by Emily Dickinson
Der tschechische Dichter und Übersetzer Zbyněk Hejda starb in Prag im Alter von 83 Jahren. Er galt als einer der führenden tschechischen Dichter. 1996 wurde er mit dem Jaroslav-Seifert-Preis ausgezeichnet. Er veröffentlichte sechs Gedichtbände, übersetzte Trakl, Benn und Dickinson und war Redakteur der Literaturzeitschrift Tvář (Gesicht) sowie seit 1985 Mitherausgeber der Zeitschrift Střední Evropa (Mitteleuropa). „Seine Stelle als Verlagsredakteur verlor er durch den Protest gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings, die darauf folgende Arbeit in einem Antiquariat durch die Unterzeichnung der „Charta 77″. Bis 1989 verdiente er seinen Lebensunterhalt als Hausmeister.“ (wiki) Auf Deutsch erschien 2002 der Doppelband „Lady Feltham/Valse mélancolique“ bei der Edition Korrespondenzen, Wien.
Heute vor 70 Jahren wurde Michael Krüger in Wittgendorf (Sachsen-Anhalt) geboren.
Von 1962 bis 1965 arbeitete er als Buchhändler in London.
Ab 1968 war Krüger als Verlagslektor beim Carl Hanser Verlag tätig. Er wurde 1986 literarischer Leiter des Verlages und ist seit 1995 Geschäftsführer. Zum 31. Dezember 2013 scheidet er aus dieser Position aus; sein Nachfolger wird Jo Lendle.
1973 gründete er in München gemeinsam mit Martin Gregor-Dellin, Jürgen Kolbe, Fritz Arnold, Paul Wühr, Inge Poppe, Christoph Buggert, Günter Herburger, Tankred Dorst und Peter Laemmle die erste genossenschaftlich organisierte Autorenbuchhandlung.
Erst 1976 erschien sein Erstling, der Gedichtband Reginapoly. Seine erste Erzählung mit dem Titel Was tun? erschien 1984. 1991 erschien – ein Jahr nach seiner Novelle Das Ende des Romans – sein erster von bisher drei Romanen, Der Mann im Turm.
Im Juli 2013 wurde er von den Mitgliedern der Bayerischen Akademie der Schönen Künste zu deren Präsident gewählt. (Wikipedia)
Gregor Dotzauer schreibt im Tagesspiegel:
Die Michael Krüger eigene Emphase, deren Wirkung auch auf einer tief in der Kehle ansetzenden und teils durch die Nase ausströmenden Stimme beruht, wäre allerdings verschwendet, wenn sie nicht auch seiner Kunst, schlechte Gedichte vorzutragen, zugutegekommen wäre. Es gibt keine vernichtendere Art der Literaturkritik als zu erleben, wie er schiefe Bilder, verbrauchte Metaphern und hohlen Gefühlsüberschwang mit kaum merklichem Gift so einspeichelt, dass sich alles Gestelzte und Klappernde nur noch in Krämpfen windet.
In solchen Momenten sitzt er über Dichtung unerbittlich zu Gericht und würde, wenn ihm nicht zugleich die wahren Verbrechen dieser Welt vor Augen stünden, furchtlos die Todesstrafe verhängen. Zugleich sieht man ihm an, wie tief enttäuscht er über die Dummheit, die Sorglosigkeit oder das Unvermögen von Schriftstellern ist, die doch dazu berufen sind, Glück und Erkenntnis zu stiften. Wie stehlen sie uns im Jammertal der Endlichkeit die Lebenszeit, und was tun sie erst sich selber an, sie mit solchen Machwerken zu vergeuden! Vielleicht ist das der Moment, in dem die ganze Doppelnatur seines Charismas aufblitzt: jene so anziehende wie seltene Mischung aus Machtbewusstsein und melancholischer Empfindsamkeit, in deren Dunstkreis man ebenso aufblühen wie vergehen kann.
Was sagt der Heilige Augustinus nochmal gleich über die Zeit? »Wenn mich keiner danach fragt, so weiß ich, was es ist; sooft ich es jedoch einem Fragenden explizieren will, weiß ich es nicht«. Niemand hat Michael Krüger nach der Zeit gefragt. Gleichwohl funkelt in den Gedichten von »Umstellung der Zeit« (Suhrkamp Verlag Berlin 2013) ständig dieses äußerst verwickelte Rätsel oder »inplicatissimum aenigma«, wie es Augustinus bezeichnete. Der scheidende Hanser-Chef allerdings gibt keine Antworten. Vielmehr umstellt er das Rätsel mit Bildern seiner eigenen Verwunderung: »Was wir, nach langem Grübeln, / die Dichte des Lebens nennen, / stellt das Wort in Frage, / die Sprache versagt. / Die Dichte ist wortlos« (Michael Krüger: Der letzte Tag im August). (…)
Natürlich will man keineswegs die in »Umstellung der Zeit« versammelten Texte auf die Thematik der Zeit beschränken. Was ich hier vorgetragen habe, ist ein Vorschlag zur Zugangsweise. Dieser Vorschlag ist gewiss von meinen Lesegewohnheiten geprägt. Es ist ein möglicher Zugang unter vielen und beansprucht keineswegs mehr zu sein. Sicher aber ist: Es wartet eine Fülle an weiteren Motiven. Zahlreiche weitere Entdeckungen sind in diesem Band zu machen. So sind beispielsweise auch explizit gesellschaftskritische Texte darin zu finden (etwa Linsen in New York oder Schnee). Gleichwohl führen die Gedichte einen äußerst sinnlichen Ansatz an die Naturlyrik vor. Ich denke, Michael Krügers »Umstellung der Zeit« sollte in keiner anspruchsvollen Lyrikbibliothek fehlen und garantiert eine ästhetische Leseerfahrung, die die Frage des Menschseins in einer solchen Würde ausleuchtet wie wenig vergleichbare Lyrikbände dies tun. Das ist eine ganz große Leistung für unsere Zeit. / Paul-Henri Campbell, dasgedichtblog
Umstellung der Zeit
Michael Krüger
Suhrkamp Verlag Berlin 2013
129 S.
€ 18,95 (Gebundene Ausgabe)
€ 15,99 (E-Book)
Ann Cotten erhält den mit 15.000 Euro dotierten Adelbert-von-Chamisso-Preis 2014. Sie wird ausgezeichnet für ihr bisheriges Gesamtwerk, insbesondere für ihren jüngsten Erzählungsband „Der schaudernde Fächer“ (Suhrkamp 2013). Darin habe sie, so die Jury, „der deutschen Gegenwartssprache auf hochpoetische Weise neue Impulse gegeben.“
Die diesjährigen Förderpreise in Höhe von jeweils 7.000 Euro gehen an Dana Ranga für ihren Gedichtband „Wasserbuch“ (Suhrkamp 2011) und an Nellja Veremej für ihren Roman „Berlin liegt im Osten“ (Jung und Jung 2013). Mit dem Adelbert-von-Chamisso-Preis ehrt die Robert Bosch Stiftung herausragende Autoren, deren Werk von einem Sprach- oder Kulturwechselgeprägt ist. Ausgezeichnet wird durch den Chamisso-Preis vor allem ein die deutsche Literatur bereichernder Umgang mit Sprache. Er wird 2014 zum 30. Mal Robert Bosch Stiftung vergeben.
Die Preisverleihung findet am 6. März 2014 in der Allerheiligen-Hofkirche der Münchner Residenz statt. Am 7. März lesen die Preisträgerinnen im Literaturhaus München aus ihren Werken.
Juroren des Adelbert-von-Chamisso-Preises 2014 sind: Gregor Dotzauer (Literaturkritiker), der scheidende Hanser Verleger Michael Krüger (zugleich Schriftsteller und Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste), Klaus-Dieter Lehmann (Präsident des Goethe-Instituts), Denis Scheck (Literaturkritiker), Dorothea Westphal (Literaturkritikerin) und Feridun Zaimoglu (Schriftsteller und Chamisso-Preisträger 2005).
Wall hat seit seinem Erstling mit Nachrichten „aus der Pendlerprovinz“ („Ringsherum Schnee“, 1987) 20 Gedicht- und Prosabände veröffentlicht, einer schöner und gehaltvoller als der andere, und doch muss man der literarischen Öffentlichkeit immer wieder aufs Neue sagen, was sie an diesem Einzelgänger hat, der sich nach Gemeinschaft sehnt und sich ihrer, reisend, auch versichert.
Besonders deutlich zeigen sich seine weit gestreuten Interessen in der Zusammenschau der verstreut publizierten Aufsätze, Glossen und Reportagen. In seinem jüngsten Prosaband, „Kleines Gepäck“, versammelt er Berichte aus 15 Jahren und 16 Ländern, für die er den Fährten von Antonin Artaud und Ivo Andrič, James Joyce und Bruno Schulz, Petr Bezruč und Bohumila Grögerová, Miguel Torga und Federico García Lorca gefolgt ist. Zwischendurch besucht er Hans Wollschläger und Wolf Suschitzky, erinnert sich an eine Wirtshauslesung von Franz Kain (die ihn in seine Jugend und noch weiter zurück in den Partisanenkampf im Ausseer Land katapultiert), liest aus den Altersfotos österreichischer Spanienkämpfer deren wechselhafte Biografien heraus und nimmt die politischen Wandmalereien in der sardischen Ortschaft Orgosolo zum Anlass, noch andere Ausdrucksformen einer jahrhundertelang marginalisierten Kultur zu würdigen. / Erich Hackl, Die Presse 7.12.
Richard Wall
Kleines Gepäck
Unterwegs in einem anderen Europa. Prosa. 278 S., brosch., €19 (Kitab Verlag, Klagenfurt)
Klanglandschaft Algerien – 11.12.2013:
Dichter als Boxer & Diwane
Zwei Darbietungen, gewidmet dem großen algerischen Autor Kateb Yacine und den „Diwane“ genannten Musiktraditionen aus dem südlichen Algerien, die mit der bei uns bekannteren marokkanischen Gnawa-Kultur verwandt sind.
Die Texte des Musiktheaters stammen aus einer Sammlung von Interviews mit Kateb Yacine aus der Zeit zwischen 1954 und seinem Todesjahr 1989. Sie thematisieren das Leben und die politischen Positionen des freigeistigen Dichters und linken Oppositionellen, der der arabisch-islamischen Prägung seiner Heimat immer eine multikulturelle Vision entgegenhielt. Einige der Lieder transportieren die – teilweise revolutionär geprägten – Texte Yacines aus der Zeit des algerischen Widerstands gegen Frankreich. / wdr3
Der Krüger des Tages (siehe L&Poe hier und hier) stammt heute von Adolf Endler:
Möglicherweise aber ist Hans Richters Stirnrunzeln nichts anderes als die Frucht der Ungeschicklichkeit des sonst recht geschickten Organisators seiner Texte, der merkwürdigerweise immer dann ungelenk wirkt, wenn es um Rüge und Ratschlag geht für junge und neuere Poeten, wie man sie offenkundig von deutschen Literaturprofessoren heutzutage erwartet. Möglicherweise will er nur seinem Eindruck oder Gefühl Ausdruck geben, daß sich die neuere deutsche Lyrik nicht mehr so kontinuierlich entwickelt wie vorgestern, daß die Maschine stottert. Dann allerdings wäre Richter zu einem falschen Eindruck gekommen. Denn wer die veröffentlichten (und vor allem die Vielzahl der unveröffentlichten) Arbeiten der jüngeren Lyriker der DDR vor Augen hat, der lebt mit dem begründeten Bewußtsein, daß sich unsere Lyrik in einer Phase permanenter und nicht abreißender Produktivität befindet!
Adolf Endler, in: Sinn und Form 6/ 1971 (sein Beitrag, Antwort auf ein Buch des Jenaer Germanisten Hans Richter, leitete und läutete eine kontroverse Lyrikdebatte ein).
Was das mit Michael Krüger zu tun hat? Nicht nur daß, davon bin ich überzeugt, sich die Debatten, die expliziten und impliziten, zu allen Zeiten an allen Orten letztlich immer um dasselbe oder zumindest -gleiche drehen; Michael Krüger stellte als junger Autor in Heft 5 der Akzente von 1973 ein Dossier zur Literaturkritik in der DDR zusammen, darin auch Beiträge von Endler. Im gleichen Hefte Interviews mit Volker Braun, Bernd Jentzsch und Martin Stade, Prosa von Elke Erb, Irmtraud Morgner, Kristian Pech, Karl-Heinz Jakobs und Fritz Rudolf Fries sowie Gedichte von Heinz Czechowski, Rainer Kirsch, Adolf Endler und Bernd Jentzsch.
(Die Serie wird morgen fortgesetzt)
Die deutsche Lyrikerin Anja Utler wird mit dem Basler Lyrikpreis ausgezeichnet. In einer Medienmitteilung des Literaturhauses Basel heisst es: «Anja Utler erhält den Preis für ihre innovative Darstellung aktueller Themen wie Ökologie in der Poesie», ausserdem war ihr «gleichermassen reflektierter und sinnlicher Umgang mit dem Verhältnis von Sprache und Körper» ausschlaggebend für die Wahl.
Die Lyrikerin Brigitte Oleschinski beschreibt treffend, zu welcher Lektüre Utlers Gedichte verleiten: «Ein Hören mit den Augen, ein Lesen mit den Ohren.» / Tageswoche
Im August 2012 trafen sich der bei Bremen lebende Alex Nitsche und der Neuddorfer Tom de Toys am Düsseldorfer Altstadtufer erstmals nach einem Jahrzehnt wieder, als Nitsche unterwegs zu Ron Schmidt an den Niederrhein war, um deren Gedichtband “GOLD” zu konzipieren. Seitdem schicken sich Nitsche & De Toys Gedichte per SMS. Daraus entstand die Idee, Nitsches SMS-Gedichte in der Edition P.D.F. (Poemie Digital Fusion) zu veröffentlichen. Vorher wird derzeit das Nahbell-Interview mit ihm per SMS geführt, das sich dann 2014 im Anhang des PDF-Publikats (Titel: “alles und alles”) wiederfinden wird:
http://poemie.jimdo.com/nahbellpreis/preistr%C3%A4ger-portraits/interview-pdf-publikat-2014/
AUSZUG AUS DEM INTERVIEW (UNTERSEITE @ http://www.NAHBELLPREIS.de):
5.NAHBELLFRAGE (7.12.2013):
Du bist ja durch das ddr-system staatlich geprüfter dichter. Hat dir das damals für dein prestige irgendwelche vorteile eingebracht? Oder galtest du als schräger intellektueller und wurdest von der stasi bespitzelt? Was hälst du von heutigen literaturinstituten wie dem leipziger?
5.NAHBELLANTWORT (7.12.2013):
in den späten 80er jahren der ddr gab es soetwas wie eine geduldete opposition die natürlich bespitzelt wurde.mein politisches erwachen und meine ersten gedichte fallen in diese zeit.ich war damals 16,17, ziemlich jung und punk was 1988 auch im osten nichts wirklich außergewöhnliches war.über die bedeutung des literaturinstituts,frag mal nen historiker und keinen zeitzeugen.
8.NAHBELLFRAGE (8.12.2013):
Dein kommender sms-gedichtband “ALLES UND ALLES” (oder titel klein geschrieben? was ist dir lieber?)* im g&gn-verlag wird von einem titellosen gedicht eröffnet, das du am 31.8.2012 als sms gesendet hast, ich zitiere es hier vollständig als exklusives preview:
“unterm schweißfilm der oberflächen arbeiten zufall und schicksal an ihrem gewebe aus liebe und raum wo wir vergangne jahre zu goldfäden spinnen die kaum sichtbar sind dünner als haar und schwerer als blei.”
Was hat dich dazu inspiriert? Kannst du den leser ein wenig in das geheimnis des entstehungsprozesses einweihen? Wer oder was dich inspirierte und wie es entstand: als allmähliche schwere geburt oder urplötzlich in einem guss oder wie sonst?
* Nitsches Antworten auf die Frage nach der Orthografie seiner Gedichte:
“immer alles klein” und “Nitsche nur echt mit punkt am ende.” (8.12.2013)
in welche Richtung? auf dem Kompass dreht sich der Pfeil der Zeit im Kreise
Hansjürgen Bulkowski
Jan Kuhlbrodt
Zu Unica Zürn
Unica Zürn passt nicht ganz in den zeitlichen Rahmen der Münchner Anthologie, denn sie starb am 19. Oktober 1970 in Berlin, andererseits passt sie sehr gut, denn ihr Werk wurde in der männerdominierten deutschen Nachkriegsgesellschaft verdeckt und verborgen.
Vielleicht braucht es fremde Einflüsse, um auf eigene Leerstellen aufmerksam zu werden. Ganz sicher braucht es das.
Zwei Leerstellen, die ich im letzten Jahr nur mühsam füllen konnte, waren die des weiblichen deutschsprachigen Surrealismus, Leerstellen, die die Namen Unica Zürn und Meret Oppenheim tragen und jetzt durch jene Autorinnen besetzt wurden, Künstlerinnen, die ich, jede auf ihre Art, zutiefst bewundere. (…)
Wenn man in der Liste lieferbarer Bücher nach ihrem Namen sucht, ist die Ausbeute überschaubar, und im Falle Zürns landet man letztlich immer wieder bei einer wunderschön gestalteten Ausgabe des Berliner Verlages Brinkmann & Bose aus dem Jahre 1988.
Von der Mitherausgeberin Sabine Scholl erschien 1990 im Athenäum Verlag das Buch: Fehler Fallen Kunst. Noch immer scheint dieses Buch das umfangreichste zu Unica Zürn zu sein, noch immer ist Unica Zürn zumindest in Deutschland ein Geheimtipp. Deshalb bin ich auch der brasilianischen Autorin und Zeichnerin Érica Zíngano dankbar, von der gerade im Hochroth Verlag eine Hommage á Zürn erschienen ist. / mehr
Hier glücken der Lyrikerin zauberhafte Bilder: «in dieser nacht // schliefen die sterne auf dem schnee».
Die lyrischen Äusserungen jedoch brechen das syntaktische Gefüge auf, so dass die Wörter manchmal wie Findlinge dastehen: einsam, unübersehbar. Es ist ein Stammeln, das mit solchen Satzfragmenten hörbar wird. Das Auge wiederum nimmt die verschiedenen Textbilder der Gedichte wahr, die sich bald in Kolonnen ordnen, bald Lücken zulassen. Diese Formenvielfalt wird nicht mehr – wie oft in den früheren Gedichten – von einem manierierten Gestus begleitet, sondern vertraut entspannteren Formen. Da erstaunt es auch nicht, dass Lisa Elsässer in aller Selbstverständlichkeit Dialektausdrücke (Hoger, Schinte, knorzen) einfügt, die diese oft federleichten Gebilde erden.
Von «einem wütenden hunger nach leben» spricht das lyrische Ich, und jedes Gedicht versucht, diese Sehnsucht mit den Mitteln der Sprache einzufangen. Gleichzeitig wächst die kühne Hoffnung, das Buch nur noch mit einem einzigen Gedicht ausstatten zu können. Noch radikaler gebärdet sich «das gedicht / ohne worte», denn hier wagt sich Lisa Elsässer bis zur letzten Pforte vor. / Beatrice Eichmann-Leutenegger, NZZ
Lisa Elsässer: Feuer ist eine seltsame Sache. Erzählungen. Rotpunktverlag, Zürich 2013. 176 S., Fr. 32.–. Lisa Elsässer: Da war doch was. Gedichte. Wolfbach-Verlag, Zürich 2013. 88 S., Fr. 29.–.
Erich Hackls episches Gedicht „Dieses Buch gehört meiner Mutter“
Beim Öffnen des Bands hält man inne. Statt auf die erwartete Hackl’sche Prosa fällt der Blick auf Gedichtzeilen, nicht gereimt zwar und nur selten regelmäßig gruppiert, aber doch klar „poetisch“ arrangiert. Über 116 Seiten hinweg, mit nur wenigen „Prosa“-Einschüben, ergibt das tatsächlich ein episches Gedicht. Beginnt man laut zu lesen, hört man eine Erzählerstimme, die in leicht rhythmisierter Sprache und mit einer Mischung aus Volkstümlichkeit und Archaik aus ihrem Leben erzählt. Man möchte sich jemanden vorstellen, der spätnachmittags in der Küche sitzt und laut nachdenkt. Die durch die Verszeilen produzierten Pausen deuten auf die Tätigkeit des Erinnerns, aber auch auf den Versuch hin, mental noch unverbundene Inhalte zusammenzufügen und zu einem Narrativ zu spinnen. / Walter Grünzweig, Album, DER STANDARD, 7./8.12.
Erich Hackl, „Dieses Buch gehört meiner Mutter“. € 18,40 / 112 Seiten. Diogenes, Zürich 2013
Hinweis: Erich Hackl liest am 10.12. um 19 Uhr im Literarischen Quartier Alte Schmiede aus dem besprochenen Band.
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