BY TED KOOSER, U.S. POET LAUREATE
This marks the fourth time we’ve published a poem by David Baker, one of my favorite writers. Baker lives in Granville, Ohio, and teaches at Denison University. He is also the poetry editor for the distinguished Kenyon Review.
Old Man Throwing a Ball
He is tight at first, stiff, stands there atilt
tossing the green fluff tennis ball down
the side alley, but soon he’s limber,
he’s letting it fly and the black lab
lops back each time. These are the true lovers,
this dog, this man, and when the dog stops
to pee, the old guy hurries him back, then
hurls the ball farther away. Now his mother
dodders out, she’s old as the sky, wheeling
her green tank with its sweet vein, breath.
She tips down the path he’s made for her,
grass rippling but trim, soft underfoot,
to survey the yard, every inch of it
in fine blossom, set-stone, pruned miniature,
split rails docked along the front walk,
antique watering cans down-spread—up
huffs the dog again with his mouthy ball—
so flowers seem to spill out, red geraniums,
grand blue asters, and something I have
no name for, wild elsewhere in our world
but here a thing to tend. To call for, and it comes.
American Life in Poetry is made possible by The Poetry Foundation (www.poetryfoundation.org), publisher of Poetry magazine. It is also supported by the Department of English at the University of Nebraska-Lincoln. Poem copyright ©2009 by David Baker, whose most recent book of poems is Never-Ending Birds, W. W. Norton, 2009. Poem reprinted from Virginia Quarterly Review, Vol. 84, no. 2, Spring 2009, by permission of David Baker and the publisher. Introduction copyright © 2009 by The Poetry Foundation. The introduction’s author, Ted Kooser, served as United States Poet Laureate Consultant in Poetry to the Library of Congress from 2004-2006. We do not accept unsolicited manuscripts.
Er versteht seine Gedichte nicht zuletzt als Grabinschriften für seine von den Nazis umgebrachte Familie, vor allem für seine Mutter. Und deshalb sind für ihn die üblichen Machenschaften des Literaturbetriebs, die üblichen hämischen, konkurrenzlerischen, neidischen und intriganten Stimmen, direkte Angriffe auf seine Person. Celan gelingt es nicht, dies als Mechanismen abzutun, wie es sie schon immer gegeben hat. / Helmut Böttiger über Celans Briefwechsel mit Klaus Demus, DLF 28.2.
Paul Celan/Klaus und Nani Demus: Briefwechsel
Suhrkamp Verlag, Frankfurt 2009, 675 Seiten. 34,80 Euro
Benn ist erstaunlich anschlussfähig an die künftige spät- und postmoderne Wahrnehmung, er bricht das Pathos, wenn es übermächtig zu werden scheint, und versetzt seine Sprache immer häufiger mit Alltagsslang, mit Anspielungen an die Populärkultur. Der Benn-Sound spielt mit Elementen des Pop, bevor es einen Begriff dafür gibt. Benn neigt nicht zu großen Gefühlen. Aber da er sie trotz allem ständig in sich spürt, hebelt er sie durch eine zwischen Zynismus und abgründiger Weisheit ständig changierende Artistik immer wieder aus. Einmal schickt ihm sein Brieffreund Friedrich Wilhelm Oelze eine Liste mit Fragen zu den neuesten Manuskripten, und bei Oelzes Frage nach dem Begriff »Colt« entfährt es Benn: »Colt – aber, Herr Oelze! Lesen Sie keine Kriminalromane? Ich ständig, wöchentlich 6, Radiergummi fürs Gehirn – ein berühmter amerikanischer Revolver, ohne den kein Scotland Yardmann auftritt.«
Damit lässt Benn die zeitgenössische deutsche Diskussion um »Geist« und Schicksal weit hinter sich. Benn hat aber auch eine Neigung zum Schlager. Blumen und Pflanzen leisten ihm immer wieder gute Dienste zur Seinsvergewisserung. Die Anemone kommt vor und einmal auch die Eberesche, am meisten hat es ihm allerdings die Rose angetan, und man kann sich das durchaus auch in einer anderen Form vorstellen, gesungen von der dunklen Stimme Zarah Leanders:
Wenn erst die Rosen verrinnen
aus Vasen oder vom Strauch
und ihr Entblättern beginnen,
fallen die Tränen auch.
/ Einführung in das Thema durch den Kurator der Ausstellung „Doppelleben“ Helmut Böttiger >>lesen
Man spricht leicht von Restauration und Mief der Adenauer- (und Ulbricht-)Zeit. Die Hamburger Ausstellung (#189) – schon in der Einführung von Helmut Böttiger – liefert erschreckende Fakten, die das Bild auffrischen mögen. Eine kleine Blütenlese (hach, Blüten: eine kleine Horrorshow!) in Originalzitaten sowie eine Passage über Gottfried Benn (#191):
Frank Thiess an die Witwe des von den Alliierten zum Tode verurteilten Kriegsverbrechers Alfred Jodl 1947:
Vom Standpunkt der Pharisäer aus gesehen, wurde auch Jesus bestraft, doch die Christen wendeten diese »Strafe« in ein Opfer, das er für die Sünden der Menschheit brachte, und so ging von Golgatha ein Strom des Lebens aus. Die Zelle des Generalobersten Jodl ist heute so groß wie ganz Deutschland, und die Richter über uns werden andere sein als die Männer in Nürnberg. Die Geschichte richtet immer anders als die Gegenwart.
Geburtstagsglückwunsch der FAZ für Thomas Mann zum 75., 1950:
Es geht nicht an, in Geburtstags-Sentimentalität zu vergessen, was uns von Thomas Mann scheidet. Er tritt uns als Exponent einer bis zur Dummheit gehenden Abneigung gegen Deutschland entgegen, und diesem Affekt, der ihn zu verzehren scheint, antworten aus dem Volk, dem er einmal angehörte und von dessen Schicksal er sich nicht 1933, sondern 1945 trennte, Verachtung und Wut.
Der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung Rudolf Pechel 1950:
Wenn es noch eines Anstoßes zum Eintritt in den Kampf für geistige Freiheit bedurft hätte, so böten ihn die Vorgänge im östlichen Deutschland; sie gingen in ihrer Roheit, Gemeinheit und Dummheit noch über das hinaus, was sich die Nationalsozialisten an Unterdrückung des freien Geistes geleistet hätten.
Der Vizepräsident der Akademie Frank Thiess:
»Die Einheit Deutschlands in Ehren, doch man kann und darf sie nur auf Deutsche erstrecken, wobei ich ganz privat der Ansicht bin, daß Döblin, Zweig und Becher drei Juden und Emigranten sind, die gefühlsmäßig zusammengehören.«
Das Gründungsmitglied ebender Akademie Werner von der Schulenburg 1951:
»Ich beobachte ein Vordrängen der jüdischen Autoren, vor allem der Ausländer, speziell in unserem Theater. Wir deutschen Bühnenautoren werden, bis auf einige Emigranten, überhaupt nicht gespielt, gespielt werden dagegen sehr viele Juden, die eine lebhafte Unterstützung in der deutschen Presse finden.«
In der Hamburger Freien Akademie der Künste gibt es bis 21.3. die Ausstellung „Doppelleben. Literarische Szenen aus Nachkriegsdeutschland“ mit viel Material – auch in einem zweibändigen Katalog und online, zB:
Es gibt eigentlich keine größere Sehnsucht für einen Dichter als jene, dass die Sätze, dass die Sprache zu singen beginnt, dass die ihr eingeschriebene Musik und Rhythmik über Sinnlichkeit Sinn stiftet. Lyrik kommt ja von der Lyra. Die Oper macht den Sprach- zum Klangraum, sie ist Welttheater, weil sie immer den Weltentwurf im Auge und den Horizont auf den Stimmbändern hat. Für mich hat Oper immer auch etwas von Fitzcarraldo, diesem Wunsch, das Unerhörte hörbar zu machen und dafür Schiffe über Berge zu ziehen, kein Opfer zu scheuen, bis endlich eine Oper im Dschungel steht. / Albert Ostermaier im Gespräch mit der „Welt„
Jetzt präsentiert der Salzburger Verlag Jung und Jung Gert Jonke als Lyriker: „Alle Gedichte“, so der Titel, von Jonke hat der Klagenfurter Germanist Klaus Amann in einem Band versammelt. / Ö1 Inforadio
Den mit 46 Gedichten weitaus größten Abschnitt seines Debütbandes hat Andre Rudolph „schmetterlingssäge.doc“ überschrieben. … Es werden aber weder Tag- oder Nachtpfauenaugen zerschnibbelt, noch ergeht sich Rudolph in schweißgetriebenem lyrischem Holzrauchproduzieren. Es sind Gedichte nach dem Ausgebranntsein der Sprache, der Welt. / Elmar Krekeler, Die Welt
fluglärm über den palästen unsrer restinnerlichkeit.
Von Andre Rudolph. luxbooks, Wiesbaden. 104 S., 18,50 Euro.
SZ sprach mit dem Bassisten Yorck Felix Speer, „Enkel von Hitlers Lieblingsarchitekten und zwischenzeitlichem Rüstungsminister Albert Speer“, und mit dem Dirigenten Enoch zu Guttenberg, dessen Großvater im Widerstand gegen Hitler hingerichtet wurde. Beide haben zusammen Schostakowitschs 13. Symphonie „Babi Jar“ nach Gedichten von Jewgenij Jewtuschenko interpretiert. Auszug (SZ 19.2.):
Am 29. und 30. September 1941 massakrierte die SS mit Unterstützung der deutschen Wehrmacht mehrere zehntausend Juden in der Schlucht namens „Babi Jar“ am Rande von Kiew. Darüber schrieb Jewgeni Jewtuschenko ein Gedicht, das Dmitrij Schostakowitsch neben vier weiteren Gedichten des Autors 1962 in seiner 13. Symphonie „Babi Jar“ vertonte. …
…
SZ: Aber worauf zielt denn Schostakowitsch, gerade wenn man die vier anderen Gedichte Jewtuschenkos betrachtet?
Guttenberg: Jedenfalls zielt er nicht auf die Deutschen, das ist das Große daran. Er greift den Antisemitismus grundsätzlich an. Und, da sind wir wieder bei unserer überwältigenden Aufführungssituation, gleichzeitig kann ich nicht vergessen, wer Felix ist, wenn er es mir schon sagt.
Über die Leser anspruchsvoller Lyrik in Deutschland kursieren ohnehin nur Dunkelziffern.
Thomas Kling vermutete einmal, es könne sich höchstens um dreihundert handeln, während Hans Magnus Enzensberger ihre Zahl auf immerhin 1354 schätzte – aber das ist auch schon zwanzig Jahre her. Die Auflage der meisten Lyriktitel liegt bei 250 bis siebenhundert Exemplaren; Anthologien schaffen etwas mehr. …
Doch jetzt erscheint ein Liebesgedichtband, der das Zeug zum Volksbuch hat – und verdient hätte, eins zu werden: „Offene Unruh“ von Michael Lentz. Es gehört nicht in die Bibliotheken, sondern in jede Jackentasche. Dabei ist der Band eine Provokation, eine Anmaßung, ganz wie das Gefühl, um das es geht. Vor allem aber ist er ein eingelöstes Versprechen, ein erneuter Beweis der sich immer noch steigernden Gedankenschärfe und Ausdruckskraft seines fünfundvierzigjährigen Autors. Die Liebe lässt sich nicht beherrschen, die Sprache der Liebe schon: Das macht „Offene Unruh“ zu einem Werk, das diese Frühjahrssaison weit überdauern wird. …
Von heute an bis zum Erscheinen von „Offene Unruh“ am 11. März im S. Fischer Verlag präsentieren wir täglich eine neue Gedicht-Performance von Michael Lentz.
/ Felicitas von Lovenberg, FAZ 26.2.
Peter und Thomas Brasch starben im Juni und November 2001. „Die Männer der Familie Brasch waren nicht sehr kräftig“, sagt Katja Lange-Müller, „aber sie wollten in geradezu rasendem Aktionismus immer alles gleichzeitig machen.“ / FR 15.2.
Westerwelle, Goethe und andere schicken die deutsche Sprache in die Welt. Was soll daran schlecht sein? Die etwas angestrengte Form der Sprachwerbung vermochte Zweifel nicht zu zerstreuen. Schöner ist es, wenn die deutsche Sprache unerwartet ins Spiel kommt.
– Zur Erklärung reiche ich 3 Sätze aus dem FR-Artikel nach:
Guido Westerwelle war am Donnerstag der Eröffnungsredner einer Berliner Veranstaltung des Auswärtigen Amtes und diverser Mittlerorganisationen, bei der eine gemeinsame Kampagne für die deutsche Sprache vorgestellt wurde. Hässliche Worte wie Leistungsgerechtigkeit oder anstrengungsloser Wohlstand fielen nicht.
Und zur Versöhnung:
Der heiterste und wohl auch intelligenteste Vortrag stammte von der japanischen Schriftstellerin Yoko Tawada.
Ob der wunderbare Titel „Vokalise geht einkaufen“ oder das Wort „höricht“ auf Oskar Pastior hinweisen, bleibt ungewiss, auch die „flughunde“ sind wohl eher metaphorische Fledermäuse als eine Hommage für Marcel Beyers gleichnamigen Roman*. Das autobiografischste Gedicht „wer anderen ein ei ins nest färbt“ ist Volker Braun gewidmet und beschreibt die Herkunft der 1958 in Gotha geborenen Schriftstellerin als einen „eher eng zu nennenden ort / in einer eher eng zu nennenden landschaft, die, von bergen umstellt, / am thüringer becken hing. mein nest war mir sicher, / nie hatte ich furcht, der vorrat wollte nicht reichen, und dass mir / die kleider schnell platzten aus den volkseigenen nähten, / war meine wie meiner mutter und großmutter absicht.“
Von den nicht passenden Kleidungsstücken sagt die Autorin, dass sie sie „manchmal erbte und färbte in kirsch oder braun“ und dass sie sie „endlerte und auftrug bis zum abmickeln“. Ja, so kommen die Dichter ins Nest. Farben sind sie und Tätigkeitswörter, Verbformen, wie wir sie von den entsprechenden Namensableitungen „gebennt“ und „gerilkt“ her schon länger kennen. Kathrin Schmidts Dichter-Verben sind aber neu, wie so vieles neu ist in diesem aufregenden Gedichtband. / HERBERT WIESNER, Die Welt 27.2.
Vgl. L&Poe 2010 Feb #155. Lust am Überfluss
*) Aber mit Verlaub, daß eine belesene Autorin die Wörter Vokalisen und Höricht verwendet und nicht an Pastior denkt, sollte man wohl ausschließen! – Das „wir“ in „wie wir sie schon länger kennen“ könnte man auch mal untersuchen. Ich würde eher sagen, sie schreibt sich in das Verweisungsnetz der Sächsischen „Gruppe“, wie es hin und her ging. (Nicht anders übrigens als die, Gruppe oder nicht, Rudolph und Winkler und Falb und Popp und und und)
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