72. Lietzenlied

„Lietzenlieder“ nennt der Berliner Lyriker Uwe Kolbe seinen neuen Gedichtband und lässt damit gleich in einem einzigen Wort eine Vielzahl von Bedeutungen anklingen. Die Lietze als Alter Ego, stellt sich der Poet hier nicht als edler Singvogel, sondern selbstironisch als krächzendes Berliner Blässhuhn dar. Aber die „Lietzenlieder“ sind auch eine ganz ernst gemeinte sprachhistorische und kulturgeschichtliche Verortung der eigenen poetischen Lebensarbeit: in der bewussten Rückbesinnung auf die slawischen Ur-Siedler Brandenburgs, ihre Sprache, die von Naturgottheiten und heidnischen Bräuchen geprägte Mythologie. Dort bei seinen slawischstämmigen Vorfahren, viele Jahrhunderte vor der als Ostberliner Bürger erlebten zeitgenössischen Geschichte des geteilten und wieder vereinigten Deutschlands, findet der Autor seine poetische Urverfassung – das Lietzenlied… / Michaela Schmitz, DLF

Uwe Kolbe: „Lietzenlieder“, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main

71. Experten

Man kann gar nicht soviel nach-schlagen wie man… brechen müßte: auf-, den Stab –, ins Horn, was weiß ich.

Lyrische Bildhaftigkeit hatte auch der Prosatext von NN zu bieten.

Ja, was sich die Zeitungsschreiber darunter vorstellen. Irgendwie lyrisch, so bildhaft halt. Steht in der Zeitung, es muß stimmen.

Inhaltlich wurde „Utopielosigkeit“ (Christoph Buchwald) diagnostiziert, das seit einigen Jahren als Stoff beliebte Großelternsterben soll in den eingesandten Texten weitergegangen sein, wurde dem öffentlichen Publikum aber zugunsten von unerfülltem Beziehungsleben* vorenthalten.

Ja, das sind Experten, die wissen das. Die Zeitung schreibts auf, da kann mans nächstes Jahr zitieren. Ohne Quellenangabe, versteht sich.

Demgegenüber** steht eine inzwischen hohe Professionalität➶ der jungen Autoren. Bei der Lyrik konnte man ein großes Formbewusstsein beobachten, weder vor traditionellen Formen wie dem Sonett noch vor Reim➶➶ und Alliteration scheuen heute die Lyriker zurück, blieben aber oft doch merkwürdig spröde, unsinnlich und oft kleinteilige Spracharbeiten.

Professionalität, Formbewußtsein: verdächtig ist das schon. Alles Akademiker wahrscheinlich. Nichts zu sagen, aber das geschwollen ausdrücken!

„Dankeschön, oder in meiner Generation: Scheiß egal“, sagte dagegen der 22-jährige Lyrikpreisträger Martin Piekar.

Ein 22jähriger, ich unterstelle mal, da Lyriker, nicht Großverdiener, dem es scheißegal ist, daß er grad 2.500 Eier bekam? Steht in der Zeitung. Generationsforscher werden es zu zitieren wissen.

Jemand aus dem Publikum meint, er habe „Scheiße, geil!“ gesagt. Klingt mir plausibler, steht aber nicht in der Zeitung.***

Mir plausibler, mal genau gesagt. Aber kommts auf mich an? Ich gehöre eingeschlossen, bzw. gehöre, da aus dem Osten, vielleicht zu den 16 % mit einem „geschlossenen rechtsextremen Weltbild“. Steht in der Zeitung, noch dazu einer, die ich seit 20 Jahren abonniert hab, leicht überteuert (sie nennen es „politischer Preis“):

Die Wissenschaftler sind alarmiert: Fast jeder sechste Ostdeutsche hat laut einer neuen Studie ein „geschlossenes rechtsextremes Weltbild“.

Jeder sechste? In meinem Haus wohnen rund 20 Menschen, das wären dann mehr als 3. Nein, meinen Nachbarn mag ich das kaum zutrauen, ob ich es nicht doch selbst bin? Mich haben sie zwar nicht gefragt, aber die haben schon ihre wissenschaftlichen**** Methoden.

Menschen mit einem „geschlossenen rechtsextremen Weltbild“ sehen unauffällig aus und tarnen sich beim Reden mit dem Nachbarn. Nur wenn Experten k0mmen, sagen sie ihre wahre Meinung. Sie wählen CDU, SPD, Grüne oder Piraten (alles Parteien, die in Greifswald mehr Stimmen haben als die Nazis).

Interessant sind die Fragen der Experten.

– „Was Deutschland jetzt braucht, ist eine einzige starke Partei, die die Volksgemeinschaft insgesamt verkörpert“ finden gut 19 Prozent der Ostdeutschen (West: 15)

19:15 also. Messerscharf folgern die Experten, daß uns Normalos der Atem schon mal stockt:

In den ersten Jahren stellten die Wissenschaftler noch im Westen des Landes häufiger ein „geschlossenes rechtsextremes Weltbild“ fest als im Osten. Das hat sich inzwischen eindeutig geändert: 2012 hatten gut 7 Prozent der Westdeutschen nach den Kriterien der Forscher eine durchgehend rechtsextreme Einstellung, in Ostdeutschland waren es knapp 16 Prozent.

Demnach meinen 8 Prozentpunkte der Westdeutschen, die die Volksgemeinschaft durch eine starke Partei vertreten wünschen, das gar nicht rechtsextrem, wohl aber eindeutig 16 von den 19 Prozentpunkten der Ostdeutschen mit der gleichen angekreuzten Ansicht.**

– „Auch heute noch ist der Einfluss der Juden zu groß“ finden 19 Prozent der Ostdeutschen (West: 20)

19:20, auch interessant. Liegt Lübeck eigentlich im Osten oder Westen? Die Unterschiede sind ja nicht nennenswert. Ein gepflegter Antisemitismus muß gar nicht rechtsextrem sein. – Folgerichtig auch diese Zahlen:

– „Der Nationalsozialismus hatte auch seine guten Seiten“ finden knapp 9 Prozent der Ostdeutschen (West: 11).

Im Westen gibts einfach mehr Autobahnen.

Traue keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast, soll Churchill gesagt haben. Für unseren Fall variiere ich eine Strophe von Wolf Biermann:

Und auch die deutschen Professorn / was haben wir bloß an denen verlorn / die wirklich manches besser wüßten / wenn sie nicht

Experten wären. Experten & Zeitungsschreiber. Warum vergeude ich immer noch meine Zeit mit denen? Nächstes Jahr lese ich 2 Zeitungen weniger. Schreib ich mir eben mehr selber.

Quellen: Frankfurter Rundschau / Deutschlandradio  / taz

___________________

*) wie Goethe (der alte Faust, der junge Werther).

**) In meiner Jugend bedeutete demgegenüber was andres als dem gegenüber, aber daran sind andre Experten schuld.

***) okay, jetzt stehts in der Lyrikzeitung, aber das ist keine richtige Zeitung, Richard sagt das auch.

****) wassenschuftler, wissenschaftler (Papenfuß)

*****) Daß meinem ostdeutschen Laienverstand eine solche Fragestellung provokatorisch vorkommt, so daß ich fast meine, solche Frage von irgendeinem akademischen Lackaffen mit rheinischem Dialekt gestellt provoziere bei manchen Befragten – ich kanns mir bei meinem verstorbenen Vater vorstellen, der in Ulbrichts DDR Adenauerfan war zu meinem Leidwesen und der, wenn die weggegangen wären, gesagt hätte: „Die Heijeijen“ (Heugeigen******) – genau die erwarteten Antworten.

******) Mildere Form von Arschgeigen.

➶) „Die meisten anderen Texte waren sehr klar und oft, wie moniert wurde, mit einer „erschreckenden Professionalität“ geschrieben und vorgetragen.“ (Zeitung über den open mike 2011)

➶➶) Weder Sonett noch Reim!

70. 20ter open mike

Die Gewinner des 20. open mike stehen fest

Die Juroren des 20. open mike haben entschieden: Die Preise für Prosa gingen an Juan S.Guse (Hildesheim) für den Text „Pelusa“ und an Sandra Gugic´(Berlin) für den Text „Junge Frau, undatiert“. Der Lyrikpreis des open mike ging an Martin Piekar (Bad Soden). Den Preis der taz-Publikumsjury erhielt Joey Juschka (Berlin) für den Text „SCHAF e.V.“.
Der open mike wird von der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation ausgelobt und ist mit insgesamt 7500,- EURO dotiert.

Aus den über 630 eingegangenen gültigen Bewerbungen aus dem gesamten deutschsprachigen Raum wählten sechs Lektoren aus renommierten Verlagen die 22 Autoren und Autorinnen aus, die am 10. und 11. November 2012 beim Finale im Heimathafen Neukölln in Berlin ihre Texte vortrugen. Die Juroren Marcel Beyer, Thomas von Steinaecker und Silke Scheuermann kürten die Gewinner.

Der open mike hat sich, seitdem er 1993 zum ersten Mal verliehen wurde, zum wichtigsten deutschsprachigen Literatur-Nachwuchswettbewerb entwickelt und ist Karrieresprungbrett für junge Autoren. Gewonnen haben ihn u.a. Karen Duve, Kathrin Röggla, Jochen Schmidt, Terézia Mora, Tilman Rammstedt, Rabea Edel, Jörg Albrecht und Judith Zander.

Die Gewinner:

Sandra Gugic´, in Wien geboren, Studium an der Universität für Angewandte Kunst in Wien sowie am Deutschen Literaturinstitut Leipzig. Stipendien und Preise u. a.: österreichisches Staatsstipendium für Literatur des bm:ukk 2010/11, Hohenemser Literaturpreis (Anerkennungspreis) 2011. Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften und Anthologien: u. a »kolik«, »Wortwuchs«, »Lautschrift«, »Tippgemeinschaft«, »Lichtungen«.

Juan S. Guse, geboren 1989 in Seligenstadt am Main, Literaturstudium, Mitherausgeber der »BELLA triste«.

Joey Juschka, 1977 in Halle / Saale geboren, studierte Germanistik und Anglistik / Amerikanistik, erst in Halle und in Newcastle, Großbritannien, und schließlich in Berlin. In Berlin blieb sie dann auch und arbeitete in verschiedenen Jobs rund um Sprache und Kunst: als Deutschtrainerin, Performerin, Dramaturgin, Festivalorganisatorin. Heute schreibt sie hauptsächlich – seit Kurzem mit »Wunschgeschichte« auch auf Bestellung: www.joeyjuschka.com

Martin Piekar, 1990 geboren, Student der Philosophie und der Geschichte an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main; wohnhaft allerdings in Bad Soden a. T. 2007 Teilnehmer des Schreibzimmers im Literaturhaus Frankfurt, 2010 Gewinner des Gedichts des Jahres beim Lyrix-Wettbewerb des Deutschlandradios, 2012 Stipendiat der Stiftung Niedersachsen beim Literaturlabor Wolfenbüttel. Veröffentlichte bereits in Literaturzeitschriften (z. B. »POET«, »etcetera«, »floppy myriapodo«, »Federwelt«) und Mitglied des Jungautorenkollektivs »sexyunderground« des Literaturhauses Frankfurt am Main.

Die Gewinner des open mike gehen direkt im Anschluss auf Lesereise, Termine:
Mo, 12.11., 20 Uhr, orange peel, Frankfurt, www.orange-peel.de
Do, 13.11., 19 Uhr, Literaturhaus Wien, www.literaturhaus.at
Mi, 14.11., 19.30 Uhr, Literaturhaus Zürich, www.literaturhaus.ch

Die Wettbewerbstexte sind als Anthologie im Allitera Verlag (www.allitera.de) erschienen und dort oder im Buchhandel erhältlich.
Am 18.11.2012 um 0:05 Uhr sendet Deutschlandradio Kultur die Reportage „20. open mike“.

Der open mike ist eine Gemeinschaftsveranstaltung der Literaturwerkstatt Berlin und der Crespo Foundation in Kooperation mit dem Heimathafen Neukölln und dem Allitera Verlag. Mit freundlicher Unterstützung des Fachbereichs Kultur des Bezirksamtes Neukölln.

Im DLR eine Nachlese von Tomas Fitzel.

69. Nachschlag

In diesem Jahr gab es 634 Bewerbungen, davon 46 Lyrikeinsendungen.

Der Hintergrund der Teilnehmer ist ähnlich: Die Autoren sind akademisch gebildet, die Hälfte hat schon verschiedene Preise gewonnen, ein Drittel studiert literarisches Schreiben, und ein Drittel hat in verschiedenen Ländern gelebt. Bevor sie lesen, werden die Autoren von den Lektoren als Mentoren vorgestellt. Dass die zu lesenden Texte zuvor auch schon interpretiert werden, irritierte etwas – lustig allerdings, dass die Mentoren die zu lesenden Texte oft mit ähnlichen Worten charakterisierten.

Es macht Spaß, zum open mike zu gehen, sich die jeweils 15-minütigen Texte anzuhören, in den Pausen herumzustehen und über das Gehörte nachzudenken, in dieser Umgebung auf andere Gedanken zu kommen, zu überlegen, wieso einem etwas gut oder nicht so gut gefällt.

Oder auch, was für einen Einfluss zum Beispiel der jeweilige Sitzplatz auf die Wahrnehmung der Texte hatte – die ersten Autoren hörte ich weit entfernt von der Bühne, auf dem Boden sitzend, die nächsten ganz nah in der ersten Reihe und am Sonntag im Rang wie Ägyptens König auf alles snobistisch herabblickend. Das war am angenehmsten.

Komischerweise beeinflusste der Sitzplatz zwar das Wohlbefinden, aber nicht unbedingt das Urteil über die Texte: Viele, die man etwas bedrängt direkt vor der Bühne gehört hatte, fand man trotzdem toll, wie etwa die seltsame, äußerst präzise Matrosenlyrik des 1989 in der Ukraine geborenen Autors Yevgeniy Breyger, den Auftritt des späteren Preisträgers Martin Piekar, des einzigen Autors, der popkulturelle Zeichen zwischen queer und Grufti trug und ein wenig an den Sänger Antony Hegarty erinnerte. / Detlef Kuhlbrodt, taz

68. American Life in Poetry: Column 396

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

I’m not alone in noticing how time accelerates as we grow older, and as the seasons grow ever more brief the holidays are gone in a wink. This poem by Nancy Price about Halloween catches a little of that. She’s an Iowan whose poems are so heartfelt, clear and useful that we could run them every week and none of you would complain.

Trick or Treat 

The ghost is a torn sheet,
the skeleton’s suit came from a rack in a store
the witch is flameproof, but who knows‘
what dark streets they have taken here?
Brother Death, here is a candy bar.
For the lady wearing the hat from Salem: gum.
And a penny for each eye, Lost Soul.
They fade away with their heavy sacks.
Thanks! I yell just in time.
……………………………Thanks for another year!

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2007 by Nancy Price from her book of poetry Two Voices and a Moon,Malmarie Press, 2007. Reprinted by permission of Nancy Price and the publisher. Introduction copyright © 2012 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

67. Eliot-Witwe gestorben

Valerie Eliot, die Witwe des Dichters T.S. Eliot und Bewahrerin seines literarischen Erbes über nahezu ein halbes Jahrhundert, starb im Alter von 86 Jahren nach kurzer Krankheit in ihrem Haus in London.

Frau Eliot begründete den jährlich verliehenen T.S.-Eliot-Preis und unterstützte literarische Wohltätigkeitsprojekte. / Jill Lawless, AP

66. Abu Simbel? Sprengen!

Jürgen Trittin meinte heute, Salafisten seien keine Islamisten. Hoffentlich täuscht er sich nicht. Vielleicht bekommt ers noch mal (als Minister?) damit zu tun:

Der islamistische Prediger Jussef al-Badri, Angestellter des Ministeriums für Islamische Stiftungen, hatte jüngst einen früheren Vorschlag der fundamentalistischen Salafisten aufgewärmt und erklärt, die Zerstörung antiker Statuen sei religiöse Pflicht. Auch der Prophet habe Statuen um die Kaaba in Mekka zerstört, die Figuren aus der Pharaonenzeit förderten die Rückkehr zum Götzendienst. Antikenminister Mahfus Abdel Rahman entgegnete daraufhin, er akzeptiere nur eine Fatwa, also eine religiöse Anweisung, von der Al-Ashar-Moschee. Der Schriftsteller Gamal al-Ghitani, einer der bekanntesten Literaten des Landes, nannte den Vorschlag ‚beängstigend‘, aber erwartbar, schließlich regiere die islamistische Muslimbruderschaft, der auch Präsident Mohammed Mursi entstammt. / Süddeutsche Zeitung 3.11. S. 14.

65. Weiteres

von open mike blog:

Friederike Scheffler “Gedichte”

“körperschwäche, flächenbrand. … pathosproblem” könnte man als selbst gewählte Kurzformel für Friederike Schefflers (Liebes-)Gedichte lesen. Sie misstrauten allem Pathetischen, so Lektor Christoph Buchwald, seien eine ironisch getönte “Vermessung zweier Menschen”.

“hexenschuss, migräneanfall, das schmale becken / sämig, zäh. zähl mit der hand: kanten, verhüllung, / mein hohles klopfen, schläfenbein. ich bin das nicht, / das pochen, dehnen. auf körpersprachen, außerhalb, / lass ich mich ungern, zögernd ein. altes mantra: / nichts verkosten. ich diktiere: beine, po. flacheren / bauch. wo das hinführt, wie ich einknick. / im nachhall, in verkalkten schichten. es wird / schlimmer, ich faste, verschütte den gin.”

(…)

(Spyra fehlt noch)

64. Noch mal vom Blog

Laudatio von Marcel Beyer auf die Gedichte von Martin Piekar

Wie Tee mit Rum können Gedichte sein.

Sie brauchen Ruderboote, Flashbacks, Zappenduster. Brauchen die Kirschblüten, das Eis, Dominaspuren. Sie brauchen Teilwahnsinn und Fetische – und Frankfurt brauchen sie natürlich auch.

Den Weltschlaf und die Voodooentropie nicht zu vergessen.

Und dann brauchen sie jemanden, der Reim und Rhythmus einzusetzen weiss!

Jemanden, der uns rechtzeitig weckt, der uns auf Surrealem wandeln, doch auf Realem ausrutschen lässt, jemanden aus Bad Soden:

Martin Piekar.

63. Von der Zeche

Natürlich habe ich die Zeit, über die ich in dem Zyklus geschrieben habe, nicht selbst miterlebt, also war Recherche notwendig. Andererseits gab es aufgrund meiner Familiengeschichte durchaus auch einen sehr persönlichen Zugang. Meine beiden Großväter haben auf der Zeche gearbeitet, der eine untertage, der andere in der Kohlenwäsche. Beide habe ich nicht mehr kennengelernt, denn einer starb in den 60er-Jahren bei einem Grubenunglück, der andere an der unter Bergleuten so weit verbreiteten Staublunge. So vermengt sich dies im Schreiben womöglich zu einer Art historischen wie persönlichen Spurensuche, die hineinreicht bis in die Gegenwart und im besten Falle verschiedenste Schichten offenlegt: historische, biographische, poetische und Gesteinsschichten. Aber das Schreiben ist bei mir dadurch nicht monothematisch geworden, ich bin sicherlich kein neuer Arbeiterdichter oder literarischer Heimatkünstler. Es ist einer von vielen Aspekten meiner literarischen Arbeit.

/ Christoph Wenzel über seinen neuen Gedichtband „weg vom fenster“, Literaturland Westfalen

62. Tawadas Poetik

Im zweiten, wesentlich umfangreicheren Teil des Bandes findet der Leser Untersuchungen zu Tawadas Werk und Schreiben, zu den Schwierigkeiten und Chancen, in interkulturellen Kontexten zu agieren – eben zu ihrer interkulturellen Poetik. Ergänzt um ein Gespräch der Herausgeberin mit der Autorin erhält man einen facettenreichen Einblick in eine höchst faszinierende Biographie und ein unbedingt lesenswertes Werk, dem viele Rezipienten zu wünschen sind. / Steffen Höhne,  TLZ 10.11.

Yoko Tawada: Fremde Wasser. Vorlesungen und wissenschaftliche Beiträge. Hrsg. von Ortrud Gutjahr. Konkursbuch-Verlag,Tübingen, 510 Seiten, 24,90 Euro

61. Poetic Stone

Hand-written letters from Rolling Stones frontman Mick Jagger to his former lover Marsha Hunt will be auctioned in London next month.

Hunt is an American-born singer who was the inspiration for the Stones’ 1971 hit Brown Sugar and bore Jagger’s first child.

(…)

Sotheby’s books specialist Gabriel Heaton said the letters sent in the summer of 1969 show a “poetic and self-aware” 25-year-old Jagger. / The Chronicle Herald (Kanada)

60. open mike

Die Gewinner des 20. open mike

Juan S. Guse
Sandra Gugic
Martin Piekar

taz-Publikumspreis: Joey Juschka

Bald mehr dazu auf www.openmikederblog.wordpress.com

59. Fragen

Drei Fragen an Simone Kornappel und Philipp Günzel, Herausgeber des Literaturmagazins randnummer aus Berlin.

Wie fandet ihr den Wettbewerb bis jetzt? Habt ihr einen Favoriten?

Philipp Günzel: Arne Vogelgesang hat mir sehr gut gefallen – schöne, rhythmische Texte, gut vorgetragen, das stach für mich positiv heraus.

Was hat es mit der Literaturzeitschrift auf sich, die ihr herausgebt?

Simone Kornappel: Die randnummer erscheint seit 2008, gerade sind wir in die fünfte Ausgabe gegangen, mit unveröffentlichten Texten von Walter Höllerer, Übersetzungen von Bruce Andrews und Charles Bernstein und neue Arbeiten von Angelika Janz, die Gedichte aus literaturfernen Materialien wie z.B. Eierkartons „Güteklasse A“ herstellt und handschriftlich ergänzt.

/ open mike der blog

58. Spruch des Tages

bei Facebook belauscht:

  • sind eigentlich alle lyriker schwach in sachen mathe? is das ne grundbedingung? (Kieninger)
  • Viele sind sogar schwach in Lyrik. (N.N.)

(sollte jemand Leistungsschutz einfordern, hier gehts zu meinem Anwalt)