38. Das „ekstatisch-empirisch-esoterische mOMent“ der Direkten Dichtung; oder: 1 Unwort sagt mehr als 1000 Gedichte, aber was, bleibt offen (EEE-Teil 3)

„Einst war das Alter, da Ymir lebte,
Da war nicht Sand, nicht See, nicht salzige Wellen,
Nicht Erde fand sich noch Überhimmel,
Gähnender Abgrund, und Gras nirgends.“
(Die Ältere Edda)

G&GN-Institut, Berlin-Neukölle (Fortgeschrittener Anfang März 2010) / Ich (Sebastian Nutzlos) fühle mich nun als Vorsitzender persönlich durch den Verlauf der Debatte auf das Schlachtfeld gerufen. Alles begann mit der kritischen Nachfrage unseres Institutsmitarbeiters Herrn De Toys, ob der Jungautor Thien Tran das Bild der NULL zu Unrecht (nämlich „redundant“) verwende, insofern er in seinem Gedicht „Reduktion I“ dem Leser ernsthaft versichern wolle, daß die Unzahl einen Zustand des sanften Schwebens oder Hängens über dem Boden ermögliche, da die Null gerade die substanzlose BODENLOSIGKEIT symbolisiere, also KEINEN Boden nirgends erwarten lässt, geschweige denn eine Himmelsdecke (selbst in unendlicher Ferne nicht!), von der sich herabhängen ließe:

„… den Punkt halten / der die Waage im Gleichgewicht hält / und ich füge hinzu, ich / / versichere: es ist ein sanftes Schweben / oder hängen über dem Boden / Zustand Null …“
Thien Tran (*1979), in: Lyrikmail #2139 „Reduktion I“ (4.2.2010)
http://www.lyrikpost.de/blog/2010/02/04/lyrikmail-2139-tran/

Aufgrund Trans gekränkten Kommentares, daß sein Gedicht tatsächlich ERNST gemeint sei, ließe sich ergänZENd bereits die zweite Zeile insofern kritisieren, als daß wir bei unseren Recherchen keine einzige Kulturtradition entdeckten, die ein „Halten“ eines PUNKTES (rein mathematisch ein Synonym für die Null) in irgendeinem Bewußtseinszustand als realistisch beschreibt, so daß wir nun davon ausgehen müssen, daß Trans sogenannte „Lösung“ entweder eine neue paranormale, ja geradezu schamanistische Fähigkeit verkündet oder sein Gedankengut einer Art spätsurrealistischen Poetologie verpflichtet scheint. Beides wissen wir nicht, da der Autor sich zu seinem Text „nicht äußern will“, denn „T. Tran hat dafür keine Zeit“ (L&Poe-Kommentar am 2.3.2010 zu EEE-Teil 2). Verständlicherweise, denn preisgekrönte Dichter leben ja heutzutage dank Goethe-Institute und anderer Traditionshüter „über den Wolken“, jetten wie Topmanager um die Welt, um das vergessene Deutschland der Dichter und Denker wiederzubeleben. Auch Herr De Toys durfte bereits 2001 dank einer großzügigen Goethe-Spende seine damals frisch erfundene Quantenlyrik an der Universität von Sao Paulo uraufführen (bei Prof. Beil, dem ersten Dumontdichter der Stunde Null für Sehr Neuere Lyrik), was allerdings nachträglich eher wie ein trojanisches Pferd empfunden wurde. Tranische Pferde haben es da gewiss leichter, mit ihren „Spielfiguren oder Miniaturlandschaften“ ein gewisses ausgehungertes Fastfood-Klientel zu bedienen, denn Trans Reduktionen der Null auf seinen sehr persönlichen Erfahrungsbericht sind in einer derart metaphorisch-„indirekten“ und dadurch EXTREM-ESOTERISCHEN Sprache verpackt, die sich künstlerisch anmutig gibt wie des Kaisers neue Kleider (sein „Leid, ungerechtigkeit, Wunsch“ wirkt auf uns wahrlich „unpersönlich, unecht“), daß sein Weg in „die großen Zeitungen“ und zu irgendeiner „Ehrendoktorwürde“ dadurch vermutlich perfekt geebnet ist. Nahezu sprachlos stehen wir darum heute wie schon gesten und auch morgen und übermorgen mit offenem Munde vor einem rätselhaften Phänomen der Geschichtsschreibung: In Lexika sowie Kanon-beschwörenden Standard-Anthologien wird besonders ausführlich festgehalten, was die Masse auswendig lernen soll und angeblich sogar will, der Rest bleibt eher Geschichte – für „Eingeweihte“ (Insider als Outsider: Randlagen-Eigenbrödler)… Froh sind wir deshalb immerhin über das schillernde Hintergrundblubbern des kosmischen Monsters (tohu wa bohu = Tehomot & Behomot? kopulierende Urdrachen!) – dank Seife und anderer SubstanZEN für uns jederzeit abrufbar (nicht nur für Zenmeister!), wie schon Jean Gebser in seinem Hauptwerk „URSPRUNG UND GEGENWART“ (1949) bemerkte, wenn er die absolute Gegenwart als „ganzheitliche Leistung“ betrachtet, weil sie den Ursprung in einem überbewußten Nullzustand des meditatiefen Normalbewußtseins erfahrbar macht:

„Die Griechen waren davon überzeugt, daß die Dunkelheit die Urmutter aller Dinge sei und daß aus der Dunkelheit das Chaos entspringe. Dunkelheit und Chaos brachten dann die übrige Schöpfung hervor. Nach den hebräischen Schöpfungsmythen wa die Erde wüst und leer, bis Gott sie mit Licht überflutete und mit seinen Geschöpfen bevölkerte. Die älteren hinduistischen Überlieferungen berichten von einem Schöpfer, der die Butter des Chaos in die Erde schlägt, und altnordische Mythen künden von einer offenen Leere, die mit Eis bedeckt wurde; aus dem Chaos, das aus der Vermischung von Feuer und Eis hervorging, entsprangen dann Giganten. Leere und Unordnung kennzeichneten folglich den urzeitlichen, natürlichen Zustand des Kosmos, und ständig nagte an den Menschen die Furcht, am Ende aller Zeiten könnten Chaos und Leere wieder die Oberhand gewinnen. Die Null repräsentiert ebendiese Leere. Die Furcht vor der Null war jedoch keineswegs nur ein Unbehagen angesichts der Leere, sondern sie ging tiefer.“
Charles Seife, aus: Zwilling der Unendlichkeit
(2000: „Zero. The Biography of a Dangerous Idea“)

Das Institut für Ganz & GarNix dankt der Lyrikzeitung hiermit unter Strom für die Bereitschaft, auch abwegigen „Unterströmungen“ seitens ehemaliger „Außerliterarischer Oppositioneller“ (A.L.O.: A jetzt für anachronistisch? oder arational?) gegen das Vergessen & VerschanZEN ein leeres Flußbett auszuheben und sich nicht zu scheuen, Weltnachrichten aus ALLEN unter-dem-Teppich-hervorquellenden Eigenwelten bereitzustellen, die das legal sublimierte Verschieben der Gürtellinie enttarnen und kein Blatt vor den offenen Mund nehmen, sich ihrerseits gegen Verleumdung und Rufschädigung mit Hand und Fuß zu wehren. Der offensichtlich projizierte „kohlschwarze Frust“ eines Thien Tran, den die G&GN-Ticker zu sehr verwirren (indem er sie als „wirr“ empfindet), um seine abscheulichen Behauptungen wissenschaftlich zu untermauern (jaja, DIE Zeit nehmen sich andere!), hier würden „eine ganze Menge andere fe[r]nöstlicher Philosophien durcheinander“ gebracht (welche bitte??? wir möchten unsere eigene Bildungslücke füllen!!!), ist für uns wahrlich schwer zu „kapieren“ und befriedigt unsere kindliche Neugier keineswegs. Bleibt uns nur die Notlösung: Wir führen weiter schizophrene Scheingefechte, bis der Engel der Geschichte seine eigene Nichtexistenz geschichtlich nachweisen kann (ein Koan! Verwirrung selbstredend vorprogrammiert!). Und verabschieden uns mit einem brandneuen Beispiel für transesoterische „Direkte Dichtung“, das derzeit in unserem hauseigenen Lyrik-Labohr (ja, mit H wie damals zu Tacheleszeiten) für die luXXus-Edition auf www.wOManticum.de alchemistisch in ein königliches Fotocollagen-POEMiE-Design umgewandelt wird:

Tom de Toys, 6.3.2010 für Ex-O.O.
(14:02:17h c/o Schlachtensee)

ANTI-TV-GLOT-Zen
(SEEELENWARTUNG I)

und irgendwann irgendwo
mitten im wald einfach
nur stehen bleiben und
in die hervorbrechende
sonne starren das
telefon zücken
um dir zu erzählen
ES SCHNEIT PLÖTZLICH
sehr windige flocken
das eis auf dem see funkelt
und blendet ich glaube
das ist der geheime
frühling die wolkenfront
zwingt mich zur umkehr
ich komme nach
hause tief in mir selbst
wartet das nichts als
elektrische information
alle seelen…
anteile

Hier zur myspace-Version mit Videos

37. Von chemischen zu lyrischen Reaktionen

Es ist ein weites Feld: Über mehrkernige aromatische Kohlenwasserstoffe und Heterocyclen zu lyrischen Stoffen kommen, die in keinem Periodensystem vorkommen. Maximilian Zander, als Chemie-Professor über viele Reaktionen Bescheid wissend, hat in seiner „späten Jugend“, jetzt mit 81 Jahren, einen neuen Gedichtband veröffentlicht. „Brief von Carl“ heißt die Veröffentlichung in der Silver Horse Edition. Nun ist nichts Außergewöhnliches dran, dass ein sich zur Ruhe setzender Mensch Gedichte schreibt. Es sei denn, einer seiner Bände wird für den Peter-Huchel-Preis nominiert, wie dies beim 2008 erschienen Lyrikband „Anthropisch“ der Fall war. Falkners „Hölderlin Reparatur“ hatte dann doch die Nase vorne, aber für  den gebürtigen Berliner Zander war es mehr als ein Überraschungserfolg, überhaupt nominiert worden zu sein. Die Öffentlichkeit hatte das Besondere an seinen Texten wahrgenommen. Dieses lakonische, dennoch überdeutliche, Bissige, Fordernde.  Schon „Antrobus´ Tagebuch“  2004 in Theo Breuers „Edition Ye“ hatte aufhorchen lassen. Seitdem ist Maximilian Zander längst kein Geheimtipp mehr unter deutschen Lyrikern der ersten Liga. „Brief von Carl“ hält die Waage zwischen Ironie und Sattsein vom Leben, zwischen abgeklärtem Todeserwarten und frischer, unverblümter Lust, die Last des Lebens  noch lange lyrisch zu meistern. / E.

Maximilian Zander

Über Täter

Die bösen Eltern, die feindliche
Schwester, die frühe Impotenz -?
Oder doch einfach die verdünnte
III. Rindenschicht? Einhergehend
mit Zellreichtum bei gleichzeitiger
Kleinheit der Zellen, Muster,
wie man sie von Meerkatzen kennt.
Störungen im limbischen System?
Gyrus parahippocampalis zum Beispiel?
Kein Zweifel: Wer noch draußen ist,
ist es nur auf Bewährung 

Maximilian Zander
Brief von Carl
Gedichte
Silver Horse Edition

36. Verständigung

XIII

Je mehr man von dieser Sprache erlernt, um so schwieriger  wird die Verständigung. Anfänglich glaubt man, der andere habe sich verhört; man wiederholt, was man sagte, doch mehrt das Befremden. Man detailliert, was gemeint war; sie erklären sich außerstand zu begreifen. Man beteuert sein Bedauern; den nächsten Tag erhält man ihren Brief, der Unterstellungen von der Hand weist, auf die man im Traum nicht verfiel, und die Beziehungen abbricht. Als ich gelegentlich bemerkte, die Sprache sei im Grunde hier überflüssig, wurde mir widersprochen. Man schätze sie
vielmehr in besonderem Maße; denn Worte seien das Einzige, was man teile.

Jürgen Buchmann
Grammatik der Sprachen von Babel
Reinecke & Voß
ISBN 978-3-9813470-1-2

(Meine Anthologie: Poetologisch)

35. Kitana po

Doch was ist Kitana po? Vor ca. 10 Jahren fanden Hubert Maria Dietrich und Maria Magdalena Sange ein paar uralte Textzeilen in einem Buch über die Hopi – Indianer (Arizona). Daraus machten Sie ein kleines Lied! Seit dieser Zeit wird es in vielen Ländern und von Tausenden von Menschen gesungen. Kitana po bezeichnen beide als: „Der Ruf des Lebens nach dem Leben“! / firmenpresse.de

Die Hopis selbst wissen nicht was diese alten, überlieferten Worte bedeuten. Hier

34. Vor 100 Jahren: „Der Sturm“

Am 3. März 1910 erschien im Zeitungsformat mit einem Umfang von acht Seiten zum Preis von zehn Pfennig die erste Nummer der von Herwarth Walden herausgegebenen Zeitschrift „Der Sturm“. Der Name wurde zum Programm einer jungen Generation von Künstlern und Schriftstellern, die sich mit Verve gegen die gesättigte bürgerliche Gesellschaft im ausgehenden Wilhelminismus stellte. Mit einer Auflage von 30 000 Exemplaren etablierte sich die „Wochenschrift für Kultur und die Kunst“ schnell als das Zentrum der künstlerischen Avantgarde im expressionistischen Jahrzehnt. …

Anfänglich wurde der „Multikünstler“ unterstützt von Else Lasker-Schüler, deren Gedichte sich in den ersten Jahrgängen vielfach gedruckt finden, darunter eines ihrer bekanntesten, „Ein alter Tibetteppich“: „Deine Seele, die die meine liebet / ist verwirkt mit ihr im Teppichtibet.“ Gottfried Benn erinnerte sich: „Es war 1912, als ich sie kennenlernte. Es waren die Jahre des ‚Sturm‘ und der ‚Aktion‘, deren Erscheinen wir jeden Monat oder Woche mit Ungeduld erwarteten.“ Die Jahre ihrer Ehe mit Herwarth Walden, von dem sie sich 1912 trennte, gelten als die produktivsten der „größten deutschen Lyrikerin, die Deutschland je hatte“, wie wiederum Gottfried Benn urteilte.

/ HANSGEORG SCHMIDT-BERGMANN, Die Welt

33. Jonkes Zaubersprüche

Sein lyrisches Ich kehrt zu Stationen des Lebens zurück, es sucht „Unsere vernichtend unsichtbaren Gegner“, oder es löst sich auf in den blauen Himmeln der Poesie. Die Aggregatzustände des Ichs können sich jederzeit ändern, die Physik kann außer Kraft gesetzt werden, und diese Beweglichkeit macht den großen Reiz von Jonkes Dichtung insgesamt aus. Als „Zauberer“ wollte sich der Schriftsteller am liebsten verstanden wissen: „Gedichte sind ja nichts anderes als Zaubersprüche, die bewirken, dass du außer dir bist.“ / Paul Jandl, Die Welt 6.3.

Alle Gedichte.
Von Gert Jonke. Jung und Jung, Salzburg. 160 S., 20 Euro.

32. Jurist und Liedermacher

Im Nordkurier / Usedomkurier porträtiert Andreas Zecher den Rechtsanwalt Jan Degenhardt, der wie sein Vater Franz Josef Degenhardt Jurist und Liedermacher zugleich ist. Degenhardt Sohn lebt seit Anfang der 90er Jahre in Greifswald.

31. Grammatik der Sprachen von Babel

Immer wieder versuchen einige (ich paraphrasiere Volker Braun) ihre Vernunft und ihr Geld einzusetzen, um die Verhältnisse zu ändern. (Immer wieder raten ihnen die Verhältnisse, vernünftig zu sein, setzte Braun in einem anderen Leben fort). Eben passiert es wieder, dies Un-Vernünftige. Reinecke & Voß heißt ein neuer Verlag in Leipzig, von dem mir die ersten zwei Bände vorliegen. Gesammelte Aufsätze von Norbert Lange – Nachdrucke aus Zeitschriften und Anthologien wie Quellenkunde, Edit oder Umkreisungen sowie bisher Ungedrucktes. Lange gehört zu der neuen Leipziger Schule, die sich seit einigen Jahren ankündigt und die vielleicht, bei allen Überlappungen, den Berlinern um kookbooks und Jetzt bald selbstbewußt zur Seite treten wird. Die ersten Vorschuß-Lorbeeren (von Michael Braun und Alexander Nitzberg) zieren den Rücktitel. (Ich bin unironisch wie immer). Auf Lange wird zurückzukommen sein.

Jürgen Buchmann kannte ich von einigen Prosabänden, die ich in den ersten Jahren der Freiheit, eswar 1991, bei einer Lesung des Autors in Greifswald erwerben konnte. Vielleicht waren wir noch neugieriger und noch nicht von Bestseller-Kanonen durchschossen – wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, schien der Autor erstaunt über die Nachfrage. Eines der drei Bändchen, „Grammatik der Sprachen von Babel“ (Pendragon 1987), legen Reinecke & Voß jetzt in einer überarbeiteten und erweiterten Auflage neu vor. Mein Entzücken ist vom ersten Satz an wieder ganz da. Zwei Proben:

XXIV

Die Sprache zeichnet sich hierzulande durch eine große Zahl von Redewendungen aus, die Wert und Würde des Menschen gelten. Diese Wendungen genießen solches Ansehen, dass ihr Gebrauch den Vornehmen des Landes vorbehalten ist. Gesindel, das sie missbräuchlich im Munde führt, um etwa Küchenabfälle zu erbetteln, wird streng gerügt und der Türe verwiesen.

XXV

Der Gelehrte Mukhtar Ibn Ahmad erzählte mir einst unter Lachen, im Arabischen besitze jedes Wort viererlei Bedeutung: Es bezeichne erstlich eine Sache, alsdann ihr Gegenteil, fernerhin etwas, das mit Kamelen zu tun habe, und endlich eine Obszönität. In letzterer Hinsicht geht die Sprache dieses Volks noch weiter. Von den Modi des Verbums kennt sie einzig den Konjunktiv, der das Verlangen bezeichnet: Kein Satz, der nicht ein Zeugnis ihrer Begehrlichkeit wäre; noch die Greise verbringen den Tag mit lüsternen Reden. Die Grammatiker des Landes beklagen die Frivolität ihrer Sprache; einer, heißt es, der sich um ihretwillen entmannte, habe zu spät gefunden, dass er auch damit ihr nicht zu entrinnen vermochte.

(Mehr auf der Website des Verlages)

Der volle Titel:

JÜRGEN BUCHMANN

GRAMMATIK DER SPRACHEN VON BABEL
AUFGEZEICHNET NACH DEN GESPRÄCHEN DES MESSER MARCO POLO, EDELMANNS AUS VENEDIG, VON DER HAND DES MAESTRO RUSTICHELLO DA PISA, DER AUCH RUSTICIANO GENANNT WIRD, IM GEFÄNGNIS ZU GENUA.

Norbert Lange
Das Geschriebene mit der Schreibhand
Aufsätze
Taschenbuch 12 x 19, 112 Seiten
Originalausgabe
9,95 Euro
ISBN: 978-3-981347

Jürgen Buchmann
Grammatik der Sprachen von Babel
ISBN 978-3-9813470-1-2

30. Zurückgekehrt

Das einzige erhaltene Original-Gemälde, das den berühmten Dichter und Philosophen Friedrich von Hardenberg alias Novalis (1772-1801) zeigt, ist am Donnerstag dauerhaft in dessen Geburtsschloss in Oberwiederstedt bei Hettstedt in Sachsen-Anhalt zurückgekehrt. Auch weitere 13 Gemälde aus der Ahnengalerie haben nunmehr dort wieder ihren Platz. Mit finanzieller Unterstützung der Ostdeutschen Sparkassenstiftung konnten die Gemälde erworben und so für die Öffentlichkeit gesichert werden, wie der Vorsitzende der Novalis-Stiftung, Arved Grieshaber, bei der Übergabe sagte. / Freie Presse 6.3.

Novalis-Museum

29. Alda Merini

Im letzten Herbst starb mit Alda Merini eine Dichterin, die in ihrer Heimat Italien ein grosses – auch jugendliches – Publikum hatte. Die frühreife Lyrik brachte ihr Erfolg; den langen Jahren in der Psychiatrie rang sie eine neue Sprache ab. …

Seit Mitte der achtziger Jahre wird Alda Merini in ihrem Heimatland als grosse Dichterin geehrt. Anders als ihre älteren, weitaus verschlüsselter, elitärer schreibenden Kollegen Andrea Zanzotto, Giorgio Caproni oder Mario Luzi fand ihre auf den ersten Blick sehr schlichte, fast dahingesagt wirkende Lyrik rasch ein breites Publikum. Ungewöhnlich ist auch, wie viele Jugendliche sich mit ihren existenziellen, bis zur physischen Entstellung gelebten Fragen identifizieren. 1954, als Pier Paolo Pasolini ein erstes Porträt der jungen Dichterin für die Zeitschrift «Paragone» verfasste, hob er das unerhörte Gewicht gelebten Lebens in ihrer Poesie hervor. / Franziska Meier, NZZ 6.3.

28. Egon Ammann in Ravensburg

Der Zürcher Verleger Egon Ammann ist am kommenden Montag, 20 Uhr, bei den Freunden toller Dichter im Kornhaussaal der Stadtbücherei in Ravensburg zu Gast. Aufgrund des angekündigten Rückzugs Ammanns im kommenden Sommer ist die Veranstaltung auch als Abschiedsprogramm für einen außergewöhnlichen und außergewöhnlich engagierten Verlag gedacht, dem die Leser seit 1981 großartige Entdeckungen und Editionen zu verdanken haben. / Südkurier

27. Meine Anthologie 32: Martín Espada, The Mexican Cabdriver’s Poem for His Wife, Who Has Left Him

The Mexican Cabdriver’s Poem for His Wife, Who Has Left Him

We were sitting in traffic
on the Brooklyn Bridge,
so I asked the poets
in the backseat of my cab
to write a poem for you.

They asked
if you are like the moon
or the trees.

I said no,
she is like the bridge
when there is so much traffic
I have time
to watch the boats
on the river.

Gedicht des mexikanischen Taxifahrers für seine Frau, die ihn verlassen hat

Wir steckten im Verkehr
auf der Brooklyn Bridge,
also bat ich die Dichter
auf dem Rücksitz meines Taxis
um ein Gedicht für dich.

Sie fragten mich,
ob du wie der Mond bist
oder wie die Bäume.

Ich sagte: nein,
sie ist wie die Brücke,
wenn es so viel Verkehr gibt,
daß ich Zeit habe,
die Boote auf dem Fluß
zu betrachten.

Aus: Martín Espada, A Mayan Astronomer in Hell’s Kitchen. W.W. Norton & Company, Inc.
Ich fand das Gedicht auf der Webseite von Poetry Daily ( Poem of the Day 3.7.2000). Nachgedruckt mit freundlicher – prompt per eMail erteilter – Genehmigung des Autors.
Martín Espada wurde 1957 in Broklyn, New York geboren und ist puertorikanischer Abstammung. Man nennt ihn „den Latino-Dichter seiner Generation“. Er unterrichtet an der University of Massachusetts-Amherst. A Mayan Astronomer in Hell’s Kitchen ist sein sechstes Gedichtbuch. Ein Kritiker schrieb über ihn:

Hier ist der wahre poet laureate seiner Nation. In Martín Espada hat Amerika einen Dichter, der den am wenigsten beachteten Menschen Stimme gibt. (John Bradley)

Einige Texte von und über Espada im Internet:

Gedicht:

Another Nameless Prostitute Says the Man Is Innocent

Aufsatz

I was an NPR poet. In particular, I was an All Things Considered poet.

Über den Autor

NPR CENSORS Martin Espada POEM ABOUT MUMIA
© (Für Auswahl und Übersetzung) Michael Gratz 2000.

26. Johann-Heinrich-Voß-Preis für Zsuzsanna Gahse

Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung in Darmstadt hat den mit 15 000 Euro dotierten Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung an Zsuzsanna Gahse und den mit 12 500 Euro dotierten Friedrich-Gundolf-Preis für die Vermittlung deutscher Kultur im Ausland an die türkische Germanistin Sara Sayin vergeben. Zsuzsanna Gahse, die 1946 in Budapest geboren wurde und 1956 in den Westen floh, ist·eine der wichtigsten literarischen Übersetzerinnen aus dem Ungarischen. Sie hat zahlreiche Bücher von Péter Esterházy, Péter Nádas, Miklós Mészöly, Lászlo Garaczi, Zsuzsa Rakovszky, István Vörös und zuletzt ·Gedichte von·Ottó Tolnai übertragen. ·/ SZ 26.2.

25. Benns früher Entwurf

Auch gab es schon um die Jahrhundertwende eine „Krise des Erzählens“, selbst wenn sie nicht als solche bezeichnet worden ist. Und Surrealisten avant la lettre experimentierten nicht nur in Berlin mit der Sprache. Auf jeden Fall aber hat Friederike Reents ein hermetisches Stück Literatur der Forschung zurückgewonnen. „Der Garten von Arles“ ist lesbar geworden – und mit ihm Gottfried Benns früher Wille, aus dem einen unhaltbar gewordenen Ich zu fliehen in Eilande aus Worten: „Die Wüste wächst, dachte er, weh dem, der Wüsten birgt.“ / ALEXANDER KISSLER, SZ 25.2.

FRIEDERIKE REENTS: „Ein Schauern in den Hirnen“. Gottfried Benns „Garten von Arles“ als Paradigma der Moderne. Wallstein Verlag, Göttingen 2009. 448 Seiten, 49 Euro.

24. Chicago Poetry Tour Announced as Finalist for National Magazine Award

ASME’s ‘Ellie’ recognizes “imaginative use of interactivity and multimedia”

CHICAGO — The Poetry Foundation, publisher of Poetrymagazine, is excited to announce that its Chicago Poetry Tour is a finalist for a National Magazine Award in Digital Media in the category of “Multimedia Feature or Package.” Fellow category finalists Esquire, New York, Newsweek, and Runner’s World are all past American Society of Magazine Editors (ASME) Award winners. This is the first ASME nomination for the Poetry Foundation.

The National Magazine Awards have been presented each year since 1966. The awards, sponsored by ASME in association with the Columbia University Graduate School of Journalism, are regarded as the “most prestigious in the magazine industry,” according to the New York Times.

“Chicago is and always has been an exciting place for poetry,” said Anne Halsey, media director at the Poetry Foundation, at the launch of the tour in April 2009. “The Chicago Poetry Tour makes clear the connections between the city’s rich literary history and its significant architectural, social, and cultural contributions.”

Featuring the work of a range of Chicago poets past and present—Gwendolyn Brooks, Carl Sandburg, Li-Young Lee, Haki Madhubuti, Harriet Monroe, Stuart Dybek, and many more—and addressing a variety of neighborhoods and landmarks—the Loop, Bronzeville, Maxwell Street, Haymarket, Pilsen, and New Chinatown among them—the tour includes archival and contemporary recordings of poets and scholars, local music, and historic photographs.

The tour also features the late legendary Chicago personality Studs Terkel; professor of Chicago literature Bill Savage; WBEZ’s Richard Steele; and slam poetry founder Marc Smith.

The downtown walking tour demonstrates how poetry shaped, and continues to shape, the heart of the city. From the Cultural Center to the Harold Washington Library, people can experience Chicago’s iconic architectural sights, including Millennium Park, the Art Institute, and the Fine Arts Building. The tour is also featured in the multimedia gallery of the City of Chicago’s official tourism website, www.explorechicago.org.

For more information on the Chicago Poetry Tour and the newly released DC Poetry Tour, please visit www.poetryfoundation.org/poetrytours.