G&GN-Institut New Cologne Berlin / Exakt 10 Jahre nach seiner Entstehung ist nun das gesamte „Mini-Debut“-Album der Band „Das Rilke Radikal“ (mit Frontmann Tom de Toys) auf dem Musikportal „myspace“ hörbar, darunter auch das politische Gedicht „INFLATION“ von 1993, das bis heute nur auszughaft aus dem Kultbuch „VON ACID NACH ADLON UND ZURÜCK“ kennt, wer die DR2-CD von 1999 nicht besitzt. Diese erschien nur in einer limitierten Auflage in der Edition POEMiE, während die Tonspur des damaligen legendären Düsseldorfer Konzerts in voller Besetzung bis heute beim Tontechniker vergammelt, weil dieser plötzlich eine unglaubliche „Lösesumme“ verlangte… Nun hat sich die Band neu formiert und ein fulminantes Auftaktkonzert im Berliner Reuterkiez gegeben, dessen Tonspur diesmal glücklicherweise im Besitz der Bandmitglieder ist und daher bald öffentlich zugänglich. Pünktlich zum Weltfriedenstag wurde nun schon einmal als Preview ein Teil der „free-style“-Konzertgedichte auf der Bandseite veröffentlicht, um ein Beispiel für den poetologischen Ansatz des Sängers/Sprechers De Toys zu liefern: „Free Word Jam“ nennt er seine Methode der totalen spontan-telepathischen Improvisation während des laufenden Auftritts zur ebenfalls improvisierten Musik. Diese Methode entwickelte er bereits vor einigen Jahren für seine Beiträge auf Poetry Slams, von denen er sich dann gänzlich zurückzog, als diese immer mehr von Comedyliteratur dominiert wurden. Hier der englische Originalwortlaut, der das „allmählich verfertigte“ Sprachstück auf der Homepage einleitet sowie Auszüge aus dem Gedicht selbst:
In the „NO BIG BANG“ concert of „Das Rilke Radikal“ at Nikodemuskirche (Berlin-Reuterkiez, 27.6.2009) the spokenword performer De Toys celebrated his method of so-called „free word jam“ completely (the entire 56 minutes) by pretending reading prepared poems from a paper in his hand but indeed inventing all lyrics exactly in the moment of talking loudly. Especially the very last song after his piano solo included a row of thoughts that might be worth to be published as a „real“ poem now afterwards at the „world peace day“ (1.9.09). By that we wonna say once more THANK YOU VERY MUCH to our lovely audience [hey, little girl, did you ask your teacher how he knows what he knows?! thanx for listening and laughing!!!] that you (80 people, wow!) came to our late show although there were so many events parallel offered on the festival! As soon as we solved the technical difficulties we will upload the best parts of the concert to our myspace-page. Til then: please enjoy our old songs (taken from the album „free flesh“) that you can hear finally since today!
L&POE-EXTRACTS FROM:
Tom de Toys, 27.6.2009, 22:41h-22:56h improvised lyrics
GEDICHT „VON HINTEN“
(15 MINUTEN KOPF LEER FÜR DEN WELTFRIEDEN)
das letzte gedicht wird von hinten geschrieben
das letzte gedicht behandelt sich selbst
(…)
es hat einen sogenannten WORKSHOP gemacht
bevor es diesen workshop gemacht hat
hat es einen anderen workshop besucht
in dem es gelernt hat was das wort workshop bedeutet
dieser workshop wurde vom jobcenter gefördert
(…)
ICH PERSÖNLICH habe noch nie ein gedicht gesehen das in form is
Es Gibt Überhaupt Kein Gedicht In Form
sobald ein gedicht geschrieben is
ist es veraltet – und
vom veralterungsprozess kommt ja genau das desaster
(mit dem „aus-der-form-gehen“)
so wie mit dem universum, das geht halt aus der form
hat ja auch keiner ’n kosmischen leim erfunden
wär ja mal was für’n nobelpreis:
KOSMISCHER LEIM
(…)
aber zurück zu diesem wunderbaren kleinen gedicht
was es so in sich hat
hier schreibt es zum beispiel an der 16.zeile:
„ICH. BIN. NOCH. DA.
auch wenn du grade eben nicht die zeilen hier drüber gelesen hast“
dieses gedicht weiß wie man gedichte liest
mal ehrlich:
hat einer von ihnen schonmal ein gedicht von oben bis unten komplett gelesen?
jeden einzelnen buchstaben?
das geht überhaupt nicht
es gibt keine einzelnen buchstaben
das is ne lüge
(…)
es gibt keinen einzigen buchstaben
sie haben dich betrogen
sie haben dein gehirn verseucht
dein kleines 1-prozent-genutztes hirn genügt
um alle buchstaben hineinzupacken
(…)
von wem hat irgendwer die sprache
von wem hat irgendwer die buchstaben
DAS A DAS O DAS I DAS E !!!
DAS X DAS U DAS Z DAS VAU !!!
in meinem gehirn ist noch was anderes
ich kann es nicht sehen
(…)
irgendwo in meinem gehirn
ist eine lücke
eine lücke zwischen den buchstaben
(…)
das universum das ist noch krumm
das universum das bleibt auch krumm
(…)
ORIGINALQUELLE: www.myspace.com/DasRilkeRadikal – DURCHWAHL VOLLSTÄNDIG „VON HINTEN“:
http://blogs.myspace.com/index.cfm?fuseaction=blog.view&friendId=483273196&blogId=508241960
Etwa 150 Dichter aus allen Teilen der Welt beteiligten sich an den diesjährigen Struga-Poesieabenden in Makedonien. Darunter sind Tomaž Šalamun (Slowenien), Ousman Sar-Sarus (Senegal), Vesna Atschevska (Makedonien) und Maram-al-Masri (Syrien). Diesjähriges Thema ist „Musik und Poesie“. Zur Eröffnung wurde ein Gedicht des makedonischen Modernisten Konstantin Miladinow zu Klavierbegleitung vorgetragen. Der junge Dichter Sar-Sarusch erhielt den Struga-Brücken-Preis der Unesco für das weltbeste Poesiedebüt (wie das ausgewählt wird, wird in dem Artikel aber nicht erwähnt). Mark Shobolev erhielt den Preis für makedonische Diasporalyrik. / Southeast Europe Times 31.8.
Es kam einer Erweckung gleich, als Jonathan Meese nach einer Stunde Durs Grünbeinschen Gedichtvortrages am Sonnabendnachmittag den Gründerzeitsaal des Naumburghauses enterte. Denn sofort war klar, dass mit dem Auftauchen dieses jungdeutschen „Erz“-Künstlers eine neue Veranstaltung in der von Vers zu Vers immer mehr ins Gediegene abschnurrenden Nachmittagsteelesung beginnen würde. Mit einem aus Verlegenheit etwas zu lautstarken „Hey!“ auf den Lippen, fiel der 39-jährige Meese mit der Tür in den Saal – und damit unter die Nietzscheaner, die in Naumburg einen Kongress abfeierten unter dem Titel „Nietzsche-Macht-Größe“.
Das beherzte „Hey!“ galt Durs Grünbein, der den Gruß – man sah es – mit dankbarster Herzlichkeit aufsog. Der Nietzsche-Preisträger des Jahres 2004 hatte den Nietzscheanern Gedichte aus zehn Jahren vorzutragen – gern im Bezug auf Philosophen wie Descartes oder Wittgenstein. Grünbein gab den Vorsänger zum Hauptereignis des Nachmittages: einer Podiumsdiskussion zum Thema „Philosophie, die jüngere Schwester der Poesie“. …
Meese spricht nicht, er feuert Silben wie Salven. Ein paar Sätze zu Nietzsche habe er sich am Morgen notiert. Die ruft er in den Saal – im Stakkato. Was Nietzsche, laut Meese, nicht ist: Kein heiliger Gral! Keine Religion! Kein Pathos! Keine Humanität! Keine Individualität! Keine Staatskultur! Keine Demokratie! Stattdessen: der „totale Metabolismus“, der selbstverständliche Stoffwechsel also zwischen Mensch und Mitwelt. Was Nietzsche, laut Meese, ist: der heillose Gral! Das totale Spiel! Der totale Kampf! Das totale Baby! Die totale Lebensnotwendigkeit! Denn: „Nietzsche ist total lieb. Nietzsche ist totale Kunst!“ / Christian Eger, Mitteldeutsche Zeitung 1.9.
Meese in L&Poe:
2008 Apr #78. Sammlung Jürgen Serke
2008 Dez #18. ANTIMEESE
2008 Dez #92. Dichtet zurück
Die Konservativen sind glaubensstarke Kulturkr(ieger)itiker. Alles im Verfall: Regietheater, Windräder, drohende Soziherrschaft im Thüringer und Saarland (und morgen, o Graus, gleich in D-Land). Und: Brüste und Ärsche in den Städten. In der Welt erklärt Jacques Schuster, „Warum die öffentliche Fleischbeschau nervt“:
Hochsommer in deutschen Städten. Das heißt: Grillfleisch in allen Parks, aber ohne Kohlen. Selbst auf breiten Mittelstreifen liegen die Nackten herum und brutzeln in der Sonne. Muss das sein? Offensichtlich schon. Die Deutschen haben die Diktatur der Fleischbeschau errichtet, und jeder hat sich ihr zu unterwerfen.
Selbstredend wird die Kritik an Brüsten und Ärschen mit ebensolchen garniert. 116 Kommentare seit gestern abend, wieviel 1000 Klicks? Die nerven gleich doppelt: wenn sie reden und wenn sie tun. – Ich mag Oskar Lafontaine nicht besonders, aber: als Kohl 1998 im Wahlkampf vor 5000 Pommern sprach, gabs Würstchen und Blasmusik, bei Lafontaine warn viel weniger Leute da und es gab keine Würstel, aber die Musik war auszuhalten. Und wenn Lafontaine jetzt diese miefige Gesellschaft ein bißchen aufstört, werd ich ihn nicht gleich wählen, aber ihm danken!
(original Die Welt, nur die Links hab ich entfernt)
Viele Lyrikleser – Schreiber sowieso – sind Wortsammler. Ein schönes liegt heute im Briefkasten. Nämlich seit Jahren bekomme ich täglich ein Wort von dem Onlinewörterbuch yourdictionary.com, heute dies:
Widdershins (withershins) (adverb)
Pronunciation: [‚wid-êr-shinz]
Definition: Moving in a direction opposite the usual; moving counterclockwise or in the contrary direction (of the sun, especially).
Usage: Today’s word is basically an adverb but may be used as an adjective without the final [s]. As a predicate adjective, however, the [s] is usually left on. D. H. Lawrence wrote in ‚Plumed Serpent‘ (1926) „She made up her mind, to be alone, and to cut herself off from all the mechanical widdershin contacts. He, too, was widdershins, unwinding the sensations of disintegration and anti-life.“
Suggested Usage: Today’s word is another wonderword from the land of kilts and bagpipes that we should all fight to keep alive: „Gerard does everything widdershins; he will either turn out a grandiose success or an abrupt failure.“ Niches for this word abound in everyday conversations: „Remember, the prophets agree that you get nowhere walking widdershins up the escalator.“
Etymology: Middle Low German weddersinnes based on wider „back,“ whence German wider „against“ and wieder „again.“ The English adverb wither „wrong, perverse“ is rarely used any more. The „shins“ is from earlier „sinnes“ and is related to Latin sentire „sense, feel“ since both go back to an original root *sent- „go in or choose a direction.“ We borrowed „sense“ from the noun of this verb. The same root also turns up in English send „to cause someone to go in a direction.“
–Dr. Language, YourDictionary.com
Es steht in Rudyard Kiplings Gedicht „Cruisers“ (kostenloses eBuch von 800 Seiten bei poemhunter.com):
As maidens awaiting the bride to come forth
Make play with light jestings and wit of no worth,
So, widdershins circling the bride-bed of death,
Each fleereth her neighbour and signeth and saith: —
„What see ye? Their signals, or levin afar?
„What hear ye? God’s thunder, or guns of our war?
„What mark ye? Their smoke, or the cloud-rack outblown?
„What chase ye? Their lights, or the Daystar low down?“
… und häufig bei Aleister Crowley. Anweisung an einen Magier, Encantations Liber V:
23. Perform the spiral dance, moving deosil and whirling
widdershins.
Each time on passing the West extend the wand to the
Quarter in question, and bow:
a. „Before me the powers of LA!“ (AL, to West.)
b. „Behind me the powers of AL!“ (LA, to East.)
c. „On my right hand the powers of LA!“ (AL, to North.)
d. „On my left hand the powers of AL!“ (LA, to South.)
e. „Above me the powers of ShT!“ (tS, leaping in the air.)
f. „Beneath me the powers of ShT!“ (tS, striking the ground.)
g. „Within me the Powers!“ (in the attitude of Phthah erect, the
feet together, the hands clasped upon the vertical wand.)
h. „About me flames my Father’s face, the Star of Force and
Fire.“
i. „And in the Column stands His six-rayed Splendour!“
(This dance may be omitted, and the whole utterance chanted in
the attitude of Phthah.)
In dem – wohl fälschlich Crowley zugeschriebenen – Hexerwörterbuch steht:
Widdershins: Counterclockwise motion used in some magickal workings or ceremonies.
(deosil ist die andere Richtung, also im Uhrzeigersinn)
– Schön auch der Zusammenhang von Sinn und senden. Die Bienen sind aus (imbi ist hucze)? „Ic dir nach sihe – Ic dir nach sendi“. Sendung geht nur, wenn man die Richtung kennt. „Sinn“ ja dann wohl auch. Im Widdershin ist der Widersinn drin. Lesen Sie bei Ledebur weiter, winning his way / seine Richtung finden.)
Die zitierten Althochdeutschen Texte: Lorscher Bienensegen – Weingartner Reisesegen.
I’ve built many wren houses since my wife and I moved to the country 25 years ago. It’s a good thing to do in the winter. At one point I had so many extra that in the spring I set up at a local farmers’ market and sold them for five dollars apiece. I say all this to assert that I am an authority at listening to the so small voices that Thomas R. Smith captures in this poem. Smith lives in Wisconsin.
Baby Wrens’ Voices
I am a student of wrens.
When the mother bird returns
to her brood, beak squirming
with winged breakfast, a shrill
clamor rises like jingling
from tiny, high-pitched bells.
Who’d have guessed such a small
house contained so many voices?
The sound they make is the pure sound
of life’s hunger. Who hangs our house
in the world’s branches, and listens
when we sing from our hunger?
Because I love best those songs
that shake the house of the singer,
I am a student of wrens.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2005 by Thomas R. Smith, whose most recent book of poetry is Waking Before Dawn, Red Dragonfly Press, 2007. Poem reprinted from the chapbook Kinnickinnic, Parallel Press, 2008, by permission of Thomas R. Smith and the publisher. The poem first appeared in There is No Other Way to Speak, the 2005 “winter book” of the Minnesota Center for Book Arts, ed., Bill Holm. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Schon das erste Autorenporträt – das des Weltenwanderers Raoul Schrott – war ein köstlicher Bubenstreich! Die «Internationale Nacht der Poesie – Lyrik.9», eine Veranstaltung von Bayern2 und moderiert von Lydia Daher und Kark Bruckmaier war dafür ein Kaleidoskop aus (teils für dieses Format sperriger) Literatur, Musik und Spoken Word Poetry. Den Verleger-Schriftsteller Michael Krüger mit seiner feinsinnigen Naturlyrik, die sarkastisch-reflektierte Lyrikerin Ulla Hahn, den Nürnberger Mundart-Akrobaten Fitzgerald Kusz, den Dadaisten Valerie Scherstjanoi, die Bulgarische Wortsucherin Tzveta Sofronieva und die Musiker Dan Reeder und Ernst Schultz («Ihre Kinder») in ein sendefähiges Format und einen unterhaltsamen Abend zu bringen verlangt(e) dem Moderatoren-Duo akrobatische Fähigkeiten ab – und den TV-Aufnahmeteams hohe Chauffeur-Fähigkeiten in einem zum Studio umgeschminkten Redoutensaal. Wie hatte Karl Bruckmaier vorgewarnt: «Wir bewegen uns zwischen Lyrik und Lyrics» – er
sollte recht behalten. Erstaunlich der Auftritt des Spoken-Word-Trios Word Alert, das mit seinem «Slam» die Nähe zu literarischer Klasse findet. Und Fitzgerald Kusz? Sein lakonischer Humor wehte wie eine frische Brise durch den Saal. / Erlanger Nachrichten
Hochgebildet, hochbegabt, erfolgreich, in unzähligen seltenen Sprachen und Kulturen dieser Welt zuhause – und trotzdem so geblieben wie der nette Mann von nebenan – so präsentierte sich Raoul Schrott beim ersten Autorenporträt des diesjährigen Poetenfests am Freitagabend. Leger und in Jeans zog er im Markgrafentheater seine Zuhörer und Leser in den Bann.
Gewitzte Antworten auf die launigen Einstiegsfragen von Alf Mentzer gleich zu Beginn sorgten für ein ideales Entrée. Ob Raoul Schrott nun wirklich auf einem Schiff vor der brasilianischen Küste geboren ist oder sein Geburtsort Klagenfurt unzweifelhaft ist, ob er nur unter Pseudonym schreibt oder wirklich Raoul Schrott heißt – darauf gab der bekennende Atheist allerdings keine abschließenden Antworten.
Aber das musste er auch nicht – und wirkte trotzdem keine Spur von arrogant. Ganz im Gegenteil. Bescheiden meinte der Poet, Lyriker und Übersetzer: «Ich hoffe, dass ich mal ein guter Dichter werde» …
Prosa ist harte Arbeit – ganz anders als die Lyrik: «Gedichte sind Augenblicke reinen Glücks beim Schreiben», so Schrott, «Gedichte stoßen einem zu, sie sind geistige Teilchenbeschleuniger.» Mit dem Schreiben von Gedichten könne man jedoch kein Geld verdienen, diesen Part müsse also die Prosa übernehmen . . . / Stephanie Rupp, Nürnberger Zeitung 31.8.
Er habe bei einem Interview einmal einen abenteuerlichen Lebenslauf erfunden, der sich dann verselbständigt habe. Tatsächlich ist der gebürtige Tiroler (Jahrgang 1964) in Tunis aufgewachsen und sein Name ist auch kein Pseudonym. / Nürnberger Nachrichten
Im Gewusel des neuen Lyrik-Booms, in dem derzeit viele mediokre Geister auf das Katapult der Talentförderung gelangen wollen, ist Kerstin Preiwuß eine Ausnahmegestalt. Während sich viele Junglyriker in griesgrämiger Erfahrungsarmut einrichten, tastet sich Preiwuß in sinnlichem Kontakt mit den Mythen und Landschaften ihrer Kindheit von einer eigenständigen poetischen Tonsetzung vor zu einer poetischen Stimme, die uns lange begleiten wird. / Michael Braun, Freitag 20.8.
Die Arabische Welt bildet dieses Jahr den Schwerpunkt des vom 9. bis 20. September dauernden 9. Internationalen Literaturfestivals Berlin. Die Literatur der arabischen Länder werde außerhalb ihrer Herkunftsländer kaum verlegt und gelesen, sagte Festivalleiter Ulrich Schreiber am Mittwoch, weshalb man einen „Markstein in der literarischen Kommunikation mit der arabischen Welt“ setzen wolle.
So kommen auch Dichter und Prosa-Autoren nach Berlin, die noch nicht übersetzt wurden. Insgesamt stellen mehr als 200 Schriftsteller aus allen Kontinenten ihre Werke vor, darunter Autoren aus Indien, Ungarn, Pakistan, Großbritannien, Frankreich, Irland und Deutschland. / Tagesspiegel 27.8.
[Ist das so? Hat Herr Schreiber wirklich bei den kleineren Verlagen in Deutschland oder der Schweiz nachgesehen, die sich um arabische Literatur bemühen? Weiß er, was in Frankreich gedruckt oder gelesen wird?]
Das Büchlein versammelt 22 jüngere portugiesischsprachige Lyrikerinnen und Lyriker aus drei Kontinenten: Afrika mit den Ländern Angola, Guinea-Bissau, Moçambique und São Tomé e Príncipe, Lateinamerika mit Brasilien sowie Europa mit der spanischen Region Galicien und Portugal. Der Herausgeber und Übersetzer Michael Kegler stellt überwiegend neuere und hierzulande unbekannte Namen vor, die in den fünfziger bis siebziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts geboren sind. Darunter befinden sich die Poetin und Literaturwissenschafterin Ana Paula Taveres oder Ondjaki aus Angola, von dem ein Roman in deutscher Übersetzung vorliegt, Ivo Machado, José Antonio Gonçalves, der 2005 mit 50 Jahren schon starb, und Ana Luísa Amaral aus Portugal sowie Conceição Lima aus São Tomé e Príncipe. Von keinem einzigen dieser Autoren liegt bis heute ein eigener Lyrikband in deutscher Übersetzung vor. Das weist in der hiesigen Rezeption auf eine Lücke hin, die es allmählich zu schliessen gilt. Ein schöner Anfang ist nun gelungen, bei dem sich viele Neuentdeckungen machen lassen. / NZZ
Hotel Ver Mar. Gedichte aus Angola, Brasilien, Galicien, Guinea-Bissau, Mosambik, Portugal und São Tomé e Príncipe. Hrsg. und aus dem Portugiesischen übersetzt von Michael Kegler. TFM-Verlag, Frankfurt a. M. 2009. 103 S., Fr. 21.–.
Lusophonie in L&Poe:
2002 Apr # Der Tagesspiegel interviewt
2008 Mai #97. Die vererbte Sehnsucht – Saudade in Afrika
2008 Jul #61. 9. poesiefestival berlin erfolgreich beendet
2009 Jun #15. Preis für Armenio Vieira
Ian McMillan, John Mole und Peter Sansom schreiben Rezepte in Versen – Proben im Guardian vom 28.8.
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