81. Lockerer werden

Ehrlich gesagt ist mir Frank Milautzckis Klage über „die Poesie, wie sie gegenwärtig in Deutschland en vogue ist“, zu wohlfeil (allein weil zu viele Leute mit den gegensätzlichsten Meinungen oder Absichten sie teilen können) und als Erklärungsmuster zu schlicht. (Lockerer werden!) Ich zitiere sie aber um des von ihm angefügten wunderbaren Zitats aus einem Interview mit Margitt Lehbert willen:

Die Poesie, wie sie gegenwärtig in Deutschland en vogue ist, bewegt sich zu oft in Kanälen, die kaum mit den welthaltigen und –bezüglichen zusammenfließen. Deswegen ist kein Wunder was Margitt Lehbert, die Übersetzerin und deutsche Verlegerin des Buches von Håkan Sandell, in einem Interview mit Volker Sielaff im März des Jahres 2008 im Poetenladen darlegt:

„Ich finde es schade, daß man im deutschen Sprachraum so wenig Poesie liest. So hat der wirklich außergewöhnliche Dichter Yehuda Amichai in Berlin vor etwa 70 Menschen gelesen. In Iowa City, eine Uni-Stadt mit damals 70.000 Einwohnern, kamen 800 Menschen, um diesen Mann zu erleben, und das, obwohl er auf Hebräisch dichtet und man „nur“ die Übersetzungen verstand. Was ich mir wünsche, wäre ein lockerer, ein freudvoller, ein nahezu erotischer Umgang mit der Poesie, eine Lust an der Sache. Les Murray freut sich immer besonders, wenn er dort veröffentlichen kann, wo es nicht ausschließlich literarisch zugeht, und ich gebe ihm da Recht. Deshalb achte ich auch so sehr auf die Ausstattung meiner Bücher, es soll Lust bringen, sie in die Hand zu nehmen, Lust bringen, sie aufzuschlagen, Lust bringen, sie zu lesen.“

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