barrett Browning und deren Übersetzung durch Rilke bis auf wenige Worte und Wortteile unkenntlich gemacht wurden: eine subtile Verführung, mal wieder zu den „Sonetten an Orpheus“ zu greifen und sie neu zu entdecken.

Dieter M. Gräfs „Kunstausbruch, Guerillafische“ schließlich kommt als vorgelochtes Faltblatt daher, das nach dem ziegelroten, ziegelschweren Ordner „Schönfelder: Deutsche Gesetze“ schreit.

BELLA triste 30 (Sonderausgabe). 15 Euro. Mehr zu diesem Heft und Leseproben finden Sie hier.

/ Andreas Heckmann, culturmag / Am Erker

101. Ernst-Meister-Ausgabe

Die fünfbändige Textkritische und kommentierte Ausgabe der Gedichte Ernst Meisters enthält in den Bänden 1-3 sämtliche zu Lebzeiten publizierten Gedichtbände Ernst Meisters sowie verstreut publizierte Lyrik auf der Basis der Erstausgaben bzw.-drucke. Der vierte Band bietet den textkritischen Apparat mit der Darstellung ausgewählter Textstufen; ergänzt wird dieser Band durch einen elektronischen Teil, der auf der Homepage der Ernst Meister-Arbeitsstelle als Download zur Verfügung steht. Es folgt der fünfte Band mit Kommentaren zu den einzelnen Gedichten sowie Bandeinführungen.

Axel Gellhaus und Eckart Oehlenschläger werden die Ausgabe vorstellen und Möglichkeiten der Information, die sie bereithält, an Beispielen demonstrieren, darunter die Genese von Texten durch verschiedene Phasen der Niederschrift hindurch, dargestellt einmal im textkritischen Apparat, zum anderen nachzuverfolgen an den Scans der Handschrift. Beispiele für Erfolge und Grenzen der Arbeit am Kommentar bilden ein weiteres Thema. / Buchhandlung Böttger

100. Trügerische Idyllen

Zuerst eine Verwirrung: Was hat der Titel des Buches mit den Gedichten zu tun? In Synke Köhlers Lyrikdebüt »waldoffen« stehen wir nicht im Wald, sondern fast ausnahmslos an Gewässern, wie schon die Kapitelüberschriften »Strandläufer« oder »Grenze im Fluß« suggerieren. Die Autorin beschreibt uns den Horizont über dem Meer, Fische, Muscheln und Strände, lädt uns ein zu poetischen Bootstouren. Ihre Zeilen sind ganz leicht dabei, »durch die grünen Flaschen betrachtet // wirkt das Leben hier sehr grün«, und schon möchte man der Autorin ihr eigenes Gedicht vorhalten: »es bleibt kein Eindruck // nicht mal im Sand«. Doch das wäre nicht richtig. Zugegeben, auf den ersten Blick wirken die ungestörten sonnigen Nachmittage weichgezeichnet und kantenlos, und manchmal sind sie das auch. Wozu soll man da mitkommen, wenn doch nichts Besonderes wartet außer Landschaftsbeschau und die Suche nach Surfern in den Wellen? Doch bei genauer Betrachtung werden einige trügerische Idyllen sichtbar: Der Himmel ist nicht blau, sondern »gestochen blau«, Fischer gar nicht erst vorhanden, der Tang modert, und »bemängelt wird das fehlende Flimmern der Luft«. Diese Beobachtungen sind eine Einladung zu intensiver Lektüre, der Spaziergang zum »Strand mit den sandigen // Zungen« scheint interessant zu werden. Erst einmal in das feinmaschige und unprätentiöse Netz der Autorin getappt, bleiben selbst die Umkreisungen zwischenmenschlicher Beziehungen nachvollziehbar, was Köhlers schräger und zugleich sensibler Wahrnehmung zu verdanken ist: »schau dir die Verwesung an // das Meer weckt falsche Erwartungen // (…) wahrscheinlich hat das Meer uns // nie gemeint«. / Peggy Neidel, junge Welt 26.1.

Synke Köhler: waldoffen – Gedichte. Allitera Verlag, München 2011, 76 Seiten, 9,50 Euro

99. Nachwuchspreis

Der Cuxhavener Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik geht in diesem Jahr an Nora Gomringer, José F. A. Oliver aus Hausach erhält den Nachwuchspreis. Die Preise werden laut einer Pressemitteilung am 21. April bei einem Festakt im Stadttheater Cuxhaven verliehen. Die Laudatio auf Oliver wird dabei Nora Gomringer halten.

Eine Jury aus Fachleuten bestimmt den Preisträger. Nach den Vorgaben hat dieser das Recht, einen Nachwuchspreisträger zu benennen. Gomringer, die 2011 bereits Gast beim Hausacher „LeseLenz“ war, sprach sich für Oliver aus, „weil seine Texte ungläubig staunen lassen, sind sie doch uneitel dicht-gepackt mit Sprachfreude und Lebensklugheit“. / Schwarzwälder Bote

Die Preisträgerin Nora Gomringer ist Jahrgang 1980, der Nachwuchspreisträger ist 19 Jahre älter. Das ist schon mal ein Unterschied. Ein zweiter ist das Geld, der Preis bringt € 15.000, der Nachwuchspreis immerhin 5.000. Der wichtigste Unterschied allerdings ist noch nicht benannt. Nora Gomringer wurde von einer bestallten Jury ausgewählt, deren Mitglieder in den von der Stadt Cuxhaven veröffentlichten Richtlinien für die Vergabe des Preises benannt werden. Hinzu kommt ab der zweiten Vergabe der jeweilige Preisträger, das war im Jahr 2010 Wulf Kirsten. Demnach ist die Jury bis auf den Preisträgerplatz anscheinend seit mehr als 10 Jahren konstant besetzt laut Satzung*. In dieser heißt es:

§ 1

Der Joachim-Ringelnatz-Preis soll an Dichterinnen/Dichter vergeben werden, die einen bedeutenden, künstlerisch eigenständigen Beitrag zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur geliefert haben.

§ 2

Selbstvorschläge oder Bewerbungen für den Preis sind nicht zulässig.

§ 3

(1) Die/Der Preisträgerin/Preisträger wird mehrheitlich durch ein fünfköpfiges Preisfindungskomitee bestimmt, das in Cuxhaven zusammentritt und dabei über die Vergabe entscheidet.

(2) Das Preisfindungskomitee setzt sich aus vier berufenen Mitgliedern, der/dem jeweiligen Preisträgerin/Preisträger und einer/einem nicht stimmberechtigten Vorsitzenden zusammen.

(3) Als Mitglieder des Preisfindungskomitees werden berufen: Prof. Heinz Ludwig Arnold (Verleger und Publizist, Göttingen); Prof. Dr. Sabine Doering (Literaturwissenschaftlerin an der Universität Oldenburg); Professor Dr. Hermann Korte (Literaturwissenschaftler); Winfried Stephan (Direktor und Vertreter des Verlegers bei Diogenes, Zürich). Den Vorsitz und das Amt des Sprechers übernimmt Professor Dr. Frank Möbus.

Die vierköpfige Festjury plus variablem fünftem Mitglied haben seit 2002 diese Autoren ausgezeichnet:

1. 2002 Peter Rühmkorf (Nachwuchspreis: Alexander Nitzberg)

2. 2004 Robert Gernhardt (Nachwuchspreis: Thomas Gsella)

3. 2006 Wolf Biermann (Nachwuchspreis: André Schinkel)

4. 2008 Barbara Köhler (ein Nachwuchspreis wurde nicht vergeben)

5. 2010 Wulf Kirsten (Nachwuchspreis: Christian Rosenau)

Alter von Preisträger und Nachwuchspreisträger zum Zeitpunkt der Preisverleihung (grob nach Geburtsjahr ohne Berücksichtigung des Datums gerechnet):

  • 2002: 73 / 33
  • 2004: 67 / 46
  • 2006: 70 / 34
  • 2008: 49 / –
  • 2010:  76 / 30
  • 2012:  32 / 51

Dieser Jahrgang hat also mit Abstand die jüngste Preisträgerin und den ältesten Nachwuchspreisträger. Wer Genaueres über die aktuelle Zusammensetzung der Jury weiß, kann sich ja melden. Transparenz heißt Glasnost.

Der typische Ringelnatzpreisträger ist männlich und um die 70. In zwei Ausreißerjahren kamen Frauen an die Reihe, die durchweg jünger bis viel jünger waren, 30, 40 Jahre jünger. Wenn ich das mit Paragraph 1 der Richtlinien zusammensehe, wurde vor 70, 80 Jahren eine starke Generation geboren, die bis heute Maßstäbe für die „Gegenwartslyrik“ setzt. Abgesehen von ein paar Frauen (eine Frauen- oder Jugendquote wollen wir nicht unterstellen). Vielleicht hat die Festjury ja auch die Schieflage bemerkt und zweimal korrigierend eingegriffen. Oder die variablen Juroren, Biermann und Kirsten („die aus dem Osten“) haben sich stark gemacht?

Wie auch immer: ich halte alle Preisträger für ehrenwert, aber die Jury insgesamt für eher mangelhaft unterrichtet über „Gegenwartslyrik“.  (Natürlich kann und muß Cuxhaven gar nicht ausgleichen, was die Republik nicht auf die Reihe kriegt).

Was diesen Jahrgang betrifft, sehe ich bei allem Respekt vor der Preisträgerin eine ganze Reihe jüngerer und auch älterer Lyrikerinnen und Lyriker, deren Beitrag zur Gegenwartslyrik deutlicher sichtbar ist. Und ich ziehe den Hut vor der Preisträgerin, die mit ihrer Wahl für den „Nachwuchspreis“ nicht zuletzt auf eine Schieflage des Preisbetriebs in Cuxhaven und um Cuxhaven herum aufmerksam macht. Und gratuliere beiden zu Ehre und Kohle, sowieso.