„Schreiben heißt“, so Klaus Merz, „den Dingen Namen geben und sich dadurch weniger fremd in der Welt fühlen.“ Dieser Dichter will uns nicht die Welt erklären, er will nur warnen vor denen, die auf alles gleich eine Antwort haben.
Ein genauer Blick auf den Alltag verknüpft sich in der Poesie des Klaus Merz mit den alten, ewigen Fragen. Eines seiner vielleicht schönsten Gedichte heißt so, „Alte Fragen“: „Kann man das Leben / kann man die Liebe // das Herz schlagen / das Blut fliessen // den Teig gären / Schnee fallen / lernen?“
Wenige Zeilen, die nicht erklärt werden müssen. Denn man kann auch Gedichte nicht lernen. Sie treiben auf uns zu, sie rühren uns, sie gehen uns an – oder eben nicht.
1967 erschien unter dem Titel „Mit gesammelter Blindheit“ die erste Gedichtsammlung von Klaus Merz. „Aus dem Staub“ heißt sein jüngster, 2010 erschienener Gedichtband, in dem der Autor einmal mehr aus der Ruhe und Einfachheit seine ganz eigene lakonische Tonspur entwickelt. …
In dem Gedicht „Die Brünner Mädchen“ erweist er dem tschechischen Lyriker Ivan Blatny seine Reverenz, ein anderer Text ruft uns den japanischen Haikudichter Basho ins Bewusstsein – in seinem Gedicht „Feldzug“ zitiert Klaus Merz den Mann, der eigentlich Matsuo Munefusa hiess, in einer eigenen Nachdichtung: „Gräser des Sommers / von allen stolzen Kriegern / die Reste des Traums.“
Klaus Merz, der wenige Tage nach seiner Dresdner Lesung den renommierten Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg entgegennehmen wird, ist ein Seltener. Aus der Ruhe und Einfachheit entwickelt er sein wortgenaues, sprachlich hochkonzentriertes Werk – und gibt uns damit den Glauben an jedes einzelne Wort zurück.
/ Volker Sielaff, Dresdner Neueste Nachrichten 8.5.
Lesung und Gespräch mit Klaus Merz am 9. Mai, 20 Uhr im Stadtmuseum Dresden. Literaturforum Dresden in Kooperation mit den Museen der Stadt Dresden. Gefördert von der Pro Helvetia – Schweizer Kulturstiftung, der Kulturstiftung des Freistaates Sachsen, der Kulturstiftung Dresden der Dresdner Bank und der Landeshauptstadt Dresden, Amt für Kultur und Denkmalschutz.
Chirikuré ist der bekannteste Lyrik-Performer Afrikas und tritt meist mit Musikern und traditionellen afrikanischen Instrumenten auf. Bedeutend ist seine Lyrik durch die einzigartige Verbindung traditioneller afrikanischer Gedicht- und Liedformen mit außerafrikanischen, avantgardistischen Ansätzen. Aus politischen Gründen musste Chirikuré mehrmals ins Exil gehen. Trotzdem wurde er für mehrere seiner Gedichtbände in Zimbabwe zum Schriftsteller des Jahres gewählt.
… Das Besondere an der Lyrik Chirikurés ist die in der traditionellen afrikanischen Musik wurzelnde Gedichtform, die er konsequent mit aktuellen und nicht-mythologischen Themenkreisen verknüpft. Seine Lyrik schreibt er sowohl in Englisch als auch in seiner Muttersprache Shona. Seine Gedichte sind in seinem Heimatland so bekannt, dass sie als Graffiti auf Hauswände der Hauptstadt gesprüht werden. / Citynews Köln
Der Schriftsteller Rolf Hochhuth hat die Position zu seinem Austritt aus der Akademie der Künste Berlin in Zusammenhang mit dem israelkritischen Gedicht von Günter Grass bekräftigt.
Die Akademie der Künste habe das „antisemitische Pamphlet“ von Grass, das „so wenig ein Gedicht ist wie ein Pferd ein Ziegenbock“, nur deshalb verteidigt, weil Grass einmal Präsident dieser Institution gewesen sei, sagte Hochhuth. Er habe schnell gewusst, in welche Richtung die Diskussion auf der Frühjahrstagung „ausarten“ würde: „Nämlich zu einer fast, ich sage fast, einstimmigen Verurteilung Israels zugunsten seiner Todfeinde, der Palästinenser und der Iraner. Und das höre ich mir als Deutscher, der sich auch zwei Mal die Woche zu Tode schämt ( … ), nicht an.“
Hochhuth bezeichnete den Diskussionsstil auf der Tagung als „Geschrei“. Die Äußerungen von Ingo Schulze, dem Direktor der Sektion Literatur, der von „denunziatorischen Vorwürfen“ Hochhuths gesprochen hatte, wies er zurück: „Er wollte mir den Mund verbieten. Ich lasse mir mit 81 Jahren von so einem jungen Mann nicht den Mund verbieten. ( … ) Es ist mir vollkommen schnuppe, was Herr Schulze über mich denkt.“
Das vollständige Gespräch mit Rolf Hochhuth kann man bis zum 7. Oktober 2012 als MP3-Audio im Audio-On-Demand-Player beim DLR nachhören.
Es müssen tumultartige Szenen gewesen sein, die sich am vergangenen Samstag in der sonst so friedlichen Akademie der Künste in Berlin abgespielt haben. / FAZ
Der Präsident der Akademie der Künste, Klaus Staeck, hat sein Bedauern darüber ausgedrückt, dass der Schriftsteller Rolf Hochhuth die Akademie verlassen will. / Freie Presse
Farzad Kamangar war Dichter und Journalist. Er wurde vor zwei Jahren aufgrund seiner politischen Aktivitäten vom iranischen Regime hingerichtet.
Zum Jahrestag seines Todes veröffentlicht der Freedom Messenger (Motto: In Iran schreiben wir die Geschichte der Menschenrechte mit unserem Blut) die Rohübersetzung eines Gedichts, das er im Gefängnis diktierte. (Englisch, Text + Audio)
Dem «Rilke-Sound» sind viele noch heute verfallen. Zum ersten Mal manifestierte sich dessen Breitenwirkung in «Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke» von 1912. Die lyrische Exaltation im Gewande einer prosaischen Geschichte wurde zum Kultbuch der Generation des Ersten Weltkriegs und darüber hinaus. …
Ein Höhenflug begann, der 1962 mit einer Auflage von über einer Million Exemplaren immer noch nicht zu Ende war.
Die Melange aus Fortschrittskritik, christlichem Abendland, jugendlicher Unschuld und erotisch grundierter Todesahnung entfaltete eine unerhörte Wirkung. Nicht nur für die Kriegsteilnehmer verkörperten die suggestiven Zeilen des «Cornet» jenen «edlen» Krieg und jenen «edlen Krieger», die sich im Gaskrieg und in den Schützengräben als Chimäre entpuppen mussten. Beseelt von der Liebesnacht mit einer weissen adeligen Frau, die Fahne der gerechten Sache hoch über dem lockenumwehten Kopf, so stirbt der Cornet Christoph Rilke umringt von den türkischen Feinden für die Verteidigung der christlichen Werte. / Bernhard Fetz, NZZ
Polnische und deutsche Lyriker lesen entlang des Rheins – Julia Fiedorczuk, Adam Wiedemann und Dariusz Sośnicki aus Polen und Esther Kinsky, Marion Poschmann und Norbert Scheuer aus Deutschland.
Lyrik gilt oft als unübersetzbar. Die Kunststiftung NRW macht in ihrem Projekt die Probe aufs Exempel und schickt neun Lyrikerinnen und Lyriker aus drei Ländern in ein literarisches Experiment. Unterstützt von ihren Übersetzern und in der konzentrierten Atmosphäre des Europäischen Übersetzer-Kollegiums Straelen bringen die Dichterinnen und Dichter aus Polen, den Niederlanden und Deutschland ihre Gedichte in die jeweils anderen Sprachen. Die Ergebnisse dieses kreativen Prozesses präsentieren sie bei Lesungen in Köln, Bonn, Düsseldorf und Höxter. Im Rahmen dieser Lesereise wird am 8. Mai im Europäischen Übersetzer-Kollegium in Straelen der Übersetzerpreis der Kunststiftung NRW an die polnische Übersetzerin Sława Lisiecka verliehen. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis ist der höchstdotierte Übersetzerpreis Deutschlands.
Kooperation: Kunststiftung NRW Im Rahmen von „Klopsztanga.Polen_grenzenlos_NRW“: Klopsztanga
7.05.2012 – 20:00 Uhr
Literaturhaus Köln
Schönhauser Str. 8
50968 Köln
Veranstalter: Polnisches Institut Düsseldorf
Bereits zum zwölften Mal ist am Samstagabend der Lyrikpreis Meran vergeben worden: Der literarische Paradiesgarten von Uwe Kolbe überzeugte die Jury auf ganzer Linie. Der 55-jährige Deutsche erhielt den mit 8000 Euro dotierten Lyrikpreis Meran, während sich Christoph Wenzel über den Alfred-Gruber-Preis und Karin Fellner über den Medienpreis freuen durften.
Erklärungen der Jury(s):
„Für Gedichte, die Stationen einer Biographie in schillernden Bildern, in saloppem und hohem Ton abschreiten, die anspielungsreich Literatur, Kunst, ein ganzes Dichterleben umfassen und auf ihrer paradoxen Suche nach Klarheit einen Paradiesgarten finden – bekommt Uwe Kolbe den Lyrikpreis Meran 2012.“
„Für einen Zyklus, der bei kluger Abwägung aller poetischen Mittel – Metaphorik, Klang, Dialekt – zu einer atmosphärisch dichten Komposition führt, für im Grundton elegische Miniaturen, denen es gelingt, eine Industrielandschaft, eine Zeit auf berührende Weise im Gedicht zu bewahren, erhält Christoph Wenzel den Alfred-Gruber-Preis 2012.“
„Eine Poesie, die sich auf den Zauber des Phantastischen versteht, genauso wie auf den Blick für die verborgenen Öffnungen und Zwischenräume, die „subraumrisse“, in denen immer wieder etwas Neues anfangen kann. Der dichterische Schwung dieses surrealistisch unbekümmerten Lobs der Torheit überzeugte die Jury – der Medienpreis des RAI Sender Bozens geht an Karin Fellner.“
Peter Jokostra erhielt für Lyrikpublikationen den Kulturpreis des DDR-Ministeriums – und floh später in die Bundesrepublik. Ein Briefwechsel mit Erwin Strittmatter endete im Zerwürfnis.
Die Wandlung des früheren Wegbegleiters erschien ihm offenbar unheimlich. In seinem Gedicht „Symptome“ schrieb Peter Jokostra: „Mein Freund / der seine Fensterläden selbst strich / sitzt nun im Zentralkomitee / und trägt einen Smoking / mit seidener Krawatte.“ / Lausitzer Rundschau
Poet Laureate Philip Levine is doing a live reading and conversation today in a webcast originating from the Library of Congress in Washington. Schools and libraries nationwide have been set up to watch and participate — and anyone on the Web can listen in. The webcast begins at noon Pacific time*.
After reading and discussing three of his poems, Levine will participate in an extended question-and-answer session, which will be included in the webcast.
Levine was announced as U.S. poet laureate in August 2011; his tenure began in October. Now based in Fresno, Levine was born in Detroit. His first jobs were working the line in the auto industry in factories for Cadillac and Chevrolet. His poetry has often focused on the issues faced by the working class.
Levine, who has been awarded the Pulitzer Prize and the National Book Award for his poetry, was a longtime professor — so he’ll probably enjoy fielding students‘ questions.
*) Offenbar 21:00 Uhr MESZ
Wenn ich den Hegel, Schelling und Hölderlin gemeinsam zugeschriebenen Text „Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus“ bei Zeno.org aufschlage, empfehlen sie mir prompt Rat und Erste Hilfe mit einem Gegengift:
Frank, Manfred: Auswege aus dem deutschen Idealismus, Suhrkamp 2007.
Vielleicht schade, daß es das zu Hölderlins Zeit noch nicht gab – was wär ihm erspart geblieben?
Eugen Gottlob Winkler, geboren am 1. Mai 1912 in Zürich und am 26. Oktober 1936 erst 24-jährig in München freiwillig aus dem Leben geschieden. Der Lyriker, Erzähler, Essayist und Reiseschriftsteller gehört zur Schar jener Dichter, denen es nicht vergönnt war, ein repräsentatives Werk vorzulegen. Bis heute ist er unter Literaturkennern ein Geheimtipp geblieben. …
Winklers Zeichnungen weisen deutliche Anklänge an den Expressionismus auf, etwa an die Spießer-Karikaturen von George Grosz. Sein literarischer Geschmack und Stil war dagegen eher klassizistisch. Die Kategorien, von denen er sich in seiner Lyrik und Prosa leiten ließ, fasste er einmal so zusammen: Reinheit, Klarheit, Helligkeit, Ordnung und Stille.
War Winkler also ein unpolitischer Dichter, wie das Durs Grünbein in einem Nachwort zu einer Werkauswahl behauptet hat? Hätte er besser in die vorhergehende Generation des Jugendstils gepasst? Obwohl Winkler über Stefan George einen Essay verfasst und auch mit George’schen Schrifttypen experimentiert hat, widersprach Enite Giovanelli dieser Einschätzung entschieden. … Und er war ein politisch wacher Kopf, der in einem (nie gedruckten) Zeitungsartikel aus dem Jahr 1931 schonungslos den „Kulturfaschismus“ geißelte, den er an der Münchner Universität unter seinen „national verseuchten“ Professoren und Kommilitonen mit ihren „verschimmelten Ideen“ diagnostizierte. / Rolf Spinnler, Stuttgarter Zeitung 1.5.
Von Angelika Janz
Fragmenttexte sind eine Spezialität der Autorin und Künstlerin Angelika Janz seit vielen Jahren. Sie entstehen in der Regel aus einem aus Fremdtext herausgeschnittenen Fragment, meist ein schmalerer oder breiterer Kasten, aber eben auch eine Figur wie hier der Fisch. Dieser wird aufgeklebt und um ihn herum mit Stempel, Schreibmaschine oder Stift zu einem neuen Text ergänzt.
Im Herbst erscheint im freiraum-verlag ein Sammelband mit Prosa, Essays, Lyrik und Fragmenttexten.
Die verschwindenden Ortschaften in der ehemaligen Woiwodschaft Przemysl, im Grenzgebiet zwischen Polen und der Ukraine: in den Gedichten von Eugeniusz Tkaczyszyn-Dycki gibt es sie noch. Es gibt die Erinnerungen an heimliche Orte, verbotene Zusammenkünfte, an das nichtexistente Wirtshaus, die ständigen Bedrohungen, Wahnsinn und Alkohol, die psychiatrische Klinik und das immerwährende Sterben. Seine Gedichte nehmen ihren Ausgang an bestimmten Einzelheiten oder Personen, am runden Stempel »Bibliothek der Tkaczyszyn-Dyckis aus Wólka Krowicka«, am nie verklingenden Schrei der sterbenden Mutter und an einzelnen Worten der (ebenfalls aussterbenden) »chachlackischen« Muttersprache des Dichters. / Kurier
Erste deutschsprachige Buchpublikation von EUGENIUSZ TKACZYSZYN-DYCKI (Polen): GESCHICHTE POLNISCHER FAMILIEN / Dzieje rodzin polskich (2005; Editon Korrespondenzen, Frühjahr 2012) • In Zusammenarbeit mit dem Instytut Polski, Wien und der Edition Korrespondenzen
Einige der klangvollsten Stimmen der internationalen Gegenwartslyrik kommen vom 1. – 9. Juni zum 13. poesiefestival berlin der Literaturwerkstatt Berlin. Mit dabei sind u.a. Ken Bastock (Kanada), Horácio Costa (Brasilien), Ngwatilo Mawiyoo (Kenia), Abdelwahab Meddeb (Tunesien/Frankreich), Michael Palmer (USA) Hama Tuma (Äthiopien), JUN Yan (China), Fatima Naoot (Ägypten).
Zum diesjährigen Übersetzungsworkshop VERSschmuggel treffen Dichter aus Brasilien auf ihre deutschsprachigen Kollegen und übersetzten sich gegenseitig. Lyrikline.org nutzt die Gelegenheit, um mit einigen Autoren ins Studio zu gehen und sie für die Webseite aufzunehmen.
Während des Festivals treffen sich zudem die internationalen Partner von lyrikline.org. Das Treffen bietet ein Forum für den Ideen- und Erfahrungsaustausch, für die Diskussion von Problemen und Perspektiven, und es dient der stärkeren Vernetzung über Ländergrenzen hinweg.
Weitere Informationen unter www.poesiefestival.org
Die Liedermacherin Lydia Daher begeisterte im Sauschdall in der Sonntagskonzert-Reihe mit starker Lyrik und süßlich-trashigen Liedern.
Irgendwo zwischen Unterhaltungsdichtung und Klassikern hat sie sich eingenistet. Sie möchte hermetisch sein, ehrlich, auch in der Fiktion und tiefe, komplexe Texte leicht klingen lassen. / Udo Eberl, Südwestpresse
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