Der in Leverkusen lebende Lyriker Manfred Enzensperger ist nächster Gast bei „1 Gedicht“. Im Niederrheinischen Literaturhaus Krefeld an der Gutenbergstraße 21 stellt er am Mittwoch, 11. Februar, um 20 Uhr eine Auswahl seiner Gedichte vor, deren zentrales Motiv die Großstadt ist. Ihre alltäglichen Orte dienen ihm als Ausgangspunkt für seine präzisen, sensiblen und kunstvoll gearbeiteten lyrischen Texte. Literaturkritiker Dr. Henning Heske, der die Reihe künstlerisch verantwortet, wird im Gespräch mit Manfred Enzensperger und dem Publikum einzelne Texte näher betrachten. (…)
Die Reihe „1 Gedicht und mehr“ will den Zugang zu zeitgenössischer Lyrik eröffnen und zeigen, dass es sich lohnt, Lyrik intensiv zu lesen. Gedichte als inhaltlich stark verdichtete Textart verlangen Lesern in einem erheblich höheren Maß als ProsaAufmerksamkeit, Lesekompetenz und Einfühlungsvermögen ab. Sie eröffnen ihm eine breitere Palette an Interpretationsmöglichkeiten. Hier will die Reihe Hilfestellung beim Lesen und Interpretieren geben und mit Gegenwartsdichtern zeigen, dass diese Textart keineswegs überholt ist, sondern gerade in unserer schnelllebigen Zeit von hektischen E-Mails und SMS mehr Aufmerksamkeit verdient. / Pressemeldung NRW
ohne eine Ahnung von Angst finden wir auch keinen Mut
Hansjürgen Bulkowski
Schöne Rezension von Volker Sielaff zu Bertram Reineckes Band „Gleitsichtwochen“ bei Signaturen. Auszug:
„Solche Wunder sind schweigsam / wispern die papierene Rede der Ingenieure„, lese ich nun bei Reinecke, der offenbar in den Papieren [über die Blaues Wunder genannte Elbbrücke, M.G.] geblättert hat, einem „…Gebäude aus Zahlen nicht weniger undurchsichtig / als die Brücke selbst„, aber auch oft, wie man in Sachsen sagt, „rüber und nüber gegangen“ sein dürfte. Womöglich, um an einer Schule an einem Autorengespräch mit Lehrern teilzunehmen, sein Poem mit dem schönen langen Titel „Als ihm eine Schar sich fortbildender Lehrer seine Gedichte für unverständlich erklärt hatte“ gibt davon Zeugnis: „Die Frage immer / ´Wer versteht denn das` / Sie etwa nicht? / Ich kenne welche / Ja, die kommen damit ganz problemlos klar / Sind die denn schief gewickelt…“ Reineckes muntere Gegenrede ist trochäisch geprägt, was ihr auch formal einen trotzigen Schwung verleiht. Indes – viel Hoffnung hat der Dichter scheinbar nicht, konstatiert er doch einigen von den so fortgebildeten Lehrern verschulten Schülern folgendes: „sie haben Lindgren gelesen / und durchstreifen den Vorort/ vorerst gerade so, wie man es / auch gänzlich ohne Begabung könnte / führen einen Hund mit / füttern Kaninchen / betätigen ihr Handy„. Reinecke hat sich dem Gegenstand, den er hier launig bedichtet, bereits in einem seiner Essays genähert, dem Band „Gruppendynamik – Literaturprozesse am Beispiel von Lyrikwerkstätten“ (bei J. Frank in Berlin erschienen). Ob die Lehrer das wussten?
Bertram Reinecke, das macht dieses nur 30 Seiten dünne Büchlein deutlich, ist sehenden Auges und mit wachen Sinnen durch Dresden gezogen. Er lässt, wie es von den Stipendiengebern ausdrücklich gewünscht ist, in seinen Gedichten aus Dresden „einen Bezug zur Stadt Dresden oder der sächsischen Kulturlandschaft erkennen“ – mehr noch: er spielt mit diesem ihm abverlangten „Bezug“, indem er das ihm in die Hand gedrückte Blatt dreht und wendet und gelegentlich auch genüsslich zerrupft. Wenn er die Mitglieder der Dresdner Staatskapelle in einem Gedicht als „Erntehelfer“ bezeichnet, hat das mit jenem dem Dichter eigenen abgründigen Humor zu tun, und man will hoffen, dass die „Herren in Anzügen“ genauso darüber lachen können wie der Rezensent es konnte: „Herren in Anzügen / wieso haben die eigentlich Anzüge an? / Ach das gehört sich wohl / so nah bei der Gambe / die Basso Continuo Gruppe…“ Und, ein Stück weiter im Orchesterversmaß, finden wir dann diese großartige Beschreibung des Spiels des weltberühmten Klangkörpers: „Eine Annäherung an das Nichts / sie haben das Jahrzehnte geübt / eine Art buddhistischer Praktik sehr europäischer Prägung / besoldet laut Orchestertarif / Sonst würden sie nämlich an etwas anderes denken / Der eine mag Fußball / der andere schaut gern jungen Mädchen nach / (aber doch, doch, sehr erfolgreich für sein Alter / da kann man nichts sagen) / Könnten sie jetzt sprechen meinte einer vielleicht / „Weißt Du noch unter Schreier?„
Neue Stipendiaten
„Übersetzer“-Stipendium
Der Peter-Huchel-Preis für deutschsprachige Lyrik geht in diesem Jahr an den Schriftsteller Paulus Böhmer. Der vom Land Baden-Württemberg und dem Südwestrundfunk gestiftete Preis wird seit 1983 vergeben. „Zum Wasser will alles Wasser will weg“, so heißt der prämierte Gedichtband von Paulus Böhmer. Das Langgedicht von 236 Seiten sei eine „vielstimmige Hymne auf das Leben, wortgewaltig und sprachschöpferisch, überbordend und bildgenau“, in seiner Form einzigartig in der deutschsprachigen Literaturlandschaft, begründet die Jury ihre Entscheidung. Der 78 jährige Paulus Böhmer wuchs in Oberhessen auf, studierte Jura in Frankfurt, Architektur und Literatur in Berlin, arbeitete als Stauden-und Ziergraszüchter und als Werbetexter. Inhaltlich kreisen Böhmers Gedichte um Themen des 20 Jahrhunderts: Gewalt, Kriege, Liebe und Tod. Seine lyrischen Wurzeln finden sich in der Popkultur eines Allen Ginsberg.
Die Jury besteht aus 7 stimmberechtigten Juroren, die laut Satzung maximal 4 Jahre dabei sein dürfen. Ihre aktuelle Zusammensetzung ist auf der Webseite des Preises noch nicht veröffentlicht, dürfte aber mit der von 2014 identisch sein:
Roman Bucheli, Sebastian Kleinschmidt, Christiane Lange, Tobias Lehmkuhl, Theresia Prammer, Ulf Stolterfoht, Insa Wilke, Werner Witt (ohne Stimme), Christoph Heinkele (ohne Stimme).
Der Preis ist mit 10.000 Euro dotiert und wird am Geburtstag Peter Huchels, am 3.4., in Staufen (Br.) vergeben. Peter Huchel hatte seine letzten Lebensjahre in Staufen verbracht.
… sind Prominente aus der Glamourwelt, die nebenher peinliche Gedichte schreiben. Michael Hollan listet „die 7 schlechtesten Celebrity Poets unter der Überschrift „No Rhyme And Even Less Reason“. Es sind:
Pamela Anderson (Our true character, collective complexities.
childish activities –
patterns- genetics? Attention deficit-
– …SEX … a lost art– a sickness–
Perversions-
Lost sensuality -)Kristen Stewart („My Heart Is A Wiffleball/Freedom Pole.“ There’s not much more to say about it.)
Jennifer Aniston (was dating John Mayer and wrote a poem about it)
James Franco (Its not so much poetry as it is a collection of phrases.)
Rosie O’Donnell (It’s not funny that Rosie O’Donnell had a heart attack. The poem she wrote about it, however, totally is. )
Jewel (wrote an entire book of poetry. The book is best experienced if you read it out loud and yodel all of the words.)
Britney Spears‘ poetry does rhyme, which is nice. It seems like that’s all she knew about poetry, though.
Erst vergangenen Sommer hatte Wolfgang Rihm die Welt mit zwei neuen Werken für Soloinstrument und Orchester beschenkt, die ganz ungeniert die Gattungsbezeichnung „Konzert“ im Titel führen. Anders als Kollegen, die in zitathafter Manier auf die Vergangenheit anspielen, kommt der Traditionsbezug bei dem deutschen Komponisten ohne ironische Brechung aus.
Sein Werk für Violine und Orchester, das am Freitag im Konzerthaus uraufgeführt wurde, vermeidet die explizite Gattungszuordnung: Vielmehr schließt das mit „Gedicht eines Malers“ überschriebene Stück an Rihms Anne Sophie Mutter und Carolin Widmann auf den Leib komponierten Werke an, die ebenfalls poetische Titel tragen. Unüberhörbar ist die Bezugnahme auf die Tradition auch hier: Schließlich verweisen schon die Worte „Gedicht“ und „Maler“ auf die synästhetischen Bestrebungen jener Romantik, deren Nachklang Widmungsträger Renaud Capuçon in bittersüßen Phrasen beschwor. Dabei ist Rihms Musik nicht direkt antimodern, sie evoziert vielmehr die Anfänge einer Moderne, die mittlerweile auch schon zum Sehnsuchtsort einer nostalgischen Rückschau geworden ist. / Lena Dražić, Wiener Zeitung
Erst Musik, dann Spiel, jetzt Poesie: Der Prager Kneipenbesitzer Ondřej Kobza will im Stadtzentrum zwei Gedicht-Automaten aufstellen. In den vergangenen beiden Jahren hat er an öffentlichen Orten bereits Klaviere und Schachbretter installiert. Im Februar soll nun auf der Insel Kampa eine Maschine in Betrieb gehen, die Lyrik auf Umlaufrollen druckt. Am Friedensplatz (Náměstí Míru) wird der Gedicht-Automat wie eine Jukebox funktionieren, die Poesie spielt statt Musik. (…) Während die Schachbretter samt Tischen im vergangenen Sommer noch von der Stadt mitfinanziert wurden – die Kosten für die ersten sechs Tische beliefen sich auf 30.000 Kronen (knapp 1.100 Euro) – setzte Kobza seine neueste Idee mithilfe von Crowdfunding um: Er sammelte Geld von Menschen, die er für die Poesie-Automaten begeistern konnte. Mehr als 93.000 Kronen kamen so zusammen. Als Gegenleistung erhielten die Spender eine Einladung zur Taufe der Automaten oder durften bei der Herstellung einen Blick hinter die Kulissen werfen. Die Gedicht-Maschine auf der Insel Kampa soll Kobza zufolge nicht dauerhaft eingerichtet werden. Er plant, sie auch an anderen Orten Station machen zu lassen. / Prager Zeitung
Einsendeschluss bis 10. April 2015
Ausschreibungen, Lyrikpreis – 1. Januar 2012 – 18:01 Theater am Saumarkt
Der Feldkircher Lyrikpreis wird im Jahr 2015 wiederum zu einem Thema ausgeschrieben. Dieses wird vom letztjährigen Preisträger Axel Görlach gestellt. Zur Teilnahme aufgerufen sind alle Autorinnen und Autoren, die sich in ihrer Lyrik mit diesem Thema/Motto/Bild auseinandersetzen wollen:
„fließen ihre schatten die fassaden entlang“
Die von einer Jury ausgewählten Texte werden anlässlich der
Langen Nacht der Lyrik
am Freitag, 6. November 2015 um 20.15 Uhr
im Theater am Saumarkt, Feldkirch
präsentiert.
Ausschreibung Feldkircher Lyrikpreis 2015 (200,43 KB)
Eine 17-Jährige hat mit einem Tweet eine Debatte über das Schulsystems [sic] in Deutschland ausgelöst. „Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse [sic] schreiben. In 4 Sprachen“, schrieb „Naina“ am Samstag auf Twitter. „Niemand bringt uns bei, wie man später auf eigenen Beinen steht“, schreibt sie in einem anderen Tweet. Nun verlangt auch die ÖVP-nahe Schülerunion eine Änderung des Lehrplans in Österreich.
Ich bin fast 18 und hab keine Ahnung von Steuern, Miete oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In 4 Sprachen.
— Naina (@nainablabla) January 10, 2015
Nainas Tweet wurde bis Donnerstagmittag bereits mehr als 13.000-mal retweetet, 25.000 User haben die Aussage favorisiert. In Deutschland bezog am Mittwoch sogar Bildungsministerin Johanna Wanka (CDU) Stellung zu dem Tweet: „Ich finde es sehr positiv, dass Naina diese Debatte angestoßen hat. Ich bin dafür, in der Schule stärker Alltagsfähigkeiten zu vermitteln. Es bleibt aber wichtig, Gedichte zu lernen und zu interpretieren“, sagte sie. / Der Standard
Mehr Wirtschaft in die Schule!
fordert der Wirtschaftsteil der FAZ:
„Ich hab keine Ahnung von Steuern oder Versicherungen. Aber ich kann ’ne Gedichtsanalyse schreiben. In vier Sprachen“: Eine Schülerin klagt darüber, dass sie in der Schule das falsche lernt. Sie hat Recht. / FAZ 13.01., von ALEXANDER ARMBRUSTER.
After four previous appearances on the shortlist for the TS Eliot prize for poetry, David Harsent has finally taken the honour for his 11th collection of poems, Fire Songs. He was described by the chair of the judging panel, the poet and novelist Helen Dunmore, as “a poet for dark and dangerous days”.
She added: “Fire Songs plumbs language and emotion with technical brilliance and prophetic power.”
Although Harsent, professor of creative writing at the University of Roehampton, who also worked extensively with the composer Sir Harrison Birtwistle, picked up a hat full of awards for earlier collections, including the Forward Prize for Legion in 2005, and Night in 2011 which won the Griffin Poetry Prize and was shortlisted for many other prizes, this was a particularly gratifying year to take the Oscar of his profession.
Not only was he competing against a particularly strong field, with seven previously shortlisted poets and three previous winners – John Burnside, Michael Longley and Hugo Williams – on the shortlist, the cash value of the prize was increased this year to £20,000 from £15,000 to mark the 50th anniversary this month of the death of TS Eliot.
When the prize was announced at a ceremony at the Wallace Collection gallery, there was good news for the other poets too – including two newcomers to the competition, Fiona Benson and Kevin Powers – as the runner up prizes have also been increased to £1,500 each. (…) / Maev Kennedy, The Guardian
anticipate v/t.
1. vor’ausempfinden, -sehen, -ahnen;
2. erwarten, erhoffen: anticipated profit voraussichtlicher Verdienst;
3. im Vor’aus tun od. erwähnen*, vor’wegnehmen; Ankunft beschleunigen; vor’auseilen (dat.);
4. jemandem od. einem Wunsch etc. zu’vorkommen;
5. einer Sache vorbauen, verhindern;
6. bsd. Wirtschaft vorzeitig bezahlen od. verbrauchen
© 2001 Langenscheidt KG, Berlin und München; Internet-Wortschatz: © 2001 Langenscheidt KG, Berlin und München und sueddeutsche.de GmbH, München
The 10 Most Anticipated Poetry Books of 2015
By Jonathon Sturgeon on Jan 8, 2015 3:00pm (flavorwire)
i mean i dislike that fate that i was made to where, Uljana Wolf, Sophie Seita (trans.) (Fall, Wonder)
After finding myself inebriated-by-proxy by German poet Uljana Wolf’s False Friends, which is thoroughly drunk on language and translation (and the language of translation), I was thrilled to see that her manuscript won the 2014 Wonder Book Prize (judged by Rachel Levitsky) and will be published later this year. We desperately need more poetry like Wolf’s in the American scene.
Unter den anderen erhofften, vorgeahnten, vorausempfundenen (vielleicht sogar, warum nicht, in Vorkasse vorzeitig bezahlten?), aber jedenfalls nicht verhinderten Büchern sind:
Über den hier zuletzt gelisteten Titel notiert Sturgeon:
“Is there anyone in America except you, [William Carlos Williams] and Mina Loy who can write anything of interest in verse?” Ezra Pound wrote to Marianne Moore in 1921. Alongside Melville House’s recent publication of her prose, the re-release of Loy’s poems — they’ve been out of print for almost 20 years — should further fuel her American resurgence.
*) Ich weiß nicht, ob das eine regionale Besonderheit ist: ich kann zwar auch vorausempfinden oder vorwegnehmen oder dies zumindest versuchen – aber im Voraus würde ich immer auf der ersten Silbe betonen (es sozusagen vorausposaunen).
Der Basler Lyrikpreis 2015 geht an den Dichter José F.A. Oliver. Er erhält den Preis für ein umfangreiches, beeindruckendes Werk, das traditionsbewusst und innovativ zugleich zwischen Sprachen und Kulturen pendelt. Die Preisverleihung findet im Rahmen des 12. Internationalen Lyrikfestivals am Samstag, 24. Januar 2015 um 18.30 Uhr im Literaturhaus Basel statt.
José F.A. Olivers Gedichte sind mehrstimmige Klangkörper, in denen Gedanken und Gefühle ineinander über- und aufgehen. Er bezeichnet dieses Moment als «gedankenfühle»: Es entsteht immer dann, wenn die Sprache das Verständnis transzendiert und das lyrische Ich im Wort, in der Wortwerdung, zu einer Identität findet, die jenseits aller Konventionen liegt. «José Oliver hat seine Poesie ganz tief in die deutsche Sprache eingeschrieben, eingegraben, ja, die deutsche Sprache mit ihr umgegraben», schrieb der Schriftsteller und Literaturwissenschaftler Harald Weinrich.
José F.A. Oliver wurde als Kind andalusischer Gastarbeiter 1961 in Hausach im Kinzigtal geboren. Nach dem Abitur studierte er in Freiburg im Breisgau Romanistik, Germanistik und Philosophie. Seit den Achtzigerjahren lebt er als freier Schriftsteller in seiner Heimatstadt Hausach, unterbrochen von Auslandsaufenthalten in der Schweiz, Spanien, Ägypten, Peru und den USA. Sein erster Lyrikband, der den programmatischen Titel «Auf-Bruch» trug, erschien 1987 im Verlag Das Arabische Buch. Ihm sind bislang vierzehn weitere Bücher gefolgt, zuletzt der Essayband «Mein andalusisches Schwarzwalddorf» (2007) und die Gedichtsammlung «fahrtenschreiber» (2010) – beide bei Suhrkamp – sowie das Lehrbuch «Lyrisches Schreiben im Unterricht: Vom Wort in die Verdichtung» (Klett/Kallmeyer, 2013). Letzteres basiert auf Olivers langjähriger Erfahrung im Unterrichten von Schreibwerkstätten, die er gemeinsam mit dem Literaturhaus Stuttgart für Schulen entwickelt hat. Für seine poetische Arbeit hat José F.A. Oliver bereits mehrere Preise erhalten, unter anderem den Adelbert-von-Chamissio-Preis (1997), den Kulturpreis von Baden-Württemberg (2007), den Thaddäus-Troll-Preis (2009). Oliver ist Kurator des 1998 von ihm ins Leben gerufenen und alljährlich stattfindenden Literaturfestivals Hausacher LeseLenz.
Mit dem Basler Lyrikpreis zeichnen Lyrikerinnen und Lyriker von der Basler Lyrikgruppe (dieses Jahr Rudolf Bussmann, Ingrid Fichtner, Wolfram Malte Fues, Rolf Hermann und Kathy Zarnegin) jährlich das Werk einer Kollegin oder eines Kollegen aus. Ausdrücklich belohnt werden sollen mit dem Preis die Innovationskraft und der Mut von Dichterinnen und Dichtern, gegen den Strom zu schwimmen. Er soll dazu beitragen, herausragende Stimmen einer breiteren Öffentlichkeit bekanntzumachen. Der Basler Lyrikpreis ist dank der freundlichen Unterstützung der GGG mit Fr. 10 000. – dotiert und wird einmal jährlich während des Internationalen Lyrikfestivals Basel verliehen.
Das Basler Lyrikfestival findet vom 23.- 25. Januar 2015 im Literaturhaus Basel statt. Neben Lesungen und Gesprächen mit Lyrikerinnen und Lyrikern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es Veranstaltungen zur rhythmisierten Prosa, Performances, Podiumsgespräche sowie Lyrikwerkstätten in Kooperation mit der Volkshochschule und regionalen Schulen. Zu Gast werden 2015 u.a. Marcel Beyer, Elke Erb, Zsuzsanna Gahse, Sylvia Geist, Jan Wagner, Dieter Zwicky und der Berner Mundartsänger King Pepe sein.
2015 José F. A. Oliver
2014 Anja Utler
2013 Elisabeth Wandeler-Deck
2012 Klaus Merz
2010 Werner Lutz
2009 Felix Philipp Ingold
2008 Kurt Aebli
open mike der blog befragte Simone Kornappel, die den open poems-Workshop des open mike leitete. Auszug:
3. Hat sich der Umgang mit Sprache und Lyrik in den vergangenen Jahren stark verändert, gibt es neue Themen, Ansätze, Lösungen?
Mich interessieren an Gedichten eher Probleme. Gedichte/Poetiken, die Lösungen ausschreiben sind mir ‘uncanny valley’. Und was den Umgang mit Sprache betrifft, allgemein nun, so verändert er sich in dem Maße, in dem sich die Welt aus Sprache verändert.
4. Was ist Dein Wunsch für Lyrik/Lyriker: mehr Förderung, mehr Aufmerksamkeit, mehr internationaler Austausch …?
Schönerweise gibt es viele unterschiedliche Austauschprojekte und es entstehen immer wieder neue Formate. Ob nun Versschmuggel, babelsprech oder die Projekte CROWD und ¿comment! der Lettrétage, Kooperation zwischen Magazinen (wie u.a. dem Prager Magazin Psi Vino und der randnummer), Projekte, die Verbindungen herstellen oder offenlegen, beispielsweise zwischen Dichtung und Tanz wie just bei Bewegungsschreiber, zwischen Sprachen, zwischen Künsten, zwischen Medien (…). Und ich meine, dass es sich wirklich lohnt, mehr mit, als übereinander zu reden. Abgesehen davon wünschte ich mir mehr sontag’sche Lust innerhalb der Rezeption/Literaturkritik (bitte, danke).
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