Tom de Toys fragt: „WER BRAUCHT EINEN HÖRBUCHVERLAG ???
YOUTUBE GEHT SCHNELLER ALS 100 JAHRE :-)))“…
und liest auf Youtube ein Gedicht von Peter Rech:
STUDIO-VERSION DES POEMS „P“ @ G&GN-Institut BERLIN-Neukölln, 1.10.2009 // Der emeritierte Kölner Kunsttherapie-Professor und Nahbell-Preisträger PETER RECH ist nicht nur Bildender Künstler sondern schreibt auch Gedichte. Seine „dissoziative“ Methode erinnert an das sogenannte automatische Schreiben der Surrealisten: Wortkaskaden reihen sich manchmal scheinbar unzusammenhängend aneinander, spontane Kurzsätze verknüpfen weit auseinander liegende Stakkato-Gedanken miteinander zu einem unheimlichen emotionalen Unterstrom, der teilweise extremkatholisch, dann wieder totaldadaistisch wirkt… Fantasie, Selbstironie, Sehnsucht und Sinnsabotage geben sich die Klinke in die Hand – hinzu kommen ungewöhnliche cut-up-ähnliche Zeilenumbrüche, die seine Lyrik fast unaussprechbar machen, wenn man jede mögliche Bedeutungskombination berücksichtigen wollte. Trotzdem wagt Tom de Toys einen Versuch, DAS BRANDNEUE POEM „P“ einzusprechen! Der Film dazu entstand mittags beim Probelauf am Spreekanal, der Originalton hatte aber noch zu viele Schwachstellen unausgegorener Nuancen… Für die endgültige Studio-Aufzeichnung am selben Abend (1.10.2009) wurde der Clip während des Einsprechens vom Computermonitor abgefilmt! // (C)AMERA & STIMME: Tom de Toys; TEXT: Peter Rech (September 2009) @ http://www.NAHBELLPREIS.de ~ ~ ~ „P“…UBLISHED AS http://www.LYRIKMAIL.de Nr.2066 (12.10.09): Peter Rech „P“ = Rechts ein Eichhörnchen / Das gar keins ist die / Schlangen in den Straßen deuten / Auf das Erscheinen einer kleinen / Jungfrau hin mein Platz / Ist oberhalb des heiligen Geist / Schachtes weshalb niemand / Merkt dass die Jungfrau / Auf meinem Schoß schon sitzt / Ich bin ein Klappaltar / Ich habe drei Kugeln links / Und das ganze Spritzgebäck / Rechts und ich schlafe an ihrer Brust ein / Eine kleine Wimper liest / Den Blumentext der in / Den Mond geschrieben ist / Es war also schon immer Gott gewollt / Man entdeckt nur wenn man / Schreibt dass jedes Wort etwas verbirgt / Und dass es deshalb existiert / Damit nichts rauskommt von dem / Walten was meint ein Wort wenn / Es nicht nach einer Lüge klingt / Dem Gesetz nach es klingt nach / Dem es verboten worden ist / Das verbotene Gesetz / / Ich habe mich so vertan / Als ich hingegangen war / Ich wartete auf die drei / Prostituierten stattdessen / Sah ich leere Treppenstufen / Auf denen Luftschlangen lagen / Erdbeer-Eichhörnchen / Und Himbeer-Larven / Mit ganz langen Sicheln / Auf den Flügeln die einmal / Wachsen sollten / So dominant wiederholt / Sich die Wiederholung / So alt ist schon die schöne Sonne / Ich lief ihr hinter her / Es war eine Überraschung / Wie schön ihr Schoß war / Wie Atem beraubend einfach / Orientierungslos ausgesetzt / Es soll schon so schön düster geworden sein / Das nicht aufhörende Ansinnen / Des Nachsinnens des kleinen el / Bischen Rumpelstielzchens // (c) Peter Rech in Lyrikmail Nr.2066 (12.10.09): http://www.lyrikpost.de/blog/category…
Gelesen und erläutert werden Werke der französischen Lyrik und deren deutsche Übertragungen. Auf dem Programm steht diesmal unter anderem Rainer Maria Rilke (1875-1926) und seine „Quatrains Valaisons“ (Waliser Vierzeiler).
(Ankündigung einer Veranstaltung in Baden-Baden im Gartenhaus der Stadtbibliothek, Dienstag, 27. Oktober, 19.30 Uhr)
Übrigens muß es wohl „Walliser“ heißen – andere Gegend also.
Theo Breuer schreibt im Poetenladen über Literaturpreise im Allgemeinen und den Deutschen Buchpreis speziell, über große und kleine Verlage und natürlich über seine (exzessive) Lektüre, über Prosa und Lyrik, inclusive einer Zusammenstellung klassischer und aktueller Romananfänge und seiner Liste „Prosa 2009 • My long or short list – whatever“. – Kleine Warnung für Leute, die nur querlesen: das selbstkritische Zitat von Kathrin Schmidt bezieht sich nicht auf den gerade preisgekrönten Roman „Du stirbst nicht“, sondern auf einen früheren. Es stammt aus einem vor einigen Wochen im Poetenladen veröffentlichten Interview und lautet:
Aus meiner heutigen Sicht hätte dieser Roman gar nicht veröffentlicht werden müssen. Ich finde, dass er klappert und dass er schwach ist. Ich stehe trotzdem dazu, weil ich mich an ihm aus dem Sumpf der Sprachlosigkeit gezogen habe. Ich war zu diesem Zeitpunkt aber noch sehr zerrissen und unentschieden über meinen Schreibstil. Deswegen ist es auch so ein komisches Konglomerat.
Zwei Auszüge aus Breuers Text:
Daß die nach 2000 erschienenen Lyrikbücher innovativer, reizvoller, vielschichtiger sein sollen als die Romane und Erzählungen im 21. Jahrhundert, wie hier und dort vermeldet wird, kann ich nicht erkennen: Ich nehme die beiden literarischen Abteilungen in diesen Zeiten der kleinen Verschiebungen (Ernst Jandl) wahr als auf einem erhöhten Plateau gelegene weite Felder mit bemerkenswerter Bandbreite und dranghafter Dichte und sehr wenigen herausragenden Figuren bzw. Werken, wie es sie im neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert in erstaunlicher Menge gab.
(…)
Probleme des Feuilletons sind unmittelbar verzahnt mit denen der Preise, wie Hans Magnus Enzensberger in dem in Scharmützel und Scholien. Über Literatur abgedruckten, 1999 verfaßten Aufsatz Eine unverbindliche Preisempfehlung nachweist (ebenso wie Probleme der schieren Menge der jährlichen Preise und Publikationen): Für irgendwelche Bücher müssen sich die Redakteure der Zeitungen und Magazine schließlich entscheiden, und wie um Gottes willen sollen sie aus dem gewaltigen Bücherberg ausgerechnet die gelungensten und originellsten herausfischen – zumal die Ansichten, über das, was gute Literatur sei, immer schon heftig auseinandergegangen sind. Daß dabei grundsätzlich Bücher aus großen bzw. im gesamten deutschen Sprachraum bekannten Verlagen bevorzugt werden, ist aus Sicht der Redakteure und Kritiker nachvollziehbar, verzerrt andererseits den Blick auf den LiteratUrwald, in dem so viele und so verschiedenartig gefiederte große, kleine und winzige Verlagsparadiesvögel nisten. Ich flaniere gern durch diese verzweigte Welt.
Von Volker Sielaff
(Aus dem Vorwort des von ihm herausgebenen Bandes „Der Humor der Wolken – Moderne Poesie aus Taiwan“)
Der Herausgeber schreibt dazu:
im Auftrag der TAIPEH BOOK FAIR FOUNDATION habe ich die Lyrikanthologie „Der Humor der Wolken – Moderne Poesie aus Taiwan“ herausgegeben. Wie der Untertitel schon sagt, soll das Büchlein – vor allem den deutschen Leser – mit der Poesie Taiwans bekanntmachen. Die meisten Übersetzungen fertigten Sinologen an, einige Gedichte habe ich, mit Hilfe von Tang Wei … selbst nachgedichtet.
Die Sammlung wurde für den Auftritt Taiwans auf der Frankfurter Buchmesse zusammengestellt, aber Tang Wei aus Taipeh und ich werden das Buch auch in Dresden vorstellen: am 21. Oktober, 19 Uhr im Stadtmuseum, Wilsdruffer Straße 2 und auf Einladung der Zeitschrift „Ostragehege“ (die zudem an diesem Abend ihr 15jähriges Bestehen feiern wird).
Alles begann mit einem Gedicht. Oder sollte ich besser sagen: einem Geschenk? Denn das Gedicht wurde mir von Wei Tang überreicht, nachdem ich, als Gast einer internationalen Übersetzer-Werkstatt, aus meinem Buch „Postkarte für Nofretete“ vorgelesen hatte. Für sie, die bereits mehr als 30 Bücher aus dem Deutschen ins Chinesische übersetzt hatte, stellte jenes Gedicht den ersten Versuch einer Übertragung aus dem Chinesischen in die für sie gar nicht mehr so fremde deutsche Sprache dar. Der Titel des Gedichtes gefiel mir. Es ging eine fast sommerliche Ruhe von ihm aus: „Glück nur zwischen einer Kanne Apfeltee-Zeit“.
Mir sagte besonders das Wort „Apfeltee-Zeit“ zu, von dem ein gewisser Zauber auszugehen schien. Die „Apfeltee-Zeit“, das mußten wohl jene kostbaren Minuten oder Stunden sein, in denen wir, auch nach der Vertreibung Adams und Evas aus dem Paradies, „auf den Kissen die die Zeit anhalten“ einfach glücklich sind. Ich las das Gedicht, während mein Zug schon ins Elbtal einfuhr. Zur Linken waren durch das Zugfenster die ersten Weinberge zu sehen. Ich las und korrigierte eine Zeile und noch eine, ersetzte ein Wort durch ein anderes, das mir treffender erschien. Doch dann machte ich einen fatalen Fehler. Ich glaubte, mich von meinem Lieblingswort trennen zu können, weil mir schien, daß es dem Gedicht nichts hinzufügte, was dieses nicht ohnehin schon in sich trug. Ich schickte meine bearbeitete Fassung nach Taipeh, zu Wei Tang. Die las sie, fand sie schön, legte aber umgehend Einspruch ein: das Wort „Apfeltee-Zeit“ könne man unter keinen Umständen durch das Wort „Apfeltee“ ersetzen. Ich verstand ihren Einwand und nahm mir das betreffende Gedicht noch einmal vor. Jetzt stand da wieder „Apfeltee-Zeit“, und nur in der letzten Zeile liess ich „Apfeltee“ stehen, weil ich den Schluss in dieser Form intensiver und stärker fand.
In der darauffolgenden Zeit schickte mir Wei Tang weitere Übersetzungen chinesischsprachiger Gedichte. Eine kleine Auswahl daraus findet sich in diesem Buch, andere sind bereits in der Literatur- und Kunstzeitschrift „Ostragehege“ erschienen.
Als Wei Tang und ich uns zwei Jahre später in Berlin wiedersahen, zeigte sie mir „Pink Noise“, das transparente Buch der Dichterin Hsia Yü. „Wie ein Eisblock im Aquarium“, sagte Wei. Die Seiten dieses 2007 erschienenen Werkes sind aus durchsichtigem Kunststoff, die Texte in chinesischer und englischer Version überlagern einander. Man muß, will man die Gedichte dieses Bandes lesen, ein weißes Blatt dazwischenschieben. Mir scheint das weiße Blatt eine schöne Metapher für die Übersetzung von Poesie und für das Dichten im allgemeinen zu sein. Beginnt doch damit jeder geschriebene Text. Mit dem weißen Blatt, das unsere Gedanken und Bilder aufnimmt. Als Ideogramme, wo ein Zeichen für einen Begriff steht, wie im Chinesischen. Oder als Buchstaben, wo ein Zeichen für einen Laut steht, wie im Deutschen. (…)
Ich bin beim Übersetzen auf Interlinearversionen angewiesen. Auf der anderen Seite gibt mir das die Freiheit, mich in das Gedicht einzufühlen und einzulesen. Was ist eine Übersetzung? Wie viel oder wie wenig hat sie noch mit dem Original zu tun? Es geht, soviel ist sicher, immer um Annäherung. Man kommt, als Übersetzer bzw. Nachdichter dem Original mehr oder weniger nahe. Man erreicht es nie. Vielleicht handelt mein Gedicht „Nähe des Falters“ auch vom Übersetzen, von der Schwebe zwischen den Dingen und den Worten:
„Du hast sie noch nicht erreicht.
Schon bist du einmal getroffen
Vom letzten Flügelschlag.“
Dank Internet und E-Mail wechselten die verschiedenen Fassungen schnell zwischen Wei Tang und mir hin und her. Doch unversehens fanden wir uns darin (Verszeile für Verszeile, während zwar nicht der Apfeltee, doch aber der Grüne Tee auf dem Tisch im Garten des Literaturhauses in der Fasanenstraße dampfte), Entsprechungen in der deutschen Sprache zu suchen. Entsprechungen in Wörtern, Strukturen, Rhytmen. Vielleicht sind das ganz neue Gedichte geworden, Adaptionen ihrer Originale? Vielleicht kommen sie ihren Originalen und dem, was die taiwanesischen Dichter ausdrücken wollten, nahe. Wichtig ist: ein Austausch findet statt. Die Poesie ist in Bewegung.
„Beim Schälen der Birne um Mitternacht“ ist der Titel eines Gedichtes von Luo Fu, des „primus inter pares“ der modernen taiwanesischen Poesie, das wir in Berlin zusammen übersetzten. Andere Gedichte, etwa „Mond im Fluss“ von Zhou Mengdie, der wie viele junge Poeten erst 1947 als Studentensoldat vom Festland nach Taiwan übersiedelte und dort der einflussreichen Lyrikergruppe „Blauer Stern“ beitrat, wurden von Martin Winter übersetzt. Zhou Mengdies Poesie ist stark von der klassischen chinesischen Philosophie und dem Buddhismus beeinflusst, es wird kein Zufall sein, daß der Mond in seinem Gedicht sich ausgerechnet im Ganges spiegelt. Ich denke, dieser Dichter hat eine tiefe Beziehung zum Fliessenden, zum Wasser und zur Fähre, die sich, ein „dreieckiger Traum“, darauf bewegt. Das Fliessen ereignet sich im Verborgenen, wird kaum bemerkt. Auch das Blut fliesst in uns, aber wir merken es kaum. (…)
Den 1928 geborenen Luo Fu kann man als eine Art Vorläufer der sogenannten „obskuren Lyriker“ Taiwans begreifen. Ich habe von ihm zwei Zeilen gelesen,
die man auch poetologisch verstehen kann: „Trinken und Dichten / Geschehen meist ganz spontan“. Wahrscheinlich ist es nicht ganz so einfach, denn gerade Luo Fu`s Gedichte sind sehr genau gearbeitet, voller Anspielungen und Zeichen. Aber für den Dichter ist Spontanität wichtig, die erste Assoziation, die erste Zeile oder der erste Strich, wie bei Cy Twombly.
Interessant finde ich die engen Verbindungen mancher taiwanesischen Lyriker zur westlichen Literatur. Nicht wenige von ihnen haben in den USA studiert und an dortigen Universitäten Lehraufträge angenommen. Das ist etwa der Fall bei Zheng Chouyu, einem „Modernisten“, dessen lakonischen Ton man aus der westlichen Dichtung zu kennen glaubt.
Luo Fu
Beim Schälen der Birne um Mitternacht
Frierend und durstig
sehe ich mit ruhigem Blick
auf dem Teetisch um Mitternacht
eine koreanische Birne.
Eine meine Hände
schön kühlende
bronzegelb schimmernde
Birne,
die nach dem Schnitt
in ihrer Brust
einen tiefen, tiefen Brunnen
sichtbar werden läßt.
Schockiert
nehme ich
ein Stück der rohen Birne
zwischen Daumen und Zeigefinger.
Unschuldiges Weiß.
Das Messer fällt zu Boden,
ich beuge mich, es aufzuheben.
Ach! Überall dort
meine bronzegelbe Haut.
… ist für ihre skurrilen Auftritte bekannt. Doch nur die wenigsten wissen von ihrer Liebe zu Rilke. Eines seiner Zitate hat sich die Sängerin tätowieren lassen. Welches und wo? lesen Sie die Süddeutsche.
In der Dorfsprache ihrer Herkunft, schreibt Herta Müller in ihren Essays, «lagen die Worte direkt auf den Dingen, die sie bezeichneten. Die Dinge hiessen genau wie sie waren, und sie waren genau wie sie hiessen. Ein für immer geschlossenes Einverständnis.» Die dörfliche Dinglichkeit ihrer deutschen Muttersprache hat die 1953 in einem banatschwäbischen Dorf in Rumänien geborene Schriftstellerin immer beibehalten. Doch das unerbittliche Einverständnis zwischen Worten und Dingen, das in ihrem Fall hiess: Komplott mit der Sprache der Diktatur, hat diese Wortkünstlerin radikal aufgekündigt. Herta Müller hat diese Revolte in einem poetischen Kosmos beglaubigt, der im deutschen Sprachraum seinesgleichen sucht. / Andrea Köhler, NZZ 8.10.
Anne Bennent liebt die Poesie. Nicht die im stillen Kämmerchen, umgeben von weihevoller Stille, sondern eine Poesie, die wild geritten, ausposaunt und körperlich erlitten werden will. Zum Beispiel Gedichte von Baudelaire, Apollinaire, Bachmann und immer wieder Becketts letztes, nach Sinn suchendes, kongenial stammelndes Lautgedicht, das so heißt wie der Titel des Abends und kehlkopfzerfetzende Zeilen wie diese enthält: „Folie que d“y vouloir croire entrevoir quoi“. / SZ 13.10.
Zum 17. Mal findet am 14. und 15. November 2009 der Nachwuchs-Literaturwettbewerb open mike der Literaturwerkstatt Berlin statt. Für den taz-Preis der Publikumsjury werden noch Jury-Mitlgieder gesucht.
Die taz ist nach 2007 und 2008 auch in diesem Jahr wieder dabei und verleiht zum dritten Mal den taz-Preis der Publikumsjury. Die taz-Publikumspreis-Jury besteht aus fünf Personen, eine davon können Sie sein. Bitte senden Sie ein kurzes Schreiben an openmike@taz.de: Was interessiert Sie an junger deutschsprachiger Literatur? Sie bringen Zeit mit, am 15. und 16. November in der Wabe in Berlin den Vorträgen der WettbewerbsteilnehmerInnen zuzuhören und verleihen im Anschluss an die Vorträge den Preis.
taz-Literatur-Redakteur Dirk Knipphals steht der Jury betreuend zur Seite.
Der taz-Publikumspreis wird im Anschluss an die Vorträge am 15. November verliehen und beinhaltet den Abdruck eines Auszugs aus dem Gewinnertext in der taz. Am 14. und 15. November 2009 lesen die maximal 22 nominierten Autoren jeweils 15 Minuten aus ihren Texten vor. Eingereicht wurde kurze Prosa, ein Auszug aus einem Großtext oder Lyrik.
Teilnehmen können deutschsprachige Autorinnen und Autoren, die nicht älter als 35 Jahre sind und noch keine eigene Buchpublikation vorzuweisen haben. Die Vorauswahl unter allen eingereichten Texten traf eine Lekoren-Jury. Die Namen der für den Endausscheid zugelassenen Autorinnen und Autoren können unter http://www.literaturwerkstatt.org eingesehen werden.
17. open mike, 14. November ab 14 Uhr und 15. November 2009 ab 12 Uhr, Ort WABE, Danziger Str. 101, 10405 Berlin Weitere Informationen zum open mike finden Sie unter http://www.literaturwerkstatt.org.
Ihre Bewerbung senden Sie bitte bis 30. Oktober 2009 an openmike@taz.de oder per Post an taz-Werbung, Stichwort „open mike“, Rudi-Dutschke-Str. 23, 10969 Berlin.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
Though some teacher may have made you think that all poetry is deadly serious, chock full of coded meanings and obscure symbols, poems, like other works of art, can be delightfully playful. Here Bruce Guernsey, who divides his time between Illinois and Maine, plays with a common yam.
Yam
The potato that ate all its carrots,
can see in the dark like a mole,
its eyes the scars
from centuries of shovels, tines.
May spelled backwards
because it hates the light,
pawing its way, paddling along,
there in the catacombs.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2008 by Bruce Guernsey. Reprinted from New England Primer by Bruce Guernsey, Cherry Grove Collections, 2008, by permission of Bruce Guernsey and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Am kommenden Mittwoch findet Teil zwei der fünfteiligen Reihe zur jungen deutschsprachigen Lyrik statt. Wie bereits am ersten Abend Ende August werden sich an die Lesungen der Gäste Gespräche und Publikumsdiskussion anschließen. Wir würden uns freuen, wenn auch Sie dabei sind und mitreden, wenn wir die große Bandbreite poetischer Positionen der Jetztzeit ausloten und Christian Röse sowie André Rudolph nach ihrem Werk befragen. André Rudolph, der Kennern der Lyrikszene bestens durch zahlreiche Veröffentlichungen und Preise vertraut ist, ist von beiden Gästen sicherlich der bekanntere Name. Doch auch Christian Röses rätselhafte wie lakonische Lyrik fasziniert und wirft unmittelbar die Frage nach seinen Quellen und poetischen Impulsgebern auf.
Herzliche Grüße
Ihr Lettrétage-Team
Das ganze Programm wie immer unter www.lettretage.de, seit heute auch schon mit vielen November-Terminen.
Mittwoch, 14. Oktober 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
NEUES VOM JETZT (II)
Eine Versuchsanordnung junger deutschsprachiger Gegenwartslyrik an fünf Abenden
Teil 2: André Rudolph und Christian Röse
Gastgeber: Ron Winkler und Björn Kuhligk
Im Jahr 2008 sind zwei Anthologien erschienen, die man zu Recht als Bestandsaufnahmen aktueller deutscher Lyrik der jüngeren Generation bezeichnen kann: Lyrik von JETZT zwei, herausgegeben von Björn Kuhligk und Jan Wagner (Berlin Verlag, 2008), sowie Neubuch, herausgegeben von Ron Winkler (yedermann Verlag, 2008). Die Autorinnen- und Autoren-Auswahl der beiden Bücher überschneidet sich, jedes setzt jedoch auch eigene markante Akzente.
Vor diesem Hintergrund ist in der Lettrétage die Idee einer kompakten Gesamtschau der aktuellen deutschsprachigen Lyrik jüngerer Autorinnen und Autoren an fünf Abenden entstanden, einer einmaligen Inventur, die sich aus den Quellen der genannten Anthologien speist, wobei Seitenarme, Gegenströmungen, Stromschnellen und Untiefen billigend in Kauf genommen werden. Jeweils zwei der genannten Anthologie-Herausgeber laden pro Abend zwei Lyriker/innen ein, um Neuestes aus ihrer Feder zu hören sowie um mit ihnen über Lyrik zu sprechen, poetologische Positionen zu diskutieren und auf jeweils einen besonderen Aspekt zu sprechen zu kommen.
Christian Röse, geboren 1980 in Neheim/NRW, Literaturförderpreis der Stadt Dortmund 2002. Publikationen u.a. in: Sieben Schritte Leben, Neue Lyrik aus NRW (2001); Lyrik von JETZT zwei. Schere (2006) ist seine erste Einzelveröffentlichung.
André Rudolph, geboren 1975 in Warschau/Polen. Viele Veröffentlichungen, u.a. in Sinn und Form, Edit, BELLA triste, Intendenzen; Sprache im technischen Zeitalter, Lyrik von JETZT zwei. Finalist beim 15. open mike 2007, Prosanova-Lyrikpreis 2008. Seit 2006 auch Übersetzungen von zeitgenössischer polnischer Lyrik. Gedichtband Fluglärm über den Palästen unsrer Restinnerlichkeit (2009).
NEUES VOM JETZT wird gefördert von der Stiftung Preußische Seehandlung, vom Verein Berliner Kaufleute und Industrieller e.V., vom Berlin Verlag sowie vom österreichischen Kulturforum in Berlin. Für die Unterstützung bedanken wir uns sehr herzlich!
—
Lettrétage
Methfesselstr. 23-25
10965 Berlin
U-Bahn: Platz der Luftbrücke (U6), Mehringdamm (U7)
Die Berliner Galerie Jordan Seydoux lädt zu einer dreisprachigen Performancelesung ein:
Frédérique Loutz, Catherine Hales und Ernesto Castillo werden Gedichte aus dem Buch „fedre et le vilain petit icare“ vortragen
am Dienstag 13. Oktober 2009 um 20 Uhr in der Galerie
Ein Buch mit Ikarus, Phädra und dem hässlichen Entlein als Hauptfiguren, die unter der Feder von Frédérique Loutz und Ernesto Castillo seltsame und fruchtbare innere Abenteuer erleben…
Bei der ersten Vorstellung des Buches « fedre et le vilain petit icare » im Grand Palais in Paris im Rahmen der Force de l´Art 02 schnitten sich die beiden Künstler Frédérique Loutz und Ernesto Castillo in einer Performance gegenseitig die Haare ab, und riefen so aus Fedra und Icar die fehlende Figur des hässlichen Entleins als Gemeinsames auf.
Diesmal zu dritt mit Catherine Hales zusammen werden die Künstler auf der dreisprachigen Lesung nicht nur die individuellen Schicksale der drei Hauptfiguren des Buches teilen und mitzuteilen haben, sondern das Gemeinsame des Momentes der Lesung zwischen sich suchen und aufnehmen.
Was und wie dies genau aussehen wird, werden Sie auf der Lesungsperformance am 13.10.2009 in der Galerie Jordan Seydoux um 20.00 Uhr erleben.
33 Zeichnungen von Frédérique Loutz und 11 Gedichten von Ernesto Castillo im Lithographie gedruckt und in 3 Schuber aufgeteilt
Format 33 x 33 cm, Auflage 33 Exemplar, Michael Woolworth Publication, 2009.
JORDAN SEYDOUX — Drawings & Prints
Auguststr. 22 – 10117 Berlin
T: +49 (0)30-51736506
Di-Sa, 12-18 Uhr
galerie@jordan-seydoux.com
www.jordan-seydoux.com
1954, im Alter von zwanzig Jahren, veröffentlicht Jacques Chessex sein erstes literarisches Werk, einen Gedichtband, «Le Jour proche». Schon hier ist ein brüchiger Ton zu vernehmen, eine oft bleierne Stimmung, die geprägt ist von Einsamkeit, von Mangel, Trennung und Todesnähe, eine Atmosphäre, die sich in seiner Lyrik noch öfter finden lässt. In rascher Folge wird er drei weitere Gedichtsammlungen publizieren und sich einen Namen machen als Lyriker, bevor er 1962 mit «La Tête ouverte» erstmals ein Prosawerk publiziert. …
Am vergangenen Samstag hätte Chessex in der Solothurner Galerie Artesol eine Ausstellung seiner Bilder eröffnen sollen. Dazu ist es nicht mehr gekommen. Am Tag zuvor ist er – eingeladen zu einer Veranstaltung, welche die Theaterfassung seines Romans «La Confession du Pasteur Burg» begleiten sollte – völlig unerwartet tot zusammengebrochen, in der Stadtbibliothek von Yverdon-les-Bains, inmitten von Büchern. Was nun bleibt, sind die Bücher dieses Autors, des wohl bedeutendsten, den die Romandie in den vergangenen Jahrzehnten gekannt hat. / Martin Zingg, NZZ 12.10.
Für den 1973 veröffentlichten Roman «L’Ogre» erhielt Chessex – als erster Nicht-Franzose und bisher einziger Autor aus der Schweiz – den Prix Goncourt. In Les Temps lese ich: „Er war mehr Waadtländisch als Schweizerisch“.
Die Liste der Bewunderer von Walt Whitman (1819–1892) ist lang: Franz Kafka und Thomas Mann gehören ebenso dazu wie Wladimir Majakowskij, Antonin Artaud oder Pablo Neruda. Expressionismus und Futurismus sind ohne Whitman ebenso undenkbar wie die Beat-Lyrik von Allen Ginsberg und Lawrence Ferlinghetti. „Whitman wäre begeistert gewesen von Rock and Roll, den Drogen, den beiläufigen, freundlichen sexuellen Beziehungen, für die das Geschlecht des Partners nicht wesentlich ist“, meinte der amerikanische Philosoph Richard Rorty, und der Kritiker Harold Bloom nannte „Leaves of Grass“ schlicht „the essential American book“. …
Die erste Ausgabe von 1855 enthält zwölf Gedichte, die vierte wächst bis 1892 mit 400 Gedichten zur „neuen Bibel“ Amerikas an. Diese Ausgabe ist auch Grundlage für Jürgen Brocans erste vollständige deutsche Übersetzung: 860 Seiten Gedichte samt Erläuterungen, befreit von allem hohen und auf die Dauer lähmenden Pathos. Dahingestellt sei, ob der neue Titel, „Grasblätter“, besser ist als der bisherige – „Grashalme“. Der Legende nach stand der Philosoph Ralph Waldo Emerson mit seiner Forderung nach einem Sänger von Amerikas Größe am Ursprung des Unternehmens. Der Großteil der heutigen Interpreten neigt zur Auffassung, erst Whitmans homosexuelles Coming-out habe den mittelmäßigen Zeitungsschreiber in einen „ekstatischen Chansonier“ verwandelt. In der „Zueignung“ kündigt er an: „Das Selbst sing ich, die schlichte Einzelperson: / Den modernen Menschen sing ich. / Doch spreche das Wort demokratisch, das Wort en masse.“
Im Zentrum der ausufernden, von Quäkertum, Esoterik, Natur, Technik und Kapitalismus beseelten Lobgesänge steht die „athletische Demokratie“ der Vereinigten Staaten. Tatsächlich spektakulär ist die formale Entscheidung, das Ganze in freien Versen zu gestalten: „Meiner Ansicht nach ist die Zeit gekommen, die formalen Grenzen zwischen Prosa und Lyrik im Wesentlichen niederzureißen.“ Der Gegenpol zu den säkularen Heiligenbildern mit ihren endlosen Aufzählungen und Listen ist der Dichter selbst: „Walt Whitman, ein Kosmos, der Sohn Manhattans, / Ungestüm, fleischlich, sinnlich, essend, trinkend und zeugend.“ Und weiter: „Ich, siebenunddreißig Jahre alt jetzt, bei voller Gesundheit (…) Ich bin beim Gedärm ebenso feinfühlig wie bei Kopf und Herz, / Kopulation ist für mich nicht geiler als der Tod, / Ich glaube an das Fleisch und die Begierden, / Sehen, Hören und Fühlen sind Wunder / Göttlich bin ich innen und außen.“ / Erich Klein in Falter : Buchbeilage 42/2009 vom 14.10.2009 (Seite 10)
Walt Whitman
Grasblätter
Nach der Ausgabe von 1891/92 erstmals vollständig übertragen und herausgegeben von Jürgen Brocan
September 2009 | Hanser, München
860 Seiten
EUR 41,10
Wir kennen aus der deutschen Literatur des 19. Jahrhunderts Werke, in die Gedichte eingefügt sind, den Wilhelm Meister, oder Werke, die überhaupt nur geschrieben zu sein scheinen, um Gedichte in sie einbetten zu können, wie den Heinrich von Ofterdingen oder den Maler Nolten.
Aber die „Mätresse“ geht noch einen großen Schritt weiter in der Verschmelzung von Prosa und Poesie: ihre Absicht geht dahin, aus Sprachschutt und Jargon und gehaltloser Schwätzerei, aus dem Unrat sprachlicher Lebenszerbröselung den lebensspendenden Humus der befreitesten und leuchtendsten Poesie zu erschaffen, aus den Rhythmen des Tratsches und der Gewöhnlichkeit unablässig in den warmen Glanz der romantischen Dichtung hinüberzugleiten – und zwar bruchlos und organisch – und wer das hört, der müsste das für Schwärmerei halten und glauben, ein solches Vorhaben könne nie und nimmer gelingen, aber es gelingt so mühelos, dass der Wechsel kaum spürbar ist – wie in der schönsten Sfumatura eines großen Malers weiß man nicht, wo die Prosa aufhört und die Poesie beginnt. Also: keine mehr als wohlfeile Denunziation der Trivialsprache – selbst da wo ihr Schwachsinn und ihre Peinlichkeit am schmerzhaftesten sind, sondern ihre Wiedererweckung und ihre Tauglichmachung zum Hervorbringen von Schönheiten – das ist das Programm und das ist es, was verblüffend genug dann auch in der „Mätresse“ verwirklicht worden ist. / Martin Mosebach, Laudatio auf Eckhard Henscheid anlässlich der Verleihung des Jean-Paul-Preises 2009, Süddeutsche Zeitung
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