Zu den bedrückendsten Lese-Erfahrungen, die das vergangene Jahrhundert bereithält, gehören die Begeisterungsschreie, mit denen die Schleppenträger des deutschen Geistes den Ausbruch des Ersten Weltkriegs begrüßt haben. Inständig beteten Dichter und Denker zu Gott, damit er den Feind im deutschen Kugelhagel verrecken lasse. In anderthalb Jahren, bis Ende 1915, entstanden 235 Bände mit Kriegslyrik, anderthalb Millionen Kriegsgedichte, 800 Bände Kriegsliteratur und tausend veröffentlichte Kirchenpredigten, in denen Christenmenschen aller Glaubensrichtungen dem »großen Krieg« in nomine christi den Segen gaben.
Unter den Großdichtern, die vom Schreibtisch aus zu den Waffen riefen, gehörte auch der für seine Empfindsamkeit gerühmte Thomas Mann. / Thomas Assheuer, Die Zeit 10
auf der Leipziger Buchmesse schreibt das Magazin Zitty:
Michael Lentz: „Offene UnruhFischer, Frankfurt/Main 2010. 175 S., 16,95 Euro
Michael Lentz moderiert am 20.3. um 20 Uhr eine Veranstaltung mit Herta Müller
im Zentraltheater, Boesestr. 1, LeipzigVolker Braun: „Flickwerk“, Suhrkamp, Frankfurt/Berlin 2009, 77 S., 16,90 Euro
„Werktage 1977-1989“, Suhrkamp, Frankfurt/Berlin 2009, 998 S., 29,80 Euro
Volker Braun nimmt am 21.3. um 14.45 Uhr
am politischen Lyrik-Wettbewerb
„Salve Bodoni 270“ im Congress Center,
Mehrzweckfläche 2 teil
Die Revolution frisst ihre Kinder. Die Beatliteratur machte da keine Ausnahme. Der amerikanische Dichter Louis Gordon war ein Nischenkind. Ein Aufständischer, der gegen alles und jeden aufbegehrte. Einer, der sich am Ende selbst auffraß, verdaute und in seine kleinen dreckigen Gedichte wieder ausspuckte.
Louis Gordon schrieb knappe und harte Gedichte, die vom Leben am Rande der Gesellschaft erzählen. Denn dort lebte er. Immer am Rand einer Klippe stehend. Immer auf dem Sprung. Immer mit einem Schrei im weit geöffneten Mund. …
Klar ist, Louis Gordon sollte nicht nur eine Fußnote der Literaturgeschichte bleiben. Er gehört eindeutig in eine Ahnengalerie mit Burroughs und Kerouac. Es ist an der Zeit, das Werk dieses großen Dichters wieder neu zu entdecken. Auch wenn Gordon selbst das nicht gewollt hätte. Er hätte versucht, einen Drink zu schnorren und gemurmelt: „Verpisst euch!“
Und dann?
Vielleicht hätte er sich unter eine Brücke zurück gezogen, hätte sich eine Spritze gesetzt, um dann ein Gedicht in den Wind zu murmeln. Diese Windgedichte sind leider auf immer verloren.
Die wenigen Gedichte, die es von Gordon gibt, und die nicht nur dem Wind gehören, sollten endlich wieder gelesen werden. / Guido Rohm, Textem
Bücher von Louis Gordon:
Ein israelischer Roman aus dem Hebräischen und ein russischer Lyrikband haben den amerikanischen Preis für die beste Übersetzung gewonnen. Der Preis wurde vor 3 Jahren von „Three Percent“ gegründet, einer Gruppe, die das Übersetzen fördern will, teilte die University of Rochester in New York am Mittwoch mit. Bei dem Lyrikband handelt es sich um „The Russian Version“ von Elena Fanailowa. Das Buch wurde von Genia Turowskaja und Stephanie Sandler übersetzt und erschien bei der Ugly Duckling Presse.
Fanailowa ist eine russische Lyrikerin, Doktorin und Radioreporterin, deren Gedichte sich mit den Verwerfungen in den letzten 30 Jahren der russischen Geschichte beschäftigen. / CBC Arts
Donnerstag, 18.03.2010, 20:00 Uhr, Kurt- Wolff-Depot / Kulturgenußladen
Leipziger Literaturnacht
mit Ilona Schlott, Viktor Kalinke, Dieter Krause, Suzanne Latour, Carsten Zimmermann und Sascha Heße
Ausstellungseröffnung mit Arbeiten von Käthe Bauer
Musik: Thomas Flemming, Sascha Heße u.a.
Kurze und eigenwillige Texte zwischen Leichtigkeit und Gewicht, melancholischer Betrachtung und skurrilem Humor. Scharfe Analyse und liebevoller Blick zugleich. Immer im Auge behaltend, daß Leben Detail ist, was beachtet werden will, soll das Ganze gelingen – das ist die Leipziger Literaturnacht.
„Ich bin nicht bekifft, ich bin immer so. Ich laufe schon ein Leben lang herum, als hätte ich eine LUPE vor der Linse. Als wäre ich mit dem Keplerschen Fernrohr im Kepele schon auf die Welt gekommen. So daß ich jede Seattlemaus für einen Dinosaurier der Neuzeit halte…“ (Ilona Schlott)
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Sonnabend, 20. März 2010, 20:00 Uhr, Kurt- Wolff-Depot / Kulturgenußladen
Leipziger Übersetzernacht
In Zusammenarbeit mit: TRADUKI- Literarische Begegnungen mit Südosteuropa, Verlagsstiftung Sarajevo, Universität Leipzig, Camões-Institut, DGLB, SHARAZAD – Geschichten fürs Leben
Moderation: Viktor Kalinke, Mala Vikaite
Mitwirkende: Elisabeth Müller (Carlos Aguilera, Kuba), Cornelia Marks, André Schinkel und Astrid Philippsen (Hadžem Hajdarevic, Zilhad Kljucanin, Bosnien), Jürgen Strasser & Margret Millischer (Jean-Michel Maulpoix, Frankreich), Michael Kegler (Rui Zink, Portugal), Markus Sahr (Helder Macedo, Portugal) und Will Firth (Igor Isakovski, Mazedonien)
Die Leipziger Übersetzernacht ist zur Institution geworden. Jedes Jahr treffen sich am Abend des Buchmessesamstag internationale Autoren und ihre Übersetzer ins Deutsche im Leipziger Literaturverlag, um sich in einer öffentlichen Werkstatt über aktuelle Projekte auszutauschen.
Im Leipziger Literaturverlag:
Hadžem Hajdarevic, Land, das es nicht gibt
Gedichte
Aus dem Bosnischen von Astrid Philippsen,
Cornelia Marks & André Schinkel
ISBN 978-3-86660-089-8, 144 S.
http://www.l-lv.de/autoren/hajdarevic.htm
Gefördert durch die Verlagsstiftung Sarajevo und TRADUKI.
Axel Helbig & Ulf Großmann (Hg.), Skeptische Zärtlichkeit
Junge deutschsprachige Lyrik
ISBN 978-3-86660-077-5
http://www.l-lv.de/autoren/helbig.htm
Dieter Krause, Farbkammern
Gedichte
ISBN 978-3-86660-093-5, 104 S.
http://www.l-lv.de/autoren/krause.htm
Carsten Zimmermann: „licht etc.“
Gedichte
ISBN 978-3-86660-083-6
http://www.l-lv.de/autoren/zimmermann.htm
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Leipziger Literaturverlag
Kurt-Wolff-Depot
Kulturgenußladen
Brockhausstr. 56
D-04229 Leipzig
Tel.: 0341 / 3011 – 430
Fax: 0341 / 3011 – 431
Ihre Bestellung bitte an:
post@l-lv.de
Unser gesamtes Programm und weitere Informationen sind zu finden unter:
Für den ersten Nachmittag am Mittwoch, 24. März, wird die indische Tänzerin Lalitha Devi auftreten und indische Lyrik vortanzen. / Stuttgarter Wochenblatt
„Die Tage in diesen Längen und Breitengraden / Sind kaltgestellt. Wir leben / Verschüttet im ungelobten Land“. So beginnt eines der Gedichte in Horst Samsons Lyrikband La Victoire. Diese Auftaktzeilen verdeutlichen, worum es Samson geht: Er setzt sich in seinen Texten mit dem Leben im Rumänien der Ceausescu-Ära auseinander, er arbeitet den sozialistischen Albtraum auf: Schreibend nur könne er sich zur Wehr setzen, sagt der Lyriker selbst. So wird Literatur, so werden Gedichte zu einem Überlebensmittel in einer Zeit, in der das Wort die einzige nutzbare Waffe gegen Unrecht, Verfolgung und Unterdrückung zu sein scheint. / kulturkurier
Hessisches Literaturforum im Mousonturm e.V.
Literaturforum im Dritten
Donnerstag, 11. März 2010, 20 Uhr
Eintritt: 6,-/3,-
Generell aber gilt: man sollte eben nicht hinter jedem komischen Gedicht eine „ernste Botschaft“ suchen – der Reiz liegt oft im Sprachspiel und in der Absurdität.
Das trifft wahrscheinlich auch auf dieses Gedicht zu: „Der Habicht fraß die Wanderratte, nachdem er sie geschändet hatte“. Das Spiel mit dem Tabubruch ist hier ja eindeutig. Warum lachen wir aber trotzdem?
Keine Theorie kann das hinreichend erklären. Bestimmte Grundmuster sind aber erkennbar: Das Spiel mit Kontrasten, das Unterlaufen von Erwartungen. Die überraschende Wendung zu Dingen, die normalerweise ungesagt bleiben, hier etwa zum Sexuellen. Der Nonsens hat hier durchaus auch seine philosophische Dimension. / Dirk Becker sprach mit Christian Maintz, Potsdamer Neueste Nachrichten
„quellen“ heißt der neue Gedichtband des Ernst-Jandl-Preisträgers Ferdinand Schmatz, und tatsächlich sprudelt und rauscht und fließt und rieselt es in ihm, dass es nur so eine Freude ist. Im Zentrum steht eine lyrische Donaufahrt von Breg und Brigach bis ins Schwarze Meer. Heute (11. März) wird das im Haymon Verlag erschienene Buch in der Alten Schmiede in Wien präsentiert. / relevant.at
Ferdinand Schmatz: „quellen. Gedichte“, 170 Seiten, Haymon, 17.90 Euro, ISBN 978-3-85218-627-6, Präsentation: Donnerstag, 11. März, 19 Uhr, Alte Schmiede Wien; Gert Jonke: „Alle Gedichte“, Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Klaus Amann, Jung und Jung, 160 Seiten, 20 Euro, ISBN 978-3-902497-65-9.
Zu den gut besuchten Veranstaltungen der Brandenburgischen Frauenwoche gehörte auch die Lesung von Irmtraud Gutschke, die am Dienstagabend in der Stadt- und Landesbibliothek aus ihrem 220 Seiten starken biografischen Interviewbuch „Eva Strittmatter – Leib und Leben“ las. … Gutschke erzählte eine Episode über die Folgen einer allzu aufrichtigen Kritik an einem Romanentwurf ihres Gatten, der sie rausschmiss und aussperrte. Die dadurch plötzlich mittellose Eva musste mit dem Fahrrad die 50 Kilometer bis nach Oranienburg radeln, um von dort mit der S-Bahn nach Berlin zu fahren, wo sie Geld von der Bank abhob. Trotzdem sei die Beziehung der beiden Strittmatters eine „große Liebe“ gewesen.
Als Erwin ihr einmal riet, doch auch zu schreiben, versprach sie ihm: „Ich will lieber nicht schreiben. Ich will dich lieber lieb haben.“ Später berief sich der Großschriftsteller stets auf diese Rollenverteilung, wenn er sie daran erinnerte: „Du hast es mir versprochen.“
Auch beim kurzweiligen Leseausflug in der Bibliothek drehten sich die Gedanken und Redebeiträge wie automatisch immer wieder vom eigentlichen Thema Eva Strittmatter weg zum Manne. Und auch die Zuschauerdiskussion verhedderte sich sehr bald in der SS-Polizeirolle Erwins. Das Leben im endlos langen Schatten eines solchen Schriftstellers ist wahrlich kein Gedicht. / Lothar Krone, Märkische Allgemeine 11.3.
Eine zweisprachige Ausgabe des vietnamesischen Dichters Nguyen Trai (1380-1442) wurde in Ho-Chi-Min-Stadt vorgestellt. Die Gedichte sind in klassischen fünf- und sechssilbigen Versen in Nom, der chinesisch basierten vietnamesischen Schrift, verfaßt. Ins Englische übersetzt wurden sie von den Lyrikern Nguyen Do and Paul Hoover. Nguyen Trai wurde zum Nationalhelden wegen seines Anteils an der Befreiung des Landes von nördlichen Eroberern im 15. Jahrhundert. / Viet Nam News 10.3.
Monika Rinck, Liesl Ujvary und Max Marek
Lesung und Gespräch
10. März 2010, 20 Uhr (Mittwoch)
Akademie der Künste, Pariser Platz 4, 10117 Berlin, Clubraum
Eintritt € 5/3, Tel. 030 20057-1000
In der Reihe Dichter-Gespräch werden Monika Rinck und die Lyrikerin Liesl Ujvary aus ihrem Werk lesen und mit Max Marek vor allem über den dichterischen Impuls in der Lyrik und in anderen Medien sprechen.
Vom Gedicht als „einer philosophischen Tat“ spricht Peter von Matt. Dichtung und die Präzision des Gedankens – das ist das poetologische Credo von Monika Rinck. Und seit jeher richtet sich ihr Blick auf die interdisziplinäre Grenzüberschreitung. Ihr gerade in der edition sutstein erschienenes Buch „Elf kleine Dressuren“ beinhaltet elf Textvignetten, es geht um Dressur, um Training, Konzentration Versagen und Destruktion. Zu jedem Kapitel schuf der Künstler Max Marek ein Bild, Papierschnitte, die die Essenz jedes Textes in bildnerischer Präzision abbilden. So ist jedes Buch ein Unikat, 15 Exemplare sind erschienen, alle signiert.
Liesl Ujvary zeigt Videos. / Kulturkurier
Im Rahmen von „Luzern bucht“ vom 5.-7. März 2010 (Literaturfest, Buchmarkt und Anagrammtage) fand dieses Jahr zum Abschluss der unter dem Motto „Luft & Liebe“ dargebotenen Veranstaltungen in der Kornschütte die Verleihung des Anagramm-Preises statt.
Der vom Verlag Martin Wallimann, Alpnach, und der Stiftung HAUS am SEE, Horw, ausgeschriebene Anagramm-Wettbewerb wurde der Lyrikerin und Sprachspielerin Brigitte Fuchs aus Teufenthal in der Schweiz verliehen. 30 Wortkünstler aus dem gesamten deutschsprachigen Raum waren dazu eingeladen worden, drei unveröffentlichte Anagramme (zwei davon in freier Form und eines mit dem Titel ZWISCHEN HALBER NACHT UND GANZEM TAG) einzusenden. Juriert wurden die unter einem Kennwort eingegangenen Beiträge durch die dreiköpfige Jury, bestehend aus Ina Brueckel (ZHB), Josef Birrer (BVL) und Matthias Burki (Verlag Der gesunde Menschenversand). Das „Preisgeld“ besteht aus einem zweiwöchigen Aufenthalt im HAUS am SEE im Park Krämerstein, Kastanienbaum, Horw/LU.
Dort findet vom 7. Mai bis 27. Juni 2010 eine grosse Anagramm-Ausstellung statt, bei der auch die Wettbewerbsbeiträge gezeigt werden.
Einer der Siegertexte:
Wie Goethe gern schrieb
Schreib gewogen, heiter,
schreib ihretwegen, Ego:
Schreiben gehoert ewig!
Woher geistigen Becher?
Bewege Gehirn erotisch,
betoere Gehirn, schweig!
Gebe Gewirr Schoenheit,
gebe Irrweg Schoenheit!
Gebe rein Hochwertiges!
Wein beschert gehoerig
Grobheiten. Schweige er,
gebe wichtige Rosen her!
So. Wichtigere Begehren,
oh Richter? Gegenbeweis?
Schreib weniger, Goethe!
Brigitte Fuchs
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