Am 19.2. in Michael Brauns DLF-Lyrikkalender ein Gedicht der Übersetzerin und Dichterin Christine Thiemt (geboren 1965):
Das ist der Baum, vor dem uns unsere Mütter
Immer gewarnt haben. Der uns abends nachsteigt,
Mit grünen Lidern winkt und über Zäune klettert.
In seinen Mussestunden hört er Mozart.
Er späht durch Fenster, hinterläßt an Türen
Gelbe Graffiti. Beim Vortrag im Sophiensaal macht er sich
Ganz eigene Gedanken. Lauscht auf unser Atmen
Und wirft uns Blüten hin, Schnee, der nicht schmilzt.
(In: Jahrbuch der Lyrik 2007. Hrsg. von Christoph Buchwald und Silke Scheuermann. Frankfurt, S. Fischer 2007.)
Als seine Gedichte jedoch auf 13 Steinplatten des Museumsquartiers in dicken Lettern zu lesen waren, musste sich der 56-jährige österreichische Schriftsteller und Buchautor Helmut Seethaler erstmals vor Gericht verantworten – wo er am Donnerstag wegen Sachbeschädigung zu zwei Monaten bedingter Haft verurteilt worden ist.
„Schade, dass ich es nicht war“, meinte er dazu, meldete volle Berufung an und beschriftete mit einem Filzstift den Fußboden.
Unmittelbar danach bekräftigte der Wiener „Zettelpoet“, der ein Philosophiestudium abgebrochen hat, er werde seine Texte weiterhin im öffentlichen Raum anbringen – wie er es seit nunmehr 35 Jahren tut. Sogar im Internet tauchen „Literatur Viren“ in Form seiner Gedichte auf. / Wiener Zeitung 19.2.
der beschriftete sessel
ich haben ein sessel
stehn JANDL groß hinten drauf
wenn ich mal nicht wissen
sein ich´s oder sein ich´s nicht
ich mich nur hinsetzen müssen
und warten bis von hinten wer
kommen und mir´s flüstern
Das Gedicht entstand am 27.7.1977 und erschien in dem Band die bearbeitung der mütze (1978). Heute, am 9.6.2000, kam die Nachricht vom Tod des Dichters.
Poetry, like music, is about movement. Both art forms move from one note, or word, to another, trying to catch the essence of the moment. Saxophonist and composer Roy Nathanson has long worked with both words and music, sometimes uniting the two as he did on Sotto Voce (Aum Fidelity, 2006). Subway Moon, however, represents the first comprehensive overview of Nathanson’s work as a poet.
The work derives much of its fascination from the New York City subway. The poems are written on the trains, while moving from one station to another. Like music, they carry the imprint of improvisation, occasionally referencing jazz musicians, as in the opening poem, „Saxophones“: „Lying together under really old stars / we often tell things that already happened / We hope Billie and Lester / Will rent us rooms that won’t be raided / that their silver spoons will cover our eyes / park the bones of our uniforms.“ / Jakob Baekgaard, All about Jazz
Subway Moon
Roy Nathanson
Soft cover; 134 pages
ISBN 978-3-00-025376-8
Buddy’s Knife
2009
Die beiden Suhrkamp-DVDs mit üppigem Booklet, 2009 zu Enzensbergers Achtzigstem erschienen, bieten ein Dutzend Filmdokumente aus fünfzig Jahren: Zunächst ein halbes Dutzend rund zehnminütiger „TV-Dokumente“, darunter eine „Hessenschau“ des Jahres 1960, die Straßenszenen Nachkriegsfrankfurts mit Selbstbekundungen des dreißigjährigen Dichters mischt
Haupt- und Kernstück sind drei ‚abendfüllende‘ Filme, die ihr Entstehen, mehr oder minder vollständig, Hans Magnus Enzensberger verdanken. Am geringsten dürfte sein Anteil an Dagmar Knöpfels „Requiem für eine romantische Frau“ (1999) zu veranschlagen sein, einer halb fiktionalen Dramatisierung der bitteren Liaison Auguste Bußmanns mit Clemens Brentano. Hier zeichnet Enzensberger für das „Treatment“, den Kern des Drehbuchs, verantwortlich. Auch mag ihm zu danken sein, dass der sprachliche Gestus der ‚Kunstperiode‘ akkurat nachgeahmt wird, ohne dem heutigen Zuschauer peinlich künstlich zu scheinen.
Was „Durruti – Biographie einer Legende“ (1972) betrifft, hat Enzensberger „Buch, Regie und Produktion“ besorgt. Lange bevor ‚Zeitzeugen‘-Gespräche zur allerorten grassierenden Mode wurden, hat Enzensberger mit einigen der Weggefährten Buenaventura Durrutis dessen Leben und Wirken rekonstruiert. Seine Leistung ist umso höher einzuschätzen, als Dreharbeiten im Spanien des Generalissimus Franco vonnöten waren.
Im Filmessai „Ich bin keiner von uns“ (2000) führt Ralf Zöller Regie. Das Drehbuch hat der Regisseur gemeinsam mit Enzensberger, seinem Protagonisten, entworfen. Es handelt sich um ein anspruchsvolles, in Teilen stark stilisiertes und hermetisches Stück Filmkunst, das wenig Ehrgeiz zeigt, sich einer breiten Öffentlichkeit zu erklären. literaturkritik.de
Radolfzell – „Poesie zur freundlichen Erinnerung heißt eine Ausstellung, die ab Dienstag, 23. Februar, in der Volksbank gezeigt wird. Die Vernissage findet um 19 Uhr statt. Im Zentrum steht das Poesiealbum. Walter Binder und Uwe Donath haben das Poesiealbum von Sophie Frick, geborene Sättele, aus der Zeit von 1860 bis 1900 als Grundlage für die Ausstellung genommen. Im Südkurier
Rolf Schwendter, dreifacher Doktor, von 1975 bis 2003 zur Emeritierung Professor für Subkultur-Forschung an der Kasseler Universität, einer, der die Hochschule wie kaum ein anderer mit der Stadt verbunden hat. In der übervollen Kasseler Werkstatt, wo er am Dienstagabend Einblicke in seine Lyrik gibt, zu klopfenden Handbewegungen auf dem Tisch seine Lieder singt, ist der Beginn eher privat bei einem Glas Tee.
1990 hat er mit „Dich singe ich Sozialismus“ eines seiner wohl melancholischsten Gedichte geschrieben, wurde gar mit Walt Whitman verglichen. HNA.de
Duisburg (RP) Mit dem Ruhrgebiet verbindet man heute mehr Schriftsteller denn je. Kaum beachtet allerdings wird die Lyrik, die im Ruhrgebiet geschrieben wurde und wird, nur wenige kennen ihre Traditionen oder jungen Stimmen. Das möchte das Literaturbüro Ruhr e.V. gerne ändern und schrieb deshalb im Sommer 2009 den Gedichtwettbewerb „Traurige Hurras und freche Verse“ aus, an dem sich jeder Teilnehmer mit maximal drei Gedichten beteiligen konnte. Das Literaturbüro wollte aber nicht allein auf das Eintreffen der Gedichte warten, vielmehr wurden Gedichtbände von den späten 50er Jahren bis heute vorgestellt.
Entstanden ist nun die Anthologie „Stimmenwechsel. Poesie längs der Ruhr“. Der Band wird am Freitag, 26. Februar, 20 Uhr, in der Kulturzentrale HundertMeister (Dellplatz 16a) von Gerd Herholz im Gespräch mit einigen der Autoren vorgestellt. Eintritt: 3,50 Euro. In Duisburg
Leibgarden
Männer schlachten einander; Krieger Kinder, Frauen nicht schonen.
Einundzwanzig Sippen flohen vor den Rebellen.
Nur ein Vater verlebte das Ende des engen Weges:
Der mußte seine zwei kleinen Mädchen opfern.
Melden gehorsamst: Auch Kaisers Garden sind Helden.
In ewigen Siegen bekriegen sie das eigene Volk,
Roher als Nordens tierische Horden.
Sieh die Wildwasser des Han, die Blutfluten, die roten!
Leibgarden durften am Ufer alle Männer ausmorden,
Tapfer zu lagern auf Weibern und Töchtern der Toten.
Deutsch von Albert Ehrenstein
Aus: Ich bin der unnütze Dichter, verloren in kranker Welt. Nachdichtungen aus dem Chinesischen von Albert Ehrenstein. Berlin: Friedenauer Presse 1984 (2. Aufl.. 1. 1970), S. 7.
Du Fu (Tu Fu, auch Du Shaoling oder Du Gongbu) lebte von 712 – 770.
To Edward Dahlberg
Don´t use the telephone.
People are never ready to answer it.
Use poetry.
1970
An Edward Dahlberg
Nimm nich das Telefon.
Die Leute antworten doch nich.
Nimm Gedichte.
Aus: Jack Kerouac, Scattered Poems. San Francisco: City Lights Books, 1990 (11. Auflage. 1. 1970), S. 55.
© (Für Auswahl und Nachdichtung) Michael Gratz 2000.
„Marie Luise Kaschnitz sagte den einen Satz: Ingeborg Bachmann ist ein Mythos“. Lakonische Kollegialität ist ihre Stärke. Meckel liest ihr ein Gedicht vor. Sie kommentiert mit einer Frage: „Warum dieses Gedicht?“ Er wolle, rechtfertigte sich der jüngere Poet, mit Sprache eine Landschaft „erschaffen, die es bisher nicht gab“. / Helmut Weidhase, Südkurier 18.2.
Christoph Meckel: „Wohl denen die gelebt“. Erinnerungen an Marie Luise Kaschnitz. Mit Grafiken des Autors. Libelle-Verlag, Lengwil. 64 S., 16,90 Euro
Christoph Meckel: „Nachtsaison“. Erzählungen. Hanser Verlag, München. 254 S., 19,90 Euro
«Um die Ungewissheit zu beenden: Ich werde heute nicht urteilen», sagte der Bundesrichter nach einer Anhörung in Manhattan. «Es gibt noch zu viel zu verarbeiten.»In dem Verfahren geht es um den Plan von Google, weltweit Millionen von Büchern einzulesen und ins Internet zu stellen. Ursprünglich hatte der Konzern Bücher aus der ganzen Welt ohne besondere Absprache mit den Verlagen und Autoren digitalisieren wollen. Weiteres hier
im Alter von 73 Jahren ist die amerikanische Lyrikerin Lucille Clifton. 2001 gewann sie den National Book Award für ihren Band „Blessing the Boats: New and Selected Poems, 1988-2000“. 2007 war sie die erste schwarze Frau, die den Ruth Lilly Poetry Prize ($100,000) gewann. Sie veröffentlichte 11 Gedichtbände und über 20 Kinderbücher. 1979-1985 war sie Poet laureate des Bundesstaates Maryland. / Tulsa World 18.2.
In L&Poe:
2002 Sep # Susan Stamberg talks
2004 Nov #63. Symposion
2006 Mai #94. Geisterbegegnungen
2007 Mai #44. Ruth Lilly Poetry Prize
2008 Apr #133. GARY SNYDER WINS 2008 RUTH LILLY POETRY PRIZE
2009 Apr #71. Fanny Howe and Ange Mlinko Receive Major Literary Awards
2009 Apr #109. Hohe Auszeichnung für Linda Gregg
(alle im Archiv nachlesbar – einfach Jahr, Monat, Nummer aufsuchen)
In Michael Brauns DLF-Lyrikkalender am 18.2. das Gedicht „a wird eintreten“ von Oskar Pastior zum Lesen und Hören.
Begehren ist besser als Natur. Die Naturschönheit ist immer tautologisch (schön ist, was schön aussieht). Deshalb ist sie an sich auch so langweilig. Und muß mit anderem aufgeladen werden. Mit Mystik und Lyrik zum Beispiel. Der Honig, der in Vergils Text vom Himmel fällt und von Bienen lediglich gesammelt wird, ist viel schöner als der Honig, der von den Bienen ganz natürlich produziert und von Imkern kultiviert wird, allerdings auch weniger nahrhaft. / Peer Schmidt, junge Welt 18.10., über den Berlinalefilm »Bal« (Honig) (BRD/Türkei 2010) von Semih Kaplanoglu.
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