„Google-Suche nach „frankfurter bibliothek“ ergibt
„Ungefähr 14.300 Ergebnisse (0,33 Sekunden)“
Unter den ersten 10 Treffern sind, gerahmt von einer Anzeige der „Brentano-Gesellschaft“ und von Amazon, die auch jeden Mist verkaufen,
Mein Beitrag zur Volxaufklärung. (Gilt auch für „Nationalbibliothek des deutschsprachigen Gedichts“ / „Bibliothek deutschsprachiger Gedichte“).
Näheres findet sich beim Autoren-Magazin, u.a.
Nun ist [NN] unter die Poeten gegangen. Dichtung und Prosa nicht abgeneigt, ist er dem Ruf der Brentano-Gesellschaft in Frankfurt gefolgt, und hat ein Gedicht eingereicht, das in der Frankfurter Bibliothek „als lyrische Volkskultur“ archiviert wird und auch im Jahrbuch erscheint. „Wir freuen uns sehr, dass Sie zu den in einem Standardwerk neuer Lyrik publizierten Autoren zählen werden“, so die Frankfurter Bibliothek. … Die Frankfurter Bibliothek ist eigenen Angaben zufolge eine der am weitesten verbreiteten Lyriksammlungen der Nachkriegszeit.
Sätze wie diese stehn alle Jahre wieder vorm Fest in den Prozinzblättern in Nord, Süd, Ost und West als Indikator blühender Volxkultur und (nach den Prachtbänden zu urteilen) voller Kassen bei den Machern. Was ich nie verstanden habe: warum nennt man einen Schinken einen Schmarrn?*
*) Schmarr(e)n östr., südd. m 1. scrambled pancake;
2. ugs. fig. ugs. rubbish, rot, bsd. Am. garbage; so ein Schmarr(e)n! what a load of rubbish etc.; das geht dich einen Schmarr(e)n an that’s none of your (ugs. bloody) business**
© 2001 Langenscheidt KG Berlin und München
**) achso, ja versteh!
Theo Breuer weiß, daß die Verwendung vertrauter Vorlagen keineswegs das Gelingen sichert. Er hat die Lyrik nie mit dem bloß Schönen verwechselt. Das ›Ästhetische‹ hängt in den von ihm gemachten Versen eng mit dem Außergewöhnlichen, Unerhörten, Unwahrscheinlichen zusammen. Schauder, Schock und Schrecken sind wiederkehrende (auf den ersten Blick unauffällige) Begleiterscheinungen, die im Kosmos der Gedichte als zwischen sterbendem Eros und werbendem Thanatos, melancholischem Froh- und satirischem Schwermut schwingende Bilder wahrnehmbar werden: der wurm ist nah hier hilft wohl bloß noch ducken. Gleichsam auf doppelbödiger Wendeltreppe steigt Breuer tief und tiefer in die stolperfelder der Sprache, entdeckt immer neue Einschiebungen und Muster im Innern der Muster. Flankiert von poetischen Zitaten und angereichert mit Allusionen / Echos / Einsprengseln, scheint es, als läsen wir hier Palimpseste, jede Seite vielfach beschrieben. Der Inhalt ist codiert, die Sprache ein dichter Brombeerverhau. / Matthias Hagedorn, KuNo
Theo Breuer, Das gewonnene Alphabet, 89 Gedichte von A bis Z ∙ Glossar ∙ Essay, 121 Seiten, Pop Verlag, Ludwigsburg 2012.
Hermann Hesse war im Laufe seines Lebens immer wieder darauf angewiesen, dass Mäzene ihn unterstützten, damit er seine Arbeit als freier Schriftsteller fortsetzen konnte. Dies war besonders nach dem Ersten Weltkrieg notwendig, als sein in Deutschland angelegtes Vermögen entwertet wurde und er fast mittellos im Tessin neu beginnen musste. / Schwarzwälder Bote
Lyrik kommen in Bergkamen bald ganz groß raus: Die Stadt druckt die Gedichte ihrer Bürger auf Plakatwände.
Hobbydichter jeden Alters können Reime und andere poetische Texte in einem Wettbewerb einreichen. Eine Jury entscheidet dann, welche Gedichte im kommenden Jahr in Plakatform die Stadt schmücken werden. / Westfalen heute
»Wenn der Leser nicht weiß, was ein Elefant ist, dann ist das Wort dunkel.«
»If reader don’t know what an elefant IS, then the word is obscure.«
Ezra Pound in einem Brief, 1939
Die Stelle im Kontext:
»Skip anything you don’t understand and go on till you pick it up again. All tosh about foreign languages making it difficult. The quotes are all either explained at once by repeat or they are definitely of the things indicated. If reader don’t know what an elefant is, then the word is obscure. I admit there are a couple of Greek quotes, one along in 39 that can’t be understood without Greek, but if I can drive the reader to learning at least that much Greek, she or he will indubitably be filled with a durable gratitude. And if not, what harm? I can’t conceal the fact that the Greek language existed.«
Damals versuchten die drei Dichter Miraji, Tasadduq Husain Khalid und Rashid, freie Verse in die Urdu-Dichtung einzuführen. Am mutigsten und zuversichtlichsten unter ihnen Miraji. Er bezog seine Inspiration aus drei Quellen: der westlichen Literatur, der modernen Psychologie und der alten Hindumythologie.
Er veröffentlichte eine Reihe von Artikeln in der Zeitschrift Adabi Duniya , die Maulana Salahuddin in Lahore herausgab. Darin stellte er führende westliche und östliche Dichter vor, darunter François Villon, Charles Baudelaire und Mallarmé, Whitman und Poe, DH Lawrence und Katherine Mansfield, Puschkin, Heine, Sappho, Li Bai und die Inder Chandidas und Vidyapati Von jedem übersetzte er ausgewählte Gedichte
Stärker als jeder Zeitgenosse verdient er es, als moderner Dichter im wahrsten Sinne des Wortes „Moderne“ angesehen zu werden. Vielleicht hat Akhtar Suliman recht, wenn er ihn einen Vorläufer der modernen Urdudichter nennt. / Intizar Husain, dawn.com
Hans Zimmermann, Görlitz
4. Rundbrief 2012: S’ist Krieg
Liebe Freunde,
es gibt im großen indischen Epos über den Kampf der Pândavas gegen ihre Vettern, die Kauravas, um den Königsthron eine kleine Szene, die so unscheinbar ist, daß sie in den üblichen literaturgeschichtlichen oder handbüchenen Zusammenfassungen der in 100.000 Doppelversen ausgebreiteten Handlung gewissermaßen unter den Tisch fällt. Ich kannte diese kleine Szene noch aus einem früheren Leben, als ich Indologie studierte, sie kam mir aber in diesen Tagen in den Sinn und ich schrieb ein kleines Gedicht, das mit dem Motiv dieser verschwindend-kleinen Szene beginnt (Nr.7 im 8-Stern-Zyklus). Aber ich wollte die Geschichte gerne genauer nachlesen. Letzten Sommer, während der Indienreise, las ich deshalb die höchst empfehlenswerte 300-Seiten-Nacherzählung des Mahâbhârata (so heißt dieses Epos), die Biren Roy 1961 (Diederichs Gelbe Reihe) veröffentlicht hat, aber da fand sich die gesuchte Szene nicht; auch nicht bei Glasenapp oder in der recht guten Wikipedia-Zusammenfassung. So besorgte ich mir vor zwei Wochen endlich antiquarisch den alten „Winternitz“, den ich im Indologiestudium gelesen hatte, und da fand ich die Stelle.
(Und nur bei Winternitz S.269 und nicht eben bei Biren Roy oder Glasenapp steht übrigens auch die skurrile Begründung für die edle Blässe des „Bleichgesichts“=Pându, dessen fünf Söhne die Pândavas sind, sowie für die Blindheit von dessen Bruder Dhrtarâshtra, dem Vater der 100 Kauravas.)
Diese 60 Seiten aus der „Geschichte der indischen Litteratur“ von Moritz Winternitz habe ich also nun ins Netz gestellt, mit einem verlinkten Inhaltsverzeichnis vorweg, mit allen Anmerkungen und Seitenzahlen, färbte alle Sanskrit-Namen und -Begriffe (wie bei mir üblich) blau ein, nun, da steht’s: http://12koerbe.de/hanumans/mbharata.htm
Die innerhalb des komplexen Getümmels so „verlorene“ Szene?, ach ja: Der Kampf endet nicht mit Sonnenuntergang, wie üblich und vereinbart (und es ist ja alles, jeder Kampf: wer wie wann gegen wen und wer wie wann gegen wen nicht, wie ein Spiel in ritterliche Regeln gefaßt und „vereinbart“!), sondern tobt in wahnsinniger Verletzung all dieser Regeln bis tief in die Nacht hinein und lebt nach kurzen Erschöpfungspausen (die ich beim Schreiben meines Gedichts, d.h. bevor ichs bei Winternitz wiederlas, vergessen hatte) noch vor der Morgendämmerung wieder in aller Heftigkeit auf, und da nun geschieht das, was mich so beeindruckt hat: Die Sonne geht auf — und alle unterbrechen für einige Minuten das große Morden, um die Sonne im Gebet zu verehren.
Die wesentlichen Schlüsselszenen der Handlungsfolgen in der Haupterzählung des riesigen Epos sind natürlich andere: Wie kommt es überhaupt zum „großen“ (maha) Krieg der „Bharatas“? Durch ein Würfelspiel zwischen den königlichen Vettern, das die Pândavas verlieren: Sie haben nacheinander alles eingesetzt, auch ihr Königreich, schließlich sich selbst und dann noch die allen fünfen gemeinsame (!) Gattin Draupadî, aber das wollt ihr bestimmt sofort selber nachlesen,
grusz, hansz
Die tragischen Folgen des ersten Eisenbahnunfalls in Frankreich (Meudons, 1842) hinterließen tiefe Eindrücke bei den Zeitgenossen. Die Eisenbahn tritt in die Literaturgeschichte. Elf Französische Gedichte zwischen 1842 und 1845 beschäftigen sich mit dem Unfall. / fabula.org
Tommaso Meldolesi, Poésie de la première catastrophe ferroviaire – Meudon 1842 – Analyse et anthologie des poèmes contemporains
Paris : L’Harmattan, coll. „Esapces littéraires“, 2012.
196 p.
EAN 9782296993723 (EAN Ebook format Pdf : 9782296509160)
20,00 EUR (v’ersion numérique : 15,00 EUR)
Am Dienstag, 6.11. wird es im Rahmen der Liedertafel in Berlin ein Konzert des Kollektivs „stock11“ geben: http://die-liedertafel.de/
Besonderheit: die Komponisten und Musiker haben sich überzeugen lassen, ihre Positionen in relativ offenem, „poetologischen“ Rahmen zur Debatte zu stellen.
Sozusagen ein Konzert speziell an Lyriker gerichtet. Skepsis, Einwände, Streit erwünscht.
Hannes Seidl spielt ein Stück mit Live-Motzen. Alle Besucher sind aufgefordert, während seiner Performance per Mikrophon live zu motzen, was das Zeug hält. Hannes Seidl spielt dazu live. Mara Genschel spielt Geigen. Und das offene Mikrophon von Hannes Seidl bleibt offen. Alle können während der nächsten Stücke weitermotzen. Man kann aber auch Zuneigung zeigen. Ach, und Hannes Seidl spielt live.
Liedertafel, 06.11.2012, 21.00 Uhr, Ballhaus Mitte, Ackerstraße 144, Berlin
PROGRAMM
»Alles muss rein«
Uwe Rasch
aus vierundzwanzig: zweiundzwanzig – Video
(2:20 Min.)
Hannes Seidl
Alles muss raus – live mash up – für Laptop und Live-Motzen
Hannes Seidl, Laptop
Besucher der Liedertafel, Live-Motzen
(10:00 Min.)
Martin Schüttler
schöner leben 5 (»Nix verstehen ist besser als gar nichts« – M.K.) – für Geige und Midi-Zuspielung
Mara Genschel, Geige
Martin Schüttler, Live-Elektronik
(8:00 Min.)
Michael Maierhof
EXIT F für Ensemble und 4 Heißluftballons – Video
NADAR, Konzert Rotterdam, 7.9. 2012
(15:00 Min.)
Christoph Ogiermann
NOUNCE – für Geige und Zuspiel
Christoph Ogiermann, Geige
Sebastian Schottke, Klangregie
(12:00 Min.)
Maximilian Marcoll
Compound No.5a: CONSTRUCTION ADJUSTMENT 1 – für Schlagzeug und Live-Elektronik
Maximilian Marcoll, Schlagzeug
Sebastian Schottke, Klangregie
(14:00 Min.)
Dass Bergel die Gedichte der zehn Autoren – darunter Lucian Blaga, Mihai Eminescu, George Bacovia, Ana Blandiana – nicht einfach aus einer Sprache in die andere übersetzte, sondern sie so übertrug, dass sie, ohne Verletzung des Originals, zu deutschen Gedichten wurden, denen man in keiner Zeile die Übersetzung anmerkt, bestimmt die ungewöhnliche Qualität seiner Arbeit. Das lässt sich u.a. an den beiden „Odysseus“-Gedichten Blagas und Gyrs besonders erkennen: Sie wurden im Deutschen zu poetischen Aussagen von großer Geste (Seite 62-62 und 56-75). Gleiches gilt auch für die modernen Gedichte jüngerer Autoren wie die Kronstädterin Dr. Mihaela Stroe, die Hermannstäder Luminiţa Mihai-Cioabă und Dan Dănilă, wobei der „Zigeunerinnenfluch“ („Blestem de ţigancă“) der Roma-Königstochter Luminiţa Mihai-Cioabă zu einem Feuerwerk artistischer Sprachkunst geriet (S. 22-23). Das „Hölderlin“-Gedicht der Ana Blandiana, die globalen Visionen des als Pilot, Mönch, Arzt und Universitätslehrer durch die ganze Welt gestromerten Catanoy, die subtilen Gedankengebilde der 1957 geborenen Romanistin Dr. Mihaela Stroe stehen dieser Glanzleistung um nichts nach. Dass sich Bergel auch an den schwer übersetzbaren Rechtsanwalt und Maler Bacovia heranwagte und sogar vor den dutzendfach ins Deutsche übersetzten legendären Eminescu-Gedichten „Mai am un singur dor“ sowie dem „Venedig“-Sonett nicht zurückschreckte und sie in „deutsche Gedichte umwandelte“, sei eigens festgehalten.(S. 88-89 und 87). / Siebenbürgische Zeitung
Verlorener Horizont. Fünfzig Gedichte aus dem Rumänischen. Auswahl, Übersetzung und Nachwort von Hans Bergel, Edition Noack & Block, Berlin, 100 Seiten, 14,80 Euro, ISBN 978-3-86813-012
Fast wäre er eine Legende zu Lebzeiten geworden: Tadeusz Różewicz, der die Dramenkunst erneuerte und als Dichter eine nach Wahrheit suchende „Anti-Poesie“ jenseits der schönen Formen entwickelte. Auch durch seine Essays war er eine moralische Institution geworden – bis er in den Achtzigerjahren verstummte. Hatte der Pole, der sich immer als „Dichter seiner Generation“ verstand, nichts mehr zu sagen? 1990 zog er in einer Rede Bilanz: „Die Generation der Soldaten und Partisanen des Zweiten Weltkrieges stirbt aus, sie tritt ab, betrogen und enttäuscht.“ Doch jetzt, mit 91 Jahren, überrascht er mit neuen Gedichten. …
Seine Themen schöpft er aus Lebenserfahrungen. Aus ihnen gewinnt er die nüchterne, schnörkellose Sprache seiner Gedichte. „Geniale Gedichte und Poeme / sind gewöhnliche Gebilde / aus Wörtern und Sätzen“ heißt es bescheiden im dritten Teil seines Schlussgedichts „Credo“. / Dorothea von Törne, Die Welt
Tadeusz Różewicz: Und sei’s auch nur im Traum. A. d. Polnischen v. Bernhard Hartmann. Karl Stutz, Passau. 226 S., 22,80 €.
Am 20. Oktober, dem 158. Geburtstag Arthur Rimbauds, feierte die nach ihm benannte französische Bibliothek der rumänischen Kleinstadt Mangalia ihr 20jähriges Bestehen. Diese einmalige Bibliothek von heute mehr als 30.000 Büchern (für eine Stadt von 40.000 Einwohnern) kam aus Spenden von Bewohnern der Ardennenregion zusammen. / L’union
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