60. Mormone schreibt Hanukkahlied

Der mormonische Senator Orrin Hatch, bekannt als Verfasser christlicher Hymnen und patriotischer Liedchen, hat ein Lied für das jüdische Lichterfest Hanukkah geschrieben, „Eight Days of Hanukkah“, berichtet Slate. Es geht noch weiter: gesungen wird es von einer syrischstämmigen Sängerin. Hier die Originalveröffentlichung (Video + Bericht) im Magazin Tablet. (Dort erzählt der Anstifter Jeffrey Goldberg, warum es so wenig gute Hanukkahlieder gibt: weil die Juden damit beschäftigt sind, Weihnachtslieder zu schreiben).

59. Epos, Lyrik, Ballade und halt so ihre typischen Autoren

Spätestens zu Ende der 1940er-Jahre verabschiedet sich Arno Schmidt von der Lyrik als literarischer Kunstform. Den Erzähler des Romans „Aus dem Leben eines Fauns“ lässt er dekretieren: „So: Epos, Lyrik, Ballade: das ist nichts für mich“. Diese Aussage gilt zu diesem Zeitpunkt auch für Schmidt selbst. Dennoch hat er über einen beträchtlichen Fundus an englischsprachigen Gedichten und Liedern verfügt, und Spuren dieser Texte finden sich in allem, was Schmidt bis zu seinem Tod 1979 geschrieben hat.

Vieles von dem, was in diesen Fundus eingegangen ist, hat Schmidt sich schon in seiner frühen Lebens- und Lesezeit (bis etwa 1950) angeeignet; eine Anthologie dieser Gedichte und Lieder erschien vor fünf Jahren unter dem Titel „Music at Night“. Der nun vorgelegte Band „Ships in the Night“ schließt daran an und präsentiert vor allem solche lyrischen Texte, die Schmidt in späteren Jahren kennengelernt und wiederum in sein eigenes Werk eingearbeitet hat.

Einige der Autoren, die Schmidt in den 1950er und 1960er-Jahren ihrer Prosa wegen rezipiert, haben auch Gedichte geschrieben (etwa die Geschwister Brontë, Lewis Carroll und auch Edward Bulwer Lytton), und natürlich hat Schmidt mit dem Gesamtwerk solcher Autoren auch die lyrischen Teile zur Kenntnis genommen. Bei der Arbeit an „Zettel’s Traum“ dann kann er bei den Analysen der Werke von Edgar Allan Poe dessen Gedichte keineswegs auslassen; überhaupt sind unter den von Schmidt so genannten „Dichterpriestern“ überdurchschnittlich viele Lyriker, und so kehrt er in der zweiten Hälfte der 1960er-Jahre lesend und analysierend zur Lyrik zurück – nicht weil er plötzlich wieder ein Herz für Gedichte entdeckt hätte, sondern weil Gedichte und ihre typischen Autoren für seine psychoanalytisch unterfütterten neuen Analysemethoden sich als besonders fruchtbar erweisen. / literaturkritik.de

Friedhelm Rathjen (Hg.): Ships in the night. Arno Schmidt’s Second Garden of Verses.
Edition ReJOYCE, Scheeßel 2009.
172 , 17,00 EUR.
ISBN-13: 9783000293696

58. „Man suche nur nichts hinter den Phänomenen“

Wilhelm Fink schreibt die interessantesten Mails. Assoziativ, sprunghaft, spannend. Die sollte er mal veröffentlichen. (Tom, das Folgende enthält auch eine Mitteilung für dich. Von wegen privatistisch!). Hier aus dem neusten:

Lebensziel und Werkziel mußten zwangsläufig mit der Familie, mit der gebildeten Welt, mit dem Kunstbetrieb kollidieren. – . Für den Außenseiter gibt es zu Lebzeiten keine Gnade: Vincent van Gogh, Franz Schubert und wie sie alle heißen. Von Leuten wie J.M.R. Lenz (er schrieb von Goethe und sich den Text „Über unsere Ehe„) und von N.N. kann man sagen: Sein Leben lang versuchte er, den Ur-Spannungszustand zu heilen, der ihn von den Menschen trennt. Aber es gelingt nicht. Die Menschen nehmen sein „Nettsein“ gerne auf, fühlen sich als angestrahlte Hauptperson und verlieren dabei ihn, den Strahler, aus den Augen.

Michael, es gibt einen Unbekannten, Goethe. Seine Direktheit wirft mich geradezu um. „Das Höchste wäre, zu begreifen, dass alles Faktische schon Theorie ist. Die Bläue des Himmels offenbart uns das Grundgesetz der Chromatik. Man suche nur nichts hinter den Phänomenen; sie selbst sind die Lehre.“ Die höchste Kultur, die ein Mensch sich geben kann ist die Einsicht, dass die Menschen nichts von einem wissen. Hierzu ein andermal Näheres. Was dir und mir der Computer leistet, hatten Wolfgang und sein Vater im Hause. Eine perfekte Schreibkraft. Ein Bruder des Vaters war verblödet gestorben. Da versprach er der Clauer-Mutter für den Sohn als Vormund zu sorgen. Clauer ein promovierter Jurist, Wolfgang nur Lizentiat, war schizophren und lebte 25 Jahre im Hause am Hirschgraben. Zeitweise, wenn Clauer Krankheitsschübe hatte und tobte, hielt ein Grenadier vor seinem Zimmer Wache.

… Goethes Vater selbst war gemeint, er hatte selbst einen Bruder, der blödsinnig gestorben ist. Cornelia, Wolfgangs Schwester, wollte ihr erstes Kind nach der Niederkunft fortgeben, „weil es dann mehr Freude habe“.

– – im Mansarden-Stock, nach der Straße hin, lag Johann Wolfgangs Zimmer. 30 Jahre lang wohnte dort auch noch der seit Ende seines Studiums geistig umnachtete Dr. Johann David Balthasar Clauer, für den Johann Kaspar für ein tägliches Kostgeld von einem Taler die Vormundschaft übernommen hatte.
Clauer hatte eigenes Geld, er aß Luxusspeisen aus silbernen Schüsseln, wurde bedient. Sein Zimmer war, sein Wunsch, überheizt, völlig verwahrlost, beschmutzt. Das war seine Nische.

Über Clauer ausführlicher –
Elisabeth Mentzel im Jahrbuch des Freien Deutschen Hochstifts 1914/15 über den
Schizophrenen Clauer im Goethe-Haus.

57. „Sprachgeschenke für Friederike Mayröcker“

Am 20. Dezember feiert die Grande Dame der österreichischen Lyrik, Friederike Mayröcker, ihren 85. Geburtstag. Gewürdigt wird die Schriftstellerin bereits im Vorfeld mit Filmen, in Radiosendungen und mit „Sprachgeschenken“.
Eigentlich würde sie sich anlässlich ihres Ehrentags lieber verstecken, hat die Autorin gestanden, denn „85 ist kein schöner Geburtstag“.

Vielleicht ändert sich ihre Einstellung, wenn sie am Freitag von Freunden, Wegbegleitern und Kollegen im Großen Sendesaal des RadioKulturhauses „Sprachgeschenke für Friederike Mayröcker“ entgegennehmen wird.

So lautet der Titel der von Irene Suchy moderierten und von der neu gegründeten Friederike Mayröcker Gesellschaft organisierten Veranstaltung, zu der u. a. Bodo Hell, Peter Weibel, Sonja Harter, Elisabeth von Samsonow und Andreas Okopenko erwartet werden. Den musikalischen Teil gestaltet der Pianist Peter Ponger. / ORF

56. Sonett vo de Müntschi

Natürlich: Am gefälligsten sind Fritz Widmers Gedichte, wenn er sie singt. Den «Wintersamschtig» auf dem Berner Märit, das «Sonett vo de Müntschi» mit der wunderbaren Quintessenz, dass «es Müntschi e Bsuech vo eir Seel biren andre isch», die «Schärischlyferballade» über den verträumten Vaganten, den Widmer aus Skandinavien auf den Weg «über Langete gäge Buchsi» verpflanzt hat. Dann nimmt man mit Freuden wahr, was für ein begabter und liebenswerter Liedermacher dieser Berner Troubadour und Freund von Mani Matter doch ist. …

So nahe einem Widmers eigene, die ihm vertraute Welt und persönliche Lebenserfahrung spiegelnden Gedichte gehen: Seine Virtuosität in der Verwendung des Berner Dialekts zeigt sich am anschaulichsten in den Übersetzungen aus anderen Sprachen und aus dem Hochdeutschen, von denen der Band eine ganze Reihe enthält. Wenn er Lars Gustafssons Elegie über verlorene Gegenstände auf den Bauernhof seiner Eltern verlegt, wenn er aus Shakespeares 71. Sonett eine erschütternde berndeutsche Totenelegie macht, oder wenn er «Fin ch’han dal vino», die Arie des Don Giovanni aus Mozarts gleichnamiger Oper, in ein wunderbar pfiffiges Berndeutsch überträgt:

«Feschte u lache,
suufe u singe,
heiss wärde d Gringe
vo all däm Wy.

Nume nid lugg la,
Meitli hät’s gnue da,
nume nid zaagge,
göht se ga fa.»

Friz Widmer: Wo geit das hi, wo me vergisst? Mundarttexte. Cosmos Verlag, Muri bei Bern 2009. 128 Seiten. Fr. 29.–.

/ Der Bund 8.12.

55. IN SEARCH OF THE AUDEN MARTINI

How to make a cocktail beautiful, humanizing, and good.

By Rosie Schaap
Poetry Media Service

So strong is W.H. Auden’s association with the martini that his home city of York, England, marked the 2007 centenary of his birth with tributes not only in words but also in booze.

It’s tricky to confirm exactly what Auden’s martini preferences were. We know that the martini was sufficiently present in Auden’s consciousness to inspire him to write, in taut haiku, this passage of his poem “Symmetries and Asymmetries”:

Could any tiger
Drink martinis, smoke cigars,
And last as we do?

Never mind war, disease, poverty, or the passion that could reduce Auden himself to despair. Here, the measures of our toughness and endurance as a species are the cigar and the martini.

Wystan Hugh Auden took the martini seriously. Richard Wilbur, in a 1993 interview conducted by Lorraine Pearsall, recounts one of his few conversations with the elder poet. “Auden had ordered a martini and I had ordered a martini, and we talked about martinis, and we discussed the fact that if you are devoted to martinis, it’s very hard to get a good one away from home,” Wilbur recalled. “I think that was the essence of our deep conversation, but it was heartfelt.”

I can envision Wilbur and Auden commiserating over the matter, though I puzzle over Wilbur’s sarcasm. Why should such a discussion not have been deep and heartfelt? It’s true that even in the most venerable venues, it’s not easy to get a good martini.

But what sort of martini did Auden prepare at home? If Tarquin Winot, the epicurean protagonist of John Lanchester’s novel The Debt to Pleasure, is to be believed, he made them like so: “I borrowed W.H. Auden’s technique of mixing the vermouth and gin at lunchtime (though the great poet himself used vodka) and leaving the mixture in the freezer to attain that wonderful jellified texture of alcohol chilled to below the point at which water freezes. The absence of ice means that the Auden martini is not diluted in any way, and thus truly earns the drink its sobriquet ‘the silver bullet.’”

It’s charming—sort of—to imagine W.H. Auden, with his lined, noble countenance, inventing the progenitor of the Jell-O shot, but Winot, a perverse and unreliable narrator, is not to be believed, and it seems questionable that an Englishman of Auden’s generation would abide, much less favor, a martini made with vodka instead of gin.

Maybe what I’m trying to say is: I don’t want to believe it. I don’t want to lump Auden in with the cocktail consumers I’ve seen belly up to bars at innumerable happy hours, lean their elbows on the polished wood or marble or zinc, and, with an air of sophisticated authority, order an extra-dry vodka martini with extra olives. I want to pry away their drinks and replace them with real martinis—made with gin and considerably more than a rumor of vermouth, and garnished, if garnished they must be, with clean, curly twists of lemon peel. It’s much the way I feel when, riding the subway some evenings, I catch sight of someone reading Atlas Shrugged, and want to tear the book from his or her hands and replace it with Paradise Lost or The Prelude. Life is too short for Ayn Rand, when one’s time could be spent with Milton or Wordsworth—that is, with something beautiful and humanizing and good. And life is too short for a 10-ounce glass of chilled vodka masquerading as a cocktail, too short to forgo the pleasure of the real martini, a drink that at its best, too, is beautiful, and humanizing, and very, very good.

The notion of Auden’s preferred martini being made with vodka and nearly frozen may have come from an essay by one of his brothers. But John Auden, distinguished geologist and explorer, is ambiguous with respect to his brother Wystan’s martinis. “Although strictly disciplined in regard to work every morning, and with only a beer or a plain martini at lunch, the evenings brought stiff vodkas and martinis from the freezer, which we would drink measure for measure.” By “plain martini” does John mean one made with gin? Were the martinis Wystan withdrew from the freezer along with the “stiff vodkas” based on the same spirit? I was recently told a story about a young magazine writer and editor in New York in the 1950s, who was invited to a party chez Auden. He got so “sick-drunk on Auden’s martinis,” it was said, “that he swore off gin from then until the day he died.” Anecdotal, sure, but it suggests that Auden could go both ways with the martini, sometimes deploying gin, sometimes vodka.

I asked Michael Andre, poet and publisher of the little magazine Unmuzzled Ox, who interviewed Auden as the great Modernist was packing to leave New York City for the final time, if he knew of an “Auden martini” made with vodka and popped in the freezer. Andre had never heard of it, but helpfully added: “The Andre cocktail consists of Valium, Thorazine, Jack Daniels, and a Bud. Works every time.” I don’t doubt it. But I suspect that Andre had forgotten Auden’s aphoristic late poem “Contra Blake”:

The Road of Excess
leads, more often than not, to
The Slough of Despond

Rosie Schaap’s work has aired on This American Life, and her book Drinking with Men, a collection of true stories set in bars she’s known and loved, will be published next year by Riverhead. This article was originally published at http://www.poetryfoundation.org. Distributed by the Poetry Foundation.

© 2009 by Rosie Schaap. All rights reserved.

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54. Schwarzdruck

Ganz frühe Arbeiten neben noch nie veröffentlichten – die fasst jetzt ein Gedichtband zusammen, den Steffen Mensching in der Edition Schwarzdruck, die in Hohen Neuendorf und Berlin agiert, herausgebracht hat.

Im elegant schmalen Format erschien „Das gewisse Etwas“, ausgewählt hat die Gedichte Steffen Mensching selbst. Seine ersten Verse waren 1979 in der Reihe „Poesiealbum“ erschienen, da war der Schreiber 21 Jahre alt und hatte gerade ein Journalistikstudium an den Nagel gehängt. Zuviel Politik, zu wenig Sprache. Mensching studierte Kulturwissenschaften an der Berliner Humboldt-Universität, gehörte zum Liedertheater „Karls Enkel“ und sorgte später im Verbund mit Hans-Eckardt Wenzel für Furore in der DaDaeR.

1982 hatte Mensching mit dem Gedichtband „Erinnerung an eine Milchglasscheibe“ seinen erfolgreichen Lyrikereinstand gegeben. Wie haben die Gedichte von einst Bestand vor der Zeit? Klar, direkt, unsentimental, und doch sinnlich – so die Attribute, die diese Lyrik noch heute lesenswert macht. Allen voran die titelgebende Milchglasscheibe. Die Gedichte an Rosa L. oder Karl M. künden von einst anarchistischer Sozialismusromantik. Die jüngeren Texte sind einsamer, sagt der Dichter, „ihre Wut abgeklärter, ihr Schmerz kälter“. / Märkische Allgemeine 8.12.

Steffen Mensching „Das gewisse Etwas“, Edition Schwarzdruck, 128 Seiten, limitierte Auflage, 27 Euro.

53. Neues vom Joachim-Ringelnatz-Preis

Die Stadt Cuxhaven teilt mit, daß ein neuer Sponsor für den Nachwuchspreis zum Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik 2010 gefunden wurde.

Pressegespräch Samstag, 12.12.2009, 16.00 Uhr, Donner´s Hotel, Am Seedeich 2, 27472 Cuxhaven

52. Lob des Kapitalismus (Mandevilles Bienenstock)

Eine Antwort lieferte der in London lebende niederländisch-französische Arzt Bernard Mandeville. Er beschrieb 1705 in einem Gedicht („The Grumbling Hive“) einen munter summenden Bienenstock, dessen „Bewohner“ typische menschliche Laster hatten: Gier, Geiz, Eigennutz – bis ein gütiger Gott sie kurzerhand von allen Lastern befreite. Das Ergebnis: Der Bienenstock verödete, das Leben kam bis auf kärgliche Reste zum Erliegen: „Was früher drei zusammen machten / die sich einander überwachten / Das macht jetzt einer gut und ehrlich / So werden Tausende entbehrlich.“ Die Luxusbienen, die Arbeiterbienen, die Kriegerbienen verlieren alle ihre Existenz. „Stolz, Luxus und Betrügerei / muss sein, damit ein Volk gedeih!“, resümiert Mandeville.

Das war für damalige Moralvorstellungen starker Tobak, stellte es doch gängige Annahmen über die Welt geradezu auf den Kopf: Nach Mandeville resultierte der Wohlstand eines Landes nicht mehr aus dem gottgefälligen Handeln seiner Bewohner, sondern aus der Tatsache, dass sie mehr oder weniger ungehemmt den eigenen Vorteil suchen. Hauptsache, der Umsatz stimmt, könnte man zugespitzt sagen. Auch der Untertitel der „Fable of the Bees“ war eindeutig: „Private Laster / Allgemeiner Nutzen“. Seine Kritiker warfen Mandeville vor, Religion, Sitte und Anstand über Bord zu werfen und Chaos und Laster Vorschub zu leisten. / Werner Plumpe, FAZ 7.12.

51. American Life in Poetry: Column 246

BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE

Childhood is too precious a part of life to lose before we have to, but our popular culture all too often yanks our little people out of their innocence. Here is a poem by Trish Crapo, of Leyden, Massachusetts, that captures a moment of that innocence.

Back Then

Out in the yard, my sister and I
tore thread from century plants
to braid into bracelets, ate
chalky green bananas,
threw coconuts onto the sidewalk
to crack their hard, hairy skulls.

The world had begun to happen,
but not time. We would live
forever, sunburnt and pricker-stuck,
our promises written in blood. Not yet

would men or illness distinguish us,
our thoughts cleave us in two.
If she squeezed sour calamondins
into a potion, I drank it. When I jumped
from the fig tree, she jumped.

American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2004 by Trish Crapo and reprinted from Walking Through Paradise Backwards, Slate Roof Press, 2004, by permission of Trish Crapo and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.

50. Angriff

Poet Laureate Carol Ann Duffy nutzt das Weihnachtsgedicht zum Angriff auf die britische Gesellschaft, schreibt die Times.

In dem Bericht heißt es:

Der Lyriker Roger McGough sagte: „Es ist gut, daß sie als Lautsprecher für eine bessere Welt auftritt. Vor 10 Jahren wäre das gar nicht veröffentlicht worden. Sie benutzt ihren neuen Posten großartig.“

Duffy sagte im vergangenen Sommer, ihren Gedichten sei unsichtbar ein Verlangen nach einer neuen Art von Politik eingeschrieben: „Parteipolitik funktioniert nicht mehr. Die Besten in unserem Land müssen zusammenkommen und über die vor uns liegenden gewaltigen Herausforderungen reden.“

Hier der vollständige Text:

The Twelve Days of Christmas 2009 by Carol Ann Duffy

A seasonal verse by the new poet laureate Carol Ann Duffy, commissioned exclusively for Radio Times.

49. Artus

Liebe Freunde, Kollegen, ARTus-LeserInnen,

ich eröffne morgen – 19 Uhr – in der Stralsunder Volkshochschule, Friedrich-Engels-Str. 28, meine Ausstellung »Köpfe«, verbunden mit einer Lesung der betreffenden Kolumnen (»SO GESEHEN«), die bislang in der OZ (Rügen) erschienen sind. Von über 440 Kolumnen seit 2001 eine arg knappe Auswahl von etwas über 20 Kolumnen. Zu sehen und zu hören sind meine Porträts in Wort und Bild u. a. über Lyonel Feininger, Hannah Höch, Heiner Müller, Edgar Allan Poe, Horst Drescher, Victor Klemperer, Rosa Luxemburg, Christa Wolf, Christoph Hein, Frieder Jelen, Michael Morgner, Sahra Wagenknecht, Walter Felsenstein, Mascha Kaléko, Peter Wawerzinek, Reiner Kunze, Adolf Endler, Friedrich Schiller und Steffie Spira… Ich werde über Entstehungsgeschichten zu den Zeichnungen und Texten Kunde geben und hoffe auf viele Fragen und neue Anregungen für das Aufspüren neuer Beiträge über interessante Persönlichkeiten.
Vielleicht sehen wir uns »SO GESEHEN« am Dienstag? Herzlichst
Walter G. Goes alias ARTus

48. NEUES VOM JETZT (V)

Juliane Liebert und Konstantin Ames haben zumindest eines gemeinsam: Sie sind beide gewissermaßen die Poeten der Stunde. Juliane Liebert, Jahrgang 1987, ist mit ihrem Gewinn des Wolfang-Weyrauch-Förderpreises 2009 überhaupt erst auf der Bildfläche der Öffentlichkeit erschienen, und Konstantin Ames hat vor wenigen Wochen den diesjährigen open mike im Bereich Lyrik gewonnen.

Mittwoch, 9. Dezember 2009, 20 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
NEUES VOM JETZT (V)
Eine Versuchsanordnung junger deutschsprachiger Gegenwartslyrik an fünf Abenden

Teil 5: Juliane Liebert und Konstantin Ames
Gastgeber: Ron Winkler und Björn Kuhligk

Im Jahr 2008 sind zwei Anthologien erschienen, die man zu Recht als Bestandsaufnahmen aktueller deutscher Lyrik der jüngeren Generation bezeichnen kann: Lyrik von JETZT zwei, herausgegeben von Björn Kuhligk und Jan Wagner (Berlin Verlag, 2008), sowie Neubuch, herausgegeben von Ron Winkler (yedermann Verlag, 2008). Die Autorinnen- und Autoren-Auswahl der beiden Bücher überschneidet sich, jedes setzt jedoch auch eigene markante Akzente.

Vor diesem Hintergrund ist in der Lettrétage die Idee einer kompakten Gesamtschau der aktuellen deutschsprachigen Lyrik jüngerer Autorinnen und Autoren an fünf Abenden entstanden, einer einmaligen Inventur, die sich aus den Quellen der genannten Anthologien speist, wobei Seitenarme, Gegenströmungen, Stromschnellen und Untiefen billigend in Kauf genommen werden. Jeweils zwei der genannten Anthologie-Herausgeber laden pro Abend zwei Lyriker/innen ein, um Neuestes aus ihrer Feder zu hören sowie um mit ihnen über Lyrik zu sprechen, poetologische Positionen zu diskutieren und auf jeweils einen besonderen Aspekt zu sprechen zu kommen.

Konstantin Ames, geboren 1979 in Völklingen/Saarland. Veröffentlichungen in Zeitschriften und Anthologien, u.a. Jahrbuch der Lyrik 2008 und 2009, Gewinn des open mike 2009.

Juliane Liebert, geboren 1987 in Halle an der Saale, 2007 Teilnahme am open mike und Gewinnerin des Wolfgang-Weyrauch-Förderpreises 2009.

NEUES VOM JETZT wird gefördert von der Stiftung Preußische Seehandlung, vom Verein Berliner Kaufleute und Industrieller e.V., vom Berlin Verlag sowie vom österreichischen Kulturforum in Berlin. Für die Unterstützung bedanken wir uns sehr herzlich!

47. Hunderttausend Milliarden Gedichte

Eines der eindrücklicheren Beispiele dafür lieferte Queneau selbst mit seinen «Hunderttausend Milliarden Gedichten». Er schrieb zehn (!) Sonette, deren Zeilen beliebig ausgetauscht werden können, was zehn hoch vierzehn Kombinationen erlaubt. Geschätzte Lesezeit: je nach Tempo zwischen 90 und 190 Millionen Jahre. Kleine Lesehilfe: Die Buchseiten wurden so in Streifen geschnitten, dass sich jede Zeile einzeln umblättern lässt. Ob die Gedichte so gut sind wie der Trick, der ihnen zugrunde liegt? «Seien wir lieber intelligent als seriös», lautete jedenfalls einer der von Queneau formulierten Oulipo-Grundsätze. Bei allem Vermeiden von krampfhafter Seriosität funktioniert ein grosses Spiel wie das Oulipo nur mit konsequent eingehaltenen Regeln, und seien sie noch so skurril.

Fünfunddreissig lebende und tote Autoren gehören der Werkstatt an, Verstorbene bleiben Mitglieder, sie sind «wegen Ablebens entschuldigt». Neben Autoren wie Georges Perec, Italo Calvino und Oskar Pastior werken in dem erlesenen Kreis, in den nur aufgenommen wird, wer sich nicht dafür bewirbt, aber auch «reine» Mathematiker. Einer von ihnen, Jean Lescure, erfand das bekannte Literatur-Produktions-Verfahren «s + 7», das Ersetzen der Substantive eines Textes durch das jeweils siebtnächste im Wörterbuch. Das Spiel lässt sich natürlich auch mit anderen Zahlen durchführen, die Regel wurde rasch auf «s + n» erweitert.

«Am Anfang schuf Gott Hirn und Eintopf. Und der Eintopf war wüst und leer, und es herrschte Fisch auf der Terrine» – so beginnt die Genesis nach Marcel Bénabou, dem «definitiv provisorischen» bzw. «provisorisch definitiven» Sekretär der Literaturwerkstatt. Es handelt sich um eine Variation der «s + n»-Methode, Bénabou ersetzt jedes Substantiv durch das jeweils nächste «kulinarisch verwendbare». / Georg Renöckl, NZZ 5.12.

Bis auf die Knochen. Das Kochbuch, das jeder braucht. Herausgegeben, übersetzt sowie mit zahlreichen Zutaten und Beilagen versehen von Jürgen Ritte. Arche, Zürich 2009. 224 S., Fr. 39.–. Georges Perec: Über die Kunst seinen Chef anzusprechen und ihn um eine Gehaltserhöhung zu bitten. Aus dem Französischen von Tobias Scheffel. Klett-Cotta, Stuttgart 2009. 112 S., Fr 26.90. Jacques Roubaud: Der verlorene letzte Ball. Aus dem Französischen von Elisabeth Edl. Wagenbach, Berlin 2009. 120 S., Fr. 26.80.

46. Bocca della Verità

In assoziativer, von sprunghaft wechselnden poetischen Bildern durchsetzter Art stellt Friederike Mayröckers Hörspiel «Bocca della Verità» eine weitere Ausfaltung charakteristischer literarischer Texturen der Autorin dar. Es ist dem Schweizer Radio DRS zu danken, sich des 1977 erstgesendeten Hörstücks – wohl anlässlich des 85. Geburtstages der Autorin Ende Jahr – erneut angenommen zu haben. Unter Stephan Heilmanns Regie ist ein polyfoner, durch Philipp Schaufelbergers vielgestaltige musikalische Instrumentierung belebter Polylog entstanden. … Und da sind die vielen Vögel, welche – Mittler zwischen poetischem Schweben und dem leiblichen Sein – eine treffliche Verbindung stiften von Mayröckers Hörspiel aus den späten siebziger Jahren zu den unter dem Titel «dieses Jäckchen (nämlich) des Vogel Greif» eben erschienenen neueren Gedichten.. / NZZ 4.12.

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Friederike Mayröcker: Bocca della Verità, Hörspiel, 1 CD (49 Min.), DRS / Christoph-Merian-Verlag, 2009.