Zu seinem 65. Geburtstag bringt Konstantin Wecker einen Band mit seinen gesammelten Gedichten heraus. «Jeder Augenblick ist ewig» heißt das Buch. Es könnte auch der programmatische Titel seines intensiven und alles andere als langweiligen Lebens sein.
Und der Gedichtband ist noch etwas anderes: ein Statement. «Ich glaube, von meinem ganzen Wesen her bin ich Lyriker. Alles dreht sich um das lyrische Ich», sagt Wecker im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. Auch seine Lieder seien immer Lyrik gewesen. «Ich bin ja angetreten mit dem Wunsch, meine Gedichte zu vertonen und sie so besser an den Mann zu bringen als nur gesprochen.»
Den Weg zum Liedermacher fand er nicht – wie viele seiner Kollegen – über den amerikanischen Folk oder die französischen Chansons, sondern über die italienische Oper. Seine große Liebe zu Puccini ist bekannt. / Die Welt
Sie sind gekommen, um gegen die Beschneidung von Grundrechten zu protestieren. Sie halten das Grundgesetz in den Frankfurter Himmel, weil es ihrer Meinung nach mit Füßen getreten wird. Rund 500 Demonstranten haben sich am Donnerstag sich auf dem Platz vor der Frankfurter Paulskirche versammelt.
Unter ihnen auch der Liedermacher Konstantin Wecker. Im Rahmen der Blockupy-Protesttage wollte er eigentlich ein Konzert geben, doch auch diese Veranstaltung wurde verboten. Wecker ist empört: „Singen war nicht mal in der DDR verboten.“ / zdf.de
Mehr: Spiegel-Interview / Südwestpresse / Konstantin Wecker wünscht sich mehr Aufbegehren / KONSTANTIN WECKER IN GRIECHENLAND
Jeder Augenblick ist ewig: Die Gedichte von Konstantin Wecker von Deutscher Taschenbuch Verlag (Taschenbuch – 1. Juni 2012) EUR 9,90
Dank des Kurznachrichtendienstes Twitter ist der Aphorismus in Form des Mikroblogging eine auflebende Form. Bestand die Modernität des Aphorismus bisher in seiner Operativität, so entspricht diese literarische Form im Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit der Denkgenauigkeit der Spätmoderne. Es ist sozusagen Twitteratur.
Holger Benkels »Gedanken, die um Ecken biegen« gehen jedoch weiter als der geschriebene Text; sie sind kein Ende, sondern ein Anfang. Sie versuchen, diesen kleinen Rest an Sprache etwas aufzuhellen, und wagen es seine Ränder verstehbar zu machen. Benkels Aphorismen folgen keinem linearen und systemischen Denken, sie entfalten sich vielmehr assoziativ und labyrinthisch.
Als gelernter Lyriker schreibt Benkel gleichsam in Zirkelbewegungen, auf die Momente zu, da etwas aufgeht. / Matthias Hagedorn, KuNo
Kabarettforum Salzburger Stier 2012
Der Deutsche Preisträger: Fritz Eckenga, „Ein Wort liebt das andere“, Gestaltung: Doris Glaser
Fritz Eckenga ist ein wahrer Liebhaber der deutschen Sprache. Seine Spezialität sind absurd-komische Alltagsgeschichten, die er mitunter auch zu Lyrik verarbeitet.
Legendär ist Fritz Eckenga, Jahrgang 1955, eigentlich schon seit den 1970er Jahren. …
Der Dortmunder gilt als Meister des wohlklingenden Paarreims, den er gerne benutzt, um überraschend neue Zusammenhänge herzustellen. Er beherrscht virtuos die geschliffenen Wendungen der Regionalsprache. Seine Lebensklugheit erinnert an die Erich Kästners. Von vielen wird er als der einzige legitime Nachfolger Robert Gernhardts gehandelt. In Saarbrücken wurde er mit dem Salzburger Stier 2012 für Deutschland ausgezeichnet. / ORF
Reporter ohne Grenzen verlangt von den iranischen Behörden unverzüglich Auskunft über das Schicksal von zwei jungen Autoren, von denen man seit ihrer Ankunft in Täbris am 2. Mai nichts mehr gehört hat. Nach Aussage von Rashad Majid, Chefredakteur der Zeitung 525, „wurden Farid Huseyn und Shahriyar Hajizade von acht Männern in Zivil festgenommen, als ihr Bus in der Stadt ankam“.
Die Organisation hält es für unstrittig, daß die beiden auf die Liste von Journalisten gehören, die in den diplomatischen Spannungen zwischen Iran und Aserbaidschan zur Geisel wurden.
Der junge Dichter Farid Huseyn arbeitet für die aserbaischanischen Zeitungen Kaspiy und 525. Shahriyar Hajizade ist ebenfalls Dichter und Journalist.
Die beiden wurden von Bahran Surgun nach Teheran eingeladen, um eine iranische Ausgabe von Schriften Farid Huseyns zu präsentieren. Auf der Rückreise wurden sie verhaftet.
Zwischen den Nachbarländern gibt es wachsende Spannungen wegen territorialer Ansprüche und unterschiedlicher geostrategischer Interessen im Zusammenhang mit dem Verlauf von Öl- und Gasleitungen. Teheran klagt Baku an, daß es die beträchtliche Aseriminderheit in Nordiran manipuliere, während Baku proiranische religiöse Kreise in Aserbaidshan beschuldigt, mit Teheran zusammenzuarbeiten.
Iran hält weiterhin den aserbaidschanischen Journalisten Said Matinpour gefangen und Aserbaidschan den Herausgeber der Website Islamazeri.az, Ramin Bayramov, und Anar Bayramli, der für iranische Medien arbeitet. Mehr
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Hier stand ein Text von NN, den er eine halbe Stunde später zurückrief:
„müssen wir leider zurücknehmen, gut, dass das im onlinegeschäft möglich ist.
Im weiteren Fortgang
Literatur: Grass will Gedicht zu Griechenland nicht kommentieren
FOCUS Online – 26.5. 12:30
Literaturnobelpreisträger Günter Grass will sein neues Gedicht zu Europas Griechenland-Politik nicht weiter kommentieren. „Er möchte es nicht ergänzen“, sagte seine Sprecherin Hilke Osohling am Samstag der Nachrichtenagentur dpa.
Grass liest Gedicht „Europas Schande“
Autor/in: Grass, Günter | Sendedatum: 26.05.2012 13:40 Uhr NDR
Kommentar: „Grass lässt sich das Maul nicht verbieten“
26.05.2012 | 14:40 Uhr
Das Gedicht „Europas Schande“ stellt eine „aufregende künstlerische Intervention dar“, findet Stephan Lohr.
Audiobeitrag starten (02:28 min)
Günter Grass lässt Griechenland-Gedicht unkommentiert
Hamburger Abendblatt – 26.5. 16:30
Ruhe zu Pfingsten: Schriftsteller Günter Grass will zu seinem neuen politischen Gedicht nichts sagen. Auch Politiker hüllen sich in Schweigen. Lübeck/Berlin. Literaturnobelpreisträger Günter Grass (84) will sein neues Gedicht zu Europas …
„Europas Schande“: Grass will Griechenland-Gedicht nicht kommentieren
FOCUS Online – 26.5. 15:30
Das Gedicht von Günter Grass zu Europas Griechenland-Politik erhitzt die Gemüter sehr viel weniger als seine Verse zu Israel. Grass selbst will sich nach der Veröffentlichung von „Europas Schande“ auch nicht weiter dazu äußern.
Grass will zu Griechenland-Gedicht nichts sagen
Welt Online – 26.5. 15:30
Berlin/Lübeck (dapd). Der Schriftsteller Günter Grass will sich zu seinem neuen Gedicht über die Griechenland-Politik der EU nicht weiter äußern. Nach seiner Ansicht sei in dem Text alles zusammengefasst, was er dazu zu sagen habe, erklärte seine Sprecherin Hilke Ohsoling am Samstag auf dapd-Anfrage. Aus den Reihen der CDU musste sich der Literaturnobelpreisträger unterdessen harsche Kritik anhören.
Noch’n Gedicht Wo wäre Günter Grass ohne Griechenland?
FAZ – Frankfurter Allgemeine Zeitung – 26.5. 20:30
26.05.2012 · Ein paar Schlagwörter zu Griechenland, der Antike und Europa, verschrobene Sätze, unsinnige Genitivkonstruktionen – das Satiremagazin „Titanic“ hätte die Persiflage eines Grass-Gedichts auch nicht besser hinbekommen.
Mehr bei Google
Mein Freund ist der Michael Krüger. … Er hat sich bitter beklagt, dass ihr seine Bücher ins Netz stellt!
[Pause für eine Internetrecherche]
Nee, ich find ihn nicht. Da ist nichts von ihm im Netz, ganz bestimmt nicht! Der kann also wieder ruhig schlafen, dein Freund! Wir stellen ja auch nur rein, wo das Interesse da ist. Gedichte, nun ja … Er muss seine Sachen selbst posten, sonst wird das nichts mit der Copyrightverletzung. Wir nennen die Leute ‚Selbstlader‘. Da gibt’s durchaus ein paar, die das machen!
(…)
Sag mal, dein Freund, der Lyriker, hat der wirklich den Kopf ins Gras gelegt und bitterlich geweint? Oder ist das nur Lyrikerkitsch?
Da war im Biergarten, ja! Für solche Aktionen ist der immer wieder mal gut. Außerdem ist er nur eine Kneipenbekanntschaft, kein Freund! / Mehr
In dem gleichen FAZ-Artikel versuchte Krüger seinem griechischen Freund „unsere Debatte um Urheberrechte zu erklären, die ich selbst kaum verstehe“. So seine Erklärung:
Hier wird, sagte ich schüchtern, gerade über das Verschwinden des Autors im Netz diskutiert. Eine kleine politische Gruppe, die sich Piraten nennt, hat der Gesellschaft eine Diskussion aufgezwungen, an der sich alle beteiligen müssen. Was im Netz steht, soll allen gehören, der Begriff „geistiges Eigentum“ wird abgeschafft, er sei „ekelhaft“. …
Und wer sind die Schurken? Die Schurken sind Verlage, die Bücher drucken, und Autoren, die sich einbilden, dafür ein Honorar verlangen zu dürfen. Wieder ein langes Schweigen.
Er: Also wirst du in Zukunft die von dir verlegten Bücher nicht mehr ins Netz stellen? Ich: Das geht leider nicht, weil wir und die Autoren auf das Geld für elektronische Bücher angewiesen sind. Und wenn wir die Bücher nicht ins Netz stellen, werden sie von Piraten ins Netz gestellt. Das Telefonat wurde langsam ungemütlich, auch weil ich mich zunehmend schämte, einem armen griechischen Schlucker die neuen Spielregeln des Netzes erklären zu müssen.
… Was sagen eigentlich die deutschen Buchhändler dazu?, kam es aus Athen. Ach, rief ich, die sind verzweifelt! Je mehr Menschen sich Texte herunterladen, desto heikler werden die Überlebenschancen für die Buchhandlungen. Manche behelfen sich schon mit Non-Book-Angeboten. Non-Book-Angebote?, kam es durch den Äther. Ja, Kerzenständer, Vasen, Geschenkartikel.
Erschrocken (oder vielmehr hoffnungsfroh) ging ich zur Homepage des Verlags. Vielleicht könnte ich einen Gedichtband des Verlegers runterladen, um meine kleine Krügersammlung aufzustocken. Es gibt nur einen, von 1982, Respekt, immer noch lieferbar, Klick auf „Inhalt“ bringt nichts, aber auf „Warenkorb“ kann man klicken. Runterladen geht gar nicht. Worüber redest du eigentlich, Väterchen?
Gut, suchen wir nach Neuerscheinungen. Derek Walcott, Weiße Reiher, erschienen Februar 2012, will ich haben, aber wo? Lizenz erwerben wär möglich, aber wieso, braucht man jetzt eine Lizenz zum Gedichtelesen? Warenkorb geht auch hier, ich probiers, aber das mach ich nicht, dann geht es über DHL vom Verlag, und die deutschen Buchhändler gehn leer aus. Nein, das will ich nicht.
Haben die nichts zum Runterladen? Nicht maln kleinen Kerzenständer, gar nix?
Aber eBooks wird es doch geben? Ja, gibt es. 20 von 179 werden angezeigt:
Interessiert mich zwar nicht, aber mal sehn. Klickt man darauf, kommt:
Fester Einband, 208 Seiten
Preis: 12.90
Wie, fester Einband? Nein, das ist garkein eBook, jetzt muß ich noch mal „ebook“ klicken, da kann mans bei Libri oder Thalia herunterladen? nein, auch nicht, erst mal ordern. Es ist sogar billiger als gedruckt, 9,99 €, aber wieviele Seiten hat es denn? Das steht nicht dabei, da muß ich Herrn Krüger noch mal fragen. Herr Krüger, wieviel Seiten hat denn das ebook von Twitteratur? Nicht daß das ne Mogelpackung ist mit dem Billigpreis!
Ach was, ich muß mich mit einem Zitat aus der Scheiße retten. Da ist es. Volker Braun hilft. Volker Braun, was sagen Sie zur Debatte?
Na also, ist das nicht dummes Geschwätz?
Jaja, beeile ich mich, aber … aber er ist gar nicht zu bremsen:
Und das wird gequasselt unterm stupiden Beifall des Auditoriums und sogleich mehrfach wiedergekaut. So schnell geht die Eskalation des Blödsinns.
(Volker Braun: Es genügt nicht die einfache Wahrheit. Notate. Leipzig: Reclam 1975, S. 65)
Und ich denke da, das waren noch Zeiten, als die Schriftsteller klare Worte fanden. Heute unterzeichnen sie zu zehntausend eine Petition, schon mal vorsorglich, bevor die Piraten die Macht übernehmen und ihnen ihre Villen im Tessin wegnehmen.
Nun haben sich die vereinten Europäer nie sonderlich für die griechische Kultur der Moderne interessiert. Die bedeutenden Dichter – Kavafis, Seferis, Elytis und Ritsos – gibt es in Übersetzungen, aber sie sind bereits Klassiker. Ihre Werke sind in der Diaspora oder im Exil entstanden, im Falle von Ritsos in griechischen Gefängnissen. Der einzige Romancier, der viel übersetzt wurde, hat in Genf gelebt: Nikos Kazantzakis. Er wird von den Touristen geschätzt, die in Griechenland Urlaub machen und am Strand einmal nicht amerikanische Schmöker verschlingen wollen. / Michael Krüger, FAZ 8.5.
Während der Revolution in Nicaragua gehörte Gioconda Belli einer geheimen Frauengruppe an. Jetzt beschreibt die Schriftstellerin, was aus dem Land geworden wäre, wenn sie die Wahl gewonnen hätten. …
Gerade hat sie mit der von ihr und einer Gruppe Freundinnen gegründeten „Partei der Erotischen Linken“ (PIE) die Wahl gewonnen und ist Präsidentin des Fantasie-Staates Faguas geworden – der „Republik der Frauen“, wie Belli ihren Roman genannt hat. Die PIE besteht nur aus Frauen und will das Land mit rein-weiblichen Methoden auf Vordermann bringen: „Ich habe eine Partei im Kopf, die sich vornimmt, dem Land das zu geben, was eine Mutter ihrem Kind gibt, es in Ordnung hält, wie eine Frau ihr Haus in Ordnung hält“, erklärt Sansón. …
PIE-Mitglieder tragen gerne T-Shirts mit ihrem Vers „Ich segne mein Geschlecht„. Und dass trotz aller Fiktion auch Ernst hinter der „Republik der Frauen“ steckt, erklärt Belli: „Die Ideen in meinem Roman sind einfach gesunder Menschenverstand. Ich bin erstaunt, dass wir Frauen sie noch nicht in die Tat umgesetzt haben.“ / Die Welt
Die Republik der Frauen (übers. v. Lutz Kliche). Droemer, München 2012, ISBN 978-3-426-19915-2.
Die Gedichte aus „Berliner Fenster“ bleiben Guerillalyrik, poetische Street Art. Ein hässlicher Fleck, der sich als Spiegel entpuppt. Sie würden sich exzellent auf Hausfassaden machen. Nicht an denen der sogenannten Problembezirke, nicht in Neukölln. Sie würden sich perfekt einpassen auf der Friedrichstraße, der Kö, dem Jungfernstieg, der Maximilianstraße. Mit Laufpublikum, das herausgefordert wird. Nicht von ungefähr beendet Bresemann seine Erklärungen mit den Worten: „Willkommen in der Mündigkeit.“ / KRISTOFFER CORNILS, taz 26.5.
Tom Bresemann: „Berliner Fenster“. Berlin Verlag, Berlin 2011, 80 Seiten, 16 Euro
Verhinderte ihr Ruf als Ikone des Feminismus den klaren Blick auf ihre Poesie? Endlich erscheint, fast 100 Jahre nach der Erstveröffentlichung, ihre Hommage an das Meer in deutscher Übersetzung. Sie ist vorzüglich gelungen. Da wird die ungewöhnliche „SeaRose“ eben nicht zur profanen „Strandrose“, nichts Blumig-Süßliches haben die „See-Lilien“, oder „MeeresVeilchen“. Wenn der Leser die Klippen gängiger Theorien über die Verbindung von Hellenismus und Modernismus im Imagismus umschifft hat, bewegt er sich in einer Strömung mit Meerestieren, Pflanzen, Bäumen und von den Gezeiten geschliffenen Dingen. / Dorothea von Törne, Die Welt 26.5.
H.D.: Meeresgarten. A. d. Englischen v. Annette Kühn. Luxbooks, Wiesbaden. 132 S., 19,80 Euro.
Gedichte können durchaus süffig sein, deshalb müßte man das Jahr 2012 mit einem önologischen Vergleich wohl einen „gute Lyrikjahrgang“ nennen. Ohne Anspruch auf Repräsentativität seien an dieser Stelle vollkommen subjektiv Norbert Lange („Das Schiefe, das Harte und das Gemalene“), Marie T. Martin („Wisperzimmer“), Klaus Demus („Kosmos“), Ulrich Koch, Ludwig Steinherr und natürlich Thilo Krause genannt, deren Bände bereits erschienen sind oder demnächst noch erscheinen. Unbedingt gehört auch Jürgen Nendza in diese Reihe, dessen wunderbar komprimierte Sammlung „Apfel und Amsel“ jüngst im Verlag des Poetenladens veröffentlicht worden ist.
Apfel & Amsel, an dieser Alliteration ist nichts aufdringlich, sie gehört in den Alltag, zum eigenen Garten womöglich, und aus genau dieser vermeintlichen, allein vom Titel herausbeschworenen Bekanntheit entwickelt Jürgen Nendza eine neue und intensivere Art des Sehens, in der die Barrieren von Landschaft und Selbst allmählich füreinander durchlässig werden. Dabei zitiert jene Alliteration, nicht zufällig auf den ersten Buchstaben des Alphabets, gleichsam die traditionellen Bilder für Erkenntnis und Freiheit; und ein solches morgendliches Aufbruchserlebnis, das in dauernder Suchbewegung zwischen dem Subjekt und den Objekten oszilliert, versetzt die Gedichte in Schwingung, ins Schweben, ins pendelnde Annähern und Wieder-Abrücken. Ist das Ungenügen der Worte zu groß, bleibt die Versicherung des Sichtbaren, Greifbaren dahinter, „dieses Tasten / nach der Hand, wenn die Sätze sich verlaufen“. / Jürgen Brôcan, fixpoetry
Jürgen Nendza: Apfel und Amsel. Poetenladen, Leipzig 2012. 72 S., 16.80 Euro ISBN 978-3-940691-36-1
Es heißt „Ein Wunder“ und geht so: „Soeben noch schlaff und abgenutzt / Nach soviel Jahren Gebrauch, / Steht Er / – Was Wunder! / Er steht -, / Will von dir, mir und dir bestaunt sein, / Verlästert und nützlich zugleich.“
Das Publikum ist gespalten. Marcel Reich-Ranicki feiert den Lyriker – und besonders den erotischen – auf einer ganzen FAZ-Seite:
Es sind Verse voll Glück, voll Leid und Mitleid, doch ohne Selbstmitleid, voll Zucht und auch Nachdenklichkeit. Sie machen spürbar und erkennbar: den Rausch und die Abgeklärtheit, die Seligkeit und, zwischen den Zeilen, die Abschiedsstimmung.
Ina Hartwig spricht in der FR von „Mut zur Blamage“:
Derlei zwiespältige Gelegenheitsverse wären vielleicht im Nachlass vornehmer verwahrt, doch ein G. G. scheint nicht der richtige Mann fürs Aufbewahren, fürs Liegenlassen zu sein.
Elke Heidenreich findet das eklig und Wiglaf Droste (taz) lästert:
salatenes Gestammel, das Grass in doppeltem Irrtum für lyrisch und für erotisch hält.
Über die Reaktion der deutschen und griechischen Regierung ist noch nichts bekannt.
Die in Berlin und São Paulo lebende Dichterin Sabine Scho wird mit dem diesjährigen Anke Bennholdt-Thomsen-Lyrikpreis geehrt. Die mit 10000 Euro dotierte Auszeichnung wird am 23. November in Weimar zum zweiten Mal vergeben, teilte die Deutsche Schillerstiftung mit. Die Jury lobte Verfahrensweisen und Themen der Autorin als einzigartig in der gegenwärtigen deutschsprachigen Lyrik. Scho trage in ihren Gedichten Worte aus allen Bereichen und Sprachen zusammen und erreiche dadurch eindrucksvolle Wortneuschöpfungen. / Süddeutsche Zeitung
Die im Juni 2008 errichtete Anke Bennholdt-Thomsen-Stiftung ist eine unselbständige Stiftung des bürgerlichen Rechts in Trägerschaft und Verwaltung der Deutschen Schillerstiftung von 1859. Sie fördert deutschsprachige Lyrikerinnen, die durch ihre künstlerische Leistung hervorgetreten sind. Der Anke Bennholdt-Thomsen-Lyrikpreis wird alle zwei Jahre vergeben. Die Stiftung wurde errichtet durch Herrn Dr. Alfredo Guzzoni, der 1931 in Mailand geboren wurde und als Privatgelehrter in Berlin lebt.
Erste Preisträgerin war 2010 Dorothea Grünzweig.
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