8. Februar in der Lettrétage

Mittwoch, 8. Februar 2012, 19.30 Uhr
Pharmacy of Words
Morten Søndergaard präsentiert sein neues poetologisches Experiment

Mittwoch, 15. Februar 2012, 19.30 Uhr
Gedichtgespräch: Marlies Schmidl / Boris Schapiro
Marlies Schmidl und Boris Schapiro lesen und diskutieren

Mittwoch, 22. Februar 2012, 19.30 Uhr
Neue Übersetzungen amerikanischer Lyrik
Christine Pfammatter, Norbert Lange, Mathias Traxler und Tobias Amslinger stellen neue Übersetzungen von James Laughlin und Charles Bernstein vor

7. Der Reim ist die Tiefkühltruhe

Der Lyriker und Kritiker Steffen Jacobs gibt eine kleine Einführung in das Dichten.

Junge Menschen lieben Pop, auf Poesie können sie verzichten. Das beklagen Kulturpessimisten: Gaga statt Goethe. Doch spätestens seit dem Siegeszug der Slam Poetry ist dieses düstere Szenario nicht zu halten. Die Dichtung ist (wieder) in der Popkultur angekommen.

Wie sieht es aber mit dem Schreiben selbst aus? Lyrik gilt zu Recht als hohe Kunst der Literatur. Ob man diese hohe Kunst lernen kann – und wenn ja, wie das funktioniert – fragen wir den Lyriker und Kritiker Steffen Jacobs. Er sagt: „Der Reim ist die Tiefkühltruhe der Lyrik.“ / DLR

6. Eine Rose hat keine Zähne

01. Februar 2012, 20 Uhr (und nicht wie auf der Homepage 2011)

Im Saal des Deutschen Literaturinstituts

Eintritt frei

Ulf Stolterfoht über den Abend: „Gegeben wird ein bunter Strauß von Ludwig Wittgenstein-Gedichten, also Gedichten von mir, in denen Wittgenstein auftaucht.“

Moderation: Michael Lentz

Ulf Stolterfoht, geboren 1963 in Stuttgart, lebt als Lyriker und Übersetzer in Berlin. Zuletzt erschienen „ammengespräche“, Holderbank: roughbooks 2010 und die Übersetzung der Gedichte von Tom Raworth „Logbuch“, Heidelberg: Wunderhorn 2011. Gastprofessor am DLL 2008/09; Poetik-Dozentur Hildesheim 2009. Mitglied der Lyrikknappschaft Schöneberg und des Artrock-Kollektivs „Das Weibchen“. Im Internet betreibt er das „System BRUETERICH“.

5. Wind Zeit Klang

Im Standard: Sammler Karlheinz Essl vor Anselm Kiefers „Nur mit Wind mit Zeit und mit Klang“ aus dem Jahr 2011, nach einem Gedicht von Ingeborg Bachmann.

4. Asien-Pazifik

Vom 2.-4- Februar findet in Ha Long (Vietnam) das erste Lyrikfestival Asien-Pazifik statt. Dichter aus 27 Ländern „und Territorien“ werden daran teilnehmen. Am 4.2. gibt es dann im Hanoier Literaturtempel den 10. Tag der Poesie, teilte der Schriftsteller  Nguyen Quang Thieu mit. / vietnamplus

3. Lesung im Poetenladen

Lesung mit Anne Dorn und Michael Fiedler

Reihe Neue Lyrik

Freitag, 03. Februar 2012, um 20.00 Uhr

Alte Nikolaischule, Nikolaikirchhof 2, Leipzig

Moderation: Jayne-Ann Igel und Jan Kuhlbrodt
Musik: Peter Borck (Bratsche) und Axel von Huene (Cello)
Johann Sebastian Bach – Witold Lutosławski – Krzysztof Penderecki
Eintritt frei

2. „Ich verfalle recht oft in eine unsägliche Traurigkeit“

Der Unternehmer und Philosoph Ludwig Wittgenstein (1889 bis 1951) stellte von Ficker einen großen Geldbetrag zur Förderung notleidender Dichter zur Verfügung. Trakl sollte neben Rainer Maria Rilke (1875 bis 1926) 20 000 Kronen erhalten, die alle seine Geldnöte für Jahre behoben hätten. Doch er sah sich außerstande, das Geld abzuholen, begann vor dem Bankgebäude zu zittern und vermochte die Schwelle nicht zu übertreten. …

Während der Schlacht bei Grodek, der er sein letztes Gedicht widmete, musste er 90 Schwerverwundete weitgehend ohne Medikamente versorgen. Er erlitt einen Nervenzusammenbruch und wurde aufgrund eines Selbstmordversuchs zur Beobachtung in ein Garnisonsspital nach Krakau verlegt.

An von Ficker schrieb er: »Ich bin seit fünf Tagen hier in Garn[i]s[ons] Spittal zur Beobachtung meines Geisteszustandes. Meine Gesundheit ist wohl etwas angegriffen und ich verfalle recht oft in eine unsägliche Traurigkeit. Hoffentlich sind diese Tage der Niedergeschlagenheit bald vorüber.«

Von Ficker berichtete über seinen letzten Besuch bei Trakl: »Er schien gedrückter als am Vortag [. . . ]. ›Wollen Sie hören, was ich im Feld geschrieben habe?‹ , fragte er [. . .]. Und nun las mir Trakl leise, mit der schlicht hinsagenden Stimme, die ihm eigen war, zwei Gedichte vor: ›Klage‹ und ›Grodek‹ [. . .]. / Christoph Friedrich, Pharmazeutische Zeitung

1. Found in Translation

Die New Yorker Künstlerin Lisa Oppenheim, geboren 1975, war fasziniert von den Übersetzungen chinesischer Gedichte durch den Schriftsteller Ezra Pound, der die Schriftzeichen in sehr bildliches Englisch übertrug – heutige Neuübersetzungen sind wesentlich nüchterner. Oppenheim potenziert Pounds Bildlichkeit, in dem sie einem von ihm übersetzten Gedicht des chinesischen Lyrikers Li Bai aus dem 18. Jahrhundert Filmaufnahmen gegenüberstellt. Sie lässt sie über einen Projektor parallel zu den Worten ablaufen. Gedreht hat sie diese Motive in China Town, an einem Ort also, an dem sich Chinesisch und Englisch ständig mischen und modifiziert werden.

Auch Alejandro Cesarco widmet sich literarischen Vorbildern und hängt zehn englische Übersetzungen von Dantes Gedicht „Inferno“ nebeneinander, die alle ab dem 19. Jahrhundert entstanden sind. Die Sprache wird moderner, klarer, aber Bedeutungen verschieben sich auch. / Anna Pataczek, Tagesspiegel

Deutsche Guggenheim, bis 9.4., Unter den Linden 13/15, tägl. 10-20 Uhr

125. Lange Lyriknacht bei J. Frank

EINLADUNG ZUR LANGEN LYRIKNACHT
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Am Freitag, 3. Februar 2012, feiert das Verlagshaus J. Frank | Berlin die
Poesie mit einer Langen Lyriknacht!

Worin besteht das Verführerische an der Poesie? Wie ist die geheimnisvolle
Sphäre beschaffen, an der sie entsteht? Was überhaupt sind Gedichte, jene
Universen auf kleinem Raum? Und welche Position können sie gerade heute
einnehmen?

Diesen Fragen gehen die Lyrikerinnen und Lyriker des Verlagshaus in ihrer
Langen Lyriknacht nach!

Mit Björn Kuhligk, Ron Winkler, Florian Voß, Max Czollek, Birgit Kreipe,
Asmus Trautsch, Mikael Vogel und Jinn Pogy.

Z-Bar // Bergstraße 2 / 10115 Berlin
Ab 21:00 Uhr // Eintritt 5,- €
Kartenreservierungen per E-Mail an post@belletristik-berlin.de

VERLAGSHAUS J. FRANK | BERLIN
Greifswalder Straße 39 / 10405 Berlin

124. Sprichwort

Bevor du liebst
lerne durch Schnee gehn
ohne Fußspur. 

Türkisches Sprichwort

Aus dem Englischen des Edward Powys Mathers, aus:

The Garden Of Bright Waters
One Hundred And Twenty Asiatic Love Poems
Translated by Edward Powys Mathers
1920

(hier online, Suche nach „Turkey“)

123. Rilke zurück

Noch eine leicht verspätete Nachricht aus Prag (ein Archiv veraltet nicht):

Der Dichter Rainer Maria Rilke ist in seine Geburtsstadt zurückgekehrt, schreibt Markéta Kachlíková am 7.12.:

Rainer Maria Rilke, einer der bedeutendsten deutschsprachigen Lyriker der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, Autor der „Duineser Elegien“ und zahlreicher weiterer Gedichtbände, wurde am 4. Dezember 1875 in Prag geboren. Die Beziehung des Dichters zu seiner Geburtsstadt blieb sein ganzes Leben lang ambivalent. Er hat sie als Zwanzigjähriger für immer verlassen, doch in seinen Werken blieb Prag immer präsent. An diesem Mittwoch ist Rainer Maria Rilke symbolisch in seine Heimatstadt zurückgekehrt: Am Haus Nummer 16 am Prager Graben wurde für ihn eine Gedenktafel feierlich enthüllt. Besonders dafür eingesetzt hat sich das Prager Literaturhaus deutschsprachiger Autoren. / Radio Prag (dt.)

122. Ausgezeichnet

Der Lyriker, Übersetzer, Verfasser von Kinderbüchern und Chansontexten Pavel Šrut (71) wurde am 26.1. mit dem vom tschechischen PEN-Club vergebenen Karel-Čapek-Preis ausgezeichnet. Der Preis wird alle zwei Jahre für ein Lebenswerk verliehen, das wie das Čapeks durch demokratische und humanistische Werte gekennzeichnet ist. Der Präsident des tschechischen PEN-Club, Jiří Dědeček, sagt über ihn: „Pavel Šrut hat schon zwei oder drei junge Generationen mit seinem Werk beeinflußt. Am bekanntesten sind die Chansons, die er für den Musiker Petr Skoumal schrieb. «Kdyby prase mělo křídla» („Wenn die Schweine Flügel hätten“) basiert auf dem Gedicht «If Pigs Could Fly» von James Reeves. Pavel Šrut, der von den 70er Jahren bis zum Sturz des Kommunismus nicht publizieren durfte, hat an die 50 Bücher verfaßt, vor allem Gedichtbände und Liedtexte für Kinder und Erwachsene. / Magdalena Hrozínková, Radio Prag (frz.)

121. Gedichte über Polen

Wegen des großartigen Gedichts „Gedichte über Polen“ von Adam Zagajewski lohnt es sich, Cicero anzuklicken:

Zagajewski und seinen Mitstreitern ging es damals schlicht um die Aufrichtigkeit der Kunst und um die Überwindung der Dichotomie von engagierter und absoluter Poesie.

Unser Gedicht ist in dieser Zeit entstanden, in den frühen siebziger Jahren, als Zagajewski seine Leser zwingen wollte, seine Texte im Kontext der politischen Gegenwart und der damit verbundenen existenziellen Probleme zu lesen. „Gedichte über Polen“ ist ein ironischer und ein beklemmender Text zugleich. Die Sprache des Dichters, kann man hier erfahren, spiegelt immer auch sein Schicksal wider, welches zugleich das seines Landes ist – eines märchenhaften, doch wehrlosen Landes, das vom Dritten Reich und von der Sowjetunion real und ideell einverleibt wurde.

/ Joachim Sartorius, Cicero

Hier ein paar weitere Gedichte des Autors, hier eine Rezension von Jan Wagner.

120. Einer von der Internationale der literarischen Opposition

Als Heidelberger Anglistik-Student gründete Weissner 1965 sein Literaturmagazin Klectoveedsedsteen, benannt nach einem Titel von Charlie Parker. »Ein kompletter Satz liegt heute wahrscheinlich nur in der New York Library, von der Ausgabe mit der Schallplatte hab’ ich selber kein Exemplar.« Die Rowohlt-Anthologie »Beat« und zwei Sondernummern des Times Literary Supplement über Underground-Literatur hatten ihn inspiriert. Deutsches veröffentlichte er nicht, und »das Heft hat hier vielleicht mal zwölf Stück verkauft«. Aber es erreichte die Internationale der literarischen Opposition. Bukowski, Burroughs, Ginsberg schickten ihm Texte. …

Die bahnbrechende Anthologie »Acid« von Brinkmann/Rygulla war sein Einstieg ins Übersetzen. 1970 pushte und übersetzte er das erste Buch des bei uns unbekannten Charles Bukowski, und mit »Gedichte, die einer schrieb, bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprang« kam der Durchbruch, der ohne Weissner ziemlich sicher nicht stattgefunden hätte, und nicht bei einem großen, sondern beim kleinen Maro Verlag.

Der eigentliche Punkt bei Carls Karriere war, daß diese Autoren ihn als einen der ihren ansahen, er veröffentlichte in vielen Magazinen, in denen ihre Texte erschienen und, ja, er schrieb englisch. »Das war einer der besten Texte, der mir in den letzten Jahren untergekommen ist«, kommentierte Bukowski in einem Brief, »das Ding hat mich fast zum Heulen gebracht.« / Franz Dobler, junge Welt 27.1.

119. Presseerklärung zum Ringelnatzpreis

Der Cuxhavener Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik geht in diesem Jahr an Nora Gomringer.

José F. A. Oliver erhält den Nachwuchspreis. Die Preise werden am 21. April 2012 bei einem Festakt im Stadttheater Cuxhaven verliehen. Die Laudatio auf Nora Gomringer wird der Wiener Schriftsteller und Ingeborg-Bachmann-Preisträger Franzobel sprechen. Die Laudatio auf José F. A. Oliver hält Nora Gomringer.

„Nora Gomringer schenkt uns das Glück, über federleicht schwere Verse zu staunen, deren auch ganz leise Töne sehr weit reichen. Ihr Publikum wundert sich, lacht, weint und erschrickt. Was aber bleibt, das ist reine Freude an der Kraft der Poesie“. Mit diesen Worten begründet die Jury ihre Entscheidung, Nora Gomringer mit dem Cuxhavener Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik 2012 zu ehren.

Nach den Vorgaben des Preises hat der Preisträger das Recht, einen Nachwuchspreis zu verleihen. Nora Gomringer sprach sich für José F. A. Oliver aus, „weil seine Texte ungläubig staunen lassen, sind sie doch uneitel dicht-gepackt mit Sprachfreude und Lebensklugheit“.

Mit dem Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik der Stadt Cuxhaven werden seit 2002 im zweijährigen Turnus Dichterinnen und Dichter ausgezeichnet, die einen bedeutenden, künstlerischen Beitrag zur deutschsprachigen Gegenwartslyrik geliefert haben. Preisträger/innen des Joachim-Ringelnatz-Preises waren bisher Peter Rühmkorf, Robert Gernhardt, Wolf Biermann, Barbara Köhler und Wulf Kirsten.

Eine Jury aus renommierten Lyrikfachleuten bestimmt den/die Preisträger/in. Dieser Jury gehören an: Professorin Dr. Sabine Doering (Literaturwissenschaftlerin, Oldenburg), Professor Dr. Hermann Korte (Literaturwissenschaftler, Siegen) und Winfried Stephan (Direktor und Vertreter des Verlegers beim Diogenes Verlag, Zürich) an; Vorsitzender und Sprecher der Jury ist apl. Professor Dr. Frank Möbus (Literaturwissenschaftler, Göttingen). Der Preisträger selbst darf den Nachwuchspreisträger bestimmen.

Mit einem Preisgeld von 15.000 Euro, gestiftet von der Stadtsparkasse Cuxhaven, zählt der Cuxhavener Joachim-Ringelnatz-Preis übrigens zu den höchstdotierten Lyrikpreisen im deutschsprachigen Raum. 5000 Euro, gestiftet von der VGH-Versicherungsgruppe, beträgt das Preisgeld für den Nachwuchspreis.

Dank der großzügigen Unterstützung des DIOGENES-Verlags Zürich konnte das Buch „Alte Liebe“, Joachim-Ringelnatz-Preis für Lyrik der Stadt Cuxhaven, Reden und Laudationes von Frank Möbus herausgegeben werden. Gelegentlich der Bekanntgabe der diesjährigen Preisträger wird das Buch, das die Reden und Laudationes der Preisvergaben der Jahre 2002 bis 2010 dokumentiert vorgestellt. Es enthält die Worte von Heinz Ludwig Arnold, Peter Rühmkorf, Alexander Nitzberg, Robert Gernhardt, Roger Willemsen, Thomas Gsella, Wolf Biermann, Fritz Pleitgen, André Schinkel, Barbara Sichtermann, Barbara Köhler, Bernhard Vogel, Wulf Kirsten und Christian Rosenau

Das Buch ist im Joachim-Ringelnatz-Museum ( ISBN 978-3-00-035585-I ) erhältlich. Die Erlöse aus dem Buchverkauf sind für das Museum bestimmt.

Cuxhaven, wo Joachim Ringelnatz (eigentlich Hans Bötticher) während des Ersten Weltkrieges bei der Marine stationiert war und wo er sein berühmtes Pseudonym „Ringelnatz“ (Seepferdchen) erfand, fühlt sich dem Andenken des Dichters besonders verpflichtet. In Cuxhaven befinden sich das weltweit einzige Joachim-Ringelnatz-Museum sowie der Geschäftssitz der Joachim-Ringelnatz-Stiftung, die sich der Pflege von Werk und Nachlass des Dichters und auch Malers Joachim Ringelnatz widmen.

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