81. Frederick Morgan gestorben

Der Herausgeber und Dichter Frederick Morgan starb im Alter von 81 Jahren in New York. Aus dem Nachruf der NYT *) vom 23.2.04:

The magazine, The Hudson Review, had no academic affiliation, political ideology or backing beyond its founders‘ bank accounts. But Mr. Morgan and his partners, Joseph Bennett and William Arrowsmith, had eclectic tastes and were willing to experiment. The first issue featured an essay by R. P. Blackmur on Dostoyevsky and poetry by Wallace Stevens and E. E. Cummings.

In 1950 Mr. Morgan, to the dismay of many colleagues, visited the poet Ezra Pound in a mental hospital, where he had been confined after being accused of treason for broadcasting propaganda for Mussolini during World War II. At Pound’s urging, Mr. Morgan began to publish more international literature and translations.

Gedicht „The Dream“, Philadelphia Inquirer 29.2.04

80. Charles Simic

Da fiel mir ein wie die Deutschen 1944 an unserem Haus vorbeimarschierten Wie alle Leute auf dem Gehsteig standen Sie aus dem Augenwinkel beobachteten, Die Erde bebte, der Tod ging vorbei . . . Ein kleiner weißer Hund rannte auf die Straße Und geriet den Soldaten zwischen die Beine Ein Tritt ließ ihn fliegen als hätte er Flügel. Das ist’s was ich immer wieder sehe! Nacht sinkt nieder. Die weißen Flügel eines Hundes.

Aus einem Gedicht des Serbo-Amerikaners Charles Simic. Keto von Waberer huldigt ihm in Die Welt 21.2.04 („Man sieht nur mit Gedichten gut“)

79. Haikus for Jews

(von David M. Bader) hier (Leseproben) / 23.2.04

78. The Yellow Star Again

„Are those beets your dog’s eating?“
„No, it’s a Jew who fell down in the snow.“
„They could find some other place to faint instead of my sidewalk.“

Im Februar 1944 wurde der Dichter Max Jacob in Paris von den Nazis verhaftet. Er starb in einem Konzentrationslager. In seiner Kolumne Poet´s Choice präsentiert Edward Hirsch Texte von Max Jacob (Washington Post * 22.2.04)

William Kulik’s translation of „The Yellow Star Again“ appears in „The Selected Poems of Max Jacob,“ edited and translated by William Kulik. Oberlin College Press. Copyright © 1999 by Oberlin College.)

Seine Prosagedichte erschienen einst – längst verriffen – bei Suhrkamp (Der Würfelbecher/ Höllenvisionen). Heute sind nur zwei Bände mit Schriften in Kleinverlagen lieferbar. Entsorgte Vergangenheit. Allmählich verlieren wir das Bewußtsein/ von unseren Verlusten, und so leiden wir/ an Knappheit keinen Mangel. Günter Kunert (Zeileneinteilung unsicher, da ausm Gedächtnis; ich glaube, aus dem Band „Unterwegs nach Utopia“, der in der DDR in einer – vermutlich auch um dieses Gedicht – gekürzten Fassung erschien). Was hat jenes mit diesem zu tun, werden sie sagen.

77. Smile

Ein Ereignis der Popgeschichte vermeldet die Berliner Morgenpost vom 23.2.04:

[Brian] Wilson dachte daran, diese Welt von ihrer Schuld zu reinigen, und ihre Menschen weise Kinder sein zu lassen. Natur, Gesundheit und Amerika. Er ließ sich Seesand unter seinen Flügel schütten, es gab Marihuana, Van Dyke Parks schrieb sonderbare Poesie zur seltsamen Musik. Als Paul McCartney neugierig dazustieß, durfte er im Takt in eine Möhre beißen. „Smile“ sollte die Popmusik verändern und das größte Album aller Zeiten werden. Monate nachdem das Vorhaben gescheitert war, lösten die Beatles das Versprechen ein mit „Sgt. Pepper“.

Nach 37 Jahren gab es in London die konzertante Uraufführung des rekonstruierten „Smile“.
Auch in Die Welt 23.2.04

76. Friederike Kempner

Am 23. Februar vor 100 Jahren starb Friederike Kempner, die unfreiwillig (?) zur (komischen) Klassikerin wurde. Aber wem gelingt es schon, Zeilen zu schreiben, die hundert Jahre später immer noch im Gedächtnis vieler haften?

Artikel der BLZ, 23.2.04
Ihre Gedichte bei gutenberg.de

Leseprobe

Auch Goethe war nicht unfehlbar,
Was auch die Goethe-Jünger meinen:
Was sich nicht schickt, schickt sich für keinen,
Für jeden das, was recht und wahr.

***

Anarchisten*
Anarchisten, seid Ihr Geister
Aus der Hölle tiefsten Gründen?
Ist der böse Euer Meister,
Wollt die Menschheit Ihr anzünden?

Bringt Ihr eine Feuerflut?
Ach, Ihr wißt nicht, was Ihr tut!
Kehret in Euch – Recht und Ehre
Sind des Weltalls große Lehre,

Wie der Wahn Euch auch betöre,
Kehrt zurück zu Recht und Ehre!
Scheußlich ist der Meuchelmord,
Furien weilen an dem Ort!

Scheußlicher ist: Feuer zünden,
Ist die ärgste aller Sünden –
Höllenstrafen zu verkünden,
Konnte man nichts Schlimmres finden!

Gift und Mord und Feuerbrand
Sind verdammt von Land zu Land!
Was die Leidenschaft auch meinet,
Was dem Wahnwitz richtig scheinet.

Kehrt zurück zu Recht und Ehre,
Merkt Euch der Geschichte Lehre:
Niemals nützlich war der Mord:
Und es gibt ein ew’ges Dort!

* Geschrieben nach der Ermordung Garnots.

75. Fürnbergs Traum im Traum

Unerwartet groß war am Freitag auf dem Weimarer Hauptfriedhof das letzte Geleit für eine Frau, um die es in den letzten anderthalb Jahrzehnten sehr still geworden war. Es galt der Anfang Februar kurz nach ihrem 93. Geburtstag gestorbenen Lotte Fürnberg, Witwe des Dichters Louis Fürnberg, von dem heute so manch einer nicht mehr weiß, als dass er das Lied schrieb von der Partei, die immer Recht hat.

Die Trauergemeinde hörte Fürnbergs Stimme mit seinem „Traumlegendchen“ von der Stadt der guten Gesellen, in der mit silbernen Schellen ein schönes, menschengerechtes Leben für alle ausgeläutet wird. Liest man es heute, dann versteht man tiefer, was Stephan Hermlin 47 Jahre zuvor an gleicher Stätte, als nahe der Weimarer Dichtergruft Louis Fürnberg begraben wurde, gemeint hatte mit dem Satz, diese Dichtung sei auch aus einer „großen Bängnis“ gekommen – aus dem Wissen um die Zerbrechlichkeit und den blutigen Missbrauch der Utopie: „Ach, ich hab den Traum im Traum erkannt.“ / Volker Müller, BLZ 23.2.04

Meldung von Radio Prag

74. Zwei gleich eins (Meine Anthologie)

Maria Hebrea (Maria die Jüdin), erstes Jahrhundert v.Ch.

 

Die Zahlen

2 sind 1
3 & 4 sind 1
1 wird 2
2 wird 3

 

Maria die Jüdin war eine Alchimistin im hellenistischen Ägypten. Sie soll die Grundlagen unseres chemischen Wissens gelegt haben. Manche bezeichnen sie als „Mutter der Kunst“. Das obenstehende Zahlengedicht ist ihr einziger überlieferter Text.
Es erinnert, schreibt Jerome Rothenberg in der Anthologie „Exiled in the Word. Poems & Other Visions of the Jews from Tribal Times to Present“, Washington 1989, „an e.e. cummings´ Beschreibung der Strategie des Dichters: zu behaupten, daß zwei mal zwei fünf sind. Oder Edmond Jabès über eine spezifisch jüdische poesis: ´Die Zahl 4´, sagte er, ´ist die Zahl unseres Untergangs. Haltet mich nicht für verrückt. Die Zahl 4 ist gleich 2 mal 2. Es ist diese obsolete Logik, in deren Namen man uns verfolgt. Denn wir behaupten, daß 2 mal 2 auch 5 sind, oder 7, oder 9. Man muß nur die Kommentare unseres Gelehrten nachschlagen, um das bestätigt zu finden. Nicht alles ist schlicht und einfach [simple in simplicity]. Man haßt uns, weil wir nicht in den simplen Rechenaufgaben der Mathematiker aufgehen.´ (Das Buch der Fragen, S. 92).“
Hier enthülle, schreibt Rothenberg weiter, die Gleichung der russischen Dichterin Marina Zwetajewa ihren Sinn: Alle Dichter sind Juden.

Edmond Jabès wurde 1912 in Kairo geboren und während der Suezkrise 1956/57 wie viele Juden aus Ägypten ausgewiesen. Er starb 1991 in Paris.

 

73. K.O. Götz 90

Der (Achtung!) deutsche Surrealist (!!) K.O. Götz, 1914 in Aachen geboren, wird am 22.2.04 90. Ja, obwohl es in deutschen Literaturgeschichten und Anthologien fast nicht vorkommt, gibt es das! (Nennen wir mal Max Hölzer, Unica Zürn, Anneliese Hager, Johannes Hübner, Lothar Klünner, Richard Anders). Hier ein Artikel der Sächsischen Zeitung (21.2.04):

1933 schuf er erste abstrakte Arbeiten; 1935 begann er mit seinen Spritzbildern – lange vor Jackson Pollock. Der blutjunge K. O. Götz wurde mit dem Mal- und Ausstellungsverbot der Nazis belegt, wagte sich aber auch während seiner Soldatenzeit an abstrakte Kompositionen. Dass er 1940/41 in Dresden Dienst tun musste, geriet dem jungen Maler zum Nutzen. Er absolvierte ein Semester an der Dresdner Kunstakademie und schloss Freundschaft mit Otto Dix, Will Grohmann und Edmund Kesting.
Götz gründete 1959, im Jahr seiner Teilnahme an der Documenta II, gemeinsam mit Otto Greis, Heinz Kreutz und Bernard Schultze in Frankfurt/Main die Gruppe Quadriga. Das innovative Quartett arbeitete im Geist des Tachismus, den K. O. Götz in der großen Strömung des Informel aufgehen ließ – mit seinen genial gesetzten und kühn die Leinwände beherrschenden Pinselzügen. …

1999 schrieb Götz 121 surreale Gedichte über Maler und Malerinnen, die seinen Lebensweg gekreuzt oder gar begleitet haben.
… K. O. Götz ließ seinen Schülern alle erdenkliche Freiheit der Entfaltung; er hat die verschiedenen Temperamente erkannt und sie zu unorthodoxen Wegen ermutigt. „Gonschior, machen Sie daraus einen Knüller, machen Sie ein großes Format.“ Nicht etwa Pinselschriften oder Bildstrukturen vermittelte Götz seinen Schülern, sondern, so Franz Erhard Walther, Haltung und ein klares Verhältnis zur Kunst. „Richter, das müssen Sie weglassen“, empfahl Götz, als es um ein allzu surrealistisches Detail ging.

Bis 18. April 2004 im Museum Küppersmühle Duisburg, Philosophenweg 55, geöffnet Mi. 14–18, Do. 11–18, Sbd./So. 11– 18 Uhr; Katalog 20 Euro

Hier kann man die handgeschriebenen Kollegengedichte (103!) im Faksimile sehen. Darunter z.B.: Marcel Duchamp, Otto Dix, Joseph Beuys, Asger Jorn oder Lucebert. Ein Gedicht beginnt so:

Für Elke Starke
Ossip und Nadeshda

Mandelstam haßte Uhren,
er hat nie eine besessen.
Unbeweglich die Zwiebel der Zeit.
Was ist schon ein Ziffernblatt:
Ein Schnurrbart krabbelt über einen Teller (Mandelstam)
Seitdem Ossip im Jahre 1934
ein wahrlich kritisches Gedicht über den
Kremelbergbewohner mit den dicken fetten
Würmerfingern
losgelassen,
schwebt über ihm die Todesstrafe.
Die Zähmung eines unsichtbaren Würfels
war nicht seine Art.
(…)

Hier die Gesamtausgabe im Rimbaud Verlag.
Hier Bilder des Malers.
Hier ein Bericht des hr, wie der fast blinde Maler immer noch malt.

Weitere Artikel: Rolf-Gunter Dienst, FAZ 21.2.04 (Offline) / Gotthard Knapp, SZ 21.2.04:
Einer der letzten Zeugen des Informel, der Maler und Lyriker Karl Otto Götz, wird am Sonntag 90 Jahre alt …
Fast neun Jahre seines Lebens hat der junge K. O. Götz – nach seinen ersten bildnerischen Versuchen – beim Militärdienst und anschließend als Soldat im Krieg totgeschlagen. Dass dabei, trotz Malverbot, Zeit blieb für intensive Experimente mit abstrakten Filmen und Fotogrammen, kommt dem Nachgeborenen wie ein Wunder vor. Im großen allgemeinen Aufbruch der abstrakten Malerei nach dem Krieg hat Götz mit seinem zunächst abstrahierenden, dann dynamisch freien gestischen Malstil rasch internationale Anerkennung gefunden. Als einziger Deutscher wurde er 1949 in die internationale Gruppe „Cobra“ aufgenommen, und 1952 hat er die deutsche Gruppe „Quadriga“ mitbegründet.

72. Unmittelbare Unwirklichkeit

Mit diesem Begriff des rumänischen Avantgardisten M. Blecher (1909-1938, –> 23, L&P 9.2.04) beschreibt der aus Rumänien eingewanderte Lyriker, Erzähler und Essayist Richard Wagner Aspekte unserer medialen (Non)Existenz:

Wir leben in einer visuellen Gesellschaft. Menschen gehen zu Empfängen, um dort, wie sie sagen, ihr Gesicht zu zeigen. Gleichzeitig wirkt ein Gesichtsverbot, das der Islam den Frauen auferlegt, um sie als Teilhaber der allgemeinen Belange auszuschalten. Es gibt das Verbergen des Gesichts im Fall der Zapatisten oder in der Vermummung des Schwarzen Blocks, auf den Demos. Die Zapatisten und die Autonomen entziehen sich damit nicht nur der Ordnung, sondern auch dem Gesetz. Wer nicht gesehen wird, der untersteht nicht den Normen, der Gerichtsbarkeit. Als Folge besteht ein Vermummungsverbot. Vermummt treten aber auch die Polizeikräfte auf, speziell die Sondereinheiten. Sie begeben sich jeweils auf das Terrain ihrer Gegner, um diese besser bekämpfen zu können, wie sie behaupten. Damit erscheint auch der Gesetzeshüter verdeckt.

Nichts ist mehr an seinem Platz, wir leben mit ständig changierenden Bedeutungen. Es herrscht «unmittelbare Unwirklichkeit» (M. Blecher). / NZZ 21.2.04

71. Ich glaube nicht, ich höre

Über den schwedischen Lyriker Bengt Emil Johnson (geboren 1936 in Saxdalen, Dalarna) schreibt Lukas Dettwiler, NZZ 21.2.04:

Als langjähriger ehemaliger Mitarbeiter des Schwedischen Rundfunks präsentiert er auf dem Kulturkanal P2 in seiner Sendung «Voljär» (Voliere) weiterhin monatlich eine Vogelstimme (unter http://www.sr.se/p2/p2pippi/arkiv.stm im Internet zu hören). Hier, im Gedicht «Pfingstvögel», läuft ein Gelbspötter französischen Philosophen rhetorisch den Rang ab.

Im Volksglauben war der Zaunkönig Gottes Vogel,
die Elster hatte Kontakt mit dem Teufel persönlich.
Über den Gelbspötter hat Tillhagen nichts zu berichten.
Die Mönchsgrasmücke hiess Einsiedler unter den Bauern,
Hortling verzeichnete Dutzende Namen des Eichelhähers.
Ein gelbbauchiger Bastard . . . mochte er heissen,
der Virtuose, der jetzt wieder zu den Erlen beim
alten Kartoffelkeller zurückkehrte. Ja, gewiss,
er hat sich gemacht im Winter am Äquator . . .
Grosszügig verteilt er das Leihgut, montiert
das Zitat zur persönlichen Komposition.
Hippolaïs icterina – du warst ein Postmodernist
lange vor allen französischen Philosophen!
«Ich glaube nicht, ich höre», sagt der Lyriker Johnson, der als Kind schon eine Art Plaudereien über die Natur zu schreiben begann.

Hier sein Gedicht „Kleine Abhandlung über das Schreiben“

70. Computer (tölva) reimt sich auf Frau Völva

Ein intimes Verhältnis zu ihrer Sprache pflegen die Isländer, die, wenn sie denn wollten, mittelalterliche Prosa fast ebenso mühelos lesen könnten wie die Tageszeitung. Fremdwörter halten sie von ihrer Sprache fern, für neue Phänomene suchen sie nach eigenständigen Lösungen. So schuf vor bald fünfzig Jahren ein Professor ein isländisch-englisches Spezialwörterbuch der Flugzeugsprache. Ob sich ein Wagemutiger findet, um das Werk ins 21. Jahrhundert hinein fortzuführen, bleibt abzuwarten. Die technische Terminologie des 20. Jahrhunderts hat man vollständig islandisiert. Der Computer ist weiblichen Geschlechts und wird «tölva» genannt, was sich auf «völva» reimt – die Seherin, die Frau mit dem Zauberstab, die in einem tausend Jahre alten Gedicht dem Götterchef Odin (deutsch: Wotan) das Schicksal der Götter und Menschen prophezeite. / Aldo Keel, NZZ 21.2.04

69. Poesie interessanter als Fernsehn

Kleinzahler might be considered a postmodern metaphysical poet. He makes a complex cognitive music, his poems often sprung from a conceit deftly played out: “A Beautiful Mind“ undoes the feel-good inanity of the movie, enacting instead a vivid brain-surgery fantasia (“You can imagine the mess / and attendant motor disturbance“). In “The Hereafter“ the newly dead poet gets a private screening of his life: “A 20-million-dollar home movie it is. . . . What a lot of erections, voidings, pretzels, / bouncing the ball against the stoop. / She really did love you, all along.“ Hell is not, it would seem, other people.
For all their dazzle, these poems do not ask you to like them. They are a free — albeit occasionally dyspeptic — offering, arising from a commitment to track “How thus the Streaming Familiar / Is made to transfigure / Magick’d in the Candle’s Glow.“ The poet’s humor is sometimes whimsical, often elegiac and intermittently quite savage, particularly in his epistle-poems, modeled ingeniously after Horace. / Maureen N. Mclane, NYT*) 22.2.04

THE STRANGE HOURS TRAVELERS KEEP
By August Kleinzahler.
98 pp. New York: Farrar, Straus & Giroux. $22.

Hier*) eine umfangreiche Leseprobe aus dem besprochenen Band.

68. Gilgamesch

Der tschechische Komponist Bohuslav Martinů vertonte 1957 das Gilgamesch-Epos, eine der ältesten Dichtungen der Menschheit. Jetzt wird das Oratorium in Weimar und Leipzig aufgeführt. Für die Rolle des Sprechers konnte Dieter Mann gewonnen werden.
Hier eine Probe aus der ersten Tafel in der Übersetzung von Albert Schott:

(Schamkat ist die Frau, die von Gilgamesch beauftragt wird, den wilden Enkidu zu zivilisieren durch Beischlaf)

Ihren Busen machte die Schamkat frei,
Tat auf ihren Schoß, er nahm ihre Fülle,
Sie scheute sich nicht, nahm hin seinen Atemstoß,
Entbreitet‘ ihr Gewand, daß auf ihr er sich bettete,
Schaffte ihm, dem Wildmenschen, das Werk des Weibes –
Sein Liebesspiel raunte er über ihr.

Shamhat threw her cloak aside and he saw her body.
Shamhat walk close up to him and he smelled her charming scent.
Shamat leaped on Enkidu and wrapped her legs about his groin.
Shamhat pressed her mouth on Enkidu’s mouth, her tongue parting his lips
Shamhat heating mound expanded his trembling cock
Shamhat beat her cunt on his stiffened cock until breathless they collapsed.
Shamhat showed him her civilizing force for seven nights.
Shamhat changed his scent so the herds stampeded from him in terror.

andere englische Fassung:

Shamhat unclutched her bosom, and he took in her voluptiousness.
She was not restrained, but took his energy.
She spread out her robe and he lay upon her,
she performed for the primitive the task of womankind.
His lust groaned over her…
Maureen Gallery Kovacs, in: The Epic of Gilgamesh. Stanford 1989, S. 9

[Kommt Zeit, kommen mehr Übersetzungen, mal zum Vergleich! Also in den nächsten Tagen!]
Rainer Dietleins Gilgamesch-Projekt (Umsetzung in Bilder)

67. „Theodor Storm – Der letzte Lyriker“ –

so die Überschrift eines Vortrags des neuen Vorsitzenden der Theodor-Storm-Gesellschaft Husum, Heinrich Detering. / Thüringische Landeszeitung 21.2.04