Und als die Naturwissenschaft die Esoterik preisgab, als sie sich zumindest an der Oberfläche von der Gespensterkunde löste, zog der Okkultismus mit umso größerer Entschlossenheit in die Kunst ein. Sicherlich, August Strindberg mag ein halb verrückter Einzelgänger gewesen sein, als er im Jahr 1897 in einem schäbigen Pariser Hotelzimmer versuchte, Gold herzustellen. Aber was ist mit William James, dem Bruder des Schriftstellers Henry James und Begründer der amerikanischen Psychologie? Auch er wollte mit den Toten sprechen. Warum widmete sich Arthur Conan Doyle in seinen späteren Jahren ganz dem Spiritismus und stand einer ganzen Reihe okkulter Vereinigungen vor? Was veranlasste Robert Musil, im „Mann ohne Eigenschaften“ von einem „anderen Zustand“ zu schwärmen, und was bewegte Franz Kafka, als er Rudolf Steiners Vorlesungen in Prag für „sehr anregend“ hielt? Warum hielten die „Meister“ des frühen Bauhauses Séancen ab, als sie auf den Gedanken kamen, der „neue Mensch“ müsse in absolut reinen Formen wohnen? Maurice Maeterlinck meinte, in Arnold Schönbergs reinen Klängen „gegenstandlose Vibrationen“ zu finden, Georg Trakl beschäftigte sich mit den „drei Stufen der Erotik“, und Wassily Kandinsky strebte nach einer „neuen Ausdrucksform“, nach einer alles überstrahlenden Wahrheit, nach dem innersten Wesen der Dinge. In der ästhetischen Avantgarde jener Zeit sind nur wenige Künstler nicht, mehr oder weniger, von esoterischen Überzeugungen affiziert, und die radikalsten sind es ganz besonders. / THOMAS STEINFELD, SZ 24.11.
Dienstag, 1. Dezember 2009, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Wem gehört die Stadt?
Ein deutsch-nepalischer Lyrikabend mit Benyu Sharma, Bhupal Rai, Krishna Dharabasi, Viplob Pratik, Denis Abrahams, Tom Bresemann und Luise Boege
In deutscher, englischer und nepalischer Sprache
80 Dichter/-innen aus Nepal haben sich auf Anregung der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) poetisch mit dem Gedicht Wem gehört die Stadt? von Hans-Ulrich Treichel auseinandergesetzt. Vier von ihnen stellen ihre Texte gemeinsam mit deutschen Autoren/-innen, die ebenfalls Stadtgedichte präsentieren, erstmals dem deutschen Publikum vor.
Die Veranstaltung wird gefördert von der Nepali-deutschen Gesellschaft.
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Lettrétage
Methfesselstr. 23-25
10965 Berlin
Urs Allemann
Asklepiadeisch die zweite
Reisst wenn mitten entzwei einen eine seis sich
sie seis nackt auf das Brett dich in den Kübel dass
fern dem Bauch und es gliedert
was der Kopf auseinanderdrückt
bis es ob er es sprengt wenn er zersprungen und
aus dem Schädel das Herz sich in den Mund das Hirn
auftut und es herauskriecht
dass des Abends den Hammer du
drauf und wieder nicht weisst ob dich getötet was
wenns im Eimer erwacht an dir heruntertropft
als dies stete sich Höhlen
oder wieder der Kieselstein
nämlich nirgends ein Wort das dich wenn ihr zerdrückt
und der Zangengeburt müd aber raus aus dem
Bagger schweisste dass nie mehr
einer eine zu foltern sich –
Aus: Zwischen den Zeilen 15/ 2000, S. 5. – Auch in Urs Allemann: Holder die Polder. Oden, Elegien, Andere. Basel, Weil, Wien: Urs Engeler Editor 2001, S. 28 (Textidentisch, ich hab nachgesehen*)
Meine Anthologie: Erotisch
Numerierte Einträge meiner Anthologie sind die nachgetragenen der alten Ausgabe, die ich peu à peu chronologisch hier einrücke – unnumerierte** dagegen die neuen.
*) ich soll nicht auf Leitern steigen, sagt mein Arzt, aber für Allemann muß ich doch, weil er so weit oben ist
**) 2 N 1 M: so ists mir recht (denn ich sage auch número uno und nicht Nummero usw)
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
I love the way the following poem by Susie Patlove opens, with the little rooster trying to “be what he feels he must be.” This poet lives in Massachusetts, in a community called Windy Hill, which must be a very good place for chickens, too.
Poor Patriarch
The rooster pushes his head
high among the hens, trying to be
what he feels he must be, here
in the confines of domesticity.
Before the tall legs of my presence,
he bristles and shakes his ruby comb.
Little man, I want to say
the hens know who they are.
I want to ease his mistaken burden,
want him to crow with the plain
ecstasy of morning light as it
finds its winter way above the woods.
Poor outnumbered fellow,
how did he come to believe
that on his plumed shoulders
lay the safety of an entire flock?
I run my hand down the rippled
brindle of his back, urge him to relax,
drink in the female pleasures
that surround him, of egg laying,
of settling warm-breasted in the nest
of this brief and feathered time.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2007 by Susie Patlove from Quickening, Slate Roof Press, 2007. Reprinted by permission of Susie Patlove and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Der mexikanische Schriftsteller José Emilio Pacheco, 70, erhielt am Montag den Cervantes-Preis, der als der bedeutendste Literaturpreis der spanischsprachigen Welt gilt. Die Jury nannte Pacheco einen „außergewöhnlichen Dichter des alltäglichen Lebens mit Tiefe und der Fähigkeit, seine eigene Welt zu erbauen“. Pacheco gilt als wichtigster mexikanischer Dichter des 20. Jahrhunderts, er schuf aber auch Romane und Kurzgeschichten und ist Kritiker und Übersetzer.
Zu seinen Gedichtbänden zählen Los Elementos de la Noche (Die Elemente der Nacht, 1963), El Reposo del Fuego (Der Schlaf des Feuers, 1966) und No Me Preguntes Como Pasa el Tiempo (Frag mich nicht wie die Zeit vergeht, 1969).
Der Cervantes-Preis ist mit 125,000 Euro (187,500 Dollar) dotiert und wird jährlich vom spanischen Kulturministerium vergeben. / monstersandcritics
Mehr: CBC News /
„Einer der großen Dichter spanischer Sprache“ (José Manuel Caballero Bonald) – „ein großer Dichter vom Schlage Octavio Paz'“ (César Antonio Molina)
In Chile bedeutet das auch, daß es wieder nicht Nicanor Parra wurde
Nachrichten auf Spanisch: Milenio / El país /El mundo / Erklärung des mexikanischen Präsidenten /
Bücher in Übersetzung:
Der Tod in der Ferne
Residenz,Salzburg, 1992
Übersetzung: Leopold Federmair, Maria Alejandra Rogel Alberdi
Kämpfe in der Wüste
Residenz, Salzburg, 1995
Übersetzung: Leopold Federmair, Maria Alejandra Rogel Alberdi
Nachtzirkus
Ammann, Zürich, 2002
Übersetzung: Juana und Tobias Burghardt
Rückkehr zu Sisyphos: Gedichte 1959-2000. Ausgewählt und übersetzt von Leopold Federmair und Alejandra Rogel Alberdi. Edition Selene, Wien 2003. 168 S., Fr. 27.90.
Die Jury
El jurado ha estado presidido por José Antonio Pascual, representante de la Real Academia Española y formado por: Jaime Labastida, representante de la Academia Mexicana de la Lengua; Luis García Montero, propuesto por la Conferencia de Rectores de las Universidades Españolas; María Agueda Méndez, por la Unión de Universidades de América Latina; Soledad Puértolas, por la directora del Instituto Cervantes; Almudena Grandes, por la ministra de Cultura; Pedro García Cuartango, por la Federación de Asociaciones de Periodistas de España; Ana Villarreal, por la Federación Latinoamericana de Periodistas; David Gíes, por la Asociación Internacional de Hispanistas; y Juan Gelman, autor galardonado en la edición 2007. Como secretario ha ejercido Rogelio Blanco, director general del Libro, Archivos y Bibliotecas y como secretaria de actas, Mónica Fernández, subdirectora general de Promoción del Libro, la Lectura y las Letras Españolas.
Vgl. L&Poe
2001 Jun # Auf dem Internationalen Literaturfestival Berlin
2004 Nov #69. Esther Andradi
Dieser Freitagabend im Kulturzentrum Albert Camus* war besonders spirituell und kommunizierend. Zu sanfter Musik auf Valiha [Bambuszither], Flöte, Geige und Gitarre, gespielt von zwei Kindern des [1978 verstorbenen] Dichters Dox, gesellten sich leichte Choreographien der Gruppe Zanatohatra. Und die Poesie scheint aus ihrem Grab aufzuerstehen…
Am Ende der 2000er Jahre hallt das Werk von Dox und Esther Nirina immer noch in uns nach. Sie bleiben eine Mahnung, die malegassische Poesie zu bewahren, deren Noblesse getrübt ist durch die Kälte einer Öffentlichkeit, die unsensibel geworden ist für spirituelle Gegenstände jenseits der Kirche.
Glücklicherwiese ist die Rettung da… An dieser Dichterlesung konnten die jungen Dichter von Faribolana Sandratra** mit ihren erfrischenden Texten die Fackel bewahren. Der Stil ändert sich, aber die Flamme bleibt die gleiche. / Hernan Rivelo, L’Express de Madagascar 30.11.
*) Wie fast alle Zeitungen der Welt stehen auch malegassische im WWW für alle Welt sichtbar, vergessen aber hinzuzufügen, um welche Stadt es sich gerade handelt. (Denn ihre Stammleser, die das Blatt aus dem Hausbriefkasten ziehen, wissen es natürlich). Nehmen wir an, es handelt sich um die Hauptstadt Antananarivo.
**) eine malegassische Dichtergruppe
Hier: Feldforschung in einer Vereinigung von malegassischen Schriftstellern und Dichtern in Antananarivo (Universität Bayreuth)
(Auch eine interessante Vorstellung: Ethnologische Feldforschung bei jungen Dichtern in Bayreuth. Wenn jemand so etwas macht, oder sich Kenntnis verschafft etc.: Nachricht genügt!)
Als Teenager habe ich sehr viele Gedichte geschrieben, und ich empfinde Lyrik noch immer als natürlichere Ausdrucksweise. Ich denke, in mancher Hinsicht ist Lyrik eine wahrhaftigere Abbildung unseres Lebens.
/ Der britische Autor David Peace im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau 30.11.
Als Dr. Peter Böthig 1988 die DDR verließ, hatte er einen Rucksack und zwei Koffer dabei. In einem Koffer befanden sich Texte, Bilder und Poesie des DDR-Untergrunds.
Auf die Frage eines Grenzers, was er denn in den Koffern habe, antwortete der heutige Leiter des Rheinsberger Kurt Tucholsky Literaturmuseums: „Ach, nur Bastelkram!“ Der Grenzer glaubte es, Böthig reiste aus und mit ihm einige der faszinierendsten Hinterlassenschaften Ostberliner Künstler.
Einige dieser Bücher, Gedichte und Bilder können Besucher nun im Rheinsberger Literaturmuseum bestaunen, wo am Sonnabend die Ausstellung „Poesie des Untergrunds – Die Ostberliner Literaten- und Künstlerszene 1979 bis 1989“ eröffnet wurde. / Märkische Zeitung / Ruppiner Anzeiger 30.11.
Im Huchel-Haus zu Wilhelmshorst können sich Lyrik-Freunde am 8. Dezember auf den neuesten Stand bringen lassen. Das Literaturhaus stellt Deutschlands neue Dichter vor.
Die Lyrik erlebt zur Zeit einen Boom in der deutschen Literatur. So vital, so experimentierfreudig, so unterhaltsam, so klug wird derzeit kaum in einem anderen Land die Welt in Worte gefasst. Zwanzig Jahre nach der Wende hat sich eine neue Autorengeneration gebildet. Die in diesem Jahr bei „dtv“ erschienene Gedichtsammlung „Laute Verse. Gedichte aus der Gegenwart“ stellt 24 Lyrikerinnen und Lyriker der heutigen Szene mit jeweils zehn Texten vor und bietet so einen profunden Überblick. Zudem gibt jeder Autor mit der Interpretation eines seiner Gedichte einen Einblick in seine Schreibwerkstatt. Auf diese Weise entstand eine kleine Poetologie der Gegenwart.
Am 8. Dezember ab 20 Uhr werden Nico Bleutge, Anja Utler und Jan Wagner aus der Anthologie lesen. Durch den Abend führt der Herausgeber Thomas Geiger. / Märkische Allgemeine 30.11.
Die Lesung findet am 8. Dezember ab 20 Uhr im Huchel-Haus Wilhelmshorst, Hubertusweg 41, statt.
… Karl Heinz Rummenigge (der Franz Beckenbauer ein selbstgereimtes, zum Fremdschämen peinliches „Gedicht“ widmete) / FAZ.net 29.11.
Garten Buhlschafft / oder Kraut Lieb.
Ich war in einem schönen Garten /
Da der Braunellen ich must warten;
Alßbald sie kam vnd sah mich an /
Empfanden wir das Hertzgespan.
Ach! was empfind ich in dem hertzen /
Sprach sie / ich antwort / laß vns schertzen:
Je läng’r je lieber bist du mir /
Ja Tag vnd Nacht lieb bin ich dir /
Laß vns mit maß vnd ohn Maßlieben /
Laß vns das Nabelkraut verschieben /
Das so süß / vnder deinen Schurtz.
Ja Knabenwurtz vnd Ständelwurtz /
Sprach sie / mir allzeit wol zu schlagen:
Liebstöckel mögen wir auch wagen /
Dieweil sie gut für die / die blaich /
So stöck es tief in das Glidweich.
Glidkraut mein glid mit lust durchdringet /
Wan es kein Muterkraut mit bringet:
Auch lieb vnd süß ist die Mannstrew /
Mit Zapfen-kraut die frewd wirt new:
Dan seine Tugent stehts passieret /
So bald es kützlend tief berühret
Die zarte Nackent Hurenhaut
So wirt es gleichsam Seiffenkraut.
Es ist gnug laß nun ab zu schertzen /
Biß wir einander wider hertzen /
Vergiß mein nicht / vnd bleib doch weiß /
Mein Augentrost. Mein Ehrenpreiß.
Aus: Georg Rodolf Weckherlin: Gedichte. Stuttgart: Reclam, 1972, S. 230 f.
Jacob Polley erinnert sich lebhaft an den Augenblick, als er Emma Jones „entdeckte“, den neuen Stern der australischen Lyrik. „Ich dachte wow, wo hat sie das bloß her?“, erinnert sich Polley. Es war im Jahr 2006, als Polley, einer der bekanntesten britischen Nachwuchslyriker, als Gastlektor am Trinity College der Universität Cambridge ein kleines Treffen von Studenten und Autoren organisiert hatte. „Ich wollte einfach ein paar Leute zusammenbringen, die ihre Gedichte vorlesen, und über einen ihrer australischen Freunde hatte ich Emma getroffen und sie dazugeladen.“
Etwa acht Leute saßen an einem langen Tisch in einem Raum der Universität mit Kamin und beim Wein. Die junge Autorin aus Sydney las als erste ein unveröffentlichtes Gedicht, „Pieta“. „Es sollte gar keine Talentsuche sein“, sagt Polley, „aber plötzlich wurde es echt aufregend“. Hinterher mailte er sie an und bat um mehr Texte. Die gab er an Matthew Hollis von Faber & Faber, den Papst des Verlegens englischsprachiger Lyrik, mit den Worten: „Das müssen Sie sich ansehen“.
Faber, der Verlag von T.S. Eliot, Sylvia Plath, Marianne Moore, John Berryman und vielen, vielen anderen, veröffentlichte ihr Buch als erst zweiten australischen Gedichtband (nach Geoffrey Lehmann, 1994) und den einzigen Debütband des Jahres.
Vor zwei Monaten gewann ihr Buch „The Striped World“ den Literaturpreis des Premiers von Queensland. Vergangenen Monat folgte der Felix Dennis Prize, der höchste britische Preis für debütierende Lyriker. Sie ist auf der Shortlist für den John Llewellyn Rhys Prize, der am Montag vergeben wird, und sie wurde aus 30 Bewerbern als Gastautor des Wordsworth Trust in Grasmere im Lake District ausgewählt. / Peter Wilson, The Australian 28.11.
(mit Gedichtprobe: „Waking“)
The Striped World,
Faber & Faber, $24.95
Es hätte des Hinweises auf Kasimir Malewitsch im Anhang nicht bedurft, um mitzubekommen, dass Gennadij Ajgi nicht in ein Poesiealbum mit Puschkin oder Zwetajewa gehört. Eher in eines mit diversen Dichtern Westeuropas wie Alain Lance oder Eugenio Montale.
Aber auch mit den minimalistischen Flächen des gebürtigen Ukrainers Kasimir Malewitsch (1878 – 1935) illustriert könnte man sich die Gedichtbände des tschuwaschischen Dichters Gennadij Ajgi vorstellen. Es gibt sie sogar. Sie helfen zu verstehen, was der Bursche da tut. Auf russisch, wie es ihm 1960 Boris Pasternak geraten haben soll.
1960, da war der 1934 in Schajmurshino in Tschuwaschien Geborene schon längst aus dem Moskauer Gorki-Institut geflogen: „für das Schreiben eines feindlichen Gedichtbuches, das die Grundlagen der Methode des sozialistischen Realismus untergräbt“. Noch eine Schraube weiter, und aus dem Dichter wäre ein Terrorist geworden. Es steckt tief drin im Neu-Sprech der modernen Machthaber – diese bürokratische Lust, Menschen zu verurteilen, zu eleminieren, auszusortieren. …
Der Dichter, der 2006 in Moskau starb, fasziniert also die Verleger. Und die Übersetzer fordert er heraus. So wie minimalistische Maler ihre Betrachter herausfordern: Sätze werden nicht zu Bildern, Bildfolgen nicht zu Geschichten. Auch wenn das große weite Russland, in dessen Herzen Tschuwaschien liegt, natürlich drin vorkommt – mit Feldwegen, Pfahlzäunen, Schnee, Licht und – unbedingt – Birken. Alles Symbole für das unendlich große, fruchtbare und geplagte Land, die man kennt – von Mandelstam, Pasternak und Blok.
Aber bei Ajgi tauchen sie auf wie bei Malewitsch die schwarzen, weißen, grauen Flächen: Sie ziehen den Blick auf sich – und lösen sich gleich wieder auf in Wortfolgen, in denen der Dichter nachzusinnen scheint, halb wachend, halb träumend. Und immer wieder fasziniert von den eigentlich nicht wahrnehmbaren Bedeutungen, die der sinnende Mensch den Dingen, den Erscheinungen und den Worten unterlegt. Das Eigentliche, so scheint es, schwebt und webt hinter den Dingen – so wenig fassbar, dass dem Dichter oft gar nichts anderes übrig bleibt, als vorsichtig ins Unbenennbare zu deuten. / Ralf Julke, Leipziger Internet-Zeitung 29.11.
Gennadij Aijgi „Immer anders auf die Erde. Gedichte“, Leipziger Literaturverlag, Leipzig 2009, 19,95 Euro
So
Diese Lage
des Gedichts
ist ohne Gewicht.
Es wagt nichts, wendet
kein Ding vom Platz.
Es sucht nicht.
Wie es liegt
ist verendet
der Satz,
schreib es nicht.
Aus: Angelika Janz: Schräge Intention. Gedichte. Wien: edition ch 1995, S. 36.
© Angelika Janz 2000.
Meine Anthologie: Poetologisch
je müder ich bin
umso lieber
bin ich in wien
Ernst Jandl, aus: dingfest. gedichte. Sammlung Luchterhand 1990 (1. Ausgabe 1973), S. 115
Meine Anthologie: Dingfest
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