Veröffentlicht am 22. Februar 2010 von lyrikzeitung
Mit Konstantin Ames (Leipzig), Michael Donhauser (Maienfeld, Schweiz), Gerhard Falkner (Weigendorf), Barbara Köhler (Duisburg), Ulrike Almut Sandig (Leipzig), Ferdinand Schmatz (Wien), Musik: Theo Nabicht (Berlin)
Für Prosa gibt es im deutschsprachigen Raum Preise en masse. Für Lyrik rund ein Dutzend. Umso wichtiger ist es, dieser Diskrepanz einen Abend entgegenzustellen, der die Träger der 2009 vergebenen Lyrikpreise zusammenbringt und damit der Poesie die Bühne gibt, die sie verdient und braucht, um in Wort und Klang vollends zur Geltung zu kommen.
Bei diesem Fest der preisgekrönten deutschsprachigen Dichter werden lesen: der open mike-Lyrikpreisträger Konstantin Ames, Georg-Trakl-Preisträger Michael Donhauser, Peter-Huchel-Preisträger Gerhard Falkner, Barbara Köhler, die den Poesiepreis des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft erhielt, Leonce-und-Lena-Preisträgerin Ulrike Almut Sandig und Ernst-Jandl-Preisträger Ferdinand Schmatz. Die musikalische Umrahmung der Lesung gestaltet Theo Nabicht, Musiker und Komponist aus Berlin.
Ort: Berliner Rathaus, Rathausstr. 15, 10178 Berlin
Eintritt frei.
Anmeldung erbeten unter Fax 030. 48 52 45 30
oder mail@literaturwerkstatt.org
Unter der Schirmherrschaft von Klaus Wowereit, Regierender Bürgermeister von Berlin. Mit freundlicher Unterstützung des Berlin Verlags, der Crespo Foundation, des Haymon Verlags, des Kulturkreises der deutschen Wirtschaft im BDI e.V., Pro Helvetia, Schweizer Kulturstiftung und der Wissenschaftsstadt Darmstadt, Kulturamt.
23.02.2010 20:00 Uhr – Berliner Rathaus
Knaackstr. 97/Kulturbrauerei
10435 Berlin
Veröffentlicht am 22. Februar 2010 von lyrikzeitung
Die australische Liedermacherin (singer-songwriter) Ruby Hunter starb im Alter von 54 Jahren, meldet The Age am 18.2.
Veröffentlicht am 22. Februar 2010 von lyrikzeitung
Revolutionstreu – heute vielleicht nur noch die Konservativen? Muß ein Zeichen sein, daß keine Revoluuschen droht. Wieder ein Beispiel, Die Welt 22.2. („Die Revolution läuft auch nicht bei youtube“):
Bereits vor 40 Jahren wusste ein New Yorker Musiker und Dichter, dass im Fernsehen nur das Fernsehen abgebildet wird. Und nicht das Leben. Gil Scott-Heron wurde 21, am 1. April 1970, damit standen ihm die Bars und Bühnen offen.
Seine Lyrik lag zwar auch gedruckt vor. Ein Gedichtband hieß „Small Talk at 125th & Lenox“ und wies auf die Straßenkreuzung hin, wo sich in Harlem die nach Martin Luther King und Malcolm X benannten Boulevards begegneten. Aber wer las schon Poesie in dieser Gegend?
Gil Scott-Heron trat also im Nachtklub an der Ecke auf. Zwei Freunde trommelten, Bob Thiele von der Plattenfirma Flying Dutchman ließ die Bandmaschine laufen, und der ungehaltene Poet saß am Klavier. „The revolution“, prophezeite er, „will not be televised. The revolution will be live.“ Revolutionen werden nicht im Fernsehen übertragen. Wer über das Leben unterrichtet werden möchte, sollte sich an aufmerksame Musiker und Dichter halten.
Gil Scott-Heron soll damals den Rap erfunden haben. Wie auch immer: Heute ist er 60 Jahre alt, während der HipHop sich am Ende nur noch um sich selber dreht. …
„I’m New Here“, die erste aktuelle Äußerung seit 16 Jahren, informiert über ein Leben unter sechs Milliarden: Es berichtet über Gil Scott-Heron. Einen müden Revolutionär, der immerhin noch daran glaubt, dass Lyrik und Musik wahrhaftiger berichten können, als es ein herkömmliches Unterhaltungsmedium jemals vermöchte.
Veröffentlicht am 22. Februar 2010 von lyrikzeitung
«Willkommen und Abschied», «Mailied», «Heideröslein» – unzählige Generationen haben die eigenen Herzens-Angelegenheiten mit Goethes Sesenheimer Liedern verbunden, dem wohl ersten Ausdruck einer neuen, freien und verspielten Herzens-Poesie. Empfinden, Denken und Sprechen fanden da in einer neuen Form zusammen; die Lyrik erhält den Rang einer «natürlichen Reflexion». Hat Goethe in seiner Lyrik gleichsam den Prototyp der sprechenden Natur geschaffen? Goethes Gedichte – so Mathias Mayer in der anzuzeigenden Untersuchung – spielen Natur und Reflexion keineswegs gegeneinander aus. Vielmehr ist die Lyrik das Spiegelmedium einer «natürlichen» Empfindung. / NZZ 12.1.
Mathias Mayer: Natur und Reflexion. Studien zu Goethes Lyrik. Verlag Vittorio Klostermann, Frankfurt am Main 2009. 373 S., Fr. 81.–.
Veröffentlicht am 22. Februar 2010 von lyrikzeitung
Beirut war 2009 Welthauptstadt des Buches. Für viele Autorinnen und Autoren aus autoritären arabischen Staaten mit strenger Zensur ist Beirut bereits seit vielen Jahren eine Oase der Freiheit. Dies gilt besonders für Schreibende aus dem Nachbarland Syrien. / Susanne Schanda, NZZ 20.2.
Veröffentlicht am 22. Februar 2010 von lyrikzeitung
Peter Altenberg (1859–1919) gilt als der schrägste Vogel der Wiener Moderne. Während seine genialischen Prosaskizzen in ihrer Lebensdichte noch heute bezaubern, wirkt seine obsessive Verehrung «süsser» Kindfrauen befremdlicher denn je. Heutzutage müsste sich Altenberg wohl wegen Pädophilie verantworten. …
Mag Karl Kraus auch manch allzu Anstössiges weggelassen haben, ein Skandalon bleibt dieser «Frauenlob» («ich bin nichts anderes als Gottes Aufbewahrungsort für alle verkümmerten und zerstörten Frauenseelen») auch in dieser Auswahl, zumal für den heutigen Leser. Denn häufiger als Frauen galten seine Minnegesänge minderjährigen Mädchen. Die schamlose Begeisterung, mit der Altenberg in seinen Skizzen und Briefen seiner Pädophilie freien Lauf lässt und stolz berichtet, wie er eine auf seinem Schoss sitzende Siebenjährige auf den Mund geküsst habe, verschlägt einem schlicht die Sprache.
So spottet er auch in der Kraus-Ausgabe über die damals gültigen (und verblüffend grosszügigen) Bestimmungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen: «Eine Frau ist immer zu alt und nie zu jung! Das Gesetz schreibt uns vor: von vierzehn an! Aber das Gesetz ist nicht von Künstlern entworfen. Unser Geschmack sagt: In jedem Alter, wenn du nur sehr schön bist! Freilich heisst es da, wie in der Bibel: <Er hatte ein Auge auf sie geworfen!> Aber wirklich nur das Auge, dieses ideale Lustorgan.» / Oliver Pfohlmann, NZZ 20.2.
Peter Altenberg: Die Selbsterfindung eines Dichters. Briefe und Dokumente 1892–1896. Hg. und mit einem Nachwort von Leo A. Lensing. Wallstein-Verlag, Göttingen 2009. 210 S., Fr. 39.40. Peter Altenberg: Das Buch der Bücher. Zusammengestellt von Karl Kraus. Hg. v. Rainer Gerlach. Mit einem Essay von Wilhelm Genazino. Drei Bände. Wallstein-Verlag, Göttingen 2009. 1006 S., Fr. 83.–.
Veröffentlicht am 22. Februar 2010 von lyrikzeitung
Erinnerungen an Heinz Erhardt sind seit neuestem im Wittenberger Haus der Geschichte zu erleben / Mitteldeutsche Zeitung
Veröffentlicht am 22. Februar 2010 von lyrikzeitung
Vier Frauen befreien die Werke etablierter Autorinnen aus ihren verstaubten Kokons der Literaturwissenschaft. Sie geben unbekannten, vergessenen oder angeblich ästhetisch minderwertigen Autorinnen eine neue Wertschätzung – mit Leidenschaft. …
Verena Auffermann, Gunhild Kübler, Ursula März und Elke Schmitter stellen in ihrem 650 Seiten starken Buch „Leidenschaften“. 99 Autorinnen der Weltliteratur“ vor. Etablierte Dichterinnen wie Ingeborg Bachmann oder Annette von Droste-Hülshoff stehen neben kaum bekannten Namen wie Unica Zürn oder Leonora Carrington, schreibende Klosterfrauen wie Hildegard von Bingen neben Kinderbuchschreiberin Astrid Lindgren, Krimi-Legende Agatha Christie oder Trivialautorin Hedwig Courths-Maler. / Michaela Schmitz, DLF Büchermarkt 21.2.
Verena Auffermann, Gunhild Kübler, Ursula März, Elke Schmitter:
Leidenschaften. 99 Autorinnen der Weltliteratur. C. Bertelsmann 2009. 640 Seiten, 24,95 Euro
An der gleichen Stelle zum Anhören: über Gedichtbände von Tom Schulz und Werner Lutz
Veröffentlicht am 22. Februar 2010 von lyrikzeitung
Na bitte, geht doch. Wir können uns halt nicht immer um alles kümmern im alltäglichen Ansturm des Angesagten. Also brauchen wir äußere Rahmen. Etwas Außergewöhnliches, ein Jubiläum, ein Unglück, eine Zeremonie.
Jetzt ist Schermbeck dran.
schreibt die lokale Zeitung und fährt fort:
Die Kulturhauptstadt Ruhr 2010 strahlt seit Sonntag sichtbar bis mitten in den Ort aus: Gustav Sack, Schriftsteller und Eigentümler, wird mit der Einweihung einer Stele, mit Rezitation und Ausstellung zum örtlichen Helden.
Eigentümler ist eine gute Wortfindung. Ein einziges schmales „l“ macht aus einem Leistungsträger einen Leistungsverweigerer, also doch jemand, um den sich nicht jeder, z.B., FDP-Wähler jeden Tag kümmern kann. Ist der äußere Anlaß groß genug, kann aus einem solchen Verweigerer plötzlich ein local hero werden.
„Schermbecks Bürgerschreck-Schriftsteller Gustav Sack (1885-1916)“ wird nun fast 100 Jahre nach seinem Tod (er war einer von denen, die der erste Weltkrieg stark verkürzt hat, „gefallen“ und nicht wieder aufgestanden bei Bukarest) in seiner Heimar entdeckt und vielleicht gar von einigen gelesen? Jedenfalls eine Zeremonie, bei der in Anwesenheit von Honoratioren und anderen Wählern über den lang Verblichenen nur Gutes gesagt wird.
Ruhr-2010-Geschäftsführer Fritz Pleitgen war am Sonntag in Schermbeck zu Gast und enthüllte gemeinsam mit Hans Zelle vom Heimatverein die etwa einen Meter hohe Basalt-Stele mit der bronzenen Erinnerungstafel.
Einen besseren Einfall hat der lokale Berichterstatter:
Wenn man nun anerkennungsvoll die Mittelstraße in „Sack-Gasse” umbenennen würde – es wäre ein Unfug, wie er dem skurrilen Schriftsteller hätte gefallen können. Nun, die „Mi” bleibt die „Mi”, allerdings erinnert seit Sonntag dort eine Stele an Sack.
Die Stele gabs schon länger:
„23 Jahre lang lag die Bronzetafel jetzt im Rathaus“, erzählt Hans Zelle.
Nur fehlte der Anlaß und vor allem das Haus, an das sie paßte. Nun also gings, und schon in 6 Jahren kommt der nächste Anlaß. Oder im Oktober:
Gustav Sack würde am 28. Oktober 2010 125 Jahre alt.
Sack aber (der übrigens auch in Greifswald studierte, dort war er Mitglied in der Turnerschaft Cimbria, wurde aber entlassen) weiß über all das Bescheid. Sein Roman „Ein verbummelter Student“ beginnt so:
In einem flachen Kessel am Niederrhein liegt zwischen waldigen und heidigen Höhen ein Dorf, dessen Signum ein kurzer klobiger Backsteinturm ist und dessen Hauptstraße kurz und gut die Mittelstraße heißt, und die wird zu beiden Seiten begleitet von der Kaffeestraße und Kirchstraße und ist mit ihnen verbunden durch mehrere Sträßlein, deren offizielle Namen man nur in dem heimatkundlichen Unterricht der Schule hört; später vergisst man sie und bezeichnet die Sträßlein nach irgend einem irgendwie hervorstechenden Anwohner.
Die Bewohner aber neigen ein wenig zum Kretinismus und haben insbesondere vor ihren Nachbarn einen eigentümlichen hämischen und bissigen Witz voraus – sonst leben sie wie diese in den Tag und wissen nichts von der transzendenten Idealität der Zeit, der Verneinung des Willens, dem Pathos der Distanz und wären so glücklich wie ihr Vieh, wenn sie eben nicht den hämischen Witz hätten und so eingefleischte Ebenbilder ihres Gottes wären.
Bei zeno.org kann man den Roman lesen, und ein paar andere Texte. Gedichte hat er auch geschrieben.
Werke:
Sack-Ausstellung „Ich bin ein (Lebens-)Künstler” im Heimatmuseum.
Veröffentlicht am 22. Februar 2010 von lyrikzeitung
Das DKP-Portal „Kommunisten“ berichtet über den Streik gegen den Verkauf des staatlichen Tabakmonopols an einen US-Konzern durch die türkische Regierung, der u.a. eine 50%ige Lohnkürzung mit sich bringen soll. Dabei spielt offenbar ein deutsches Gedicht eine Rolle. Der Gewerkschaftsfunktionär Selahattin Yildirim sagte:
Das Gedicht von Bert Brecht mit seinem Refrain „Alle oder keiner“ ist seit Wochen an jeder Straßenecke in Ankara zu hören.
Der (kommunistische) Schweizer „Vorwärts“ ergänzt:
Die TEKEL-Beschäftigten legen seit Tagen einen Zusammenhalt und Solidarität zutage, der weltweit seinesgleichen sucht. Hier wird B. Brechts Aussage “keine Befreiung des Einzelnen, alle, oder keiner!” und Nazim Hikmet’s Sehnsucht nach einem “Leben, alleine und frei, doch Brüderlich, wie ein Wald” zur Realität. Kurden, Türken, Lasen, Tscherkessen, alle befinden sich im selben Zelt.
Philologische Anmerkung
Das Gedicht heißt „Keiner oder alle“. In: Brecht, Werke XII (Gedichte 2), GKBFA, Berlin und Frankfurt 1988, S. 23. Es entstand 1934, wurde zuerst 1937 in Madrid gedruckt u.d.T. „Einer steht für alle“. Hanns Eisler hat es 1934 vertont. 1949 nahm es Brecht in sein Stück „Tage der Kommune“ auf. Im Internet wird es oft falsch zitiert:´.
Korrekt bringt den Refrain die Tageszeitung junge Welt, schon am 16.1.:
Eine immer wieder skandierte Parole der Tekel-Beschäftigten lautet: »Keiner oder alle. Alles oder nichts. Einer kann sich da nicht retten. Gewehre oder Ketten. Keiner oder alle. Alles oder nichts.« Bertolt Brecht würde sich freuen.
Veröffentlicht am 21. Februar 2010 von dubler
Stéphane Mallarmé schuf 1897, ein Jahr vor seinem Tod, das Langpoem „Un coup de dés jamais n’abolira le hasard“ – auf Deutsch etwa: „Ein Wurf mit dem Würfel wird niemals den Zufall abschaffen.“ Der Schriftsteller legte sein Gedicht wie eine Wortpartitur an: Im scheinbar zufälligen Rhythmus fließen die Zeilen über die Seite. Manchmal bestehen sie nur aus einem Wort, manchmal aus einer Phrase oder einem ganzen Satz.
Der amerikanische Künstler William E. Jones hat nun Mallarmés Zeilen einzeln in die Bildersuchfunktion von Google eingegeben. Aus den jeweils erzielten Treffern wählte er das prägnanteste Bild aus und stellte es neben den Text, sodass eine doch eher zufällige Illustration dieses Gedichts vom Zufall entstanden ist. Welt online 21.2.
Veröffentlicht am 21. Februar 2010 von lyrikzeitung
Noch einmal zu Nicholson Bakers „Der Anthologist“. Im heutigen „Tagesspiegel“ schreibt Volker Sielaff:
Wenn Paul nicht an Rosslyn denkt und ihm auch seine attraktive Nachbarin Nan nicht über den Weg läuft, kann er endlos über englischsprachige Lyrik monologisieren: „Vier Takte pro Zeile. Das ist der klassische Rhythmus von Poesie wie von Popsongs“, ist Chowder überzeugt. Wer als Leser nicht mit im Takt klopfen möchte, sollte die allzu sehr von einem seminaristischen Furor getragenen Passagen einfach überblättern.
Chowders Stimme ist getragen vom leidenschaftlichen, manchmal auch leidenden Gestus eines die Poesie aufrichtig liebenden Literaturdozenten. Man sieht ihn förmlich vor der versammelten Studentenschaft stehen und im Plauderton seine Verteidigung der Poesie vortragen. In Wirklichkeit aber hat Chowder den akademischen Betrieb nach nur einem Jahr verlassen und sitzt nun die meiste Zeit auf dem Heuboden oder in einem weißen Plastikstuhl vor seinem Haus, beobachtet eine Maus oder sinniert über das tragische Moment im Leben vieler Dichter. Daß ihr Unglück sie kreativ mache, ist eine arg abgegriffene These unseres Helden, der sich auch fragt, warum er sich immer wieder selbst ungewollt kleine Verletzungen zufügt. Warum hat Nicholson Baker sein Buch nicht als Essay, sondern als Roman verfasst?
Eine Antwort könnte die Passage über Elizabeth Bishops berühmtes Gedicht „Der Fisch“ liefern. Nachdem der tödlichen Sauerstoff atmende Fisch von der Dichterin bis hin zum „Mechanismus seiner Kiefern“ beschrieben worden ist, kommt Bishop auf die „fünf gerissenen Angelschnüre“ zu sprechen.
Es ist beeindruckend, wie Baker seinen Protagonisten sodann die allegorische Bedeutung dieser Bilder für uns entwirren lässt: „Was sind das für Stränge? Die der Poesie. Denn wir ahnen, dass vor ihr schon andere angehende Dichter diesen sehr alten, realen Fisch gefangen haben. Ihre Schnüre sind da, verhakt im Fischmaul, die vielen früheren Versuche, diesen alten Fisch im Gedicht zu reimen.“ Bishop reimt jedoch nicht, sie erzählt uns in lapidarem Tonfall von dem Fisch – bis dorthin, wo sie ihn loslässt und er ins Meer zurückschnellt.
Nicht anders Bakers Blick auf die Poesie. Es ist der Blick eines wahrhaft Verliebten.
Veröffentlicht am 20. Februar 2010 von dubler
Mit seinem ersten Gedichtband schlägt Christoph Szalay eine tragfähige Brücke zwischen einer traditionellen Form feinsinnig reflektierter Stadt- und Naturgedichte und der ironisch-verspielten Verfahrensweise einer literarischen Avantgarde. Szalay findet bereits in jungen Jahren einen unverwechselbaren und substanziellen Ton. Findet ORF
Veröffentlicht am 20. Februar 2010 von dubler
Herausgegeben von Christoph Buchwald und Klaus Wagenbach. Wagenbach, Berlin. 168 S., 16,90 Euro. Dorothea von Thörne vergleicht in ihrer Besprchung für die Welt unter anderem den Kanon mit dem gelben Akrobaten:
Wer aus dem Kreis der 100 deutschen Dichter bei Braun und Buselmeier (siehe unten) ausgeschlossen bleibt: Günter Kunert etwa, Reiner Kunze, Bernd Jentzsch, Kathrin Schmidt, Heinz Czechowski oder Kurt Bartsch, schlägt bei Wagenbach selbstverständlich zu Buche. Gedichte Sascha Andersons oder Werner Söllners vermeidet die Wagenbach-Bilanz. Die Auslese beschränkt sich auf die „100 wichtigsten Beispiele“ von 59 Autoren aus rund 40 Jahren.
Veröffentlicht am 20. Februar 2010 von dubler
Dorothea von Törne bespricht den gelben Akrobat bei Welt online
Jeder Autor ist mit einem einzigen Gedicht vertreten. Das schließt das Aufspüren von Entwicklungen innerhalb eines Werkes aus. Die Anthologie bietet lyrische Momentaufnahmen mit dem Charme des Abwegigen, die jeweils mit Kommentaren ergänzt werden. Es sollen Verständigungshilfen sein, die Lesarten vorschlagen und zum Widerspruch herausfordern. Letzteres ist ihnen sicher. Eine „Frankfurter Anthologie“ im Miniformat also, nur dass sie von zwei Heidelbergern kommt, die alles Heidelbergische besonders im Blick haben. Selbst der Ehemann Hilde Domins: Erwin Walter Palm, der mit seinen lyrischen Versuchen u.a. bei Thomas Mann und Hermann Hesse glücklos hausieren ging, ist vertreten.
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