4.+6.10.09
4.Poemie-Tour „I AM STILL NOTHING BUT (A)LIVE“ (Wien 2009)
Tom de Toys
„…wer denkt, löst auf, hebt auf, katastrophiert, demoliert, zersetzt, denn Denken ist folgerichtig die konsequente Auflösung aller Begriffe (…) das heißt, über mich selbst und über Leichen von Philosophien geh’n, über die ganze Literatur, über die ganze Wissenschaft, über die ganze Geschichte, über alles…“ (Thomas Bernhard, in: „Ansprache bei der Verleihung des Georg-Büchner-Preises“, 1970)
Literatur die leuchtet
Während des gesamten Oktobers 2009 laufen von Tom de Toys u.a. die beiden legendären Gedichte „SKANDAL“ (auf der uep-CD+DVD „Das Wort ist ein Virus in der Automatik der Städte“ vertont & verfilmt; Label: schaltkreis) und „INFLATION“ (im Kultbuch „Von Acid nach Adlon und zurück“ auszughaft hörbar und vollständig auf der DR2-Bandseite) sowie ein brandneues bis dahin unveröffentlichtes als elektronische Laufschrift in Endlosschleife vor dem Café FLEX am Donau-Ufer über die sogenannte LICHTZEILE (Konzept: Christine Böhler), die seit März 1996 besteht: zuerst am Museumsquartier, seit Herbst 1996 im Flex, seit Dezember 1998 auch im Internet. Die Lichtzeile ist eine 9m lange elektronische LED- Anzeigetafel und ein Ticker im WWW. Eine Leuchtschrift als „öffentlicher Drucker“…
Parallel dazu steht De Toys außerdem vorort live on stage im Rahmen seiner zweiten Wiener Mini-POEMiE-Tour: beginnend am 4.10. im Café ANNO, gleich im Anschluß daran am 6.10. mit zwei nicht minder berühmt-berüchtigten Wiener Kollegen in der ARENA als Exklusiv-Trio – und weitere Vorlese-Events sind noch in Planung…
TOUR-START: Sonntag, 4.10.09 @ „ALSO“
„NOTHING BUT (A)LIVE“
Tom de Toys performt und improvisiert seine Live-Lyrik…
c/o Cafe Anno, Lerchenfelderstr. 132, 1080 Wien
Beginn 20h – Eintritt frei
U6 Thaliastraße, 46 Schottenfeldgasse
Bisherige Lesungen im „ALSO“- ARCHIV
Kontakt: Andreas Plammer & Judith Purkarthofer
Dienstag, 6.10.09 @ „BEISL“ in der „ARENA“ (Saisoneröffnung)
„NiCHTS! NiEMAND! NiRGENDS! NiE!“
WARUM TEXTE HÖRBAR SIND…
Exklusive 3er-Poesie-Performance von Tom de Toys (Berlin: www.DeToys.de) mit melamar & Thomas Havlik (beide Wien)
Baumgasse 80, 1030 Wien
Entstehung der LICHTZEILE
1993, bei dem Festival „wörter brauchen keine seiten“ schrieben Elfriede Jelinek, Bodo Hell, Ferdinand Schmatz und Werner Kofler Texte für die digitale Leuchtwand am Westbahnhof.
1995 hat Literatur + Medien beim Österreichschwerpunkt der Frankfurter Buchmesse dieses einfache Konzept des „öffentlichen Druckers“ fortgeführt: im Österreichpavillon und im Hauptbahnhof Frankfurt. Im März 1996 wurde die Lichtzeile im Rahmen des Festivals „Literatur im März / word up“ am Wiener Museumsquartier installiert.
Im November 1996 ist die Lichtzeile nach acht Monaten Dauerbetrieb übersiedelt: die Leuchtschrift hängt nun im Flex, Österreichs größtem unabhängigen Jugend- und Kulturzentrum, das mit hunderten Besuchern in der Woche eine große „Leserschaft“ bietet. Auf der Außenfassade des Flex steht sie zusätzlich den Spaziergängern am Donaukanal zur Verfügung.
Seit November 1998 kann die Lichtzeile auch über das WWW beschrieben und gelesen werden. Die Internet Lichtzeile wurde im Rahmen des Pegasus Literaturwettbewerbs (veranstaltet von IBM, Die Zeit und Radio Bremen) im ZKM Karlsruhe präsentiert.
Die Lichtzeile ist 100% Linux betrieben.
In der vierten, vollständig überarbeiteten und um ein langes Nachwort ergänzten zweibändigen Auflage ist die Studie «Pfeile gegen die Sonne» erschienen, die Thomas Collmer dem 1971 im Alter von 27 Jahren verstorbenen Doors-Sänger und Dichter Jim Morrison gewidmet hat. Collmer beherrscht die Kunst des Kontexte explizierenden Essays; das bewies er bereits mit Arbeiten über Hegel, Marx, Poe, B. Traven, Ploog u. a. m. Nun legt er mit dem beinahe 1000-seitigen Textgarten das Gründlichste vor, was je über die Gedichte und Songtexte des Doors-Barden geschrieben worden ist; allein das 50-seitige «Literaturverzeichnis (inklusive Tonträger)» erweist sich als wahre Fundgrube. / NZZ 24.9.
Thomas Collmer: Pfeile gegen die Sonne / Der Dichter Jim Morrison. Maro-Verlag, Augsburg 2009. 2 Bde., illustriert. 963 S., Fr. 64.–
Jürgen Becker spricht über Leben und Schreiben in der Kölner Bucht. Es ist ein Vorwort zu seinem Lyrik-Band. Der Schriftsteller erzählt von dem Sommer, in dem er ein erstes Buch schrieb und nennt das Rheinland ein magnetisches Feld namens Heimat:
Dort, wo der Verfasser steht und hinab auf die Ebene schaut, befindet sich ein topographisch genau fixierbarer Punkt, in der Nähe eines Lokals namens „Schöne Aussicht“. Die Eigentümerin hat ihm einmal erzählt, dass oft, in den Nächten ihrer Kindheit, der westliche Horizont rot war, und wie sie, aus den Fenstern des Gehöfts, die Stadt hat brennen sehen. Damals, im Sommer 1963, schrieb ich an meinem ersten Buch, den ein Jahr darauf erschienenen „Feldern“. Darin befindet sich eine Passage, in der die auf einem Messtischblatt ermittelte topographische Position den Blickpunkt bezeichnet, von dem aus der Verfasser die Dimensionen der Kölner Bucht wahrzunehmen und sprachlich zu erfassen versucht. Es war ein erster Versuch, in einem collagehaft geschriebenen Text eine Landschaft abzubilden, die selber, aus ferner Anhöhe gesehen, die Gestalt einer Collage hat: in ihren Gegensätzen, im Nebeneinander und Ineinander von Bestandteilen, die zwischen den Ausläufern der großen Städte einen widersprüchlichen Zusammenhang bilden, alte Dorfreste und neue Ballungsräume, Ackerflächen und Betonpisten, Waldgebiete und Hochhausgruppen, Bergbauhalden, Baggerseen, Flussverläufe, Gemüseplantagen und Gewerbeflächen, Pappelreihen und Überlandleitungen, Rübenfelder und Raffinerien, Gutshöfe und Verbrauchermärkte, Gewächshäuser, Feldscheunen, Kirchtürme, Wiesenwege, Obstgärten, und inmitten die weitgeschwungenen Bögen des Rheins.
J. Becker: Schnee in den Ardennen (Ein Buch für die Stadt)
Sonderausgabe „Buch für die Stadt 2009“
Ein neues Werk, eine weitere Expedition: Das „Buch für die Stadt“ 2009 hält den Lesern einen Spiegel vor, in dem ein jeder sich selbst, seine Erfahrungen und Geschichten erkennen wird.
Broschur, 186 Seiten, 6,95 Euro
Eine poetische Festschrift für den grossen österreichischen Dichter
Nur zwei Annäherungsweisen scheinen die Jandlschen Gedichte zu verbieten – die parodistische und die imitative. Versuche dieser Art werden denn auch tunlichst unterlassen, und es bleibt im Wesentlichen bei extrapolierenden Lektüren und poetischen Fort- oder Umschreibungen.
Letztere führen in eindrücklicher Vielfalt die Techniken vor Augen, die zur Herstellung von «Gedichtgedichten» (Oskar Pastior) eingesetzt werden können, von Gedichten mithin, die aus bereits vorliegenden andern Gedichten neu entstehen durch die Manipulation einzelner Formelemente oder den strukturellen Umbau ihrer Gesamtanlage. Vorrangig sind dabei die Verfahren des Ersetzens oder Vertauschens bestimmter Elemente, der Varianten- oder Reihenbildung, aber auch der Kontamination und der Elimination. In solcherart abgeleiteten Textgebilden kann die Vorlage mehr oder minder deutlich durchscheinen, etwa dort, wo eine Jandlsche Schlusszeile («kein publikum zu fürchten, zu erhoffen») anagrammatisch zur Anfangszeile eines Folgegedichts verformt und verdichtet wird: «hoffürcht in jandlgsumm»; oder wenn in einem vorliegenden Gedicht das lyrische Ich in die dritte Person und die dritte Person wiederum in die erste umgeschrieben wird, so dass für die Verse «hin ich trat falls der / blieb wo er stand als ich / zu ihm trat . . . » nun voraussehbar steht: «hin er trat falls ich / wo ich stand als er / zu mir trat . . .». / Felix Philipp Ingold, NZZ 23.9.
«von Jandl weg auf Jandl zu». 47 Begegnungen und Überlegungen. Herausgegeben von Reinhard Urbach. Czernin-Verlag, Wien 2009. 102 S.
Ein gewisser Alexander von Bormann behauptete, meinen Gedichtband gelesen zu haben. Und das, obwohl der Band eben erst erschienen war. Das waren Geschwindigkeiten … Westgeschwindigkeiten.
„Jetzt wirst Du berühmt“, sprach mein Freund und trank mein Bier gleich mit. Wer derart edle Post aus dem Westen bekam, war für Ostbiere ohnehin verloren.
Nun, mit der Berühmtheit war das so eine Sache. Wer mit Gedichten berühmt wird, hat auch etwas falsch gemacht. Doch innerhalb von drei Jahren – eine für Ostblockverhältnisse atemberaubende Geschwindigkeit – war ich in Amsterdam. / Thomas Rosenlöcher, DLF 22.9.
Auch die 1986 in Berlin geborene, aber in Ramallah aufgewachsene Palästinenserin Dalia Taha vermeidet Stellungnahmen, doch die, die in ihren Texten leben, kommen ohne die Toten nicht aus: „Da sitzen wir beide,/ wie zwei Fenster, die sich auf das, was/ jenseits liegt, auftun“ beginnt ein Gedicht voller Metaphern, und wechselt sofort die Stimmung: „Keinen Platz gab es, / in dessen Schatten wir uns im Staub / hätten flüchten können.“ Bald merkt man: das „wir“, das angesprochen wird, gibt es nicht mehr: „Ich steige aus unserem Bild aus, / wie wir da sitzen vor dem weiten Horizont.“ Die andere Person, von der die Rede ist, ist tot: „ich laufe / zu mir und von mir weg, neben einer Gartenmauer / laufe ich, und in mir fallen/ die Blüten, die / auf deinem Grab / wuchsen. Ich laufe, damit meine Schritte auf dem Gehweg / blau werden / und ein Wind den Zipfel einer Ahnung festhält.“
Taha las in der Nacht der Arabischen Poesie, zusammen mit elf Kollegen, vor dem Alten Museum, das all den unterschiedlichen Färbungen und Tonlagen des Arabischen, dem die Musik eines Gedichts traditionell wichtig ist, mit seiner klassizistischen Fassade ein imposantes Gegenüber bot. Auf deutsch sind viele der gelesenen Gedichte in einer Sondernummer der Zeitschrift „Lisan“ enthalten, die seit drei Jahren von Basel aus versucht, arabische Poesie hierzulande bekannt zu machen. / HANS-PETER KUNISCH, SZ 17.9.
Schon als junger Mann, in den frühen 1960er Jahren ist Breyten Breytenbach, Sohn einer wohlhabenden Burenfamilie in der südafrikanischen Provinz, zum Kritiker seiner Herkunftswelt geworden. Als Lyriker blieb er der Sprache der Väter treu, schrieb und publizierte Gedichte auf Afrikaans („Die ysterkoei moet sweet“, 1964, dt. „Die Eisenkuh muss schwitzen“), war eine Dichterhoffnung der Buren. Aber mehr und mehr band er seine Gedichte wie seine Prosa, ob in afrikaans oder englisch, in die ästhetische wie politische Opposition gegen die Regierung in Pretoria und ihre Politik der Rassentrennung ein. / Lothar Müller, SZ 16.9.
Im L&Poe-Archiv:
2002 Mrz # Lyrik in ausgewählten Zeitschriften
2004 Apr #53. Bastard-Sprachen
2004 Dez #5. Fortschritt
2005 Apr #86. Zuletzt Poesie
2007 Jul #10. Dreimal Südafrika
Dienstag, 29. September, 20.30 Uhr
Monarch, Skalitzer Straße 134, B-Kreuzberg
Björn Kuhligk & Tom Schulz:
Best of Kneipenbücher!
Berlin trifft München, Hamburg und Köln.
In den letzten drei Jahren haben Björn Kuhligk und Tom Schulz ihre Idee zum literarischen Kneipenbuch in vier Städten verwirklicht und ausgelebt. Über hundert Autoren und Autorinnen schrieben über ihre Lieblingslokalitäten: die Berliner Eckkneipe, die bayerische Boazn und kölsche Kaschemmen kamen genauso vor wie Szenebars auf dem Kiez zwischen Schanze, Schwabinger Bohemé und Kreuzberger Versunkenheit
Entstanden sind vier kurzweilige und hochprozentige Geschichtensammlungen und Reflektionen über das Kneipenleben von Nord nach Süd, von Ost nach West. Die besten Texte, gelesen von den beiden Herausgebern, gibt es nur an diesem Abend zu hören, und wie heißt es als Motto zum ersten, dem Berliner Kneipenbuch: „Die Kellner kommen und gehen, wir bleiben.“ Salute, kommt alle unbewaffnet in die Verbrecherversammlung am Dienstag, den 29. September!
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Freitag, 2. Oktober, 20 Uhr
Brotfabrik, Caligariplatz, B-Weißensee
(Eintritt frei)
Tom Schulz liest aus:
Kanon vor dem Verschwinden
Gedichte. Berlin Verlag
„Die Kunst ist wie das Feuer. Sie lebt von dem,
was sie verbrennt.“ Jean-Luc Godard
Die Webseite lyrikline.org ist ein beispielloses internationales Internetprojekt, an dem Partnerinstitutionen in 40 Ländern gemeinsam arbeiten – seit 10 Jahren. Das Bestreben von lyrikline.org, Poesie jederzeit für jedermann weltweit zur Verfügung zu stellen, wird jetzt von Bundespräsident Horst Köhler gewürdigt. Gemeinsam mit den Autorinnen Monika Rinck (Berlin) und Lebogang Mashile (Südafrika) eröffnet er am 26.10. 2009 die Festwoche zum 10jährigen Jubiläum der Webseite für Poesie.
Mo 26.10. 19:30 Passwort: Poesie
Auftakt
Palais, Kulturbrauerei, Schönhauser Allee 36, 10435 Berlin, Eintritt frei, Anmeldung erforderlich unter mail@literaturwerkstatt.org
bis 5.10.2009
Mit Lebogang Mashile (Südafrika), Monika Rinck (Deutschland) Musik: Aki Takase (Japan)
In Anwesenheit des Bundespräsidenten Horst Köhler
Installation von Jorinde Gustavs, 9.8. – 30.9.
Nikolaikirche, Stralsund
Die Installation ist für das Stralsunder Glockenkonzert konzipiert und wird am Sonnabend, 26.9., 20:00 Uhr zur Liturgischen Nacht aktiv.
Das Geheimnis der Texte der 14 Kleidchen wird gelüftet.
Die Stralsunder Dichterin Silke Peters begleitet mit assoziativen Worten die Aktion.
Die beschrifteten Mädchenkleider sind an Gewölbebögen so hoch gehängt, daß die Texte schwer lesbar sind. Die Hängung erinnert an die Barockzeit, als singende Chorknaben so in die Höhe gezogen wurden. Um 20:45 Uhr werden die Kleidchen von ihrer Höhe heruntertgelassen, so daß die Besucher die Texte endlich ohne Mühe entziffern können. Es sind einige unsagbar private „gebetsähnliche“, schreibt die Künstlerin, Schicksale dabei, die unter den 6 Gewölbestationen im südlichen Seitenschiff in dieser Nacht gelesen werden.

Fast eine Debatte löste jüngst ein magerer „Zeit“-Artikel über Lyrik im Netz aus. Unvermerkt blieb dagegen ein ganz ähnlich angelegter knapper Artikel bei Textem zwei Wochen früher. Carsten Klook schrieb unter der Überschrift „Lyrik im Netz“ über drei Seiten, auf denen Gedichte in großer Zahl archiviert sind: lyrikline, Poetenladen und fixpoetry.com. Klook liefert solide Information statt mehr oder weniger verbrämter Meinung, und er hat Kontakt mit Verantwortlichen aller drei Seiten aufgenommen. Über fixpoetry heißt es:
„Wir möchten auf unserer Website den Hang zum Hermetischen überwinden, den Lyrik haben kann. Und eine Offenheit an den Tag legen“, sagt Frank Milautzcki, der im Feuilleton mit seinem großen Essay „Grundlegendes zur Lyrik der Gegenwart“ einen interessanten Überblick wagt.
„Interessanter Überblick“ ist natürlich tiefgestapelt. Klook zielt auf sachliche Information, und die ist gut recherchiert und zuverlässig. Und immerhin liefert er den Hinweis auf einen wichtigen und spannenden Text von Milautzcki, der seit über zwei Monaten (er ist datiert 23.05. – 18.06.2009) im Netz steht. Daß das sogenannte große Feuilleton seit langem den Anspruch aufgegeben hat, die Lyrikszene zu verfolgen, verwundert nicht. Aber die vielzüngige, agile Lyrikszene im Netz hätte ruhig hinhören können. Nur bei Matthias Kehle habe ich vor einigen Wochen einen Hinweis gefunden.
Ich spreche hier auch in eigener Sache. Seit gut zwei Monaten schiebe ich den Plan vor mir hier, den Text zu kommentieren. Ganze Essaykavalkaden im Kopf entwerfend. Das Tagesgeschäft, das digitale wie das realweltliche, haben den Plan immer wieder wegrutschen lassen. Dies sei eine Ankündigung: Kommentar folgt. Wer es noch nicht getan hat: Lesen!
Sekundärliteratur zu lyrischen Texten, die in Text und jeweiligem Titel selbst poetisch anspruchsvoll daherkommt. Ein kluges Buch; nicht altklug, nicht neunmalklug – einfach nur klug und fachkundig. Und ein schönes Buch; nicht übertrieben äußerlich schön, kein Blender. Pflichtlektüre für im Grunde alle, die Gedichte schreiben, vor allem aber für die, die Gedichte zukünftig gewinnbringender lesen und deuten wollen. / Stefan Heuer, fixpoetry.com
Michael Braun & Michael Buselmeier: Der gelbe Akrobat – 100 deutsche Gedichte der Gegenwart, kommentiert. Poetenladen, Leipzig 2009.
Der Filmemacher James Longley aus Seattle und die Lyrikerin Heather McHugh erhalten je $ 500.000 aus der John T. and Catherine T. MacArthur Foundation. Frau McHugh ist Milliman-Stipendiatin („Milliman distinguished writer in residence“ an der University of Washington. Die sogenannten „Genie-Stipendiaten“ (bisher 24) werden wegen ihrer Kreativität und Originalität ausgewählt. McHugh, 61, hat unter anderem acht Gedichtbände veröffentlicht. In der Erklärung der Stiftung heißt es, ihre Dichtung sei sowohl humoristisch als ernst. Sie benutze Wortspiel, Reim und syntaktische Verdrehungen, um Bedeutungsschichten sichtbar zu machen. Von 1999 bis 2006 war sie Kanzlerin der Academy of American Poets. / SCOTT SUNDE, SEATTLEPI.COM.
Vgl. hier 113. Rilkes Botschafter
William Logan reviews Thom Gunn’s Selected Poems.
By William Logan
Poetry Media Service
Selected Poems, by Thom Gunn, edited by August Kleinzahler. Farrar, Straus & Giroux, $14.00.
In the 1940s and 1950s, it was almost an act of rebellion to compose tidy stanzas and tidier rhymes, as if the modernists had never existed. The influence of Auden and Yeats (those most seditious of seditious poets) was so overpowering on both sides of the Atlantic that an ideological mustiness soon pervaded the poetry magazines, as young poets wrote endless allegorical stanzas on Orpheus, or Achilles, or just about any Greek god or hero you could name. A few of these poems were brilliant; many were good; but the mass proved just period sludge, the sort any age produces—most of it to be washed away on the next tide of fashion. Thom Gunn could write in this headmaster’s manner with the best of them.
The huge wound in my head began to heal
About the beginning of the seventh week.
Its valleys darkened, its villages became still:
For joy I did not move and dared not speak,
Not doctors would cure it, but time, its patient skill.
And constantly my mind returned to Troy.
Gunn’s early books, Fighting Terms (1954) and The Sense of Movement (1957), announced a talent for emotion controlled in muscular, labyrinthine forms. His elegance had a brutish edge, and his brutality concealed a few civilities (his cachet as a young poet came from writing formal poems on bikers and Elvis). It should have been no great surprise when shortly after his first book he moved to California and took up study with Yvor Winters.
Selected Poems reveals how long Gunn labored to overcome the limitations of his virtues. If his early poems seem fussy now, polished into artificial antiquity, the over-heated poems on surfers and LSD are simply embarrassing. (The whole of „Listening to Jefferson Airplane“ reads „The music comes and goes on the wind,/ Comes and goes on the brain.“) Gunn’s best work had to fend off Winters in his smugness and rectitude on one hand and San Francisco’s beatniks and hippies on the other, but he never stopped trying to treat the incompatible realms of his experience as if they formed a whole.
August Kleinzahler, who edited this volume, has made a judicious and surprisingly conservative selection of Gunn’s poems. Though he might have been more generous to the early books—only half a dozen poems survive—the most motheaten poems are gone, but so are later poems using the scatty lines of the Beats. I don’t miss the loose-limbed verse of Gunn’s middle period, or the poems that mentioned Ding Dongs or Charles Manson—or the one from the point of view of a dog. This selection stresses the reasoned continuity of Gunn’s work, evident in his formal poetry until the end. (Even late, he could make a lot of metaphysical hay out of a nasturtium found in a vacant lot.) What remain are, for the most part, the poems that take serious things seriously, culminating in the elegies he wrote during the AIDS outbreak of the 1980s. Gunn’s late poems were often bleak, haunted by losses to time and disease, by the slow recession of pleasure. After the completion of Boss Cupid (2000), he seems to have published nothing new before his death in 2004.
You’d hardly know from his poems that Gunn ever worked a day—he took as his gravitating theme a hedonism never wholly gratified. He loved the tightly knit stanzas and clockwork rhymes of the late Elizabethans. „I want to be an Elizabethan poet,“ he once said, but there’s a great difference between being and imitation. In some ways, he was the thinking man’s Stephen Spender, his rude couplet about Spender notwithstanding. Gunn was a poet for whom feeling blossomed through form (his motto might have been Eliot’s remark that a „thought to Donne was an experience“); but he needed the resistance of pattern, the refined difficulty in the made thing. If the cost was too many early poems that began with lines like „Do not enquire from the centurion nodding“ or „Lictor or heavy slave would wear it best,“ and too many gassy stretches of couplet writing, the benefit was the stately movement he could give the passing of passing fancies:
Why should that matter? Why pretend
Love must accompany erection?
This is a momentary affection,
A curiosity bound to end,
Which as good-humored muscle may
Against the muscle try its strength
—Exhausted into sleep at length—
And will not last long into day.
Shakespeare and Donne would have recognized that cool detachment, and Dante approved Gunn’s vision of the afterlife, where the dead watch the living on black-and-white TV.
William Logan’s most recent book of criticism is Our Savage Art: Poetry and the Civil Tongue. His new poetry collection, Strange Flesh, appeared last fall. This review first appeared in the New Criterion. Distributed by the Poetry Foundation at http://www.poetryfoundation.org.
© 2009 by William Logan. All rights reserved.
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