Meinungsfreiheit? Müßte man nicht erst mal eine Meinung haben, bevor man sie frei zu äußern versucht? Ein polnischer Aphorismus sagt es so: „Jeder hat seine eigene Sicht, aber nicht jeder sieht etwas“ (Szymon Winawer).
Wenn Meinungsfreiheit bedeutet, daß jedem jedes Forum offensteht, um seinen Senf oder seine Galle zu verspritzen, dann herrscht hier „Einschränkung der Meinungsfreiheit“. Selbstdarsteller und Trolle unerwünscht. *)
*) Das hat übrigens auch eine politische Seite. Wenn WordPresss nicht einmaliges Freischalten beim ersten Kommentar vorgesehen hätte, hätten wir im letzten Jahr viele antiukrainische Kommentare bekommen. Auch das will ich hier nicht. Das hätte etwa so geklungen (Originalton):
Ich glaube du spinnst? Du glaubst echt den scheiss den man euch hier in deutschland erzählt ? WÄHREND VERFICKTE UKRAINISCHE SOLDATEN AUF IHRE EIGENEN ZIVILISTEN SCHEISSEN DIE MIT ERHOBENEN HÄNDEN LAUFEN ? SAG MAL WER HAT DIR DENN INS GEHIRN GESCHISSEN !!!!
Nicht daß es nicht versucht worden wäre.
Marcel Beyer, der die mit 20.000 Euro dotierte Ehrung am Montag in der Oberen Rathaushalle erhielt, ging harsch ins Gericht mit den vorgeblich patriotischen Demonstranten in seiner Heimatstadt: „Mit Wollust lassen sie sich einpeitschen, und je vulgärer der Abend wird, desto wohliger glühen ihre Äuglein“, sagte Beyer, der seine Abrechnung mit Versen aus der „Göttlichen Komödie“ illustrierte. Auf diese Weise wurden Dantes horrende Höllenvisionen mit Dresdener Gegenwart aufgeladen: „Denn dumpfes Heulen, grauenvolle Reden und des Zornes Laute sind derzeit nichts Ungewöhnliches auf den Plätzen der Stadt, in der ich lebe.“
Zuvor hatte Beyer in gebotener Drastik das nur bedingt lyriktaugliche Vokabular der Pegida-Anhänger vorgeführt, deren Wirklichkeitsbild sich laut Preisträger aus „Verschwörungstheorieportalen, Fernsehtalkshows und Fantasyromanverfilmungen“ speist. Seine kluge Wutrede im Rathaus war ein sinniger Auftakt der wenig später einen Gedichtbandwurf entfernt anhebenden Demonstration für eine demokratische und weltoffene Gesellschaft.
Am 137. Geburtstag des weltanschaulich ambivalenten Bremer Dichters Rudolf Alexander Schröder, dessen Andenken der Bremer Literaturpreis zugeeignet ist, äußerte Marcel Beyer neben Widerworten auch Fürsprache. Die galt vormaligen Preisträgern, die seine Weltwahrnehmung verändert haben – darunter Paul Celan und Friederike Mayröcker. Mit ihren Werken sei er ebenso aufgewachsen wie „in der selbstverständlichen Annahme, alles deutschnationale Geplärre liege weitgehend hinter uns“. Pegida belehrt ihn eines Schlechteren. / Hendrik Werner, Weser-Kurier
Jan Wagners Gedicht über Koalas im fernen Australien wird gerade in einem offenen Workshop diskutiert, Freude an und über Worte ausgekostet. »Erst Staunen, dann in Sprache versinken«, schwärmt Wagner über lyrisches Schaffen. Und voller Respekt sagt der Berliner: »Ein Gedicht weiß mehr als sein Autor.« Ein Satz, der bleibt. Auch nach dem Umbau auf dem Podium für den ehrenvollen Punkt des Tagesprogramms.
Gut 50 Hausacher haben sich inzwischen eingefunden, um zu lauschen und zu applaudieren. Denn vorne steht gleich ein Freund von ihnen. José F. A. Oliver erhält an diesem Abend den »Basler Lyrik-Preis«. / Mittelbadische Presse
Der internationale PEN ist sehr erfreut über die Nachricht, dass sechs eritreische Schriftsteller und Journalisten unerwartet aus der Haft entlassen wurden. Für den PEN ist die Freilassung ein willkommener Schritt für ein Land mit einer grauenhaften Bilanz in Sachen Meinungsfreiheit. Eine Frau und fünf Männer – Yirgalem Fisseha, Ghirmay Abraham, Bereket Misghina (auch bekannt als Wedi Misghina), Meles Negusse, Petros Teferi (oder auch Wedi Qeshi) und Basilos Zemo – wurden am 21. Januar 2015 nach sechs Jahren Haft ohne einen Prozess oder eine gerichtliche Strafe auf Kaution freigelassen. Sie waren die letzten sechs der etwa 50 Journalisten und Mitarbeiter des in Asmara ansässigen Radiosenders Bana, die am 22. Februar 2009 verhaftet worden waren.
Nachdem sie anfangs im Adi Abito Militärcamp im Nordwesten von Asmara inhaftiert waren, wo es ihnen erlaubt war, Besuch von Familien und Freunden zu empfangen, wurden die Journalisten später in die Nähe von Mai-Sirwa in ein Hochsicherheitsgefängnis verlegt. Alle sechs Journalisten, die entlassen wurden, sind nun nach Hause zurückgekehrt.
„Es ist wundervoll, dass sechs Familien nun nach mehr als sechs Jahren mit geringen Informationen über das Schicksal dieser Journalisten wieder vereint wurden. Wir freuen uns über diesen Schritt der eritreischen Regierung und hoffen, dass dies ein Zeichen für weitere Veränderungen ist“, sagte Carles Torner, Geschäftsführer des internationalen PEN.
„Der PEN hat noch weitere 21 Schriftsteller und Journalisten auf seiner Case-Liste, bei einigen von ihnen wird vermutet, dass sie unter den entsetzlichen Bedingungen der eritreischen Gefängnisse gestorben sind. Ihr Schicksal muss sofort aufgeklärt werden, und sollten einige noch leben, müssen diese schnellstmöglich und bedingungslos freigelassen werden.“
Vier der entlassenen Schriftsteller – Negusse, Misghina, Teferi und Fisseha – werden vom internationalen PEN als ‘main cases’ behandelt (cm/sf).
Weitere Informationen in englischer Sprache, bereitgestellt vom internationalen PEN:
Ghirmay Abraham is a poet and journalist who worked for the national radio station Dimtsi Hafash as well as freelancing for Radio Bana until his detention.
Yirgalem Fisseha is a well-known poet who at the time of her detention was working as a journalist for Radio Bana.
Bereket Misghina (also known as Wedi Misghina) is a playwright, filmmaker, actor and author who was a staff member at Radio Bana when he was detained.
Meles Negusse is one of the country’s leading poets who used to present a poetry programme on national television. Also one of the founders of Tsigenay newspaper, at the time of his detention he was working as a freelance journalists for Radio Bana and was also a journalist for the Sports Commission.
Petros Teferi (also known as Wedi Qeshi) is a writer and poet who was working as a freelancer for Radio Bana when he was detained.
Basilos Zemo is a journalist who at the time of his detention was head of Radio Bana and the media section of the Ministry of Education’s Department of Adult Education and Media.
Der Satz wurde über Jahrzehnte hinweg von Philosophen, Literaturwissenschaftlern und Schriftstellern kontrovers diskutiert und rief den Widerstand von Lyrikern auf den Plan. / Rheinische Post
Pilotveranstaltung in der neuen offenen Diskussionsreihe zur Lyriktheorie & Poetologie.
Mit Bertram Reinecke, Tobias Roth und Lea Schneider.
Moderation: Asmus Trautsch
Mittwoch, 28.1.
Geöffnet ab 20:00 Uhr, Beginn 20:30 Uhr | Eintritt 5 EUR
Mit der Edition Poeticon hat das Verlagshaus J. Frank 2013 eine Buchreihe mit Essays zur Lyriktheorie und Poetologie eröffnet, in denen Dichterinnen und Dichter jeweils ein titelgebendes Thema verhandeln: Ein Forum zum Nach-, Um- und Weiterdenken von Fragen und Problemstellungen insbesondere der zeitgenössischen Lyrik.
Zusammen mit Asmus Trautsch, dem Herausgeber der Edition Poeticon, begleitet Lyrik im ausland diese Auseinandersetzung in loser Folge mit der Reihe D/O Poeticon. Jenseits von Buchvorstellung oder bloßer Lesung sind jeweils zwei Bände der Edition Ausgangs- und Reibungspunkt der gemeinsamen Diskussion zwischen den Autoren, ihren Gesprächspartnern und dem Publikum.
Alle, die an diesem offenen Format gerne teilnehmen, die mitargumentieren, -streiten oder einfach nur zuhören möchten, sind herzlich willkommen!
Zur heutigen Premiere stellen die Poeticon-Autoren Bertram Reinecke und Tobias Roth über Kreuz kurz den Essay des jeweils anderen vor und eröffnen mit Lea Schneider, die wir als ihre Gesprächspartnerin eingeladen haben, die Diskussion zu den Themen ihrer Essays.
In seinem Band „Gruppendynamik“ stellt Reinecke der romantischen Vorstellung, es komme für Dichter vor allem darauf an, die eigene Stimme zu finden, das Lernen literarischer Techniken in Schreibschulen gegenüber. Er beschreibt die Probleme und Ironien wie auch die Möglichkeiten und Gewinne eines Lehrens und Lernens lyrischen Schreibens in gruppendynamischen Prozessen.
Roth zeichnet in seinem an Traditionsbezügen reichen Band „Tradition“ die Geschichte der Nachahmung, der Transformation und der Leugnung von Traditionen in der Literaturgeschichte nach und zeigt, wie auch die modernen Formen, Traditionen zu brechen und zu ignorieren, selbst in Traditionen stehen. Produktive und unproduktive Auseinandersetzungen mit Traditionen sind offenbar so alt wie die Dichtung selbst.
Genauso, wie sich die ästhetisch-historische Traditionsbildung in der Literatur als ein gruppendynamischer Prozess in Abwesenheit begreifen lässt, entwickeln sich in jeder Schreib- und Lektüregruppe unweigerlich Elemente einer eigenen Traditionsbildung im Kleinen: Wir sind gespannt, wohin Tobias Roth, Bertram Reinecke und Lea Schneider, die mit dem Schreiben und Rezipieren von Texten in Gruppen aus dem Lyrikkollektiv G13 bestens vertraut ist, diese Konstellation in der Diskussion führen wird…
Bertram Reinecke, *1974, lebt in Leipzig. Er ist Absolvent des Deutschen Literaturinstituts in Leipzig (DLL) und derzeit dort Gastprofessor. Vorlagen für Werke der zeitgenössischen Musik (u. a. für Xadica Zeynalova, Johannes X. Schachtner, Mathias M. Møller) sowie literatur- und sprachkritische Arbeiten für verschiedene Zeitschriften (Akzente, Bella Triste und Anthologien wie Gegenstrophe, Umkreisungen), Netzforen und den hessischen Rundfunk. Stilkritiker der journalistischen Fachzeitschrift Message. Betreibt den Verlag Reinecke & Voß. Zuletzt erschienen: „Gleitsichtwochen“ und „Gruppendynamik“ (Verlagshaus J. Frank, 2013).
Tobias Roth, *1985 in München, studierte in Freiburg und Berlin. Er lebt als freier Autor, Übersetzer, Kritiker und Literaturwissenschaftler in Berlin. Seine Essays und Rezensionen erscheinen u. a. in der Süddeutschen Zeitung sowie in diversen Onlinefeuilletons. Seit 2011 ist er Herausgeber der Berliner Renaissancemitteilungen, seit 2012 im Vorstand der Internationalen Wilhelm-Müller-Gesellschaft. 2007, 2009 und 2011 war Roth Preisträger im internationalen Essay-Wettbewerb der Goethe-Gesellschaft in Weimar, 2010 Stipendiat des Mannheimer Mozartsommers und der Autorenwerkstatt Prosa des Literarischen Colloquiums Berlin, 2010 und 2012 war er Nachwuchsautor der Literaturstiftung Bayern. 2011 gewann er den Preis des Buchhandels beim poet|bewegt in Chemnitz und 2013 den Wolfgang-Weyrauch-Förderpreis. Zuletzt erschienen: „Aus Waben“ und „Tradition“ (beide Verlagshaus J. Frank, 2013).
Lea Schneider, *1989 in Köln, ist Mitglied des Berliner Lyrikkollektivs G13. Sie übersetzt zeit- genössische Lyrik aus dem Chinesischen und veröffentlicht in Zeitschriften und Anthologien, u.a. in Jahrbuch der Lyrik, Bella Triste, Poetry East West und im Magazin der Bundeskulturstiftung.
Sie hat Soziologie, Komparatistik, Sinologie und Linguistik in Berlin, Shanghai, Taipei und Frankfurt/Oder studiert, ist bei Literaturfestivals in Deutschland und China aufgetreten und war Finalistin beim poet|bewegt-Wettbewerb 2011 und beim 21. open mike. 2014 gewann Lea Schneider den Dresdner Lyrikpreis. Zuletzt erschienen: „Invasion Rückwärts“ (Verlagshaus J. Frank, 2014).
Asmus Trautsch, *1976 in Kiel, studierte Komposition, Philosophie, Mediävistik und neuere deutsche Literatur in Berlin und London. Promotion in Philosophie zur Theorie tragischer Erfahrung. Von 2003 bis 2010 arbeitete er als Co-Verleger und Lektor im LUNARDI Verlag für zeitgenössische Literatur; Stipendien führten ihn u. a. an die Columbia University New York, die Akademie Schloss Solitude und ins Künstlerhaus Schloss Wiepersdorf. Er veröffentlicht Lyrik, Kurzprosa und Essays in Zeitschriften und Anthologien und gibt die Edition Poeticon heraus. Zuletzt erschienen: „Kalendergeschichten 2013“ (Hrsg.), „EXPedition Stuttgart“ (2013), „Treibbojen“ (Verlagshaus J. Frank, 2010).
… es sind politische Gedichte, mit der Betonung auf „Gedichte“, d. h. sie stehen auf der Seite der Komplexität und des gewitzten Kalküls, sind keine platten Spruch-Bekenntnis-Sachen. / Meinolf Reul, Fixpoetry, über
Kai Pohl
Solanum nigrum antichoc
Moloko+
2013 · 96 Seiten · 15,00 Euro
ISBN: 978-3-943603-06-4
Für Paulus Böhmer!
Von Alban Nikolai Herbst
Viel und oft habe ich über Paulus Böhmer, den älteren Freund, geschrieben, doch vor allem in den Neunzigern, als wir oft, es war meine Frankfurtmainer Zeit, die Köpfe zusammengesteckt haben, nicht selten von Lydia, seiner Frau, umsorgt und bekocht, die seine schweren Jahrzehnte tief begleitet hat; manches Glas haben wir miteinander geleert, uns auch schon mal gestritten, was bei solchen wie ihm und mir recht heftig werden kann. Wir saßen als Ratgeber für junge Autoren unter Dieter Betzens, meines Wahlvaters, Ägide miteinander im Jungen Literaturforum Hessen, einem Pool, aus dem unterdessen wichtige Figuren der deutschen Gegenwartsliteratur gestiegen sind, Ricarda Junge, Thomas Hettche, Jan Volker Röhnert, Maike Wetzel, einige weitere mehr; sie alle haben ihm manches zu danken. In Böhmers Garten, den er unterm Goetheturm damals noch pflegte, trafen wir uns, er und ich, im Schuppen mit einer imaginären Marika Kilius, die wir dort tagelang noch sehr viel imaginärer interviewten; die Axt stand im Fenster. (…)
Paulus Böhmer hatte da schon Geschichte, hatte mit Uve Schmidt, es waren die brodelnden RAF-Jahre gewesen, in die bohème Gruppe um Günter Bruno Fuchs gehört und im heute legendären März-Verlag ein erstes Bändchen veröffentlicht; doch seither war er quasi untergegangen. Seine nächsten Bände erschienen bei Draier und anabas und blieben ignoriert, wurden allenfalls spärlich besprochen, etwa von dem beharrlichen Jürgen Linke. Wir waren wirklich nicht viele, die begriffen, welch ein Werk da vor unseren Augen entstand. Es gab Momente, in denen ich dachte, es darf nicht abermals ich sein, der drüber schreibt, und Linke halt, wir beide in die Öde rufend. (…)
/ Weiter bei Faust Kultur
Es gibt komplexe Zusammenhänge, die sich durchaus in einfacher Form darstellen lassen. Nur können muss man es. Der Dichter Eugen Gomringer kann es: „baum / baum kind / kind / kind hund / hund / hund haus / haus / haus baum / baum kind hund haus“. Das ist eine „Konstellation“ von Worten, wie es die Verfechter der konkreten Poesie nennen. Das versteht jedes Kind, nur wir Erwachsenen verdrehen die Augen, weil wir vom Wortschwall, der täglich als Kommunikation auf uns niederprasselt, zu komplex und zu kompliziert denken.
„Baum, Kind, Hund, Haus. Das nenne ich meine Weltanschauung. Der ‚Baum‘ als verwurzeltes Wesen, unbeweglich; ‚Kind‘, der Mensch; ‚Hund‘, das gezähmte Tier, mit vier Beinen; und das ‚Haus‘ als erstes Kunstwerk des Menschen – Schutz und Kunstwerk. Die vier bilden eigentlich immer noch so den Umfang des menschlich Notwendigen.“ Wenn Eugen Gomringer etwas erklärt, dann tut er es immer noch mit Verve. Sein Alter merkt man ihm sowieso nicht an. / Andreas Puff-Trojan, Der Standard
Kevelaer. 92 Jahre lang musste die Welt auf die Antwort auf Rainer Maria Rilkes Meisterstück „Die Sonette an Orpheus“ warten – bis der Lyriker Robert Stammsen aus Kevelaer sie nun gab
Es ist, als ob man einem ganz großen Dichter einen Spiegel vorhält. Der Kevelaerer Lyriker Robert Werner Stammsen hat jetzt in Eigenregie „Die Sonette an Rilke“ veröffentlicht – quasi als Antwort auf Rainer Maria Rilkes Meisterstück „Die Sonette an Orpheus“. (…)
Detailgenau hat Stammsen jedes der 55 Sonette beantwortet und – zur Freude vieler Deutschlehrer – den Diskurs, nicht nur inhaltlich, sondern auch in der äußeren Form gewahrt: Er wählte das klassische Shakespeare-Sonett … / WAZ 6.11.14
Vom 5.-8.2. findet in Tozeur im Südwesten Tunesiens ein Internationales Lyrikfestival zum Thema „Lyrik und Übersetzung“ statt. Es ist das 34. Lyrikfestival in Tozeur. In diesem Jahr ist es den Dichtern Mohamed Chokri Miaadi und Mohamed El Mouldi El Gazeli gewidmet, die im vergangenen September bei einem Verkehrsunfall starben.
Teilnehmer sind Dichter, Kritiker, Künstler und Journalisten aus 15 Ländern (Tunesien, Irak, Palästina, Jordanien, Marokko, Algerien, Saudi-Arabien, Oman, Ägypten, Italien, Spanien, Schweden, Frankreich, Libanon und Belgien.
Unter den Teilnehmern sind Said Al-Mortada (Algerien), Yousef al-Ṭawil und Jamil Abu Sabih (Jordanien), Ali Ayel Kathiri (Oman), Saad Abu Obeid (Palästina), Mohamed al-Ajami (Qatar), Salvatori Napa (Italien) und Rozelle Alicia Vega (Spanien).
Das Geburtstagskind hat für diesen Abend auch neue Werke mitgebracht, die er in seinem schönen Sprachduktus, einem schwingenden Schwyzerdütsch mit schwebendem, fränkischem Einschlag, liest. Wenn Gomringer spricht, dann ist die Welt voller Jamben. So klar rhythmisiert sind seine Sätze, dass man versucht wäre, dazu kleine Bogenschwünge auf ein Papier zu malen. Er liest aus einer Neuverortung des Lukas-Evangeliums für eine Kirche in Kulmbach, präsentiert Auftragswerke in spanischer und englischer Sprache und einige seiner Sonette. „Sonette sind eine Alterserscheinung, wenn man so angefüllt ist mit Erinnerungen, dann bietet sich das leichter an“, findet er und muss im Anschluss viele der gelben Bändchen signieren.
/ München: Vater der konkreten Poesie: Ein Künstlergespräch mit Eugen Gomringer anlässlich seines 90. Geburtstags – Donaukurier
Die hinreißende Kompliziertheit des Polnischen verträgt sich gut mit Neuer Musik. Soviel stand am Ende des Festivals „Europäischer Dichter der Freiheit“ fest, das die Stadt Danzig im März 2014 zum dritten Mal ausrichtete. Neue Impulse setzte dabei der Lyriker Tadeusz Dabrowski, mit dem erstmals ein künstlerischer Leiter das Festival kuratierte. Dieses widmet sich ganz der Lyrik in polnischer Übersetzung – nach Durs Grünbein 2012 gewann diesmal die Kroatin Dorta Jagic, von der sich einige Gedichte auf Deutsch im Internetportal „lyrikline.org“ finden. Auch eigene Strophen wie „Zwischen der Ebbe der Gedanken und der Flut des Schlafs“ ließ Dabrowski, Sohn einer Deutschen, vertonen.
Der 35-Jährige ist außerdem Essayist, Kritiker und Redakteur der Literaturzeitschrift „Topos“ in Danzig. 2006 gab er mit „Poza Słowa“ – was sowohl „Pose des Wortes“ als auch „außerhalb des Wortes“ bedeutet – eine bedeutende Anthologie für zeitgenössische Lyrik heraus. Doch im Grunde hält Tadeusz Dabrowski trotz all dieser vielfältigen Aktivitäten sich und seine Dichterkollegen für Einzelgänger, die man keineswegs zur Geselligkeit zwingen solle. Vielleicht hängt der ernste junge Mann mit den rotblonden Locken und der strengen dunklen Brille ja insgeheim der Auffassung des Malers Francis Bacon an, wonach es die Aufgabe des Künstlers sei, das Geheimnis zu vergrößern. / Katrin Hillgruber, Badische Zeitung
Charles Simic erinnert in der New York Review of Books an seinen Freund Mark Strand, der im November starb:
One wild notion of ours actually bore fruit. We started a new poetry movement that we hoped would make us famous. Every other poet was starting one forty years ago, so we thought, Why not us? Ours was to be called Gastronomic Poetry. Both Mark and I had noticed at poetry readings that whenever food was mentioned in a poem—and that didn’t happen very often—blissful smiles would break out on the faces of people in the audience. Thus, we reasoned, in a country where most people hate poetry and everyone is eating and snacking constantly, poems ought to mention food more frequently. To fix that deplorable omission, we thought we’d include one or more mouth-watering dishes in every poem we wrote, no matter what its subject was. Literary purists were bound to be shocked finding barbecued ribs or a slice of apple pie in some sublime poem of ours, but those millions of Americans who buy gourmet magazines and cookbooks and dream of eating the gorgeously prepared meals described in their pages, without ever bothering to make them themselves, would rush to buy our books and enjoy them in the same way. Mark’s poem about pot roast is an example of gastronomic poetry:
I gaze upon the roast,
that is sliced and laid out
on my plate,
and over it
I spoon the juices
of carrot and onion.
And for once I do not regret
the passage of time…There are more than a few of mine where yummy dishes are mentioned. Here’s a love poem called “Café Paradiso”:
My chicken soup thickened with pounded young almonds.
My blend of winter greens.
Dearest tagliatelle with mushrooms, fennel, anchovies,
Tomatoes and vermouth sauce.
Beloved monk fish braised with onions, capers
And green olives.
Give me your tongue tasting of white beans and garlic…
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