Veröffentlicht am 15. Dezember 2014 von lyrikzeitung
Die Horst Bingel-Stiftung für Literatur und der Landesbezirk Hessen der Gewerkschaft ver.di haben einen Preis ausgelobt. Mit dem Horst Bingel-Preis für Literatur zeichnen ver.di und die Stiftung künftig alle zwei Jahre Autorinnen und Autoren aus, deren Werk literarische Qualität mit gesellschaftspolitischem Engagement verbindet. Der Preis ist mit 8.000 Euro dotiert. Er wird
am Mittwoch, den 17.12.
um 20.00 Uhr
im Hessischen Literaturforum im Mousonturm in Frankfurt
(Waldschmidtstraße 4, 60316 Frankfurt am Main)
mit kulturellem Rahmenprogramm übergeben. Laudator ist Dr. Holger Pils, Geschäftsführer der Münchner Stiftung „lyrik-kabinett“. Die Veranstaltung ist öffentlich, der Eintritt frei.
Die erste Horst Bingel-Preisträgerin ist die Lyrikerin Nadja Küchenmeister. Sie wird ausgezeichnet, weil, so Alexander Pfeiffer vom hessischen VS für die Jury, „die Gedichte der 1981 in Ost-Berlin geborenen Nadja Küchenmeister durchzogen sind von einem Gefühl der Sehnsucht. Einer Sehnsucht nach dem, was fehlt, nach dem, was einst war. Einem Gefühl des Verlusts also. Es ist die Erfahrung der Vertreibung aus dem Land der Kindheit, die hier zur Sprache kommt. So sehr, wie es sich bei diesem “Land” um eine innere Welt zu handeln scheint, so lassen sich einige der Gedichte aber auch auf die Außenwelt beziehen, auf den Staat, in dem die Autorin aufgewachsen ist und den es heute nicht mehr gibt – dessen einstige Existenz aber zum Beispiel in den bis heute gebräuchlichen Zuschreibungen “Ossi” und “Wessi” präsent bleibt. Nadja Küchenmeister gehört zur vermutlich letzten Generation, für die diese Begriffe überhaupt noch eine Bedeutung haben und in deren Texten diese Bedeutung spürbar bleibt.“
Die mit dem Horst Bingel-Preis für Literatur ausgezeichneten Autorinnen und Autoren sollen einen Bezug zum Literaturverständnis Bingels aufweisen. In ihren Arbeiten soll der Spagat zwischen „Phantasie und Verantwortung“ erkennbar sein, ein Thema, das Bingel beschäftigte und zu dem er 1974 einen Schriftstellerkongress organisiert hatte.
Der Schriftsteller Horst Bingel wurde 1933 im nordhessischen Korbach geboren und lebte lange Zeit in Frankfurt. Von 1971 bis 1975 sowie von 1977 bis 1978 war er hessischer Landesvorsitzender des VS, von 1974 bis 1976 VS-Bundesvorsitzender.
Horst Bingel setzte sich stets dafür ein, einem breiten Publikum den Zugang zu Literatur zu ermöglichen. Er initiierte beispielsweise das Frankfurter Forum für Literatur, um Literatur einer breiteren Öffentlichkeit nahezubringen. Zur Buchmesse ließ er eine Büchertram fahren und Literatur-Litfasssäulen aufstellen oder veranstaltete Lesungen auf der Baustelle des U-Bahnhofs Hauptwache und in der Werkhalle der Firma Messer-Griesheim.
Die Horst Bingel-Stiftung hat sich zum Ziel gesetzt, Literaturförderung im Sinne Horst Bingels zu betreiben. ver.di beteiligt sich, um in Zeiten eines durchökonomisierten Kulturbetriebes einen Beitrag für engagierte Literatur zu leisten. ver.di Landesbezirksleiter Jürgen Bothner: „ver.di, das sind auch die Schriftsteller, und zwar die politisch denkenden unter ihnen. Wir zeigen gern unsere kulturpolitische Seite, indem wir uns am Horst Bingel-Preis beteiligen.“
Die Jury besteht in paritätischer Besetzung aus je zwei Mitgliedern der Horst Bingel-Stiftung für Literatur und des ver.di-Landesbezirks Hessen. Ein fünftes Jurymitglied wird jeweils von diesem Gremium benannt.
Die Jurymitglieder für die erste Vergabe im Jahr 2014:
Michael Krüger, Lyriker, langjähriger Geschäftsführer des Carl Hanser Verlags und seit 2013 Präsident der Bayerischen Akademie der Schönen Künste
Barbara Bingel, Horst Bingel-Stiftung für Literatur
Harry Oberländer, Horst Bingel-Stiftung für Literatur
Cornelia Kröll, ver.di-Landesbezirksleitung Hessen
Alexander Pfeiffer, Verband deutscher Schriftsteller (VS), Landesverband Hessen
Veröffentlicht am 15. Dezember 2014 von lyrikzeitung
In a 1964 response to an inquiry from his Hungarian publisher, Europa Konyvkiado, Samuel Beckett gives a handy thumbnail sketch not only of his career but of his character:
“As a writer I have no feeling of any national attachment. I am an Irishman (Irish passport) living in France for the past 27 years who has written part of his work in English and part in French. The following plays were written in French:
and the following in English
“If you should see fit to include one of the latter in your British anthology and one of the former in your French I should be pleased. If this is not possible and a choice must be made, I should prefer to figure in your French anthology.”
While this isn’t quite so pithy as Beckett’s retort to a French journalist on the question of his being English (“Au contraire”), it does nonetheless give the gist of his contrarian, and often contradictory, personality. / Paul Muldoon, New York Times 14.12.
Veröffentlicht am 15. Dezember 2014 von lyrikzeitung
G&GN-INSTITUT – Eller Süd, den 12.12.2014 / Zum Jahresausklang verfasste der Düsseldorfer Dichter Tom de Toys (Profil) ein kritisches Manifest zur Lage der Literatur, das auch als Fotomontage (Motiv: alter Röhrenfernseher) in Druckqualität vorliegt.
Tom de Toys, 9.+12.12.2014 © POEMiE™
DYSTOPISCHE DEPRESSION
(VON DER NUTZLOSIGKEIT DER LITERATUR)
was macht der mensch hier den ganzen tag lang
er sitzt und er steht und er läuft herum und
er wartet tagtäglich auf feierabende um
irgendwo anders herum zu sitzen vor monitoren
mit tausend sendungen auf hundert kanälen
hört er die ewig gleichen meldungen
ewig gut gelaunter showmaster die
den neuesten krieg ganz genau erklären und
das neueste produkt zur sensation verklären
ja sogar EIN ECHTES BUCH wird dort angepriesen
mit ganz wunderbar trivialen texten
die uns köstlich amüsieren
bestsellerromane und blockbusterfilme
versorgen die masse mit unterhaltungswerten
die gesellschaft zelebriert ihre totale
geselligkeit alles wird gnadenlos zur
ablenkung von tieferen fragen missbraucht
hier wird produziert
dort wird konsumiert
nichts wird mehr reflektiert
alles findet aus selbstzweck statt
literatur ist prinzipiell unpolitisch
gedichte sind doof oder richtig schön
© Entnommen aus: „SCHULGEDICHTE“ @ http://www.schulgedicht.de
Veröffentlicht am 14. Dezember 2014 von lyrikzeitung
wir Derwische – drehen uns um uns selbst in Trance
Hansjürgen Bulkowski
Veröffentlicht am 14. Dezember 2014 von lyrikzeitung
Der Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf wird seit 1972 in wechselnden Abständen vergeben. Er war anfangs mit 25.000 DM dotiert. 2000 wurde das Preisgeld auf 25.000 Euro festgesetzt, 2006 verdoppelte die Stadt Düsseldorf die Preissumme auf 50.000 Euro. Die 25.000 DM gingen an Dramatiker und Romanciers wie Carl Zuckmayer und Max Frisch, Publizisten wie Sebastian Haffner und Gräfin Dönhoff, Politiker wie Richard von Weizsäcker und Władysław Bartoszewski oder Literaturwissenschaftler wie Pierre Bertaux sowie dreimal unter den 12 Preisträgern an Lyriker: Günter Kunert, Wolf Biermann und Hans Magnus Enzensberger. Nach der Verdopplung auf 25.000 Euro wurden 3 Preise verliehen, darunter 1 Lyriker (Robert Gernhardt). Nach der neuerlichen Verdopplung wurden 5 Preise vergeben: Peter Handke (nach heftigen Debatten zurückgezogen), Amos Oz, Simone Veil, Jürgen Habermas und in diesem Jahr Alexander Kluge. Vielleicht hat man die Summe mit Absicht so hoch angesetzt, um keinen Lyriker einladen zu müssen? Sollen die 50.000 Euro an Lyriker gehen, müßten schon Goethe oder Pindar aus dem Grab steigen. Heine hätte den Heinepreis niemals bekommen.
Veröffentlicht am 13. Dezember 2014 von lyrikzeitung
Nicht nur in der tschechischen Filmbranche herrscht zurzeit Aufruhr, sondern auch in der Literatur. 30 Schriftsteller der jüngeren Generation haben sich Anfang Dezember zur „asociace spisovatelů“ zusammengeschlossen. Die neue Vereinigung positioniert sich als deutliches Gegengewicht zur bestehenden Autorenvereinigung und will sich vor allem auch für die existenziellen Nöte der Literaten einsetzen. Damit steht die Wachablösung der Generation bevor, die vor 25 Jahren den ersten post-sozialistischen Schriftstellerverband aus der Taufe gehoben hatte. (…)
Zu den Gründungsmitgliedern des Verbandes zählen unter anderem Emil Hakl, Kateřina Tučková oder Ondřej Buddeus. Es sind Autoren, die sich über die Grenzen von Tschechien hinaus einen Namen gemacht haben. Der 33-jährige Jan Němec hat vor kurzem den Literaturpreis der Europäischen Union erhalten. Er ist Vorsitzender der neuen Assoziation. / Annette Kraus, Radio Prag
Veröffentlicht am 13. Dezember 2014 von lyrikzeitung
Ob Eindrücke aus der Natur, Texte von französischen Autoren wie Ponge oder Derrida, ob Gemälde von Dalí, Miró oder Klimt, die Musik von Bach, Satie oder Dowland – oder die eigenen Träume: Alles inspiriert sie zu ihren Traum-Grenzgängen, die sie in Wortbilder verwandelt. Wie viel tatsächlich Erlebtes und Gelebtes in diesen Wortbildern steckt, kann nur die Autorin wissen.
„Es muss etwas anderes sein als die Realität. Das ist uninteressant. Das würde mich nicht interessieren. Es wird dann ein wenig gebaut. Aus der Realität und aus der Phantasie. Es wird viel montiert. Es ist so ein Knödel.“
In den letzten Jahren hat sie ihre Texte wieder verstärkt einem Datum zugeordnet, was den Anschein von Tagebuchnotizen erweckt. Aber die Texte sind alles andere als spontan niedergeschriebene Notizen. Das, was in der Nacht und am Morgen entstanden ist, wird später in eine Form gebracht.
„Jetzt zum Beispiel bei ‚Etudes‘ und ‚cahier‘, bei „fleur“, was ich jetzt mache, mache ich immer eine Seite und da drunter das Datum. Dann lese ich es lange. Also ich mache eine Reinschrift und gehe stundenlang damit herum und überlege, ist es gut, ist da ein Fehler. Und wenn irgendetwas ist, dann mache ich das Ganze noch einmal.“
Es gibt Prosagedichte, in denen ihre Bewunderung für die Surrealisten zu spüren ist. Mit ihren Worten setzt Friederike Mayröcker Bilder in Bewegung, die sich in ihrer ekstatischen Unmittelbarkeit jedoch einer narrativen Struktur entziehen.
„Ich laufe den Gegenständen, die immerfort untertauchen, nach, was es heiszen solle, fragte Erika T., dass ich sagte ‚ich habe auf der Toilette etwas vergessen‘, ich antwortete es waren Zaubersprüche zu ihrer Erbauung etc. … Burberrys Herzchen, ich trug alte sneakers oder Wellingtons UNTER TROMPETENBAUM und einen beigefarbenen zerschlissenen Burberry, war überglücklich = am Morgen der Abdruck deines Kopfes auf meinem Kopfkissen (während der Hochsommer blaute).“ / Andrea Marggraf, DLR
Veröffentlicht am 13. Dezember 2014 von lyrikzeitung
„Mama, ich kehre nicht zurück, Gott hat es mir gesagt.“ Mit diesen resignierenden Worten beginnt das Gedicht des 17-jährigen Nevio Vitelli, verfasst im Dachauer Konzentrationslager. „Mein Schatten in Dachau“ ist eines von 98 Gedichten, die Dorothea Heiser in ihrer Anthologie über die Lyrik im Dachauer Lager veröffentlicht hat. Jetzt, mehr als 20 Jahre nach der Erstausgabe, erscheint eine englische Übersetzung. / Merkur
Veröffentlicht am 12. Dezember 2014 von lyrikzeitung
Dank Kontakten des Philosophen Walter Benjamin, der ihr Cousin war, wurden einzelne ihrer Gedichte in angesehenen Zeitschriften und Anthologien publiziert und gewürdigt. Thema ihrer Gedichte sind das Fremd- und Anderssein als Frau, Dichterin und Jüdin in dieser Welt: »Ich bin fremd. / Weil sich die Menschen nicht zu mir wagen, / Will ich mit Türmen gegürtet sein, / Die steile, steingraue Mützen tragen / In Wolken hinein.«
Aus einem Gefühl der Ohnmacht geschrieben, prangern ihre Texte in einem rebellischen Gestus die Herzlosigkeit der Welt an. In »Das Wort der Stummen« und »Die Frau und die Tiere« erhebt Kolmar ihre Stimme für die Verachteten und Stigmatisierten: »Lache, mein Auge, eh du weinen musst! / Und du weinst ja nicht allein!«
(…) Keine Illusionen hatte sie über die faschistische Terrorherrschaft: »Ein Galgenkreuz, ein Dornenkranz / … / Ein Stiefeltritt, ein Knüppelstreich / im dritten, christlich-deutschen Reich.« Sie hätte Deutschland – wie ihre Geschwister – verlassen können, blieb aber ihrem kranken Vater zuliebe.
(…) Kolmars Vater wurde in Theresienstadt ermordet, sie selbst am 27. Februar 1943 im Rahmen der sogenannten Fabrikaktion in Berlin verhaftet, am 2. März nach Auschwitz deportiert. Dort wurde sie höchstwahrscheinlich schon einen Tag später in der Gaskammer ermordet. / Christiana Puschak, junge Welt
Veröffentlicht am 12. Dezember 2014 von lyrikzeitung
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
For every one of those faces pictured on the obituary page, thousands of memories have been swept out of the world, never to be recovered. I encourage everyone to write down their memories before it’s too late. Here’s a fine example of that by Margaret Hasse, who lives in Minnesota.
Truant
Our high school principal wagged his finger
over two manila folders
lying on his desk, labeled with our names—
my boyfriend and me—
called to his office for skipping school.
The day before, we ditched Latin and world history
to chase shadows of clouds on a motorcycle.
We roared down rolling asphalt roads
through the Missouri River bottoms
beyond town, our heads emptied
of review tests and future plans.
We stopped on a dirt lane to hear
a meadowlark’s liquid song, smell
heart-break blossom of wild plum.
Beyond leaning fence posts and barbwire,
a tractor drew straight lines across the field
unfurling its cape of blackbirds.
Now forty years after that geography lesson
in spring, I remember the principal’s words.
How right he was in saying:
This will be part of
your permanent record.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Introduction copyright © 2014 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Veröffentlicht am 12. Dezember 2014 von lyrikzeitung
Poesiepreis der Stadt Münster an Charles Bernstein und zwei Übersetzerteams
Er selbst beschreibt seine Dichtung „als Spiel zwischen den Genres und Formgattungen“: Der amerikanische Dichter Charles Bernstein wird für sein breitgefächertes und hochkomplexes Werk mit dem Preis der Stadt Münster für Internationale Poesie ausgezeichnet. Geehrt werden der gebürtige New Yorker und zwei voneinander getrennt arbeitende Übersetzerteams für die Bände „Gedichte und Übersetzen“ (2013) und „Angriff der Schwierigen Gedichte“ (2014). Dies hat der Rat der Stadt am 10. Dezember auf Vorschlag einer Fachjury bestätigt.
Die Ehrung erfolgt am 10. Mai in Münster zum Abschluss des Internationalen Lyrikertreffens. Der Autor auf der einen und die Übersetzerteams auf der anderen Seite teilen sich die Preissumme von insgesamt 15 500 Euro.
Charles Bernstein (Jahrgang 1950) ist Dichter, Theoretiker, Herausgeber und Literaturwissenschaftler. Der Harvard-Absolvent und Professor für Englisch und Vergleichende Literaturwissenschaft an der University of Pennsylvania gilt als einflussreicher Mitbegründer und herausragender Vertreter der „language poetry“. Diese avantgardistische Strömung bildete sich aus der von Bernstein Ende der 1970er Jahre mit herausgegebenen Zeitschrift “L=A=N=G=U=A=G=E“ heraus, einem Forum kritisch-poetologischen Denkens und experimentellen Schreibens.
„Bernstein schlägt in seinen formal avancierten schwierigen und luziden poetischen Texten, die so souverän wie risikoreich mit den literarischen Formen und Genres experimentieren, die unterschiedlichsten Töne an“, urteilt die Jury. Die Poesie Bernsteins umfasse „intertextuelle Montagen, von Dada angeregte Lautgedichte, aleatorisch konzipierte Arbeiten, liedhaft komponierte Stücke, explizit gesellschaftskritische Verse und polemische Interventionen in den Literaturbetrieb“.
Digitale Lyrik
Zu den Buchveröffentlichungen des Amerikaners gehören „My Way: Speeches and Poems“ (1999), „With Strings: Poems“ (2001), „Girly Man“ (2006) und zuletzt der Gedichtband „All the Whiskey in Heaven“ (2011). Bereits Anfang der 1990er Jahre gründete Bernstein im World Wide Web ein Online-Portal für digitale Lyrik. Charles Bernstein, der in Philadelphia lebt, ist ernanntes Mitglied der „American Academy of Arts and Sciences“, eine der renommiertesten Gelehrtengesellschaften der USA.
Ohne begnadete Übersetzer ist internationale Poesie nicht möglich. Als preiswürdig erachtet die Jury zwei Bände, die Teile aus Bernsteins Werk in die deutsche Sprache übertrugen und dabei anstelle einer herkömmlichen exakten Reproduktion des Originalgedichtes andere Maßstäbe wählen, beispielsweise das Übersetzen auch als Um- und Weiterdichten verstehen. Der Auswahlband „Gedichte und Übersetzen“, erschienen im Wiener Verlag Edition Korrespondenzen, wurde von der Gruppe „VERSATORIUM“ herausgegeben, einem Zusammenschluss junger Forscher und Übersetzer um den Dichter Peter Waterhouse. Zugleich geht Münsters Poesiepreis an das Dichterquartett Tobias Amslinger, Norbert Lange, Léonce W. Lupette und Mathias Traxler für ihre Leistung in dem zweisprachigen Band „Angriff der Schwierigen Gedichte“ (Luxbooks, Wiesbaden).
Schwierige Gedichte? Es ist Charles Bernstein selbst, der Mut macht, sie zu lesen: „Lassen Sie sich nicht von dem Gedicht einschüchtern!“ Das schwierige Gedicht wolle häufig provozieren und das sei nur ein Versuch, Aufmerksamkeit zu gewinnen. Bernstein: „Manchmal verhält es sich so, dass das provokante Verhalten ein Ende nimmt, sobald Sie dem Gedicht Ihre volle Aufmerksamkeit schenken (….)“.
Die Stadt Münster vergibt den Poesiepreis für einen Lyrikband und dessen eigenständige und adäquate Übersetzung seit 1993 im Biennale-Rhythmus. Nominiert werden die Preisträger von einer externen Jury. Ihre Mitglieder sind Lyriker und Literaturkritiker Urs Allemann, Literaturkritiker und Herausgeber Michael Braun, Literaturkritikerin Cornelia Jentzsch, Literaturkritiker, Autor und Herausgeber Johann P. Tammen und Literaturkritiker und Herausgeber Norbert Wehr sowie mit beratender Stimme Bürgermeisterin Beate Vilhjalmsson. 2011 wurde aus der bis dahin auf Europa konzentrierten Auszeichnung der Preis für Internationale Poesie. Preisträger 2013 waren der karibische Nobelpreisträger Derek Walcott und dessen deutscher Übersetzer Werner von Koppenfels.

Veröffentlicht am 11. Dezember 2014 von lyrikzeitung
Aber zurück zu den Dichtern, die der „innersten Alchimie des Wortes“ auf der Spur sind. Eine Portalfigur für die experimentelle Poesie der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ist Friederike Mayröcker, die Muse der Avantgarde, die sich selbst gar nicht der experimentellen Poesie zugerechnet wissen will. Anlässlich ihres 90. Geburtstags am 20. Dezember diesen Jahres hat ihr Alfred Kolleritsch, der Herausgeber der Literaturzeitschrift „manuskripte“, die aktuelle Ausgabe seiner Zeitschrift gewidmet. Darin findet man schöne Widmungs- und Huldigungs-Gedichte von Oswald Egger, Hans Eichhorn und anderen an Mayröcker – und drei ganz neue Gedichte der Dichterin selbst, die seit einigen Jahren von zunehmender Immobilität geplagt ist. Zur religiösen Vorstellungswelt ihrer Gedichte gehört nicht nur ihr Bekenntnis zum „apostolischen Stil“, sondern die Rede von den „Fittichen“, auf denen sich das schreibende Ich zur Sprache und in die Lüfte tragen lässt. (…)
(…) In einem herrlichen Sonderheft der Zeitschrift „Neue Rundschau“ sind nun elf Lyriker aus der finnlandschwedischen Region versammelt, also Dichter, die der schwedischsprachigen Minderheit in Finnland angehören und die an die moderne Bildwelt der Edith Södergran anschließen. Und selbst bei dieser territorial doch äußerst begrenzten Literatur finden wir die ganze poetische Vielfalt moderner Lyrik versammelt: Das lyrische Notat, die poetische Momentaufnahme und das erzählende Gedicht stehen neben experimentellen Ansätzen. Für Ralf Andtbacka ist dabei ein „exquisites Gefühl von Freiheit“ die Voraussetzung von Poesie. Die treffendere poetische Maxime finden wir in dem Nachwort von Fredrik Hertzberg: „Erst wenn wir unsere Machtansprüche hinter uns lassen, kann das Schreiben beginnen.“ / Michael Braun, Poetenladen
manuskripte, Heft 206 ![]()
Sackstraße 17, A-8010 Graz, 166 Seiten, 11,70 Euro.
Neue Rundschau, Heft 3/2014 ![]()
Hedderichstr. 114, 60596 Frankfurt am Main, 304 Seiten, 15 Euro
Veröffentlicht am 11. Dezember 2014 von lyrikzeitung
Mit seiner Eloquenz und der hohen Geistesblitzfrequenz wirkt Steffen Popp auf sein Publikum immer etwas einschüchternd; dabei ist er kein gewiefter alter Fuchs, kein weißhaariger Lyrikdoyen, sondern ein junger Mann, der seine Zuhörerschaft in Erstaunen versetzt, wenn er Querverbindungen zwischen Knotenpunkten der internationalen Geistes- und Literaturgeschichte herstellt, die Möglichkeiten poetischen Denkens und dessen Verhältnis zum Diskursiven auslotet – und seine eigenen Äußerungen zugleich (sprach)kritisch kommentiert.
Einen Moderator braucht Steffen Popp eigentlich nicht, um in Fahrt zu kommen, bestenfalls einen Stichwortgeber – ein Luxus also, dass die Veranstalter des Duisburg-Essener Poet in Residence-‚Spezials’: Zwischenspiel Lyrik für die Abschlussveranstaltung Norbert Wehr eingeladen hatten: Mit seiner Zeitschrift Schreibheft, die seit 1977 (seit 1982 unter seiner Leitung) „avancierte Literaturkonzepte in internationalen Literaturen aufzuspüren versucht“, ist Wehr ein Leuchtturm inmitten der literarischen Unternehmungen im Ruhrgebiet – und könnte selbst abendfüllend erzählen.
(…)
Wer aber waren die poetischen Helden, die Steffen Popp, ähnlich wie Nicolas Born damals Norbert Wehr, ‚auf die Spur’ gebracht haben? Es sei „keine Einzelperson“ gewesen, entgegnet Popp (für Eingeweihte vielleicht etwas überraschend, s.u.) auf die Frage des Moderators, vielmehr die ersten lyrischen Gehversuche auf Vorlesebühnen in Berlin und bei Wohnzimmerlesungen: „Dort erhielt man Kritik von Leuten, die sich besser auskannten.“ Ferner: das Netzwerk um den kookbooks-Verlag. Bei einem Autorencamp am Müggelsee, das von einer kleinen literarischen Gesellschaft ausgerichtet wurde, kam es zum ersten und folgenreichen Zusammentreffen von Steffen Popp und Daniela Seel. Der später von Seel gegründete Verlag brachte ihn mit Daniel Falb, Hendrik Jackson und Monika Rinck zusammen, mit denen er 2011 im Merve-Verlag Helm aus Phlox vorlegen wird, bei dem auch Ann Cotten mitwirkte, ein eigenwilliges gemeinschafts-poetologisches Unterfangen, das Grundzüge und Probleme möglicher zeitgenössischer Dichtung einkreist, skizziert und mehrstimmig diskutiert.
Zugleich klären die fünf Lyriker*innen jeweils für sich, aber auch grosso modo die Frage nach den Motiven ihres Schreibens, nach ihren je spezifischen Interessen an bestimmten Modi der Wahrnehmung. Fünf äußerst unterschiedliche Persönlichkeiten seien sich da in der Lyrik begegnet; ihre unterschiedlichen Personalstile und heterogenen Zugriffe auf ihr dichterisches Material hätten sich ausgerechnet das Gedicht als optimales Ausdrucksmedium gesucht. Und welch ein Glück sei so eine Gemeinschaftsarbeit, so Steffen Popp, da nicht wenige Autoren an den hedonistisch-isolierten Produktionsbedingungen von Literatur leiden: allein an einem Tisch arbeiten zu müssen.
Eine Lyrikerin, deren kritischen Blick Steffen Popp ebenso schätzt wie ihr Werk, ist Elke Erb. Als ausgesonderte Buchbestände aus ostdeutschen Bibliotheken wohlfeil zu haben waren, hielt er Vexierbild in der Hand, einen der ersten Gedichtbände der Autorin – und sah hier zum ersten Mal, dass Gedichte sich wie Archipele über die Seiten verteilen können. 2003 habe er in Berlin eine Lesung von ihr gehört – und gemerkt: „Ist die gut!“ Aus dieser Begegnung hat sich eine produktive Dichterfreundschaft entwickelt: Er besucht sie immer mal, sie lesen und beäugen einander mit Wohlwollen. „Es ist eigentlich kaum machbar, aber sie wird immer noch besser!“, sagt Steffen Popp über Elke Erb. Und letztere hat den ersten Zyklus aus seinem jüngsten Gedichtband lektoriert, ihr ist das Titelgedicht gewidmet, das mit Erbs Gedicht „Die wirkliche Möglichkeit“ (aus Sonanz, 2008) in einen Dialog eintritt:
Dickicht mit Reden und Augen
Möglichkeit und Methode überschneiden sich
ein kühner Satz bricht sich im Wald, fortan er hinkt
kein Sprung ins Dickicht dringt, kein Huf hinaus
kein ausrangiertes Fahrrad betet hier um Ruh
kein altes Lama spuckt, kein junges auch
sie hängen in den Tag, in Baumschaukeln
kein Baum, genau besehen, keine Schaukel, nicht mal
ein sie, nur hängen, Tag
Reden, durch nichts gedeckt, doch lebhaft
Lebewesen fast in einem Dickicht
hängend, hinkend eine, darum nicht weniger wahr
nicht wahr, nicht weniger, nicht – ungerührt
schaukeln oder grasen zur Pflege der Landschaft
oder stehen nur in ihr, schauen herüber mit Augen.
für Elke Erb
Aus: Steffen Popp: Dickicht mit Reden und Augen. Berlin: kookbooks, 2013, S. 38.
Steffen Popp versteht zu loben, wo es angebracht ist: Er würdigt Elke Erb als die „größte lebende deutschsprachige Lyrikern – was Männer einschließt!“ Ihr Gesellschaftsbezug, ihre Radikalität, auch diejenige der Synthese von Leben und Werk als „Gesamtkunstwerk“ – all das hat ihn zutiefst beeindruckt, vielleicht auch, weil er in der Lyrikerin seine Formel von „Poesie als Lebensform“ personifiziert findet, die rasch zum Motto von kookbooks avanciert ist. Ein „nicht unproblematischer philosophischer Topos“, findet Popp, der auf das frühromantische Konzept einer progressiven Universalpoesie zurückverweise: „Die Welt muss romantisiert werden“, heißt es in Novalis’ Fragmenten – doch Popp quittiert: „Nein, bitte nicht!“ Für Wittgenstein war das „Sprechen der Sprache [Teil] einer Lebensform“. Übertragen ins 21. Jahrhundert kann man darunter womöglich eine gelungene Synthese von gesellschaftlichem Leben und poetisch-philosophischem Gebäude verstehen, und da kommt (womöglich) wieder Elke Erb ins Spiel: „Elke Erb und Lyrik: Da passt kein Blatt Papier dazwischen! Sie trennt nicht zwischen ‚Schreibtisch’ und ‚Rest’. „Kann mir das auch passieren?,“ fragte sich Steffen Popp – und winkt resignativ (oder: bescheiden?) ab: seine Generation sei „zu profan“.
(…) / Maren Jäger, literaturkritik.de
Veröffentlicht am 11. Dezember 2014 von lyrikzeitung
LEIPZIGER BUCHMESSE
(12. bis 15. März 2015)
1965 bis 2015. Deutschland – Israel.
Leipziger Buchmesse widmet ihren Messeschwerpunkt 2015 dem deutsch-israelischen Dialog
Im kommenden Jahr begehen Deutschland und Israel ein besonderes Jubiläum: 50 Jahre deutsch-israelische diplomatische Beziehungen. Zwanzig Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur und dem Völkermord an etwa sechs Millionen Juden und siebzehn Jahre nach der Staatsgründung Israels war die Aufnahme der diplomatischen Beziehungen am 12. Mai 1965 eine historische Leistung. Mit ihrem Messeschwerpunkt „1965 bis 2015. Deutschland – Israel“ würdigt die Leipziger Buchmesse 2015 das einzigartige Verhältnis beider Staaten. Zahlreiche Autoren aus Israel und Deutschland kommen im Rahmen des Literaturevents zu Wort und sprechen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Der Dialog wird am Messedonnerstag in Anwesenheit von S.E. Yakov Hadas-Handelsman, dem Botschafter des Staates Israels, sowie den Schriftstellern Amos Oz und Meir Shalev auf dem Leipziger Messegelände eröffnet.
„Die Entscheidung der Leipziger Buchmesse, dem Jubiläum einen Messeschwerpunkt zu widmen, freut mich sehr“, erklärt Israels Botschafter S.E. Yakov Hadas-Handelsman. „Gerade die Literatur ermöglicht uns, unser Land sowie seine Geschichte, Gesellschaft und Kultur besser und tiefer verstehen zu lernen und Vorbehalte abzubauen.“ Auch Buchmessedirektor Oliver Zille unterstreicht: „Die aktuellen politischen Entwicklungen in Nahost fluten uns fast täglich mit neuen Nachrichten. Doch mit welchem Blick schauen wir eigentlich auf Israel und seine Menschen? Mit dem Messeschwerpunkt bietet die Leipziger Buchmesse die Gelegenheit, sich direkt mit Autoren auszutauschen und damit auch zur eigenen Positionsbestimmung beizutragen. Der Leipziger Bücherfrühling versteht sich so einmal mehr als Ort der Begegnung und von offenen Gesprächen zwischen Autoren, Verlegern, Politikern, Medienvertretern und dem Leser.“
Während der Messetage, vom 12. bis 15. März 2015, reisen zahlreiche Autoren aus Israel und Deutschland zu Lesungen, Paneldiskussionen und Lesepartys nach Leipzig. Sie präsentieren unterschiedliche Facetten des deutsch-israelischen Verhältnisses und spiegeln das Leben der jeweils anderen Gesellschaft. Der Messeschwerpunkt wird von der Botschaft des Staates Israel in Deutschland und dem Club Bertelsmann in Zusammenarbeit mit deutschen Verlagen und weiteren Partnern organisiert. Die Leipziger Buchmesse und die Stadt Leipzig unterstützen das Programm.
Prominent besetzte „Lange Nacht der deutsch-israelischen Literatur“
Tel Aviv, die israelische Metropole am Mittelmeer ist bekannt für ihren Slogan „Die Stadt, die niemals schläft“. Daran anknüpfend macht die „Lange Nacht der deutsch-israelischen Literatur“ am ersten Messeabend, dem 12. März 2015, ab 19.30 Uhr im Schauspiel Leipzig die Nacht zum Tag. Besucher dieser Lesenacht mit dem Titel „Geschichten von Liebe und Finsternis“ dürfen sich auf Amos Oz freuen, der jüngst mit dem ersten Siegfried-Lenz-Preis geehrt wurde. Amos Oz wird aus seinem neuen Roman „Judas“ lesen. Zu den weiteren prominenten Gästen des Abends gehören Dan Diner, Lizzie Doron, Gila Lustiger, Mirjam Pressler, Avi Primor, Meir Shalev und Carlo Strenger. Die Abendveranstaltung wird aufgezeichnet und als Lange Nacht der deutsch-israelischen Literatur am Wochenende 14./15. März 2015 in der Nacht von Freitag auf Samstag ab 0.05 Uhr im Deutschlandradio Kultur und am Samstag ab 23.05 Uhr im Deutschlandfunk zu hören sein.
Nachtschwärmer kommen am Donnerstag ab 21.30 Uhr in der „Baustelle“ im Schauspiel Leipzig zusätzlich auf ihre Kosten. Im Club Tel Aviv lesen Norbert Kron und Amichai Shalev aus der Anthologie deutscher und israelischer Autoren „Wir vergessen nicht, wir gehen tanzen“. Rebecca Maria Salentin und Hila Blum stellen ihre Debütromane „Schuld war Elvis“ und „Der Besuch“ vor und André Herzberg bringt seinen Familienroman und seine Gitarre mit. Zum Abschluss legt das israelisch-deutsche DJ-Team Yuvi & 2bfuzzy (Faze/Berlin) auf. Der „Club Tel Aviv“ wird veranstaltet von der Botschaft des Staates Israel in Deutschland, dem Club Bertelsmann und der Tageszeitung „Die Welt“.
Nicht nur literarisch, sondern auch filmisch sind Deutschland und Israel eng miteinander verbunden. Israelische Filme, die teilweise in Kooperation mit deutschen Firmen oder der deutschen Filmförderungen entstanden sind, haben in den letzten Jahren immer wieder für Aufsehen gesorgt und manchen Preis auf internationalen Festivals erhalten. Der Film- und Medienwissenschaftler Dr. Tobias Ebbrecht-Hartmann zeigt anhand von Beispielen am Freitagabend im Passage-Kino die deutsch-israelische Filmgeschichte.
Literatur und Gesellschaft des Landes entdecken
Messebesucher lernen am Israel-Stand in Halle 4 aktuelle israelische Literatur kennen und können Israel als Reiseland entdecken. In einem speziellen Forum neben dem Messestand sind Gesprächsrunden und Podiumsdiskussionen mit Autoren und Experten geplant. Die Autoren Fredy Gareis, Fania Oz-Salzberger, Chaim Noll, Dan Diner, Lizzie Doron, Amichai Shalev, Norbert Kron, Meir Shalev und Carlos Strenger freuen sich ebenso auf die Begegnung mit dem Publikum in Leipzig wie Ron Segal, Hila Blum, Ayelet Gundar-Goshen, Anat Talshir und Chaim Be’er oder Irit Amiel und Merav Salomon. Darüber hinaus stellt Tobias Ebbrecht-Hartmann auch am Stand sein Buch zur deutsch-israelischen Filmgeschichte vor.
Anlässlich des Messeschwerpunktes findet erstmals eine israelische Comicausstellung in der Manga-Comic-Convention (MCC), dem Event für Manga, Comic, Cosplay und Games zur Leipziger Buchmesse, in der Messehalle 1 statt. Zeitgenössische israelische Zeichner zeigen einzigartige Bilder und geben Einblicke in die reiche Comicszene des Landes. Zu Gast in Leipzig sind unter anderem der Kurator des Israeli Cartoon Museum, Assaf Gamzou vom Lehrstuhl für Jüdische Studien der Universität Tel Aviv, und die bekannte Illustratorin Merav Salomon.
Jüdische Lebenswelten im Ariowitsch-Haus
Der Club Bertelsmann, der vor zehn Jahren die Veranstaltungsreihe „Deutsch-israelische Beziehungen“ begründet und seitdem entwickelt hat, stellt 2015 seine „Jüdischen Lebenswelten“ im Ariowitsch-Haus unter das Motto „50 Jahre deutsch-israelische diplomatische Beziehungen“. Von Donnerstag bis Samstag geben sich hier täglich ab 17.00 Uhr israelische und deutsche Autoren die Klinke in die Hand: Mirjam Pressler, Meir Shalev, Michael Degen, Wolfgang Büscher, Irit Amiel, Steven Uhly, Chaim Noll, Fania Oz-Salzberger und André Herzberg sind unter anderem zu Gast.
Israel, die DDR und die deutsche Linke
Anders als die Bundesrepublik Deutschland unterhielt die DDR keine diplomatischen Beziehungen mit Israel. „Im Rahmen einer Gesamtschau ist es im 25. Jahr nach der Wiedervereinigung unerlässlich, auch dieser Prägung aus den Jahren 1949 bis 1989 nachzuspüren“, erklärt Oliver Zille. Zeitzeugen aus Israel, den palästinensischen Gebieten und aus der ehemaligen DDR diskutieren am Freitag, dem 13. März, das Verhältnis zwischen der DDR, Israel und der deutschen Linken im Zeitgeschichtlichen Forum. Die Veranstaltung steht unter dem Titel „Zwischen Palästina-Solidarität und Antizionismus – Israel, die DDR und die deutsche Linke“. Sie ist eine Kooperation von Deutschlandradio, dem Zeitgeschichtlichen Forum Leipzig und der Leipziger Buchmesse.
Leipziger Gästeliste
Anlässlich des Messeschwerpunktes „1965 bis 2015. Deutschland – Israel“ haben sich aus Israel Irit Amiel, Chaim Be’er, Hila Blum, Dan Diner, Lizzie Doron, Assaf Gamzou, Ayelet Gundar-Goshen, Chaim Noll, Amos Oz, Fania Oz-Salzberger, Avi Primor, Merav Salomon, Yishai Sarid, Ron Segal, Amichai Shalev, Meir Shalev, Carlo Strenger und Anat Talshir angesagt. Sie treffen auf deutschsprachige Autoren, deren Werke sich mit Israel beispielsweise als Reiseland oder den deutsch-israelischen Beziehungen oder Geschichte auseinandersetzen. Hierzu gehören Götz Aly, Jan Assmann, Wolfgang Büscher, Michael Degen, Tobias Ebbrecht-Hartmann, Fredy Gareis, Gregor Gysi, Katharina Hacker, André Herzberg, Josef Joffe, Gila Lustiger, Rainer Merkel, Norbert Kron, Mirjam Pressler, Rebecca Maria Salentin, Friedrich Schorlemmer, Jennifer Teege, Steven Uhly und Andrea von Treuenfeld. Die Autoren sprechen über ihre Bücher, über Gemeinsamkeiten, verbindende und trennende Erfahrungen.
Jerusalem Book Fair: Literarischer Auftakt in das Jubiläumsjahr
Der literarische Auftakt in das deutsch-israelische diplomatische Jubiläumsjahr findet zur Jerusalem Book Fair statt. Vom 8. bis 12. Februar treffen sich auf der renommierten Jerusalemer Bücherschau zahlreiche Autoren wie Jennifer Teege, Katja Petrowskaja aus Deutschland und die Comiczeichnerin Rutu Modan aus Israel. Auf Einladung des Auswärtigen Amts der Bundesrepublik Deutschland und des Außenministeriums des Staates Israel verschaffen sich Literaturjournalisten aus Deutschland anlässlich der Jerusalemer Book Fair einen ersten Eindruck von den zeitgenössischen deutsch-israelischen Literaturbeziehungen.
Hintergrund
Die Leipziger Buchmesse bietet seit vielen Jahren der Literatur aus Israel eine Bühne. Schon zum 40. Jubiläum der deutsch-israelischen diplomatischen Beziehungen bot die Leipziger Buchmesse einen Festakt, es präsentierten sich zahlreiche Autoren des Landes. Seither haben sich regelmäßig zu den Messen zahlreiche Größen der Branche in Leipzig vorgestellt und mit deutschen Autoren und Lesern diskutiert – darunter Amos Oz, Zeruya Shalev, David Grossman, Joshua Sobol, Yoram Kaniuk, Mira Magén, Etgar Keret, Lizzie Doron und Eshkol Nevo.
Über die Leipziger Buchmesse
Die Leipziger Buchmesse ist der wichtigste Frühjahrstreff der Buch- und Medienbranche und versteht sich als Messe für Leser, Autoren und Verlage. Sie präsentiert die Neuerscheinungen des Frühjahrs, aktuelle Themen und Trends und zeigt neben junger deutschsprachiger Literatur auch Neues aus Mittel- und Osteuropa. Durch die einzigartige Verbindung von Messe und „Leipzig liest“ – dem größten europäischen Lesefest – hat sich die Buchmesse zu einem Publikumsmagneten entwickelt. Die Leipziger Buchmesse 2015 mit dem Lesefest Leipzig liest findet vom 12. bis 15. März auf dem Leipziger Messegelände sowie im gesamten Stadtgebiet statt. Es werden rund 2.000 Aussteller, über 235.000 Besucher und mehr als 2.700 Journalisten erwartet. Parallel zur Leipziger Buchmesse findet die 21. Leipziger Antiquariatsmesse statt.
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