Die mexikanische Literaturzeitschrift Letras Libres veranstaltete [im Jahr 2005] eine Umfrage unter ihren Lesern nach den 10 besten lebenden Dichtern des Landes. 283 auswertbare Antworten gingen ein (immerhin deutlich mehr als bei einer Umfrage einer bayrischen Lyrikzeitschrift in den 90ern, die damals als Agenturmeldung lief und die als Tatsache vermeldete, Benn habe Brecht überholt). Die Mexikanern fragten nur nach Lebenden, es kamen auch unseriöse oder veralbernde Antworten, es passierten Fehler (einer der vermeintlich Lebenden war schon 13 Jahre tot), und es gab Dichter die sich selber vorschlugen sowie organisierte Manipulationsversuche. Am Ende aber hatten sie eine Liste der 10 Besten:
1 José Emilio Pacheco
2 Eduardo Lizalde
3 Alí Chumacero
4 Gabriel Zaid
5 Rubén Bonifaz Nuño
6 David Huerta
7 Ramón Xirau
8 Francisco Hernández
9 Homero Aridjis
10 Coral Bracho
Am 15. Februar feiert die „Hate Poetry“ im „Hebbel am Ufer“ in Berlin ihren dritten Geburtstag. Neben Kazim werden acht weitere Journalisten mit Migrationshintergrund, wie das neudeutsch heißt, auf der Bühne sitzen. Sie werden Leserbriefe vorlesen und vor dem Publikum darum wetteifern, wer die absurdesten Beschimpfungen erhalten hat. In der Kategorie „Sehr geehrte Frau Fotze, lieber Herr Arschloch“ geht es um Anreden, in der der „Spiegel“-Journalist beispielsweise „Kazim, du Karzinom“ aufzubieten hat. Hassschreiben in epischer Länge finden in „Die große Oper“ ihren Platz.
„Man merkt, dem Publikum bleibt das Lachen am Anfang schon im Hals stecken“, sagt Kazim. „Aber am Ende ist es eine Riesengaudi für alle.“ Seit Jahren würden er und die „Hate Poetry“-Kollegen von rassistischen Lesern beschimpft. „Diese Briefe zu kriegen ist furchtbar. Kein Mensch freut sich darüber. Aber wir wollen mit dieser Scheiße nicht alleine bleiben.“ Das Verlesen der Schreiben vor Publikum „hat eine unglaublich therapeutische Wirkung, das sagen die Kollegen genauso“. Gleichzeitig sei die „Hate Poetry“ eine politische Veranstaltung. „Wir beziehen klar Position gegen diese Leute“, sagt der Journalist. „Wir lachen sie aus.“
Kazim erhält Mails wie diese: „Für einen Gast in Deutschland sind Sie aber ganz schön unverschämt!“ Oder auch diese: „Deutsch sein beginnt mit dem Namen. Jemand, der Hasnain Kazim heißt, kann niemals Deutscher sein!!!“ Kazim wurde in Oldenburg geboren, ist deutscher Staatsbürger und diente als Offizier in der Bundesmarine. „Ich glaube schon, dass es in Deutschland einen latenten Rassismus gibt“, sagt er. Auf einen Pegida-kritischen Kommentar bei „Spiegel Online“ habe er insgesamt 1700 Mails erhalten – darunter 900 hasserfüllte.
(…) Bei der Polizei anzeigen würde er Schreiber nie, sagt Kazim – auch wenn er oft Briefe erhalte, „die einem nahegehen, wo man schluckt“. Zum Beispiel die Mail eines Lesers, der sich dort selber als „ein Pegida-Fan“ bezeichnet und Kazim vor wenigen Tagen schrieb: „Wir Deutschen sollten mit euch Muselmanen das Werk fortsetzen, das wir mit den Juden begonnen haben! Mit dir zuerst! Ich freue mich, dir mal zu begegnen, wenn du als Rauch aus dem Schornstein wehst!“ Kazim postete das Schreiben auf seiner Facebook-Seite. Darunter fügte er hinzu: „Und mit solchen Leuten soll man einen Dialog führen?“ / Passauer Neue Presse
Claudius erfand mit dem „Abendlied“ das Baldriparan Forte der deutschen Lyrik, die Nummer eins noch vor „Wandrers Nachtlied“ von Goethe. Bei Claudius geht es nicht atemlos durch die Nacht wie bei der Schlagersängerin Helene Fischer, vielmehr lässt er einen ganz schön schlottern, mit seiner metaphysischen Unruhe: „Verschon uns, Gott! mit Strafen! / Und lass uns ruhig schlafen.“
Im Grunde denkt sich Claudius die Nacht als „Großes Kino für uns zwei“ wie Helene Fischer, nur dass die zwei bei ihm Gott und Mensch, wenn nicht sogar Gott und Menschheit sind: „Lass uns ruhig schlafen! / Und unseren kranken Nachbarn auch!“
Über 70 Vertonungen kennt das noch vor der Französischen Revolution entstandene „Abendlied“, die erste von Schubert, die bislang letzte von Herbert Grönemeyer. / Marc Reichwein, Die Welt
Matthias Claudius
Das Distichon
Im Hexameter zieht der ästhetische Dudelsack Wind ein;
Im Pentameter drauf läßt er ihn wieder heraus.
Parodie auf Schillers poetologisches Distichon gleichen Titels:
Im Hexameter steigt des Springquells flüssige Säule, Im Pentameter drauf fällt sie melodisch herab.
Das letzte von Michael Krüger verantwortete Heft [der Akzente] räumt noch einmal der internationalen Lyrik den ihr eigentlich zustehenden Raum ein, beginnend mit Ibn al-Arabi, der von 1165 bis 1240 lebte. Kenner wie sein Übersetzer Stefan Weidner, halten ihn, „was die Eigenart, Schönheit und gedankliche Tiefe seiner Schriften betrifft“, für einen der größten Autoren der Weltgeschichte. Wir erleben in seinem Werk, so Weidner, „die arabisch-islamische Kultur auf einem ihrer (wiewohl: letzten) Höhepunkte.“ Wiedergegeben ist ein Zyklus von zwölf mystischen, mehrdeutig-geschmeidigen Gedichten, die 1214 in Mekka entstanden sind: „Hoch hinaus hat das verlangen / mich geführt weit hinab mich / der verzicht zwischen tief und hoch / land war ich zerrissen.“
Ferner in den Akzenten eher alltagsnahe Gedichte des 1978 geborenen Polen Lukasz Jarosz, des Holländers Erik Lindner sowie des 1927 geborenen Amerikaners W.S. Merwin. Jedes seiner hier abgedruckten Gedichte befragt lakonisch-skeptisch ein Gegenüber, etwa ein Buch: „Mach weiter du / in deiner eigenen Zeit / weiter werde ich / dich nicht tragen / ich überlasse deine Worte dir / als gehörten sie / dir von Anfang an.“
(…)
Zehn Jahre alt war der englische Schriftsteller und Schauspieler Heathcote Williams, als ihn sein Vater 1951 mitnahm zu einer Lesung des genialen Waliser Dichters Dylan Thomas ins „Victoria and Albert Museum“. Er erlebte „einen kleinen, pummeligen Mann mit rotbraunem, lockigem Haar“, der sacht hin und her schwankte. Beim Rezitieren traten seine Augen hervor, „und seine Stimme erschallte, laut und rhythmisch, in einer Folge überladener Arien, von einem Sprühregen von Speichel begleitet.“
Die Stimme dieses „besessenen“ Dichters hatte die hypnotische Wirkung einer Orgel und versetzte den jungen Williams „in rapsodische Trance“, wie er nun in einem Essay in Lettre International bekennt. Die dunklen Verse hatten einen Keim gelegt, und so machte sich Williams ein paar Jahre später, 1960, nach Swansea, dem Geburtsort von Dylan Thomas auf, um nach seinen Spuren zu suchen. Er traf auf Leute, die den Dichter noch kannten, ja mit ihm befreundet waren, und einer sagte: „Niemand hat je glanzvoller die Maske der Anarchie getragen.“
Er starb 1953 als „junger Hund“ mit 39 Jahren bei seiner vierten Vortragsreise durch die USA an einer Lungenentzündung, die er wegen seiner Alkoholexzesse nie auskuriert hatte. Er hinterließ seine genialen Verse („Geh nicht gelassen in die gute Nacht. / Im Sterbelicht sei doppelt zornentfacht.“) sowie das als Hörspiel konzipierte, enorm erfolgreiche Theaterstück „Unter dem Milchwald“, ein hoch poetisches „Spiel der Stimmen“.
Knapp ein Jahrzehnt nach seinem Tod hat ein damals unbekannter Folksänger namens Robert Allen Zimmerman Dylan Thomas‘ Identität auf eine – so Williams – „schaurige Weise geplündert.“ Er habe sich Dylans Vornamen geschnappt, „um seine Karriere zu befördern“, was Heathcote Williams Bob Dylan niemals verzeihen wird.
/ Michael Buselmeier, Freitag
Außerdem werden besprochen:
Guillaume Apollinaire to Sarojini Naidu: the war poets you don’t study at school
Despite the “cosmopolitan sympathies” of the poets, memorial events in the UK today are dominated by British writers. But there are many other literary voices from the battle for the trenches.
Poetry has become the centre of a propaganda battle over the meaning of the First World War, with different sides favouring those poets whose political sympathies reflect their own. Prime Minister David Cameron recently chose to intone Rupert Brooke’s “The Soldier” for a charity album recording. Brooke’s vision of “some corner of a foreign field/That is for ever England” espouses the “British values” of honour, loyalty and patriotism of which most Conservatives approve (indeed, Michael Gove wants to see them promoted in schools). Yet, of course, much British war poetry was anti-nationalist in tone. Siegfried Sassoon’s “A Night Attack”, for instance, describes a dead German soldier as “Young, fresh, and pleasant, so I dare to say./No doubt he loathed the war and longed for peace”. (…)
Although we are unfamiliar with it, much of the war poetry from France, Germany, Russia and elsewhere is of equal quality to (and, in some cases, even better than) that produced by British writers.
The most prominent European war poet was Guillaume Apollinaire, a naturalised Frenchman of Polish descent who died of influenza at the end of the war. His collection Calligrammes stands as a landmark achievement in the development of literary modernism. The book’s title refers to Apollinaire’s visual poetry, which attempted to achieve with words what Picasso and others had been doing in fine art. His poem “Du coton dans les oreilles” (“Cotton in Your Ears”) begins by re-creating the explosion of artillery shells typographically, the words tumbling upwards on the page.
Apollinaire felt that the war represented a new era, one that would require an original language. As he writes in “Victoire”: “. . . the old languages are so close to death/It’s really from habit and cowardice/That we still use them for poetry”.
(…) Sarojini Naidu, on the other hand, was a poet of exceptional quality. Known as “the Nightingale of India”, Naidu was a politician as well as a poet: a lifelong fighter for independence who became the first female state governor in her country. Her best-known poem is “The Gift of India” (1915), which describes the dead:
Gathered like pearls in their alien graves
Silent they sleep by the Persian waves,
Scattered like shells on Egyptian sands,
They lie with pale brows and brave,
broken hands,
They are strewn like blossoms mown
down by chance
On the blood-brown meadows of
Flanders and France . . .
/ Owen Clayton, New Statesman
Das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland erhielt Norbert Wehr am heutigen Donnerstag (15.1.). Oberbürgermeister Reinhard Paß überreichte Norbert Wehr die Auszeichnung für sein jahrzehntelanges Engagement im kulturellen Bereich.
Wehr, studierter Literaturwissenschaftler, arbeitet als Publizist, Hörfunkautor und Literaturkritiker und gibt seit 1982 die Literaturzeitschrift „Schreibheft“ heraus. Mit Gespür, Kenntnis und Beharrlichkeit machte er das „Schreibheft“ in den letzten 30 Jahren zu einer der bedeutendsten Literaturzeitschriften im deutschsprachigen Raum. Als Beleg für die Qualität seiner Arbeit gilt die Tatsache, dass die unter seiner Leitung herausgegebenen Ausgaben bereits 1998 im Reprint erschienen. Die Zeitschrift erscheint zweimal im Jahr mit einer Auflage von etwa 2.500 Exemplaren. Er muss die Finanzierung der Zeitschrift, bei der jedes Heft etwa 200 Seiten umfasst, selbst sicherstellen.
Eigens für das „Schreibheft“ entwickelte Norbert Wehr ein neues redaktionelles Konzept, das darin besteht, einen Gegenstand – sei es ein Autor, ein Buch, eine literarische Gruppe, die Literatur einer Sprache – in Schwerpunktdossiers zu facettieren und dazu möglichst viele Originaltöne literarischer, biographischer, übersetzerischer oder wissenschaftlicher Auseinandersetzung zu versammeln.
Die Hefte widmen sich jeweils bestimmten Themenbereichen (zum Beispiel die Neuübersetzung von Hermann Melvilles „Moby Dick“ oder „Literatur aus Serbien“ mit Peter Handke) und erreichen durch exklusive Beiträge und eine strenge Dossier-Form eine größere „Haltbarkeit“ als andere Literaturzeitschriften. Die Hefte eignen sich dazu, wie ein Buch gelesen zu werden. Wer genug Zeit und eine gute Lesekondition mitbringt, dem erschließt sich ein Kompendium zeitgenössischer Weltliteratur. Häufig wurden fremdsprachliche Texte für die Zeitschrift erstmals ins Deutsche übersetzt und werden so als „Originalliteratur“ dem deutschen Leser zugänglich gemacht, versehen mit gründlichen Hintergrundinformationen und in bislang unbekannten Zusammenhängen.
Mittlerweile wurde das gesamte Archiv seiner Zeitschrift der „Stiftung Insel Hombroich“ als „Vorlass“ übertragen. Das „Norbert-Wehr-Archiv“ der Zeitschrift „Schreibheft“ umfasst sämtliche Manuskripte, die Autoren und Übersetzer zur Publikation in der Zeitschrift zur Verfügung gestellt haben, die gesamte Korrespondenz mit Autoren, Übersetzern und Mitarbeitern der Zeitschrift, ein Pressearchiv, eine Dokumentensammlung, eine Sammlung anderer Literaturzeitschriften und eine belletristische Bibliothek mit etwa 7.500 Bänden sowie sämtliche Erstausgaben des „Schreibhefts“. Die Schenkung von Norbert Wehr umfasst auch das zukünftige anfallende Material und stellt damit eine bedeutende Position im Gesamtarchiv der „Stiftung Museum Insel Hombroich“ dar.
Seit vielen Jahren organisiert er Literaturveranstaltungen im Essener Folkwang-Museum (früher im Grillo-Theater), zu denen namhafte Literaten erscheinen. Die Liste der Eingeladenen liest sich wie ein „who ist who“ der zeitgenössischen Literatur. Vielfach lud er auch Autorinnen oder Autoren ein, bevor diese zu einem späteren Zeitpunkt mit Literaturpreisen und Auszeichnungen geehrt wurden.
Das „Schreibheft“ und auch sein Herausgeber sind mit einer Reihe von Preisen ausgezeichnet worden. 1988 erhielt Wehr den Förderpreis des Landes Nordrhein-Westfalen für junge Künstler“, 1989 den „Förderpreis zum Lessing-Preis der Stadt Hamburg“ und 1994 den „Alfred-Kerr-Preis“ für Literaturkritik und den „Calwer Hermann-Hesse-Preis“ für das „Schreibheft“. 1998 folgte ein Literaturpreis des Landes Nordrhein-Westfalen. 2010 erhielt er den „Literaturpreis Ruhr“. Die Preise für das „Schreibheft“ einerseits und für ihn andererseits belegen wie eng die Literaturzeitschrift mit dem Herausgeber verbunden ist. / Presseinformation Essen
In einem Artikel zum 200. Todestag des Dichters Matthias Claudius lese ich:
In Wandsbeck, heute der Hamburger Stadtteil Wandsbek, hat er eine fast lebenslange Heimstätte gefunden: Hier lernt er die 17-jährige Anna Rebecca Behn kennen, eine Gastwirtstochter, die kaum gebildet, aber eine anziehende Persönlichkeit ist. Claudius nennt sie „sein Bauernmädchen“ und shcreibt an Herder: „Aber lieb hab ich sie darum nicht weniger“. 1772 heiratet er Rebecca. Es ist eine große und dauerhafte Liebe. Anders als Goethe, der seine nicht standesgemäße Frau jahrelang versteckt, schreibt Claudius Gedichte über sie.
Das läßt das Entscheidende leider offen. Hat Claudius Gedichte über Goethes Frau geschrieben? Oder hätte Goethe Gedichte über Claudiussens schreiben sollen? Beides wär befremdlich – und würde erklären, warum sich beide nicht mochten.
Sollte aber gemeint sein, Claudius habe über Claudiussens Frau, Goethe aber nicht über die Seine Gedichte geschrieben, so ist das falsch. Man könnte in Weimar auf den Jakobskirchhof gehen – in der Kirche wurden Goethe und Christiane Vulpius getraut, hier liegt sie begraben, auf der Grabplatte ein Epigramm Goethes (Du versuchst o Sonne vergebens). Aber das ist bei weitem nicht das einzige Gedicht Goethes an/über Christiane. Eins der schönsten deutschen Gedichte schreibt er ihr zum 25. Jubiläum ihrer Beziehung, also zur heimlichen Silberhochzeit: Gefunden. Über der Handschrift steht: „Frau von Goethe. 26 August 1813“. Er schrieb es 1813 und schickte es ihr von einer Reise.
Gefunden.
Ich ging im Walde
So für mich hin,
Und nichts zu suchen
Das war mein Sinn.
Im Schatten sah’ ich
Ein Blümchen stehn,
Wie Sterne leuchtend,
Wie Äuglein schön.
Ich wollt’ es brechen;
Da sagt’ es fein:
Soll ich zum Welken
Gebrochen sein?
Ich grub’s mit allen
Den Würzlein aus,
Zum Garten trug ich’s
Am hübschen Haus.
Und pflanzt es wieder
Am stillen Ort;
Nun zweigt es immer
Und blüht so fort.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Just as it was to me, Insha’Allah will be a new word to many of you, offered in this poem by Danusha Laméris, a Californian. It looks to me like one of those words that ought to get a lot of use.
Insha’Allah
I don’t know when it slipped into my speech
that soft word meaning, “if God wills it.”
Insha’Allah I will see you next summer.
The baby will come in spring, insha’Allah.
Insha’Allah this year we will have enough rain.
So many plans I’ve laid have unraveled
easily as braids beneath my mother’s quick fingers.
Every language must have a word for this. A word
our grandmothers uttered under their breath
as they pinned the whites, soaked in lemon,
hung them to dry in the sun, or peeled potatoes,
dropping the discarded skins into a bowl.
Our sons will return next month, insha’Allah.
Insha’Allah this war will end, soon. Insha’Allah
the rice will be enough to last through winter.
How lightly we learn to hold hope,
as if it were an animal that could turn around
and bite your hand. And still we carry it
the way a mother would, carefully,
from one day to the next.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2014 by Danusha Laméris, from her recently released first book of poems, The Moons of August, Autumn House Press, 2014. Poem reprinted by Danusha Laméris and the publisher. Introduction copyright © 2015 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Wenn die von Claus Eckermann vorgelegte Sonett-Übersetzung (2012) bisweilen manieriert erscheint, dann gilt Gleiches für seine jüngst erschienene Venus und Adonis-Übersetzung. Doch während dieser Manierismus der gedanklichen Beweglichkeit und der in Teilen radikalen Perspektive der Sonette nicht ganz gerecht wird, ist die gekünstelte Sprache hier ein großer Gewinn. Venus ist entbrannt für Adonis, Adonis zeigt ihr seine kalte Schulter – bei Eckermann liest man:
„Gib Mitleid,“ ruft sie, „Gunst und Gnade mir!“
Doch er springt fort und läuft zu seinem Tier.
Melodramatisch und satirisch verfremdet erscheinen diese Zeilen. Schillers „Sir, geben sie Gedankenfreiheit“ kommt einem bei „Gib Mitleid“ in den Sinn. Eckermann opfert das idiomatische „Hab Mitleid“, das textnähere „Mitleid“ oder Freiligraths „O Mitleid“ (1850) einer rhetorischen Spielerei, dem Zeugma. Dabei ist Shakespeares Venus hier bereits mit ihrem Latein und ihrer Rhetorik am Ende. Farcenhaft erscheint die vergebliche Liebesmüh’ der Göttin zu dem Jüngling Adonis. Und das Objekt ihrer Begierde wird von einer Antiklimax zur nächsten getrieben. Hier versucht er vergeblich „zu seinem Tier“ zu laufen. Bei Freiligrath war es immerhin noch sein Pferd:
„O Mitleid,“ ruft sie, „bin ich nichts denn wert?“
Doch er springt auf, und eilt nach seinem Pferd.
Bei Shakespeare heißt es:
„Pity,“ she cries, „some favour, some remorse!“
Away he springs, and hasteth to his horse.
In zwei Zeilen bringt Shakespeare hier die Verzweiflung Venus’ und die Hasenfüßigkeit Adonis’ auf den Punkt. Das ist tragisch, aber in der Anlage natürlich auch melodramatisch avant la lettre. Shakespeare dichtet parataktisch, Eckermann auch, aber die rhetorische Raffinesse in der Übertragung lässt unweigerlich eine ironische Brechung vermuten, eine Distanz zwischen Figurenperspektive, hier Venus’ Perspektive, und der Perspektive der Erzählinstanz. Diese ironische Brechung, die in Shakespeares Ovid-Lektüre bereits angelegt ist, präpariert Eckermanns Übersetzung großartig heraus. / Felix Sprang, literaturkritik.de
William Shakespeare: Venus und Adonis. Englisch/deutsch.
Mit einem Nachwort von Christa Jansohn und Dieter Mehl.
Übersetzt aus dem Englischen von Claus Eckermann.
NOA NOA Hörbuchedition, München 2014.
100 Seiten, 4,90 EUR.
ISBN-13: 9783932929823
Einige der hier versammelten Dichter rufen Sappho an, versuchen sie zu aktualisieren, mal ironisch, aber auch mit einer ernstgemeinten Leidenschaft. Oder aber sie beschäftigen sich mit der Scherbe an sich.
Zum größten Teil sind es deutsche Dichter, die zur Anthologie beigetragen haben, aber es gibt auch Unterstützung aus Griechenland und die Sappho Gedichte von Joan Larkin und Marilyn Hacker, die für die feministische Bewegung in Amerika in den 70er Jahren eine große Bedeutung gespielt haben, sind vertreten.
Die Zerstörung der Zeit, von der Sappho selbst in Bezug auch sich spricht (im von Dirk Uwe Hansen übersetzten Brief Sapphos an Aphrodite: „Alt ist meine zarte Haut geworden und weiß die schwarzen Haare, schwer die leichten Knie, die früher tanzen konnten wie Rehe.“), machen heute den besonderen Reiz ihrer Dichtung, der Beschäftigung mit ihrer Dichtung aus. / Elke Engelhardt, Fixpoetry
Michael Gratz (Hg.) · Dirk Uwe Hansen (Hg.)
Muse, die zehnte.
Antworten auf Sappho von Mytilene
freiraum – verlag 2014
Überschriften von lokalen Nachrichten aus den letzten Jahren über die „Bibliothek deutschsprachiger Gedichte“ alias „Nationalbibliothek ddG“:
Lyrik ist ihr Leben | Lebenslinien in Lyrik | Lyrik aus der ersten Liga | „Die Lyrik ist mein Geländer im Leben“ | Alltägliche Eindrücke in Gedichtform gegossen | Lyrik-Wettbewerb: Gedichte begleiten ihr ganzes Leben | Lyrik als Lebenshilfe
Die Reise, die Gerrit Wustmann unternimmt, ist eine Reise in die Jahrtausende alte persische Kultur und ihre islamischen Fundamente*. Sie ist zugleich aber auch eine Reise in unsere Gegenwart, die mit diesen literarischen Traditionen konfrontiert wird und sich ihnen stellen muss. Fließt dieser Strom weiter oder kommt es zu einem Bruch? Die Farbe Grün steht ja nicht nur für den Propheten Mohammed und das Paradies, sondern auch für die Grüne Bewegung. Diese entstand 2009 im Iran nach massiven Wahlfälschungen und wurde blutig niedergeschlagen. Den Kompass korrigieren? Ihn neu ausrichten? Ihn vielleicht sogar (wieder) eichen?
grüngewandet
nach jahren hob ich
meinen blick von deinem grünen kleid
deine blauen augen schluckten
jedes rot
von acht zimmern unseres hauses
blieben sieben
nach jahren hob ich
meinen blick und meine leber brannte
saghi, schenk mir ein
Das ist das Gedicht, das dem Band von Gerrit Wustmann seinen Titel gab. Es rückt einen Vers von Hafis in den Mittelpunkt und setzt sich mit ihm auseinander. Worum geht es in dem Gedicht? Um Sinnliches? Um Übersinnliches? Es ist mehrdeutig und spielt mit seiner bildhaften Sprache.
Ein Gedichtband, in dem sich zwei alte Kulturen begegnen und literarisch neu miteinander ins Gespräch kommen. Ein Gedichtband, der mit seiner bildlichen Kraft Fragen stellt und seine Leser in Frage stellt. / Artur Nickel, Fixpoetry
Gerrit Wustmann
grüngewandet
sabzpush
Ins Persische übersetzt von Mahmoud Hosseini Zad
sujet verlag
2014 · 78 Seiten · 12,80 Euro
ISBN:
978-3-944201-31-3
*) Die Jahrtausende alte persische Kultur und ihre islamischen Fundamente – klingt gefährlich. Zarathustra ist das eine. Und hatte Firdausi nicht wenigstens ein paar vorislamische Fundamente für sein Königsbuch? (Das ist nur ein Kommentar zu der Metapher)
Nachdichtung oder Übersetzung, Verfremdung oder Eindeutschung, philologische Akribie oder poetische Freiheit – zwischen diesen vermeintlichen Polen bewegen sich die gut siebzig Gesamtübertragungen der Sonette Shakespeares, die in deutscher Sprache vorliegen. Mit Claus Eckermanns und Alexander Gieses Übersetzungen reihen sich nun zwei weitere Gesamtübertragungen ein – und natürlich steht außer Frage, dass auch diese beiden Übersetzungen mit ihrer jeweils eigenen interpretatorischen Perspektive einen Beitrag zur Rezeption leisten; denn Eckermann und Giese gelingt es, eine jeweils eigene Tonart anzuschlagen und diese konsequent durchzuhalten. Beide Übersetzungen sind weit entfernt von Ulrike Draesners „Radikalübersetzung“ (2000), die auf eine Aktualisierung der semantischen Felder in Richtung Technik und Wissenschaft setzt und dabei Wortschöpfungen wie „tintenstrahl-füße“ hervorgebracht hat. Modernisierung ist hier nicht das Gebot der Stunde, vielmehr ist beiden Übersetzern daran gelegen, Shakespeares Klang- und Bildraum als eigenständige literarische Welt vorzustellen. Verglichen mit Christa Schuenkes Übersetzung (1999, 52011), die sich in den letzten Jahren als maßstäblich durchgesetzt hat, wirken beide Übersetzungen allerdings archisierend, wobei sich Eckermann an einem barocken, bisweilen manierierten Stilideal orientiert, während Giese das lyrische Ich als Stimme des Sturm und Drang entwirft. Insofern markieren beide Übersetzer stilistisch sehr deutlich, dass sie das Paradigma der romantischen Liebe, das dem frühneuzeitlichen Liebesdiskurs nur bedingt gerecht wird, als Rezeptionsrahmen für nicht geeignet halten.
Eckermanns Zugriff ist geradezu historisierend. Tongebend ist – trotz der fünfhebigen Jamben – ein barockes Dichtungsmodell, das antithetische Gegenüberstellungen und überhöhte Bildhaftigkeit auskostet: „confounding age’s cruel knife“ (Sonett 63) wird zu „des welken Alters scharfer Klinge“, „But if that flower with base infection meet, / The basest weed outbraves his dignity“ (Sonett 94) wird zu „Doch wo die Blum auf welkes Siechtum stieß, / Schlägt ihren Wert gar Unkraut, öd und siech. “ Diese Bildhaftigkeit schafft Distanz, entrückt die Sonette aus der Alltagserfahrung und betont deren Literarizität. Keineswegs anbiedernd ist diese Übertragung: Eckermann will es seinen Lesern sichtlich nicht leicht machen, sie sollen beim Lesen oder Rezitieren nicht vergessen, dass sie sich in einem sprachlich-formalen Kunstwerk bewegen. Es gelingt jedoch nicht immer, die angebotenen Bilder mit Leben zu füllen: mir jedenfalls fällt es schwer, eine „Blum“ zu sehen, die „auf welkes Siechtum stieß“. Zugegeben, Sonett 94 gilt als besonders schwer zu übersetzen. Shakespeares lyrisches Ich ist hier enigmatischer als sonst: Das Herrschaftsideal, das mit botanischen Vanitas-Motiven ins Bild gesetzt wird, bleibt obskur, die Botschaft, die sich an den „fair youth“ richtet, unklar. Trotz dieser Ambiguitäten ist Shakespeares Sprache jedoch direkt und aggressiv: Shakespeare verweist mit „infection“ recht deutlich auf die Syphillis, wählt mit „outbraves“ eine ironisch gebrochene Konversion, die der konventionellen Gegenüberstellung von Blume und Unkraut einen kühnen Anstrich gibt. Es gelingt Eckermann nicht immer, diese Nuancen im Register und Lexikon zu retten.
(…)
Auch Giese nutzt Abweichungen vom fünfhebigen Jambus äußerst spärlich, und doch wirkt seine Übersetzung luftiger, metrisch weniger streng organisiert. Verglichen mit Eckermanns Übertragung ist die Anrede direkter, der Sprachduktus lässiger, geradezu keck an manchen Stellen. Dieser Eindruck mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass Giese Wortwiederholungen nicht scheut. In Sonett 8 verwendet er beispielsweise viermal das Wort „süß/Süßes“ und sucht nicht nach Synonymen, im Sonett 152 begegnen uns „schwört“, „Bettschwur“, „Schwören“, „schwor“, „Schwüre“, „schwör’n“, „geschworen“, „schwören“. Gieses Liebender, aber auch der mahnende Freund zuvor, haben beide keine Zeit, nach trefflichen Worten zu suchen und ihre Ausdrücke zu modulieren. Diese Haltung zeigt sich besonders deutlich an Sonett 66, dem Meilenstein für deutsche Übersetzungen:
Bin alles müd’, nach Todesruh’ ich schrei,
Da doch Verdienst zum Bettler nur geboren,
Und nicht’ge Nullen sich freu’n an Narretei,
Und reinste Treu elendig falsch geschworen,
Und gold’ner Ruhm, schmachvoll wird er missachtet,
Und Mädchentugend rücksichtslos geschändet,
Und höchst Vollkomm’nes unverdient verachtet,
Und selbst Kraft in schwacher Herrschaft endet,
Der Kunst die Zung’ bindet die Staatsgewalt,
Und Narrheit doktorgleich treibt Wissenschaft,
Und echte Wahrheit wird verkannt als Einfalt,
Und wertvoll Gut gerät in schlimme Haft;
Müd dieser Welt ließ gern ich alles sein,
Wär nicht – stürb ich – mein Liebstes ganz allein.
Nicht großes Pathos, kein uferloser Zorn, sondern eine tiefgehende und gefasste Empörung spricht aus diesen Versen. Giese bricht mit der Anaphora in Zeile 9 und hebt mit seiner Anklage neu an. Und auch metrisch lässt sich dieser Sprecher nicht vereinnahmen: „geboren“, „geschworen“, „missachtet“, „geschändet“, „verachtet“, „endet“ wenden sich gegen das Diktat des Metrums. Somit ist diese Übertragung näher an den Übersetzungen von Lachmann (1820) und Gelbcke (1867) als an der zusatzfüßigen von Biermann (2004) oder der metrisch idealtypischen von Schuencke (1999) [Für eine ausführliche Rezension der Biermann-Übersetzung von Jürgen Gutsch siehe literaturkritik Nr. 10, Oktober 2004; ein Interview mit Christa Schuenke, das Christa Jansohn geführt hat, ist abgedruckt in literaturkritik Nr. 4, April 2014].
/ Felix Sprang, literaturkritik.de
William Shakespeare: Der Zeit entgegen – Shakespeares Vanitas Sonette [Tonträger]. Jacques Breuer liest Shakespeare.
NOA NOA Hörbuchedition, München 2012.
1 CD, 14,90 EUR.
ISBN-13: 9783932929793
William Shakespeare: Die Sonette. Englisch und deutsch.
Übersetzt aus dem Englischen von Claus Eckermann.
Haag + Herchen Verlag, Hanau 2012.
328 , 24,00 EUR.
ISBN-13: 9783898466486
William Shakespeare: Shakespeare Sonette.
E-Book.
Übersetzt aus dem Englischen von Alexander Giese.
Aumayer Druck + Verlag, Munderfing 2013.
164 Seiten, 4,90 EUR.
ISBN-13: 9783902923011
Paris/Buenos Aires (APA/dpa) – Der argentinische Dichter Arnaldo Calveyra ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Wie sein Verlag am Freitag in Buenos Aires mitteilte, erlag er am Donnerstag in Paris einem Herzinfarkt. Calveyra wurde 1929 in der argentinischen Provinz Entre Ríos geboren und ließ sich in den 60er Jahren in Frankreich nieder. / Tiroler Tageszeitung
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