32. Zhadan-Land

Die Handlung spielt Anfang der 90er-Jahre, als mit der Sowjetunion alle Gewissheiten zerfallen. Es gibt nur noch die unabhängige Ukraine mit all ihren Widersprüchen: „Mir passte dieses Land, in dem ich lebte, passte die Menge Scheiße, mit der es gefüllt war, und die mir in den kritischsten Momenten meines Daseins bis übers Knie reichte. Ich verstand, dass ich sehr gut auch in einem anderen, viel beschisseneren Land hätte geboren werden können, zum Beispiel mit rauerem Klima oder autoritärerer Staatsform, wo nicht einfach nur Kotzbrocken an der Macht waren, sondern verdammte Kotzbrocken.“ Die Fäkalsprache und der Jugendslang verstärken eine Schwermut, die mit der Leichtigkeit des Seins eine sonderbare Symbiose eingeht, wie sie typisch ist für die regel- und zügellose postsowjetische Ukraine. Das ist Zhadan-Land.

Der Dichter vermag dieses Lebensgefühl auch anders in Worte zu kleiden, lyrisch, etwa in dem Poem „Leben heißt sterben“. Dort heißt es: „Nach dem Tod trittst du einen halben Schritt zur Seite und siehst durch die Nähte der Luft, wie geheimnisvolle Filmvorführer einen großen Himmelsprojektor auf deinen Körper richten, damit die Seelen der Toten und die smaragdfarbenen Schatten der Käfer gegen sein Licht fliegen.“

Kritiker haben Zhadan für seine Gedichte früh als „Arthur Rimbaud der Ukraine“ gefeiert. / FR

31. Orphil-Preise für Krechel und Kornappel

Der Orphil-Preis wurde speziell für Lyriker von Ilse Konell gestiftet. Die Witwe des in Wiesbaden 1991 verstorbenen Dichters George Konell hatte bereits zwei in Wiesbaden vergebene Literaturpreise gestiftet; der „Orphil“, benannt nach einer Figur aus dem Werk ihres Mannes, wird künftig alle zwei Jahre an Konells Geburtstag, dem 6. Juni, verliehen. Er ist mit 10 000 Euro dotiert. Ursula Krechels Lyrik wurde von der Jury, bestehend aus dem Kritiker Michael Braun, der Schriftstellerin Silke Scheuermann und dem Literaturredakteur Alf Mentzer von hr2, als preiswürdig befunden, weil sie, so Laudatorin Scheuermann, „aus allem herausragen, was die zeitgenössische Lyrik zu bieten hat“. „Wortfindungslust pur“ kennzeichne die Gedichte der Literatin, die in zwei Bänden veröffentlicht wurden…

Der zweite Preis des Abends, der Orphil-Debütpreis, ging an die ebenfalls in Berlin lebende Autorin Simone Kornappel, deren erster Gedichtband, „raumanzug“, für den Herbst angekündigt ist. Sie erhielt aus der Hand von Stadtrat Wolfgang Herber den mit 2000 Euro dotierten Debütpreis für ihren kreativen Umgang mit Sprache: Ihre Gedichte sind „visuelle Poeme“; sie schreibt sie teilweise spiralförmig aufs Papier, erschafft „heftig pulsierende Sprachorganismen in den grellsten Klangfarben“, sagte Juror Michael Braun. / Anja Baumgart-Pietsch, Wiesbadener Tagblatt

30. Für Sprachmenschen

Splendeurs et miséres des courtísans

Autor: Ferdinand Hardekopf

Aus der steilen, transparenten Nudel –
Quillt ein Quantum Quitten-Quark empor,
Ballt sich, physisch, zum gewürzten Strudel,
Kreist: ein Duftballon aus einem Rohr.

Wann (und wo?) war Schweben delikater?
In der Spannung wird man blass, wie Chrom,
Lehr- und Schüler folgen dem Theater,
Doch der Stern genießt sich autonom.

Hohe Hirnkraft wallt zu diesem Gase,
Da bestülpt der sachliche Adept
Das Gestirn mit einem Stengelglase,
Darin dottrig etwas Ei verebbt.

Vor gewagten Konstruktionen scheut er sich nicht, zum Beispiel: „Lehr- und Schüler“. Was den „Sinn“, die „Aussage“ der einzelnen Verse des Kurtisanengedichts angeht: Man kann suchen und finden; verzichtet man darauf, bleibt immer noch: Atmosphäre und Reine Musik. Oder anders: „Wann (und wo?) war Schweben delikater?“

Vielleicht spürt man im Kurtisanengedicht die Nüchternheit der Hardekopfschen Poesie, ihr Anti-Pathos, nicht so deutlich wie in anderen Gedichten von ihm. Ein Beispiel („Notiz“): Nach einer detaillierten Beschreibung (hier in freien Versen) einer zerrütteten Nacht, nah am Wahnsinn, die folgenden letzten Prosazeilen: „ … Übrigens bin ich durchaus imstande, den Ablauf solcher Empfindungen brüsk zu unterbrechen, `Amerikanismus’ anzuordnen und, mit einer Zigarette, kühlsten Herzens weiterzulesen in Henrì Beyles  ‚Le Rouge et le Noir’. Selbstverständlich. / Die Lampe brennt ja noch“.

Das darf man nicht unterschlagen: Im Kontext eines genuin ironischen Werks empfindet der Leser manchmal auch die „ernsten“ und „ernstgemeinten“ Passagen als ironisch. Mit anderen Worten: Missverständnisse gibt es im Terrain der Lyrik immer (manches lebt davon). Und im kanonisierten Werk der großen Dichter findet man gelegentlich auch „Unfreiwilliges“, unfreiwillige Komik, unfreiwilliges Pathos, auch unfreiwillige Ironie. Manchmal ist eben der Empfänger sensibler, aufmerksamer als der Sender.

Bei allem, was man über Gedichte lesen und schreiben kann, sollte man sich daran erinnern, dass Lyrik eine „Spezialdisziplin“ ist (Nooteboom), eine Angelegenheit der Spezies „Sprachmenschen“, und die ist nicht sehr verbreitet. / Maximilian Zander, fixpoetry

29. Angeklagt

Heute [28.5.] begann in Madrid das Gerichtsverfahren gegen den Liedermacher Javier Krahe wegen eines 54 Sekunden kurzen Videos aus dem Jahr 1978! In diesem Film wird erklärt, wie ein Christus zuzubereiten ist. Der gerichtliche Vorwurf: Beleidigung der Gefühle der Gläubigen.

Den Zuschauern wird empfohlen, den Körper Christi vom Kreuz zu lösen, ihn gründlich trocknen zu lassen, Zutaten nach Geschmack beizugeben und für drei Tage in den Backofen zu stellen. Nach Ablauf dieser Frist soll Christus dann selbst dem Backofen entsteigen. Dieser 34 Jahre alte Film wurde erst zum Stein des Anstosses, als ihn der Fernsehsender Canal+ 2004 einem Interview unterlegte, das man mit Javier Krahe führte. / Uhupardo

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28. Ins Staunen

manche kommen aus dem Staunen nicht heraus /
manche nie hinein

Elfriede Gerstl

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  •  „Profile“, Band 19, Christa Gürtler, Martin Wedl (Hrsg.): Elfriede Gerstl – „wer ist denn schon zu hause bei sich“. Mit Beiträgen von u. a. Doron Rabinovici, Elfriede Jelinek, Gisela von Wysocki, Ginka Steinwachs, Bodo Hell, Zsolnay Verlag, 2012; erscheint am 4. Juni.
  • Außerdem erschient am 1. Juni die Werkausgabe: Elfriede Gerstl, „Mittellange Minis“, Werke Band 1, Hrsg. von Christa Gürtler und Helga Mitterbauer, Droschl Verlag, 2012

27. Jubiläumsausgabe der floppy myriapoda

Berlin, den 6.6.12

Ihr dunkelen Haufen!

Trauert nicht um gewesene Zustände, sondern zielt auf das Poetisch-Neue und gegen das jetzt Herrschende!
Den Ballast konditionierter Erinnerung dabei nicht verwerfen, sondern sanguinisch-leicht überwinden!

Nein, das ist keine Affirmation des up to date, sondern die Präsenz des Utopischen.
„Alles ist machbar“ – so heißt die Devise derjenigen Ästhetik, die nicht an liberal-politischen Krücken geht, sondern um die Notwendigkeit des Objektiven weiß.

Gleichzeitig ist die Bewegung einer umherschwankenden Ungewissheit – Eklektizismus – die einzige Bewegung, zu der das apodiktisch Junge überhaupt fähig ist.
Verharrt nicht dort, wo keiner die Poesie erwartet.
Unsere Poesie kennt kein Gesetz; ohne Auftrag begleitet sie uns dorthin, wo sie gebraucht wird.

Los! Gebt euch Äxte! Exempel! Exhalationen! Exkurse! Exzerpte! Experimente! Exzesse! Exegesen!
Sendet Texte! Zur Aufnahme in die Jubiläumsausgabe der floppy myriapoda, Heft 20!

Reduktionsschluß ist der 7.7.12 (Expressannahme!) bzw. der 8.8.12 (Deadline!)

floppy myriapoda
Subkommando für die freie Assoziation
–> http://www.floppymyriapoda.de

26. Monika Rinck (GER): WAS ES MUSS

WAS ES MUSS

Anmoderation: Gerne hat man immer wieder gesagt, was es muss. Und ich nehme mich keineswegs aus. Hier ist eine kleine Auswahl.
Es folgen zweiundzwanzig Texttafeln zur freien Verfügung.

Abmoderation und mehr bei  ⋅ 06/06/2012

25. Messi und Fußball

Der Torwart der Autoren-Nationalmannschaft im Fußball, Jahrgang 1967, ist einer der wesentlichen deutschen Lyriker und Dramatiker. Mit »Schwarze Sonne scheine« erschien (wie alle seine Bücher bei Suhrkamp) vor Monaten einer der erregendsten Romane jüngerer Zeit. Natürlich schreibt er auch Fußball-Gedichte. Noch unveröffentlicht die untenstehende Ode auf den Trainer Hans Meyer – drei Mal mit dem FC Carl Zeiss Jena FDGB-Pokalsieger, später Coach von Enschede, Nürnberg, Mönchengladbach. / Hans-Dieter Schütt, ND

Albert Ostermaier im ND-Gespräch sehr poetisch über Büchner und Bayern München:

In «Dantons Tod« hilft ein Bürger dem anderen über die Pfütze. «Man muss mit Vorsicht auftreten.«Es könnte die «dünne Kruste« der Erde brechen und sich der alles verschlingende Abgrund auftun. Was bedeutet diese Szene, was bedeutet diese Fantasie für den Fußballrasen?
Büchner ist der Messi der deutschen Dramatik, jede Bewegung ist ebenso brüchig wie formvollendet, es sind Traumpässe in die Tiefe des Seelenraums. Ein genialer Spieler läuft immer auf dünnen Eis, er weiß um seinen Körper, jede Bewegung weiß um die Gefährdung. Er ist immer vorbereitet auf die Risse im Eis und weiß, dass er schneller sein muss. Man kann auf Eis wie ein Tänzer glänzen, aber auch elendig einbrechen und mit den Armen um sein Leben rudern. Das Schöne, zugleich Bittere ist: Beides kann von einem Augenblick zum nächsten passieren.

So beginnt die Meyer-Ode:

gehen sie davon aus dass
er über links kommt wo
sein herz flügel aber sein
hirn einen knöchel hat
mit dem er blind in die tiefe
des freien raums zwischen
den augenbrauen traum
pässe spielt …

24. Metre magazine now available to read online

Metre, an Irish poetry magazine edited by David Wheatley and Justin Quinn between 1995 and 2005, has now digitised its back issues and made them available for free on a dedicated website: http://metre.ff.cuni.cz/

The magazine was roughly contemporaneous with Thumbscrew and shared many contributors, publishing poems and reviews by many writers including Seamus Heaney, Samuel Beckett, Paul Muldoon, Sean O’Brien, Michael Longley, Edna Longley, Michael Donaghy and Glyn Maxwell.

23. Spotlight on Poetry

In einem Beitrag zur Lyrikdebatte in dem Bremer Unimagazin ScheinWerfer spricht Gerrit Wustmann differenziert über das vermeintlich „Schwierige“ an der Lyrik, das eben mit unseren herrschenden Umgangsformen (in der Schule und andernorts) zusammenhängt. Das ist interessant, weil man es auch schon anders las. Häufig wird das Argument der schwierigen, hermetischen, akademischen pp. Lyrik genutzt, um im Buhlen um die knappe Ressource Aufmerksamkeit – bis hin zum „Preiskarussel“ – eine andere Gruppe der Lyrik in die Pfanne zu hauen, seis die Leipziger („Literaturinstitutslyrik“) oder „die“ Berliner Szenen oder seis allgemein „experimentelle“ oder „unverständliche“ Lyrik. Auch Gerrit Wustmann hat sich gelegentlich darin geübt. Jüngst in einem Kommentar zu einem Lokalartikel über Lesungen des Poesiefestivals Berlin, wo er es schaffte, von dem schlechten taz-Artikel umstandslos und anscheinend ohne es selber zu bemerken auf die abgedroschenen Stichworte von der unverständlichen, „um sich selbst kreisenden“ Lyrikszene zu kommen (also die die vermeintlich immer die Preise einheimst, wie ein paar Kämpen um den Beimünchner Herrn Leitner und sein „Leitorgan der Poesie in Deutschland“, wie er selber unermüdlich zitiert, vor ein paar Wochen in allen Provinzzeitungen behaupten durften – ironischerweise an einer Autorin, die ganz und gar nicht akademisch und elitär und selbstbezüglich und nicht einmal schwierig ist, ich meine Nora Gomringer). Diese elitäre Lyrik sei schuld am Desinteresse des Publikums, tönt es alle paar Wochen (kürzlich wieder von einem dubiosen Herrn mit dem Pseudonym Mollnitz, auf den zurückzukommen sein wird).

„Dass die Poesie in Deutschland eher ein Nischendasein pflegt, liegt vielleicht auch am Deutschunterricht in der Schule“, stimmt [Regina] Dyck zu, die selbst Germanistik auf Lehramt studiert hat. Vermiesen uns die Schulen das Interesse an Poesie? Wustmann erinnert sich an die eigene Schullaufbahn. Die Lehrer würden ihre Schüler mit unsinnigen Interpretationen nerven: „Sie plappern bloß auswendig gelernte Schemata nach, anstatt die Schüler frei lesen zu lassen, ihnen zu erklären, dass jeder Gedichte anders verstehen darf, und ihnen die Angst vor vermeintlich schwierigen Texten nehmen.“ Die Festivalleiterin hofft, dass Poesie durch Literaturfestivals noch mehr Wertschätzung und mehr Leser gewinnt. Im Ausland geschehe dies bereits: „In Kolumbien beispielsweise kamen im letzten Jahr 5.000 Besucher zur Eröffnung des Poesiefestivals in Medellín, die Gedichte der teilnehmenden Autoren wurden herumgereicht, teilweise auswendig rezitiert“, erzählt Dyck. …

Dass Gedichte sich schlechter verkaufen, überrascht den Verleger nicht: „Gedichte zu lesen ist eine Übungssache. Über Bestseller braucht man in der Regel nicht viel nachdenken. Auf Lyrik muss man sich konzentrieren.“ Professor Althaus sieht das genauso: „Gerade bei moderner Lyrik gibt es einen Moment des Hermetischen, man muss mit ihnen kämpfen, während die Texte, die sich zu einem bestimmten Zeitpunkt als sehr populär erwiesen haben, diesen Widerstand nicht haben.“

Viele Lyriker und Poesiebegeisterte beschwören oft das baldige Aussterben der Lyrik. „Ich bin anderer Meinung“, sagt [Madjid] Mohit, „Ein Gedicht lässt sich nicht nur schnell lesen, sondern man kann lange darüber nachdenken. Ich denke, das ist sogar notwendig für Menschen in unserer schnellen Zeit. Die Lyrik wird eine Stelle finden.“ Außerdem gebe es neue Formen von Lyrik, zum Beispiel Slam Poetry, die der jüngeren Generation entsprächen. „Kein Lyriker ist so naiv zu glauben, er könne von der Lyrik leben“, sagt Wustmann. „Gottfried Benn hat mal errechnet, dass er mit seiner lyrischen Arbeit zu Lebzeiten kaum sechs Mark verdient hat.“ Aufhören zu schreiben wird er nicht. „Gedichte zu schreiben ist ein innerer Drang, den ich schon als Kind hatte. Lyrik ist die prägnanteste literarische Form, mit ihr kann man auf minimalstem Raum sehr viel ausdrücken und zugleich experimentieren, neue Bedeutungsebenen erschließen. Das fasziniert mich als Autor und als Leser.“ Der Kölner Dichter nimmt die Situation mit Humor: „Selbst wenn zeitweise die Leser komplett verschwinden, wie es immer wieder passiert, liest die Lyrikszene sich eben gegenseitig“. /  Natalia Sadovnik

22. Harald-Gerlach-Stipendium für Danz

Die aus Eisenach stammende und mit ihrer Familie in Kranichfeld (Weimarer Land) lebende Autorin Daniela Danz erhält in diesem Jahr das Thüringer Literaturstipendium „Harald Gerlach“. Der mit 12.000 Euro dotierte Preis wurde auf Initiative des Thüringer Literaturpreisträgers Ingo Schulze und der Literarischen Gesellschaft 2009 ins Leben gerufen. Die zum vierten Mal vergebene Förderung eröffnet der Stipendiatin die Möglichkeit, ein Jahr lang intensiv an ihrem dritten Gedichtband zu arbeiten. Stipendiaten waren bisher Lutz Seiler,Jan Volker Röhnert und Christian Rosenau. / Thüringer Allgemeine

21. „Ich liebe den Präsidenten“

Die botswanische Lyrikerin Berry Heart (24) überraschte das Publikum eines Lyrikfestivals in Maun (Nordbotswana), als sie in knappem Bikini ihr Gedicht  “I have a Crush on Ian Khama” vortrug, eine Liebeserklärung an den Staatspräsidenten Ian Khama (59).

Während ein Bild des Präsidenten an die Wand projiziert wurde, schüttelte die aus der Hauptstadt Gaborone stammende Autorin ihr fülliges Hinterteil [„ample behind“] in bestrickenden Tanzbewegungen und beschrieb „sensually“ [sinnlich / sensualistisch], wie sie in den Präsidenten verliebt ist, seit sie 5 war. Sie wünschte, Botswanas begehrtester Junggeselle möge sie von der Folter unerwiderter Liebe befreien. Zitat aus dem Gedicht: „Mein geliebter Ian, ich träume davon, wie du meine erogensten Zonen streichelst und meinen Knochen elektrische Impulse schickst, wenn dein Schnurrbart gegen meinen Nacken [„the nape of my neck“] reibt“. / Daniel Chida, The Voice 1.6.

Einige Medien heizten die Debatte an, indem sie behaupteten, sie sei „topless“ aufgetreten.

Google zeigt eine anscheinend gefährliche Seite, obwohl das Zitat ernsthaft klingt:

Poetavango ends the year in style

http://www.weekendpost.co.bw/index.php?…1044%3… – Diese Seite übersetzen

Diese Website kann Ihren Computer beschädigen.

According to Berry Heart, Poetry for Thought aims to positively change the lives of gender-based violence victims; to mentor, educate and entertain through the …

Hier der Text des Gedichts

20. Alain Lance

Als in der DDR die Reihe »Poesiealbum« erschien und einen europäischen Ruhm begründete (Poesie, als wäre sie eine Zeitung!, und dazu noch für 90 Pfennig Ost!), da war 1977 Alain Lance der Dichter der 114. Ausgabe. Ihm folgte, Geistesbruder zu Geistesbruder, die Nummer 115 – Volker Braun. Darin ein Gedicht über Austern, gewidmet dem französischen Freund, der die Speise-Tierchen aus Paris mitbrachte – für den deutschen Essenstisch, an dem, so erzählt das Gedicht, auch Christa und Gerhard Wolf Platz nehmen. Austern* schlürfen: »das/ Leben zwischen Gier und Abscheu/ Zergehen lassen auf der Zunge, ja.« / Hans-Dieter Schütt, ND 5.6.

Alain Lance: Deutschland, ein Leben lang. Mit einem Nachwort von Volker Braun. Verlag Matthes & Seitz Berlin. 160 S., 17,90 €.

* „diese kleinen / Fotzen der See“ (Die Austern, in: Volker Braun: Gegen die symmetrische Welt, Halle (Saale) 1974, S. 11)

19. Realpoesie!

Große Dinge bereiten sich vor, wenn die Zeitschrift „Das Gedicht“ ihren 20. Geburtstag feiert:

Am Dienstag, den 20. November 2012 findet in der Donaumetropole unter dem Titel »Endlich Realpoesie! – zwei Jahrzehnte ohne Angst vor Lyrik« ein Lesungsabend mit Podiumsdiskussion statt, der gemeinsam von der Alten Schmiede Kunstverein Wien und der Hauptbücherei Wien veranstaltet wird.

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18. poet in residence an der Uni: Sprachanatom Guy Helminger

04.06.2012, 12:10 | Autor: idw |

„Sprache ist überall“, behauptet der in Köln lebende Luxemburger Lyriker, Romancier, Dramatiker, Hörspielautor und Fernsehmoderator Guy Helminger, der vom 18. bis 21. Juni als poet in residence an der Unversität Duisburg- Essen (UDE) lehren wird. In seinen Poetikvorlesungen und dem Schreibseminar öffnet er die Tür zu diesem Anatomieraum etwas mehr als nur einen Spalt breit. Aber bitte beachten: „Laut wird es dabei, weil Sprache immer laut ist.“

„Braucht man sich ’einfach‘ nur zu bücken und kann mit einem Gedicht aufwarten?“ Das ist die Ausgangsfrage für die Sprachanatomien, die Helminger in und mit seinen Texten praktiziert. In seinen UDE-Vorlesungen werden sie reflektiert und am lebenden Objekt der Literatur vorgeführt. „Ich selbst“, so Helminger, „bringe meine Funde immer in meinen Anatomieraum. Dort steht eine Tastatur, mit der ich Skalpelle von unterschiedlicher Größe bediene, daneben liegen Nadel, Nähfaden und Verband. Die Körperteile, Sehnen, Synapsen, die sich zeigen, sind von eigentümlicher Schönheit, manchmal kleben an ihnen Pläne, Fotografien, manchmal sind da dunkle Flecken, die sich nicht aufhellen lassen. Und manchmal schneide ich mich selbst, weil ich nicht zwischen Fremdkörper und eigenem Leib unterscheiden will.“

Der in Esch-sur-Alzette (Luxemburg) geborene Helminger studierte Germanistik und Philosophie in Luxemburg, Heidelberg und Köln, war Barkeeper in einer legendären Kölner Punk-Kneipe (wovon der Roman „Die Schlammkröte“ erzählt), Schauspieler, Regieassistent und 3D-Grafiker. Sein literarisches Schreiben begann zunächst mit Lyrik, Hörspielen und Theaterstücken, bevor ab ca. 2001 auch vermehrt erzählende Texte und Romane wie „Morgen war schon“ (2007) und „Neubrasilien“ (2010) hinzukamen. Seit 2010 moderiert Helminger die Fernsehsendung „Kultur“ bei RTL-Luxemburg. 2002 erhielt Helminger den Prix Servais, 2004 den 3sat-Preis beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb und 2006 den „Prix du mérite culturel de la ville d´Esch“.

Termine:

Öffentliche Poetik-Vorlesungen: (Campus Essen. Bibliothekssaal, Gebäude R11)

  • Montag, 18. Juni, 16.40 bis 18 Uhr: „Gedichtlappen. Lyrik und der dunkle Rest“
  • Dienstag, 19. Juni, 16.30 bis 18.00 Uhr: „Verweilen, bis es weh tut. Literatur und ihre Langsamkeit“
  • Mittwoch, 20. Juni, 16.30 bis 18.00 Uhr: „ICH! Und ist da noch wer? Die Biographie als Basis von Literatur“
  • Öffentliche Ergebnispräsentation der Schreibwerkstatt für UDE-Studierende: am Donnerstag, 21. Juni, 16.30 bis 18.00 Uhr
  • Öffentliche Lesung in der Stadtbibliothek Essen: Mittwoch, 20. Juni, 20 bis 21.30 Uhr: Guy Helminger liest aus seinen Texten

Weitere Informationen:
http://www.uni-due.de/poet_in_residence/ausblick.shtml