Im Kongo-Brazzaville ist das Durchschnittseinkommen sieben Mal so hoch wie in der Demokratischen Republik Kongo (Zaire) nebenan. Die ehemals französische Kolonie heute ein Vorzeigeland? Auf der internationalen Skala der Gewalt hält sie den Platz vor Somalia. Gewalt – in den Familien, auf den Straßen, in den Lagern während des Kommunistenregimes bis 1990 – ist tragendes Thema in Dieudonné Niangounas großem Gedicht „Le Socle des Vertiges“ (Fundament des Taumels).
Niangouna, Gast auf vielen Festivals, inszenierte in Brazzaville Tschechow, Brecht und eigene kritische Texte. Französisch-klassisch gebildet, und, wie sein Bruder Criss, auch Schauspieler, geht er 2013 als Artist-in-Residence nach Avignon.
Im jüngsten seiner Tourneestücke tobt die junge Generation animalisch starktönend – und dabei kunstbewusst wie in Allen Ginsbergs Beat-Generation-Klassiker „Geheul“. / Hans Haider, Wiener Zeitung
Für seinen melodiös-expressiven Debüt-Lyrikband „ausrücken mit modellen“, erschienen 2011 bei kookbooks, wurde dem 1974 in Berlin geborenen Autor der Heidelberger Clemens-Brentano-Preis für Literatur verliehen. Der von Oberbürgermeister Dr. Eckart Würzner überreichte und mit 10 000 Euro dotierte Preis wird seit 1993 im Wechsel in den Sparten Erzählung, Essay, Roman und Lyrik an deutschsprachige Autoren vergeben, die bereits mit ihrem Erstlingswerk im Literaturbetrieb Aufsehen erregen konnten. In der Jury sitzen neben professionellen Literaturkritikern auch Studierende des Germanistischen Seminars Heidelberg – ein einzigartiges Konzept in ganz Deutschland.
Laudator Christian Döring, Verleger, Lektor und seit 2011 Herausgeber der von Hans Magnus Enzensberger ins Leben gerufenen Buchreihe „Die Andere Bibliothek“, sprach von „Küstenlandschaften“, die sich durch Gumz Werk zögen, „ankunftslose Aufbrüche“, ein „neuer Raum, das Imaginäre, besser, das Andere.“ Dabei weise kaum ein Erstlingswerk bereits so weit über seinen Anfang hinaus, so Döring.
Wenn man schon nicht die Formel bemühen will, mit Döring und Gumz stünden sich Vertreter zweier unterschiedlicher Generationen gegenüber, so war es doch bemerkenswert, in welch unterschiedliche Sprache die beiden ihre Ausführungen kleideten. Gumz selbst, immer wieder Brentano zitierend, wirkte sachlich, nüchtern und fast ein wenig formell in seiner Dankesrede. Wie auch in seinen Gedichten stellte er lyrischer Überhöhung immer wieder unverblümte Alltagssprache gegenüber. Auch vor Anglizismen macht er dabei keinen Halt. „You name it“, „keywords“, hier ist Gumz ganz Kind seiner Zeit. / Jan Knobloch, Rhein-Neckar-Zeitung
Der Styria Premium Verlag hatte die Idee zu einer neuen Buchreihe: Österreichische Künstler/innen aus allen Bereichen – von der Philosophie bis zur Musik, von der Literatur bis zur Bühne – stellen ihre 25 Lieblingsgedichte vor. Ö1 sendet die Gedichte im Rahmen der Reihe „Du holde Kunst“ ab Juni einmal im Monat.
Friederike Mayröcker
Ernst Jandl:
das hundelvieh
Ernst Jandl:
der bernhardiner
Ernst Jandl:
der goldfisch
Ernst Jandl:
2 erscheinungen
Ernst Jandl:
in der küche ist es kalt
Thomas Kling:
ethnomühle
Friedrich Hölderlin:
Hälfte des Lebens
Friedrich Hölderlin:
Wenn aus dem Himmel …
Inger Christensen:
alphabet
Marcel Beyer :
Wespe, komm
Ilse Aichinger:
Briefwechsel
Norbert Hummelt:
aus der Kindheit
Bertolt Brecht:
Morgens und abends zu lesen
Heinrich Heine:
Loreley
Johann Wolfgang von Goethe:
Warum gabst du uns die tiefen Blicke
Gottfried Benn:
Teils-teils
Marcell Feldberg:
o. T.
Bernadette Haller:
Haiku
crauss
russischer zopf
H. C. Artmann:
mein herz
Oskar Pastior :
Francesco Petrarca Nr. 1
Oswald Egger:
Apfelspalten / Handteller, Regen
Oswald Egger:
nihilum album
Mikael Vogel:
Schizoide Gedichte für eine alte schizoide Liebe
Mikael Vogel:
Das wirre Atelier der Verlassenheit …
Johann Georg Lughofer, Dozent an der Germanistikabteilung der Universität Ljubljana, fungiert als Herausgeber eines Bandes zu Ernst Jandl im Praesens Verlag. Heide Kunzelmann meint:
Mit Lughofers Reihe soll nun auch der slowenischen und, in Ansätzen, auch der kroatischen Germanistik ein Forum geboten werden, in dem jedes Jahr das Werk eines/r Lyrikers/in in kurzen Beiträgen kommentiert, interpretiert und didaktisiert werden … Die substanzielle Unterstützung durch das österreichische Kulturforum bedeutet in diesem Kontext wohl, dass es sich in Zukunft weitgehend um LyrikerInnen österreichischer Provenienz handeln wird …
Lughofer begründet die Wahl Ernst Jandls … mit der Tatsache, dass sein Werk geradezu nach sprach-, literatur- und kulturwissenschaftlichen Interpretationen verlange. Und nicht zuletzt damit, dass Jandl als Lehrer immer „an didaktischen und pädagogischen Fragen interessiert“ gewesen sei
… Der Band beinhaltet elf Beiträge, wovon der letzte eine höchst gelungene paratextuelle Antwort des Sprachinstallateurs Martin Köhle auf ein frühes Gedicht Jandls („Da kommen sie gelaufen“, 1952 in H. C. Artmanns kurzlebiger Zeitschrift „publikationen“ erschienen) ist.
Hammerschmids Aufgabe ist es, einleitend Jandls Stellenwert in der deutschsprachigen Literatur nach 1945 zu skizzieren. Mit großem Kenntnisreichtum kommt der Autor der Aufgabe nach, deponiert jedoch deutlich, dass er Jandl für eine Art avantgardistischen Renaissance-Menschen hält, der sich an der Peripherie der tendenziell so vielfältigen wie verwirrenden Nachkriegsliteratur zum Synthetisierer aller heterogenen Strömungen der Zeit in- und außerhalb Österreichs geriert, ohne in die Grabengefechte der neo-avantgardistischen Gruppierungen der engagierten Kunst der 1950er-, 1960er- und 1970er-Jahre hineingezogen zu werden. Dass Jandl, wie Hammerschmid es darstellt, nicht von der Wiener Gruppe ‚einverleibt‘ werden konnte, liegt wohl vor allem daran, dass dieser Gruppengedanke ein Konstrukt ist, dem kaum jemand außer Gerhard Rühm letztlich was abgewinnen konnte.
Dass es in der Nachkriegszeit eher um persönliche Affinitäten und das Bedürfnis nach Stärkung in einem Gruppenzusammenhang, als um programmatischen Ein- und Ausschluss ging, ist heute ebenfalls durchaus zu belegen …
Stojan Bračič’… Diskussion von Jandls poetischer Praxis vor dem Hintergrund der Frage nach Textkohärenz[:] Man erfährt, dass Jandls Texte zwar nicht den gängigen Beispielen kohärenter Texte entsprechen, dafür aber dennoch Sinn produzieren, wenn auch nicht auf herkömmlichen Wege, und dass dieser Sinn der modularen Anordnung von Wortkomplexen und Textkomponenten geschuldet ist – ansonsten jedoch nichts Neues. Soweit sogut …
Es braucht einen Herausgeber, der etwa darauf eingeht, wie die konträren Ansätze Milka Cars, deren Aufsatz sich diskurstheoretisch mit Jandls Werk auseinandersetzt, und des bereits erwähnten Linguisten Stojan Bračič, der Jandls Texten strukturalistisch begegnet, zu verbinden seien. Oder der der Frage nachgeht, wie sich die Betrachtung des Jandl’schen Werks im Kontext der klassischen Reiseliteratur (Kristian Donko) vor einem nach wie vor äußerst delikaten, Karl Riha nachempfundenen Brückenschlag zwischen klassischem Idealismus des reisenden Goethe und dem modernen Pessimismus des Jandl’schen „Ichs“ auf Reisen ausnimmt.*
* Der Ruf nach dem Herausgeber wird noch in zahlreichen anderen Absätzen thematisiert. Mag ja sein, dass hie und da auch noch zu lektorieren wäre aber geht ja gar nicht, wenn jeder Fachautor hier anfängt zu machen, was er will und grad noch die Ausländer! Muss jemand schließlich die Verantwortung übernehmen für die Ergebnisse …
Ein Sammelband zu Bachmann und dem Streit der Forschung wird unter dem Titel „Eine Lady Di des Literaturbetriebs“ von Rolf Löchel abgehandelt: „Der Zusammenhang zwischen Leben und Werk ist ein zentraler Streitpunkt innerhalb der Bachmann-Forschung“, erklärt Renate Langer …
Mag Langers Aussage auch … konsensfähig sein, so erweist sich ihr Aufsatz über die „Bruchlinien im Bachmann-Bild“ doch als lesenswert, und das beinahe schon alleine wegen des Lesevergnügens, das seine mal feine, mal maliziöse Ironie bietet, die Langer gleichermaßen den diversen Herren, die sich rühmen, mit Bachmann Brot und Bett geteilt zu haben, wie auch dem Gefolge eines „postumen Kultes“, dem Bachmann „wie eine Lady Di des Literaturbetriebs“ erscheint, zuteil werden lässt. Besagten Herren bescheinigt sie etwa eine „auffallend“ häufige „Lust am Bloßstellen“ Bachmanns. Die Belege hierfür sind, wie man weiß, zahlreich. Langer zitiert unter anderem einige besonders schäbige Ausfälle von Hermann Hakel.
Nicht weniger hart geht sie andererseits mit Karin Strucks „wirrem und hochemotionalem Bachmann-Kult“ und einer bestimmten feministischen Rezeptionsrichtung ins Gericht, die Bachmann in den 1980er-Jahren „als Ikone eines feministischen Leidenskults verehrte“ … Damals aber wurde Bachmann im Zuge des ‚Opferfeminismus‘ gerne mit ihren Figuren identifiziert, wobei die „zwischen Empörung und Selbstmitleid schwankende Leserin“ sich selbst „sowohl mit der Autorin als auch mit deren Figuren“ identifizierte und sich dabei „in der Gemeinschaft der Opfer eines in seinen Strukturen durch und durch faschistischen Patriarchats gut aufgehoben fühlte“ …
Sigrid Weigels Ende des Jahrhunderts erschienener (Anti-)Biografie „Unter Wahrung des Briefgeheimnisses“ lastet sie an, die Literatin „von allen Körpersäften gesäubert, getrocknet und mit Papier ausgestopft“ zu haben, sodass in dem Buch nur noch ein „blutleerer Automat“ auftrete, „der eines Tages selber Literatur zu produzieren begann, nachdem er genügend Literatur in sich hineingefressen hatte“ …
„Wir würden nur zu einem sehr harmlosen Verständnis von Leben und Werk gelangen, wenn wir uns dem privaten Geheimnis der Werke verschließen würden“, argumentiert Hans Höller. Denn „das Private oder das Biographische fast zwanghaft mit ‚biographistisch‘ und ‚reduktionistisch‘ zu assoziieren“ und die „Vernachlässigung der unverwechselbaren Geschichte“ der VerfasserInnen komme einer „ängstlichen Verdrängung der Bedeutungsvielfalt künstlerischer Werke“ gleich. Nun trifft seine Feststellung eines „nie ganz aufzulösenden Verhältnisses von Literatur und Leben“ zwar sicher zu, doch gibt es schließlich ja tatsächlich zahlreiche Interpretationen zumal von Frauen verfasster Werke, .. die Frauen qua Geschlecht die Fähigkeit abspricht, Kunstwerke schaffen zu können, und ihnen gerade mal die Fertigkeit zugesteht, Selbsterlebtes nachzuerzählen. Ein Problem, dass ihm nicht eben unter den Nägeln zu brennen scheint.
Katya Krylowa etwa folgt der Suche nach Spuren, die Bachmann „zwischen Provinz und Moderne“ hinterließ, während Caitríona Ní Dhúill Bachmanns „Poetik des Rauchens“ nachspürt. Hannes Schwaiger lauscht nicht nur anhand von Audio-Aufzeichnungen auf „Ingeborg Bachmanns Stimme im Rauschen der biographischen Diskurse“. Der „fotografischen Konstruktion einer Dichterin“ gilt das Interesse von J. J. Long und Manfred Mittermayer hat sich die „bewegten Bachmann-Bilder im Dokumentar- und im Spielfilm“ angeschaut. Besonders erhellend aber ist Caitríona Leahys Beitrag über „Bachmann als Objekt von Porträtdarstellungen“. „Das einzig angemessene Porträt Bachmanns“ sei „eines, in dem sie sichtbar abwesend ist“, lautet ihr Resümee.
Nicht weniger lesenswert als Leahys Aufsatz ist Áine McMurtys Beitrag über Marcel Reich-Ranickis berühmt-berüchtigtes Wort von der „gefallenen Lyrikerin“, das noch immer „mit allen Konsequenzen“ nachwirke. Anders, als Reich-Ranickis „ebenso moralisierende wie krude auf das Geschlecht der Lyrikerin verweisende Anspielung“ suggeriert, sei Bachmann keineswegs „hilflos aus dem lyrischen Modus“ gefallen, sondern habe „im lyrischen Schreiben ein entscheidendes Mittel zur Bewältigung der Krisenerfahrung gewonnen, das in ihr politisch-ästhetisches Projekt der 1960er Jahre eingehen sollte“.
«Sparen Sie eine Stunde pro Nacht»: Dieses Angebot macht der amerikanische TV-Satellitenbetreiber Dish seit einer Woche den Kunden auf seiner Website. Er stellt ihnen ein digitales Aufnahmegerät zur Verfügung, das automatisch die Werbespots herausfiltert, welche auf den grossen Fernsehstationen ABC, NBC, CBS und Fox laufen. / NZZ 22.5.
«Edel sei der Mensch, hilfreich und gut», heisst es in Johann Wolfgang von Goethes Gedicht «Das Göttliche». Auf weiterführende Anlagetipps verzichtet der Dichter, doch seine lyrische Maxime scheinen sich viele Anleger dennoch zu Herzen zu nehmen. Das steigende Volumen nachhaltiger, ethisch korrekter und sozial verträglicher Investments ist einer der grossen Trends im Finanzwesen der letzten zwanzig Jahre. …
In vielen Fällen beschränkt sich die ethische Korrektheit indes auf den Verzicht auf Investitionen in Unternehmen, die als «sündig» oder «lasterhaft» wahrgenommenen Branchen entstammen («Sin Stocks»). Dazu zählen die Herstellung von und der Handel mit Alkoholika und Tabak sowie die Glücksspielbranche. Oft verzichten Fonds, die sich Nachhaltigkeit auf die Fahnen heften, auch auf Investitionen in Waffenproduzenten. Wenngleich viele Menschen den Produkten dieser Branchen gerne zusprechen*, wollen sie deren Titel im eigenen Depot (oder dem des Pensionsfonds) offenbar nicht sehen. …
Die Aussicht auf ansprechende Erträge sowie womöglich auch die Faszination, die das Sündige an sich auf viele Menschen ausübt, haben in der Vergangenheit die Entstehung dezidiert unethischer Investmentvehikel begünstigt. Deren bekanntestes ist wohl der «Vice Fund» des amerikanischen Fondsanbieters USA Mutuals, einer Tochter der amerikanischen Geschäftsbank US Bancorp. Der Name – «Vice» ist das englische Wort für Laster – ist Programm. Der Fonds investiert ausschliesslich in Unternehmen aus den Branchen Alkoholika, Tabak, Glücksspiel und Waffen. …
Ob man freilich an den geschwärzten Lungen und zirrhotischen Lebern junger Inder und Chinesen verdienen möchte, bleibt letztlich eine Frage des eigenen Gewissens**. / Christian Gattringer, NZZ 23.5.
*) Bekanntlich hat der Schweizer Mann seine Waffe im Schrank.
**) Die zerschossenen oder zersprengten Körperteile junger Asiaten und Afrikaner wollen wir uns hier nicht vorstellen, obwohl man daran traditionell gut verdient.
Drei junge Lyriker – Johannes CS Frank, Max Czollek und Asmus Trautsch – beschäftigen sich in ihren Gedichten mit Phantasmen, Widersprüchen und verlorenen Spuren in der deutsch-jüdischen Geschichte, mit jiddischen Schriftstellern, religiösen Erlebniswelten, mit dem Lebensalltag in Israel und mit dem Klang der hebräischen Sprache.
Die aktuellen Gedichtbände Erinnerungen an Kupfercreme von Johannes CS Frank, illustriert von Felix Scheinberger, und Druckkammern von Max Czollek vollziehen, anders als Grass‘ Urteilslyrik, eine differenzierte Bewegung durch deutsch-jüdische Erfahrungswelten in Europa und im Nahen Osten.
Moderiert von Asmus Trautsch, lesen die Autoren aus ihren Büchern und diskutieren mit dem Publikum über ihre Lyrik, die Debatte um Grass‘ Gedicht, aktuelle Beispiele einer romantisierenden ‚Shoa-Gedenkpoesie‘ (Gomringer) und über die von der Literatur nicht zu lösenden Probleme in Israel. Felix Scheinberger begleitet die Buchvorstellungen mit Live-Illustrationen.
Sonntag 3.6.
Beginn: 20:00
Veranstalter: Jüdische Gemeinde zu Berlin
Ort: Großer Saal, Oranienburger Str.
Kosten: 8,- € / erm. 5,- €
Veranstalter Jüdische Gemeinde zu Berlin in Kooperation mit dem FIXPOETRY.Verlag.
SPIEGEL ONLINE: Herr Greenblatt, Ihr Buch beschreibt die radikale Weltsicht des antiken römischen Dichters Lukrez, der im 1. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung viele moderne Gedanken formulierte: Die Welt besteht aus Atomen, es gibt kein Leben nach dem Tod, falls es Götter gibt, wären ihnen die Menschen egal. Gab es so etwas wie eine antike Aufklärung?
Greenblatt: Lukrez ist einerseits sehr modern, aber sein Gedicht „Über die Natur“ hat vor allem eine unglaubliche Kraft und Schönheit, deshalb ist es noch heute aktuell. In den ersten Versen besingt er zum Beispiel trotz seines atheistischen Weltbilds die Göttin Venus. Aber das ist wohl eher eine Metapher für das Erotische, für die Triebe, die der Mensch mit den anderen Tieren teilt, für die Fortpflanzung und das Leben an sich. / Spiegel
Der dänische Sänger Bo Skovhus spricht über Oper und über deutsche Lieder. Die singt er lieber als dänische. Über das Lied sagt er:
„Die Leute haben die Gabe des schlichten Zuhörens verloren. Dabei gibt es so viele wunderbare Gedichte, die vertont sind. Ich bin ein großer Fan von Schubert, immer wieder komme ich auf ihn zurück.“
Vermutlich sei es ein Fehler gewesen, den Liedgesang mit dem Etikett Hochkultur zu versehen. „Es ist nur ein Gedicht mit Musik. Ich erzähle eine Geschichte.“ / Rheinische Post
Beim Festival der Worte gibts am 30.5. ein Performers Café, in dem einige der bekanntesten Dichter der kanadischen Stadt Moose Jaw auftreten werden.
Die Mitchell Boys, ein reimendes Duo aus den beiden Cowboypoeten Ken und Slim Mitchell, tragen ihre Spielart südsaskatschewanischer Lyrik vor. Der lokale Folksänger Norm Walker wird u.a. das Lied “Magic: A 9/11 Truth Movement Song” zu Gehör bringen. / Aaron Stuckel, Moose Jaw Times Herald 22.5.
Lyrik ist so eine Sache: sie verschwindet aus der Welt, ein seltener Gast, der nicht mehr eingeladen wird, zu geselligen Treff’s, zu Plauderstunden. Allenfalls in Liebesbriefen findet sich zaghaft Gereimtes: oft, um ein schüchtern Herz in Schwingungen zu versetzen, in pochendes Bangen und sehnsuchtsvolles Hoffen. / Niederlausitz aktuell
Jack Hirschman (USA), John Unrau (Kanada), John Akpata (Kanada), Jacques Roubaud (Frankreich) und Thomas Kunst (Deutschland) bei einer Veranstaltung in Venedig am 5.3. 2011
Die schönste Entdeckung war für mich Hoprichs wundersame Fähigkeit, uns mit Brüchen in seinen Gedichten aus einer gerade eingenommenen bequemen Lesehaltung wieder aufzuschrecken. Immer wieder lockt er mit Geläufigem: „Nimmst du mich, so wie ich bin“, ja sogar „Der Mond ist aufgegangen“ und „Komm, lieber Mai, und mache“; manche Gedichte (wie „Ende“) schlagen einen ganz Eichendorffsch-volksliedhaften Ton an. Aber dann zieht uns der Dichter den Boden unter den Füßen weg. Immer wieder tauchen im vermeintlich Glatten (denn Hoprich beherrscht die Form und belesen ist er auch) verstörende Bilder auf: „Komm, lieber Mai, und mache / Dich aus dem Staub!“, „Alles ist müd und fern / Mich unterschlägt mein Stern“, „Es wuchern die Läuse / Im Sonnenschein“, „Im Garten der Apfelbaum / … / Verborgen im Wahnsinn des Eden-Ödem“, „Stille Nacht, heilige Nacht! / Bangende vor den Innenräumen / … / Es könnte sein, dass man nicht mehr erwacht“. Das liest man nicht bequem in den Sessel gefläzt. Hoprichs Verse liest man mit gespannter Aufmerksamkeit. / Dirk Uwe Hansen, fixpoetry
Georg Hoprich: Bäuchlings legt sich der Himmel, Gedichte//ca. 100 Seiten, ca. 10 Euro, ISBN 978-3-942901-00-0//Reinecke und Voß, Leipzig 2011
Kein Zweifel: «Europa anagrammiert / an Ego-Primärtrauma.» / Thomas Brunnschweiler, Neue Zürcher Zeitung 19.4.
Etienne Klein / Jacques Perry-Salkow: Anagrammes renversantes ou Le sens caché du monde. Flammarion, Paris 2011. 112 S. Petra Nagenkögel: Anagramme. da die bäume, die sprache, ein schlaf. Otto-Müller-Verlag, Salzburg 2012. 87 S., Fr. 27.50. Anna Isenschmid: Vier Seidenjahre Zeit. Anagramme. Verlag Martin Wallimann, Alpnach 2010. Unpaginiert, mit CD, Fr. 28.–. Die Anagramm-Sprechoper «Vier Seidenjahre Zeit» wird im Rahmen der Ausstellung «Jo Achermann, Die Quadratur des Blicks» in der Turbinenhalle in Giswil aufgeführt.
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