159. Georg-Trakl-Preis für Lyrik an Michael Donhauser

Der Georg-Trakl-Preis für Lyrik 2009 geht an den Schriftsteller Michael Donhauser. Der in Liechtenstein geborene Österreicher wird die Auszeichnung, die vom Kunstministerium und dem Land Salzburg vergeben wird und mit 7.500 Euro dotiert ist, am 4. November erhalten. Den mit 3.000 Euro dotierten Georg Trakl-Förderungspreis erhält heuer der 1963 geborene Michael Burgholzer.

„Michael Donhausers Gedichte ruhen als archaischer Fels in der Poesielandschaft und entfalten einen eigenständigen Reiz unabhängig von jeglichen Moden“, heißt es in der Begründung der Jury. „Sein reiches poetisches Universum entfaltet sich paradoxerweise aus einem Minimum an Sprache, seine Verse leben von auf den Kern reduzierten und präzis-sparsam eingesetzten Worten.“ Seinem Mut „zu einer auf das wesentliche eingedampften Sprache in einer Zeit, die vorwiegend von Überfülle, Überschuss und Superlative lebt, gehört der Respekt der Jury.“

Der Georg-Trakl-Preis wird seit 1952 jeweils zu runden oder halbrunden Geburts- und Todestagen des Salzburger Lyrikers Georg Trakl (1887-1914) vergeben, also vier Mal pro Dekade. / Kleine Zeitung 29.10.

158. Latinale 2009 – mobiles lateinamerikanisches Poesiefestival

Zum vierten Mal präsentiert die Latinale vom 31. Oktober bis 6. November die spannende Lyrikszene Lateinamerikas mit einer Reihe von Veranstaltungen, die Berlin als besonderen Ort literarischer Bewegungen feiern. 9 junge Dichter_innen aus sechs lateinamerikanischen Ländern stellen ihre poetischen Werke in Lesungen, Performances, Gesprächen und Workshops vor. Zudem finden auch eine Fotografieausstellung, Filmvorführungen und Musik statt.

Vom 31. Oktober bis 6. November geht das mobile lateinamerikanische Poesiefestival Latinale auf seine vierte Tour. Dieses Jahr treffen die junge Autor_innen aus Argentinien, Bolivien, Chile, Kuba, Mexiko und Uruguay im öffentlichen Raum und in diversen kulturellen Einrichtungen zusammen, um die neuesten Tendenzen der lateinamerikanischen Lyrik in Berlin vorzustellen.

Unter dem Titel Gitterverse! Mauerlos Poesie? setzen die Dichter_innen der diesjährigen Latinale ihren Blick auf ein kontinental übergreifendes Thema, die Überschreitung der Mauer, in diesem Fall mittels der Poesie. Unter dem Motto Poesie zieht Kreise werden poetische Werke in Bewegung gesetzt, u. a. in Form einer Ringbahnlesung mit den lateinamerikanischen Autor_innen und auch deutschen Poeten, der alle Berliner Poesiebegeisterten folgen können.

Die Latinale 2009 überschreitet weitere Grenzen, in dem Poesie nicht nur in Wort, sondern auch in Bild, Musik, Performance und Film präsentiert wird. Ergänzt werden die Lesungen im Instituto Cervantes mit der Vorführung von Poesiefilmen Augen auf! Vers trifft Leinwand und der Ausstellung Latinale leuchtet, die Fotografien der bisherigen Latinale-Gästen zeigt.

Darüber hinaus gibt es einen Übersetzungsworkshop, in dem die Dichter_innen mit Studenten der FU Berlin gemeinsam deutsche Versionen ihrer Gedichte erarbeiten und Probleme der Übersetzung erörtern. Weiterhin finden im Literaturhaus Lettrétage und im Ibero-Amerikanischen Institut Poesiegespräche zwischen den verschiedenen Autor_innen, Verlagen, Übersetzer_innen und einem begeisterten Publikum statt.

Das vollständige Programm, Biographien der Dichter_innen der Latinale 2009 und weitere Informationen zum Festival finden Sie im Anhang. Zusätzliche Informationen unter www.cervantes.de und http://latinale.blogsport.de.

Latinale

Programmübersicht:

Sa, 31. 10, 14-17Uhr
Übersetzungsworkshop mit Gästen der Latinale an dem Lateinamerika Institut der FU Berlin
So, 1.11, 13 Uhr
Ringbahn-Lesung
Mo, 2. 11, 19 Uhr
Gesprächsrunde im Ibero-Amerikanischen Institut Berlin
TrasLados: ¿Somos todos del mismo barrio?
Mi, 4.11, 20 Uhr
Lesung im Lettrétage
Junge Lyrik aus Lateinamerika
Do, 5.11, 19:30 Uhr
Lesung im Instituto Cervantes Berlin
Gitterverse! Mauerlos Poesie?
Ausstellung: Latinale leuchtet
Fr, 6.11, 19:30 Uhr
Lesung im Instituto Cervantes Berlin
Poesie zieht Kreise
Poetryfilms: Augen auf! Vers trifft Leinwand

Eine Veranstaltung des Instituto Cervantes in Zusammenarbeit mit dem Ibero-Amerikanischen Institut, dem Lateinamerika Institut der Freien Universität Berlin, dem Literaturhaus Lettrétage sowie den Botschaften Argentiniens, Chiles, Mexikos und Uruguays.

157. War Shakespeare schwul?

Dies fordert von selbst zu der Frage heraus: War Shakespeare „es“? Tatsächlich hat es nicht an Versuchen der Schwulen gefehlt, ihn als einen der Ihren zu reklamieren, und das ist ja nur verständlich: Die Entdeckung, dass nicht nur der große Marcel, der große Walt, der große Oscar, sondern auch der große Will dazugehörte, wäre so etwas wie ein Hauptgewinn in der Lebensliteraturlotterie.

Allerdings gibt es da eine unüberwindliche Schwierigkeit. Diese Schwierigkeit ist das 20. Sonett: Die Natur, schreibt der Dichter dort, habe seinem jungen Freund das Gesicht und das sanfte Herz einer Frau gegeben, und so sei es sein Schicksal, dass sich die ganze Welt in ihn verliebe. Doch dann, so Shakespeare weiter, habe sich die Natur selbst in ihr Geschöpf verliebt – und aus Eifersucht, damit er für den Dichter unbrauchbar werde, habe sie ihm ein Ding zuviel angehängt, das ihn in erotischer Hinsicht leider nur noch für die Damenwelt interessant mache: „But since she pricked thee out for women’s pleasure, / Mine be thy love, and thy love’s use their treasure.“ Das Wort „prick’d“ hatte auch für Ohren des elisabethanischen Zeitalters schon jenen anrüchigen Klang, den man noch heute heraushört. „She prick’d you out“ heißt also „sie hat dich ausgewählt“, gleichzeitig ist der „prick“ aber der Schwanz – so elegant und obszön in einem Wort zu sein, das schafft nur Shakespeare.

Wir klappen den Aktendeckel mit einem durchaus abschließenden Knall zu und sagen: Der Dichter war nicht schwul. Jedenfalls wenn Worte noch etwas gelten und Texte eine Bedeutung haben. Eine andere Frage ist indessen, welche biografischen Erlebnisse wohl den Sonetten zugrunde liegen: Auf welchen Namen hörte, bitte schön, die dunkle Lady, die gelegentlich mit Shakespeare ins Bett ging, obwohl er alt und klapprig und sie ein feuriges junges Ding war? Handelte es sich bei ihr um eine sefardische Jüdin, die ihren Glauben im England des 17. Jahrhunderts nur heimlich praktizieren durfte, hat sie dem Dichter als Vorbild für die Jessica in „The Merchant of Venice“ gedient?

Verfasser von Kitschromanen dürfen sich nach Herzenslust die Finger wund schreiben. Der Literarhistoriker kann dagegen nur bedauernd die Achseln zucken. Das grundsätzliche Problem ist, dass zwischen Shakespeare und uns ein verzerrendes Prisma liegt: die Epoche der Romantik. Durch dieses Prisma können wir Gedichte eigentlich nur noch als autobiografische Zeugnisse lesen: wie Seiten eines gereimten Tagebuches. Zu Shakespeares Zeit gab es diese Form der grübelnden Selbsterforschung aber noch gar nicht. In Autobiografien hielt man seine Taten und Meinungen für die Nachwelt fest; in den tiefen Brunnen der dunklen Psyche stieg man nicht hinunter. Lyrik diente damals keineswegs der spontanen Herzensergießung, eher war sie ein strenges Formenspiel, das der intelligenten Unterhaltung diente. / Hannes Stein, Die Welt 28.10.


156. Unsichtbare Hand

So machte Neuhoff, Leiter des Instituts Stiftung und Gemeinwohl an der Uni Witten/Herdecke, auf interessante Zusammenhänge aufmerksam: Bereits 1776 übersetzte Johann Friedrich Schiller, ein Onkel des bekannten Poeten, das Hauptwerk „Wohlstand der Nationen” von Adam Smith. Dieser gilt als einer der Gründerväter der modernen Ökonomie.

Seine moralphilosophische „Theorie der ethischen Gefühle” (1759) hatte der Dichter Schiller ebenso studiert wie die wirtschaftlichen Analysen des Schotten, bei denen die berühmte Metapher der ordnenden, „unsichtbaren Hand” auftaucht.

Das Bild der „unsichtbaren Hand” diente Neuhoff nun dazu, ein Band zu spannen zwischen Schiller und Smith- Seine These: Schiller habe die „unsichtbare Hand” von Smith in seine eigenen Dichtungen importiert. Nicht selten tauche bei Schiller die „unsichtbare Hand” direkt oder indirekt, etwa als „unsichtbare Hand der Vorsicht”, auf. Ob die „Hand” Schillers aber tatsächlich dieselbe ist wie jene von Smith wurde allerdings nicht zweifelsfrei geklärt, denn: Reicht die Smith-Lektüre Schillers dafür als Indiz? Meinte Smith nicht eher ökonomische Marktprozesse, Schiller dagegen persönliche Läuterung? / derwesten.de

155. Bundespräsident lobt radikale Minderheit

Zur Eröffnung war gar der Bundespräsident persönlich zum Gratulieren vorbeigekommen und pries Gedichte als „kleine Widerstandsnester gegen die riesige Flut an Sprachmüll, der uns täglich aus allen Medien entgegenkommt“.

Es war eine verdiente Anerkennung für die Literaturwerkstatt, dass Horst Köhler die sechstägigen Feierlichkeiten in der Berliner Kulturbrauerei mit seinem Grußwort eröffnete. Bei insgesamt 12 Veranstaltungen in 16 Botschaften und Kulturinstituten wird das Internetprojekt noch bis kommenden Samstag gewürdigt. Eine durchaus illustre, internationale Kooperation unter Federführung der Literaturwerkstatt also. Wenn Köhler sich trotzdem freute, bei einer „kleinen ‚radikalen‘ Minderheit“ zu Gast zu sein, spielte er ja auch nur auf die Tatsache an, dass Gedichte nicht gerade als populäre literarische Form gelten – insbesondere, wenn sie zwischen zwei Buchdeckeln veröffentlicht werden. In der Verkaufsstatistik des Börsenvereins des deutschen Buchhandels zumindest bewege sich Lyrik „im Nullkommabereich“, sagt Heiko Strunk, Projektleiter von lyrikline.org. …

Dennoch manifestiert sich auf lyrikline.org eine geradezu utopische Idee. Denn es geht bei dieser Digitalisierung von Lyrik ja nicht nur darum, die traditionelle Buchgebundenheit des Genres zu sprengen. Sondern auch die Grenzen der Nationalliteraturen: Ohne lyrikline.org würden viele internationale Poeten überhaupt nicht in deutscher Sprache veröffentlicht. Und wie schade das wäre, zeigte sich am Eröffnungsabend, als die deutsche Lyrikerin Monika Rinck und die südafrikanische Poesie-Performerin Lebogang Mashile nacheinander sprachen und lasen. Der Kontrast zwischen Rincks erkenntniskritischen Ausführungen zum Gedicht als „philosophische Tat“ und Mashiles freiem, funkelndem Deklamieren machte eindrucksvoll deutlich, was für gegensätzliche Paralleluniversen die deutsche und die südafrikanische Poesie sind. / Brigitte Preissler, Die Welt 28.12.

154. Covering Onetti

Freitag, 30. Oktober 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro

Buchpremiere
Es lesen Philip Maroldt und Sonia Petner

Am 26. November 2008 fand im Rahmen der Lateinamerika-Reihe der Lettrétage eine Veranstaltung zu Juan Carlos Onetti statt. Die Impulse dieses Abends fanden ihren Widerhall in dem Schreib- und Publikationsprojekt Covering Onetti: Junge deutsche Autorinnen und Autoren reagieren auf je eine von vier ausgewählten Onetti-Erzählungen. Die Ergebnisse reichen von eng angelehnten „Coverversionen“ des Onetti’schen Originals bis hin zu lediglich leichter motivischer Verwandtschaft. In allen Fällen ist jedoch neue, eigenständige Literatur entstanden. So haben unsere Autorinnen und Autoren sich ganz nach Onettis Empfehlung gerichtet: Klaut, wenn nötig. Lügt immer.

Philip Maroldt, geboren 1981 in Berlin, Teilnahme am Open Mike 2008, Lyrik und Poetologisches in Zeitschriften, Mitherausgeber der Anthologie Wat los, Parzen? (2006).

Sonia A. Petner, geboren 1979 in Waldenburg/Polen, lebt in Berlin, arbeitet als Journalistin,Gewinnerin des Open Mike 2008.

Die Publikation von Covering Onetti wird von der uruguayischen Botschaft unterstützt.

Lettrétage
Methfesselstr. 23-25
10965 Berlin

153. Taubenbriefe

Der Forscher J.J. Audubon schoss sie zu Hunderten und fixierte sie für seine Zeichenstudien auf Draht, der Bildhauer William Lishman führte sie im Leichtflugzeug von Ontario zu ihren Brutplätzen nach Virginia, und der Komponist Olivier Messiaen durchstreifte ihren Stimmen folgend die Landschaften der Welt: Ungezählt sind die Möglichkeiten, sich dem Wesen der Vögel anzunähern.

Solches hat auch die Autorin Teresa Präauer im Sinn, wenn sie ihren eigenen Federwesen nachstellt, um sie zu belauschen:

Da frägt man, was die Vögel tun,
und hört, was sie berichten.

In straffes Federkleid gemantelt stiert der Brave Höllengreifling, mit weißem Augenlicht in sonst kompaktem Schwarz brütet der Lochschwärzler, und auf sehnigen Beinen wägt der Anfresser seine weiteren Aussichten ab:

Wir haben uns eine Fliege geteilt.

Teresa Präauer versammelt in ihrem Buch bildende Kunst und Literatur: Insgesamt 15 Zeichnungen ingeniöser Vögel stehen 15 poetische Kurztexte gegenüber – dicht und knapp wie ein Haiku bilden diese »Taubenbriefe« die Berichte zu den Beobachtungen der gefiederten Geschöpfe. / Edition Krill

Taubenbriefe von Stummen
an anderer Vögel Küken

von Teresa Präauer

1. Auflage 2009.
15 Text- und 15 Bildkarten (gebunden, einzeln entnehmbar) Format 105 × 148 mm, Umschlag partiell lackiert, Banderole
ISBN 978-395025371-9
Preis: EUR 14,–

152. Ende der Bücher

Vielleicht schreibt er ja deshalb mindestens ein Buch pro Jahr. Philip Roth, Veteran der US-Literaturszene, gab sich in einem Interview äusserst pessimistisch, was die Zukunft des Romans angeht. In 25 Jahren würden Bücher nur noch von einer kultischen Minderheit gelesen werden. Vergleichbar mit Leuten, die heute lateinische Gedichte lesen. / Basler Zeitung

151. Manhattan Moment

Und ich fand ein Gedicht in der Nation über Roman Polanski, von dem deadline poet Calvin Trillin, das möchte ich keinem vorenthalten. Es hat den Titel What Whoopi Goldberg (’Not a Rape-Rape’), Harvey Weinstein (’So-Called Crime’) et al. Are Saying in Their Outrage Over the Arrest of Roman Polanski. / taz Newyorkblog

Eva C. Schweitzer, Manhattan  Moments. Geschichten aus New York, erschienen bei Droemer-Knaur, Juni 2009, Taschenbuch, 9,95 €

150. Wunde Dresden

Nach dem Tod Richard Leisings, Karl Mickels und dem Adolf Endlers vor wenigen Wochen lichten sich die Reihen jener ostdeutschen Dichtergeneration, die, um die Mitte der dreißiger Jahre geboren, und durch die Charismatik Brechts und Georg Maurers geprägt, als Sächsische Dichterschule Furore machten. Weltwissen und Traditionsbewusstsein waren ihre Wirkungskonstanten. Selbstbewusste Generationsgeselligkeit und die Ausprägung kräftigen Ich-Bewusstseins im Rahmen ihrer kollektiven Gesellschaft führten zur Reibung am ideologisch Vorgegebenen – nach dem Plenum des ZK der SED 1965 und auch noch nach Wolf Biermanns Ausbürgerung im Herbst 1976.

Heinz Czechowski, 1935 in Dresden geboren, war von Beginn an der Streithans des lose gefügten Freundeskreises mit starkem literarischen Zusammengehörigkeitsgefühl und an Galle dem geborenen Polemiker Endler kaum nachstehend. Doch war er weicher und elegischer als der mehr dem schwarzen Humor zuneigende Düsseldorfer. …

Unduldsam bis ungerecht, anfällig für Kollegenneid und krasse Unterschätzung des Erreichten blieb er, in zuweilen fast krankhafter Zuspitzung, bis zuletzt. Keiner konnte ihm im exzessiven Klagen das Wasser reichen. Das hätte nur ein Jakob Haringer, ein Thomas Bernhard gekonnt. Czechowski war einer derjenigen, deren Wunde Dresden nicht heilte. / Richard Pietraß, Tagesspiegel 28.10.

Nachrufe:

Badische Zeitung 28.10. (Ein Hiob aus dem brennenden Dresden, Michael Braun) / Mitteldt. Zeitung (Christian Eger) /Märkische Allgemeine (Ulf Heise, Der Trakl der DDR) / Neues Deutschland 28.10. / MDR /

149. PARA RUMBIAR

Robert Creeley in the outfield.

By Fernando Perez
Poetry Media Service

I write from Caracas, the murder capital of the world, where I’ve been employed by the Leones to score runs and prevent balls from falling in the outfield. At the ankles of the Ávila Mountain amongst a patch of dusky high-rises, the downtown grounds of el Estadio Universitario packed beyond capacity are ripe for a full-bodied poem. A mere pitching change is an occasion para rumbiar, and the pursed-lipped riot squad is always on the move with their spanking machetes swinging from their hips. The game isn’t paced necessarily by innings or score. It’s marked by the pulsating bass drums of the samba band that trails bright, scantily clad, headdressed goddesses strutting about the mezzanine. The young fireworks crew stands mere feet from flares that don’t always set out vertically, sometimes landing in the outfield still aflame. “The wave” includes heaving drinks into the sky.

In earning my stripes as a professional baseball player, I’ve been through many cities and have stared out of hotel windows all over the Americas. Ballplayers are mercenaries, taking assignments indiscriminately. Throughout the minor leagues you’ll find yourself slouched on a bus, watching small towns roll by matter-of-factly like stock market tickers, on your back in a new nondescript room, or “shopping for images” (Allen Ginsberg) in a Wal-Mart, hunched over a cart in no rush.

Like poetry, baseball is a kind of counterculture. The (optional) isolation from the outside world (which I often opt for); the idleness about which—and out of which—so many poems are written or sung: I see this state of mind as a blessing. Sometimes, in fact, when I haven’t turned on a television or touched a newspaper for months, freed from the corporate bombast, poetry is the only dialect I recognize.

Long ago Robert Creeley confirmed my suspicion that words strung even sparingly together can be as aurally powerful as anything else we have. He has been my most important poet, because I can take him anywhere, like oranges—even reduced to nothing in both physical and mental exhaustion, nauseous and half asleep busing from a red-eye.

One of my first managers always preached separation from the game for the sake of our own health, and for the sake of our performance. The game can be maddening, and we ought to corner ourselves in this trade only so far. I’m in love with baseball, but eventually my prime will end, and she’ll slowly break my heart. Baseball has remained remarkably impervious to modernity, but is, like any modern industry, highly alienating. I turn to poetry because it is less susceptible to circumstance. I’m not especially touched when a poet deals with a ball game; I’m not especially interested in having one world endear itself to the other. Right now I need them apart; right now I’m after displacement, contrast. The thick wilderness of, say, late Ashbery can wrangle with the narrowness of competition.

Fernando Perez is an outfielder for the Tampa Bay Rays. He received a degree in American studies and completed the creative writing program at Columbia University in New York City, where he lives in the off-season. This essay originally appeared in the September 2009 issue of Poetry magazine, and is available at http://www.poetryfoundation.org. Distributed by the Poetry Foundation.

© 2009 by Fernando Perez. All rights reserved.

148. Heinz Czechowski gestorben

Der Dichter und Schriftsteller Heinz Czechowski ist tot. Dies meldete unser Sender unter Berufung auf den Sohn des Verstorbenen, Janek Czechowski, der dem Sender gegenüber bestätigte, dass sein Vater bereits am 21. Oktober „nach langer und schwerer Krankheit in einem Frankfurter Krankenhaus“ gestorben sei.

Der Schriftsteller Günter Kunert würdigte Czechowski nun als einen „ungeduldigen“ und „unduldsamen“ Dichter: „Er war ein Mann des Realismus. Er hat die Dinge ganz scharf gesehen und kenntlich gemacht, nichts geschönt, nichts romantisiert.“
Heinz Czechowski wurde 1935 in Dresden geboren und studierte nach einer Ausbildung zum grafischen Zeichner am Leipziger Literaturinstitut. Sowohl in der DDR als auch im wiedervereinigten Deutschland erhielt er zahlreiche literarische Auszeichnungen. Zuletzt erschien von ihm die Autobiografie „Die Pole der Erinnerung“ (2006).

Das vollständige Gespräch mit Janek Czechowski können Sie bis zum 27.4.2010 als
MP3-Audio in unserem Audio-on-Demand-Angebot nachhören.

/ dlr 26.10.

In Ron Winklers Blog gab es im Frühjahr eine Debatte um eine Zeile von  Czechowski: „Sanft gehen wie Tiere die Berge neben dem Fluß“ – eine der Stellen, die sich mir im Gedächtnis eingehakt haben. Es ist die erste Zeile eines frühen Gedichts von 1957 (aus dem ersten Gedichtband „Nachmittag eines Liebespaares“, 1963). Später reduzierte er das Gedicht auf diese eine Zeile.

Ich picke einige weitere Zeilen heraus, um die herum es auch noch Gedichte gibt, die Zeilen im Kopf, die Gedichte im Regal:

Tätigsein. Gleichzeitig untätig sein. (Reisen)

Hier möcht ich bleiben… / Aber Bedenken melden sich an (Wasserfahrt)

Ich widerrufe die nutzlosen Verse (…)
Ich kann nichts tun außer tun.  (Widerruf)

Vor dem Fabriktor stehn sie in der Sonne. (…)
Der Vorstadtmittag ist durchkräht mit Hähnen. (Liebesgespräch)

Schön war sie, aber sterblich (Der Morgen)

Aber die Lügen strafen die Verse (Nichts was ich dir jetzt zu geben vermag)

Ich will nicht nachdenken / Über den Frühling: er / Ist gekommen mit Sturm

Die Luft ist gepfeffert mit Rücksichten (Gesellschaft)

Schreibweisen, Klassiker, Stellungen, Rauch über Leuna (Thüringen grün…)

Versehen / Mit guten Ratschlägen / Geh ich im Kreis (Notiz für U.B.)

Wir schreiben uns / Briefe mit blauen Siegeln. / Wer aber / Soll das rezensieren? (An Freund und Feind)

Man kommt nicht umhin / Von Halas zu sprechen (Kunštát im Regen)

Mein Herz ist polnisch… (Polens Tragik)

Was mich betrifft / So bin ich ich.

147. „4 OBLIGATE GEDICHTE – DIE ALTEN BETREFFEND“

De Toys produziert Poetryclip zu Vogts 90.Geburtstag

G&GN-Institut – BERLIN NewCologne, 27.10.2009 / Der Jülicher 10.Nahbell-Preisträger KARL-JOHANNES VOGT wurde am 29.10.1919 geboren. Die Lokalzeitung berichtete bereits im Spätsommer über den von Heinrich Böll seinerzeit zum „Weitermachen“ ermutigten Lyriker & Prosaisten (1 Roman erhältlich!), siehe Autorenportrait unter www.naHbellPREIS.de (Galerie aller Preisträger seit 2000). Anläßlich seines 90. Geburtstages produzierte G&GN-Herausgeber Tom de Toys einen 9-minütigen „Luxury-Trash-Art“-Poetryclip mit Vogts 4-teiligem Zyklus „4 OBLIGATE GEDICHTE – DIE ALTEN BETREFFEND“ unter Verwendung eines Videos, das er tags zuvor mit seiner Mobiltelefonkamera (Nokia 6300) auf der Lessinghöhe in Berlin-Neukölln gedreht hatte. Darin sind Kastanien, die Hündin Malou sowie eine für Berlin typische rote Parkbank in der Mitte der Wiese zu sehen. Der Zyklus ist der allerersten Lyrik-Einzelpublikation Vogts entnommen, die unter dem Titel „DAS FLUGZEUG ÜBER MIR WECKT KEINE SEHNSUCHT“ pünktlich zu seinem Jubiläum in der Edition naHbell des G&GN-Verlags erscheint.

 

146. NEUES VOM JETZT (III)

Mittwoch, 28. Oktober 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro

Eine Versuchsanordnung junger deutschsprachiger Gegenwartslyrik an fünf Abenden

Teil 3: Stefan Schmitzer und Herbert Hindringer
Gastgeber: Ron Winkler und Björn Kuhligk

Im Jahr 2008 sind zwei Anthologien erschienen, die man zu Recht als Bestandsaufnahmen aktueller deutscher Lyrik der jüngeren Generation bezeichnen kann: Lyrik von JETZT zwei, herausgegeben von Björn Kuhligk und Jan Wagner (Berlin Verlag, 2008), sowie Neubuch, herausgegeben von Ron Winkler (yedermann Verlag, 2008). Die Autorinnen- und Autoren-Auswahl der beiden Bücher überschneidet sich, jedes setzt jedoch auch eigene markante Akzente.

Vor diesem Hintergrund ist in der Lettrétage die Idee einer kompakten Gesamtschau der aktuellen deutschsprachigen Lyrik jüngerer Autorinnen und Autoren an fünf Abenden entstanden, einer einmaligen Inventur, die sich aus den Quellen der genannten Anthologien speist, wobei Seitenarme, Gegenströmungen, Stromschnellen und Untiefen billigend in Kauf genommen werden. Jeweils zwei der genannten Anthologie-Herausgeber laden pro Abend zwei Lyriker/innen ein, um Neuestes aus ihrer Feder zu hören sowie um mit ihnen über Lyrik zu sprechen, poetologische Positionen zu diskutieren und auf jeweils einen besonderen Aspekt zu sprechen zu kommen.

Herbert Hindringer, geboren 1974 in Passau. Preise u.a. beim bolero-shortstory-preis 2005 und beim pussyprosapreis 2005. Veröffentlichungen in Anthologien u.a. Jahrbuch der Lyrik 2009 und Gedichtbände biete bluterguss und suche das weite (2003). Distanzschule (2007), zuletzt Der letzte Mensch mit Segelohren (2009).

Stefan Schmitzer, geboren 1979 in Graz. Comics, Gedichte, Prosa in u.a. Zeitschriften und Anthologien. Mitbegründer und Redakteur des „unzine“. 2007 erhielt er den Literaturförderungspreis der Stadt Graz, 2008 den Förderpreis der Zeitschrift manuskripte.

NEUES VOM JETZT wird gefördert von der Stiftung Preußische Seehandlung, vom Verein Berliner Kaufleute und Industrieller e.V., vom Berlin Verlag sowie vom österreichischen Kulturforum in Berlin. Für die Unterstützung bedanken wir uns sehr herzlich!


Lettrétage
Methfesselstr. 23-25
10965 Berlin

145. Nahe der Neige

Die Gedichte von Michael Donhauser sind Grenzgänge, sie vertrauen sich nicht schlechthin einem lyrischen Sprechen an, sondern finden zu Formen, welche bald nahe der Prosa, bald nahe dem Gesang ein Sagen jenseits der Metapher suchen.

Und der Abend, das Verlangen, zu bewahren
all das Sehen, zu empfangen, was da blühte
als die Dahlien nah den Beeten, sich enthüllte,
so als würde, wäre Schein all dies Leben in den
Gärten, wo die Farben sich vermehrten.

(Donhauser, Schönste Lieder, S.52)

Michael Donhauser liest Gedichte und stellt seine soeben unter dem Titel „Nahe der Neige“ erschienene Poetik vor.

30.10.2009 um 20.00 Uhr
Buchhandlung & Galerie Böttger
Maximilianstraße 44
53111 Bonn

/ citygator

Michael Donhauser
Nahe der Neige
Sammlung Urs Engeler Editor, Band 81ISBN 978-3-938767-72-6
Gebunden, Schutzumschlag, mit 4 Abbildungen
19,5 x 15,5 cm, 72 Seiten
Euro 17.- / sFr. 29.-

(Probe)

September 2009