bin ich geheimnisvoll genug, um nicht abgehört werden zu können?
Hansjürgen Bulkowski
Mit Gedichten ist es ein wenig wie mit dem weiblichen Geschlecht, von dem man früher gerne sagte, Frauen sollten einfach, in ihrer ganzen Schönheit „da sein“; nicht ihr Handeln und ihr Denken mache ihre Anziehung und ihren Wert aus, sondern ihre Existenz als solche genüge. Ihre Meinungen sollten sie für sich behalten und die Männer nicht mit ihrem Geschwätz verunsichern.
Ähnlich solle ein Dichter keineswegs erklären, was er mit seinen Versen sagen wolle. Ein vielzitiertes Wort von einem amerikanischen Dichter lautet dementsprechend: „A poem should not mean, but be.“
Und doch kann keine Ermahnung, sich einem Gedicht einfach hinzugeben und nur den gelungenen Wortlaut zu genießen, uns hinweghelfen über die so verpönte Frage nach dem Inhalt und der Bedeutung der Worte, die eben keine reine Musik sind. Es ist unvermeidlich, dass wir interpretative Fragen stellen, statt einfach „wie schön!“ auszurufen.
Denn ein Problem mit dem Lesen von Gedichten ist ja, dass man oft nicht weiß, was man mit dem einzelnen Gedicht anfangen soll. Mit einer Serie von Gedichten wird es gleich leichter, weil man sie dann in einen Zusammenhang stellen kann; ähnlich verhält es sich mit älteren Gedichten, wo man den biografischen oder historischen Hintergrund nachschlagen kann, was darauf hinweist, dass das Gedicht eben kein „Ding an sich“ im luftleeren Raum ist, sondern ein Teil seiner Umgebung. Welcher Umgebung? Wir stochern am Text herum, versuchen, uns etwas einfallen zu lassen, manchmal kommt was Gutes, dann wieder nicht. Die Dichterin ist meist froh, überhaupt gelesen zu werden, und erwartet nicht, dass sie obendrein noch verstanden wird. Der gemeine Leser fühlt sich vernachlässigt, wenn nicht geradezu verachtet. Die gelehrten wie auch die intuitiven Interpreten sind unzuverlässig. Die verschämte Bescheidenheit aber, die vom Dichter verlangt wird, hindert ihn daran, den falschen Auslegungen zu widersprechen.
Darum schütteln so viele Leute ihren Kopf bei moderner Lyrik und lesen sie kaum oder nie. / Ruth Klüger, Die Welt (auch im Standard)
Wilhelm Klemm ist als Lyriker heute weitgehend vergessen. Das war nicht immer so: In der von Kurt Pinthus herausgegebenen „Menschheitsdämmerung“ (1919), der erfolgreichsten und bis heute viel zitierten Lyrikanthologie des Expressionismus, war er prominent mit 19 Gedichten vertreten, während sich etwa Gottfried Benn dort mit nur sieben Gedichten begnügen musste. Auch die zuvor in rascher Folge erschienenen Sammelbände „Gloria! Kriegsgedichte aus dem Feld“ (1915), „Verse und Bilder“ (1916) und „Aufforderung“ (1917) hatten Klemms Namen als Dichter (im Umkreis) des Expressionismus der literarisch interessierten Öffentlichkeit nachdrücklich eingeprägt.
Seine seit Oktober 1914 in Franz Pfemferts „Aktion“ vorab gedruckten Kriegs- beziehungsweise Antikriegsgedichte machten Furore, weil sie sich mit ihrer spannungsreichen Mischung aus vitalistischer Kriegsbejahung und unprätenziösem Lakonismus vom schwülstig-militaristischen Hurra-Patriotismus der seit August 1914 üppig ins Kraut schießenden Literaturproduktion (nicht nur) der Poetae minores abhoben und eine völlig andere, mit dem Gütesiegel der Authentizität versehene Sichtweise des Krieges etablierten. (…)
Die vorliegende Edition des lyrischen Gesamtwerks bietet nun die Gelegenheit, sich selbst ein Urteil über die literaturgeschichtliche Verortung und Qualität von Klemms Gedichten zu bilden. Abgedruckt werden die in Pinthus’ „Menschheitsdämmerung“ eingegangene Textauswahl, alle selbstständigen Publikationen von „Gloria! Kriegsgedichte aus dem Feld“ bis zu den „Geflammten Rändern“ und schließlich – in vier werkchronologisch gegliederten Rubriken – sämtliche verstreut publizierten Texte, sofern sie nicht in die davor präsentierten Sammelbände aufgenommen wurden. Da die Ausgabe kein Variantenverzeichnis besitzt, verdunkelt die letztere, editorisch vertretbare Einschränkung allerdings leider den von Ortheil betonten Umstand, dass Klemm bei Paralleldrucken seiner frühen Gedichte in der „Jugend“ oder im „Simplicissimus“ dem patriotischen Zeitgeschmack bisweilen einige Konzessionen machte, die er sich in den für Pfemferts „Aktion“ bestimmten Fassungen derselben Texte verkniff. Die Publikationsstrategien Klemms, die dieser nie als linientreuer Parteigänger agierende Autor – möglicherweise auch später noch – praktiziert hat, können also nicht rekonstruiert werden. Problematisch ist außerdem, dass die an sich philologisch korrekten Quellennachweise nur die abgedruckten Texte berücksichtigen: Die überwiegende Mehrzahl der Erst- beziehungsweise Einzelpublikationen von Klemms Gedichten in literarischen Zeitschriften wird somit bibliografisch nicht erfasst. Da mit einer weiteren Klemm-Edition auf absehbare Zeit nicht zu rechnen ist, wurde hier zweifellos eine Chance vergeben, für künftige Forschungen eine solide Grundlage zu schaffen.
Andererseits muss ausdrücklich hervorgehoben werden, dass sich diese Ausgabe weniger an wissenschaftliche Leser, als an ein gebildetes, bibliophiles Publikum richtet. Und in dieser Hinsicht ist sie in den höchsten Tönen zu loben. Es ist einfach eine Lust, dieses aufwändig und geschmackvoll gestaltete, in einer limitierten Auflage von 400 nummerierten Exemplaren hergestellte Buch in die Hand zu nehmen! / Michael Ansel, literaturkritik.de
Wilhelm Klemm: Gesammelte Verse. Mit Vignetten und Tuschezeichnungen von der Hand des Autors.
Herausgegeben von Imma Klemm und Jan Volker Röhnert.
Dieterich’sche Verlagsbuchhandlung, Mainz 2012.
768 Seiten, 98,00 EUR.
ISBN-13: 9783871620775
Die Macher eines Hörspiels um den Lyriker und Dramatiker Jakob Michael Reinhold Lenz werden mit dem diesjährigen Karl-Sczuka-Preis ausgezeichnet. Die mit 12 500 Euro dotierte Ehrung werde dem Schriftsteller Oswald Egger und der Regisseurin Iris Drögekamp am 20. Oktober bei den Donaueschinger Musiktagen verliehen, teilte der Südwestrundfunk (SWR) am Donnerstag in Baden-Baden mit. Die SWR-Produktion „Linz und Lunz“ war am 7. März 2013 in Radiosender SWR2 gesendet worden. / Südwestpresse
Immer wieder sind es kurze Augenblicke einer Begegnung, aus denen heraus Thomas Kunst sein Alphabet der Sehnsüchte entwickelt – die Spielorte seiner leisen, menschlichen Dramen reichen dabei von Stralsund über Venedig bis hin zum texanischen Tucson. Eifersucht, Obsession und Schmerz schwingen in diesen Gedichten über die Liebe stets mit, doch sind viele der Texte durchaus ironisch, durchaus komisch. Einmal zum Beispiel verguckt sich ein Mann in eine junge Wissenschaftlerin, deren Vortrag er besucht – die Komik liegt im Detail: Seine umschwärmte Forscherin ist eine Doktorandin aus der Nähe von Paderborn, die in einem Forstmuseum in aller Ausführlichkeit über die Kulturgeschichte der Wäscheklammer referiert.
Die Dresdner „edition Azur“, ein kleiner Verlag mit spannendem und hochkarätigem Programm, bietet mit diesem schön ausgestatteten Band die Gelegenheit, die Arbeiten von Thomas Kunst neu zu entdecken. Denn der Dichter hat es nicht leicht gehabt in den letzten Jahren, zu sehr sperrt sich seine Poesie gegen lyrische Moden und Tendenzen, zu sehr beharrt sie auf ihrer assoziativen Kraft. So versammelt „Die Arbeiterin auf dem Eis“ keine wohltemperierten Gedichte mit intellektueller Aufladung: Leicht macht es Thomas Kunst dem Leser nicht mit seiner sturen und sperrigen Art des Dichtens – hat man sich aber an den unverwechselbaren Rhythmus und Tonfall gewöhnt, dann lernt man die Widerspenstigkeit der Kunst’schen Lyrik zu schätzen – unter die Haut gehende Textkompositionen über die Liebe, die man einfach lieben muss. / Martin Becker, DLR
Thomas Kunst:
Die Arbeiterin auf dem Eis. Gedichte
edition Azur, Dresden 2013
136 Seiten, 22 Euro
Da kommen Genossen ins Schwärmen*:
Jewgeni Jewtuschenko. Von Liebe zum Land erhitzt. Und über diese Hitze immer wieder unvergessliche Gedichte, stets nah am Poem: »Hochzeiten«, »Stille«, »Als dein Gesicht …«, »Lektion in Mut«. Im Westen schauten junge Leute nach Woodstock, wir schauten uns russische Birken herbei und sahen den Sowjetstern als natürlichst gewordenen Teil der Natur, die dadurch mehr Werden als Vergehen aufbot. »Revolution und Patschanga«, das kubanische Hohelied: »Die Revolution – ist eine rauhe Sache, /doch hol›s der Teufel, keine fade!/ Alles Aufgeblasene, Rückgratschwache, / Revolution, zerschlage!« Es war die Zeit der Ungebrochenheit, da das vibrierende Lob des geschichtsbestimmenden Bewusstseins auch etwas arg Bewusstloses, blind Besinnungsloses hatte. Aber: schön. Wie jede Illusion in Aufwinden. / Hans-Dieter Schütt, Neues Deutschland
*) Aber „Sowjetischer Schlawiner“ ist eine unangemessene Überschrift. FDJ-Stil, würde ich sagen.
18.7.
Buchreport: Wie lässt sich die Begeisterung von der Festivalebene und digitalen Plattformen auf den Buchkauf übertragen?
Daniela Seel: Hier stehen wir vor der Herausforderung und Frage: Was sind die zeitgenössischen Publikationsformen oder auch Kontexte, in denen sich Lyrik gut vermitteln lässt? Da bewegt sich gerade sehr viel. Für Autoren wird es immer wichtiger, Veranstaltungen zu machen, um den Lebensunterhalt zu verdienen und überhaupt über andere ästhetische Mittel literarischer Kommunikation und Kunst nachzudenken bzw. in solchen zu arbeiten und nicht allein in klassischen Buchformaten. Auch wenn der Mythos gepflegt wird: Vom reinen Buchverkauf konnten und können Autoren fast nie leben.
Und wo finden Sie Ihr Zielpublikum?
Viel findet sicher über Empfehlungen auf Internetplattformen statt, gerade für Lyrik hat sich hier ein spezielles Feuilleton entwickelt wie z.B. fixpoetry.com oder poetenladen.de. Dann gibt es eine Reihe gedruckter literarischer Magazine, die zum Entdecken neuer Texte und Autoren einladen. Viel Publikumskontakt haben wir bei kleineren Festivals oder Messen. Nicht zu vernachlässigen ist der grafische Aspekt unserer Bücher: Unter den Käufern gibt es einige, die besonders die Illustrationskunst von Andreas Töpfer schätzen, durch die die Kookbook-Titel ein eigenes, besonderes Profil haben.
Und der stationäre Buchhandel?
Es gibt einige wenige Buchhändler und Buchhändlerinnen, die der Lyrik ein Forum geben. Durch die aktuellen Veränderungen am Buchmarkt – den Rückbau der Filialbuchhandlungen und die Erholung des kleinen, inhabergeführten Buchhandels – könnte es sogar zu einer besseren Darstellung unserer Bücher im Buchhandel kommen.
Die Fragen stellte Nicole Stöcker
Safiye Can im eXperimenta Gespräch mit Rüdiger Heins über die aktuelle Lage in der Türkei
„De facto ist die Türkei ein Polizeistaat. Führten wir dieses Gespräch in der Türkei,
würde man uns verhaften und eXperimenta müsste schließen.“
eXperimenta: Frau Can, wie schätzen Sie die augenblickliche Lage in derTürkei ein?
Safiye Can: Die momentane Lage ist sehr explosiv. Die türkische Bevölkerung ist in zwei verfeindete Lager geteilt. Erdoğans aggressive Wortwahl und seine Borniertheit hat die Wut der Menschen auf ihn und seine Partei gesteigert. Erdoğans Anhänger helfen der Polizei, indem sie mit Schlagstöcken und Macheten unbewaffnete Demonstranten jagen. Der Polizei kommt das gelegen. Die Widerständler sind aber nicht einzuschüchtern und sie sind sehr kreativ. Eine ihrer Waffen ist die Ironie. Ironie setzt Intelligenz voraus.
eXperimenta: Welche Gründe gibt es, dass so viele Menschen in der Türkei gegen die Regierung demonstrieren?
Safiye Can: Es gibt sehr viele Gründe. Eben dies sorgte dafür, dass Menschen, die sich normalerweise aus dem Weg gingen oder sich untereinander bekriegten, heute Seite an Seite Widerstand leisten. Verfeindete Fußballmannschaften laufen Arm in Arm, Konservative laufen neben Transsexuellen, Atheisten und Muslime zeigen einander mehr Respekt. Aufgrund der Notsituation haben die Menschen mehr denn je Verständnis füreinander. Zeitweise hatte ich das Gefühl, meine Kurzgeschichten werden wahr. Wie unterschiedlich die Menschen auch sind, sie haben am eigenen Leib erfahren müssen, was es bedeutet, wenn die Freiheit eingeschränkt wird und wie manipulativ Medien tatsächlich sind. Die Menschen wollen ihre Freiheit, wir alle wollen sie. Dazu gehört nun einmal auch die Meinungsfreiheit. Der Ministerpräsident Erdoğan hat sich viel zu viel erlaubt und allzu viel haben die Menschen erduldet. Dann reichte bloß noch ein Tropfen, um das Fass zum Überlaufen zu bringen. Dieser Tropfen war die unverhältnismäßige Gewalt der Polizei gegen friedliche Demonstranten im GeziPark, die den Park behalten und die Gründung eines Einkaufszentrums verhindern wollten. Eine Frau wurde aus nächster Nähe mit einer Gaspistole attackiert, Menschen wurden im Schlaf mit Gaspatronen angegriffen und ihre Zelte wurden in Brand gesetzt. Dieses brutale Vorgehen trieb die Menschen auf die Barrikaden. Hierzulande wunderte man sich zeitgleich, weswegen es so viel Tumult wegen „ein paar“ Bäumen gab. Freilich stehen diese Bäume auch für sich als Bäume und auch dieser Park hat eine Geschichte, aber die Bäume repräsentieren mehr, sie wurden zum Symbol für die Grundrechte der Menschen, für die Demokratie in der Türkei, sie stehen für alle bisher ermordeten, verschollenen, misshandelten und zu Unrecht inhaftierten Menschen, darunter viele junge Menschen, auch viele Autoren, unzählige Dichter. / mehr
Die Internationalen Literaturtage Sprachsalz in Hall in Tirol bieten vom 13.–15. September 2013 einmal mehr Begegnungen und Empfehlungen der besonderen Art, wenn drei Tage lang das Parkhotel Hall zur Literaturbühne wird.
Ein Schwerpunkt gilt in diesem Jahr verstärkt der Lyrik: Zu Gast sind die deutsch-türkische Dichterin Zehra Çırak und der mehrfach ausgezeichneten Leipziger Lyriker und ÜbersetzerAndre Rudolph. Die österreichische Autorin Waltraud Haas ist ebenso zu erleben wie der New Yorker Dichter und Romancier Alan Kaufman, der u.a. aus seinem soeben erschienene Lebensgeschichte „Drunken Angel“ lesen wird.
Passend zum Buchmessen-Schwerpunkt Argentinien wird Hernán Ronsino seinem Roman Letzter Zug nach Buenos Aires vorstellen. Kleist-Preisträger Max Goldt verspricht beim großen Sprachsalz-Fest am Samstagabend Amüsant-Bösartiges. Die österreichischen Schriftsteller Hanno Millesi und Michael Stavaric präsentieren ihre aktuellen Romane ebenso wie Markus Köhle und Matthias Mander.
Starke weibliche Stimmen der zeitgenössischen Schweizer Literatur sind mit der französischsprachigen Autorin und Regisseurin Anne Cuneo, Bettina Spoerri und Ulrike Ulrich zu Gast. Freuen kann man sich weiters auf die slowakisch-schweizerische Schriftstellerin und Journalistin Irena Brezna und die soeben für ihr Gesamtwerk mit dem Schweizer Literaturpreis ausgezeichnete Grand Dame Erica Pedretti.
Am Festival-Freitag findet wieder eine Kooperation mit den Klangspuren Schwaz statt: Dieser musikalische Abend mit textlichen Interventionen steht ganz im Zeichen des romantischen Erbes: Zu hören sind u.a. Kompositionen von Wolfgang Rihm oder Heinz Holliger. Wie alle Sprachsalz-Veranstaltungen ist auch diese bei freiem Eintritt zu besuchen. / buecher.at
17.7.
Sechs Wochen lang, bis Ende August, dauert der Lyriksommer im Deutschlandradio Kultur. Während dieser Zeit hören Sie morgens vor 8.00 Uhr und nachts in Fazit – jeweils ein zeitgenössisches deutschsprachiges Gedicht. Außerdem präsentieren wir in den unterschiedlichsten Sendungen, auch in den Lesungen am Samstag immer wieder Lyrik. / Deutschlandradio
Mittwoch, 17. Juli
Gedicht des Tages
Ursula Krechel: „Ein Gedicht entsteht“
Donnerstag, 18. Juli
Gedicht des Tages
Ginka Steinwachs: „Yogalaute II“
Freitag, 19. Juli
Gedicht des Tages
Irmela Brender: „Was ein Kind braucht“
Eine Version aus der früheren und frühen DDR. 1960 schrieb der Dichter Paul Wiens ein Gedicht im Kontext seiner „Neuen Harfenlieder des Oswald von Wolkenstein“, mit denen er 1957 schon einmal untergegangen war. 1962 druckte es das „Neue Deutschland“, aber der für 1963 angekündigte Band erschien dann doch nicht. Erst 1968 kam ein neuer Band mit einer Auswahl der „Neuen Harfenlieder“, aber ohne „Dichtersoll“ und manche andere. 1972 erschien in anderem Verlag eine größere Auswahl, umfangreicher wenn auch nicht komplett, aber nun mit dem „Dichtersoll“:
Dichtersoll
Ein spaß für die kleinen,
ein rauch für die reinen,
ein lied für die leisen,
ein blitz für die weisen
und für die jugend
ein traum ohne tugend …
Wenns wir poeten
doch wagten und täten,
nicht selbst uns belögen,
daß wirs zwar vermögen,
daß aber…
……………. Ja, ja,
der staat ist noch da!
Paul Wiens: Vier Linien aus meiner Hand. Gedichte 1943-1971. Leipzig: Reclam, 1972, S. 96.
Von Vian auf Wiens kam ich über einen Reim, der unverhofft aus dem Gestrüpp des Gedächtnisses auftauchte: „Lebte der gute Goethe / er wüßte, was er täte!“ Der Staat? Ist immer da.
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