Im Frühjahr 1939 musste die 70-jährige Else Lasker-Schüler die Schweiz verlassen, bis zu ihrem Tod 1945 war Jerusalem die letzte Exilstation. Das Leben dort, «unter dem auserwählten Volke», erscheint in ihren Briefen als eine einzige «Hölle». Kaltherzig, engstirnig, brutal seien die Menschen um sie herum. …
Was immer an Lasker-Schülers Anschuldigungen erdichtet sein mag, poetisch sind sie in jedem Fall. Dauernd gebiert die Schmerzlitanei berückende Bilder, die sich zu lyrischen Sequenzen fügen: «Ich bin so unglücklich, Krähen werden kommen, meinen Schmerz aufpicken.» – «Ich bin so müde / Wär ich doch zu Haus / Ich trug Jerusalem auf meinem Augenlide.» – «Kläglich vergeht Minute und Stunde, / Die Aster bleicht auf meinem Munde.» Doch es gibt auch andere Töne. Die Lust am Fabulieren, am kindlich versponnenen Sprachspiel (bis hin zur bewussten Unsinnsproduktion) hat Lasker-Schüler niemals verloren. So teilt sie der Frau des Rabbiners Kurt Wilhelm energisch mit, «am Schabbatt in der Synagoge» den falschen Hut getragen zu haben: «Zu schnadahüpfl Tyrol». Sie müsse in Zukunft ihren «ganz runden russischheiligenschein hut» aufziehen. Unterzeichnet: «Prinz Jussuf». …
«Mein letztes Gedicht haben Sie sicher für sexuell gehalten?! Nicht die Spur.» Die Simon gewidmeten Gedichte bilden eine eigene Abteilung in Lasker-Schülers letztem Gedichtband, «Mein blaues Klavier» (1943): «An ihn». Der Amour fou einer blutjungen Greisin verdankt die deutsche Literatur Glanzstücke ihrer Liebespoesie. / Manfred Koch, NZZ 6.11.
Else Lasker-Schüler: Werke und Briefe. Kritische Ausgabe Bd. 11: Briefe 1941–1945. Nachträge. Bearbeitet von Karl Jürgen Skrodzki und Andreas B. Kilcher. Jüdischer Verlag, Frankfurt am Main 2010. 912 S., Fr. 196.–.
Als Sohn eines Griechen und einer Schweizerin wurde er in Genf geboren, im Jahr 1917, und in der Rhonestadt hat er als Schriftsteller gelebt und gearbeitet bis zuletzt. Jeden Tag sass Georges Haldas im Café und schrieb in seinen Notizheften oder diskutierte mit Freunden, die fest damit rechnen konnten, ihn dort anzutreffen. Er war Lyriker, vor allem in seinen Anfängen, und veröffentlichte ein gutes Dutzend Gedichtbände, etwa «Cantique de l’Aube» (1942), «Chants de la Nuit» (1952) oder «La Blessure essentielle» (1990). / Martin Zingg, NZZ 1.11.
23. Juni 2010, Neue Zürcher Zeitung:
Poetischer Chronist
«Orte» widmet sich Georges Haldas
Martin Zingg ⋅ Unter den Autoren der Romandie ist er ohne Zweifel eine singuläre Erscheinung, inzwischen über neunzig Jahre alt: Georges Haldas. Seine Gedichte und «Chroniques» haben ihn bekannt gemacht, darunter die berührende Familiengeschichte «Boulevard des Philosophes». In den vergangenen Jahren hat er vor allem Notate publiziert, in seinen «Carnets», von denen inzwischen über ein Dutzend vorliegt. Dem Lyriker und poetischen Chronisten Haldas widmet die Literaturzeitschrift «Orte» nun ihre jüngste Nummer, mit einem anregenden und informativen Querschnitt durch sein Werk, von 1942, als «Cantique de l’aube» erschien, bis 2000, dem Erscheinungsjahr der «Poésie complète», eines über 900 Seiten starken Wälzers. Haldas sei ein «Dichter des Wesentlichen», heisst es einmal in dieser sympathischen und verdienstvollen Werkschau, die sich den Facetten seiner überaus aufmerksamen Wirklichkeitsbeobachtung widmet.
Eine solche wurde an diesem Wochenende in Leipzig gegründet. Was man munkelt, klingt vielversprechend. L&Poe berichtet!
Gefunden beim roughblog:
| Elke Erb live und on air
on air: |
SWR2 Literatur
Poesie ist eine Erkenntniskraft
Dienstag, 09. November 2010
22.05 – 23.00 Uhr | SWR2
Ein Tischfeuerwerk
Mit Valžhyna Mort, Monika Rinck und Elke Erb
Von Frank Kaspar
Valžhyna Mort, in Minsk geboren und Dozentin für Lyrik in Baltimore, betrachtet das eigene Handwerk mit Skepsis: „dichter sind keinen deut besser als züchter / die ihre gepflegten hunde vorführen“. Dichtung als Dressurakt? „Poesie ist eine Erkenntniskraft“, sagt die Autorin und Übersetzerin Elke Erb. „Eine richtige Dressur sollte einen mit mehr Möglichkeiten begaben“, meint die Schriftstellerin Monika Rinck, „und eine falsche Dressur wäre eine, wo man am Ende als One-Trick-Pony steht“. Drei Autorinnen, die zwischen Lyrik und Essay zu Hause sind, erkunden, wie Literatur die Wahrnehmung schärft und eine Polyphonie von Stimmen und Ideen erzeugt, so dass im besten Fall ein „Feuerwerk im geschlossenen Raum“ (Rinck) losgeht.
live:
Di 16.11. um 20:00 Poesiegespräch: Elke Erb »MEINS« in der literaturwerkstatt Berlin
In Lesung und Gespräch Elke Erb Autorin, Berlin
Moderation Nico Bleutge Autor und Literaturkritiker, Berlin
Poesiegespräche bieten die Möglichkeit eines tiefen Einblicks in Schreibstätten und Konzepte von Dichtern, zumal wenn es um deren neuestes Buch geht. Nico Bleutge, selbst Dichter, wird als kritisch begleitender Gesprächspartner auch die dritte Veranstaltung in dieser Reihe moderieren.
Im Zentrum des Abends steht die Berliner Dichterin Elke Erb und ihr neuer Band »MEINS«, der jüngst als »roughbook« bei Urs Engeler erschienen ist. Über ihn wird diskutiert, aus ihm gelesen.
Elke Erb ist eine poetische Autorität. Ihre Freiheit im Umgang mit Sprache, ihre Unabhängigkeit von Moden und Trends machen sie zu einer Autorin, an der sich Kollegen messen. Für Elke Erb existieren Genregrenzen für Texte nicht. »Poesie existiert nicht nur im Gedicht, sondern auch in anderen Literaturgattungen oder Künsten sowie außerhalb der Künste.« »MEINS«, herausgegeben von Christian Filips, bestätigt dies aufs Neue: Ein Band voller kurzer Texte, die sich je der Definition entziehen, Notizen aus den Jahren 2003 bis 2009, Beobachtungen aus dem Alltag. Sie bewegen sich sprachwandlerisch und lautmalend, sie sind rau, sie wecken Neugier. Der Leser kann die Autorin begleiten, sich auf das Sprach-Abenteuer einlassen, er kann die Welt mit ihren Augen sehen.
Elke Erb (*1938 Scherbach, Eifel) ist Dichterin, schreibt Kurzprosa, prozessuale Texte, macht Übersetzungen. Ihre Bände sind »Gänsesommer« (2005) »Sonanz« (2008, beide Urs Engeler Editor). Elke Erb ist vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Peter-Huchel-Preis 1988 und dem Hans-Erich-Nossak-Preis 2007 für ihr Gesamtwerk.
Neu ist nicht nur Elke Erbs jüngster Band, neu ist auch, dass Elke Erb in einem Blog »Sätze zur Poetologie« veröffentlicht: »Die Poesie weckt die Intelligenz, die Intelligenz weckt die Poesie. Sie ergreift. Sie erfreut. Sie befreit.«
A Poem A Day – Elke Erb
28. Oktober 2010
Raphael Urweider nach Elke Erb
Als er sich eine Woche vor seinem 19. Geburtstag aus dem Haus stahl, legte er auf den Schreibtisch seines Vaters ein Gedicht, in dem er verschlüsselt seine Pläne mitteilte: Er wollte sich der nationalen Bewegung zur Befreiung seines Landes anschließen. Hinter sich ließ er die kultivierte Welt hoher Beamter, in der er aufgewachsen war, in der seine Mutter französische Dichtung rezitierte und der Großvater mystische Lyrik, zu der die Ausbildung in einer Eliteschule gehörte und ein Patent als Marineoffizier. Mit gefälschten Papieren wanderte er wochenlang durch ein Vaterland, das er nicht kannte. Die Begegnungen mit Menschen aus dem Volk veränderten ihn für immer. Als er im Zentrum der Bewegung ankam, war er enttäuscht. Zwar bewunderte er ihren charismatischen Führer, aber nicht nur wurde er statt an die Front als Lehrer in ein Provinznest geschickt, auch das politische Programm ging ihm nicht weit genug. / Zeit-Rätsel
Der Dichter und Essayist Mile Stojic, der einige Jahre in Wien Slawistik lehrte, sagt: „Was soll an Bosnien-Herzegowina multikulturell sein? Bosnien ist monokulturell! Alle Menschen essen das Gleiche! Ich würde sogar sagen: Nicht nur die muslimischen Frauen tragen Kopftücher, sondern auch kroatische Katholikinnen.“ / Ronald Pohl, Der Standard
Adrian Paunescu, Hofdichter des kommunistischen Diktators Nicolae Ceausescu, starb am Freitag im Alter von 67 Jahren in einem Bukarester Krankenhaus. Politiker, Schriftstellerkollegen und sogar Fußballstars beklagten den Tod Paunescus, der Ceausescu viele Hymnen gewidmet hatte. … Der Dichter Mircea Dinescu, einer der prominentesten antikommunistischen Opponenten, würdigte Paunescus Talent: „Er war eine komplexe Persönlichkeit“. Paunescu habe in den 1960er Jahren im Konflikt mit Ceausescu debütiert, doch „leider ist aus diesem Streit eine große Liebe geworden“. / Der Standard 5.11.
Wir lieben das Leben
Auch wir lieben das Leben, wo wir nur können.
Wir tanzen zwischen zwei Märtyrergräbern, zwischen ihnen pflanzen wir
Für die Veilchen Palmen oder errichten ein Minarett.
Wir lieben das Leben, wo wir nur können,
Und stehlen dem Seidenwurm einen Faden, um einen
Himmel uns aufzuspannen und die Abreise einzuzäunen.
Wir öffnen das Gartentor, damit der Jasmin als schöner
Tag auf die Straßen hinausgeht.
Wir lieben das Leben, wo wir nur können.
Wenn immer wir uns niederlassen, säen wir rasch wachsende Pflanzen,
Wenn immer wir uns niederlassen, ernten wir einen Toten.
Wir blasen auf der Flöte die Farbe der fernen Ferne,
malen auf den Staub des Weges ein Wiehern
Und schreiben unseren Namen Stein für Stein
Blitz, erhelle die Nacht für uns, erhell sie ein wenig.
Wir lieben das Leben, wo wir nur können.
Aus: Die Farbe der Ferne. Moderne arabische Dichtung. Herausgegeben und aus dem Arabischen übersetzt von Stefan Weidner. C.H.Beck, München. 296 S., 48 Mark.
Siehe auch den Kommentar von Dieter M. Gräf in der Reihe „Das neue Gedicht“ in der Tageszeitung „Die Welt“ vom 22.12.2000
Gedichte und Prosatexte von Mahmûd Darwîsh erschienen 1979 im Verlag Volk und Welt unter dem Titel: Ein Liebender aus Palästina
Johannes Bobrowski (1917-1965), one of the most distinguished German post Second World War writers, is known to his readers through his lyrical works, particularly Sarmatische Zeit (1961), Schattenland Ströme (1962/63), Wetterzeichen (1966/67), and his two novels Levins Mühle (1964) and Litauische Claviere (1966).
Although his Opera Omnia in six volumes were published 1987-1999, some manuscript material, housed in the Marbach archives, was not included. In Marbach there is an unpublished copybook in Bobrowski’s handwriting containing an Old Prussian word list of 583 lemmata in total, which, though referred to in critical literature, has not yet been evaluated.
Vol. 25 Johannes Bobrowski, Pruzzische Vokabeln. An Old Prussian Glossary, introduced and edited by Kristina Brazaitis. Dunedin 2010. 373 pp. ISBN 978-0-9582716-5-3. NZ$ 50.00
OTAGO GERMAN STUDIES
Edited by E. W. Herd † and August Obermayer
Available from – Zu beziehen von:
Department of Languages and Cultures, German Section, University of Otago,
P.O. Box 56, Dunedin 9054, New Zealand
Fax: (++64) 03 479 8689
e-mail: august.obermayer@otago.ac.nz
http://www.otago.ac.nz/german/OtagoGermanStudies/home.html
Pasolini sei ein Genie gewesen, der bedeutendste italienische Dichter des 20.Jahrhunderts. ‚Aber verkünde das mal hier im Dorf – es gibt nicht wenige, die meinen, Pasolini war ein Popsänger!‘
‚Wasser vom Brunnen meines Dorfes, es gibt kein frischeres Wasser als in meinem Dorf. Brunnen der ländlichen Liebe.‘ So beginnen Pasolinis ‚Poesie a Casarsa‘. Er verfasste die Gedichte in Friulan, dem Dialekt der Bewohner des ländlichen Friaul – eine Liebeserklärung an das Dorf, in dem er aufwuchs. / HELMUT LUTHER, Süddeutsche Zeitung 28.10.
Das Literaturportal poetenladen, nun gut fünf Jahre alt, wird in Layout und Funktionalität aktualisiert. Auf Denglisch also ein Relaunch. Der poetische Betrieb geht natürlich weiter – wie gewohnt also fast täglich neue Kritiken, neue Autoren, Serienbeiträge und vieles andere.
Da das Portal inzwischen fast 10.000 Seiten umfasst, wird der Relaunch kontinuierlich durchgeführt, voraussichtlich bis Frühjahr 2011. Es werden zeitweise bereits „erneuerte“ Seiten neben noch nicht erneuerten Seiten stehen. Das lässt sich angesichts der Größe der Website nicht vermeiden. Alle neuen Beiträge werden in neuem Layout gesetzt. Alle Inhalte – etwa der Autorenseiten – bleiben natürlich eins zu eins bestehen. Im Grunde ändert sich „nur“ die Optik. Man darf also den Prozess mitverfolgen.
„Seine Tendenz zur Normalität entsprach einer Persönlichkeit, die durch die Konfrontation mit dem Unbewußten nicht entwickelt, sondern nur gesprengt worden wäre. (…) Man kann wohl sagen, daß das heutige Kulturbewußtsein, insofern es sich philosophisch reflektiert, die Idee des Unbewußten und deren Konsequenzen noch nicht aufgenommen hat, obwohl es seit mehr als einem halben Jahrhundert damit konfrontiert ist. Die allgemeine und grundlegende Einsicht, daß unsere psychische Existenz zwei Pole hat, bleibt noch immer eine Aufgabe der Zukunft.“ Carl Gustav Jung: ‚ERINNERUNGEN, TRÄUME, GEDANKEN‘ (1961)
G&GN-INSTITUT (www.ggn-institut.de) B-NEUKÖLLE 4.11.2010 / Ein Dichter auf Abwegen? Seit diesem zweiten November schreibt Tom de Toys keine Gedichte mehr sondern ein therapeutisches Tagebuch als Online-Blog, um anderen Schmerzpatienten mit der Diagnose „somatoforme“ (körperdysmorphophobe) Störung seine klinischen Erfahrungen auf dem Weg zur Heilung zur Verfügung zu stellen. Der Untertitel des Projekts lautet „VON DER MYSTIK DES MENSCHEN ZUR MYSTIK DES MENSCHLICHEN“ und deutet darauf hin, daß es um den Versuch geht, anstatt des neuroastronomischen Denkens, das sich leicht mit begrifflichen Symbolen für das Weltganze zufrieden stellt, ein konkretes Analysieren von psychischen Abgründen bis in die Kindheit hinein zu wagen, um quasi versteckte Dateien im Biocomputer aufzuspüren und als psychische Viren unschädlich zu machen, die am Rande der integralen Identität eine Schattenexistenz führen und im Endstadium heimlich die Kontrolle über den Körper übernehmen wie ein Krebsgeschwür… In der Einleitung des „Therapietrips“ (www.TherapieTRIP.de) ist bereits erkennbar, mit welchen Schwierigkeiten sich der Dichter konfrontiert sieht:
„…diese Hoffnung auf Wahrheit könnte sich im Verlaufe der Geschichte als absurde Selbstlüge erweisen, so daß sich der ganze literarische Entwurf einmal mehr als idiotischer Köder in einem leeren See verrät und mich, den vermeintlichen ‚Autor‘, als Scharlatan bloßstellt. (…) Mir bleibt nur das geringste Mindestmaß an Urvertrauen in diesen Schreibimpuls übrig, der direkt nach diesen einleitenden Worten wieder versiegen könnte, wie es schon früher mehrmals geschah. (…) Helden, Gewinner, Doppelgänger, Gott, das Ich und der Sinn des Lebens, all das sind pathetische Attribute der Schriftstellerei, die das imaginäre Selbst umkreisen, bevor es implodiert. Was sich jenseits der Literatur auf der anderen Seite des implodierten Dichters befindet, gilt es für mich jetzt zu erkunden.“
Auszug aus „DAS D U R C H LEUCHTEN DER MATERIE“ (www.Schmer-ZEN.de)
Diese fahrlässige Gleichsetzung des gesamten SELBST (gemäß Psychosynthese bloß die „leere Mitte“ als Beobachter des Spektakels) mit der „Dichter“-Teilpersönlichkeit -oder positiv ausgedrückt: die Überhöhung des lyrischen Ichs zum kosmischen Kronzeugen des Ontischen- hat in einem bestimmten Entwicklungsstadium von somatoformen Symptomen schlichtweg ausgedient. Aber ihr trotzdem weiter betriebener routinierter Leerlauf gebiert sogar Monster, die das Menschliche am Menschen fressen wollen. Übrig bleibt dann ein durch und durch selbstzweifelnder Vergifteter im Sinne Artauds Gesellschaftskritik, der keinem einzigen selbstgedachten Wort mehr trauen mag, solange die psychische HERKUNFT DER WÖRTER ungeklärt scheint. Insofern geht es im therapeutischen Prozess nicht nur um die Wiederherstellung der körperlichen Funktionen zwecks reibungsloser Alltagstauglichkeit sondern vorallem um einen neuen antipoetischen Zugang zur Sprache, der sich nicht mehr mit der transpersonalen Mystik des Menschseins „an sich“ beschäftigt sondern auf die Offenlegung des individuellen Mythos der psychosomatischen Seele abzielt. Sogesehen könnte daraus sogar eine noch größere „Direktheit“ (oder Trivialität wie im Urlaubsgedicht „FÖHRLING“ vorweg genommen?) in zukünftigen Beispielen für die antimetaphorische Poetologie der Direkten Dichtung (www.DirekteDichtung.de) resultieren, deren esoterische (=selbsterfahrende statt religiöse) Tendenz 2001 in der Entwicklung der Quantenlyrik (www.Echte-Quantenlyrik.de) mündete – aber auch ein Überlaufen in rein journalistische Motivationen würde einer gewissen Logik folgen. Was allerdings dem hier behandelten Dichter derzeit „logisch“ erscheint, ist durchaus fragwürdig und bedarf mehr als nur dieser schreibtherapeutischen Maßnahme…
ALLE WEITEREN G&GN-ONLINE-PROJEKTE SIEHE: www.POEMiE.net
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auf dem berge ararat
2 sing E und I und O den wattenmondemord |
Der Dichter H. C. Artmann ist heute (5.12.2000) in Wien im Alter von 79 Jahren gestorben.
10 Gedichte vorgetragen vom Autor auf den Seiten der Lyrikline
Some english texts
© (Für die Auswahl) Michael Gratz 2000.
Als zentrale Instanz in Lautgebungsfragen besaß der Wiener Dichter Ernst Jandl (1925- 2000) das Prestige eines Musikers: Und so ist auch die als Sonderschau des Wien Museums angelaufene „Ernst Jandl Show“ vor allem ein elektrisierendes akustisches Wechselbad.
In zahlreichen Klangwolken umschmeichelt den Besucher Jandls sonores Pädagogenorgan. Obzwar er zeitlebens dem Ideal der Jazz-Improvisation verpflichtet war, flackert in Jandls zum Brüllen komischen Artikulationsübungen der Ungeist einer überwundenen Epoche auf.
… Die Auswertung des 170 Umzugskartons umfassenden Jandl-Nachlasses – der Dichter hatte ihn noch zu Lebzeiten dem Österreichischen Literaturarchiv vermacht – förderte Partituren, Notate, Stimmführungsprotokolle und allerlei Tondokumente zutage. Jandls Stimme, schrieb der Schweizer Jürg Laederach, gleiche „mehreren noch zu erfindenden Instrumenten“. / Ronald Pohl, DER STANDARD 4.11.
„Die Ernst Jandl Show“ – von 4. November bis 13. Februar 2011 im Wien Museum am Karlsplatz
„Der Klabund ist ein überaus buntfarbiger Kugelkäfer, dem seine natürliche Buntheit noch nicht genügt. Wo immer er was Farbiges findet, rollt er sich darin herum, so lange, bis er auf seinen kleinen Stacheln einiges davon aufgespießt hat, was ihn noch bunter erscheinen lässt, als er ist.“ So beschrieb Franz Blei den Schriftsteller- Kollegen, der in der Weimarer Republik in aller Munde war. Der schillernde Käfer hieß eigentlich Alfred Henschke. Mit Anfang 20 brach der Apothekersohn aus Crossen sein Studium ab und legte sich das Pseudonym Klabund zu – eine Mischung aus Klabautermann und Vagabund. / wdr ZeitZeichen
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