In seiner Kolumne Poet´s Choice (Washington Post 7.3.04) stellt Edward Hirsch Antisonette der argentinischen Lyrikerin Alfonsina Storni (1892-1938) vor.
In der taz vom 6.3.04 porträtiert Oliver Ruf den Hölderlinpreisträger Johannes Kühn:
Durch Vermittlung Ludwig Harigs, der schon früh die ungeheure Pranke dieser Lyrik begriff, nahm sich Hanser-Verleger Michael Krüger der Gedichte an. Peter Rühmkorf begeisterte sich. „Das ist ein Dichter!“, ließ Reiner Kunze vollends beeindruckt verlauten. Und Johannes Kühn? Er gesundete allmählich, fing das Schreiben wieder an; erst unbedarft; bald energisch. Am Ende stellte der Wiedererwachte ungläubig fest, dass er über sein Schweigen hinweg berühmt geworden war. Was er immer noch bezweifelt.
Zwanzig Gedichtbände nebst Märchenbuch und Dramenbroschüre liegen gegenwärtig vor, unten ihnen „Gelehnt an Luft“ (1992), „Leuchtspur“ (1995), „Hab ein Auge mit mir“ (1998) und „Mit den Raben am Tisch“ (2000). Peter Handke wurde in den Manuskripten auf ihn aufmerksam. Seinem Vorschlag vor vier Jahren, Kühn den Hermann-Lenz-Preis zu verleihen, entsprach man ohne Zögern. „Habemus poetam!“, riefen damals die Stifter. …
Sein Stil tönt sowohl feierlich als auch derb, folgendermaßen etwa im „Hausschwein“-Hymnus: „Es ist kein Stimmbandwunder, / hat keinen Stimmbandriss. / In der Rüsselschnauze, / im Speckhals mein ich, / hat es Trompeten, / mächtige.“
Ebenfalls in der taz: sein Gedicht Die Tatze II.
… lesen ist unterwegs sein, reisen also, und die beste Form dafür ist und bleibt für mich: ein Gedicht. Geradezu süchtig nach Lyrik, dem mir täglich injizierten Mittel gegen die Angst vorm Stillstand, komme ich gegen die Sucht nicht an und, ja, lasse mich gehen – flaniere durch Derek Walcotts Mittsommer, nächtige in Raoul Schrotts Hotels, schlendre zu Jorge Luis Borges und von ihm weiter in einem Sonett ins isländische Mittelalter zu Snorri Sturluson. / und die Reise geht weiter! (neben vielen physisch toten Dichtern auch ein lebender: Mirko Bonné). Christoph W. Bauer gab Auskunft über seine Lektüre in Die Presse, Wien, 6.3.04
Robert Gernhardt erhält den Heinrich-Heine-Preis der Stadt Düsseldorf, meldet das Hamburger Abendblatt am 5.3.04 – Wir (obwohl Herr G. auf eine Umfrage zur Wiedervereinigung zu witzeln wußte, danach habe er genauso viel Bücher in den östlichen Bundesländern verkauft wie davor, also Null**) gratulieren (und fänden ihn noch besser, wenn er auf seinen dem Feuilleton gestreuten Scherz von der Neuen Frankfurter Schule nicht selber hereinfallen würde).
**) Der Blick auf mein Regal zeigt zwar ausschließlich nach der Wiedervereinigung gekaufte Bücher des Laureaten, was aber statistisch womöglich nicht ins Gewicht fällt.
Mehr: NZZ 4.3.04
Der Theodor-Kramer-Preis für Schreiben im Widerstand und im Exil geht an den Wiener Schriftsteller Michael Guttenbrunner (1919 geboren), meldet die Wiener Zeitung am 5.3.04
Zum 75. Geburtstag des Dichters Günter Kunert: BLZ 6.3.04 / ND 6.3.04 / Hamburger Abendblatt 5.3.04
Der Leipziger Lyriker Thomas Kunst erhält den F.-C.-Weiskopf-Preis der Berliner Akademie der Künste. Seine Dichtungen zeichneten sich durch Wortmagie, eine opulente Bildfantasie und eine hohe Musikalität aus, so die Jury. Der 1965 in Stralsund geborene Kunst veröffentlichte bislang vier Gedichtbände sowie zwei Romane. / Berliner Morgenpost 6.3.04
Foto des Autors / Gedicht in einem Webforum / Homepage des Autors
one of the original members of the Nuyorican Poets Cafe, died yesterday, the organization announced yesterday. / New York Post 5.3.04*)
Mehr: SZ 7.3.04
Nachruf in der New York Daily News vom 5.3.04
Hier ein kleines Gedicht aus dem Zyklus „Telephone Booth“
telephone booth
number 432
is a sin to eat meat
on good friday
is a sin to say fuck you
on good friday
is a sin to sleep with
your wife on good friday
so you let your best friend
sleep with your wife
on good friday
because you aint a sinner!
A superb new translation of Catullus by Josephine Balmer is a vivid reminder that there’s nothing new about art’s ability to shock. In Poems of Love and Hate (Bloodaxe, £8.95), Lesbia’s gentle kisses jostle alongside a range of sexual activities that sound exhaustingly eclectic. Among the prostitutes and „bum-boys“ there are graphic images and descriptions that range from the scatological to the downright obscene. / Christina Patterson, Independent 5.3.04*)
Nur in Persepolis, dem Glanzpunkt des alten Kulturlandes und seiner mehrtausendjährigen Geschichte, und an den Grabstätten von Hafiz und Saadi in Schiraz unterbleibt der penetrante Personenkult [um Chomeini). Dort finden sich vor allem junge Menschen ein, um Verse der beiden Poeten zu sprechen und Blumen auf die Grabplatten zu legen. Erstaunlich, dass die von Wein, Weib und Weltliebe singenden Gedichte, die Goethe zum „West-östlichen Divan“ inspirierten, nicht dem Bann der religiösen Eiferer verfallen sind. / Hans Dieter Kley, Hamburger Abendblatt 6.3.04
Regina Berlinghof erklärt den Widerspruch:
Ein frommer Muslim, der den Wein preist, der den Schenken und die Schenkin besingt; ein Dichter, der kein Hehl aus seiner Wein- und Liebestrunkenheit macht, – das erhitzte schon die Gemüter seiner Zeitgenossen und schafft bis heute fundamentalistischen Anhängern Probleme – denn seine Verse sind einfach zu schön, um sie zur Hölle zu schicken. Wie immer in solchen Fällen helfen Interpretationen: der Wein wird zum himmlischen Wein, die Geliebte ist die Brautseele, die sich nach Gott sehnt… So konnte Hafis selbst zum Lieblingsdichter Chomeinis werden.
1911 erschien Bethges Auswahl der freisinnigen und sinnlichen Verse des Hafis zum ersten Mal und wurde wie schon zuvor „Die chinesische Flöte“ ein großer Erfolg. Bethges ungebundene Verse, der feine Schwung und Rhythmus seiner Sprache begeisterten nicht nur die Leser, sondern regten viele Komponisten zur Vertonung an. Beste Beispiele sind Karol Szymanowskis und Viktor Ullmanns Vertonungen der Hafislieder.
Diese Neuausgabe des zuletzt 1941 im Inselverlag erschienenen Bandes will allen Interessierten die Gelegenheit geben, die liebesglühenden Verse des Hafis kennenzulernen – und dazu die Schönheit der kongenialen Nachdichtungen Hans Bethges.
In ihrem Yin Yang Medienverlag gibt es neben der soeben erschienenen Neuausgabe von Bethges Hafisübersetzung auch die erste deutsche Gesamtausgabe von Joseph von Hammer (1812/13), die Goethes Westöstlichen Divan anregte.
Hans Bethge, Die Nachdichtungen der Lieder und Gesänge des Hafis – 148 Seiten, ISBN 3-935727-03-8, Euro 12,50
Hafis: Der Diwan, (Hammer-Purgstall), zwei Teilbände, br., zusammen Euro 46,00, ISBN 3-9806799-3-4
Hier ein Gedicht in Bethges Nachdichtung:
GENESUNG
Der dummen Weisheit und der albernen Tugend
War ich zu lange nachgegangen, – nun
War ich gar müde meiner jungen Tage.
Da kamest du und sprachest: Her zu mir!
Bei mir ist heitre Torheit! Pflücke dir
Die Sünde ab von meinen Rosenlippen
Und meinen Brüsten, die vor Jugend starren!
Da kam ich, voller Glück, daß du mir hold warst,
Und tat, wie du geheißen – und genas.
Mehr hier.
(auch dank Bush junior). Zwei Artikel im Independent vom 7.3.04 gelten ihr, Zitat:
It’s worth remembering that Smith’s screaming, angry, heartfelt and emotional poetry-set-to-music was released a couple of years before the phrase punk rock had been invented. Kick-starting the New York art-rock scene that would later spawn bands such as Television, Blondie and Talking Heads, Smith was a cult performer even before Horses hit the streets. Bob Dylan famously attended one of her shows – the musical equivalent of a visit from the Pope.
Vgl. auch L&P 6.2.04 (Archiv)
Ein Porträt des schottischen „Hofdichters“ Edwin Morgan (–> 88 / L&P 24.2.04) im Guardian vom 28.2.04.
Australia’s Muslim leader Sheik Taj Aldin Alhilali’s description of September 11 terrorist attacks as God’s work against oppressors was appalling, Foreign Minister Alexander Downer said today.
Aber es war gar nicht so, sagt sein Sprecher (Sydney Morning Herald vom 29.2.04). Sondern:
However, a spokesman for the Sydney-based Mufti fiercely denied these claims, saying the Mufti did not, and never would, support terrorism or suicide bombings.
Spokesman Keysar Trad today said the Mufti had taken bits from poetry, which he incorporated into his sermon, and that his other comments had been misinterpreted.
In einem Bericht über die strittige Rede Scheich al-Hilalis werden die poetischen Splitter so zitiert:
Sheik Al Hilaly spoke of an „Islamic revolution“, and told his audience not to be surprised if one day a muezzin called out „Allah is Great!“ from the „top of the White House“.
„September 11 is God’s work against oppressors,“ he said. „Some of the things that happen in the world cannot be explained; a civilian airplane whose secrets cannot be explained, if we ask its pilot who reached his objective without error: ‚Who led your steps?‘
„Or if we ask the giant that fell: ‚Who humiliated you?‘ Or if we ask the president: ‚Who made you cry?‘ God is the answer.“
Declaring there was a „war on infidels“ around the world, the Mufti praised the boy who, „despite his mother’s objections“, went to war to become a martyr.
Bemoaning the lack of „real men“ in the Arab world, he said the „true boy“ was one who told his mother not to cry for him if he died. The boy who cried: „Oh mother, jihad has been imposed on me and I want to become a martyr [was a son of Islam].“ The boy would cry to his mother: „Oh mother, I’m going with a stone in my hand to become a martyr.“
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