38. Selbstinspektion

Bei seiner Selbstinspektion muss sich Les Murray auch der eigenen Vergangenheit stellen, dem Gefühl, schuld zu sein am Tod der Mutter, den erduldeten Demütigungen und schulischen Schikanen, den selbstzerstörerischen Impulsen, den Unzulänglichkeiten als Erzieher und Ehemann.

Neben familiärem Zuspruch war die Poesie das Instrumentarium, den Ursachen der Depression auf den Grund zu gehen. Murray gesteht, es seien einige «verkrampfte, unklare Gedichte» gewesen, die dabei entstanden, und erst die «Übersetzungen aus der Natur» von 1992, in denen er den Tieren und Pflanzen eine Stimme verleiht, hätten ihm geholfen, Abstand vom eigenen Selbst zu gewinnen. In diese Zeit fällt auch der Beginn des ungeheuren Versromans «Fredy Neptune», doch anders als dessen mit übermenschlichen Kräften ausgestatteter Protagonist muss Murray sein nicht früh genug diagnostiziertes Asperger-Syndrom, den daraus resultierenden Mangel an sozialer Kompetenz und die sexuelle Frustration ganz allein mit den Mitteln der Dichtung verarbeiten. Murray spart an diesen Stellen nicht mit bissigen Seitenhieben auf die ungesunde Prüderie seiner Jugendtage und das gehässige Verhalten seiner Umwelt. (…)

Bei aller persönlichen Betroffenheit bleibt Les Murray auch hier stets ein Seismograf gesellschaftlicher Phänomene. / Jürgen Brôcan, Neue Zürcher Zeitung 29.1.

Les Murray: Der Schwarze Hund. Eine Denkschrift über die Depression. Aus dem Englischen von Margitt Lehbert. Edition Rugerup, Berlin u. Hörby/Schweden 2012. 92 S., Fr. 28.90.

37. Plaths Kreativität

Plaths Leben und Schreiben wird seither fast durchweg von ihrem Selbstmord aus gelesen. Er ist die unumstössliche Deutungsinstanz ihrer Interpreten, und zugleich verdunkelt er die Sicht auf ihr Werk. Er machte aus ihr nicht nur eine Ikone weiblichen Schreibens, sondern auch des Feminismus, und zwar gerade, weil sie an diesem Leben scheiterte. Daran, die verschiedenen, sich zum Teil ausschliessenden Vorstellungen und Rollenbilder – Tochter, Ehefrau, Mutter, Geliebte, Schriftstellerin, Muse –, die sie für sich imaginierte und inszenierte, in Einklang zu bringen.

Für nicht wenige ihrer sich in ihre Lebenstragödie einfühlenden Leser und insbesondere Leserinnen hatte es den Anschein, als hätte sie nicht Selbstmord begangen, sondern wäre ermordet worden: von ihrem Vater, der starb, als sie acht Jahre alt war, und der eine Leere in ihrem Leben hinterliess, die sie nie auszufüllen vermochte. Und von ihrem Ehemann Ted Hughes, Schriftsteller wie sie, bewundert und gehasst. Dass die beiden Hauptwerke, der Roman und der letzte Gedichtband, erst kurz vor und nach ihrem Tod erschienen sind, hat zu dem Missverständnis beigetragen. Sie wurden zum Symbol für das Martyrium weiblicher Autorschaft, die sich lebenslang durch männliche Autorität eingeschüchtert und beschnitten sieht und Anerkennung, gar Ruhm erst durch Selbstmord erlangen kann.

Liest man die Tagebücher, bekommt man einen anderen Eindruck. Den von einer Autorin, die sich ein idealisiertes männliches Gegenüber konstruiert, von dem sie sich abhängig fühlt, auf das sie Rücksicht nehmen zu müssen glaubt, das ihren Widerstand weckt, das sie entwertet – um produktiv zu sein. Kreativität entsteht bei Plath vor allem in der Aggression, in Widerspruch und Kampf, in Auflehnung gegen den immerfort aufrechterhaltenen, internalisierten Opferstatus. / Bettina Hartz, Neue Zürcher Zeitung 9.2.

36. Postpoetry

Bereits zum dritten Mal wurden im PostPoetry-Wettbewerb fünf Lyriker und fünf Nachwuchsautoren aus Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Am Anfang des Folgejahres gehen die Preisträger auf Lesereise durch NRW. 

Am Sonntag, den 17. Februar gastieren zwei der Preisträgerinnen in der Bürgerwache und stellen ihre Lyrik vor:
Bärbel Klässner aus Essen, Preisträgerin in der Kategorie Lyrik sowie Susanne Romanowski aus Hamm, Preisträgerin in der Kategorie Nachwuchs. / Bielefelder Blatt

Die vollständige Liste der Preisträger:

Die Jury „Lyriker NRW“ (Prof. Dr. Ralph Köhnen – Ruhr-Universität Bochum, Dr. Jürgen Nendza – Lyriker, Monika Littau – Autorin/Gesellschaft für Literatur in NRW)
wählte folgende Texte und Preisträger aus:

„Hundert hertz“ von Bärbel Klässner (Essen)
„Zazen in der Metro“ von Thorsten Krämer (Köln)
„Notaufnahme“ von Hellmut Opitz (Bielefeld)
„Birken und Auen“ von Hermann-Josef Schüren (Aachen)
„zaman/zeit“ von Gerrit Wustmann (Kerpen)

Die „Junge Jury“, in der u. a. Preisträgerinnen des Vorjahres saßen (Lea Beiermann, Anna K. Linke) ermittelte in der Altersgruppe der 16-21-Jährigen ebenfalls fünf ausgezeichnete Texte und Nachwuchsautoren:

„SÄTZE ÜBER PLANKEN“ von Jason Bartsch (Jg. 1994, Solingen)
„Er läuft allein“ von Eva Freyschmidt (Jg. 1995, Düren)
„Cyberspice“ von Lina Hacker (Jg. 1991, Münster)
„urbanal“ von Susanne Romanowski (Jg. 1995, Hamm)
„Inventur“ von Rhea Simone Winand (Jg. 1993, Solingen) 

35. Poetopie

der leise dumpfe Aufprall, wenn der Schnee vom Dach rutscht – der Schnee schmilzt, sein Geräusch bleibt dir im Ohr

Hansjürgen Bulkowski

34. Ludens

Die endgültige Würdigung des graphischen und poetischen Werks bleibt späteren Generationen vorbehalten. Der kritischen Ausgabe geht stets eine noch kritischere voran – genau dies zu leisten ist meine Absicht.

Und so sage ich heute – während HELs Werkprozess ja noch andauert – mit aller Vorsicht nur dies: Der Kritzler, Strichler, Papierausreißer, Tuscher und Zeichner malt oft so, wie er als Strophiker seine Versjes schreibt: Grotesk, vieldeutig, bezüglich, lustig und lustvoll, tragikomisch und angstlos, vokabularistisch, fragmentariell und enzyklopädagogisch, polystilistisch, manisch und manntastisch – summa summarum: poeta & pictor ludens.

/ Ulrich Bergmann, KuNo

KritzHEL, Damonte-Verlag 2013

Eine Hörprobe von HEL findet sich auf MetaPhon.

Matthias Hagedorn über geKritzHEL

33. Umstürzende Omnibusse

Die Ahnung von „Weltende“ (so der Titel des berühmten Gedichts von Jakob van Hoddis), von Weltzerschleuderung, mit sprachlicher Zerschleuderung im Gefolge, muss damals die Köpfe dieser Dichter besetzt und für Hochdruck gesorgt haben. Doch wer verdüstert uns den Himmelsklumpen so dramatisch wie Lichtenstein? Wer sonst hat einen derart bitter wilden Sinn für das Groteske? Nicht nur, dass „Mimen bersten“, auch „Schöne homosexuelle/Männer kullern aus den Betten“. Das Gedicht ist vier Strophen lang ein berserkerhafter Gang aufs Ganze, bis alles „ein ekles Ende“ nimmt. Nur das Krächzen der umstürzenden Omnibusse hallt nach, letztes Geräusch in einer apokalyptischen Landschaft. / Joachim Sartorius, FAZ 9.2.

Prophezeiung

Einmal kommt – ich habe Zeichen –
Sterbesturm aus fernem Norden.
Überall stinkt es nach Leichen.
Es beginnt das große Morden.

Finster wird der Himmelsklumpen.
Sturmtod hebt die Klauentatzen:
Nieder stürzen alle Lumpen.
Mimen bersten. Mädchen platzen.

Polternd fallen Pferdeställe.
Keine Fliege kann sich retten.
Schöne homosexuelle
Männer kullern aus den Betten.

Rissig werden Häuserwände.
Fische faulen in dem Flusse.
Alles nimmt sein ekles Ende.
Krächzend kippen Omnibusse.

Alfred Lichtenstein: „Dichtungen“. Herausgegeben von Klaus Kanzog und Hartmut Vollmer. Zürich: Arche Verlag 1989.

Die Dämmerung

Ein dicker Junge spielt mit einem Teich.
Der Wind hat sich in einem Baum gefangen.
Der Himmel sieht verbummelt aus und bleich,
Als wäre ihm die Schminke ausgegangen.

Auf lange Krücken schief herabgebückt
Und schwatzend kriechen auf dem Feld zwei Lahme.
Ein blonder Dichter wird vielleicht verrückt.
Ein Pferdchen stolpert über eine Dame.

An einem Fenster klebt ein fetter Mann.
Ein Jüngling will ein weiches Weib besuchen.
Ein grauer Clown zieht sich die Stiefel an.
Ein Kinderwagen schreit und Hunde fluchen.

Aus: Ebd. S. 45.

Menschheitsdämmerung in der Open Library

32. Kein Kompromiß

1946 hineingeboren in die Sowjetische Besatzungszone geriet Ullmann aufgrund seines Gerechtigkeitssinnes und seines kritischen Verstandes schon früh in Konflikt mit den Vertretern der SED-Diktatur. Bereits als Jugendlicher beginnt er zu schreiben, wird Schlagzeuger, Komponist und Sänger in einer Beat-Gruppe, die prompt wegen ’sozialismusfremden, englischen Gesangs‘ verboten wird. Nachdem er sich aus Protest gegen den Einmarsch der Warschauer-Pakt-Staaten in die CSSR zusammen mit Freunden tschechische Fähnchen ans Revers heftet, wird er 1968 zusammen mit diesen verhaftet. In dieser Zeit beginnt die Überwachung durch das Ministerium für Staatssicherheit. Ullmann wird operativ bearbeitet. Seine Proteste gegen die Ausbürgerung von Kunze und Wolf Biermann ziehen Verhöre nach sich, deren Druck ihn seelisch krank machen. Zugleich versehrt und befreit, entfaltete er nach dem Ende der DDR eine ungeheure Produktivität. Er starb überraschend im Jahr 2009. Im Rückblick auf sein Leben sagte Ullmann: ‚Ich konnte nur so sein wie ich bin. Dichtung kennt keinen Kompromiss.‘ / Hans-Joachim Föller, Süddeutsche Zeitung 1.2.

Udo Scheer: Die Sonne hat vier Ecken. Günter Ullmann – eine Biografie. Mitteldeutscher Verlag, Halle 2012. 288 Seiten, 14,95 Euro.

31. Kavafis Project

Das ‚Kavafis Project‘ mit Wiener Kammerorchester und Singakademie kommt nach München, berichtete die Süddeutsche Zeitung am 1.2. (die Aufführung war am 2.2.):

Der gleichzeitig verklärende und objektivierende Blick des Exilanten auf die Heimat faszinierte. Auch den griechischen, aber in Frankfurt am Main aufgewachsenen Komponisten Alexandros Karozas, als er vor fast 25 Jahren das erste Mal mit den Gedichten Kavafis in Berührung kam und mit 17 Jahren die erste Melodie zu einem davon schrieb. Aus diesen frühen Skizzen entstand ein Liedzyklus, fern von Volkstümelei und Griechischer-Wein-Kitsch.

Das nun symphonisch ausgearbeitete ‚Kavafis Project‘ erscheint als groß angelegter Brückenschlag zwischen Kultur, Musik und Zeit – uraufgeführt 2011 in Wien. (…) Der in der ägyptischen Stadt Alexandria geborene Sohn griechischer Eltern verteilte seine Gedichte zu Lebzeiten ausschließlich in Kleinstauflage an ausgewählte Freunde. Doch posthum, er starb 1933, wurde er wiederentdeckt.

Und mutmaßt:

Bertolt Brecht war angeblich ein Verehrer Kavafis. Jacky O. auch.

Über Jacky K./O. haben sie sich informiert. Bei Brecht wäre es auch nicht schwer gewesen. Ein erster Blick in die 30bändige „Große Berliner und Frankfurter Ausgabe“ hätte eine Spur gebracht. Band 30 ist ein Registerband, einschließlich Personenregister. Da findet man eine der Buckower Elegien, die sich auf ein Gedicht des Griechen bezieht. Für den Rest hätte wahrscheinlich schon eine einfache Googlesuche weiterführen können. Aber ob das die Leser des Blattes interessiert?

30. Wortloch

Was ist eigentlich ein «a»? Ein blosses Zeichen, ein Vokal, der Anfang des Abc? Oder vielleicht doch mehr als nur Buchstabe, vielmehr ein Wort, das wächst und sich verzweigt und in den Verästelungen aufblüht? So wie das «a» im Slowenischen, das «aber» heisst: «Kaum in die Welt gesetzt / Aber schon aber, / Ein Ausnahmeort, / Wo der Gedanke bricht / Ins eigene Gegenteil.»

Bei Aleš Šteger sind die Wörter immer in Bewegung. Wenn der slowenische Dichter sich ein Alphabet baut, dann mag es zwar aus 25 Buchstaben bestehen (wie das slowenische Alphabet), aber für Šteger ist ein Wort nicht einfach ein Wort. Das Wort «Loch» etwa kann den Schreibenden verschwinden lassen, bis der Körper durchsichtig wird. Doch nur einen Moment später hat sich die Sichtweise geändert. Nun darf in dem Loch ein Baum entstehen, «Seine Blätter klopfen / An dich, / Er vermehrt sich von selbst, / Wachsende Stämme». Das Wort «en» («Eins») indes kann in Štegers Gedichten ein Nichts oder ein Nirgends sein, bevor Licht sichtbar wird und Atem und das Wort in flockiges Weiss übergeht: «Eine Unform / Von Schnee, / Der zugeschneit / Wird / Von der Peripherie / Des Worts Schnee, / Der verschwindet / Im Wort Ne.» / Nico Bleutge, NZZ 8.2.

29. Abgründe der Sprache

Wer irrtümlich oder zu spät den Hörsaal betrat, wie das ja gelegentlich in der Universität mal passiert, der musste einen großen Schreck bekommen: Da lief vorne ein glatzköpfiger Hüne rastlos hin und her und brüllte unaufhörlich die gleichen Silben ins Mikrofon, so dass die Lautsprecher fast zerbarsten. Wer noch nicht wusste, dass Sprache manchmal weh tun kann, der hatte es nach der letzten der Frankfurter Poetikvorlesungen von Michael Lentz unter dem Titel „Atmen Ordnung Abgrund“ fürs Leben gelernt – und in die Abgründe der Sprache geschaut. / Jan Wiele, FAZ

28. Verfluchung

Die Verächter der Lyrik sind zahlreich. Es gibt sie unter Politikern und Journalisten ebenso wie unter Literaturprofessoren und Verlegern. In der Regel zeichnen sie sich dadurch aus, dass sie keine Gedichte lesen, aber schlecht über sie sprechen. Lyrik ist ihnen ein Schimpfwort. Wenn sie etwas herabsetzen wollen, bilden sie ein Kompositum mit –lyrik. Parteitagslyrik ist ein solches Wort, Antragslyrik ein anderes. Manche begnügen sich auch mit abwertenden Wendungen wie: Das ist doch nur Lyrik – die mitunter von einer wegwerfenden Geste begleitet werden. Das, wovon da gesprochen wird, ist jedoch nie Lyrik. Es ist nur schwer verständlich, unwahr, schönfärberisch oder aufgeblasen. So stellen sich die Verächter der Lyrik die Gedichte vor, die sie nicht lesen.

Allerdings gibt es auch gebildete Lyrikverächter, selbst unter großen Schriftstellern (unter kleinen natürlich ebenso). Alfred Döblin etwa hat sich 1948 seine Verachtung von der Seele – oder wovon auch sonst – geschrieben. Sein Donnerwort trägt den Titel Verfluchung der lyrischen Poesie und fängt gleich stark an:

„Ich verfluche das lyrische Gedicht. Ich will es nicht sehen und nicht hören. (…)“

/ Dieter Lamping, literaturkritik.de

27. HAM.LIT

HAM.LIT – Lange Nacht der jungen Literatur und Musik

Heute

19:00 bis 23:55

15 Autoren lesen in 3 Räumen parallel:
Im Ballsall und im Turmzimmer des Uebel&Gefährlichs und
im Terrace Hill.
In der zeitlichen Mitte und am Ende spielen 2 musikalische Gäste im Ballsall.

Tickets im VVK:
http://www.ticketmaster.de/event/hamlit/47735

Autoren in alphabetischer Reihenfolge:
Daniela Chmelik, Lydia Daher, Friederike Gräff, Simone Kornappel, Björn Kuhligk, Kevin Kuhn, Inger-Maria Mahlke, Matthias Nawrat, Kerstin Preiwuß, Tilman Rammstedt, Sascha Reh, Silke Scheuermann, Frank Spilker, Tina Uebel, Monika Zeiner

Musik: 206 und das JEANS TEAM
https://www.facebook.com/hallohoelle
https://www.facebook.com/jeansteam

26. Preis der Leipziger Buchmesse

LEIPZIGER BUCHMESSE
(14. bis 17. März 2013)

Leipzig, 7. Februar 2013


15 Autoren im Finale:
Jury gibt die Nominierten für den Preis der Leipziger Buchmesse bekannt

Zum neunten Mal ist das Rennen um den begehrten Preis der Leipziger Buchmesse eröffnet. In diesem Jahr reichten 141 Verlage insgesamt 430 Titel ein, die bis zur Leipziger Buchmesse 2013 erscheinen werden. Die siebenköpfige Kritikerjury unter der Leitung von Hubert Winkels nominierte jeweils fünf Autoren bzw. Übersetzer in den Kategorien Belletristik, Sachbuch/Essayistik und Übersetzung für den Preis der Leipziger Buchmesse 2013:

Kategorie Belletristik:

  • Ralph Dohrmann: „Kronhardt” (Ullstein Verlag)
  • Lisa Kränzler: „Nachhinein” (Verbrecher Verlag)
  • Birk Meinhardt: „Brüder und Schwestern” (Carl Hanser Verlag)
  • David Wagner: „Leben” (Rowohlt Berlin)
  • Anna Weidenholzer: „Der Winter tut den Fischen gut” (Residenz Verlag)


Kategorie Sachbuch/Essayistik:

  • Götz Aly: „Die Belasteten: >Euthanasie< 1939-1945. Eine Gesellschaftsgeschichte” (S. Fischer Verlag)
  • Kurt Bayertz: „Der aufrechte Gang: Eine Geschichte des anthropologischen Denkens” (C.H. Beck)
  • Hans Belting: „Faces: Eine Geschichte des Gesichts” (C.H. Beck)
  • Helmut Böttiger: „Die Gruppe 47: Als die deutsche Literatur Geschichte schrieb” (Deutsche Verlags-Anstalt DVA)
  • Wolfgang Streeck: „Gekaufte Zeit: Die vertagte Krise des demokratischen Kapitalismus” (Suhrkamp Verlag)


Kategorie Übersetzung:

  • Eva Hesse: „Die Cantos”, aus dem Englischen, von Ezra Pound (Arche Verlag)*
  • Maralde Meyer-Minnemann: „Der Archipel der Schlaflosigkeit”, aus dem Portugiesischen, von António Lobo Antunes (Luchterhand Literaturverlag)
  • Alexander Nitzberg: „Meister und Margarita”, aus dem Russischen, von Michail Bulgakow (Galiani Berlin)
  • Claudia Ott: „101 Nacht” aus dem Arabischen erstmals ins Deutsche übertragen nach einer Handschrift des Aga Khan Museums (Manesse Verlag)
  • Andreas Tretner: „Briefsteller”, aus dem Russischen, von Michail Schischkin (Deutsche Verlags-Anstalt DVA)


Preisverleihung zur Leipziger Buchmesse

Die feierliche Bekanntgabe der Gewinner und die Preisverleihung finden am Donnerstag, dem 14. März 2013, 16.00 Uhr auf der Leipziger Buchmesse in der Glashalle statt. Unter wwww.preis-der-leipziger-buchmesse.de/stream können Interessierte, die nicht vor Ort sind, die Preisverleihung via Livestream verfolgen.

Begegnungen mit Nominierten und Gewinnern

Im Vorfeld der Leipziger Buchmesse können Literaturbegeisterte die Nominierten und ihre Werke erleben. Einen akustischen Eindruck der Werke vermittelt das Internetportal www.literaturport.de bereits vorab. Alle nominierten Titel werden hier mit einer Hörprobe vorgestellt.

Den Auftakt für Begegnungen zwischen Lesern und Autoren macht das MDR FIGARO Lese-Café. Am 10. und 24. Februar stellt MDR FIGARO jeweils ab 16.00 Uhr die Nominierten in der Kategorie Belletristik in der Leipziger Moritzbastei vor. Die nominierten Autoren im Bereich Sachbuch freuen sich auf ein erstes Treffen mit dem Publikum am 25. Februar ab 20.00 Uhr im Roten Salon der Volksbühne Berlin. Das Literaturhaus Hamburg begrüßt am 28. Februar zwischen 19.30 und 22.30 Uhr die Nominierten im Bereich Belletristik. Das Literaturhaus München lädt Bücherfreunde am 7. März, ab 19.00 Uhr, zu einem Treffen mit den Anwärtern auf den Preis der Leipziger Buchmesse ebenfalls in der Kategorie Belletristik ein.

Weitere ausgezeichnete Begegnungen mit Autoren, Übersetzern und Büchern verspricht der Leipziger Bücherfrühling. Mitglieder der Jury des Preises der Leipziger Buchmesse stellen alle nominierten Autoren am ersten Messetag vor. Am 14. März, um 11.00 Uhr, machen die Belletristik-Autoren den Anfang. Um 12.00 Uhr folgen die Sachbuch-Autoren und um 13.00 Uhr die nominierten Übersetzer. Nach der Preisverleihung um 17.00 Uhr nehmen die drei Gewinner des Preises der Leipziger Buchmesse 2013 auf dem Blauen Sofa Platz und stehen ab 17.35 Uhr am Stand des MDR Rede und Antwort. Literaturfreunde können sich zudem auf Interviews in der Glashalle mit dem Belletristikpreisträger beim Deutschlandradio um 18.00 Uhr, bei 3sat um 18.30 Uhr und zur Live-Sendung von MDR artour um 20.45 Uhr in der MDR Fernsehzentrale freuen.

Online-Voting: Leser wählen ihren Preis-Favoriten

Aktiv mit abstimmen heißt es für alle Literaturfreunde vom 7. Februar bis 7. März unter www.preis-der-leipziger-buchmesse.de. Gesucht wird der Leser-Preis-Favorit in der Kategorie Belletristik. Bis zum 7. März können Bücherfreunde ihren persönlichen Preissieger wählen. Unter allen Teilnehmern wird ein Gewinner ausgelost und erhält ein Paket mit den nominierten Belletristiktiteln sowie Eintrittskarten zur Leipziger Buchmesse.

*) Hoffentlich sind Deutschlands Buchhändler und -leser nicht allzu enttäuscht, daß Herr Winkels nun doch 1 Lyrikband auf die Liste schlüpfen ließ! Noch dazu 1 avantgardistischen! (hier – unten über „Kleinverlage mit avantgardistischer Lyrik“)

25. Neuer Kolleritsch

Seit mehr als 50 Jahren steht der steirische Autor Alfred Kolleritsch für das Experiment. Jetzt hat der 81-Jährige den Lyrikband „Es gibt den ungeheueren Anderen“ herausgebracht. Mehr im ORF-Video*

*) Wäre eine solche Nachricht in irgendeiner ARDZDF-Station denkbar – außer Grass hat ein neues politisches Gedicht an die Uno geschickt?

24. Fotografie

Man sieht die 1915 in Kärnten geborene, 1973 gestorbene Dichterin oft mit einem Kopftuch und tiefen Augenringen. Am eindrucksvollsten aber ist eine Fotografie, auf der sie gar nicht zu sehen ist, nur ihr Schlaf- und Arbeitsraum im Hause der Freundin, bei der sie immer wieder wohnte, wenn sie nicht gerade im Krankenheim war. Man sieht ihr mit einer Wolldecke überworfenes Bett, auf dem Nachttisch eine große Packung der Zigarettenmarke, die sie rauchte, Bücher und eine einstielige Blume – und im Vordergrund eine große Schale, in der Strickzeug liegt. Wenn man weiß, dass Christine Lavant ihren Lebensunterhalt mit Stricken zu verdienen versuchte, erhält diese Strickarbeit im Zentrum des Bildes eine besondere Bedeutung. Und als sie dann mit Preisen gewürdigt wurde – unter anderem erhielt sie 1954 den Georg-Trakl-Preis und 1970 den Großen Österreichischen Staatspreis für Literatur – war das Stricken gleichwohl Symbol für das eiserne Ringen einer Autorin, die immer wieder vergessen zu werden drohte. Jetzt betreut der Göttinger Wallstein Verlag den Nachlass und startet mit einem ersten Band.

/ Anja Hirsch, wdr3