6. Found Poetry 2014

One of the most exciting things we did here at FPR in 2014 was Oulipost, a large scale National Poetry Month project in which nearly 80 poets applied constrained writing techniques to the daily newspaper. As you head into 2015, take a look back at the year’s big news and write a found poem from the collection of stories that made up the year.  The Verge rounded up some of the biggest news stories of  2014:

The last 12 months have yielded a tapestry of highs and lows that have set the tone for 2015, changed the landscape of the technology business, and — in some cases — fundamentally altered the way news is made and reported. (The Verge)

And here is a broader list of the best of 2014 news stories (by subject area) from a newspaper called the New York Times. Happy New Year!

Have an insatiable thirst for year-end lists? Here are the top ten FPR poetry prompts of 2014:

1. Appropriation in Bob Dylan’s ‘Chronicles: Volume One’

2. Top 40 Remix

3. The Golden Ratio 

4. Write a Surrealist Poem

5. The Five Human Types 

6. Choose Your Own Adventure 

7. William Burroughs Cut-Up 

8. The Picture of Dorian Gray

9. The Myth of Sisyphus 

10. You Are Susan, Of Course

5. T.S. Eliot

Bis heute streiten sich Literaturwissenschafter über die Frage, inwieweit Eliots Dichterfreund Ezra Pound für die finale Fassung dieses Poems verantwortlich war. Fest steht, dass Pound das sehr lange Gedicht auf rund zwei Drittel seines Umfangs gekürzt hat. Das Werk leitete eine geradezu revolutionäre Entwicklung ein: eine Abkehr von der romantischen Tradition. Das neue poetische Credo verkündete Eliot selbst: „Die Poesie ist keine Entfesselung von Gefühlen, sondern eine Erlösung aus dem Gefühlsmäßigen; sie ist nicht der Ausdruck des Ichs, sondern die Erlösung vom Ich; aber natürlich wissen nur die, welche wirkliche Gefühl besitzen und ein Ich, was es heißt, diesen Dingen zu entrinnen.“

Die Londoner Times nannte Eliot, der auch ein bedeutender Kritiker war, den „einflussreichsten Geschmacksveränderer unserer Zeit“. (…)

Für Eliot war Dichtung „nicht Ausdruck der Persönlichkeit, sondern die Flucht davor“. Dem entsprach sein lebenslanger Wunsch, Privates und Öffentliches streng voneinander zu trennen. Dennoch ist vieles über den Nobelpreisträger von 1948 und seinen schwierigen Charakter gesagt worden. Er selbst hatte sich als „Klassizisten in der Literatur, einen Royalisten in der Politik und einen Anglo-Katholiken in der Religion“ bezeichnet. Der Literaturhistoriker E. R. Curtius meinte schon in den Zwanzigerjahren über Eliot, der am 4. Jänner 1965 gestorben ist: „Trocken ist er ja – aber nicht wie Staub, sondern wie Champagner.“ / Wolf Scheller, DER STANDARD, 3./4.1.

4. Sevdahlinka

Sevdah kommt vom arabischen Wort „sawda“, was schwarze Galle bedeutet. In den Sevdah-Liedern steckt Sehnsucht und Trauer. Wahrscheinlich entstand die Sevdalinka im 15. Jahrhundert, nachdem die Osmanen Bosnien-Herzegowina eroberten. Osmanische Musiktraditionen vermischten sich mit den damaligen slawischen. Die Sevdah-Lieder sind Lieder, die sich in den bosnischen Städten entwickelten – es handelt sich also nicht um ländliche Volksmusik. Sevdalinka wurde zu vielen Anlässen gespielt, privat, beim Essen, auf den Straßen und sogar beim Militär.

Das traditionelle Musikinstrument, das zum Sevdah-Gesang verwendet wird, ist die Saz, später kam das Akkordeon dazu. / Adelheid Wölfl, Der Standard

3. American Life in Poetry: Column 509

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

We are never without our insect companions, even in winter, and here’s one who has the run of the house. Roger Pfingston lives in Indiana.

December

Lodged tight for days
in a corner of the wall,
ladybug can’t resist the tree,

crawling now over cold
light, ceramic fruits,
tinsel lamb and sleigh.

Flies out of the tree
to try rum cake on a
plate of caroling cherubs.

Ends up on her back,
wings flared, silly girl
spinning over the kitchen floor.

Later, between the blinds,
tiny bump of silhouette:
a stillness against the falling snow.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2013 by Roger Pfingston and reprinted from Poetry East, Nos. 80 & 81, Fall 2013. Roger Pfingston’s most recent book of poems is A Day Marked for Telling, Finishing Line Pr., 2011. Poem reprinted by permission of Roger Pfingston and the publisher. Introduction copyright © 2015 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

2. Gesamtwerk des Sprechstellers

Von Matthias Hagedorn

Tom Täger und A.J. Weigoni kommt das Verdienst zu, die Lyrik nach 400 Jahren babylonischer Gefangenschaft aus dem Buch befreit zu haben.

lyrikwelt.de

Das zu Beginn des Jahres in der Edition Das Labor erscheinende HörBuch Gedichte faßt die langjährige Studioarbeit von Tom Täger und A.J. Weigoni einerseits zusammen, gibt aber auch einen Ausblick auf das nächste Buch. Die am 18. Januar 2015 erscheinenden Schmauchspuren sind ein erneuter Beweis der sich immer noch steigernden Gedankenschärfe und Ausdruckskraft dieses Poeten. Weigonis Gedichte sind konzentrierte Miniaturen, seine verdichtete Sprache bildet ein System, das sich aus dem Leben bezieht und in dieses zurückwirkt. Wie Blaise Pascal sieht dieser Lyriker das menschliche Leben als kurzes Aufscheinen zwischen dunklen, leeren Ewigkeiten. Diese Gedichte leben aus dieser Spannung: der Gewissheit des Todes als schwarzem Hintergrund und der fast grell beleuchteten Gegenwart des 21. Jahrhundert im Vordergrund. Diese Sinnlichkeit und Gegenwärtigkeit übersieht, wer Weigonis Gedichte als bloße Gedankenlyrik mißversteht. / Mehr

1. Jahr der arabischen Poesie

2014 war ein „Jahr der arabischen Poesie“, schreibt MLYNXQUALEY im Nomadics Blog (Chicago Tribunes).  Mindestens 9 Bände zeitgenössischer arabischer Poesie seien in diesem Jahr übersetzt worden. (Verkaufs- und Leserzahlen stünden auf einem anderen Blatt). Es sind

Nothing More to Lose, Najwan Darwish (Palästina), ed. and trans. Kareem James Abu-Zeid

Petra, Amjad Nasser (Jordanien/GB), trans. Fady Joudah (Tavern Books).

Chronicles of Majnun Layla and Selected Poems, Qassim Haddad (Bahrain), trans. John Verlenden and Ferial Ghazoul (Syracuse University Press).

A Bird Is Not a Stone, ed. Henry Bell and Sarah Irving, authors and trans. various (Freight Books) (29 berühmte schottische Dichter übersetzen 25 Palästinenser, nicht nur ins Englische, sondern auch ins Schottische, Gälische und Shetländische.)

This Room is Waiting, ed. Lauren Pyott and Ryan Van Winkle, authors and trans. various (Freight Books)
Ein übersetzungstechnisch intereressantes Projekt: Zwischenübersetzer (bridge translators) übersetzten für englischsprachige Dichter-Übersetzer und englischsprachige Texte wurden ins Kurdische und Arabische übersetzt, eine Zusammenarbeit von 4 britischen und 4 irakischen Dichtern. Eine interessante Frage: wie übersetzt man ein Werk, dessen politische Prämissen man nicht unbedingt teilt?

The Tahrir of Poems: Seven Contemporary Egyptian Poets, ed. and trans. Maged Zaher (Alice Blue Books)

Salah Faik (Irak): Selected Poems, ed. and trans. Haider al-Kabi (Dar Safi)

Iraqi Nights, Dunya Mikhail, trans. Kareem James Abu-Zeid (New Directions)

It Took Place in this House, Amal Gamal, trans. Faiza Sultan (Dar Safi)

109. Wilhelm Fink (1929-2014)

Am 7. Dezember starb der Hamburger Schriftsteller Wilhelm Fink im Alter von 85 Jahren. Ich kenne von ihm drei Gedichtbände und einen Roman und endlos viele spritzige, zündelnde Notate (Zündelzeilen hieß ein Gedichtband) und Zitate sowie, im Digitalen, Bilder, die er unermüdlich postete und kommentierte. Er war vielen Menschen Freund und Anreger.

Hier ein Artikel bei Lyrikwiki (Hinweise zur Ergänzung / Korrektur / Präzisierung willkommen).

Wilhelm Fink 

deutscher Autor, Lyrik und Prosa, *8. Oktober 1929 in Neumünster,† 7. Dezember 2014 in Hamburg.

Vita 

Geboren in Neumünster (Holstein). Wuchs in Hamburg und Bayern auf. 1949 Abschluß am Kirchenpauer-Gymnasium Hamburg. Heirat 1974. Lebte in Hamburg, Letzter Heller. „Nach Abitur und Studium der Theaterwissenschaft (abgebrochen) hauptberuflich: Büroarbeit für ein Verkehrsunternehmen. Nebenher Publikationen in Zeitschriften (Prosa: Das dritte Gehölz, Aus Gebüsch unter dem wir liegen) und Anthologien (Die Frau des Türken. Hölderlin an der Waschmaschine), im Rundfunk (Lyrik »Das Nichtzusammenhängende montieren«) und in der Tagespresse (Wer greift für uns in die Harfe). Für die Hamburger Morgenpost suchte er aus 1200 Einsendungen die 7 besten Liebesgedichte aus. In der Moskauer Zeitschrift „Sowjetliteratur“ erschienen von ihm Nachdichtungen sowjetischer Lyrik. Fernschullehrer für Lyrik.

In Italien erschien ein italienisch-deutscher Gedichtband (Renate Nicolussi-Leck), für den er das Vorwort schrieb. 1990 war er Gast des Literaturinstituts Johannes R. Becher in Leipzig. Über seine Erfahrungen dort und über Aspekte des Schreibens schrieb er in »Kunst & Kultur«. „Meriten-Liste“ [wie Schweden sagen] :Veröffentlichung von Gute-Nacht-Geschichten für Kinder im Rundfunk. Lyrik in Anthologien. Einzelsendung 20 Minuten Lyrik Radio Bremen. Zwei Erzählungen wurden in Zeitschriften veröffentlicht. Zeitungsartikel (Hamburger Morgenpost). Öffentliche Lesungen, auch in Schweden. Vorstandsarbeit im Schriftstellerverband (Schriftführer). “

Bibliographie 

Buchveröffentlichungen 

  • Die ZimtZiege. Roman. Schweinfurt: Wiesenburg, 1998
  • Küsse im XX. Jahrhundert, 71 Gedichte, London: Turnshare Ltd., 2004. 7,80 EURO – http://www.turnshare.com
  • Ankunft und Austausch. Gedichte. London: Turnshare Ltd., 2004. EUR 9,40. ISBN-10: 1903343607. ISBN-13: 978-1903343609. 76 Seiten
  • Zündelzeilen: Gedichte. London: Turnshare Ltd., 2005. ISBN 1903343747, 9781903343746. 76 Seiten

Unselbständige Veröffentlichungen u.a. bei 

  • Der Start, Berlin
  • Sowjetliteratur, Moskau
  • Hamburger Abendblatt
  • Hamburger Morgenpost
  • Hamburger Journa, Ausgabe 3/4 – 1967, Feuilleton, Seite 38: Das dritte Gehölz
  • Neues Hamburg
  • Psychologie Heute
  • TOP 12
  • Literatur & Kunst
  • DER SCHRIFTSTELLER
  • FLIEGENDE BLÄTTER
  • Hamburger Anthologie (Marion von Schröder Verlag)

Radiosendungen 

  • Radio Bremen
  • NWDR

Webseiten 

108. Schreibhand

Weit von wo? – Die Schreibhand des Dichters. – Ein Wink von Felix Philipp Ingold zum Jahreswechsel.

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107. Tudor Arghezi (1880-1967)

Auch in dem Gedichtzyklus Flori de mucegai (1931, Schimmelblumen) griff er auf die Gefängniserfahrung zurück, wobei die lyrische Stimmung wiederum durch kühle Ironie verbrämt war. Mit dem Roman Ochii maicii Domnului (1934, Die Augen Mutter Gottes), in dem er einen romantischen Handlungsrahmen mit religiös-mystischem Inhalt füllte und Elemente des psychologischen Romans verwendete, avancierte er zu einem der renommiertesten Dichter seiner Generation. Populär aber wurde er durch Kindergedichte. Kinderbücher hat Arghezi während seiner ganzen Schriftstellerlaufbahn geschrieben, und sein Gedicht Zdreanţă (Lumpi) über einen schlauen Hund, dem die Herrin abgewöhnt, die frischgelegten Eier zu stehlen und zu fressen, steht seit den fünfziger Jahren des 20. Jahrhunderts in den Lesebüchern für Erstklässler. Diese Popularität schützte Arghezi nicht vor politischer Verfolgung durch die deutschfreundliche Regierung während des Zweiten Weltkriegs, und wegen seiner kritischen Pamphlete in Tageszeitungen wurde er zu Zwangsarbeit verurteilt. Nach 1944 wurde er als Nationaldichter gefeiert und fand auch außerhalb Rumäniens Anerkennung als ein Lyriker, der die existentielle Spannung zwischen Gottsuche und Todesbewusstsein zu artikulieren verstand.

Seine Gedichte wurden von namhaften ausländischen Dichtern übersetzt, so von Salvatore Quasimodo ins Italienische und von Anna Achmatowa ins Russische. Arghezi eröffnete der rumänischen Lyrik neue sprachliche Möglichkeiten, indem er Archaismen und Regionalismen mit alltagssprachlichen Ausdrücken zu einer der Moderne angemessenen poetischen Diktion kombinierte. Als ein kanonisches Werk der rumänischen Moderne gilt der Gedichtzyklus Cîntarea omului (1956, Gesang vom Menschen), in dem Arghezi in einem ebenso poetischen wie belehrenden Ton die Entwicklungsgeschichte der Menschheit evoziert und rationalistisches und existentialistisches Gedankengut in Sprachbildern von großer Suggestivkraft formuliert. Trotz eines pathetischen Optimismus sind diese Gedichte Teil einer lyrischen Mythologie, die bis zu dem späten Band Noaptea (1967, Die Nacht) reicht und in der er die Selbsterfindung des Menschen als Rettung vor dem bedrohenden Nichts entworfen hat. / Stefana Sabin, Faustkultur (dort auch ein von Hartmut Köhler übersetztes Gedicht von Tudor Arghezi)

Bibliographie bei Lyrikwiki

106. Poems to help people with dementia

Meyer’s inspiration comes from personal experience: She lost both her parents to Alzheimer’s disease, one right after the other, at the same time she was going through a divorce. “It was a brutal time, so I reached out for something hopeful,” Meyer says. A self-described “closet poet,” Meyer decided to get a Master of Fine Arts in poetry, and that led her to start Mind’s Eye Poetry, in which she facilitates poetry workshops with Alzheimer’s and dementia patients nationwide. She touts her business as “Rewriting Dementia,“ and her mission is to validate the creative capacities of patients and bring them joy in the process. Meyer travels to care facilities throughout the country giving poetry workshops, sometimes establishing long-term relationships with patients. During a workshop, each person contributes at least one line to a group poem – she’s facilitated more than 700 poems this way.

“I think for them it is so freeing; their world is becoming smaller and smaller,” Meyer says. “For them to fly out of their mind to another place and be validated … [They] light up and want to add more [to poems].” / Kristine Crane, US. News

105. Weihnachts-Nachtrag

Der hannoversche Landesbischof Ralf Meister grüßt die Pfarrerinnen und Pfarrer seiner Landeskirche mit einem Gedicht des „protestantisch erzogenen Atheisten und Kommunisten“ Bertolt Brecht (1898-1956). Im Gedicht „Maria“ habe Brecht, wie Meister schreibt, „die Weihnachtslegende entmythologisiert“. Er habe „die Heiligen drei Könige in gewöhnliche Hirten zurückverwandelt, den Stern von Bethlehem auf ein Loch im Dach reduziert und den Engelsgesang als Verklärung von kalten Winden entzaubert“. Dennoch verfalle der Dichter „dem Zauber der Weihnachtserzählung“.  / idea.de [Warnung vor dem Linke]

Schöne Klimax übrigens: Protestant – Atheist – Kommunist. Spricht auch fromme Katholiken an, Herr Bischof! Die bezahlen vielleicht gern mehr als € 5,80.

104. Erhardts Lyrik

Im kommenden Jahr sollen nach einem Bericht des Magazins „Der Spiegel“ bislang unveröffentlichte Gedichte von Heinz Erhardt erscheinen. Anlass ist demnach eine Ausstellung über den 1979 verstorbenen Humoristen, die für Herbst 2015 in Hannover geplant ist. Die Gedichte stammen aus der Zeit zwischen 1928 und Mitte der Vierzigerjahre. Erhardts Enkelin Nicola Tyszkiewicz fand sie in Briefen an ihre Großmutter. Über die neu entdeckten Werke ihres Großvaters sagt sie: „Sie klingen schon sehr nach ihm, sind aber ungewöhnlich ernst.“ / Oberpfalznetz

103. Kunstlied, Pop, Küchenmeister

In vielem hat die Popmusik heute die Funktion übernommen, die einst Gedichte hatten (deren Vertonungen als Kunstlied so etwas wie die Popmusik des 19. Jahrhunderts waren). Nadja Küchenmeister nimmt in ihren Gedichten beides auf: lyrics und Lyrik. Stefan George und Rainer Maria Rilke dienen ebenso selbstverständlich (und selbstbewusst) als Bezugspunkte wie Terry Jacks‘ Welthit „Seasons in the Sun“, der – eine Adaption von Jacques Brels „Le Moribond“ – die Abschiedsworte eines Sterbenden wiedergibt: „Goodbye Papa, it’s hard to die …“

(…)

Gänzlich hoffnungslos und verschattet sind diese Gedichte aber nicht. „Das amerikanische licht“ ist so ein Hoffnungsschimmer, der einst utopisch in die DDR-Kindheit der Autorin fiel. Als Subtext spielt die Wende eine zentrale Rolle – als Barriere, die das Ich von der untergegangenen Welt seiner Kindheit trennt. Die grundlegende Verlusterfahrung der „Zonenkinder“ erklärt einiges von der Grundstimmung dieses Bandes und stellt Küchenmeister in eine Reihe mit ostdeutschen Prosa-Autorinnen wie Julia Schoch oder Antje Rávic Strubel. Auch das amerikanische Licht von einst war womöglich nur „ein trick der sonne“. Kann eine solche Nacht je zu Ende gehen? „Wenn etwas heilen, wirklich / heilen kann, dann ist das morgenlicht bestimmt ein teil davon.“ / Richard Kämmerlings, Komm auf die totgesagte Datsche und schau. Die Welt 27.12.

Nadja Küchenmeister: Unter dem Wacholder. Gedichte. Schöffling & Co., Frankfurt/Main. 112 S., 18,95 €.

 

102. Frage des Alters

Aha:

Wenn man sich bei einer 28-Jährigen nach ihren Hobbys erkundigt, erwartet man auf Anhieb nicht unbedingt Literatur und Lyrik. / Weinheimer Nachrichten etc.

101. Der Rest ist Resonanz

Immer wieder überrascht der Verlag mit ungewöhnlichen Debüts. «Der Rest ist Resonanz» ist der erste Gedichtband der 1985 geborenen Lyrikerin und Musikerin Rike Scheffler. (…)

Aber das impressionistische Hintupfen, diese Flirts mit der Sprache zwischen Anrufung und Auslassen beim Basteln «am grossen abmalen», hat den Anspruch, gleichberechtigt, ja habhaft («knock on the words like you would on wood») seelische Momente einzufangen. Dabei wird die Sprache, ihre Wortmaterialität, ihr fluktuierender Klang, nicht nur Malmittel für die Imagination, sondern zugleich zum zweiten Gegenstand der Wahrnehmung. Das Angeln überblendet sich mit dem Schreiben, die geworfene Schnur mit dem Schriftzug auf dem Blatt: «man kennt das, hat selbst schon briefe geschrieben / mit kaltem Bleistift, für die, die man liebt, und man wünschte, / die silberne linie würde nicht stimmen, binnen sekunden anders fallen, / an der brust angefangen, nicht richtung kopf zielen, / die spitze der mine, schwer schätzbar, wie tief.» Der Sirenensound (hier auf den Vokal i gestimmt) bleibt zurückholende Klage um die Geliebte und Werbung, bis die Verlorene im Klangbild als sich Entziehende wieder erscheint: «egomanie, für beide genug, / im taschenspiegel, um die ecke, siehst du nicht, / wie schön ich bin, madame, du schwindest». / Angelika Overath, NZZ

Rike Scheffler: Der Rest ist Resonanz. Gedichte. Kookbooks-Verlag, Berlin 2014. 71 S., Fr. 28.40.