78. Europäische Poesie­zeit­schrift

Zum Schluss sei noch auf die erste Ausgabe der neuen europäischen Poesie­zeit­schrift „Limen“ verwiesen, die wohl hoff­nungs­vollste Zeit­schriften-Neu­gründung dieser Tage. Das erste Heft versammelt jeweils zweisprachig Gedichte und poeto­logische Noti­zen von Dichtern aus Deutsch­land, Frankreich und Italien. „sist zappen­duster in diesem gedicht, welche sprache es wohl spricht?“ Die Verszeile Uljana Wolfs präludiert eine Reihe von sprachskeptischen Texten, die sich in „Limen“ zu einem beein­druckenden Gruppen­bild avancierter Poesie zusammen­finden. / Michael Braun, Poetenladen

Limen, Heft 1(2011)
Postfach 2923, 49019 Osnabrück. 144 S. 14,80 Euro.

77. Hebräische Bosheit

Gleichzeitig berief sich die literarische Emigration auf den Dichter, der in der Zeit des Nationalsozialismus beispielhaft ein anderes Deutschland repräsentieren konnte.

Auch der jüdische Literaturwissenschafter Jonas Fränkel positionierte sich auf dieser Seite, als er in Emil Oprechts Verlag sein Buch «Gottfried Kellers politische Sendung» publizierte. Terminschwierigkeiten Fränkels waren für den Regierungsrat, der die Herausgabe der «Sämtlichen Werke» finanziell unterstützte, vordergründiger Anlass, dem Herausgeber die Ausgabe 1941 zu entziehen. Fränkels Aktivitäten, so die Begründung, könnten in Deutschland als «hebräische Bosheit» ausgelegt werden. Indirekt gab der Regierungsrat damit jenen gleichgeschalteten Verlagen recht, die eine Anzeige der «nicht-arischen» Keller-Ausgabe in ihren Vorschauen verweigert hatten. / Ursula Amrein, NZZ 18.2.

76. Streit um Keller

Keller liess sein Testament im Januar 1890 notariell beglaubigen. Ein halbes Jahr später starb er. Die Überraschung bei der Testamentseröffnung war perfekt. Der Dichter hatte den Grossteil seines Vermögens und alle «aus dem Verlagsrechte meiner litterarischen Werke herfliessenden Einkünfte» dem Hochschulfonds des Kantons Zürich vermacht. Die leer ausgehenden Verwandten waren enttäuscht und auch empört. Der Bülacher Nationalrat Fritz Scheuchzer verlangte ein medizinisches Gutachten zum Gesundheitszustand seines Vetters, dessen Testierfähigkeit er in Abrede stellte. Er stützte sich auf die im Totenschein verzeichnete Diagnose «Hirnerweichung».

Die Gerichtsverhandlungen zogen sich über zwei Jahre hin und durchkreuzten die Erinnerung an den Dichter, der schon zu Lebzeiten die höchsten Ehrungen erfahren hatte und dem ein Staatsbegräbnis zuteil wurde, wie es für die Schweiz einmalig war. Der Bundesrat schickte an die Abdankungsfeier in Zürich eine eigene Delegation. Unter den Trauergästen befanden sich der gesamte Regierungsrat, Vertreter zahlreicher Behörden und Gesellschaften sowie die gesamte Professorenschaft der Universität und des Eidgenössischen Polytechnikums. Die Kremierung des Atheisten im Centralfriedhof Sihlfeld, die zu den ersten in Zürich überhaupt gehörte, war zusätzlich geeignet, den Toten mit der Aura des Aussergewöhnlichen zu umgeben. / Ursula Amrein, NZZ 18.2.

75. Potenzial rationalen Denkens

Mag sein, dass die intensive Beschäftigung mit Musik, die ja nur sehr eingeschränkt über eine Semantik verfügt, Rühms Literaturauffassung geprägt hat, und es versteht sich, dass er auch auf dem Gebiet eine Vorliebe hat für konstruktivistische Tendenzen. Sein Lehrer war Josef Matthias Hauer, der schon vor Schönberg eine Zwölftonmusik-Theorie entwarf. In den von Rühm in seiner Dichtung angewandten kombinatorischen Verfahren kann man mühelos starke Ähnlichkeiten zu Techniken der Minimal Music ausmachen.

Im Übrigen ist es ein Missverständnis, wenn man derlei Kunst für unpolitisch hält. Nur setzen Autoren, die so arbeiten, nicht auf die unmittelbare politische Aussage, sondern auf das politische Potenzial rationalen Denkens. Das kann ausgesprochen unterhaltsam sein. Das Spiel ist Rühms Dichtung verwandter als die Botschaft. Die lautliche Seite der Sprache ist ihr nicht weniger wichtig als die semantische und pragmatische. Sie verweist stets weniger auf eine außersprachliche Wirklichkeit als auf sich selbst – und folgt damit einem Kriterium, das nach Ansicht einiger bedeutender Theoretiker Literatur überhaupt erst konstituiert. Rühm steht damit im Zentrum einer ihrerseits marginalisierten Tradition des 20.Jahrhunderts, die weit über Österreich hinausgeht und von Chlebnikov und Krutschonych über Heißenbüttel bis zu Raymond Queneau und Georges Perec reicht. / Thomas Rothschild, Die Presse 18.2.

74. Ästhetik der Dissidenz

Eine wesentlich konturiertere Ästhetik der Dissidenz finden wir in der vierten Ausgabe des Literatur­heftes „randnummer“. Hier kann man kleine Meisterstücke entdecken, etwa die „bild­gebenden verfahren“ des Dichters Nicolai Kobus, eine kleine, artistisch gefügte Kollektion von Gemäldegedichten. Der verstörendste Text des Heftes ist freilich eine kleine Rollenprosa des Dichters Konstantin Ames, die in die Spätzeit der DDR zurückblendet und ein saarländisch-brandenburgisches Dichtertreffen rekonstruiert. Eine Episode, die offen lässt, inwieweit sie als Fiktion oder als klandestines Protokoll zu lesen ist.

Als schrille Neutöner, die auf die bewährten Verfahren der schnellen Schnitte und der schroffen Montage­techniken setzen, exponieren sich in der „randnummer“ und im „]trash[pool“ die Lyriker Kristoffer Cornils und Richard Duraj. Der 1987 geborene Cornils präsentiert eine „Haiku­zerstückelung“, die sich aggressiv gibt, gleichwohl – ähnlich wie in Brinkmanns „Highkuh“-Adaption – die mystischen Qualitäten der japanischen Gedichtform erhalten will. / Michael Braun, Poetenladen

Randnummer No 4  externer Link
c/o S. Kornappel, Okerstr. 43, 12049 Berlin. 108 S., 5 Euro.

Trashpool, Heft 2 (2011)  externer Link
Neckarhalde 8, 72070 Tübingen. 104 S., 5,20 Euro.

73. Die sich für ein Genie gehalten hat

„Kennen Sie etwa eine Frau, die sich für ein Genie hält?“, so ähnlich hatte Thomas Meinecke kurz vor Beginn seiner Poetik-Vorlesung in Frankfurt am Main am Ende eines Interviews mit der Süddeutschen Zeitung gefragt. Die Frage war rhetorisch gemeint. Denn Meinecke wollte zeigen, dass die (Wahn-)Vorstellung vom Genie-Sein ein männlich codiertes Phänomen ist.

Ich kenne eine. Frau. Die sich für ein Genie gehalten hat. Gertrude Stein thronte in Paris und wusste selbst denen, die hinter ihrem Rücken über sie lästerten, bei einer Begegnung das Gefühl zu verschaffen mit einer ganz außerordentlichen Frau zu verkehren, einer Frau außer der Ordnung nämlich in beinahe jedem Sinn (einer Frau, von der manche deshalb auch sagten, sie sei „eigentlich“ ein Mann). Es muss ziemlich anstrengend gewesen sein, auf diese monolithische Gestalt zu treffen, die trotz Dauermisserfolg ganz unbeirrt von ihrer eigenen Bedeutung und der ihres Schreibens überzeugt war und aus dieser Gewissheit herab sah auf die wuselig in ihre erotischen Abenteuer verstrickten, verzweifelt an ihrer Männlichkeit bastelnden Hemingway, Fitzgerald,  Anderson, Ford Madox Ford, Picasso und wie sie alle hießen. Sie müssen ihr, stelle ich mir vor, gelegentlich auch wie Aliens vorgekommen sein, in ihrer Fixierung auf die zwanghaften Wiederholungsrituale der Heterosexualität, auf Männlichkeitsmythen und -posen, in ihrer Angst vor der eigenen Homoerotik und ihrer Gier nach Bestätigung durch (immer jüngere) Frauen.  Für die allerdings interessierte Gertrude Stein sich auch nicht besonders. Vielmehr: Sie interessierte sich nicht für das, was diese Frauen in den Augen der Männer einzig auszeichnete und zu Frauen machte: Das Begehren dieser Frauen, von denen begehrt zu werden, muss ihr sonderbar irr vorgekommen sein. Und so ergab sich – neben dem Kunstwollen – eine weitere, etwas abstoßende Schnittmenge der Interessen zwischen diesen Männern und dieser einen, einzigartigen Frau:  die Mysogynie, in ihrem Fall klar und bestimmt gerichtet gegen die Hetero-Groupies;  in jenem der Männer durchsetzt mit Faszination und dem widerwärtigen Unterwerfungszwang.

Tatsächlich aber liebte sie Frauen und sie schrieb über Frauen und eine liebte sie besonders. / Melusine Barby, Gleisbauarbeiten

72. Wer wars?

Schon mit 14 Jahren beteiligte er sich an Demonstrationen, später wurde er zum Revolutionär. Sein Temperament färbte auch auf seine Gedichte ab. Eine neue Sprache zu schaffen – das war sein unbescheidenes Ziel. / mehr

71. Lieber schreibe ich Lyrik

Lieber schreibe ich Lyrik, die allenfalls 50 Leute lesen, als das zu tun, wozu der Erfolgsautor und sein Verlag neuerdings einladen. / KATHARINA TIWALD, Die Presse 17.2.

70. Nachruf auf Knud Wollenberger (Geb. 1952)

In der Traueranzeige ein Satz wie eine kryptische Lebensbilanz: „Und eine schwarze Sonne leckt die letzten Strahlen!“ Die Beisetzung im engsten Kreis auf dem Naturfriedhof Woodbrook in Irland, dem finalen Fluchtpunkt. Hier hatte er die letzten Lebensjahre verbracht, ein Pflegefall, abgeschottet vom Licht der Öffentlichkeit, für die er nur der Stasi-Verräter war und nicht der Dichter, der er sein wollte. Es bleibt ein schmales Büchlein, „Azurazur“, zwei Gedichte in einer Anthologie, Tonaufnahmen von Lesungen und wenige Text-Spuren im Netz. / Erik Steffen, Tagesspiegel

69. Daniela Danz wird Tübingens Stadtschreiberin 2012

Daniela Danz erhält das Stadtschreiberstipendium 2012 der Universitätsstadt Tübingen. Bisher veröffentlichte die Autorin zwei Gedichtbände mit den Namen „Serimunt“ (2004) und „Pontus“ (2009) sowie Prosawerke. Für ihre Arbeit erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Stipendien. Danz schätzt Tübingen, hat sie doch an der Eberhards Karls Universität Germanistik und Kunstgeschichte studiert. „Tübingen ist genau das, was jetzt zur ‚Hälfte des Lebens’ passt, um nachzudenken und in Ruhe zu arbeiten“, so Danz.

Eine fünfköpfige Jury hat die Schriftstellerin ausgewählt, die sich laut Florian Illies, dem ehemaligen Feuilleton-Chef der Zeit, durch ein „Gespür für die drückende Präsenz der Geschichte“ auszeichnet. Von April bis Juni wird Danz im ehemaligen Aufseherhäuschen am Stadtfriedhof leben und sich dort ihrer Arbeit widmen. Bei zwei Lesungen haben die Tübingerinnen und Tübinger die Gelegenheit, die Autorin und ihr literarisches Werk kennen zu lernen. Die Auftaktlesung findet am Donnerstag, 12. April im großes Sitzungssaal des Rathauses statt. Zudem wird die Stipendiatin ein Seminar beim Studio Literatur und Theater der Universität Tübingen halten.

Daniela Danz wurde 1976 in Eisenach geboren und studierte Germanistik und Kunstgeschichte in Tübingen, Prag, Berlin und Halle an der Saale. Sie lebt heute in der Nähe von Weimar. Neben ihrer schriftstellerischen Arbeit lehrt sie an der Universität Hildesheim und arbeitet als Kunsthistorikerin für die Evangelische Landeskirche in Mitteldeutschland.

Seit 2008 vergibt die Universitätsstadt jedes Jahr das dreimonatige Stadtschreiberstipendium. Dichterinnen und Dichtern wird so ermöglicht, ohne Zeitdruck und materielle Zwänge an ihrem aktuellen Projekt zu arbeiten. Enthalten sind monatlich 1.000 Euro und die möblierte Wohnung im ehemaligen Aufseherhäuschen.

68. Pornografie, Nekrophilie, Verderbung einer Minderjährigen und der Aufruf, den Präsidenten zu töten

Der ukrainische Schriftsteller Juri Wynnytschuk hat sich mit den Machthabern angelegt: Er hat ein Gedicht geschrieben, das als Aufruf gelesen werden kann, den Staatspräsidenten zu ermorden. …  Das jetzt inkriminierte Gedicht hat er während einer „Nacht der erotischen Poesie“ vorgetragen. (…)

DIE WELT: Sie hatten also Besuch von der Miliz. Was wollten die Beamten?

Juri Wynnytschuk: Der kommunistische Abgeordnete Leonid Hratsch hat gegen mich Anzeige erstattet. Anklagepunkte: Pornografie, Nekrophilie, Verderbung einer Minderjährigen, die meine Gedichte rezitierte, und der Aufruf, den Präsidenten zu töten. Deswegen kamen die Milizionäre. Ich habe sie hereingebeten und mit Kaffee bewirtet. Sie wollten Auskünfte über diese Gedichte. Sie waren freundlich zu mir. Ich hatte den Eindruck, sie haben sich bei der ganzen Geschichte gut amüsiert. Sie kannten meine Bücher. / Gerhard Gnauck, Die Welt

67. Heimatdichter in anderem Sinn

Einzinger ist ein Heimatdichter, wenn auch in einem etwas anderen Sinn als der Stelzhamer Franzl. Die Dinge in seinen Gedichten kennen wir, befremdlich werden sie erst durch die lyrischen Arrangements. Das wirkt irritierend, stört eingefahrene Sichtweisen und wirkt bisweilen auch urkomisch. Lachen ist bei dieser Lyrik erlaubt, Surrealismus ist ein nicht ganz unpassendes Etikett. / Oberösterreichische Nachrichten

Erwin Einzinger: „Die virtuelle Forelle“. Jung & Jung. 143 Seiten

darin auch über:

Andrea Grill „Happy Bastards“, Otto Müller Verlag, 75 Seiten, 18 Euro

66. Extremist des Avantgardismus

Zu diesen hoch reizbaren Extremisten des Avantgardismus gehörte auch der 1925 in Rumänien gebo­rene Buch­staben­poet und Filme­macher Isidore Isou, der Begründer des sogenannten Lettris­mus. Aus einer jüdischen Familie stammend, geriet Isou im Rumänien des faschis­tischen Diktators Ion Antonescu in Lebens­gefahr und floh daher 1945 nach Paris, wo er alsbald die lettristische Revo­lution ausrief. Die Form der litera­rischen Dissi­denz, die Isou gemeinsam mit einigen Mit­strei­tern zelebrierte, führte im Frankreich der Nach­kriegs­zeit zu allerlei Skandalen: Der mit spekta­kulären Aktio­nen auf­trumpfende Isou wurde wahlweise als Porno­graph, politischer Nest­beschmutzer oder als Blas­phemiker geschmäht.

In Deutschland war der 2007 verstorbene Isou bislang nur durch die philo­logi­schen Arbeiten von Michael Lentz und durch einige Reminis­zenzen von Oskar Pastior präsent, eine umfassende, viel­stimmige Aus­einander­setzung mit seiner Poetik steht jedoch noch aus. Das könnte sich jetzt ändern, denn das auf solche Einzelgänger der litera­rischen Moderne spezia­lisierte „Schreibheft“ hat jetzt unter dem bezeich­nenden Titel „Die Zeichen des Messias“ ein aufregendes Dossier zum Phänomen Isidore Isou vorgelegt. / Michael Braun, Poetenladen

65. Deutschwort

Zwei schmale Bändchen Lyrik liegen nur mehr vor, geschrieben in Deutsch und tödlich erstaunt über das Deutschwort. In vertrackter Sprache und angereichert mit Wortneuschöpfungen in willkürliche Form gebrachte Kürzestprosa nur scheinbar. Denn schon vor dem zweiten Hinsehen erkennbar die Genauigkeit der Gefühle und eine Seelentiefe, wie das nur edelste Lyrik vermag, geboren noch in den Tiefen tschechischer Sprachwurzeln.

„Alle Figuren hier sind frei erdacht, doch wahrhaftig tot, geliebt, gelitten“ setzt Du den Miniaturen voraus und „denn was ist ein Gedicht, wenn nicht ein Name für das Flüchtige?“ / Aus Anlass der posthumen Verleihung des Manès-Sperber-Preises: Auszug aus der Laudatio für den Diplomaten, Dissidenten und Dichter Jirí Grusa – Von Miguel Herz-Kestranek, Der Standard 27.1.

64. Türkische Früchte 4: Tode

Dichter wurden allerorten verfolgt und gemordet. Unübertroffen Hitler und Stalin. In diesem einen Punkt war Stalin vorn, seinen Repressionen fiel eine mindestens dreistellige Zahl von Schriftstellern zum Opfer. In einer einzigen Nacht, der „Nacht der ermodeten Dichter“, ließ der Diktator 13 jüdische Intellektuelle hinrichten, darunter diese Schriftsteller:

  • Peretz Markish (1895–1952)
  • David Hofstein (1889–1952)
  • Itzik Fefer (1900–1952)
  • Leib Kvitko (1890–1952)
  • David Bergelson (1884–1952)

Diese beiden sind also konkurrenzlos. Sieht man an ihnen vorbei, stößt man auf die Tatsache, daß islamische Ländern seit dem Mittelalter besonders viele ihrer Dichter zu Tode brachten, namentlich auch spätere Klassiker. Eine kleine Liste von hingerichteten Autoren:

  • der Dichter Waddah al-Yaman, jetzt Nationaldichter in Jemen, wurde 708 wegen seiner Verse, vielleicht aber auch wegen zu enger Beziehung zur Frau des Kalifen, von diesem hingerichtet
  • der arabische Dichter Salih ibn ‚Abd al-Quddus wurde 784 wegen Ketzerei hingerichtet
  • Der Dichter Abu Nuwas starb 815 wegen eines Spottgedichts auf eine vornehme Perserfamilie – sie ließ ihn derart misshandeln, dass er an den Folgen starb
  • Huseyn ibn Mansur al-Halladsch wurde 922 in Bagdad hingerichtet
  • Abu at-Tayyib Ahmad ibn al-Husayn al-Mutanabbi, den man oft den größten arabischen Dichter nennt, wurde 965 ermordet
  • der türkische Dichter Nesimi (Nasimi) wurde 1405 hingerichtet, weil er einer der Ketzerei beschuldigten Sekte angehörte. Er starb in Aleppo durch Abziehen der Haut bei lebendigem Leibe
  • Pir Sultan Abdal wurde um 1560 hingerichtet, weil er mit den Persern gegen die Herrscher von Siwas konspirierte
  • der türkische Dichter Nefi wurde 1635 hingerichtet, weil er Spottverse gegen einen Mächtigen schrieb
  • 1981 richtete die Islamische Republik Iran den Dichter  und Dramatiker Saeed Soltanpour hin

Nachtrag 2012: Zehntausende fordern in einer Facebook-Gruppe die Bestrafung des saudi-arabischen Journalisten Hamsa Kaschgari, weil er den Propheten Mohammed beleidigt haben soll. Sie wollen ein Exempel statuieren und verlangen die Hinrichtung des 23-Jährigen.