Auch darin sind sie uns voraus. Es gibt kräftigere Strukturen und, mir scheint, dadurch weniger Fixierung auf einen zentralen „Betrieb“. So auch im Buchhandel:
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Zentral der zehnteilige Zyklus „das schwarzbuch die farbfotos“, für den Wenzel beim diesjährigen Lyrikpreis Meran ausgezeichnet wurde. Ein Album in Worten, in dem in dokumentarischer Präzision eine kleine Welt fortlebt, die über Jahrhunderte für die Region zwischen Ruhr, Lippe und Emscher prägend war.
Gute Gedichte sind – nicht prinzipiell, aber oft – auch Wortaufbewahrungsstellen, und so finden sich im „schwarzbuch“ spezialsprachliche Begriffe wie „kaue“, „sauberjunge“, „strecke“ (waagerechter Grubenbau, der von einem anderen Grubenbau ausgeht), „grubensocken“ (auch als Pütt-Socken bekannt), die, untermischt mit Regiolekt („lorenz“ für „Mond“, „jaust“ für „Bengel“, „klümmchen“ für „Bonbon“) und Soziolekt („vadda“, „pulle“), eine Quasi-O-Ton-Qualität und -Funktion haben. Die erwähnte soziologische Genauigkeit kommt auch und vor allem da zum Tragen, wo die Texte vom Alltagsleben und von den Hobbies der Bergarbeiter handeln, dem Brieftaubensport zum Beispiel (Wenzel hat dessen Sprache recherchiert und u. a. für das IX. Gedicht des Zyklus‘ („BERGAUF“) fruchtbar gemacht.) Kein Wunder eigentlich, dass die Männer, die ihr Arbeitsleben unter Tage verbringen („schwarze ringe / um die augen um die nase eine blässe glänzend“), in ihrer Freizeit „kröpper“ und „duwen“ in den Himmel werfen, dessen „dürre lichtausbeute“ 1961 Thema einer Wahlkampfrede Willy Brandts war: „Der Himmel über dem Ruhrgebiet muss wieder blau werden.“ (Hinweis und Zitat finden sich in einem Glossar am Ende des Büchleins.)
/ Meinolf Reul, lyrikkritik.de
Christoph Wenzel, weg vom fenster. Gedichte. 32 Seiten, Klappenbroschur. vorsatz verlag, Dortmund 2012 (roterfadenlyrik / Edition Haus Nottbeck, Oelde). 5,00 Euro
»Biographie skandalös uninteressant«, schreibt Hermann Grab 1947 im New Yorker Exil über sich selbst. »Geboren am 6. Mai 1903 in Prag, studierte Philosophie und Musik in Prag, Wien, Berlin, Heidelberg, Dr. phil. in Heidelberg. (…) Dann einige Jahre Journalist (Musikkritiker) und Musiklehrer in Prag. ›Stadtpark‹, geschrieben 1932, publiziert Neujahr 1935. Daneben viel unpublizierte Lyrik, Roman und Novellen. (…) Ging 1939 nach Paris, entkam Juni 40 nach Lissabon, Ende 40 in New York eingewandert. In New York als Musiklehrer tätig, Lehrstelle für Klavier an einem Konservatorium. In der Emigration nur ein paar kleine musikalische Dinge veröffentlicht, einige Novellen geschrieben und Arbeit an einem Roman.«
(…)
Hermann Grab starb am 2. August 1949 in New York. »Drei Jahre brachte er im Kampf mit der unheilbaren Krankheit zu, deren Wesen er heroisch sich verschwieg. Sein helles Bewusstsein schien aller rohen Fatalität zu spotten. Dass er starb, ohne zu vollenden was ihm möglich gewesen wäre, bezeugt etwas von der Ohnmacht des Geistes selber«, schreibt Adorno. Es bleiben nicht nur noch zu entdeckende literarische Texte, die nun erst allmählich in Einzelausgaben im Verlag Neue Kritik zugänglich gemacht werden, sondern ebenso das Zeugnis einer Literatur im Widerstreit zwischen Gehalt und Kommunikation, einer geschichtlichen Spannung, die heute zugunsten der verallgemeinerten Kommunikation und einer Modernität, wie sie Coelho für sich reklamiert, aufgelöst zu sein scheint. Grab hat auf dem Gehalt beharrt, nicht die eine Anschauung abstrakt gegen eine andere gesetzt oder Anweisungen zur besseren Bewältigung des alltäglichen Lebens im literarischen Gewand präsentiert, sondern den Blick offen auf die Misere der Gesellschaft in ihrer Totalität gerichtet und diese Erfahrung sich in der literarischen Form sedimentieren lassen. In dieser Hinsicht ähnelt sein Verfahren Adornos Bestimmung: »Kunst heißt nicht: Alternativen pointieren, sondern, durch nichts als ihre Gestalt, dem Weltlauf zu widerstehen, der den Menschen immerzu die Pistole auf die Brust setzt.« / Jakob Hayner, Jungle World
Wiki Deutsch:
Hermann Grab (* 6. Mai 1903 in Prag; † 2. August 1949 in New York) war ein deutschsprachiger katholischer österreichischer Schriftsteller und Musiker jüdischer Abstammung. Sein voller Name lautete Hermann Grab von Hermannswörth (tschechisch Heřman Grab z Hermannswörthu).
Englisch:
Hermann Grab (6 May 1903 – 2 August 1949) was a Bohemian German-language writer.
Tschechisch:
Hermann Grab (* 6. května 1903 v Praze; † 2. srpna 1949 v New Yorku) byl český klavírní virtuos, německy píšící spisovatel a právník židovského původu, ale katolického vyznání.
Hermann Grab (* 6. Mai 1903 in Prag; † 2. August 1949 in New York City) war ein tschechischer Pianist, deutschsprachiger Schriftsteller und Jurist jüdischer Herkunft, aber katholischer Religion.
Höllerer, heute vor 90 Jahren in Sulzbach-Rosenberg geboren, war ein Mann der vielen Talente, ein Tausendsassa, der sich der Literatur nicht nur als Universitätslehrer verpflichtet sah, sondern auch als Institutionen- und Zeitschriftgründer, als Autor und Journalist. / Oberpfalznet
Eine schöne Idee*: „Lyrikerinnen und Lyriker der Gegenwart stellen sich vor“. Dirk von Petersdorff legt 19 Gedichte von Frauen und 70 von Männern vor, die die sich ausgesucht hatten, um zu sagen, zu zeigen, wer sie sind. 17 von ihnen sind vielleicht nicht für diese Sammlung geschrieben, aber hier doch erstmals veröffentlicht. Wolf Wondratscheks Gedicht zum Beispiel hat er zwar geschrieben, stammt aber, wie hinten bei den Nachweisen erklärt wird, aus dem Besitz von Dr. med. Wolfgang te Breuil. Man stellt sich vor, wie Wondratschek seinem Arzt Gedichte geschenkt hat wie mancher Maler mit seinen Bildern Rechnungen bezahlt. Vielleicht aber ist es ein Geschenk unter Freunden, und es gibt überall auf der Welt bisher unveröffentlichte Gedichte von Wondratschek, die er verstreut hat. Einfach aus Lebensfreude. Dieses hier ist ein Gedicht vom Ende, ein Gedicht auch wie von Descartes:
„Es kommt vor, daß wir in Zügen sitzen,
die durch die gelbe indische Nacht fahren.
Wir haben aufgehört zu schlafen.
Wir glauben nicht mehr, daß wir träumen.
Ja, es kommt vor! Es kommt vor, daß es dort,
wo wir hinfahren, keine Bahnhöfe mehr gibt,
keine anderen Reisenden außer uns,
am Ende nicht einmal mehr den Zug,
in dem wir sitzen.“
Der älteste Dichter in diesem Band ist Günter Grass, Jahrgang 1927. Die jüngste Autorin Theresa Hahl, geboren 1989 in Heidelberg. Sie hat eines der längsten Gedichte beigesteuert und auch das mit der längsten Zeile: „spült das auch immer ein bisschen gefühl durchs rippengemühl“. Theresa Hahl steuert auch das längste Wort bei: „ventrikelverdichtungsverschluss“ und sie spricht vom „gefühlsbausatz mensch“. (…) Der Versuch, sich den Gefühlen zu nähern, sie – frei von aller Empathie – zu verstehen, ist heute so reizvoll und nötig wie vor zweihundert Jahren. Die alphabetische Anordnung der Autoren fügt es, dass gleich nach Theresa Hahl Ulla Hahn kommt und sofort ist ein ganz anderer, ein gegensätzlicher Ton da:
„Für
All die geschundenen Körper zerrissenen Seelen
Gesichter ohne NAMEN ohne Gesicht“
Es macht den Reiz solcher Sammlungen aus, dass der Leser sehr Unterschiedliches, Popsongs und Durs Grünbein, zu sehen bekommt, dass er sich wie ein Hund hinlegen kann, wo er gerade Lust hat. / Arno Widmann, FR
*) sagt Arno Widmann
(…) und die luftige (lustige) paragrammatische Assoziation feiert fröhliche Urständ auch in der Lyrik nach 2000: In, beispielsweise, Mikael Vogels Massenhaft Tierelaufen mir nicht bloß Leeren und Lehren der Straßen übern Steg, und dermaßen durchdrungen lese ich, eyes wide as saucers, nein, kein Scherz (eher schon: Merz), auf dem buchstabenblutenden Beipackzettel von SalbuBronch: Zur Erheiterung der Bronchien, und, suchstäblich gleichsam, antithetisch · brachylogisch ∙ chiasmisch ∙ dysphemismisch ∙ elliptisch ∙ floskelhaft ∙ geminationisch · hyperbolisch · ironisch · katachretisch · lautmalerisch ∙ metaphorisch ∙ neologisch ∙ oxymoronisch ∙ paronomatisch ∙ quirilierend ∙ repetitorisch ∙ synästhetisch ∙ teodadaistisch ∙ untertreibend ∙ vulgär · wortspielerisch · xylophonisch ∙ yiddisch ∙ zynisch geht es zu in den alltäglichen Alphabeten von Fabrikanten, Feinden, Fremden, Freunden, Verwandten, Versverfassern,der schatten des dichters schreibt die sonnenzeit (Claus Bremer), daß mir, ja, in der Tat, Hören und jetzt / jetzt jetzt jetzt (beim Lesen von Helmut HeißenbüttelsTopographien) auch Sehen vergehen, beispielsweise so bei Oskar Pastior: flunder plunder zander schinder – ›usw.‹
An einem Tag im Mai des Jahres 2012 lese ich in einer E-Mail von Axel Kutsch Gotthold Ephraim Lessings Begehr Wir wollen fleißiger gelesen sein. An diesem heftigen Verlangen hat sich wahrscheinlich wenig bloß geändert seit jener ›guten alten Zeit‹ (die sicherlich alles andre, bloß das nicht war, nicht wahr?). In Massen werden Bücher gedruckt, in Horden Autoren in den Himmel gehoben, aber werden sie auch gelesen? (Muß man sie alle lesen, und wollen sie alle gelesen sein?) »Ja, das weiß man nicht«, seufzt Kraus – vielsagend wie eh und je. Mich mit dieser sibyllinischen Bemerkung keinesfalls abfinden wollend, blättre ich ein bißchen in Büchern und werde schnell fündig – bei Friederike Mayröcker, die ich immer lesen will: Ich möchte einfach, daß Leute meine Bücher l-e-s-e-n. – Und zwar Leser, die etwas mit meinen Texten machen, die mich in irgendeiner Weise kennenlernen und damit wahrscheinlich auch sich selber besser kennenlernen. / Theo Breuer, KuNo
Aus drei schmalen Bändchen, in denen Kaléko einst ihr Vermächtnis vermutete, sind so – mit allen bekannten Werken, dazu rund 150 bisher unveröffentlichte literarische und journalistische Texte sowie über 1400 erstmals publizierte Briefe inklusive Kommentarband – vier dicke Bücher geworden, über 4000 Seiten stark. Die umfassende Edition ist nicht nur eine Fundgrube für jene Kaléko-Fans, die bisher in verstreuten Sammelbänden vom Suchtstoff der einfachen und doch so eleganten Sprache dieser Dichterin gekostet haben. Vor allem erhellt sie bislang eher wenig beachtete Etappen einer auch politisch aufregenden Dichterinnenbiografie. So sind hier, mit „Höre, Teutschland“ und „Bittgesuch an eine Bombe“, zwei leidenschaftliche Hassgedichte auf die Nazis erstmals wieder im Kontext der 1945er Originalausgabe von „Verse für Zeitgenossen“ zu finden. 13 Jahre später fehlten sie in der von Rowohlt beträchtlich modifizierten Neuauflage des Exil-Bands. In den Briefen finden sich keine Belege für einen Widerstand Kalékos gegen diesen Eingriff; wohl ein Hinweis darauf, dass sie glaubte, nach dem Comeback 1956 mit den neu aufgelegten beliebten Vorkriegsgedichten eine Art Frieden mit Wirtschaftswunder-Deutschland gemacht zu haben. Er sollte trügerisch sein.
(…) ein Berliner Ereignis nur drei Jahre später aber sollte den Nachkriegsruhm Mascha Kalékos abrupt beenden. Die Akademie der Künste hatte ihr den Fontane-Preis angetragen; Hans Egon Holthusen aber, damals Direktor der Abteilung für Dichtung, war jahrelang SS-Mitglied gewesen. Aus seiner Hand mochte sie die Ehrung nicht entgegennehmen. Kalékos Haltung wurde damals nicht öffentlich. Wohl aber dürfte ihre Prinzipienfestigkeit die Runde im Literaturbetrieb gemacht haben. Nie wieder in ihrem Leben wurde sie mit einem Preis bedacht. Auch die Verbindung zu Rowohlt kriselte bald; sie warf dem Verlag vor, zu wenig für ihre Bücher zu tun, und trennte sich. / Jan Schulz-Ojala, Tagesspiegel
Mascha Kaléko: Sämtliche Werke und Briefe. Hrsg. und kommentiert von Jutta Rosenkranz. dtv, München 2012. 4 Bände in Kassette, 4068 Seiten, 248 €. Broschierte Studienausgabe 78 €.
In Dichterforen* feiert er seine ewige Wiederkehr, der Streit zwischen verständlicher und unverständlicher Lyrik. Man könnte ihn mit einem Buchtitel des polnischen Poeten Tadeusz Rozewicz kommentieren: „Letztendlich ist die verständliche Lyrik unverständlich“. Oder die Debatten toben lassen und zu den Gedichten des Norwegers Olav H. Hauge greifen. Hauge, 1908 in Ulvik am Hardangerfjord geboren und 1994 dort gestorben, bewegt sich jenseits solcher Positionen.
In seinen Gedichten bezieht Hauge sich häufig auf die Mythen der „Edda“. „Die Tradition“, so vermerkt er in seinem Tagebuch, „ist ein starker Fluss, der die Baumstämme vieler tragen kann.
Es nützt nichts, das Holz auf der eigenen Pisse zu flößen, es kommt nicht weit.“ Aber Hauge sah auch, dass Formen sich erschöpfen. Er las viel (Quasimodo, Guillevic, Whitman, Hardy), übersetzte (Hölderlin, Trakl, Brecht und Celan), und obwohl er abgeschieden lebte, war er mit den geistigen Strömungen seiner Zeit vertraut. Was er an der modernen Lyrik nicht mochte, war ihre Hybris. Hauge störte es, dass das moderne Gedicht mit Bildern überfrachtet war**. Witzigerweise rief er in seinem Tagebuch ausgerechnet Aristoteles als Kronzeugen zu Hilfe, der davor gewarnt hatte, zu groß zu bauen, denn „eine Stadt soll nicht größer sein, als man von einem Hügelrücken aus überblicken kann“. Er zog daraus den Schluss: „Vereinfache, versuche den Kern zu fassen, es konkret zu machen.“ / Volker Sielaff, Tagesspiegel
Olav H. Hauge:
Gesammelte Gedichte.
Edition Rugerup, Hörby 2012.
336 Seiten, 24,90 €.
*) In Dichterforen? Hier möchte ich widersprechen. Das stimmt doch fast nur für die BELLAtriste-Debatte. Die schon ein paar Jahre zurückliegt. Alles andere, was in den letzten Jahren tönt, sind nicht wechselseitige Dichterfehden, sondern eine kleine Gruppe von Autoren – man kann kaum sagen einer Fraktion oder Richtung – verbreitet von Fall zu Fall via Agenturmeldungen, in Laudationes, Leserforen und Blogs übelgelaunte Angriffe auf von ihr akademisch und unverständlich genannte Autoren, die selten namentlich genannt werden.
**) Kennzeichnend für diese Pseudodebatten ist ja gerade, daß keine ästhetischen Argumente vorgebracht werden. Bild-Überfrachtung ist kein Merkmal einer bestimmten Richtung, sondern geht eher quer durch Scheinfronten. Es gibt „unverständliche“ Gedichte ganz ohne Bilder und mit Bildern überladene „verständliche“. Ach gäbe es doch Dichterfehden!
Gemäss einem Motto von Tomas Tranströmer, der offenkundig zu Krauses Laren zählt, soll das Gedicht ohne grosse Gesten und Rhetorik auskommen. Die Originalität dieser schlichten, dennoch ästhetisch perfekten Gefüge besteht darum vor allem in unerwarteten Wahrnehmungen, etwa wenn es heisst, dass die Mäuse Zähne haben, «mit denen zur Nacht / der feine Draht des Horizonts / zerbissen wird». Bedeutsamer als solche formalen Aspekte ist indes die Haltung des Dichters, die in der Genügsamkeit und Weltzustimmung seiner still pulsierenden Lobgesänge zum Ausdruck kommt: «Unter den Schritten, den Rufen, dem Klopfen in den Rohren / lege ich mich, legst du dich zu den Äpfeln / auf dass wir schrumplig werden, duldsam und klein.» / Jürgen Brôcan, NZZ
Thilo Krause: Und das ist alles genug. Gedichte. Poetenladen, Leipzig 2012. 88 S., Fr. 22.80.
Auch zwischen Weihnachten und Neujahr öffnet das Museum für Westfälische Literatur seine Tore. Vom 26.-28.12 von 14-18 Uhr und am 29. & 30.12. von 11-18 Uhr lädt das Museum zum Besuch ein. An Neujahr ist es ab 14 Uhr geöffnet.
Kultur/Westfalen Nach Weihnachten bietet sich ein Spaziergang durch das Museum besonders an, um dem Trubel zu entfliehen und sich von frischen Eindrücken der Literatur Westfalens neu inspirieren zu lassen. Besonders lohnt es sich einen Blick in die aktuelle Ausstellung „Ernst Meister: Der Lyriker als Maler“ zu werfen! Hier werden Aquarelle, Farbstift- und Pastellkreidezeichnungen, gerahmt von Handschriften und Fotografien des Georg-Büchner-Preisträgers gezeigt. Auch am 2. Weihnachtstag sowie an Neujahr ist das Literaturmuseum ab 14 Uhr geöffnet.
Literatur und bildende Kunst – Ernst Meister fühlte sich in beiden Disziplinen zu Hause. Das verbindet den ihn etwa mit Hermann Hesse oder Günter Grass. Über drei Jahrzehnte war der Lyriker auch als Maler tätig. Die Bilder der Ausstellung stehen dabei für sich, sie sind keine Illustrationen seiner Gedichte. Zu sehen sind gegenständlich geprägte Werke, vor allem aber Abstraktes mit kalligraphischem oder informellem Charakter. Seit den 1950er beschäftigte sich Meister mit den aktuellen Tendenzen der Kunst und entwickelte dabei seine eigene künstlerische Handschrift, die sich aus verschiedenen Einflüssen und Freundschaften mit anderen Malern wie etwa Hans Kaiser oder Emil Schumacher herausbildete. Zu sehen ist die vom LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte konzipierte Ausstellung „Ernst Meister: Der Lyriker als Maler“ noch bis zum 03.03.2013.

Fotos der Werke Ernst Meisters: LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte, Münster.
Weitere Informationen unter Tel.: 0 25 29 / 94 55 90 und www.kulturgut-nottbeck.de
Museum für Westfälische Literatur – Kulturgut Haus Nottbeck
Landrat-Predeick-Allee 1
59302 Oelde-Stromberg
Aus gegebenem Anlass: Zehn Gebote für das Rezitieren von Gedichten von Carl Wilhelm Macke.
1. Während der Lesung eines Gedichts ist aus feuerpolizeilichen und versicherungsrechtlichen Gründen das Anzünden von Kerzen strengstens untersagt. Zuwiderhandlungen werden mit einer Geldstrafe von mindestens 100,00 Euro/ Kerze bestraft, die an einen Gedichte edierenden Kleinverlag zu überweisen sind. Ausnahmen können auf Antrag gestattet werden (z.B. an betrieblichen Weihnachtsfeiern oder Werbeveranstaltungen von Unternehmen der wachsverarbeitenden Industrie).
2. Vor, während und nach der Rezitation sind Gitarren-, Blockflöten und Harfenklänge strengstens untersagt. Wird dieser Anweisung nicht Folge geleistet kann dies mit dem sofortigen Abbruch der Lesung oder mit dem zwangsweisen Abspielen der chinesischen Geige durch den jeweils ältesten Anwesenden geahndet werden. / CULTurMAG
by Donald Hall
Apples, peaches
Pumpkin pie.
How many years.
Until I die?
-jump rope rhyme,
A Treasury of New England Folklore
Hostess Twinkies,
Wonder Bread.
How many springs
Until I’m dead?
(…)
Helga, Olga,
Astrid, Ingrid.
How many days
Until I’m rigid?
The New York Times,
Le Monde, Der Sturm.
How many breaths
Before the worm?
„Apples Peaches“ by Donald Hall, from The Back Chamber. Gedicht des Tages bei Writers‘ Almanac
In den späten Jahren ›erfand‹ sich Bender eine neue lyrische Form: den Vierzeiler. »Vierzeilige Romane« nennt Michael Krüger sie in der Laudatio zum Kölner Kulturpreis 2000 (HB: Ich erzähle, ich erinnere mich ∙ 2001). Dazu befragt, zitiert Bender gerne Czesław Miłosz: »Im Alter sollen Gedichte sich vereinfachen.« Eine erste schmale Sammlung erschien 2000 unter dem Titel Nachmittag. Ende September. Danach folgten die umfangreicheren Sammlungen Verweilen, gehen (2003), Wie es kommen wird (2009) und 2012 Auf meine Art. (…)
Volker Neuhaus (aus dem Brief an Hans Bender vom 17.2.2012): »eine Trouvaille neben der anderen, von dem geistreichen mot trouvé des Duns Scotus überBenn, Böll, Der eine Wunsch, Interview, Taubenbrunnen, Tauben, Spatzen, Hasenbrot bis zu im Grunde allem […] Sie ›können‹ es wirklich, auf Ihre Art«. »Ja, auf seine Art«, so Dieter Hoffmann, »eine leise, menschenfreundliche, in der Form so locker wie stimmig. Von wunderbarer Gelassenheit, keine Spur von Larmoyanz des Alters, das er aber beim Namen zu nennen nicht scheut.« (Gazzetta di Nittardi ∙ 2012). / Hans Georg Schwark, Matrix 29, digital bei KuNo.
‚Land des Glaubens, deutsches Land‘ – so begänne die deutsche Nationalhymne, wenn sich Bundespräsident Theodor Heuss mit dem Vorschlag durchgesetzt hätte, statt des Deutschlandlieds, das durch den Nationalsozialismus belastet war, einen Text von Rudolf Alexander Schröder zu wählen. Der fast vergessene Dichter genoss als Lyriker und Gesamtkunstwerker bis zu seinem Tod im Jahr 1962 ein gewaltiges Renommee. Mancher evangelische Gemeindegesang geht noch auf ihn zurück, auch als Übersetzer aus einem halben Dutzend alter und neuer Sprachen hat Schröder Wichtiges geleistet. Der Ozeandampfer Bremen, den er als – ja! -Innenarchitekt mitgestaltete, bleibt im Norden bis heute ikonisch. Und Schröder komponierte sogar noch passabel, wie man mithilfe des Kammerchors der Universität Würzburg nun in Marbach lernen konnte. (…)
Den von ihm selbst zu dieser Zeit gedichteten Zyklus ‚Heilig Vaterland‘ bezeichnete Schröder zwar als ‚größte Sünde meines Lebens‘, da der Komponist Heinrich Spitta später daraus mit wenigen, aber entscheidenden Änderungen Lieder für die Hitlerjugend gemacht hatte. Zugleich aber verstand Schröder, wie Rainer Bayreuther (Freiburg) ausführte, das ‚Dichteramt‘ als politischen und religiösen Dienst an der Gemeinschaft, dem gegenüber die individuelle und kritische Künstlerpersönlichkeit zurückzutreten habe. Als die idealen Dichtergestalten seien ihm Vergil und Horaz – beide von ihm übersetzt – erschienen, indem sie den augusteischen Staat sakral überhöht und damit ein Imperium mitbegründet hätten. Im Vortrag ‚Dichter und Volk‘ von 1937 habe Schröder deshalb übersehen, dass das Volk der nationalsozialistischen Doktrin keine Bürgergemeinschaft mehr sei. Zudem habe er am besonders in protestantischen Kreisen betonten Paradigma von der gottgewollten Ordnung des Staates festgehalten. Indem er zwischen dem Religiösen und Politischen nicht trennen wollte, sei ihm die Gemeinde, das ‚Gottesvolk‘, gefährlich mit der ‚Volksgemeinschaft‘ verschmolzen. / Michael Stallknecht, Süddeutsche Zeitung 11.12.
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