Am 12. Februar um 19 Uhr wird das neue Buch „Totenmaske“ (Corvinus Presse Berlin, 2010) im Festsaal des Berliner Schlosses Britz präsentiert. (Alt-Britz 73,12359 Berlin, Tel: 030 / 609 79 23-0).
Der Verleger Hendrik Liersch ist anwesend, der Künstler Zoppe Voskuhl und natürlich die Übersetzerin Catherine Hales und die Autorin Anna Hoffmann.
Außerdem lesen die Autorinnen Anna Hoffmann und Catherine Hales (auf englisch) Lyrik.
TOTENMASKE
Das Buch liegt in einem schlanken Hochformat vor, die Gedichte in deutsch und englisch umkreisen das Thema Sterben und Tod.
Umschlag, Frontispiz und 2 Innengrafiken von Zoppe Voskuhl.
Im Buchdruck hergestellt und gebunden von Hendrik Liersch, der für seine buchkünstlerischen Leistungen 2009 den V. O. Stomps Preis der Stadt Mainz erhielt.
Samstag, 13. Februar 2010, 19:30 Uhr, Eintritt: 5,- Euro
Lettrétage
Methfesselstraße 23-25
Telefon 030 692 453 8
10965 Berlin
Ein Autoren-Leseabend, zusammengestellt von Lutz Steinbrück
Mit Tobias Roth, Birgit Kreipe, Simone Kornappel, Magdalena Jagelke, Silke Peters und Jinn Pogy
Während der Fluss noch die Traumperspektive probt, sorgt die Blindenschrift der tümpelnden Enten für Gänsehaut. Die Schatten der Bäume: zusammengerollt in der Aussicht – als Kulisse für Erika Mustermann, der Ikone des Personalausweismusters. Inmitten der Altlasten ihres faltigen Heims übt sie sich in deutscher Suppe, bis die Landschaft überfließt und die Innenbrände sich an der Himmelskante spiegeln. Kaurismäki schaut im Pyjama vorbei. Er hat karelische Piroggen im Gepäck. Frau Mustermann denkt scharf nach. Zwei Salmiakschnäpse später schwimmen die Piroggen oben.
Mit dabei:
Magdalena Jagelke (Köln), 1974 in Polen geboren. 1986 Auswanderung nach Norddeutschland. Studierte Anglistik, Bibliotheks- und Informationswissenschaft. Veröffentlichungen in Anthologien und Literaturzeitschriften, u.a. macondo (13/2005), minima (2/2006), außer.dem (16/2009). 2008 Teilnahme an der Autorenwerkstatt der Stiftung Lyrik Kabinett in München. Lesungen bei der Lesebühne Köln.
Silke Peters (Stralsund), die gebürtige Rostockerin (Jahrgang 1967) arbeitet als Lehrerin sowie in Naturschutz- und Kunstprojekten. 2009 wurde sie Zweite beim Feldkircher Lyrikpreis; 2008 lud man sie zum Christine-Lavant-Preis in Wolfsberg/Österreich ein. Sie schreibt seit 1998 literarisch, veröffentlicht und liest seit 2000. Ab 2004 Zusammenarbeit mit bildenden Künstlerinnen. Texte für Künstlerbücher, Kataloge und Ausstellungseröffnungen. 2006 Teilnahme am Künstlerinnenprojekt „Medea“. 2007 Konzeption der Ausstellung „Mutterverrat“ im Literaturzentrum Vorpommern im Koeppenhaus Greifswald mit der Künstlerinnengruppe „Medea“. Porträttexte für die beteiligten Künstlerinnen. Arbeit und Fertigstellung des großflächigen Textildrucks „Parnassias Herzblattstörung“. 2009 Gründung der Autorinnengruppe „Textrabatt“ und Aufbau einer Lesebühne in Stralsund unter gleichem Namen. Mitarbeit und Organisation von verschiedenen Kunstprojekten in Mecklenburg-Vorpommern. Veröffentlichungen: Gedichtbände Wassernüsse vermisst (Wiecker Bote, 2000) und Parnassia (Wiecker Bote, 2008) sowie in den Zeitschriften außer.dem, Wiecker Bote u.a.
Der Alfred-Kerr-Preis für Literaturkritik 2010 geht an die Journalistin und Literaturkritikerin Dorothea von Törne. Sie schreibt regelmäßig über deutschsprachige und internationale Lyrik und Prosa in Tages- und Wochenzeitungen, in jüngster Vergangenheit vor allem für „Die Literarische Welt“. / Tagesspiegel / 11.2.
– so höre ich den deutschen Außenminister im Radio – würde jetzt über Leistungen für Hartz-IV-Empfänger diskutiert, statt über Steuererleichterungen für Leistungsträger. Allein für dieses Wort gehört der Typ öffentlich geohrfeigt, was hiermit geschehen ist. (Und die seiner Wähler, die nicht Hotelbesitzer sind, gleich mit!)
von Gerhard Roth kann man in der Wiener Zeitung Die Presse nachblättern, mit Titeln wie Krähenspuren im Schnee oder Punktschrift-Schreibmaschine aus dem Museum des Blindenwesens.
Der Verlag Beltz & Gelberg und die Stadt Weinheim laden wieder Autorinnen und Autoren ein, sich mit einem bisher unveröffentlichten Text um den Peter-Härtling-Preis 2011 zu bewerben. Gesucht werden laut einer Mitteilung des Verlags Manuskripte für ein Kinder- oder Jugendbuch in deutscher Sprache für Leserinnen und Leser im Alter von 10 bis 15 Jahren. … Bilderbuchtexte, Gedichte und ähnliche Kurztexte könnten nicht berücksichtigt werden. / Mannheimer Morgen 11.2.
(Härtling selber hat zwar auch solche Kurztexte geschrieben)
Dies zB:
Peter Härtling
Christian Wagner in seinem Haus
Die Stube geweißnet,
die Sätze ausgeschickt, alle,
die Geiß gemolken,
den Himmel übers Haus gespannt,
jetzt
kann er die Antworten
einsammeln
und unter die Türschwelle
legen:
Ihr seid alle
willkommen.
(Michael Buselmeier hat das Gedicht in der Freitag-textgalerie kommentiert, nachzulesen in: Der gelbe Akrobat. Poetenladen 2009)
Im österreichischen Schloß Wartholz in Reichenau an der Rax gibt es auch ein öffentliches Wettlesen, das von einem in Gartenbaubetrieb initiiert wurde. Anders als in Klagenfurt lesen dort auch Lyriker, und einer gewann heuer:
Der Hauptpreis (10.000 Euro) ging an den 1960 geborenen oberösterreichischen Autor Christian Steinbacher, der sich abseits des Scheinwerferlichts seit vielen Jahren in seiner experimentellen Lyrik und seinen Arbeiten zur Poesie mit den Möglichkeiten von Sprache auseinandersetzt. Steinbacher ist einer, der es dem Leser oft nicht leicht macht. Auch sein Siegertext, das Langgedicht Kaum konzertante Konzentrate, schaffe sich seine Regeln selbst, so die Jury. Und weiter: Es handle sich um ein versiertes Spiel mit lyrischen Elementen, das in jedem Vers Sinnkonzentrate in den Raum stellt, um sie im nächsten zu zerstören. Zweckfreiheit ist ein Wort, das in diesem Zusammenhang wichtig ist. / Stefan Gmünder, Der Standard 9.2.
Jehuda Halevi ist vor allem als Dichter bekannt, eine der Leuchtgestalten des sogenannten Goldenen Zeitalters des jüdischen Spanien im 11. und 12. Jahrhundert. Aber wenn man Hillel Halkins neues Buch „Jehuda Halevi “ gelesen hat, wird klar, daß Halevi noch bedeutender ist, als seine Lyrik ahnen läßt.
Halevi, der um das Jahr 1070 geboren wurde, war vielleicht der beste hebräische Autor zwischen Bibel und Bialik*; der Schlüssel zu seinem Erfolg war die Einführung arabischer und islamischer Formen in einen hebräischen und jüdischen Kontext. Er lebte in einer Zeit, die man immer noch gern – und wie Halkin zeigt, ungenau – als ein Paradies des Miteinanderlebens in Erinnerung hat, in dem Christen, Moslems und Juden miteinander in Harmonie lebten. Im Gegenteil, seine Lebenszeit war geprägt von ständigen Kämpfen zwischen christlichen und islamischen Führern und regelmäßigen Judenverfolgungen von beiden Seiten. Sein klassischer Prosatext Kuzari plädiert für die Überlegenheit des Judentums über Christentum, Islam und die rationalistische Philosophie, aber er tut das in einer Weise, die manchen zeitgenössischen Juden unverzeihlich chauvinistisch, ja rassistisch vorkam. / Adam Kirsch, Tablet 9.2.
*) Chaim Nachman Bialik (1873-1934, Wolhynien/ Rußland, 1924 Israel)
1903 schockten die Pogrome von Kischinew die zivilisierte Welt. Nachdem Bialik mit einigen Ueberlebenden des Massakers gesprochen hatte, schrieb er das Gedicht „Al haSchechitah“ („Auf der Schlachtbank“), in dem er den Himmel aufruft, entweder sofort Gerechtigkeit zu ueben oder die Welt zu zerstoeren, denn Vergeltung allein ist nicht genug.
Verflucht sei der, der sagt „Rache!“
Vergeltung fuer das Blut eines kleinen Kindes
Hat sich Satan noch nicht ausgedacht.
1904 entstand das Gedicht „Be Ir HaHaregah“ („In der Stadt des Schlachtens“), in dem Bialik die laue Verurteilung des Massakers anprangert. Er ist erbittert wegen der fehlenden Gerechtigkeit und erschlagen durch die Gleichgueltigkeit der Natur: „Die Sonne schien, die Akazien bluehten, und die Schlaechter schlachteten.“ / jafi.org
Die Freundschaft mit dem Dichter Artmann führt zu ersten, vom Dadaismus beeinflussten Laut- und Wortgestaltungen, nach und nach gesellen sich Konrad Bayer, Jazzmusiker Oswald Wiener und Architekt Friedrich Achleitner zum Kreis der experimentellen Kunstproduzenten.
Als Dichtergruppe werden sie erst 1958 tituliert, die wichtigsten Gemeinschaftsarbeiten entstehen zwischen 1954 und 1960. Jenseits aller überkommenen Gattungsgrenzen entwickeln sie eine Poesie, in der Sprache von Inhalten befreit und auf ihre Materialität reduziert wird. Rühm geht es nicht nur um gesprochene und geschriebene Sprache, sondern auch um die visuelle Dimension: von der konkreten und konzeptionellen zur visuellen Poesie. Im Unterschied zu seinen Mitstreitern in der Wiener Gruppe interessiert sich Rühm für Theorie: Die literarischen wie aktionistischen Auftritte, die Lieder, Typocollagen und Fotomontagen stehen in der sprachkritischen Tradition von Fritz Mauthner oder des Neopositivismus eines Ernst Mach. / Gerhard Dorfi, Der Standard 4.2.
Atatürks Republik brachte eine wahre Sprachenvielfalt. Das lateinische Alphabet ersetzte das arabische, das alte Ottomanische wurde von der türkischen Sprache verdrängt, einfacher und jedem verständlich. Orhan Veli wird sich diese neue Epoche wie besessen aneignen, sein „Dilettantenleben“ begann „mit 29 Jahren“. Dilettant in dem Sinn wie vielleicht Rimbaud ein Dilettant war, ein Dilettant, der die Prosodie zurückweist, die ottomanische Manier des Divan ignoriert, schwülstig und traditionell, um auf die Straße zu gehen, seine eigene Sprache zu benutzen, mit aller Leichtigkeit eine Moderne zu leben, die es ihm möglich macht, ein Dichter des Volkes zu werden… / Julia Moldoveanu, Regards n°67, décembre 2009
Orhan Veli, Va jusqu’où tu pourras, traduction et présentation Elif Deniz et François Graveline, éd. Bleu autour, coll. « Poètes, vos papiers », 15 euros
Drei Monate vor dem 2. Ökumenischen Kirchentag in München ist eine Lyrikanthologie zu dem Großereignis erschienen. Der Band mit dem Titel «Die Hoffnung fährt schwarz» vereint 74 Gedichte von Autoren aus drei Generationen, darunter Matthias Politycki, Gerhard Rühm, Said und Erika Burkart. Leitgedanke der Gedichte ist das Motto des Ökumenischen Kirchentags (ÖKT), «Damit ihr Hoffnung habt». Der Dichter Anton G. Leitner, der auch Herausgeber der Zeitschrift «Das Gedicht» ist, hatte zeitgenössische Lyriker aus dem gesamten deutschen Sprachraum aufgerufen, neue «Hoffnungspoesie» einzureichen. /news-adhoc.com
Den mit 15.000 Euro dotierten Europäischen Übersetzerpreis bekommt in diesem Jahr Hanns Grössel. Die Auszeichnung der Stadt Offenburg (Baden) und der Hubert Burda Stiftung würdige „seine ausgesprochene Sensibilität bei seinen Übersetzungen dänischer Lyrik, voran der Werke von Inger Christensen, der 2009 verstorbenen bedeutendsten Lyrikerin Dänemarks“, hieß es am Montag in einer Pressemitteilung der Stadt Offenburg. Der 1932 in Leipzig geborene Grössel sei 1976 bereits von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung für sein außergewöhnliches übersetzerisches Talent ausgezeichnet worden. 1993 erhielt er den Petrarca-Übersetzerpreis vor allem für seine Übertragungen der Gedichte von Tomas Tranströmer und Inger Christensen, 1995 zusammen mit Inger Christensen auch den Preis für Europäische Poesie.
Der Förderpreis in Höhe von 5000 Euro geht an Peter Urban-Halle. Er habe unter anderem Werke zeitgenössischer dänischer Autoren übersetzt.
Der Europäische Übersetzerpreis 2010 wird am 25. April in Offenburg überreicht.
Die Welt fragt die „17jährige Starautorin Helene Hegemann“, warum sie denn keine Revolution darstelle. Die wiederum weiß, daß auch andere geklaut haben: Brecht Goethe Shakespeare.
Der türkische Schriftsteller Orhan Kemal wurde als junger Mann während seines Militärdienstes wegen kommunistischer Umtriebe verhaftet. Die Beweislast: Er hatte ein Gedicht seinem Helden Nazım Hikmet gewidmet. Außerdem besaß er ein Buch des sowjetischen Schriftstellers Maxim Gorki und ein paar Zeitungsausschnitte über russische Autoren und Marxismus. Schließlich sagten andere Soldaten aus, daß er Hikmet bewundere und gesagt habe, seine Bücher gehörten in die Militärbibliothek. Das war Ende der 30er Jahre, er blieb im Gefängnis bis September 1943.
Ironie der Geschichte: das Urteil, das ihn einlochte, weil er Hikmet bewunderte, brachte ihn direkt zu ihm. Er kam in das gleiche Gefängnis, in dem Hikmet einsaß. Die beiden wurden Freunde fürs Leben. Kemal sagte: „Er ist mein wahrer Lehrer. Er brachte mir bei, die Dinge im Rahmen einer bestimmten Methode anzusehen. Man ist immer von der einen umgebenden Welt betroffen. Wichtig ist, daß man weiß, wie man sie ansehen muß. Nur wenn man das weiß, kann man das sehen, was man sehen muß. Das habe ich von Nazım gelernt. / Sundays Zaman
“In Jail with Nazım Hikmet,” by Orhan Kemal and Bengisu Rona, published by Anatolia Publishing, TL 15 in paperback, ISBN: 978-075927586-0
Nazım Hikmet saß 13 Jahre in Haft und ging dann ins Exil. 1959 wurde ihm die Staatsbürgerschaft aberkannt. Er starb 1963 in Moskau. Hikmet war „türkischer Nationaldichter im Untergrund“, sagt der türkisch-deutsche Schriftsteller Zafer Şenocak. In den 70er Jahren wurden seine Werke in der Türkei veröffentlicht. Vor kurzem teilte die türkische Regierung mit, daß sie ihm symbolisch die Staatsbürgerschaft wiedergeben wolle.
Gespräch mit Şenocak über Hikmet, DLF
Meine beiden Oratorien haben ja die Geschichten von Nazim Hikmet und Metin Altiok erzählt. Das sind großartige Dichter, die beide aus politischen Gründen größte Schwierigkeiten in der Türkei gehabt haben. Nazim musste das Land verlassen und Altiok wurde von Islamisten ermordet. / Der türkische Musiker Fazil Say, Südkurier
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