Zwibeln und Knoblauch

Andreas Tscherning

(* 18. November 1611 in Bunzlau; † 27. September 1659 in Rostock)

Zwibeln und Knoblauch

Egypten betet mich gleich ihrem monden an / *
Hingegen hat mir spott der Flaccus** angethan.
Es lacht wer seinen schatz kans ins Gesichte fassen /
Wer mich mit augen siht / muss heisse zehren lassen.***

  • Die unbesonnenen Egyptier haben zwibeln und knoblauch / wie dem monden / göttliche ehr angethan / weil sie zerschniden die vielfaltige gestalt des monden darstellen. Den Griechen sind es φάσεις. [Phasen]
    ** Dann so spricht Horatius: edit cicutis allium nocentius. O dura tonsorum ilia. [ich zitiere etwas ausführlicher: „Wer seinem greisen Vater mit verruchter Faust / jemals die Kehle zugeschnürt / der fresse Knoblauch, schrecklicher als Schierlingsgift. / O Bauerndärme felsenhart!“ Deutsch von Adolf Bacmeister. Aus: Horaz, Werke. Hrsg. Reimar Müller. Leipzig: Reclam, 1968, S. 125]
    *** Darumb nennet Columelia die zwibeln lacrymosas thränende / weil sie in die augen beissen / und uns thränende machen.

Aus: Andreas Tschernings Deutscher Getichte Früling. Auffs neu übersehen verbessert und nachgedruckt. Rostock: Wilte ; Richel, [1646]

, S. 70f

Affengesang

Ricarda Huch

(* 18. Juli 1864 in Braunschweig; † 17. November 1947 in Schönberg im Taunus, heute Stadtteil von Kronberg)

Affengesang.

Durch das Gitterdach des Urwalds tropfte
Blau der Himmel, bebte von den Aesten;
Drunter saß der alte Affe, klopfte
Cocosnüsse aus, die reifsten, besten.

Kinder, seht, wie grün die Himmelsdecke,
Sprach er, blau und zahlreich auch die Sterne.
Wenn ich dazu süße Nußmilch schlecke,
Lebt man redlich, wacker hier und gerne.

Wenn nur jene höchst verworfne Sippe
Fern uns bleibt, die schlechten Menschenaffen,
Die mit ihrem schlotternden Gerippe
Neidisch lauern, wo sie Schaden schaffen.

Schönen Pelzes Mangel gern sie hehlten
Durch der Kleiderlappen bunt Geglänze.
Ja, wenn ihnen nur die Haare fehlten!
Doch die Lumpe haben nicht mal Schwänze!

Hei, wie klettern wir geschwinden Affen!
Hei, wie knarren unsre Lustgesänge!
Stumm im Sande schlürfen sie, die Schlaffen.
Daß der große Uraff sie verschlänge!

Dieses Gaffen! Dies Gesichterschneiden!
Dieses Lachen, leeres Tongekoller!
Denk‘ ich an den Trotz der frechen Heiden,
Wird mein Busen immer unmuthvoller.

Denn bedenklich mehrt sich das Gezüchte
Seht, sie nahn, die dünkelvollen Tröpfe!
Wär’s nicht schade um die süßen Früchte,
Würf‘ ich sie der Brut an ihre Köpfe!

Aus: Ricarda Huch: Gedichte. Leipzig: H. Haessel, 1894

Morgenlied

Ein Stück Mai im November:

Sophie Albrecht

(* im Dezember 1756 bei Erfurt, getauft 6. Dezember 1756 in Sömmerda; † 16. November1840 in Hamburg)

Morgenlied.

Im May 1785.   

Prächtig steigt die Sonne wieder  
  Aus der Morgenröthe Zelt,
Tausend, tausend Jubellieder
  Singt ihr die erwachte Welt,  
Und der Blumen süßes Düften
Steigt ihr auf in reinen Lüften.

Seht! wie ihr die Heerden hüpfen, 
  Hört! wie ihr die Taube girrt;
Rascher scheint der Bach zu schlüpfen 
  Der durch frische Wiesen irrt,
Und die kleinen Sommer Müken
Tanzen ringelnd ihr Entzüken.  

Traurig siz ich in der Fülle
  Lauter Freude rings umher, 
Schwermuthsvoller, ernst und stille 
  Bleibt mein Busen freudenleer.
Ach! die Purpurstralen weken
Mir des Todes bleiches Schreken.

Weh mir! daß ich durch die Chöre, 
  Durch das Lied, das Leben singt,
Laut des Todes Röcheln höre 
  Das aus jedem Odem dringt,
In den Weyhrauch reiner Lüfte
Mischt sich Duft der Todtengrüfte.  

Blumen, die dem Aufgang blühen, 
  Welken, wenn der Mittag sinkt,
Und von Wangen, die ihm glühen, 
  Todes Schweis der Abend trinkt,
Leichen, Gräber ohne Zahlen 
Wird sein lezter Grus bestralen.

Tauche deine goldnen Flügel, 
  Erden Licht! ins Schatten Meer,
Streu um unsre Todenhügel 
  Nacht das tiefste Dunkel her, 
Bis in Edens Sonnenwälzen
Unsrer Gräber Fesseln schmelzen.

Ebenso wertvoll

Meret Oppenheim

(* 6. Oktober 1913 in Charlottenburg, heute Berlin; † 15. November 1985 in Basel)

Ebenso wertvoll aber sind die vergessenen Nachtigallen die
die granitenen Suppen essen und auf ihre Zeit warten.
„Das rote Licht leuchtet auf und alles.“

In: Meret Oppenheim: Husch, husch, der schönste Vokal entleert sich. Gedichte, Prosa. Hrsg. Christiane Meyer-Thoss. Frankfurt/Main: Suhrkamp, 2002, S. 105

Bobby Kühnling, Bobby Kühnling

Konstantin Ames

Aus: sTiL.e(dir) Sämtliche Landschaften, Welt. Wien: Klever, 2018, S. 64

Netzwerk Lyrik

Pressemitteilung des Netzwerk Lyrik e.V.
13. November 2018

Rund 40 LyrikerInnen, LyrikübersetzerInnen, WissenschaftlerInnen, VeranstalterInnen und Verlage aus dem gesamten Bundesgebiet, aus Österreich und der Schweiz kamen vom 2.-4. November 2018 zur Fachtagung des Netzwerks Lyrik e.V. im „Renthof“ in Kassel zusammen. Sie diskutierten den aktuellen Stellenwert der Lyrik in Deutschland und Möglichkeiten, wie diese Kunstform gestärkt werden kann. Das Netzwerk, das sich im Februar 2018 als Verein, „Netzwerk Lyrik e.V.“, verfasst hat, setzt es sich zum Ziel, Lyrik als eigenständige Kunstform und im Ensemble mit anderen Künsten zu fördern und dadurch der Lyrik wieder mehr Gewicht und Sichtbarkeit in der Öffentlichkeit zu geben. Ein zentrales Anliegen zur Förderung von Lyrik als Kunst ist die Stärkung von LyrikerInnen, ÜbersetzerInnen, LyrikvermittlerInnen und -veranstalterInnen unter Einbeziehung der universitären Bereiche, der schulischen und außerschulischen Bildung und aller Medien.

„Lyrik ist eine Kunstgattung, die ebenso wie andere Kunstgattungen von ausgebildeten, spezialisierten, hochprofessionalisierten Menschen ausgeführt werden muss. Es sollte die Voraussetzung geschaffen werden, dass die Menschen auch davon leben können.“, forderte Kassels Kulturdezernentin und Leiterin der GRIMMWELT Kassel, Susanne Völker, die das „Netzwerk Lyrik e.V.“ am Samstag empfing.

Der Tagung vorangegangen war eine 2017 bundesweit durchgeführte Studie zu den Einkommensverhältnissen der DichterInnen in Deutschland. Die Studie legt dar, dass die Einkommenssituation als „schwierig“ bis „prekär“ einzuschätzen ist. Ein „Aufgaben- und Forderungskatalog“ für den gesamten Bereich Lyrik wurde erstellt und Positionspapiere erarbeitet.

Auf der Fachtagung wurden an drei aufeinanderfolgenden Tagen verschiedene Zielsetzungen und Positionspapiere erarbeitet:

Unter anderem:

Lyrik im Kontext der Medialität und Digitalisierung
Die rasante Entwicklung der Informationstechnologien eröffnet neue Chancen und Herausforderungen für die Lyrik – sowohl für ihre radikale Erweiterung als auch für ihre Möglichkeit, digitale Medienkultur künstlerisch kritisch zu reflektieren. Der erarbeitete Forderungskatalog erstreckt sich entsprechend von der Förderung innovativer multimodaler Produktions- und Präsentationsformen über das Engagement in Kulturredaktionen und Rundfunkräten für mehr Durchlässigkeit von Rundfunk und Fernsehen für Lyrik bis hin zur Förderung der digitalen Vernetzung und Archivierung historischer und aktueller Erscheinungen von Lyrik.

Stärkung der Lyrik an Universitäten
Im Bereich der universitären Hochschulbildung wird die Frage nach dem aktuellen Stellenwert der Lyrik, insbesondere durch den „Bologna-Prozess“, aufgeworfen und kritisch gewertet. Eine Verbesserung der Sichtbarkeit von Lyrik, die Förderung der universitären Ausbildung von Lehrkräften und eine gezieltere Erforschung von Lyrik an den Hochschulen wird gefordert.

Förderung der schulischen und außerschulischen Poetischen Bildung
Lyrik, insbesondere Gegenwartslyrik, muss (wieder) Einzug in den Schulunterricht halten. Unterrichtsmaterialien und digitale Medien gilt es kontinuierlich dafür weiterzuentwickeln. Lehrkräfte sind gezielt dafür auszubilden. Ebenso wird das Schaffen von Begegnungsräumen und Bildungsangeboten im außerschulischen Bereich sowie die Förderung von Kindern und Jugendlichen angestrebt. Auch die Kunstform der Lyrik bedarf eigener und geeigneter Nachwuchsförderung.

Die Fachtagung wurde dankenswerterweise gefördert durch Die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien.

Integriert in die Fachtagung war die Mitgliederversammlung des „Netzwerk Lyrik e.V.“ und die Wahl seines Vorstands.

Der Verein hat seinen Sitz im Haus für Poesie in Berlin.
Vorstandsmitglieder sind Dr. Thomas Wohlfahrt , 1. Vorsitzender (Leiter Haus für Poesie), Claudia Maaß , 2. Vorsitzende (Didaktikerin), Dr. Friedrich W. Block (geschäftsführender Kurator der Stiftung Brückner-Kühner, Leitung Kasseler Kunsttempel), Özlem Özgül Dündar (Dichterin, Übersetzerin), Dr. PD Burkhard Meyer-Sickendieck (FU Berlin, Leiter einer VW-Forschergruppe im Bereich Digitale Geisteswissenschaften), Karla Montasser (Dichterin, Leitung Poetische Bildung Haus für Poesie), José Oliver (Schriftsteller, Mitbegründer der Schreibwerkstätten für Schulen und Gründer des Literaturfestes Hausacher LeseLenz), Hendrik Jackson (Dichter, Akademie zur Lyrikkritik, lyrikkritik.de), Saskia Warzecha (Dichterin und Computerlinguistin).

Für Rückfragen, Informationen und zur Interviewvermittlung
Netzwerk Lyrik e.V.
c/o Haus für Poesie
Anika Andreßen
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Tel: 030. 48 52 45 33
E-Mail: presse@haus-fuer-poesie.org

Betrunkene Nacht

Hertha Kräftner

(* 26. April 1928 in Wien; † 13. November 1951 ebenda)

Betrunkene Nacht

Der Gin schmeckt gleich um elf und drei,
das Soda nur wird schaler.
Wer will, der kann mich haben
für einen alten Taler.
Mein Bräutigam, mein Bräutigam
war einer von den sieben Raben,
der flog am Haus vorbei,
da war es zwölf vorbei,
mein Bräutigam, mein Bräutigam
tat einen dunklen Schrei
und wollte seinen süßen Schnabel
an meinem Herzen laben,
da spießte ihn ein fremder Mann
auf eine Silbergabel.
Nun kann mich jeder haben
für einen alten Taler.
Das Herz, mein Freund,
ist aber nicht dabei
bei diesem Preis,
dem Herzen, Freund, wird kalt und heiß
nur bei den Zärtlichkeiten eines Raben.
Darum auch haben
meine Freunde mich ertränkt…
Versprecht, daß ihr das Glas Chartreuse verschenkt,
in dem ich schwimme als ein gelbes Ei.

  1. Juni 1951

Aus: Kühle Sterne. Gedichte, Prosa, Briefe. Klagenfurt: Wieser Verlag, 1997, S. 312f

Ich bin es auch

Ida von Reinsberg-Düringsfeld

(* 12. November 1815 Milicz, Schlesien, † 25. Oktober 1876 Stuttgart)

Warnung

Dichter sind Schmeichler,
Ich bin es auch;
Glühende Worte
Zärtlich zu singen,
Ist unser Brauch.

Meiner Gedichte
Bewegten Hauch,
Athm‘ ihn, doch denke:
Dichter sind Schmeichler,
Ich bin es auch.

Helena

Jannis Ritsos

Aus: Helena

Aus: Jannis Ritsos: Helena. Aus dem Griechischen von der Gruppe LEXIS (Andreas Gamst, Anne Gaßeling, Rainer Maria Gassen, Milena Hienz de Albentiis, Christiane Horstkötter-Brüssow, Klaus Kramp, Alkinoi Obernesser) unter der Leitung von Elena Pallantza. Leipzig: Reinecke & Voß, 2017, S. 23

Ophelia

Arthur Rimbaud

(* 20. Oktober 1854 in Charleville; † 10. November 1891 in Marseille)

OPHELIA

I.

Auf stiller, dunkler Flut, im Widerschein der Sterne,
geschmiegt in ihre Schleier, schwimmt Ophelia bleich,
sehr langsam, einer großen weißen Lilie gleich.
Jagdrufe hört man aus dem Wald verklingen ferne.

Schon mehr als tausend Jahre sind es,
daß sie, ein bleich Phantom, die schwarze Flut hinzieht,
und mehr als tausend Jahre flüstert schon sein Lied
ihr sanfter Wahnsinn in den Hauch des Abendwindes.

Die Lüfte küssen ihre Brüste sacht und bauschen
zu Blüten ihre Schleier, die das Wasser wiegt.
Es weint das Schilf, das sich auf ihre Schulter biegt.
Die Weiden über ihrer hohen Stirne rauschen.

Im Schlummer einer Erle weckt sie hin und wieder
Ein Nest, aus dem ein kleines Flügelflattern schlägt.
Die Wasserrosen seufzen, wenn sie sie bewegt.
Ein Weiheklang fällt von den goldnen Sternen nieder.

II.

Ophelia, bleiche Jungfrau, wie der Schnee so schön,
die du, ein Kind noch, starbst in Wassers tiefem Grunde:
weil dir von rauher Freiheit ihre leise Kunde
die Stürme gaben, die von Norwegs Gletschern wehn.

Weil fremd ein Föhn, der dir die Haare peitschte, kam
Und Wundermär in deinen Träumersinn getragen;
weil in dem Seufzerlaut der Bäume und im Klagen
der Nacht dein Herz die Stimme der Natur vernahm.

Weil wie ein ungeheures Röcheln deinen Sinn,
den süßen Kindersinn, des Meeres Schrei gebrochen;
weil schön und bleich ein Prinz, der nicht ein Wort gesprochen,
im Mai, ein armer Narr, dir saß zu deinen Knien.

Von Liebe träumtest du, von Freiheit, Seligkeit;
du gingst in ihnen auf wie leichter Schnee im Feuer.
Dein Wort erwürgten deiner Träume Ungeheuer.
Dein blaues Auge löschte die Unendlichkeit.

III.

Nun sagt der Dichter, daß im Schoß der Nacht du bleich
die Blumen, die du pflücktest, suchst, in deine Schleier
gehüllt, dahinziehst auf dem dunklen, stillen Weiher,
im Schein der Sterne, einer großen Lilie gleich.

Deutsch von K.L. Ammer

Die Gestalt eines Fremden

Rajzel Zychlinski

Aus: R. Z.: di lider. Die Gedichte. 1928-1991. Jiddisch und Deutsch. Hrsg./Übers. Hubert Witt. Frankfurt/Main: Zweitausendeina, 2003, S. 460f

An Schiller.

Josepha von Hoffinger

(auch Josefine, Josefa; * 8. November 1820 in Wien; † 25. September 1868 auf Schloss Altmannsdorf, heute Wien)

An Schiller.

O laß den Lorbeer dem olympschen Gotte,
Dir aber ziemt der Männer Eichenkranz;
Verhöhnen mag man dich mit seichtem Spotte,
Du strahlst doch in des Ideales Glanz!

Aus: Kronen aus Italiens Dichterwalde. Übersetzungen von Josepha von Hoffinger. Mit einem Anhange eigener Dichtungen. Halle: Emil Barthel, 1868, S. 195

Auf der Eisenbahn

Louise von Plönnies

(geb. Leisler; * 7. November 1803 in Hanau; † 22. Januar 1872 in Darmstadt)

Auf der Eisenbahn

Rascher Blitz, der mich trägt
Pfeilschnell, von der Gluth bewegt,
Sausend durch des Tages Pracht,
Brausend durch die dunkle Nacht,
Donnernd über Stromesschäumen,
Blitzend an des Abgrunds Säumen,
Durch der Berge mächt’ge Grüfte,
Durch der Thäler nächt’ge Klüfte,
Durch der Saaten goldne Wogen,
Ueber stolze Brückenbogen,
Durch der Dörfer munter Leben,
Durch der Städte bunter Weben. –
Könnt‘, wie du, das freie Wort
Sausend zieh’n von Ort zu Ort!
Alle Herzen, die ihm schlagen,
Stürmisch so von dannen tragen,
So aus einem Land zum andern
Siegend die Gedanken wandern! –
Freies Wort, wer gründet Schienen,
Deinem Bahnzug stark zu dienen? –

Aus: Louise von Ploennies, Gedichte. Darmstadt: Leske, 1844, S. 182

Im Staub der Stadt

Galaktion Tabidse

(georgisch გალაკტიონ ტაბიძე; * 6. November 1891 in Tschqwischi bei Wani; † 17. März 1959 in Tbilissi)

Aus: Adolf Endler: Kleiner kaukasischer Divan. Von Georgien erzählen. Hrsg. Brigitte Schreier-Endler. Göttingen: Wallstein, 2018, S. 202

So hell war ihr Arm

JOSEP SEBASTIÀ PONS

(* 5. November 1886, Ille-sur-Têt, Frankreich; † 25. Januar 1962 ebenda)

So hell war ihr Arm

So hell war ihr Arm, wenn sie lachte,
das Brot reichte, Salz oder Trank,
daß ich an Gletscherschnee dachte.
Ein natürlicher Tanz war ihr Gang.

Vom Vater her Tochter Griechenlands‚
von der Mutter her des Conflents* Kind,
und den Wald hinunter war entflammt
ihr Gesicht von tausend Rosen im Wind

  • Landesteil Nordkataloniens
    (auf französischem Staatsgebiet an der Pyrenäennordseite).

Aus dem Katalanischen von Peter Brasch

Aus: Ein Spiel von Spiegeln. Katalanische Lyrik des 20. Jahrhunderts. Katalanisch und deutsch. Hrsg. Tilbert Stegmann. Leipzig: Reclam, 1987, S. 29

TAN CLAR TENIA EL BRAÇ

Tan clar tenia el braç quan, riallera,
donava el pa, l’aigua o la sal,
que hom pensava en la neu de la gelera.
Son pas era una dansa natural.

Era filla de Grècia per son pare
i per sa mare filla del Conflent,
i bosc avall li encenien la cara
les mil roses del vent.