60. Inseln

Heute im Programm des poesiefestivals berlin:

Gefilde der Unseligen – die Insel als poetische Möglichkeit
Mit Nora Nadjarian und Adrian Grima; Moderation: Ron Winkler

Nora Nadjarian und Adrian Grima, zeitgenössische Lyriker aus Malta und Zypern, loten im Gespräch mit Ron Winkler die poetischen Räume aus, die eine Insel bieten kann als Sehnsuchtsziel vieler Reisender – als Ort der Jungfräulichkeit, aber auch als Insel begrabener Hoffnungen.
17:00 Uhr, Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, Clubraum; Eintritt € 5/3

illa – կղզի- gżira – νησί – ada: Wort-Inseln
Mit George Christodoulides, Zypern; Adrian Grima, Malta; Nora Nadjarian, Zypern; Carles Rebassa, Mallorca; Neşe Yaşin in Zypern; Moderation: Brigitte Oleschinski, Berlin

Fünf Dichter entfalten ein lyrisches Panorama zwischen Katalanisch, der semitischen Sprache Maltesisch, Türkisch, Griechisch, Armenisch und Englisch. Sie verorten ihre Heimat zwischen Massentourismus und Isolationsängsten, zwischen der Insel als Kreuzungspunkt der Kulturen und Religionen und der Insel als Reibungspunkt der Geschichte. Der Abend wird durch das Werk „En plo/Auf See“ des zyprischen Komponisten Marios Ioannou Elia eröffnet.

20:00 Uhr,  Akademie der Künste, Hanseatenweg, Kleines Parkett; Eintritt € 6/4

59. Grünbeins Aura

Das Klappern der Flügel einer aufschiessenden Taube, die vom Streunen durch Goldruten und Lupinen brennenden Knie betrachtet der Autor heute als Epiphanie seines Schreibens und zitiert entsprechende Strophen.

Eine andere unabdingbare Voraussetzung ist die existenziell erfahrene Literatur: von Arthur Rimbaud und Annette von Droste-Hülshoff, Gottfried Benn und Johannes Bobrowski, T. S. Eliot, Ezra Pound und Isaak Babel bis zurück zu den Griechen und Römern. Und dann war da der «vom Himmel» gesandte Mentor, der Dramatiker Heiner Müller, der den vor sich hin «werkelnden» Jungdichter aus der Prenzlauer-Berg-Isolation holte und dem Suhrkamp-Verleger empfahl.

Da geht es rücksichtslos um den Satz und um das Verhältnis der Wörter darin. Im «elektrischen Feld eines präzisen Kontexts» können sie Funken schlagen, die auf den Leser überspringen. Grünbeins aus äusserster Konzentration, in einer Art Trance entstehende «absolute Wortkonstellationen» erzeugen eine Aura, die wir so sonst nirgends finden. Erfahrung, Gedanke und Bild kommen in den extrem verdichteten Versen zur Deckung. Ihre vibrierende Präsenz wiegt das Zurücktreten des lyrischen Melos auf. / Beatrice von Matt, NZZ 9.6.

Durs Grünbein: Vom Stellenwert der Worte. Frankfurter Poetikvorlesung 2009. Suhrkamp-Verlag, Berlin 2010. 59 S., Fr. 12.50.

58. Leslie Scalapino (1944-2010)

Leslie Scalapino, amerikanische Dichterin, die zu den West Coast Language poets gehörte, starb am 28. Mai im Alter von 66 Jahren.  / The Daily Californian 7.6.

Mehr: http://epc.buffalo.edu/authors/scalapino/ / East Bay Express / The Bay citizen /
auf Deutsch ein Gedicht in Zwischen den Zeilen
http://www.engeler.de/floatingseries.html
und hier Tonaufnahmen ihrer Lesungen
http://writing.upenn.edu/pennsound/x/Scalapino.php

57. Jandls Ernst

Wenn sich eine große deutsche Baumarktkette damit brüstet, dass ihre Gaga-Werbung nach Ernst Jandl klinge, dann hat der große österreichische Dichter das wirklich nicht verdient.

Vor genau zehn Jahren ist Jandl gestorben, und man darf an ein Werk erinnern, dessen Massentauglichkeit jedenfalls nicht um den Preis geschmacklicher Verflachung erkauft war. Es stecken tiefe Melancholie und anarchischer Witz in Gedichten, die sich scheinbar umstandslos in den Zitatenschatz humorbedürftiger Intelligenz eingeschlichen haben. Politische Kommentatoren wählen gerne Jandls „lichtung“, wenn sie wieder einmal ironisch festhalten wollen, dass man „lechts und rinks“ nicht „velwechsern“ kann: „werch ein illtum!“ Ewig kotzt „ottos mops“, und man kann diese Arie auf einen Buchstaben noch um den „kurzen spruch mit o“ ergänzen: „so!“ Wer ein ambivalentes Verhältnis zur Lyrik hat, der kann dieses mit einem völlig unverdächtigen Zitat begründen: „die rache / der sprache / ist das gedicht“. …

In Wahrheit hat Jandls Ernst den mehrheitsfähigen Humor stets unterlaufen. / Paul Jandl, Die Welt

56. Homer übersetzen

Die Reihe der deutschen Übertragungen der homerischen «Odyssee» hat der Schweizer Ludwig Bernays um eine interessante neue Version verlängert. …

Ludwig Bernays bemüht sich nicht primär darum, den Sinn des griechischen Originals philologisch korrekt wiederzugeben, sondern strebt «eine klar verständliche Wiedergabe des Epos in heutigem Deutsch» an. Der Wunsch, sich von dem «altväterischen» Ton zu entfernen, der die Übertragung von Johann Heinrich Voss kennzeichnet und sie für den heutigen Leser so sperrig und unzugänglich macht, hat alle neueren Homer-Übertragungen geleitet: Er bestimmt die – eine Anregung Goethes aufgreifende – Prosaübertragung des Tübinger Gräzisten Wolfgang Schadewaldt (1957), dem es vor allem darauf ankam, im Deutschen die Reihenfolge zu bewahren, in der im griechischen Original die Bilder und Vorstellungen heraufgeführt werden.

Während Schadewaldts Übersetzung mit ihrer Orientierung an der sprachlichen Struktur der Dichtung der Schwarz-Weiss-Fotografie eines Gemäldes entspricht, kommt in dem so verblüffend «unvossischen» Hexameter, den der Heidelberger Archäologe Roland Hampe (1979) gefunden hat, wiederum der Schmuck des Verses zur Geltung – jedoch ohne all die um des Metrums willen bei Voss gesetzten Füllwörter, die dem behutsamen Abtönungscharakter griechischer Partikeln überhaupt nicht entsprechen. …

In Steinmanns Versen findet sich das ganz griechische Epitheton «funkeläugig»: «Aber Ikarios‘ Tochter, der klugen Penelopeia, / gab Athene den Rat ein, die funkeläugige Göttin, / Bogen und graues Eisen vorzulegen den Freiern / in des Odysseus Hallen zum Wettkampf und Auftakt des Mordens.»

Bei Bernays lautet die Stelle nun: «Dies aber legte ans Herz die scharfsicht’ge Göttin Athene / der Ikariostochter, der weltklugen Penelopeia: / anzusagen den Freiern ein Bogenschiessen als Wettkampf / heute im Saal des Odysseus – in Wahrheit war es ein Mordplan.» / Hans-Albrecht Koch, NZZ 9.6.

Homer: Odyssee. Übersetzt von Ludwig Bernays. Rombach-Verlag, Freiburg i. Br. 2010. 397 S., Fr. 74.90.

55. Versteigert

Manuskripte und Briefe des französischen Schriftstellers und Lyrikers Jacques Prévert sind in Paris für insgesamt 2,3 Millionen Euro versteigert worden. / NZZ 10.6.

54. „Wenn wir zweifelnde Menschen erziehen könnten“

Von Sonnenaufgängen, Nebel, Frost und Schnee, von Feuerrändern und Fragestellungen, von klaren Nächten und „immerwährendem Heimweh“ ist in den Gedichten des Gustav Januš, des im deutschen Sprachraum meistübersetzten und meistgelesenen Lyrikers slowenischer Sprache, die Rede.

Als ich zum ersten Mal Verse von ihm in dem von Handke übersetzten Band „Gedichte“ der Reihe „Bibliothek Suhrkamp“ las, war ich überrascht. Zum einen enthielt das Buch fast satirische, auf eine Pointe hin geschriebene Gedichte. Zum anderen aber von Zweifeln und Fragen über das Sein geleitete, von den stillen Regungen der Seele durchwobene Texte, die dem, was Handke in seiner Petrarca-Preisrede auf Januš formulierte, viel näher kamen: dem „Absichtslosen; Willen-Losen“.

Gustav Januš als einen Naturlyriker zu begreifen, hieße ihn falsch zu verstehen. Die Natur ist im Kosmos dieses Dichters ja eigentlich Sprache geworden, eine Sprache, die es ermöglicht, Innenbilder aufleuchten zu lassen und Erkenntisse über ihn und die Welt zu präzisieren. Der Schriftsteller Arnold Stadler befand, alle „Aussagesätze und Verse“ im Werk Gustav Januš`seien „Existenzbeweise“ und zitiert als Beispiel den Satz „Die Zugvögel sind wieder da.“ Stadler: „Eine Art cogito, ergo sum – Die Zugvögel sind da. Also bin ich auch da.“ …

„Kalkberge, Hügel, Täler, Steine; ihre Strukturen, Spuren, Zeichen, Farben“, so hat Gustav Januš eimal gesagt, seien die Elemente, aus denen er seine Bilder im Gleichgewicht von Vitalität und Ruhe zu entwickeln versuche. Es ist  spannend zu sehen, wie Bilder und Gedichte bei ihm aufeinander antworten, obgleich beides auch für sich stehen kann und muß. In Bildern und Gedichten, so Januš, suche er „nach Zuständen oder Orten, die vorher nicht da waren.“

Alltägliches und Transzendentes und ein wacher Sinn für die uns umgebende Natur gehören bei diesem Dichter zusammen: „Mein Ideal ist der zweifelnde Mensch“, sagt der ehemalige Volksschullehrer. „Wenn wir zweifelnde Menschen erziehen könnten – das wäre eine große Aufgabe.“

/ Volker Sielaff, Dresdner Neueste Nachrichten  9.6.

Gustav Januš ist am 15. Juni, 20 Uhr, in der Reihe „Literarische Alphabete“ des Literaturforum Dresden in der Sächsischen Akademie der Künste zu Gast. In Zusammenarbeit mit der Sächsischen Akademie der Künste.


53. Alzpoetry

Erfunden hat die Alzpoetry der US-Amerikaner Gary Glazner, der in den 1980er Jahren in New York den ersten nationalen Poetry-Slam auf die Beine gestellt hatte und damit als Mitbegründer des modernen Dichterwettstreits gilt. Glazner entwickelte mit der Alzpoetry einen neuen Ansatz, der Menschen mit Alzheimer und ähnlichen Erkrankungen dazu motivieren soll, Gedichte zu hören, zu lesen und sogar selbst zu schreiben.

Seit 2004 wird das Alzpoetry-Projekt erfolgreich in den USA praktiziert. 2009 startete das deutsche Alzpoetry-Projekt unter der Leitung des Marburger Schriftstellers Lars Ruppel und mit Unterstützung der amerikanischen Botschaft in Berlin – und Pauline Füg hat sowohl Gary Glazner als auch Lars Ruppel am kommenden Dienstag um 16 Uhr im Eichstätter Studihaus live auf der Bühne. / Donaukurier 9.6.

52. Spruchbeutel und Lügner

Ein Kommentar von Heribert Prantl, Süddeutsche Zeitung:

Das Sparpaket ist nur bei den sozial Schwachen ein Sparpaket. Ansonsten ist es ein Windbeutel – und die Politiker, die es als „sozial ausgewogen“ bezeichnen, sind Spruchbeutel.

Die europäische Misere hat nichts mit der deutschen Sozialpolitik zu tun, die Bankenkrise auch nicht. Man kann den Euro nicht damit reparieren, dass man den Hartzern das Elterngeld streicht. Und man domestiziert den Finanzkapitalismus nicht damit, dass man den Wohngeldempfängern den Heizkostenzuschuss versagt.

(Und recht hat er; nur würde ich das schärfer benennen. Die wissen das nämlich auch, und deshalb nenne ich sie Lügner. Die Politiker lügen zuviel.)

51. Stadtschreiber

Neuer Stadtschreiber von Bergen-Enkheim wird der Autor Thomas Rosenlöcher. Zur Begründung teilte die Jury mit, der 1947 in Dresden geborene Rosenlöcher sei ein herausragender Lyriker, Essayist und Erzähler.

Er fordere „mit einem scharfen ironischen Ton den Leser zu wachsamen Beobachtungen und aktivem politischen Denken“ heraus. Rosenlöcher sei ein „melancholischer Spötter“ und „verschmitzter Zeitgenosse“, für den Widerstand der Alltag sei. Faz.net

50. Europäische Verfassung in Versen

Wie heikel das Terrain offenbar ist, zeigt die Tatsache, dass kein Politiker der Einladung zum Gespräch gefolgt ist. Es liegen wohl zu viele semantische Stolpersteine an den Stränden des Mittelmeers. Umso bemerkenswerter, dass in den kommenden Tagen Autoren aus allen Ländern des Mittelmeerraumes in Berlin auftreten wollen.

Zu Anfang lasen Franzobel, Geert van Istendael und Ulf Stolterfoht, aus ihrer Europäischen Verfassung in Versen, an der mehr als 50 Autoren mitgewirkt haben. Der erste Paragraph der Verfassung lautet: „Von Anfang an schwitzt alles Chaos aus.“ Poesie, soll das wohl heißen, setzt auf ein Identitätsversprechen, das darauf aus ist, allerhand los zu werden. /Harry Nutt, FR 7.6.

49. Sprachwechsel

Global Literature ist eine Literatur in Bewegung, eine Literatur ohne festen Wohnsitz, eine Literatur der Unbehaustheit, sehr oft überdies eine Literatur der Nicht-Muttersprachlichkeit, die von Sprachwechslern geschrieben wird. Türken, Serben, Bosnier, Bulgaren, Ungarn, Tschechen, Russen wandern in die deutsche Sprache ein und mutieren zu deutschsprachigen Schriftstellern: Feridun Zaimoglu, Dimitre Dinev und Ilija Trojanow, Libuše Moniková, Wladimir Kaminer und Vladimir Vertlib, Terézia Mora und Saša Stanišić.

Die überwiegende Mehrzahl dieser Sprachwechsler wechselt allerdings ins Englische. Inder, Peruaner, Palästinenser, Äthiopier, Karibik-Bewohner, Kurden, Afghanen, Pakistani, Libanesen, Tamilen, Bangladescher, Somalier, Vietnamesen, Chinesen lassen ihre Herkunftssprachen hinter sich und beginnen, auf Englisch zu schreiben. Die führende Sprache der einstigen Kolonialherren ist zur Lingua franca der postkolonialen globalen Literatur geworden, ironischerweise.

Die Sprache, insbesondere das Englische, ist demokratisch. Man kann sich der englischsprachigen Literatur von überall her zugesellen: „Jeder kann die englische Sprache zu seiner Heimat erklären, und niemand kann aus ihr verbannt werden“, sagt etwa der Schriftsteller Aleksandar Hemon, ein gebürtiger Bosnier aus Sarajevo mit serbischen und ukrainischen Wurzeln, der in Chicago lebt und seine Bücher auf Englisch schreibt. / Sigrid Löffler in Falter : Buchbeilage 10/2010 vom 10.3.2010 (Seite 4)

48. Flaschenpost

Franketienne, durch das Erdbeben vom 12. Januar wurde ein großer Teil Haitis bis auf den Grund zerstört. Wie stark hat das Erdbeben auch das kulturelle Leben vernichtet?

Haiti steht zurzeit unter Vormundschaft. Es ist nicht souverän. Alle Entscheidungen werden von den Geldgeberländern getroffen. Die Pläne zum Wiederaufbau wurden von außen entwickelt, Autoritäten, die aus dem Innern Haitis kommen und scheinbar über Macht verfügen, haben komplizenhaft an diesem Vorgehen mitgewirkt. Der Erziehung, einer der wichtigsten Säulen der haitianischen Kultur, wurde in diesen internationalen Plänen ein allzu geringer Platz eingeräumt.

Welche Möglichkeiten sehen Sie für sich als Schriftsteller, der seit fünfzig Jahren das kulturelle Leben Haitis mitgeprägt hat, auf den Wiederaufbau Einfluss zu nehmen?

Jedes Kunstwerk, jeder literarische Text ist wie eine Flaschenpost, die man ins Meer geworfen hat. Es gibt keinerlei Gewissheit, dass die Botschaft eines Tages gehört wird. Wer das behauptet, ist eher ein politischer Aktivist, der die Feder gegen ein Gewehr einzutauschen sucht. Mit der Feder kann man jedoch niemanden zwingen, sein Verhalten zu ändern. Was kann der Satz eines Schriftstellers zum Beispiel gegen die Amerikaner ausrichten, wenn gleichzeitig das eigene Volk unter Zelten ausharrt und auf Trinkwasser wartet! Dieses Volk richtet heute seine Hilferufe nicht mehr an Legba (Vodou-Gott, Hüter des Weges) und Ogoun-Ferraille (Kriegsgott), sondern an Jesus. Es löst sich damit von den eigenen Wurzeln.

Der Französisch und Kreolisch schreibende haitianische Schriftsteller Franketienne im Gespräch mit der Frankfurter Rundschau, 8.6.

Vgl. L&Poe 2005 Aug #86. Inselpreis

47. Häftlinge ver’dichten‘ Castrop-Rauxel

Wie berichtet, wird im Rahmen der Kulturhauptstadt 2010 jeder der 53 Städte und Gemeinden eine spezielle Zeit eingeräumt, in der sie ihre Ideen zu Ruhr 2010 präsentieren können. „Vom 20. Juni bis Ende August 2010 zeigt sich Castrop-Rauxel dank einer Idee seines Autors Roy Kift kreuz und quer ‘vers’ siert. Zeilen über Zeilen in Geschäfts- und Häuserzeilen: 2010 Gedichte ver’dichten’ Cafés, Restaurants, Schaufenster, Krankenhäuser, Seniorenbegegnungsstätten, Hotels und Kulturzentren zu Poesie-Oasen“ heißt es auf der Internetseite http://www.essen-fuer-das-ruhrgebiet. „Poesie-Pfade führen zu Poesie-Stationen, zu Künstlern und Kulturschaffenden der Stadt.“ Und natürlich werden viele Helfer benötigt, um die Gedichte auch dort anzubringen, wo sie die Menschen über Wochen erfreuen sollen. „Von uns fahren sechs Gefangene am 17. und 18. Juni durch die Stadt, um die Gedichte an den vorgeschriebenen Pfaden anzubringen“, sagt Sauer und freut sich, dass der Meisenhof*) seinen Beitrag zur Kulturhauptstadt leisten kann. / derwesten.de

*) der Musenhof, hatte ich beim Überfliegen gelesen

46. LITERARISCHE ALPHABETE

15. Juni 2010, 20 Uhr in der Sächsischen Akademie der Künste (Blockhaus), Neustädter Markt 19, Dresden

Gustav Januš (St. Jakob im Rosental) liest aus seinem neuen Buch „Wort, verwandelt in Farben“ und spricht mit Patrick Gorre über seine Kindheitssprache Slowenisch und die Suche nach Orten, die vorher nicht da waren

Kein Geringerer als Peter Handke ist es, der die Gedichte des slowenischsprachigen österreichischen Schriftstellers Gustav Januš seit Jahren ins Deutsche übersetzt. Und der über den Dichter gesagt hat, daß es „vielleicht das Absichtslose, Willen-lose; das Eigen-Mächtige“ sei, worin dessen Texte sich von denen Anderer unterscheiden.

Gustav Januš ist ein Dichter, der dem Schönen auf der Spur ist; und er ist das, was man gemeinhin eine Doppelbegabung nennt. Denn der gelernte Lehrer für Slowenisch, Zeichnen, Chemie und Physik hat immer auch gemalt: neben seinen Gedichtbänden stapeln sich die Kataloge seiner zahlreichen Ausstellungen. Als Maler mit einer unverwechselbaren Bildsprache ist er längst über Österreich hinaus bekannt. Für Janus gehört beides, die Poesie und die Malerei, zusammen; in beidem sucht er „nach Zuständen oder Orten, die vorher nicht da waren.“

Gustav Janus ist einer, der Grenzen überschreitet und Ränder erkundet. Alltägliches und Transzendetes und ein wacher Sinn für die uns umgebende Natur finden in seinen Gedichten zueinander. 1984 wurde dem Lyriker der renommierte Petrarca-Preis zugesprochen. In einem seiner Gedichte heißt es: „Gleich Hundeaugen / glimmen nachts die Sterne / und gehen in aller Herrgottsfrühe in Flammen auf, / wenn ich mir die Hände wasche.“

Gustav Januš lebt heute in St. Jakob im Rosental, nahe der Grenze zu Slowenien.

Gedicht bei zeit.de