Das vierzehnte Heft der vom Jenaer Verein POESIE SCHMECKT GUT herausgegebenen Lyrikreihe „VERSENSPORN – Heft für lyrische Reize“ ist erschienen. Es widmet sich der Dichterin Frida Bettingen, die vor 90 Jahren in Jena starb. Das neue Heft bietet einen Querschnitt aus dem lyrischen Schaffen dieser völlig vergessenen Dichterin. Exklusiv liegt den Exemplaren der Abonnenten auf Mini-CD die Vertonung eines ihrer Gedichte bei. Zu erwerben sind die Hefte direkt über den Verein unter http://www.poesieschmecktgut.de und in der Bücherstube am Johannisplatz. / Jena TV http://www.jenatv.de/kultur/Neues_Heft_des_Jenaer_PoesieVereines-19775.html
Ziemlich volltönend beginnt eine Besprechung so:
Ron Padgett’s „Collected Poems“ verspricht einer der einflußreichsten Gedichtbände zu sein, die jemals erschienen.
Volltönen scheint ja ein sehr verbreiteter, wenn nicht der dominierende Feuilletonmodus zu sein. An ihren Superlativen sollt ihr sie erkennen. Das Buch kann trotzdem gut sein. Die nächsten Sätze der Einleitung werden teilweise informativer:
Das Buch umspannt die 50jährige Karriere Padgetts, der ein Veteran der zweiten Welle der New York School der Lyrik ist. In diesem monumentalen Band erfreut Padgett uns mit ebenso verfeinerter wie überwältigender Poesie. Die absolute Energie dieser Gedichte reißt uns mit durch Humor, Intelligenz und blitzenden Verstand.*
Ich bleibe dabei, die Gedichte sind besser.
Irgendeine Probe:
Quicksand
Quicksand has disappeared. It’s as if a world-wide removal project had completed its work under the cover of night. Where has the quicksand gone?
One of my childhood fears was of finding myself stuck in quicksand, alone in a jungle, and frantically trying to remember what to do and what not to do, for struggling wildly would make one sink even deeper into the sinking slough. It was futile to cry out for help with the hope that a stray native might be in the vicinity, and besides, if he happened to be, he might be of the variety of those who blow tiny darts at you and then, after a numbing paralysis has made your lungs forget what to do, drag you out of the muck and shrink your head to the size of a baseball. No, it’s better to keep quiet and calm, calm enough to recall that an expert, in a film, once told you that the only way out was to imagine that you are swimming, though he did not say where. The Côte d’Azur? The North Atlantic, where the Titanic slid beneath the dark waters? The aquamarine public pool where you swam as a child amidst squealing and laughter?
But now there is no need to worry about this ever again, because quicksand has vanished, as if sunk into itself.upstreet
Number 8 – 2012
*) okay, er sagt das poetischer (ob komplexer, wage ich nicht zu beurteilen): with the lightning bolt of good sense.
RADIO FARDA ARTICLE ON THE RELEASE OF FATEME AND MEHDI
Mehdi Moosavi and Fateme Ekhtesari, two Iranian poets who have been kept in the Evin prison since last December, were released on Tuesday evening by a 200 million Tomans bail (about 500 000 SEK, 57.000 €), one of their relatives told Radio Farda.
He/she told Radio Farda that during this time they have been in the custody of the Revolutionary Guard’s intelligence sector and kept in solitary confinement in the Evin prison.
Their were arrested on the 6th of December 2013, two days after their passports were confiscated at the Imam Khomeini Airport when they wanted to leave the country.
Their arrest was not made public by media until 20th of December when “Kaleme” website, a news agency connected to Iranian reformists, wrote a report based on their sources information saying they poets were kept in section A-2 of Evin prison, a section under the Revolutionary Guard’s control.
The accusations against them has not been public until today, when sources close to Mehdi Moosavi and Fateme Ekhtesari say that they are being charged with “ conspiring against national security, having connections with foreign media and with artist members of opposition groups which operate from abroad”.
According to these sources they have to answer to these accusation in court, but it seems the time of the trial remains unclear.
Some of Moosavi’s poems were sang by Iranian singer Shahin Najafi, from which “Baed Az To” and “Momayez Sefr” of the the album “Hich Hich Hich” can be mentioned.
Some of Mehdi Moosavi’s and Fateme Ekhtesari’s works have not got a publishing permit in Iran and Moosavi’s last post on his weblog contains some criticism about the matter.
Wie wir erst jetzt erfahren, starb schon am 14.11. auf tragische Weise der polnische Lyriker, Liedermacher, Kulturarbeiter und Journalist Artur Fryz im Alter von 50 Jahren in Kutno. Artur Fryz wurde am 19. September 1963 in Ostrow Wielkopolski geboren. Während des Studiums an der Katholischen Universität von Lublin gab es erste Veröffentlichungen. Sein Debüt als Literaturkritiker erfolgte in der Untergrundzeitschrift „Notatnik Polityczny“ (Politisches Notizbuch). Im Jahr 2005 organisierte er das Festival „Goldene Mitte der Poesie“ in Kutno und den gleichnamigen nationalen Literaturwettbewerb für den besten Debüt-Gedichtband des Jahres. Beides findet seither jährlich statt.
Buchveröffentlichungen:

Felix Philipp Ingold
Hier – bei mir, für mich – ist „Syrien“ ein Thema, ein Problem von vielen; die Wirklichkeit ist anderswo. Ich notiere:
Krieg ist. Endet nie
nicht unten. Hinkt auf allen Flügeln.
Plustert sich mächtig. Nimmt die Sicht. Und nicht
ein Blick holt ihn aus dem blühenden Feuer. Für Schmerz
und Kitzel ist Mittag der Ort. Alles blind
und doch wie immer.
Noch immer Oltraggio
statt Holms! Wer’s weiss kann nur
schweigen dazu und schweift im Zweifel übers Trümmer-
feld. Hält oder hallt da so etwas wie Hoffung. Immer
nur „so etwas wie“. Nie das
grössere Ganze.
(aber auch an der Preissumme kann man etwas ablesen).
Dotation einiger Literaturpreise:
Manche Menschen verstehen den Schriftsteller nicht.
Das beruht auf Gegenseitigkeit.
Mein Ruf als unbekannter Autor ist weltweit.
Karol Irzykowski
Die polnischen Literaten lesen mich nicht – und ich lese sie nicht. Meine Rache ist auf jeden Fall quantitativ größer.
Der argentinisch-mexikanische Dichter Juan Gelman starb am Dienstag nachmittag im Alter von 83 Jahren in Mexiko-Stadt.
Gelman wurde am 3. Mai 1930 in Villa Crespo/ Buenos Aires geboren und ging wegen der argentinischen Militärdiktatur (1976-1983) ins Exil nach Italien, Frankreich und schließlich Mexiko.
Er erhielt den Nationalen Lyrikpreis in Argentinien (Premio Nacional de Poesía, 1997); den Juan Rulfo-Preis (2000); den Ibero-Amerikanischen Lyrikpreis Ramón López Velarde (2004); die Ibero-Amerikanischen Lyrikpreise Reina Sofía und Pablo Neruda (2004) und den Cervantes-Preis (2007).
Gelman erzählte, wie ihm sein älterer Bruder, der in der Ukraine geboren wurde, in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts Gedichte von Puschkin auf Russisch vortrug. „Obwohl ich nichts verstand, fesselte mich die Musikalität und der Rhythmus, so begann meine literarische Bildung.“
Zu seinen Werken gehören die folgenden Titel: Violín y otras cuestiones (1956), Cólera buey (1965), Los poemas de Sidney West (1969), Carta Abierta (1980), Bajo la lluvia ajena (1980), Hacia el Sur (1982), y Eso (1983-1984). / La Jornada
In den Jahren um 1960 schloss der junge Bohémien Bekanntschaft mit den Autoren der Wiener Gruppe. Die Techniken der experimentellen Poesie nahm Steiger zur Kenntnis.
Festlegen, etwa auf die Rolle eines hauptberuflichen „Autors“, ließ sich der zierliche, ungemein fein artikulierte Weggefährte der Aktionisten und dichtenden Modernisten nie. Steiger hat mit Brus, Attersee, Nitsch, Rühm und Roth zusammengearbeitet. Er war Störfaktor, ein Spötter, der den Ernst der Kollegen sublim karikierte. Seine wunderbaren, „inventionistischen“ Texte wurden bei Droschl und Ritter gesammelt. Jetzt ist Steiger 73-jährig nach schwerer Krankheit in Wien gestorben. / Der Standard
Wie die Poetry Book Society (PBS) gestern mitteilte, erhält die Lyrikerin Sinéad Morrissey den renommiertesten [und, wenn die Formulierung belastbar ist, lukrativsten] Lyrikpreis Großbritanniens, den TS Eliot-Preis. Ausgezeichnet wird ihr Band „Parallax“, ein Buch, das das Artifizielle der Kunst erkundet.
Im vergangenen Sommer wurde sie zur ersten Poet laureate von Belfast ernannt. In der Begründung hieß es, sie sei ein glänzendes Talent, die gut in Virginia Woolfs Bloomsbury-Gesellschaft gepaßt hätte.
Der Vorsitzende der Jury des TS Eliot-Preises, Ian Duhig, sagte: „In einem Jahrgang thematisch brillianter Bände wählte die Jury einmütig „Parallax“ aus. Ihr Buch ist politisch, historisch und persönlich anspruchsvoll und sprachlich schön und so vielseitig wie der Titel verspricht.“
Die Preissumme von £15,000 wurde in London feierlich übergeben. Die 9 anderen Dichter auf der Shortlist erhielten je £1,000.
Es sind:
(Der Artikel im Independent enthält ein schönes Beispiel sehr direkter biographischer Lesart: „Last year Sharon Olds won for Stage’s Leap*, a collection exploring her husband’s adultery.“)
*) eigentlich Stag’s Leap
Der literarische Untergrund ist längst aus einem Schmuddel- und Billig-Image entwachsen. Die Tatsache auf der einen Seite Gedichte zu verschenken, und auf der anderen Seite anspruchsvolle Bücher herzustellen, entspricht der alten 68er Vision, nicht eine Subkultur, sondern im besten Sinne des Wortes, eine autonome Superkultur zu erschaffen.
„Östlich der Milz liegt Moskau, westlich der Leber Manhattan.“ (S. 78)
Die erste Generation gesamtdeutscher Lyriker, zwischen russischer Seele und amerikanischer Dekadenz, dort wo der Westen am Östlichsten ist. Amerikanische Beatliteratur, französische Postmoderne, Punk, Bier und Sonnenbrand – all das gehört mit in die Wortkonstruktionen des Kai Pohl. Und ab S. 90 gibt es noch 3,5 Seiten Anmerkungen, die belegen sollen, dass er sich so manches nicht alleine ausgedacht hat, sondern auch von Anspielungen und Ideen anderer lebt – eben der Vernetzung.
Kai Pohl gehört zu den Großen der „schönen Verlierern“. Dass er vom Schreiben seiner Gedichte heute nicht leben kann liegt nicht daran, dass heute angeblich niemand mehr Gedichte lesen will, sondern daran, dass der Kulturbetrieb und die Gesellschaft an den Feinheiten unserer Sprache so wenig Interesse hat — die anderen werden „Solanum nigrum antichoc“ lieben.
Wir alle haben keine andere Möglichkeit: „Der Bruch mit dem Kontinuum der Herrschaft | muß ein Bruch mit deren | Sprache sein.“ (S. 81) / knobi der büchernomade
Kai Pohl, Solanum nigrum antichoc. Cut-ups und Gedichte. Verlag Moloko+ Pretzien bei Magdeburg 2013, 93 S., 15 Euro
Noch ein Hinweis: Ebenfalls 2013 erschien von Kai Pohl das 16seitige Heft „Zerschossene Bande – Gedichte“ mit Zeichnungen von Tomasz Bohajedyn als Siebdruck (rote Schrift, schwarze Zeichnungen) in einer nummerierten und signierten Auflage von 50 Exemplaren. Erhältlich auch in polnischer Übersetzung, Preis auf Anfrage, bei: www.pappelschnee.de
PEN International and Freemuse protest the arrest of poets and lyricists Fatemeh Ekhtesari and Mehdi Moosavi, who have been held in Section 2A of Tehran’s Evin prison since 7 December 2013, apparently for their critical writings. They are feared to be at risk of torture and ill-treatment and there are mounting concerns for their well-being. Iran is a state party to the International Covenant on Civil and Political Rights, Article 19 of which guarantees the right to freedom of expression / mehr
106 Nobelpreise für Literatur wurden seit 1901 vergeben, davon 13 an Frauen. Durchschnittsalter der Preisträger war 65 – der jüngste war Rudyard Kipling mit 42, die älteste Doris Lessing mit 88. Hitliste nach Sprachen der Preisträger:
Auf der Website des Nobelpreises kann man alle Vorschläge bis 1950 recherchieren. Arno Holz wurde 1919 von 40 Autoren vorgeschlagen und bis 1929 weitere 8 mal. Thomas Mann nur fünfmal, zuerst 1924 von Gerhart Hauptmann, 24 Jahre später aber erfolgreich. Franz Kafka, James Joyce, Rainer Maria Rilke und Bertolt Brecht wurden niemals vorgeschlagen. Winston Churchill wurde 24 mal vorgeschlagen, davon viermal für den Friedensnobelpreis und 20 mal für den Literaturpreis, den er auch erhielt.
Nach 50 Jahren werden die Unterlagen zur Nobelpreisvergabe öffentlich – jetzt also 1963. Giorgos Seferis erhielt den Preis einhellig. Abgelehnt wurden u.a. Samuel Beckett, Pablo Neruda, Michail Scholochow und Vladimir Nabokov – mit zum Teil harschen Begründungen. Beckett war den Akademikern zu „negativistisch“, „nihilistisch“ und „in vielerlei Hinsicht deprimierend“, Nabokov zu unmoralisch, Neruda zu kommunistisch, und Scholochow müsse erst einmal beweisen, daß seine jüngeren Werke nicht bloß Propaganda wären. Im Hinblick auf die Zahl der Kandidaten meinte Anders Österling: „Die lange Vorschlagsliste dieses Jahres stellt so hohe Anforderungen an die Aufnahmefähigkeit des Komitees, dass gewisse Lücken im Ergebnis des Entscheidungsverfahrens als unausweichlich betrachtet werden müssen.“
Siehe den Bericht von Thomas Steinfeld, Süddeutsche Zeitung 7.1.
yachtclub lyrik: Dietrich Machmer & Marcus Roloff
21.01.2014 20.00 Uhr
Nochtspeicher – Hamburg St. Pauli
Lesung mit Musik
Der Yachtclub lädt zwei Dichter ans Lesepult und an die Turntables ein: Dietrich Machmer (Hamburg) und Marcus Roloff (Frankfurt/M.) teilen nicht nur die Leidenschaft für Lyrik, sondern sind beide auch DJs.
Das Gedicht ist ein unterschätztes Literaturgut. Es lebt von dem, was zwischen den Zeilen steht, mehr als beim Roman ist die Phantasie der Leser gefragt. Ob poetisch oder wüst – Machmer und Roloff sind Experten für kurze Zeilen voll sprachlicher Ökonomie. Außerdem sind sie passionierte DJs und legen nach der Lesung auf.
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