Drei dichtende Stimmen, die in der BRD der 70er und 80er aufwuchsen. Zwei in Bremen, eine in Frankfurt/Main. Inzwischen: Zwei Frauen, ein Mann & zwei Bremer in Berlin. Alle haben eigene Gedichtbände veröffentlicht. Eine macht außerdem in Schals, eine schreibt lebenspraktische Romane, eine(r) Artikel & Songs.
NIKOLA RICHTER
“denn ich hole meinen freund von der bushaltestelle ab, wir weinen zur begrüßung und pinkeln zwischen autos in der nebenstraße. und wenn einer sagt, das ist doch mal wieder kein gedicht, dann sag ich nix, aber pass mal auf, denn hier ist das leben, hier”
Nikola Richter, geboren 1976 in Bremen. Lebt in Berlin. Nach dem Studium Stipendien-, Praktika- und Jobmarathon. Mitbegründerin der Berliner Lesebühne visch & ferse und Initiatorin des literarischen Hinterzimmer-Salons. Als Online-Redakteurin konzipiert sie Blogs für Kulturveranstaltungen. Sie veröffentlicht Erzählungen und Lyrik, arbeitet als Theater- und Hörspielautorin. Sie publizierte den Lyrikband »roaming« und die Storys »Schlussmachen auf einer Insel«, im Fischer Taschenbuch Verlag erschien »Die Lebenspraktikanten«. Aktueller Gedichtband: „die do-re-mi-maschine“ (Lyrikedition 2000, München 2009).
Links:
http://www.fischerverlage.de/autor/Nikola_Richter/17604
http://www.allitera.de/Richter,+Nikola:die+do-re-mi-maschine_Lyrikedition+2000_978-3-86906-076-7_t.html
http://hinterzimmer-salon.blogspot.com
http://www.blogmacherei.de
JULIA MANTEL
“auf dem weg / mir schuppen / zu holen / auf der haut / die ohne unterlass / altert / rütteln passanten / kastanien / von den bäumen / riecht es links / nach gegrilltem / fleisch / feiert der himmel / sein blau ohne / wolken”
Julia Mantel wurde Mitte der Siebziger in einem Vorort von Frankfurt am Main geboren. Nach dem Abitur Umzug in den Norden und Studium der “Angewandten Kulturwissenschaften” in Lüneburg. Seit 2000 konzentriert sie sich auf Lyrik und Kurzprosa. Teilnahme an der Literaturwerkstatt von Kurt Drawert (Zentrum für junge Literatur, Darmstadt). Publikationen in zahlreichen Anthologien, unter anderem im Eichborn und Verbrecher Verlag. Heute lebt sie als Autorin, Strickkünstlerin und Sprecherin in Frankfurt am Main. Aktueller Gedichtband: „New Poems“ (Fixpoetry).
http://www.unvermittelbar.de/
http://www.fixpoetry.com/autoren/julia_mantel.html
LUTZ STEINBRÜCK
“verwaiste Maschen / in geklärter Luft blähen sich Hosenbeine auf / einen Stoß mehr oder weniger / halten sie aus, hier / wächst hartes Holz / wo sich die Engel als Insekten tarnen / ist die Sonne verpixelt und wortkarg / holen die Felder ihre Andenken heim”
Lutz Steinbrück (Berlin), geboren 1972 in Bremen, lebt als Journalist (taz, Tagesspiegel, FR, Berliner Literaturkritik), Musiker (Band: Nördliche Gärten) und Autor (Lyrik, Drama) in Berlin. 2008 erschien sein Lyrikband Fluchtpunkt:Perspektiven im Lunardi Verlag (Berlin). Veröffentlichungen in den Zeitschriften Belletristik und außer.dem sowie online im Poetenladen, bei Lyrikmail und anderswo.
http://www.lunardi-verlag.de/index.php?id=10001&b_id=7
http://www.poetenladen.de/lutz-steinbrueck.htm
http://www.myspace.com/noerdlichegaerten
18. Februar 2010
Einlass: 20h
Buchhandlung Leseglück
Ohlauerstr. 38
10999 Berlin/Kreuzberg
www.leseglueck-berlin.de
In ihrem Film „Black Bus“ porträtiert die israelische Regisseurin Anat Yuta Zuria zwei junge Frauen, die in einer ultraorthodoxen Gemeinde aufgewachsen sind und ihr den Rücken kehren:
Ich habe einen interessanten muslimisch-feministischen Ausdruck gefunden. Dort war die Rede von „Geschlechterapartheid“. Das fand ich passend. Die Frauen sind Menschen zweiter Klasse. Sie haben nicht die gleichen Rechte. Sie können keine Gesetze machen, keine Führungspositionen einnehmen. Sie dürfen sich nicht ausdrücken, weder in der Lyrik noch im Gesang. Sie sind Menschen zweiter Klasse. Es ist ungerecht. / DLR 15.2.
BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
A poem is an experience like any other, and we can learn as much or more about, say, an apple from a poem about an apple as from the apple itself. Since I was a boy, I’ve been picking up things, but I’ve never found a turtle shell until I found one in this poem by Jeff Worley, who lives in Kentucky.
On Finding a Turtle Shell in Daniel Boone National Forest
This one got tired
of lugging his fortress
wherever he went,
was done with duck and cover
at every explosion
through rustling leaves
of fox and dog and skunk.
Said au revoir to the ritual
of pulling himself together. . .
I imagine him waiting
for the cover of darkness
to let down his hinged drawbridge.
He wanted, after so many
protracted years of caution,
to dance naked and nimble
as a flame under the moon—
even if dancing just once
was all that the teeth
of the forest would allow.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2008 by Jeff Worley, whose most recent book of poems is Best to Keep Moving, Larkspur Press, 2009, which includes this poem. Reprinted from Poetry East, Nos. 62 & 63, Fall, 2008, by permission of Jeff Worley and the publisher.
Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Das Buch ist etwas älter, die Rezension von Carola Gruber aber frisch. Hier einige Ausschnitte:
Ein Dokument dieser anhaltenden Expansionsbewegung der Narratologie ist der von Jörg Schönert, Peter Hühn und Malte Stein vorgelegte Band Lyrik und Narratologie (2007).
Eine Grundannahme der Autoren ist, dass lyrische Texte – ähnlich wie dramatische Texte – Reduktionsformen des Erzählens sind, deren »Reduktionsgrade im Anlegen möglicher Vermittlungsebenen« variabel sind.
Die Herausgeber verzichten bei der Textauswahl auf »offensichtlich narrative Gedichte wie Balladen und Romanzen oder wie Verserzählungen« (S. 2). Ihre These lautet: Auch nicht offenkundig erzählende Gedichte, also »lyrische Texte im engeren Sinne« (S. 2), weisen strukturelle Analogien zu Prosaerzählungen auf (S. 2). Auch wenn die Strukturanalogie »zwischen Lyrik und Erzählliteratur […] als potentiell zu verstehen« sei, treffe sie doch für »eine erstaunlich große Zahl von Gedichten« zu (vgl. S. 2 f.). Und zwar für »Vertreter des Kanons deutschsprachiger Lyrik« (S. 13) – so lautet der Anspruch der Textauswahl.
Anders, als es der Untertitel des Bandes verspricht, reicht diese Auswahl nicht nur vom 16. Jahrhundert bis zum 20. Jahrhundert, sondern mit der Analyse von Ilma Rakusas »Limbo« sogar bis ins 21. Jahrhundert.
… Ein Gewinn für die Lyrikanalyse ergibt sich aus dieser Differenzierung insofern, als dass »Widersprüche zwischen der Äußerung des Sprechers und der Komposition des Textes (die dem abstrakten Autor zuzuordnen ist)« als »unzuverlässiges Erzählen« beschrieben werden können – wo doch die Lyrikanalyse aus Sicht der Autoren des Bandes die Unzuverlässigkeit des Sprechers »noch nicht programmatisch untersucht« hat.
An mehreren Stellen ist dem Band der Prozess einer Begriffsfindung und ‑klärung noch abzulesen. So werden die eingangs vorgestellten Kriterien in den einzelnen Gedichtanalysen nicht streng nach einem einheitlichen Schema abgearbeitet. Und es kommt vor, dass Begriffe in ihrer Problematik erst in einzelnen Beiträgen zu bestimmten Gedichten aufgearbeitet werden wie zum Beispiel der des »lyrischen Ichs« in Malte Steins Analyse von Ingeborg Bachmanns Gedicht »Im Zwielicht«.
Wie es mit dem zweiten Anliegen ist, die besonderen narrativer Strukturen von Lyrik herauszuarbeiten, sei angesichts des schmalen Corpus von lediglich 20 Gedichten dahingestellt. Diese Ergebnisse sind ebenso wie die komparatistischen Überlegungen zum Vergleich englischsprachiger und deutschsprachiger Lyrik sicher mit Vorsicht zu genießen.
Der ganze Text hier
Das Literaturhaus Schleswig-Holstein präsentiert am Donnerstag, 18. Februar 2010, um 17 Uhr den Kieler Schriftsteller Arne Rautenberg, der in Lesung und Gespräch seinen neuen Gedichtband für Kinder vorstellen wird. Zusätzlich zu der Buchpremiere findet vormittags eine Lesung für Schulklassen aus dem Gedichtband statt. / fördeflüsterer
Hoch in den Jahren
Du? – sprichst zu schnell.
Und dann ins tote Ohr.
September 1976
Aus: Elke Erb: nachts, halb zwei, zu Hause. Texte aus drei Jahrzehnten. Leipzig: Reclam 1991, S. 53.
Vor Liebe irr
Ich sah ihr Antlitz an und ward vor Liebe irr.
– Wer starken Wein trinkt, dessen Kopf wird wirr.
Ihr Blick gab jedem Furcht ein, nur ihr selber nicht.
– Das Schwert erschlägt nicht den, der damit sticht.
Ich sah sie weinend an. Ihr Antlitz war voll Wonne.
– Die Wolke weint, darüber steht die Sonne.
Sie war so wohlgestalt. Stets schwebt ihr Bild mir vor.
– Die schöne Melodie bleibt lange noch im Ohr.
Ihr Scheiden schuf mir großes Herzeleid.
– Sobald die Sonne geht, herrscht Dunkelheit.
Aus: Andalusischer Liebesdiwan. Nachdichtungen Hispano-Arabischer Lyrik von Janheinz Jahn. Freiburg i. Breisgau: Verlagsanstalt Hermann Klemm, 1955, S. 31.
Abu Hafs, 12. Jahrhundert, Cordova
Über die andalusischen Dichter jener Zeit schreibt der Herausgeber: „Orient und Okzident fließen in Al-Andalus zusammen. Hier vermischen sich die Völker, denn der Islam kennt keine rassischen Vorbehalte. Araber, Iberer, Goten und Juden tragen, im neuen Glauben geeint, ihr Teil bei zur gemeinsamen hispano-arabischen Kultur, in der sie so völlig aufgehen, daß wir heute nur selten feststellen können, ob die frühen Vorfahren eines maurischen Dichters am Indischen Ozean, am Atlantik, an der Ostsee oder am Toten Meer gelebt haben.“ (A.a.O. S. 29f) – An der Ostsee – voilà!
Nebel
Nebel ist blaue Sprache
vom Meer an einsame Ufer gespült
Schritte sind fremdes Laub –
Kette am gleitenden Fuß.
Nichts ist mehr nah –
aus fernen Gewässern
steigen Gesichte
Fetzen aus Dunst
milchige Streifen
scheuchen die Nacht und fallen
zurück in den Schlamm.
Stunden fliehen
über den eigenen Kreis.
Fremde Schiffe – tote Zeichen
im verbrannten Nebel –
Leuchtspur unter schwarzem Himmel.
1956.
Aus: Anneliese Hager: Die rote Uhr und andere Dichtungen. Hg. von Rita Bischof und Elisabeth Lenk. Zürich: Arche Verlag, 1991, S. 64.
Die Imitation von Harmonie, die durch die Anhäufung gleichlautender Buchstaben entsteht, ist eine schlichte und gewöhnliche Täuschung. Ich bin überzeugt davon, dass der Hang zu solchen Täuschungen der Freude geschuldet ist, die sich beim Erleben dieser Harmonie in der Dichtung einstellt. Versteht ein Mensch etwas, das er für unbegreiflich hielt, so freut er sich. Diese Freude ist nichts anderes als der Wunsch, ein für unbegreiflich gehaltenes Werk mit Erfolg zu durchdringen, sich auf eine Ebene mit dem Autor zu stellen, letztlich also sich selbst zu gefallen. / Orhan Veli Kanık: Fremdartig. Einleitung zu dem Gedichtband diesen Titels (1941), den er gemeinsam mit Oktay Rifat und Melih Cevdet Anday verfaßte. In: Mark Kirchner (Hrsg.): Geschichte der türkischen Literatur in Dokumenten. Wiesbaden: Harrassowitz 2008, S. 145f.
und viele andere, von Franz Schubert vertont, gibt es auf das-Lied.org. Gesungen von Peter Schöne (Bariton) und Boris Cepeda (Klavier). Und zwar kostenlos zum Download. Riesenprojekte, die sich Plattenfirmen kaum noch trauen, entstehen auch mal unabhängig einfach so.
Ulrich Eisenlohr nimmt Schuberts sämtliche Lieder auf
Das Grundproblem jeder Gesamtedition ist die Frage, wie man die einzelnen Werke gruppiert. Hermann Prey hat die Lieder in seinem Konzertzyklus streng chronologisch aufgeführt. Der Pianist Graham Johnson entschied sich bei seiner Einspielung fürs englische Label Hyperion, die Lieder thematisch zu gruppieren. Laux und Eisenlohr gingen stattdessen von den Textdichtern aus – und folgen damit Schubert selbst. Für ihn hatte sein Freund Spaun 1816 in einem Brief an Goethe folgenden Plan formuliert: „Eine auserwählte Sammlung von deutschen Liedern (…) wird aus acht Heften bestehen. Die ersten beiden enthalten Dichtungen Euer Exzellenz, das dritte enthält Dichtungen von Schiller, das 4te und 5te von Klopfstok [sic!], das 6te von Mathißon, Hölty, Salis etcetc., und das 7te und 8te enthalten Gesänge Ossians, welche letztere sich vor allem auszeichnen. Diese Sammlung nun wünscht der Künstler Euer Exzellenz in Untertänigkeit weihen zu dürfen …“
berichtet Kultiversum und liefert gleich noch eine recht umfängliche Darstellung vom Leben des Komponisten dazu
Der 12. Printemps des Poètes, „Dichterfrühling“, findet vom 8.-21. März in ganz Frankreich statt. Er steht unter dem Motto „Couleur femme“, „Weibliche Farbe“, im Zeichen der Lyrik von Frauen, die jahrhundertelang verkannt war. „Die Lyrik kann nicht ohne die Unterstützung des Staates auskommen, eines Staates, der sich für die Vielfalt der Gesellschaft einsetzt“, sagt der Minister für Kultur und Kommunikation Frédéric Mitterrand.
Der Printemps des Poètes wurde vor 12 Jahren von Jack Lang zusammen mit dem Schriftsteller Jean-Pierre Siméon begründet. Er beginnt am 8. März, Frauentag, und endet am Welttag der Poesie, am 21.3. / tv5
seeker of truth
follow no path
all paths lead where
truth is here
-e.e.cummings
wahrheitssucher
folge keinem pfad
pfade führen (nach) wo
wahrheit ist hier
Dies kleine Gedicht gehört zu den eher unübersetzbaren. Die deutsche Fassung ist nur eine Orientierungshilfe – und kann leider auf einen Kommentar in der dritten Zeile nicht verzichten. Man lese – „Die Schüler bereiten das Auftreten der Lehrer vor“ – im vorigen Gedicht (Hölderlin) das „wo“ und „wenn“ der Zeilenenden in der zweiten Strophe.
© (Für KOmmentar und Nachdichtung) Michael Gratz 2000.
Hälfte des Lebens
Mit gelben Birnen hänget
Und voll mit wilden Rosen
Das Land in den See,
Ihr holden Schwäne,
Und trunken von Küssen
Tunkt ihr das Haupt
Ins heilignüchterne Wasser.
Weh mir, wo nehm‘ ich, wenn
Es Winter ist, die Blumen, und wo
Den Sonnenschein,
Und Schatten der Erde?
Die Mauern stehn
Sprachlos und kalt, im Winde
Klirren die Fahnen.
StA, Band 2, Seite 117.
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