Ein Sprachkunstwerk unter dem Titel word search soll am 4. Oktober in der New York Times veröffentlicht werden: eine kolossale Tabelle, in der ein Wort aus jeder Sprache aufgelistet wird, die in New York gesprochen wird – übersetzt in jede andere dieser Sprachen. Die riesige Wortskulptur beruht auf einem Konzept der deutschen Künstlerin Karin Sander. Herauskommen wird am Ende eine kolossale Tabelle aus rund 250 Wörtern mit ebenso vielen Übersetzungen. / Die Zeit 40/2002
Homepage Karin Sander http://www.karinsander.de/index.php?id=e1
meldet die NZZ am 23.9.02:
Fünf Tage lang und an wechselnden Orten feierte man bei den Kulturtagen Lana in Südtirol den nahen 75. Geburtstag eines Dichters, bei dem das Sinnliche allenthalben über den Tiefsinn triumphiert.
Der Text, dieser Wortleib, nährt sich vom Fleisch der Alphabete. «Fleischeslust» heisst ein frühes Prosabuch Oskar Pastiors, und mit zwingender Nahtlosigkeit heisst so auch ein Festessen, das «Grünzeug in Taschen und Beuteln oder Spiegelgefechte mit Teigwaren» androht und «Heuschreckenpudding auch Apfelbettelmann genannt». Wenn Herbst ist in Meran, dann ist es, Oskar Pastior zu Ehren, ein «O-Ton ‹Automne› – Linguistikherbst», wie ein Gedicht aus dem Band «Das Hören des Genitivs» heisst, das Wolfgang von Schweinitz vertont hat.
Der Münchner Fotograf Hubert Kretschmer hat vor zwei Jahren in Mailand ein Liebespaar auf einer Treppe fotografiert. Und Beate Kraintz hat ihm dazu ein Gedicht von Franz Hodjak (Nikolaus-Lenau-Preis 1996) ausgesucht. / 22.9.02
(http://www.gazette.de/Kretschmer.html)
After all, poetic composition is the art of finding beauty in constraint, of turning limitation into aesthetic opportunity, and that, we know, is a feat these women were forced to perform incessantly. As Dickinson, with her great talent for ambivalence, put it:
Essential Oils — are wrung –
The Attar from the Rose
Be not expressed by Suns — alone —
It is the gift of Screws —
Judith Shulevitz suggests that female Victorian poets made „ingenious use of their restrictions.“ (The New York Times.*) 22.9.02
W. G. Sebald:
After Nature, translated by Michael Hamburger, reviewed by Eva Hoffman. (The New York Times.*) 22.9.02
Ein Frühvollendeter, wie ihn die Literaturmythologie gerne hat, gar ein literarischer Ausbrecherkönig wie Rimbaud ist Everett Ruess nicht; und vielleicht kann man heute sein Lob eines «wilden und schönen», wahlweise «wilden und freien Lebens» nicht mehr so unbefangen wie damals aufnehmen. Dennoch lohnt die Lektüre sehr. Zu entdecken ist wirklich ein «Poet der Canyons» und ein bewegendes Leben dazu. Was man sich jetzt wünscht, ist eine ungekürzte Ausgabe. / NZZ 21.9.02
Der Poet der Canyons. Leben und Legende des Everett Ruess. Herausgegeben von Jenny Niederstadt. Aus dem Amerikanischen von Gaby Wurster. Malik-Verlag, München 2001. 244 S., Fr. 38.-.
Rolf Schneiders Berliner Anthologie stellt ein Gedicht von Albrecht Haushofer vor. / Berliner Morgenpost 21.9.02 – NZZ 21.9. bespricht: Roberto Pazzi: Die Schwere der Körper. Gedichte 1966-1998. Italienisch/Deutsch. Übersetzt und mit einem Nachwort versehen von Tobias Eisermann. Tropen-Verlag, Köln 2001. – In der Frankfurter Anthologie heute Gernhardts „Materialien zu einer Kritik der bekanntesten Gedichtform italienischen Ursprungs“ (FAZ 21.9.02).
Es wäre jedoch ein Missverständnis, Koneffke nur als modernen lyrischen Märchenerzähler zu lesen. Denn dieser Dichter verharrt nicht bei idyllisch anmutenden Erweckungserlebnissen einer traumnahen Kinderzeit, sondern belauscht auch die Dämonen einer gewalttätigen Geschichte, die sich in die Realien unserer Alltagswelt eingenistet haben. In einem Berlin-Gedicht verbirgt sich hinter der Wand einer heruntergekommenen Wohnung ein unsichtbarer Mitbewohner, eine grausige Inkarnation deutscher Barbarei. Die Traum-Reisenden Koneffkes werden oft heimgesucht von Phantasmagorien des Schreckens, die keine Aussicht auf irgendein versöhnliches Ende bieten. / Michael Braun, Freitag 38/ 2002
Hier gehts zur FAZ-Seite Neuerscheinungen der Verlage: Lyrik (wegen der Entfremdung und des schlechten Wetters nur noch online!).
Hier meine erste kleine & private Auswahl mit 2 dazwischengeschmuggelten Zusätzen:
/ 20.9.02
Ob es keinen Grund gäbe zu jubeln für Bayerns Demokraten welche Städte bewohnen und keinen Anlass
Bürgerfeste zu feiern aus Freude über den Verlust einen eventuellen ihres römisch-katholischen Ministerpräsidenten
nämlich bitte sollte auf ländlich dörfliche Weise bald von oben her nachgeholfen worden sein und sein Kirchenvolk dort
im hohen Norden pünktlich weißen Rauch aus dem Reichstag steigen sehen und in heißen Tränen ersticken da ihr
von Kirchenvätern Bestimmter seinen heimischen Herrgottswinkel nämlich einen von Garanten ewiger Wahrheiten die
unser aller Recht auf Selbstbestimmung bedrohen besetzter verlassen würde um in naher Zukunft im Lande Brandenburg
nur zum Beispiel eine auf bairisch verschlampte Theologie abspielen lassen zu können nämlich einen Vater am Kreuz
der den Erlöser braucheshalber vertritt und als Dreingabe eine Maria als Mutter des Vaters mein Gott
was für eine Fremdbestimmung preußischer Frauen Berlin würde Hauptbahnhof für Kreuzzüge gegen Schwangerschaftsabbruch
andere wetterten in den Schulen kreuzeshalber Chefsache wäre Verdammung der Achtundsechziger Kreuzzüge gäbe es
gegen die Lust am Leben und gegen die Würde des Sterbens gegen die Ehe von gleichen Geschlechtern kein
Sex vor der Trauung nach ihr Kreuzzüge gegen jede Verhütung die Familienplanung im Himmel auf Erden möglichst
wenig Vergnügen Fazit Seligsprechung von Leid und Schmerz Amen ob es also nicht klüger wäre für Demokraten nämlich
jenen in den Städten den Jubel beim Abgang ihres Landesvaters zu unterlassen sein Geist würde
nicht mehr aus Altötting und nicht nur über uns Bayern kommen sondern aus Berlin und über ganz Deutschland.
Paul Wühr, geb. 1927, lebt in Italien. Zuletzt erschien „Was ich noch vergessen habe“ / Umfrage, Die Zeit 39/02
Am 11. September, dem Geburtstag des lettischen Nationaldichters Janis Rainis (1865-1929), wurden im ganzen Land die 1966 ins Leben gerufenen und seitdem zur Tradition gewordenen Tage der Dichtung (Dzejas dienas) gefeiert. Matthias Knolls Seite „Literatur aus Lettland“ stellt aus diesem Anlaß ein Gedicht des großen Meisters in drei verschiedenen Übertragungen vor.
/ 19.9.02
The New Republic empfiehlt ein Buch mit New-York-Gedichten, das auch einige über die Anschläge vomm 11. September enthält. Darunter Polens Nobelpreisträgerin Wislawa Szymborska: „Photograph from September 11“ („They jumped from the burning floors– / one, two, a few more / higher, lower“) / 19.9.02
Die intensivsten Momente von „Hombroich: Literatur X“ verdankte das Publikum ohne Zweifel einem ganz starken Thomas Kling. Im Zusammenspiel mit Frank Köllges brachte er Auszüge seiner „Sondagen“ ungeheuer eindringlich vor. So unmittelbar nach dem Erinnern an den 11. September 2001 in New York durchbohrten seine Verse mit dem Titel „Manhattan Mundraum“ in rascher Folge die übereinander geschichteten Erinnerungsbilder: „Null Sicht“, Totenmehl“, „Zungen, die in Schlünde winken“, „Bittres Mehl, darüber der Wind geht“ – „Nachrichten vom Schädeldach der Welt“. „Blut, Ocker oder meinethalben Gedicht“, rezitierte Kling, bebend vor Erregung, während ein ganz präziser und präsenter Frank Köllges Stühlen, Trommeln und Becken verstärkende Töne entlockte. / Neuß-Grevenbroicher 18.9.02
Angesichts des 6. German International Poetry Slam in Bern schreibt die NZZ am 17.9.02:
Attraktiv ist Slam Poetry durch die Kombination einfacher Regeln, kruder Vielfalt der Formen und Authentizität beschwörender Live-Performance. Unter Aufsicht eines «Master of Ceremonies» muss der Slam-Poet in kürzester Zeit das Publikum für sich gewinnen. Man gewährt ihm meist nur drei oder fünf Minuten. Auf sich allein gestellt, hat er im Mikrophon seinen einzigen Freund. Erlaubt ist, was der Mensch an Gestik und Stimme hergibt. Allzu exaltierte Modulationen oder Singen freilich sind verpönt und Slam- Poetinnen selten. Der Moderator bildet aus dem Publikum, das um jeden Preis unterhalten werden will, ad hoc eine Jury, die die Vorträge wie beim Kunstturnen oder Skispringen benotet. Dem Sieger winken symbolische Preise, Whiskey zum Beispiel oder kleine Scheine.
In December Wordsworth was in town, and as Keats wished to know him I made up a party to dinner of Charles Lamb, Wordsworth, Keats and Monkhouse, his friend; and a very pleasant party we had.
Wenn Sie sich für einen dieser Herren interessieren, lesen Sie mehr in der NYT *) (15.9.02)
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