In der Frankfurter Anthologie stellt Ruth Klüger ein Heine-Gedicht vor – „Babylonische Sorgen“ (FAZ 14.9.02). – Peter Michalzik bespricht Klaus Reicherts Gedichtband „Wär ich ein Seeheld“ (FR 12.9.). – Schon am 29.8. besprach die FR von Christoph Meckel: Blut im Schuh. Gedichte. Edition Postskriptum, zu Klampen Verlag, Lüneburg 2001. – Die Terroranschläge des 11. September wurden von den meisten Arabern und Muslimen als krimineller und zutiefst unethischer Akt verurteilt… – schreibt der libanesische Dichter Wadih Saadah, NZZ 12.9. – Durs Grünbein schreibt die Chandos-Serie der FAZ fort (12.9.). – In der SZ vom 11.9. kommt Wladimir Kaminer auf Gedichte: Leise auf Zehenspitzen kommt die deutsche Nacht. / In den dunklen krummen Gassen ein Weihnachtsengel lacht / Bis auch der allerletzte Japaner einen Tannenbaum hat / Leuchte weiter – deutscher Weihnachtsmarkt – so satt.
Hans-Jost Frey: Wortstellungen – zur Stellung der Poesie. Urs Engeler Editor, Basel 2002. 84 S., Fr. 25.-.
Neue Zürcher Zeitung, Ressort Feuilleton, 14. September 2002, Nr.213, Seite 64.
und der mit ihr verbundene Schmerz finden in diesem Band nicht immer nur poetisch-schöne, sondern manchmal auch durchschaubare Worte, dennoch bleiben sie im ganzen Band auf eine seltene Art authentisch und berühren. Dem Band beigegeben sind Zeichnungen, „Wegspuren“ von Marianne Leupi, über das Blatt huschende, schlierende, kreisende Schattenspuren schwarzer Tusche – nichts weiter. Mit ihrer kargen, einen imaginären Weg verfolgenden Bildschrift kommt die Zeichnerin den Gedichten sehr nah. Xhelilis Poesie ist eine ebensolches Aufschreiben von Spuren, Fragmenten aus einer abhanden gekommenen Ferne, die für ihn im Gedicht wieder zur Wirklichkeit wird – wie auch aus der unmittelbaren Nähe, die ihm durch die Sehnsucht nach Etleva bis hin zur Fiktion entrückt wird. / Cornelia Jentzsch, FR 12.9.02
Vaxhid Xhelili: Sehnsucht nach Etleva / Malli për Etlevën. Gedichte, Albanisch / Deutsch. Aus dem Albanischen von Hans-Joachim Lanksch. Limmat Verlag, Zürich 2001, 96 Seiten, 18,50 .
Neben der schroffen Laborarbeit Zauners, neben Eggers poetischer Ontologie, neben dem drängenden Bilderkampf von Wolfgang Hermann und Birgit Müller-Wieland nimmt sich Elfriede Czurdas Gedichtsammlung «Wo bin ich wo ist es» sonderbar linkshändig aus. Hat sich die in Berlin und Wien lebende Autorin mit hoch konzentrierter Prosa einen Namen gemacht, so handhabt sie die Lyrik als distanzierte Spielerei. / NZZ 10.9.02
Im Gespräch mit der Aargauer Zeitung spricht der Übersetzer Stefan Weidner auch über den palästinensischen Dichter Mahmud Darwisch:
In den sechziger Jahren, Darwish war Anfang zwanzig, da wurden seine Gedichte schon in den Strassen gesungen. Er wuchs als Araber in Israel auf und engagierte sich für die Kommunisten – und landete mehrmals im Gefängnis. Als die Repressionen unerträglich wurden, verliess er Israel, ging nach Kairo, nach Moskau und schliesslich nach Beirut. Zurück nach Israel konnte er nicht mehr, nur, die PLO war zu jener Zeit auch in Beirut, so dass Darwish nicht wirklich im Exil war. Inzwischen lebt er in Ramallah. Zum Symbol wurde Darwish, weil er, neben Arafat, die tragende Figur des erwachenden palästinensischen Selbstbewusstseins war. … Darwish war einer der ersten, der die moderne arabische Lyrik, die sich in den 50er-Jahren herausbildete, auf die konkrete Situation der Palästinenser anwandte, und das in einem wirklich auch volkstümlichen Ton. Darwish verfügte über ein fulminantes lyrisches Talent und kam, wenn man so will, zur rechten Zeit. Inzwischen ist seine Lyrik viel komplexer geworden, auch mystischer, mit vielen Anspielungen auf das klassische Erbe. / Aargauer Zeitung 6.9.02
Das Buch erscheint nächste Woche im Ammann-Verlag:
Mahmud Darwisch
Wir haben ein Land aus Worten
Gedichte.
Arabisch und deutsch.
Aus dem Arabischen übersetzt und mit einem Nachwortversehen von Stefan Weidner.
Odeon 13
Etwa 220 Seiten.Englische Broschur.
EUR (A) 17.40/EUR 16.90 / CHF 29.50
ISBN 3250300136
Die 1924 in Wien geborene Schriftstellerin Friederike Mayröcker gilt als herausragende Vertreterin einer als experimentell bezeichneten Literatur. Der Verlag Rommerskirchen (Rolandseck) legte jetzt eine von der Autorin gestaltete neue Nummer der Zeitschrift Signatur unter dem Titel Wildfieber vor (32 S., Abbildungen plus CD, im Acrylglasschuber, 168 EUR). Für die Ausgabe schuf die Künstlerin den zweifarbigen Steindruck „-.wir knootzten (lümmelten) Schulter an Schulter. .“.
Mit der Zeichnung und auch im Text spielt die Schriftstellerin auf gemeinsame Konzertbesuche mit ihrem Lebensgefährten an, dem vor 20 Monaten gestorbenen Lyriker Ernst Jandl, mit dem sie 40 Jahre zusammenlebte. Sein Tod löst in Friederike Mayröcker noch immer Traueranfälle aus, die sie beschreibt und – wenn sie nicht mehr zu beschreiben sind – auch zeichnet. / Südwest Presse 6.9.02
Der in diesem Frühjahr auf der Leipziger Buchmesse erstmals vergebene Preis der Literaturhäuser ist eine besondere Auszeichnung: Verliehen wird er nicht nur für die Qualität eines literarischen Textes, sondern auch für die seines Vortrags auf einer Lesung. Gewonnen wird eine Lesereise durch acht Literaturhäuser, aus deren Gage sich das Preisgeld zusammensetzt. Preisträgerin ist Ulrike Draesner.
Terminplan auf FAZ.NET*). 5.9.02
Der Anna-Seghers-Literaturpreis 2002 geht an den chilenischen Schriftsteller Rafael Gumucio und seinen deutschen Kollegen Lutz Seiler. Wie die Anna-Seghers-Stiftung gestern in Berlin mitteilte, wird die mit 25 000 Euro dotierte Auszeichnung den Autoren am 24. November in der Akademie der Künste verliehen. Der Lyriker Lutz Seiler habe „außergewöhnlichen poetischen Bildsinn und hohe musikalische Sprachkraft“ bewiesen.
/ 5.9.02
Das Thema lautet „Moving Cultures – Kulturen in Bewegung“. Einsendeschluss ist der 12. Januar 2003. Ausschreibungsmodalitäten gibt es im Kulturladen Nord, Siefried Straßner, Tel. 09 11/55 33 87 und per E-Mail unter kuno@odn.de
/ 5.9.02
Spätestens seit dem „Annus Mirabilis 1997“, in dem der Segen angestauter Hymnen und aufgesparter Preise jubiläumsbedingt auf ihn niederprasselte, ist Robert Gernhardt, einst gefürchtet als einer der schärfsten Kritiker der Elche, der meistgeliebte und gesellschaftsfähigste unter den lebenden deutschen Poeten. Wo man früher Anstoß an ihm nahm, hätschelt man ihn heute als begnadeten Verseschmied mit rundgeschliffenen Ecken und eingewebter Goldkante. Das Sinistre dieses Vorgangs bannt er im Sonett: „Lobesmassen / treiben mich in immer höh’re Zonen, / wo um Ruhmestempel Feuer flammen // Und mich Gernhardt- Priester liebend fassen: / ,Herr! Geruh in diesem Haus zu wohnen!‘ / Anbetend brech ich vor mir zusammen.“ / KRISTINA MAIDT–ZINKE, SZ 5.9.02
ROBERT GERNHARDT: Im Glück und anderswo. Gedichte. S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2002. 286 Seiten, 19,90 Euro
Die Hannoversche Allgemeine (5.9.02) meldet, daß der weißrussische Dichter Ales Rasanau zum Ende seines mit dem Hannah-Arendt-Stipendiums verbundenen Aufenthalts einen Gedichtband veröffentlicht:
Ales Rasanau: „Hannoversche Punktierungen”, Weißrussisch/Deutsch, 96 Seiten. Revonnah-Verlag Hannover, 14 Euro.
L.A. Poet Dares to Blast Angelou, Stirs Up a Storm
Slam Queen vs. Inaugural Poet
Ein Bericht über eine ketzerische Besprechung einer offenbar sakrosankten Autorin, Maya Angelou, durch die „Slam Queen“ Wanda Coleman aus L.A., die die dortigen Gemüter bewegte – ein innerwestlicher clash of cultures. / The Village Voice 4.9.02
Inaugural poet könnte man etwa übersetzen mit: Kaiser-Geburtstags-Dichter (Wolf Biermann)
Der Reim ist die letzte grosse Ordnung vor der befürchteten Ordnungslosigkeit, er ist der allmählich ausgehende Atem des Sprechenden: «Zu viel wär übertrieben. / Zu wenig: wenig wert. / Und was ich aufgeschrieben, / was ich verdammt, verehrt, / ist schliesslich aufgezehrt. / Nichts ist davon geblieben. / Was bleibt, sind leere Hände: / so geht die Zeit zu Ende.»
Für uns, die Leser dieser von Krolow in den letzten drei Lebensjahren verfassten Gedichte, kann sie, dank auch dieser hervorragenden Edition, noch einmal beginnen. / Kurt Drawert, NZZ 4.9.02
Karl Krolow: Im Diesseits verschwinden. Gedichte aus dem Nachlass. Herausgegeben von Peter Härtling und Rainer Weiss, mit einem Nachwort von Peter Härtling. Suhrkamp-Verlag, Frankfurt am Main 2002. 221 S., Fr. 34.40.
ENZENSBERGER: Ich glaube nämlich, daß die intellektuelle und künstlerische Produktion nur sehr schwer totzukriegen ist. Die Lyrik zum Beispiel, die mir persönlich sehr am Herzen liegt, wäre nach allen ökonomischen Gesichtspunkten schon immer zum Aussterben verurteilt gewesen, und trotzdem hält sie sich nach wie vor, notfalls eben in der Form der Samisdat. Das Unkraut setzt sich auf irgendeine Weise durch. Dabei kann auch das Internet eine Rolle spielen, wie man etwa in China sieht, einem Land, in dem eine freie Presse überhaupt nicht existiert.
BARBIER: Das stimmt. Die Lyrik scheint ein Gut zu sein, das zugleich sein eigener Marktpromoter ist. Wenn es gut geht, schafft sich Lyrik eine Gesellschaft, die bereit ist, sie für viel Geld am ökonomischen Leben zu erhalten. / FAZ 4.9.02
Die Stunde schlägt heute der dänischen Lyrikerin Inger Christensen: neunmal, von 10 bis 18 Uhr, nimmt Ivo Ledergerber den schmalen Band «Schmetterlingstal» zur Hand, aus dem Worte wie Sommervögel flattern. Vor Augen hat Ledergerber dabei die «pummelige Frau», die er bei den Lyriktagen Frauenfeld ihre so sinnlichen Gedichte so eintönig und leise lesen hörte. «Eine gottbegnadete Säuferin», sagt er, und Erdenschwere legt sich auf die Flügel des Traumgewürms in ihren Sonetten. / St. Galler Tagblatt 4.9.02
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