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Zur vorangegangenen Meldung sehr gut passend hier ein Hinweis auf die erste Nummer der Zeitschrift Der Dackel. Blätter für Asphaltliteratur, herausgegeben von Edition Samisdat in Wien. »Was ist nun dieser erstaunliche Hund«, fragt Paul Asti im Editorial: »Ein guter Geist, der über den Dächern der großen Städte schwebt, der unverdächtige Patron aller Asphaltliteraten […], angetreten gleichsam zum Staffellaufe, die Lichtenbergsche Fackel der Wahrheit über die versteinerten Köpfe und umwölkten Stirnen hinweg ins Morgen zu tragen – der schimmernden Abendröte aller Kultur entgegen.« Quasi als Bekräftigung dieses Programms beginnt das Heft mit Jakob van Hoddis’ »Weltende«. Es folgen Gedichte und Kurzprosa von – ich vermute: zeitgenössischen – Autorinnen und Autoren, die mir, von wenigen Ausnahmen abgesehen, zugegebenermaßen kaum bis überhaupt nicht bekannt sind (schade, dass es am Ende keine biographischen Kurzhinweise gibt)., dazwischen einzelne Texte von Größen wie Dumas, Lorca, Georg Heym, Jarry, Keats, Karl Kraus oder Morgenstern. Der erste Teil kreist um »Lüge« als Thema der ersten Ausgabe, der zweite ist ein freies »Florilegium«.
Das Heft räumt dem Kulturkritischen humoristisch-satirischer Prägung großen Raum ein, ist aber keineswegs darauf fixiert. Vom ersten Lesen her scheint mir das Niveau der Beiträge sehr unterschiedlich. Von der schülerzeitungstypischen Harmlosigkeit bis hin zu poetologisch reflektierten post-postmodernen, an einer Weiterführung klassischer Ästhetik arbeitenden Gedichten (Alexandra Bernhardt), von leicht miefiger Absage an zeitgenössische Schreibpraxis bis hin zu dezidiert experimentellen Neologismus-Gedichten an der Grenze tradierter Semantik (Unda Maris). Bin gespannt, wie sich Der Dackel weiterentwickelt. Für das zweite Heft 2016 können Textvorschläge noch bis zum 15. Juni an redaktion@asphaltliteratur.com eingereicht werden (Thema: »Dummheit«).
In Heft 1 Beiträge von: Heiner Bangemann, Robert Bareis, Anne Bennet, Alexandra Bernhardt, Marina Büttner, Udo Dickenberger, Alex Dreppec, Lena Fehlhaber, Nico Feiden, Sabine Frambach, Eugen Fuchs, Federico García Lorca, Károly Göndör, Hans G. Gohlisch, Gerhard Goldmann, Christian Heim, Willi van Hengel, Georg Heym, Jakob van Hoddis, Alfred Jarry, Till Kammerer, John Keats, Ayn Kempffer, Hagen Klennert, Karl Kraus, Thomas Krause, Steffen Krenzer, Stefan Kunzke, Alfred Lichtenstein, Lukas Meisner, Christian Morgenstern, Andrea Nagy, Roman Olasz, Michel op den Platz, Ole Paulsen, Susanna Piontek, Christian Pradel, Karl-Heinz Rölke, Bertil Rolf, Scarnafol, Sigune Schnabel, Sebastian Schneider, Lena Schweizer, Niclas Siebert, Ernst Stadler, Ben Ulrich Stein, Jan Stenmark, Jochen Stüsser-Simpson, Gabriele Sümer, Raimund Tandler, Tim Tharun, Màrius Torres i Perenya, Mona Ullrich, Unda Maris, Jürgen Völkert-Marten, Ludwig Wassermann, Carlos Wolf.
/ àxel sanjosé
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Wenn über Lyrik gesprochen, diskutiert oder gar gestritten wird, ist das immer gut. Für die Autoren und die Leserinnen und Leser.
Lyrik ist ja nichts Geheimes. Und heute schreiben auch nicht mehr nur Geheimräte schöne Zeilen. Sondern auch die Asphaltcowboys, die Komischen, die Aufmerksamen, die Wortgewaltigen und die ganz Leisen.
Für ein Beispiel will auch ich hier geradestehen:
Die Kanuten-Rallye
Die Kanuten
müssen sich sputen,
denn nur die Guten
erreichen die Aleuten
als Erste.
Das Fairste
wär’s ja,
na klar,
man würde die Routen
aller Kanuten
angleichen.
Ein gutes Zeichen
für die, die sich sputen.
Drei Stuten
und drei Puten
zeichnen die guten
Kanuten
mit Medaillen aus.
Zu vermuten:
Unter sehr viel Applaus.
–
Beste Grüße
Hans G. Gohlisch
Wuppertal
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